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Sozialisation einfach erklärt! (Soziologie Grundbegriffe)

Samuel Jalalian9:15 124.902 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

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Transkriptautomatisch erstellt · 59 Zeilen
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  1. In diesem Video werde ich euch „Sozialisation“ aus einer soziologischen Perspektive erklären. Falls ihr neu auf dem Kanal seid und euch für Soziologie interessiert,
  2. abonniert gerne den Kanal und aktiviert die Glocke. Auf diese Weise verpasst ihr kein Video mehr. Jetzt wünsche ich euch viel Spaß mit diesem Video.
  3. Dieses Video ist zum einen Teil meiner Reihe zu den Grundbegriffen der Soziologie. Andererseits ist es Teil meiner Ethik-Abi-Determinismus Reihe. Wir befinden uns gerade im Gebiet
  4. der soziologischen Determination. In diesem Video werden wir betrachten, was genau mit „Sozialisation“ gemeint ist. Als erstes sollte ich sagen, dass es verschiedene
  5. Definitionen des Sozialsationsbegriffs gibt und ich euch in diesem Video deshalb nicht DIE Definition von Sozialisation bieten kann. Ganz grob kann man aber sagen, dass „Sozialisation“
  6. der Prozess des Internalisierens, also verinnerlichens, von bestimmten Werten, Normen, Verhaltensmustern und Fähigkeiten ist, die von der Gesellschaft beziehungsweise der Kultur ausgehen,
  7. die uns Menschen umgibt. Man kann sagen, dass „Sozialisation“ ein lebenslanger Prozess der Einordnung des Individuums in die Gesellschaft ist. Die Werte, Normen,
  8. Verhaltensmuster und Fertigkeiten, die bei der Sozialisation erlernt werden, sorgen dafür, dass der Mensch in sozialen Kontexten handlungsfähig und verhaltenssicher wird.
  9. Ein kleines Beispiel dazu: Stellt euch einmal ein Klassenzimmer mit Schülern und einem Lehrer vor. Dass alle Schüler sitzen und der Lehrer steht, ist eine soziale Norm. Dass man sich melden muss,
  10. wenn man etwas sagen will, ist ebenfalls eine soziale Norm. Und dass man überhaupt Kleidung trägt, wenn man einen öffentlichen Raum wie ein Klassenzimmer betritt, ist auch eine soziale Norm.
  11. Über all diese Normen kann natürlich im Einzelnen in den Klassen verhandelt werden. Zum Beispiel könnte ein Lehrer einführen, dass man sich immer hinstellen muss, anstatt sich zu melden. Aber
  12. allein die Tatsache, dass wir alle wissen, dass man sich im Unterricht hinsetzen muss, dass man sich melden muss, wenn man etwas sagen möchte und dass man Kleidung tragen muss, zeigt,
  13. dass wir diese Verhaltensmuster beziehungsweise diese sozialen Normen internalisiert, also verinnerlicht, haben. Und durch diese Normen werden wir im sozialen Kontext des Klassenzimmers
  14. verhaltenssicher. Stellt euch einmal vor, ihr geht das erste Mal in eine neue Klasse und ihr wisst weder, ob ihr sitzen oder stehen sollt, ob ihr euch melden sollt oder nicht,
  15. was ihr anziehen sollt und so weiter. Wenn ihr all diese Regeln nicht internalisiert hättet, würdet ihr euch in diesem sozialen Kontext sehr unsicher fühlen. Ihr wärt dann weniger handlungsfähig.
  16. Berger und Luckmann sprechen in ihrem Buch „Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit“ davon, dass uns solche Verhaltensmuster von der sogenannten „Bürde der Entscheidung“ befreien.
