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Abi Deutsch Deutungshypothese

auf gut Deutsch14:17 31.836 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

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Transkriptautomatisch erstellt · 82 Zeilen
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  1. In diesem Video geht es um die Deutungshypothese. Jeder will sie. Überall steht das Wort. Jeder verwendet es. Keiner weiß so
  2. genau, was das sein soll. Alle sagen, es soll kurz sein, prägnant und sagen, um was es deiner Meinung nach in dem Text geht. Bringen wir Licht in das Dunkel.
  3. Ich habe es untertitelt mit Sagen, um welche menschliche Grundfrage es geht in einem Text. Klingt geschwollen. Wir schauen mal hier ein paar Beispiele. Ich
  4. denke immer, die machen das besonders anschaulich. Du hast jetzt als erstes schon mal geschrieben, das Gedicht sowieso wurde
  5. von sowieso dann und dann verfasst. Und dann kommt bereits deine Deutungshypothese in einen bis drei Sätzen mit dem Gedicht Karussell
  6. thematisiert Rilke, die jetzt kommt's Vergänglichkeit der Kindheit. Dazu verwendet er das Bild einer Karussellahrt.
  7. Also, es tauchen keine Personen auf und keine Situation, sondern so ein allgemein menschliches Thema. Vergänglichkeit der Kindheit, damit
  8. haben wir alle zu tun. Göttes Gedicht Grenzen der Menschheit thematisiert die Beziehung der Menschheit oder der Menschen zum
  9. Göttlichen und fragt insbesondere danach, wie sich der Mensch gegenüber dieser höher gestellten Kraft verhalten soll
  10. oder ein bisschen länger, aber doch auch aufs Wesentliche reduziert. Die Kurzgeschichte Party von Zoe Jenny thematisiert das Bestreben
  11. heranwachsender Teil einer Masse zu sein. Gott, wie kommt man auf sowas dazugleich noch? Die Autorin wählt einen ehemaligen Schlachthof als
  12. Veranstaltungsort für eine Raverparty und verwendet zentrale sprachliche Bilder aus dem Bereich des Schlachtens, sodass ein Vergleich hergestellt wird
  13. zwischen den Tanzenden und Schlachtfieh. Oder eine Kurzgeschichte, die du mit Sicherheit kennst. Die Kurzgeschichte das Brot thematisiert den
  14. Vertrauensverlust eines Ehepaares. Also nicht das Thema ein Ehepaar, das sich belügt oder sich gegenseitig beim Brotsen in der Küche erwischt in Zeiten
  15. des Mangels, also in der Nachkriegszeit. Nachkriegszeit wurde hier noch mal ein bisschen abstrahierter. Borchd verwendet Brot symbolisch, sodass
  16. es für alles stehen kann, was der Mensch zum Leben braucht. So, wie kommt man darauf? Man liest erstmal den Text ohne irgendwelche
  17. Markierung, schreibt dann in eigener Sprache auf, was mit dem Thema gemeint sein könnte. Toll ist, wenn man ein bisschen Wissen
  18. mitbringt über Motive, Symbole, also wie eben Brot kann für alles stehen, was fürs Leben da ist. Das könnte schon mal helfen und
  19. schreib das ruhig am Anfang in deiner eigenen Sprache, in Umgangssprache und überleg dir, wie du darauf gekommen bist, durch welche sprachlichen ähm
  20. Besonderheiten, Auffälligkeiten. Ganz wichtig ist, es geht nie um Figuren oder ein einzelnes Ereignis. Also bei Rutkäppchen handelt es sich nicht um
  21. eine Geschichte, die erzählt, wie ein kleines Mädchen trotz Mahnung der Mutter vom Weg abkommt und vom Wolf gefressen wird. Das ist eher Richtung
  22. Inhaltsangabe, sondern das Thema ist die Verführbarkeit des Menschen durch eine äh einschmeichelnde Macht oder etwas in der Art.
  23. Ähm, bei Sternaler geht es nicht darum, dass ein Kind äh nachts ähm Sterne erhält in Form von Talern für ähm sein Weggeben des letzten Hemdes, sondern das
  24. Thema ist die unerwartete Belohnung für das Hinten anstellen der eigenen Bedürfnisse oder ja für die eigene Großzügigkeit eben etwas in der
  25. Art. Es geht immer darum zu fragen, was könnte daran, was ist wiederholbar, was gilt sozusagen auch für andere Menschen, was ist so so eine Grundfrage?
  26. Und ähm es geht auch nicht um einzelne Ereignisse, also es geht nicht darum äh wie Leute beim Grillen sitzen und dann passiert etwas, sondern es geht dann
  27. darum, wie innerhalb eines äh gemeinschaftlichen Treffens eine einen ein Problem auftaucht, gelöst wird. Sowas in der Art.
