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Wie interpretiert man eine Quelle? - Abitur in Geschichte
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Transkriptautomatisch erstellt · 32 Zeilen
- Eine Quellinterpretation in der Geschichtswissenschaft folgt einem klaren methodischen Aufbau, der in drei grundlegende Schritte gegliedert ist.
- Zuerst folgt die Analyse der formalen und inhaltlichen Merkmale, anschließend die historische Einordnung in die Zeit der Entstehung und schließlich das
- Werten und Beurteilen des Aussagegehalts. Im ersten Schritt der Analyse steht am Anfang immer die sogenannte Quellenvorstellung, also die
- Analyse der formalen Merkmale. Hier werden zunächst grundlegende Angaben gemacht. Dazu gehört der Autor oder die Autorin der Quelle. Man sollte
- biographische Angaben nennen, den sozialen Status, das Geschlecht, die politische Ausrichtung und ob die Person ein Zeitgenosse des geschilderten
- Geschehens war. Ebenso wichtig ist die Quellengattung, also die Textsorte. Hier wird festgehalten, ob es sich beispielsweise um eine Rede, ein
- Gesetzestext, eine Aktennotiz, einen Brief, einen Zeitungsartikel, eine Denkschrift, ein Tagebuch, eine fachwissenschaftliche Darstellung oder
- im Memoiren [musik] handelt. Darüber hinaus erfolgt eine kurze historische Einordnung. Wann, wo und unter welchen Umständen wurde die Quelle verfasst?
- Welcher Anlass wieder dazu, dass diese Quelle entstand? Hier nennt man den Entstehungsort, die Situation, das Datum, den historischen Kontext und
- gegebenenfalls die Epoche oder Ehre. Ebenso muss der Adressat bestimmt werden, also die Person oder Gruppe, an die sich der Autor oder die Autorin
- richtet. Auch hier sollte man möglichst Prähese sein und Angaben zum sozialen Status, zum Geschlecht oder zur politischen
- Ausrichtung machen. Allgemeine Angaben wie das Volk sind zu ungenau. Danach benennt man das Thema also eine knappe Darstellung des Gegenstands oder Inhalts
- und schließlich die Intention des Textes, also die erkennbaren Ziele und Absichten des Autors oder der Autorin. Diese können darin bestehen, zu
- informieren, zu überzeugen, zu kritisieren, zu motivieren oder zu appellieren. Erst danach beginnt die eigentliche Analyse. Dabei geht es um
- die strukturierte Wiedergabe des Inhalts und der Argumentationsstruktur, also des gedanklichen Aufbaus der Quelle. Immer mit Text belegen. Hier fragt man, was
- ist die Kerntese? Was sind die Hauptaussagen? Wie ist die Quelle gegliedert und welche Funktionen erfüllen die einzelnen Absätze? In der
- Analyse untersucht man außerdem, ob Behauptungen, Argumente, Appelle, Kritik oder Fragen verwendet werden. [musik] Auch die Sprache spielt eine wichtige
- Rolle. Der bewusste Einsatz von Wortwahl, Stil oder rhetorischen Mitteln wie Schwarzmalerei, Übertreibung oder Pathos verrätt viel über die Position
- des Autors oder der Autorin. Am Ende der Analyse zieht man dann ein kurzes Fazit. Im zweiten Schritt folgt dann die historische Einordnung. Hier bringt man
- das im Unterricht oder studiumerworbene Wissen ein, sofern es einen Bezug zur Quelle oder zur Fragestellung hat. Man ordnet die Quelle also in den
- historischen Kontext und Problemzusammenhang ein. zeitlich, örtlich und in Bezug auf Ereignisse und Entwicklungen.
- Der dritte Schritt ist dann die Beurteilung und Bewertung, die bei weitem die schwierigste Aufgabe darstellt. Hier zeigt man, dass man in
- der Lage ist, aufgrund historischen Wissens zu einem begründeten Urteil über einen historischen Sachverhalt zu gelangen. Ziel ist es zu zeigen, dass
- man kritisch mit den Aussagen der Quelle umgehen kann, reflektiert, hinterfragt und begründet bewertet. In der Regel endet die Erörterung mit
- einem abschließenden Sachurteil oder Werturteil, je nachdem was gefordert ist. Ein Sachurteil bedeutet, dass man den Stellenwert historischer
- Sachverhalte in einen Zusammenhang bestimmt, ohne persönliche Meinung, um zu einem begründeten Sachurteil zu gelangen. Hilfreiche Formulierungen für
- das Sachurteil sind z.B. aus damaliger Sicht an den damaligen Verhältnissen gemessen. Ist das fortschlich oder rückwärts gewandt? Oder zu dieser Zeit
- war das eine typische oder außergewöhnliche Position? Ein Werturteil geht darüber hinaus. Hier wird ähnlich wie beim Beurteilen ein
- Urteil gefällt, allerdings mit Offenlegung und Begründung eigener Wertmaßstäbe. Diese Wertmaschbe sollten pluralistisch sein und sich an den
- Wertvorstellungen des Grundgesetzes orientieren. Das Werturteil enthält also die persönliche Sichtweise, aber immer aus der Perspektive eines historischen
- reflektierten Menschen. Hilfreiche Formulierungen sind etwa aus heutiger Sicht. Ich bewerte das aus meiner Sicht oder an unserem heutigen Wertmastäben
- gemessen.
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