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Wie interpretiert man eine Quelle? - Abitur in Geschichte

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  1. Eine Quellinterpretation in der Geschichtswissenschaft folgt einem klaren methodischen Aufbau, der in drei grundlegende Schritte gegliedert ist.
  2. Zuerst folgt die Analyse der formalen und inhaltlichen Merkmale, anschließend die historische Einordnung in die Zeit der Entstehung und schließlich das
  3. Werten und Beurteilen des Aussagegehalts. Im ersten Schritt der Analyse steht am Anfang immer die sogenannte Quellenvorstellung, also die
  4. Analyse der formalen Merkmale. Hier werden zunächst grundlegende Angaben gemacht. Dazu gehört der Autor oder die Autorin der Quelle. Man sollte
  5. biographische Angaben nennen, den sozialen Status, das Geschlecht, die politische Ausrichtung und ob die Person ein Zeitgenosse des geschilderten
  6. Geschehens war. Ebenso wichtig ist die Quellengattung, also die Textsorte. Hier wird festgehalten, ob es sich beispielsweise um eine Rede, ein
  7. Gesetzestext, eine Aktennotiz, einen Brief, einen Zeitungsartikel, eine Denkschrift, ein Tagebuch, eine fachwissenschaftliche Darstellung oder
  8. im Memoiren [musik] handelt. Darüber hinaus erfolgt eine kurze historische Einordnung. Wann, wo und unter welchen Umständen wurde die Quelle verfasst?
  9. Welcher Anlass wieder dazu, dass diese Quelle entstand? Hier nennt man den Entstehungsort, die Situation, das Datum, den historischen Kontext und
  10. gegebenenfalls die Epoche oder Ehre. Ebenso muss der Adressat bestimmt werden, also die Person oder Gruppe, an die sich der Autor oder die Autorin
  11. richtet. Auch hier sollte man möglichst Prähese sein und Angaben zum sozialen Status, zum Geschlecht oder zur politischen
  12. Ausrichtung machen. Allgemeine Angaben wie das Volk sind zu ungenau. Danach benennt man das Thema also eine knappe Darstellung des Gegenstands oder Inhalts
  13. und schließlich die Intention des Textes, also die erkennbaren Ziele und Absichten des Autors oder der Autorin. Diese können darin bestehen, zu
  14. informieren, zu überzeugen, zu kritisieren, zu motivieren oder zu appellieren. Erst danach beginnt die eigentliche Analyse. Dabei geht es um
  15. die strukturierte Wiedergabe des Inhalts und der Argumentationsstruktur, also des gedanklichen Aufbaus der Quelle. Immer mit Text belegen. Hier fragt man, was
  16. ist die Kerntese? Was sind die Hauptaussagen? Wie ist die Quelle gegliedert und welche Funktionen erfüllen die einzelnen Absätze? In der
  17. Analyse untersucht man außerdem, ob Behauptungen, Argumente, Appelle, Kritik oder Fragen verwendet werden. [musik] Auch die Sprache spielt eine wichtige
  18. Rolle. Der bewusste Einsatz von Wortwahl, Stil oder rhetorischen Mitteln wie Schwarzmalerei, Übertreibung oder Pathos verrätt viel über die Position
  19. des Autors oder der Autorin. Am Ende der Analyse zieht man dann ein kurzes Fazit. Im zweiten Schritt folgt dann die historische Einordnung. Hier bringt man
  20. das im Unterricht oder studiumerworbene Wissen ein, sofern es einen Bezug zur Quelle oder zur Fragestellung hat. Man ordnet die Quelle also in den
  21. historischen Kontext und Problemzusammenhang ein. zeitlich, örtlich und in Bezug auf Ereignisse und Entwicklungen.
  22. Der dritte Schritt ist dann die Beurteilung und Bewertung, die bei weitem die schwierigste Aufgabe darstellt. Hier zeigt man, dass man in
  23. der Lage ist, aufgrund historischen Wissens zu einem begründeten Urteil über einen historischen Sachverhalt zu gelangen. Ziel ist es zu zeigen, dass
  24. man kritisch mit den Aussagen der Quelle umgehen kann, reflektiert, hinterfragt und begründet bewertet. In der Regel endet die Erörterung mit
  25. einem abschließenden Sachurteil oder Werturteil, je nachdem was gefordert ist. Ein Sachurteil bedeutet, dass man den Stellenwert historischer
  26. Sachverhalte in einen Zusammenhang bestimmt, ohne persönliche Meinung, um zu einem begründeten Sachurteil zu gelangen. Hilfreiche Formulierungen für
  27. das Sachurteil sind z.B. aus damaliger Sicht an den damaligen Verhältnissen gemessen. Ist das fortschlich oder rückwärts gewandt? Oder zu dieser Zeit
  28. war das eine typische oder außergewöhnliche Position? Ein Werturteil geht darüber hinaus. Hier wird ähnlich wie beim Beurteilen ein
  29. Urteil gefällt, allerdings mit Offenlegung und Begründung eigener Wertmaßstäbe. Diese Wertmaschbe sollten pluralistisch sein und sich an den
  30. Wertvorstellungen des Grundgesetzes orientieren. Das Werturteil enthält also die persönliche Sichtweise, aber immer aus der Perspektive eines historischen
  31. reflektierten Menschen. Hilfreiche Formulierungen sind etwa aus heutiger Sicht. Ich bewerte das aus meiner Sicht oder an unserem heutigen Wertmastäben
  32. gemessen.

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