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Çarşamba Çayı

Der Çarşamba Çayı ist ein perennierender Fluss im südwestlichen Inneranatolien in der türkischen Provinz Konya. Er dient in erster Linie der lokalen und …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Verlauf
  2. 2. Oberlauf und Zuflüsse
  3. 3. Der Durchbruch Mavi Boğaz
  4. 4. Unterlauf und frühere Landschaft
  5. 5. Forschung und Lokalklima
  6. 6. Überschwemmungen und Wasserbau

Überblick und Verlauf

Der Çarşamba Çayı, auch Bozkır Çayı genannt, ist ein perennierender, also ganzjährig wasserführender Fluss im südwestlichen Inneranatolien in der türkischen Provinz Konya. Er ist 105 km lang und dient vor allem der lokalen und überregionalen Versorgung der Konya-Ebene mit Bewässerungs- und Trinkwasser. Zugleich ist er wegen wiederholter Überschwemmungskatastrophen von historischer Bedeutung.

Das Einzugsgebiet verläuft überwiegend von Südwesten nach Nordosten durch drei Landschaftsräume: die Senke von Bozkır, den canyonartigen Durchbruch Mavi Boğaz und die Konya-Çumra Ovası, einen Teil der Konya-Ereğli Ovası. Die Höhen reichen von bis zu 2481 m im Taurusgebirge bis zu etwa 1000 m ü. NN am Hotamış-See nördlich von Adakale. Für das Geyik-Gebirge werden im Artikel unterschiedliche Höhenangaben genannt: Der Geyik Dağı wird einmal mit 2877 m, im Zusammenhang mit den höchsten Erhebungen des Quellgebiets jedoch mit 2481 m angegeben.

Der Fluss entsteht aus mehreren Quellen an den Ost- und Nordhängen von Akdağ (2419 m), Gül Dağı (2490 m) und Haydar Dağı (2249 m) im Gebirgsmassiv der Geyik Dağları. Gespeist wird er hauptsächlich durch Schneeschmelze und Niederschläge sowie zusätzlich durch Karstquellen. Eine wichtige Quelle ist Aygır Pınarı oberhalb von Karacahisar, nahe dem Gebirgspass Aygır Gediği und der Sugözü Yaylası. Dort liegt auch der Wasserfall Aygır Dibi Şelalesi.

Oberlauf und Zuflüsse

Der Oberlauf liegt im Südwesten des Großen Konya-Beckens in der Senke von Bozkır. Sie wird im Osten vom Eşenler-Gebirge mit dem Eşenler Dağı (1951 m) und im Westen vom Geyik-Gebirge begrenzt. Das Einzugsgebiet umfasst ungefähr 425 km². Es grenzt im Norden an die Suğla-Senke mit dem Suğla-Gölü, im Süden und Osten an das Becken des Göksu Nehri und im Westen an schlecht entwässerte Karstlandschaften. Fast 55 % der Region, also 227,1 km², liegen über 1500 m Höhe; an anderer Stelle wird dieser Anteil mit 53,5 % angegeben.

Geologisch kommen Gesteine aus allen Zeitabschnitten vom Paläozoikum bis zum Holozän vor. Die wichtigsten Einheiten sind die autochthone Hadim-Einheit, die allochthonen Göksu-Decken und die Bozdağ-Einheit. Die alpine Orogenese führte zu einer gefalteten, von Verwerfungen und Überschiebungen geprägten Struktur. Weit verbreitete Kalke sind stark geklüftet, wodurch sich zahlreiche Karstformen entwickelten. Dazu gehören Dolinen, Poljen, fluvio-karstische Uvalas, Höhlen und unterirdische Entwässerungswege. Epirogene Hebungen vertieften die Flussbetten; Erosion wirkt bis heute stark auf das Becken ein.

Der Çarşamba Çayı, im Oberlauf auch Ulu Çay genannt, vereinigt sich zunächst mit dem Toplar Çayı und dem Kozlu Çayı. Er durchfließt unter anderem Karacahisar, Toplar, Kızılçam, İsalı und Sorkun und nimmt den Kuruçay aus dem Westen auf. Bei Dereköy wendet er sich nach Osten, passiert Çağlayan und nimmt den Yayla Çayı auf. Danach fließt er wieder nach Norden und erreicht Bozkır. Dort münden unter anderem Ahırcı Çayı und Kanlıdere Çayı sowie kleinere Bäche wie Söğüt Deresi, Kaya Pınarı und Çökelez Deresi. Bei Suçatı vereinigt sich der Fluss mit dem Kozdere und mit dem Beyşehir-Suğla-Kanal, auch BSA-Kanal oder Beyşehir-Kanal genannt. Mehrere kleinere Zuflüsse führen im Sommer deutlich weniger Wasser und können bei längerer Trockenheit austrocknen.

Der Durchbruch Mavi Boğaz

Im Mittellauf fließt der Çarşamba Çayı ostnordostwärts durch die Gemarkungen Pınarcık und Kuşça. Bei Pınarcık nimmt er das Wasser des BSA-Kanals auf. Dieser leitet überschüssiges Wasser aus dem Beyşehir- und Suğla-Gebiet ab und führt zusammen mit dem Çarşamba durch die Mavi Boğaz, die „Blaue Schlucht“.