  28. Huh, gar nicht so leicht, aber wir schaffen das. Ja, im Endeffekt geht es eigentlich immer um ähnliche Grundfragen. Das ist
  29. ja auch das, was meiner Meinung nach Literatur spannend macht. Es geht eigentlich immer wieder darum, welches Bild entsteht in Gedichten, in
  30. Kurzgeschichten, in Romanen, Drama und so weiter vom Menschen. Ist der Mensch ein Tier oder die Schöpfung Gottes? Also, welches Bild wird entworfen? Vom
  31. Menschen oder vom Tod oder von der Liebe oder vom Schlaf? Und ähm wichtig ist, dass man nicht nur sagt, das Bild wird beschrieben oder
  32. hinterfragt, sondern immer das gesagt wird, das Bild z.B. vom Tod als Sensemann, der überraschend kommt, so etwas.
  33. Dann beschreiben Texte natürlich immer Gefühle und zwar der Einsamkeit, der Heimatlosigkeit, der Zerrissenheit. Es geht immer um das vorherschende Gefühl
  34. der Ohnmacht, des Ichverlusts, der Auflösung, Perspektivlosigkeit, des Ausgeliefertseins, des Wartens auf. Das waren so die negativen Gefühle immer
  35. angesichts einer bestimmten Bedrohung, einer bestimmten Situation und die sollte auch allgemein und nicht allzu konkret sein. Also nicht das
  36. Warten auf ähm auf ähm eine Person, die sich äh überraschend ankündigt angekündigt hat, sondern das Warten dann vielleicht auf
  37. ein überraschendes Ereignis. So, ähm es geht um Gefühl der Verbundenheit, der Nähe und ähm z.B. im Sturm und Drang
  38. oft um das Verschmelzen mit der Natur des Einserdens. Also jede Epoche oder jede Zeit hat auch so ihre eigenen Gefühle, Ängste,
  39. Hoffnung. Sehnsucht wird oft thematisiert nach irgendwie Nähe oder Verbundenheit oder dem Ausbruch oder Aufbruch aus
  40. irgendetwas. Konflikte sind häufig Thema und dabei ist nicht gesagt der Konflikt zwischen Heinz und Dieter, sondern thematisiert
  41. wird der Konflikt zwischen Pflicht und Neigung, Natur und Kultur, Vater und Sohn, Mutter und Tochter, Bürgertum und Adel, also auch wieder sowas ganz
  42. allgemeines wiederholbares. Es geht oft um das Ringen um oder den Kampf um irgendetwas und den Verlust von ähm es geht also in einer Geschichte
  43. nicht darum, wie Lisen ihre Mutter durch einen Autounfall verliert, sondern den Verlust einer nahe stehenden Person durch ein überraschendes Ereignis.
  44. Ähm, das Entstehen von etwas wird thematisiert oder das Vergehen, die Beschaffenheit von etwas, der Verlust, der Versuch etwas zu erhalten, der
  45. Kreislauf des Lebens, die Stufen, der Gegensatz von Tag und Nacht, die Ambivalenz von die Ambivalenz von Ambivalenz heißt ja so ähm
  46. also zusammengehörige Dinge gespalten und doch zusammengehören. von männlich und weiblich so etwas noch mal. Nie geht es um einen Mann, der am liebsten nach
  47. San Salvador reisen würde, sondern die Kurzgeschichte thematisiert den Wunsch eines Menschen nach Aufbruch aus seinem Alltag. Dazu verwendet der Autor die
  48. Insel Salvador als Bild. Und wenn es nicht darum geht, dass irgendeinen, du kennst die Geschichte sicherlich ähm Ehemann ausbrechen möchte, dann äh wird
  49. es zu einem Thema, das auch dich betrifft, denn mit Sicherheit möchtest du auch manchmal aus deinem Alltag ausbrechen, indem du Deutungshypothesen
  50. formulieren musst. Ja. Ähm, dann benennst du das zentrale Bild in einem weiteren Satz oder das auffälligste Gestaltungsmerkmal.
  51. verwendest dazu Formulierung wie dazu stellt er sie das und das als das und das da. Entschuldigung
  52. oder stellt gegenüber, stellt in Frage, konfrontiert das mit dem, kennzeichnet das und das als verwendet diese und jene Bilder oder verwendet doppeldeutig.
  53. gegebenenfalls noch mit der Folge so das in der Zusammenfassung musst du die Deutungshypothese dann noch einmal aufgreifen, zeigst die Folgen auf, die
  54. Wirkung auf den Leser, ordnest das Ganze ein in den Kontext, die Epoche und kommst noch mal zur Gesamtaussage. Ja, dazu helfen dir diese Formulierung.
