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Abi Deutsch Deutungshypothese
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 82 Zeilen
- In diesem Video geht es um die Deutungshypothese. Jeder will sie. Überall steht das Wort. Jeder verwendet es. Keiner weiß so
- genau, was das sein soll. Alle sagen, es soll kurz sein, prägnant und sagen, um was es deiner Meinung nach in dem Text geht. Bringen wir Licht in das Dunkel.
- Ich habe es untertitelt mit Sagen, um welche menschliche Grundfrage es geht in einem Text. Klingt geschwollen. Wir schauen mal hier ein paar Beispiele. Ich
- denke immer, die machen das besonders anschaulich. Du hast jetzt als erstes schon mal geschrieben, das Gedicht sowieso wurde
- von sowieso dann und dann verfasst. Und dann kommt bereits deine Deutungshypothese in einen bis drei Sätzen mit dem Gedicht Karussell
- thematisiert Rilke, die jetzt kommt's Vergänglichkeit der Kindheit. Dazu verwendet er das Bild einer Karussellahrt.
- Also, es tauchen keine Personen auf und keine Situation, sondern so ein allgemein menschliches Thema. Vergänglichkeit der Kindheit, damit
- haben wir alle zu tun. Göttes Gedicht Grenzen der Menschheit thematisiert die Beziehung der Menschheit oder der Menschen zum
- Göttlichen und fragt insbesondere danach, wie sich der Mensch gegenüber dieser höher gestellten Kraft verhalten soll
- oder ein bisschen länger, aber doch auch aufs Wesentliche reduziert. Die Kurzgeschichte Party von Zoe Jenny thematisiert das Bestreben
- heranwachsender Teil einer Masse zu sein. Gott, wie kommt man auf sowas dazugleich noch? Die Autorin wählt einen ehemaligen Schlachthof als
- Veranstaltungsort für eine Raverparty und verwendet zentrale sprachliche Bilder aus dem Bereich des Schlachtens, sodass ein Vergleich hergestellt wird
- zwischen den Tanzenden und Schlachtfieh. Oder eine Kurzgeschichte, die du mit Sicherheit kennst. Die Kurzgeschichte das Brot thematisiert den
- Vertrauensverlust eines Ehepaares. Also nicht das Thema ein Ehepaar, das sich belügt oder sich gegenseitig beim Brotsen in der Küche erwischt in Zeiten
- des Mangels, also in der Nachkriegszeit. Nachkriegszeit wurde hier noch mal ein bisschen abstrahierter. Borchd verwendet Brot symbolisch, sodass
- es für alles stehen kann, was der Mensch zum Leben braucht. So, wie kommt man darauf? Man liest erstmal den Text ohne irgendwelche
- Markierung, schreibt dann in eigener Sprache auf, was mit dem Thema gemeint sein könnte. Toll ist, wenn man ein bisschen Wissen
- mitbringt über Motive, Symbole, also wie eben Brot kann für alles stehen, was fürs Leben da ist. Das könnte schon mal helfen und
- schreib das ruhig am Anfang in deiner eigenen Sprache, in Umgangssprache und überleg dir, wie du darauf gekommen bist, durch welche sprachlichen ähm
- Besonderheiten, Auffälligkeiten. Ganz wichtig ist, es geht nie um Figuren oder ein einzelnes Ereignis. Also bei Rutkäppchen handelt es sich nicht um
- eine Geschichte, die erzählt, wie ein kleines Mädchen trotz Mahnung der Mutter vom Weg abkommt und vom Wolf gefressen wird. Das ist eher Richtung
- Inhaltsangabe, sondern das Thema ist die Verführbarkeit des Menschen durch eine äh einschmeichelnde Macht oder etwas in der Art.
- Ähm, bei Sternaler geht es nicht darum, dass ein Kind äh nachts ähm Sterne erhält in Form von Talern für ähm sein Weggeben des letzten Hemdes, sondern das
- Thema ist die unerwartete Belohnung für das Hinten anstellen der eigenen Bedürfnisse oder ja für die eigene Großzügigkeit eben etwas in der
- Art. Es geht immer darum zu fragen, was könnte daran, was ist wiederholbar, was gilt sozusagen auch für andere Menschen, was ist so so eine Grundfrage?
- Und ähm es geht auch nicht um einzelne Ereignisse, also es geht nicht darum äh wie Leute beim Grillen sitzen und dann passiert etwas, sondern es geht dann
- darum, wie innerhalb eines äh gemeinschaftlichen Treffens eine einen ein Problem auftaucht, gelöst wird. Sowas in der Art.
