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Was versteht die Soziologie unter „Sozialisation“? - WiSoPOLITIKMrG? 👨‍🏫 Abitur SOWI Sozialkunde

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  1. Was versteht man unter „Sozialisation“? Menschen sind soziale Wesen, denn sie müssen in Gesellschaft leben.
  2. Ohne Gesellschaft würden Menschen ihre Geburt nicht überstehen und könnten niemals in die Lage versetzt werden, selbstständig zu überleben.
  3. Jeder Mensch ist also von Geburt an auf die Gesellschaft angewiesen. Aus soziologischer Sicht werden Menschen nicht als Menschen geboren, sondern im soziologischen Sinne,
  4. erst durch die Gesellschaft zu Menschen gemacht. Wenn Menschen auf die Welt kommen, müssen sie also erst einmal lernen, sich in einer Gesellschaft zurecht zu finden, da
  5. sie diese zum Überleben brauchen. Diesen Lernprozess nennt man Sozialisation. Den Begriff Sozialisation kann man daher auch als „Erlernen von Gesellschaft“ und
  6. „Vergesellschaftung“ des Individuums verstehen. Im Sozialisationsprozess erlernen Menschen also das Leben in Gesellschaft.
  7. Hiermit sind vor allen Dingen Wertvorstellungen (Was ist gut und was ist böse? - Was ist richtig und was ist falsch?), Verhaltensweisen (Wie soll man sich in unterschiedlichen Situationen
  8. verhalten?) und gesellschaftliche Regeln (Was muss man tun und was muss man lassen?) gemeint. Je nach Gesellschaft können sich Wertvorstellungen,
  9. Verhaltensweisen und Regeln durchaus deutlich unterscheiden. Im Sozialisationsprozess unterscheidet man zwischen der primären Sozialisation,
  10. der sekundären und tertiären Sozialisation. Ganz besonders stark ist der Einfluss der primären Sozialisation, da das Elternhaus und die
  11. Familie einen Menschen ganz besonders prägen. Je nachdem in welcher Familie man aufwächst, wird man
  12. selbstverständlich unterschiedlich sozialisiert. Die Familie und die Eltern gelten für die meisten
  13. Menschen ein Leben lang als eine Art Orientierungspunkt. Hier lernen Menschen sehr frühzeitig Wertvorstellungen,
  14. Verhaltensweisen und eigene Interpretationen von gesellschaftlichen Regeln. Wie stark dieser Einfluss wirken kann, wird vielleicht deutlich,
  15. wenn man sich verschiedene Familien im Vergleich einmal anschaut und sich vorstellt, dass dasselbe Kind in unterschiedlichen Familien groß geworden wäre…
  16. Tja… Man wird wohl davon ausgehen, dass sich dasselbe Kind jeweils unterschiedlich entwickelt hätte.
  17. Diesen prägnanten Einfluss auf die kindliche Entwicklung beschreibt der Prozess der primären Sozialisation.
  18. Dieser Gedanke wird umso deutlicher, wenn man zeitliche und kulturelle Einflüsse berücksichtigt. Zeit und Kultur prägen die Familie und eben auch den einzelnen jungen Menschen.
  19. Um Menschen zu verstehen, gibt es im Deutschen die Redewendung: „Er war ein Kind seiner Zeit“. Dieser einfache Satz macht deutlich,
  20. dass gesellschaftliche Verhältnisse Menschen entscheidend prägen und ihr Handeln nur vor dem Hintergrund der jeweiligen Gesellschaft verständlich ist.
  21. Die zweite Sozialisationphase wird daher eben auch durch gesellschaftliche Einflüsse bestimmt, die sich vollziehen, sobald ein Kind den Kreis
  22. der Familie und das Elternhaus verlässt, die Gesellschaft betritt und dort in der Gesellschaft beispielsweise den Kindergarten und die Schule besucht, Freundschaften schließt,
  23. gemeinschaftliche Freizeitaktivitäten in Vereinen ausübt oder später eine Ausbildung beginnt. In der zweiten Sozialisationsphase wird vor allen Dingen der Einfluss der Gesellschaft
  24. deutlich und dieser gesellschaftliche Einfluss drängt den Einfluss des Elternhauses zurück. Bedeutende Sozialisationsinstanzen sind nun z.B. der Kindergarten, die Schule,
  25. der Freundeskreis, die peer-groups – also die Gruppe gleichaltriger, gleichartiger, gleichgesinnter Menschen -, Vereine und Freizeiteinrichtungen.
  26. Die dritte Sozialisationsphase beschreibt die Weiterentwicklung des Menschen im Berufs- und Privatleben. Der Begriff „lebenslanges Lernen“ ist hier eine treffende Bezeichnung.
  27. Sozialisationsinstanzen sind nun z.B. Berufsgruppen, Organisationen des politischen und gesellschaftlichen Lebens und die Medien.
  28. Fazit: Wenn die Soziologie also das Handeln von Menschen versucht zu verstehen, betrachtet sie die Menschen in ihrer Identitätsentwicklung vor dem
  29. Hintergrund ihrer gesellschaftlichen Einflüsse, die sie geprägt haben. Die soziologische Perspektive verlangt daher, dass ein Verständnis des Sozialisationsprozess
  30. eines Menschen entscheidend ist, wenn man die Identität von Menschen verstehen will.

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