Die Mavi Boğaz ist eine etwa 35 km lange, enge und gewundene Schlucht mit einer Tiefe von bis zu 250 m. Bei Suçatı, 14 km östlich von Pınarcık, trifft der Fluss auf das Leitungssystem des „Mavi Tünel“-Projekts. Von dort wird zusätzlich Wasser aus dem Göksu-Becken in den Çarşamba Çayı geleitet. Der westliche Teil des Canyons zeigt Mäander und entstand offenbar entlang von Überschiebungslinien, an denen allochthone Gebirgseinheiten über autochthone Formationen geschoben wurden.

Der östliche Abschnitt zwischen Kuşça und der Apa-Talsperre liegt überwiegend in autochthonen Kalksteinen. Dort ist das Tal 100–150 m breit und stellenweise 250–300 m tief. Die Schlucht durchquert eine stark verkarstete Landschaft. Ihre Entstehung wird als Einsturz eines älteren Karst-Höhlensystems interpretiert, das sich vom späten Pliozän bis zum frühen Pleistozän entwickelt hatte. Schwermineralien-Analysen zeigen, dass im späten Pleistozän, während eines Hochstands des Beyşehir-Sees vor etwa 25.000 bis 21.000 Jahren, Wasser aus dem Beyşehir-Suğla-Seebecken durch diesen Durchbruch in die Konya-Ereğli-Ova überlief.

Die Apa-Talsperre sammelt das Wasser des Çarşamba Çayı, des BSA-Kanals und der Göksu-Ableitung über den Afşar-Bağbaşı-Hadimi-Tunnel.

Unterlauf und frühere Landschaft

Nach dem Mavi Boğaz erreicht der Fluss die Apa-Talsperre und anschließend die Konya-Ebene. Bei Dineksaray liegt eine historische Brücke. Nach etwa 65 km Fließstrecke beginnt der wichtigste natürliche Arm des Çarşamba. Bei Gökhüyük spaltet sich der Fluss in mehrere Bewässerungskanäle auf und durchquert die Vororte von Çumra. Etwa 10 km nördlich von Çumra endet der natürliche Lauf südlich von Çatalhöyük. Der Fluss ist dort insgesamt etwa 105 km lang.

Nach dem Ende der Würm-Kaltzeit verringerte sich der Niederschlag, und der alte Konya-See schrumpfte. Der Çarşamba entwickelte sich in der Ebene zu einem anastomosierenden, also verzweigten Flusssystem mit saisonalen Überschwemmungen. Dabei entstand durch Ablagerungen ein breiter, sanft abfallender Schwemmfächer auf dem früheren Seebett, der Çarşamba-Fächer. Die Sedimente erstrecken sich über etwa 474 km² und begruben die neolithische Siedlung Çatalhöyük ungefähr zwei Meter tief; kleinere Hügel wurden vollständig von Schwemmland bedeckt.

Çatalhöyük bestand aus zwei Siedlungshügeln und war vom Ende des 8. bis zur Mitte des 6. Jahrtausends v. Chr. besiedelt. Der Çarşamba Çayı war die Lebensader der Siedlung. Ein abrupter globaler Temperatursturz um etwa 6200 v. Chr. führte im östlichen Mittelmeerraum zu kühleren und trockeneren Bedingungen und möglicherweise zum Ende des Siedlungsplatzes. Das Ereignis veränderte vermutlich auch die Wasserführung des Flusses.

Vor dem Bau des BSA-Kanals verteilte sich das Wasser in der Çumra-Ebene über mehrere Zweige und versickerte teilweise in Sümpfen bei Karakaya. Früher konnten Winterhochwasser den Hotamış-Sumpf erreichen und eine Fläche von 60 km² bedecken. Seit den späten 1990er Jahren wird ein Teil des Drainagewassers über den Sağ Çarşamba Kanalı nordwärts zur Zuvarik-Ova und weiter zum Verdunstungsbecken des Tuz Gölü geleitet. Der Fluss ist heute stark kanalisiert. Ein betonierter Hauptarm wurde in den 1960er Jahren westlich von Çatalhöyük angelegt; der ältere Verlauf zwischen den beiden Siedlungshügeln ist auf jüngeren topografischen Karten noch erkennbar.

Forschung und Lokalklima

Ausgrabungen und paläoökologische Untersuchungen in Çatalhöyük veränderten die Vorstellungen über den prähistorischen Çarşamba. Frühere Theorien gingen von ausgedehnten, lang anhaltenden Frühjahrsüberschwemmungen und einer Nutzung der feuchten Auenböden für Auen- oder Decrue-Landwirtschaft aus. Neuere Rekonstruktionen sprechen dagegen für ein verzweigtes Trockenland-Flusssystem mit mehreren Armen und einem breiten Flussgürtel. Feuchtere Stellen waren örtlich begrenzt. Die Überschwemmungen waren wahrscheinlich saisonal, turbulenter und möglicherweise kurzlebiger, aber relativ erosionsarm.