- Huh, gar nicht so leicht, aber wir schaffen das. Ja, im Endeffekt geht es eigentlich immer um ähnliche Grundfragen. Das ist
- ja auch das, was meiner Meinung nach Literatur spannend macht. Es geht eigentlich immer wieder darum, welches Bild entsteht in Gedichten, in
- Kurzgeschichten, in Romanen, Drama und so weiter vom Menschen. Ist der Mensch ein Tier oder die Schöpfung Gottes? Also, welches Bild wird entworfen? Vom
- Menschen oder vom Tod oder von der Liebe oder vom Schlaf? Und ähm wichtig ist, dass man nicht nur sagt, das Bild wird beschrieben oder
- hinterfragt, sondern immer das gesagt wird, das Bild z.B. vom Tod als Sensemann, der überraschend kommt, so etwas.
- Dann beschreiben Texte natürlich immer Gefühle und zwar der Einsamkeit, der Heimatlosigkeit, der Zerrissenheit. Es geht immer um das vorherschende Gefühl
- der Ohnmacht, des Ichverlusts, der Auflösung, Perspektivlosigkeit, des Ausgeliefertseins, des Wartens auf. Das waren so die negativen Gefühle immer
- angesichts einer bestimmten Bedrohung, einer bestimmten Situation und die sollte auch allgemein und nicht allzu konkret sein. Also nicht das
- Warten auf ähm auf ähm eine Person, die sich äh überraschend ankündigt angekündigt hat, sondern das Warten dann vielleicht auf
- ein überraschendes Ereignis. So, ähm es geht um Gefühl der Verbundenheit, der Nähe und ähm z.B. im Sturm und Drang
- oft um das Verschmelzen mit der Natur des Einserdens. Also jede Epoche oder jede Zeit hat auch so ihre eigenen Gefühle, Ängste,
- Hoffnung. Sehnsucht wird oft thematisiert nach irgendwie Nähe oder Verbundenheit oder dem Ausbruch oder Aufbruch aus
- irgendetwas. Konflikte sind häufig Thema und dabei ist nicht gesagt der Konflikt zwischen Heinz und Dieter, sondern thematisiert
- wird der Konflikt zwischen Pflicht und Neigung, Natur und Kultur, Vater und Sohn, Mutter und Tochter, Bürgertum und Adel, also auch wieder sowas ganz
- allgemeines wiederholbares. Es geht oft um das Ringen um oder den Kampf um irgendetwas und den Verlust von ähm es geht also in einer Geschichte
- nicht darum, wie Lisen ihre Mutter durch einen Autounfall verliert, sondern den Verlust einer nahe stehenden Person durch ein überraschendes Ereignis.
- Ähm, das Entstehen von etwas wird thematisiert oder das Vergehen, die Beschaffenheit von etwas, der Verlust, der Versuch etwas zu erhalten, der
- Kreislauf des Lebens, die Stufen, der Gegensatz von Tag und Nacht, die Ambivalenz von die Ambivalenz von Ambivalenz heißt ja so ähm
- also zusammengehörige Dinge gespalten und doch zusammengehören. von männlich und weiblich so etwas noch mal. Nie geht es um einen Mann, der am liebsten nach
- San Salvador reisen würde, sondern die Kurzgeschichte thematisiert den Wunsch eines Menschen nach Aufbruch aus seinem Alltag. Dazu verwendet der Autor die
- Insel Salvador als Bild. Und wenn es nicht darum geht, dass irgendeinen, du kennst die Geschichte sicherlich ähm Ehemann ausbrechen möchte, dann äh wird
- es zu einem Thema, das auch dich betrifft, denn mit Sicherheit möchtest du auch manchmal aus deinem Alltag ausbrechen, indem du Deutungshypothesen
- formulieren musst. Ja. Ähm, dann benennst du das zentrale Bild in einem weiteren Satz oder das auffälligste Gestaltungsmerkmal.
- verwendest dazu Formulierung wie dazu stellt er sie das und das als das und das da. Entschuldigung
- oder stellt gegenüber, stellt in Frage, konfrontiert das mit dem, kennzeichnet das und das als verwendet diese und jene Bilder oder verwendet doppeldeutig.
- gegebenenfalls noch mit der Folge so das in der Zusammenfassung musst du die Deutungshypothese dann noch einmal aufgreifen, zeigst die Folgen auf, die
- Wirkung auf den Leser, ordnest das Ganze ein in den Kontext, die Epoche und kommst noch mal zur Gesamtaussage. Ja, dazu helfen dir diese Formulierung.
