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Aachener Förderdiagnostische Rechtschreibfehler-Analyse

Ziel des Verfahrens ist die Ermittlung derjenigen Strukturbereiche des Schriftsystems, in denen Schülerinnen und Schüler beim Erlernen der Rechtschreibung noch …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Zweck und Einsatz von AFRA
  2. 2. Beschreibender Ansatz und Analyseebenen
  3. 3. Hierarchie der Rechtschreibprinzipien
  4. 4. Regelfälle und Ausnahmen
  5. 5. Profile, Vergleich und Tests

Zweck und Einsatz von AFRA

Die Aachener Förderdiagnostische Rechtschreibfehler-Analyse (AFRA) ist ein von Herné & Naumann (2016) entwickeltes, sprachwissenschaftlich fundiertes Verfahren zur Analyse von Rechtschreibfehlern. Es soll feststellen, in welchen Strukturbereichen des deutschen Schriftsystems Schülerinnen und Schüler noch Schwierigkeiten haben.

Die Analyseergebnisse werden als Rechtschreibprofile dargestellt. Sie dienen dazu, passgenaue schulische oder außerschulische Fördermaßnahmen zu planen und anschließend zu prüfen, ob diese Förderung wirksam war. Seit 2010 nutzt das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) an der Humboldt-Universität zu Berlin AFRA im Kompetenzbereich „Rechtschreibung“ für bundesweite Vergleichsarbeiten der Primarstufe und Sekundarstufe (VERA).

Beschreibender Ansatz und Analyseebenen

AFRA ist vor allem deskriptiv: Es beschreibt systematisch, welche Art von Rechtschreibfehler vorliegt, statt zunächst Ursachen dafür zu vermuten. Bei lange anhaltenden Problemen im Schrifterwerb können die Ergebnisse aber Hinweise auf mögliche zentrale oder periphere Funktionsstörungen geben, etwa Störungen der Sprechmotorik oder der auditiven beziehungsweise visuellen Wahrnehmung.

Die Fehler werden in zweidimensionalen Analyserastern geordnet: nach der sprachlichen Beschreibungsebene und nach der Häufigkeit des jeweiligen Rechtschreibphänomens. So lässt sich erkennen, welche Bereiche besonders förderbedürftig sind.

Hierarchie der Rechtschreibprinzipien

AFRA versteht die deutsche Orthographie als hierarchisch geordnetes System von Prinzipien und Regeln mit zunehmender Komplexität. Auf höheren Ebenen werden längere sprachliche Einheiten untersucht als auf niedrigeren.

Für die Analyse von Schreibproben gibt es 16 Fehlerkategorien. Sie sind aus drei linguistischen Beschreibungsebenen abgeleitet:

  • Phonologie: die Beziehung zwischen Lauten und Schriftzeichen.
  • Morphologie: die Struktur und Ableitung von Wörtern.
  • Syntax: Regeln für Wortarten und Sätze, beispielsweise Groß- und Kleinschreibung.

Die Kennzeichnung der Vokalquantität, also ob ein Vokal kurz oder lang gesprochen wird, gilt als Sonderfall. Sie ist in der Hierarchie zwischen Phonologie und Morphologie eingeordnet.

Regelfälle und Ausnahmen

AFRA unterscheidet Mehrheits- und Minderheitsschreibungen. Diese Einteilung orientiert sich daran, wie häufig eine Schreibweise vorkommt: Mehrheitsschreibungen sind im Wesentlichen regelhafte Fälle, Minderheitsschreibungen bilden Ausnahmen von solchen Regelungen. Das Konzept gilt nicht nur für grundlegende Laut-Buchstaben-Beziehungen, sondern auch für Regeln auf höheren Ebenen.

Auf der phonologischen Ebene entspricht dies der Unterscheidung von Thomé (2010) zwischen Basisgraphemen und Orthographemen. Ein Basisgraphem ist zum Beispiel <f> für den Laut /f/; ein Orthographem ist etwa <v> für /f/.

Typische Beispiele sind:

  • Phonologie: <f> in „für“ ist eine Mehrheitsschreibung, <v> in „vier“ eine Minderheitsschreibung.
  • Vokalquantität: <ie> in „sie“ ist bei lang gesprochenem /i:/ eine Mehrheitsschreibung, <ih> in „ihn“ eine Minderheitsschreibung.
  • Morphologie: Das <d> in „friedlich“ wird trotz der Lautung [t] als Mehrheitsschreibung betrachtet, weil es durch Ableitung von „Frieden“ ermittelt werden kann. Bei „niedlich“ ist eine solche Ableitung nicht möglich; daher zählt das <d> dort als Minderheitsschreibung.
  • Syntax: <l> in „leben“ steht für Kleinschreibung, <L> in „Leben“ für Großschreibung.

Profile, Vergleich und Tests

Rechtschreibprofile beruhen nicht auf absoluten Fehlerzahlen, sondern auf relativen Häufigkeiten. Die Fehlerzahl einer AFRA-Kategorie wird zur Kategorienbasisrate ins Verhältnis gesetzt. Diese Basisrate gibt an, wie oft das betreffende Rechtschreibphänomen in der jeweiligen Schreibprobe insgesamt vorkommt. Dadurch können Profile aus unterschiedlichen Schreibproben wie Rechtschreibtests, Diktaten oder Aufsätzen verglichen werden.

Herné & Naumann (2016) geben für die meisten praxisüblichen Rechtschreibtests die notwendigen Basisraten an. Prozentuale Fehlerhäufigkeiten können beispielsweise mit einem Tabellenkalkulationsprogramm berechnet werden.

Seit 2010 gibt es die vom LRS-Zentrum herausgegebene Testreihe „Kommissar Ix“, die auf AFRA zugeschnitten ist. Sie kann als Papier-und-Bleistift-Test mit herunterladbarem Testbogen oder online durchgeführt werden. Fachkräfte des LRS-Zentrums werten sie halbautomatisiert aus. Bei Testbögen werden nur die fehlerhaften Schreibungen in Online-Eingabemasken übertragen. Die Befunde erläutern die Ergebnisse, schlagen einen individuellen Förderplan vor und nennen bewährte Fördermaterialien.

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