2017 wurden in der Sedimentabfolge der Konya-Ebene vier Entwicklungsphasen des Flusses erkannt. Modelle von John Wainwright und Gianna Ayala aus den frühen 2020er Jahren deuten darauf hin, dass die Felder von Çatalhöyük weniger stark durch Überschwemmungen gefährdet waren als früher angenommen. Ian Hodder unterschied 2021 vier Besiedlungsphasen: Frühphase (7100–6700 v. Chr.), Mittelphase (6700–6500 v. Chr.), Spätphase (6500–6300 v. Chr.) und Endphase (6300–5950 v. Chr.).

Das heutige Klima verändert sich entlang des Flusses mit der Höhe. Der Oberlauf gehört zur Kategorie „warmgemäßigt mit warmen, trockenen Sommern“, der Mittellauf zu „warmgemäßigt mit heißen, trockenen Sommern“. In der Çumra-Ebene herrscht eine heiße, aride Steppe mit heißen, trockenen Sommern und kalten Wintern. Die mittlere Jahrestemperatur steigt vom Oberlauf über den Mittellauf zum Unterlauf von 10,3 °C auf 11,0 °C beziehungsweise 11,4 °C. Der mittlere Jahresniederschlag sinkt gleichzeitig von 599 mm auf 480 mm und 350 mm. In Bozkır beträgt die niedrigste durchschnittliche Januartemperatur 0,8 °C, die mittlere Minimaltemperatur im Januar −3,7 °C und die höchste durchschnittliche Monatstemperatur im Juli 21,4 °C. Die höchste Maximaltemperatur wird im August mit 29,7 °C angegeben. Schnee in den Hochlagen, Schneeschmelze und starke Südwestwinde können die Wasserstände besonders im Winter und frühen Frühjahr rasch erhöhen.

Überschwemmungen und Wasserbau

Überschwemmungen gehören zu den wichtigsten Problemen am Çarşamba Çayı. Besonders im Landkreis Bozkır traten sie seit der Zeit des Seldschukenreichs und während des Osmanischen Reichs wiederholt auf. Das Alter der fast 14 m langen, dreibogigen Steinbrücke von Bozkır ist umstritten: Sie wurde je nach Forschungsperspektive der vorseldschukischen beziehungsweise byzantinischen Zeit, der Seldschukenzeit, dem Karamaniden-Fürstentum oder der Beylik- und Osmanenzeit zugeordnet.

Am 10. Juni 1904 zerstörte ein extremes Hochwasser in Bozkır und den umliegenden Dörfern Geschäfte, Häuser, Straßen, Wege, Brücken und Ackerflächen. Im Kreiszentrum wurden 57 Geschäfte mit einem Schaden von 25.000 Kuruş, 65 Häuser mit 11.000 Kuruş und 5900 Hektar Ackerland mit 92.000 Kuruş Schaden verzeichnet. Es gab Tote; viele Dorfbewohner wanderten nach Alanya und Akseki ab. Weitere Überschwemmungen ereigneten sich unter anderem 2002, 2004, 2007 und 2010. Bei der Flut vom 15. Dezember 2010 wurden 3000 m Abwasserrohre, 1800 m Wasserleitungen und 485 Dekar landwirtschaftlicher Nutzfläche beschädigt. Von 13 Brücken wurden fünf zerstört und acht beschädigt; außerdem waren 70 Häuser und Geschäfte in Bozkır sowie 50 Häuser im Ort Dere betroffen.

Als Ursachen gelten Starkregen nach heftigen Schneefällen, die Verengung des Flussbetts, fehlende Rückhaltebecken, menschliche Eingriffe und ein zu enger Durchlass des Çökelez Dere. Fachleute halten es für wahrscheinlich, dass eine zunehmende Intensität von Starkregen infolge der globalen Erwärmung das Hochwasserrisiko weiter erhöht.

Zur Wasserbewirtschaftung wurden der BSA-Kanal und die Apa-Talsperre gebaut. Die Apa-Barajı entstand 1957–1962 und besitzt ein Volumen von 169 Millionen m³. Das Mavi-Tünel-Projekt leitet Wasser aus dem Göksu-Becken, das natürlicherweise zum Mittelmeer entwässert, in das geschlossene Konya-Becken. Über den 125 km langen Apa-Hotamış-Übertragungskanal sollen jährlich 414 Millionen m³ Wasser aus den Stauseen Afşar, Bağbaşı und Bozkır bereitgestellt werden. Vorgesehen sind die Bewässerung von 223.410 Hektar, 100 hm³/Jahr für den Trink-, Haushalts- und Industriebedarf von Konya sowie eine Grundwasseranreicherung. Drei Wasserkraftwerke erreichen zusammen 50,6 MW installierte Leistung und sollen jährlich 147,5 GWh erzeugen. Die erste Wasserentnahme aus dem Tunnel erfolgte am 22. Mai 2015; seit 2021 floss Wasser durch wesentliche Teile des AHI-Kanals.

Stand März 2026 berichten regionale Medien über strukturelle Mängel, Risse, Erosion und Einsturzgefahr am AHI-Kanal. Der Kanal sei deshalb derzeit nicht für den Wassertransport nutzbar.

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