- Wie erreicht dadurch, bewirkt damit, legt nah, appelliert, lässt offen oder übergibt dem Leser. Ganz tricky und ganz super ist, wenn du dann noch auf solche
- Formulierungen kommst, wie formal unterstützt wird die These, also die Deutungshypothese durch die und dann fasst du zusammen,
- was du zu Sprache, Versmaß und Satzbau und solche Dinge herausgefunden hast. Das Ganze sieht dann so aus. Deine erste Deutungshypothese war z.B. Gültes
- Gedicht Promethus 1774 veröffentlicht. Jetzt kommt es wieder. Thematisiert einen leidenschaftlichen Aufstand gegen die Götter.
- Du hättest vielleicht am Anfang geschrieben, äh und da geht es um einen jungen Mann, der äh gegen Zeus aufbegehrt.
- So klingt das Ganze etwas abstrakter, allgemeiner, ich sag immer philosophischer. Gote lässt das lyrische Ich Anklagen und
- rhetorische Fragen formulieren, um dem Machtansprung der Götter das Vertrauen in eigen Stärke und Schöpfungskraft entgegenzusetzen.
- Jo, das braucht Übung, das braucht auch ein bisschen Zeit. Und hier noch mal der Hinweis, ich würde auf keinen Fall die Deutungshypothese, die ich am Anfang
- habe, ähm aufschreiben. Kein Mensch schreibt bei einer wissenschaftlichen Forschungsarbeit die Einleitung wirklich am Anfang, sondern es ist das
- Allerletzte. Ähm, das würde ich dir auch empfehlen. Also schreibe die Deutungshypothese erst, also notiere dir einen ersten
- Eindruck nach dem Lesen. Dann untersuchst du den ganzen Text mit Wortfeldanalyse, Stühlmitteln, was auch immer du da so kennst, formulierst dann
- die Deutungshypothese, machst die Analyse und in der Zusammenfassung heißt es dann z.B. Wie in der Deutungshypothese behauptet, hat
- die Analyse des Gedichtes bestätigt, dass eine Auseinandersetzung mit Autoritäten als zentrales Thema des Gedichtes gelten kann.
- Also da lässt du noch ein bisschen Spielraum, nicht muss. Du sagst, es kann so sein. Unterstützt wird diese These auch auf formaler Ebene, muss es heißen.
- Mit seiner Wortneuschöpfung und seinen freien Rhythmen bricht Göte selbst mit Tradition oder die Tradition wäre noch schicker. Also hier hast du einmal die
- These in den Mittelpunkt gerückt, gesagt, das habe ich ja alles schon bewiesen und zeigst auch noch mal den Zusammenhang. Mit der Form wie
- aufgezeigt in die Zusammenfassung kommt ja nichts Neues, sondern nur noch mal die zentralen Gedanken. Greift Göte damit einen wesentlichen Gedanken des
- Sturm und Drangs auf. Der Mensch als Schöpfer als Originalgenie. An dieser Stelle könntest du dich dann noch ein bisschen äußern zum Thema Sturm
- und Drang. Trag nicht zu fett auf. Das Hinterfragen von irrationalen Machtansprüchen ist zugleich hauptanliegende Aufklärung mit ihrem
- Motto: Waage selbst zu denken. Vielleicht hast du da noch einen weiteren Gedanken dazu. Die in dem Gedicht behauptete: "Eigenständige
- Entwicklung vom Knaben zu Mann ist auch heute noch geeignet, um den Einfluss von Autoritäten auf die Entwicklung eines Menschen zu erörtern." Da sagst du weder
- ähm finde ich gut oder habe ich auch mit zu tun. Denk dran, ähm, ich sollte eigentlich in diesen wissenschaftlichen,
- pseudowissenschaftlichen Aufsätzen nicht vorkommen. Daher dieser letzte Satz so wie er ist. Ja, die Deutungshypothese ist wirklich
- richtig, richtig wichtig. Sie soll der rote Faden sein für deine Analyse. Und wenn du sagst, hier der thematisiert das und das Thema kannst du wunderbar in
- der Analyse zeigen, anhand welcher sprachlicher Bilder und Stilmittel und welcher Form das alles deutlich wird. Und wenn du schon am Anfang sagst,
- welche Darstellungsmittel zentral sind, kannst du das auch wunderbar ähm in der Analyse beweisen. So, der Film ist mal wieder viel länger geworden, als ich
- eigentlich dachte. Meine Deutungshypothese, das lässt sich mal eben kurz erklären, hat sich nicht ganz bewahrheitet. Ich hoffe aber, ich
- habe Licht in das Dunkel gebracht. Okay, also viel Erfolg mit der Deutungshypothese.
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