  55. Wie erreicht dadurch, bewirkt damit, legt nah, appelliert, lässt offen oder übergibt dem Leser. Ganz tricky und ganz super ist, wenn du dann noch auf solche
  56. Formulierungen kommst, wie formal unterstützt wird die These, also die Deutungshypothese durch die und dann fasst du zusammen,
  57. was du zu Sprache, Versmaß und Satzbau und solche Dinge herausgefunden hast. Das Ganze sieht dann so aus. Deine erste Deutungshypothese war z.B. Gültes
  58. Gedicht Promethus 1774 veröffentlicht. Jetzt kommt es wieder. Thematisiert einen leidenschaftlichen Aufstand gegen die Götter.
  59. Du hättest vielleicht am Anfang geschrieben, äh und da geht es um einen jungen Mann, der äh gegen Zeus aufbegehrt.
  60. So klingt das Ganze etwas abstrakter, allgemeiner, ich sag immer philosophischer. Gote lässt das lyrische Ich Anklagen und
  61. rhetorische Fragen formulieren, um dem Machtansprung der Götter das Vertrauen in eigen Stärke und Schöpfungskraft entgegenzusetzen.
  62. Jo, das braucht Übung, das braucht auch ein bisschen Zeit. Und hier noch mal der Hinweis, ich würde auf keinen Fall die Deutungshypothese, die ich am Anfang
  63. habe, ähm aufschreiben. Kein Mensch schreibt bei einer wissenschaftlichen Forschungsarbeit die Einleitung wirklich am Anfang, sondern es ist das
  64. Allerletzte. Ähm, das würde ich dir auch empfehlen. Also schreibe die Deutungshypothese erst, also notiere dir einen ersten
  65. Eindruck nach dem Lesen. Dann untersuchst du den ganzen Text mit Wortfeldanalyse, Stühlmitteln, was auch immer du da so kennst, formulierst dann
  66. die Deutungshypothese, machst die Analyse und in der Zusammenfassung heißt es dann z.B. Wie in der Deutungshypothese behauptet, hat
  67. die Analyse des Gedichtes bestätigt, dass eine Auseinandersetzung mit Autoritäten als zentrales Thema des Gedichtes gelten kann.
  68. Also da lässt du noch ein bisschen Spielraum, nicht muss. Du sagst, es kann so sein. Unterstützt wird diese These auch auf formaler Ebene, muss es heißen.
  69. Mit seiner Wortneuschöpfung und seinen freien Rhythmen bricht Göte selbst mit Tradition oder die Tradition wäre noch schicker. Also hier hast du einmal die
  70. These in den Mittelpunkt gerückt, gesagt, das habe ich ja alles schon bewiesen und zeigst auch noch mal den Zusammenhang. Mit der Form wie
  71. aufgezeigt in die Zusammenfassung kommt ja nichts Neues, sondern nur noch mal die zentralen Gedanken. Greift Göte damit einen wesentlichen Gedanken des
  72. Sturm und Drangs auf. Der Mensch als Schöpfer als Originalgenie. An dieser Stelle könntest du dich dann noch ein bisschen äußern zum Thema Sturm
  73. und Drang. Trag nicht zu fett auf. Das Hinterfragen von irrationalen Machtansprüchen ist zugleich hauptanliegende Aufklärung mit ihrem
  74. Motto: Waage selbst zu denken. Vielleicht hast du da noch einen weiteren Gedanken dazu. Die in dem Gedicht behauptete: "Eigenständige
  75. Entwicklung vom Knaben zu Mann ist auch heute noch geeignet, um den Einfluss von Autoritäten auf die Entwicklung eines Menschen zu erörtern." Da sagst du weder
  76. ähm finde ich gut oder habe ich auch mit zu tun. Denk dran, ähm, ich sollte eigentlich in diesen wissenschaftlichen,
  77. pseudowissenschaftlichen Aufsätzen nicht vorkommen. Daher dieser letzte Satz so wie er ist. Ja, die Deutungshypothese ist wirklich
  78. richtig, richtig wichtig. Sie soll der rote Faden sein für deine Analyse. Und wenn du sagst, hier der thematisiert das und das Thema kannst du wunderbar in
  79. der Analyse zeigen, anhand welcher sprachlicher Bilder und Stilmittel und welcher Form das alles deutlich wird. Und wenn du schon am Anfang sagst,
  80. welche Darstellungsmittel zentral sind, kannst du das auch wunderbar ähm in der Analyse beweisen. So, der Film ist mal wieder viel länger geworden, als ich
  81. eigentlich dachte. Meine Deutungshypothese, das lässt sich mal eben kurz erklären, hat sich nicht ganz bewahrheitet. Ich hoffe aber, ich
  82. habe Licht in das Dunkel gebracht. Okay, also viel Erfolg mit der Deutungshypothese.

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