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Allan Pred
Allan Richard Pred (* 28. Juli 1936 in New York; † 5. Januar 2007 in Berkeley) war ein US-amerikanischer Geograph. Inhaltsverzeichnis.
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Kern des Modells
Allan Pred entwickelte ab 1967 eine behavioristische Standorttheorie. Sie erklärt, wie Unternehmen ihren Betriebsstandort auswählen. Anders als deduktive, neoklassische Standorttheorien von Alfred Weber, Walter Isard und David M. Smith geht sie nicht von einem einheitlichen Informationsstand und einer vollständig objektiven Entscheidung aus.
Pred nimmt an, dass Unternehmer unterschiedlich gut informiert sind und unterschiedliche Fähigkeiten besitzen, Informationen für die Standortwahl auszuwerten. Wichtig sind etwa Kenntnisse über Transportkosten und Arbeitskosten. Auch persönliche, nicht-materielle Werte können dazu führen, dass ein ökonomisch nicht optimaler Standort gewählt wird. Umgekehrt kann ein Unternehmer trotz geringer Auswertungsfähigkeit einen günstigen Standort finden, indem er erfolgreiche Unternehmen nachahmt.
Der Ansatz knüpft an Konzepte der Diffusionsgeografie von Torsten Hägerstrand aus 1952–1953 an. Diese führten die räumliche Verteilung und Verbreitung von Innovationen auf Lern- und Informationsprozesse zurück.
Entscheidungen unter begrenzter Information
Ausgangspunkt ist die Entscheidungsfindung des jeweiligen Entscheidungsträgers. Unternehmen können die einzelnen Schritte je nach finanzieller und personeller Ausstattung unterschiedlich gut bewältigen.
- Informationsgewinnung kostet Ressourcen. Menschen filtern aus den unendlich vielen Informationen ihrer Umwelt subjektiv jene Informationen heraus, die ihnen geeignet erscheinen.
- Auch die Informationsverarbeitung hängt von verfügbaren Ressourcen ab. Selbst bei hoher Qualität können Entscheidungsträger nicht alle denkbaren Alternativen prüfen. Sie akzeptieren daher häufig eine nur subjektiv befriedigende Lösung.
- Bei der eigentlichen Entscheidung prägen Ziele und Wertsysteme der Entscheidungsträger die Wahl wesentlich.
Eine Standortentscheidung ist damit nicht zwingend die rechnerisch beste Lösung, sondern das Ergebnis begrenzter Informationen, begrenzter Verarbeitungskapazität und persönlicher Ziele.
Verhaltensmatrix und Gewinnzonen
Unternehmen untersuchen aus Kosten- und Zeitgründen oft nicht alle möglichen Standorte. Ihr tatsächlicher Suchraum umfasst häufig nur einen kleinen Ausschnitt, zum Beispiel Standorte einer einzigen Region. In diesem Suchraum liegen räumliche Gewinnzonen: profitable Bereiche um einen lokal gewinnoptimalen Standort. Deshalb können selbst scheinbar irrationale oder zufällige Präferenzen bei wenigen geprüften Alternativen zu einer gewinnbringenden, aber suboptimalen Standortentscheidung führen.
Mit der „behavioral matrix“ (Verhaltensmatrix) untersuchte Pred Standortentscheidungen empirisch. Sie verbindet die Qualität und Quantität der Informationen eines Unternehmens mit dessen Fähigkeit, diese Informationen unternehmerisch zu nutzen.
- Gut informierte Unternehmen mit effizienter Informationsnutzung wählen mit hoher Wahrscheinlichkeit einen gewinnbringenden Produktionsstandort. Familiäre Gründe oder subjektive Wertvorstellungen können jedoch zu einem suboptimalen Standort innerhalb einer Gewinnzone führen.
- Bei durchschnittlichem Informationsstand und durchschnittlicher Verarbeitung liegen gewählte Standorte oft weit vom Optimum entfernt, aber noch innerhalb der Gewinnzonen.
- Schlecht informierte Unternehmen mit geringer Problemlösungskapazität wählen eher Standorte außerhalb der Gewinnzonen und sind langfristig nicht wettbewerbsfähig. Subjektive Gründe können dennoch zufällig zu einer gewinnbringenden Wahl führen.
Auch Nachahmung erfolgreicher Unternehmen kann zu einer gewinnbringenden Entscheidung führen. Pred folgerte, dass Informationsstand und Unternehmerleistung einerseits sowie die Qualität der Standortentscheidung andererseits wahrscheinlich stark positiv korrelieren. Bei gleichem Informationsstand und gleicher Nutzungskapazität können persönliche Präferenzen oder Zufall dennoch zu unterschiedlichen Standorten führen.
Veränderungen im Zeitverlauf
Pred ergänzt sein Modell um die Zeitdimension. Informationsstand und Fähigkeit zur Informationsverarbeitung können steigen: Neue Kommunikationstechniken erleichtern den Informationsfluss, neue Technologien verbessern die Verarbeitung, und Unternehmen können aus eigenen sowie fremden Fehlern lernen oder erfolgreiche Entscheidungen kopieren. Langfristig werden Entscheidungen dadurch rationaler und können eine Verlagerung zum Standortoptimum bewirken.
Die Entwicklung kann sich aber auch verschlechtern. Wenn sich Standortanforderungen eines Unternehmens oder die Bedingungen der möglichen Standorte verändern, können Informationsstand und Verarbeitungsqualität abnehmen. Eine frühere schlechte Standortwahl kann zudem finanzielle Mittel verringern, die für neue Technologien und qualifiziertes Personal nötig wären. Dann wird das Lernen aus eigenen Fehlern erschwert.
Einordnung und Kritik
Der verhaltenswissenschaftliche Ansatz versuchte erstmals, tatsächliche Standortentscheidungen nachzuvollziehen; verhaltenstheoretische Erklärungsmodelle wurden mehrfach empirisch bestätigt. Kritisch wird jedoch gesehen, dass psychologisch-subjektive Gründe möglicherweise überbewertet werden. Klassische Standortfaktoren, die physische Geographie und das Verkehrswesen spielen im Modell kaum eine Rolle.
Während die neoklassische Theorie den „homo psychologicus“ vernachlässige, lasse der verhaltenswissenschaftliche Ansatz den „homo oeconomicus“ weitgehend außer Acht.
Allan Richard Pred (* 28. Juli 1936 in New York; † 5. Januar 2007 in Berkeley) war ein US-amerikanischer Geograph. Er wurde 1962 an der University of Chicago zum Ph.D. promoviert, war ab 1962 an der Universität Berkeley tätig und seit 2005 korrespondierendes Mitglied der British Academy.