  17. Wenn wir in einem Supermarkt etwas kaufen wollen, wissen wir aufgrund von ganz vielen internalisierten sozialen Normen, wie wir uns verhalten sollen – also dass wir zum Beispiel an
  18. der Kasse bezahlen sollen und so weiter. Wenn wir in jedem Moment ständig neu herausfinden müssten, was wir tun dürfen, was wir tun sollen und so weiter, wäre das eine enorme psychische
  19. Belastung, die Berger und Luckmann die „Bürde der Entscheidung“ nennen. Wir können an dieser Stelle festhalten, dass wir während der Sozialisation in die Gesellschaft
  20. eingegliedert werden. Das geschieht dadurch, dass wir die sozialen Normen, Werte, Verhaltensmuster und Fertigkeiten internalisieren, die von der uns umgebenden
  21. Gesellschaft beziehungsweise Kultur ausgehen. Dadurch werden wir in sozialen Kontexten, wie im Klassenzimmer oder im Supermarkt, handlungsfähig, weil wir durch das Internalisieren dieser Normen,
  22. Werte, Verhaltensmuster und so weiter von der Bürde der Entscheidung befreit werden. Man muss hierbei bedenken, dass aber auch das Individuum einen Einfluss auf die Gesellschaft
  23. hat. Würde Sozialisation nur in die Richtung laufen, dass das Individuum an die Gesellschaft angepasst wird, wären gesellschaftliche Entwicklungen und Veränderungen nur
  24. schwer möglich. In diesem Video werde ich mich aber vor allem darauf konzentrieren, inwiefern die Sozialisation das Individuum formt. Der Einfluss des Einzelnen auf die Gesellschaft
  25. soll in späteren Videos thematisiert werden. Kommen wir zum nächsten Punkt. Es wird typischerweise zwischen mehreren Sozialisationsphasen unterschieden. Es
  26. wird eigentlich immer zwischen der primären und sekundären Sozialisation unterschieden, häufig unterscheidet man davon aber auch noch die tertiäre Sozialisation. Selten wird auch
  27. noch eine quartiäre Sozialisationsphase davon unterschieden. Auf diese letzte will ich in diesem Video aber nicht eingehen. Ich will euch die drei Sozialisationsphasen jetzt erklären.
  28. Davor muss aber noch angemerkt werden, dass diese Sozialisationsphasen nicht als starre Einteilungen zu verstehen sind. Die Sozialisationsphasen können in der Praxis auch ineinandergreifen.
  29. Also es ist nicht so, dass bei jedem Menschen erst die primäre Sozialisation stattfindet und erst wenn diese abgeschlossen ist, findet die sekundäre Sozialisation statt. So ist es nicht. Beginnen wir
  30. jetzt mit der ersten Sozialisationshase – und zwar der primären Sozialisation. Der Mensch wird nicht als Mitglied der Gesellschaft geboren, aber er bringt eine
  31. Disposition für Gesellschaft mit auf die Welt. Das heißt, dass der Mensch eine Veranlagung dafür besitzt, ein Teil der Gesellschaft zu werden. Die primäre Sozialisation findet vor allem während
  32. der frühkindlichen Entwicklungsphase statt. Überwiegend wirkt die primäre Sozialisation durch die Familie. Man kann deshalb auch sagen, dass die Familie die wichtigste Sozialisationsinstanz
  33. während der primären Sozialisation ist. Das Kind lernt in dieser Phase das Sprechen, motorische Fähigkeiten, geschlechtsspezifisches Verhalten – also es lernt sich als Junge oder als
  34. Mädchen zu benehmen - und der schichtspezifische Habitus bildet sich heraus. „Habitus“ kann man als „erworbenes Auftreten“ definieren. Zum Habitus gehört beispielsweise die Art, wie man spricht,
  35. wie man geht, was man anzieht, was man gerne isst, welche Musik man mag und so weiter. In jeder gesellschaftlichen Schicht findet man eine Art eigenen Habitus vor. Mit dem
  36. Erlernen von „schichtspezifischem Habitus“ ist also gemeint, dass sich ein Kind als Teil der Oberschicht oder als Teil der Unterschicht und so weiter zu benehmen lernt. Man kann sagen,
  37. dass die primäre Sozialisation den Grundstein für die gesellschaftliche Anpassung legt. Kommen wir nun zur zweiten Sozialisationsphase: Der sekundären Sozialisation. Während die primäre
  38. Sozialisationsphase während der frühkindlichen Entwicklung vor allem Innerhalb der Familie stattfindet, treffen während der sekundären Sozialisation gesellschaftliche Einflüsse
  39. außerhalb von der Familie auf das Individuum. Kindergarten, Schule, Gleichaltrige sowie Massenmedien spielen häufig eine große Rolle für die sekundäre Sozialisation. Der Mensch lernt sich
  40. in dieser Phase in öffentlichen Institutionen zu bewegen und mit Menschen aus unterschiedlichen familiären Hintergründen umzugehen. Außerdem gewinnt in unserer Gesellschaft in dieser Phase
  41. auch die Leistungsorientierung an Gewicht. Das findet in Deutschland zum Beispiel durch Schulnoten statt oder durch den Übertritt auf die weiterführende Schule, der eben von den
  42. Schulnoten abhängig ist. Geschlechtsspezifisches Verhalten wird in dieser Phase weiter verstärkt. Häufig findet das dadurch statt, dass sich das Kind an der eigenen Geschlechtsgruppe orientiert
  43. und das andere Geschlecht ablehnt. Daher kommen auch solche Sprüche wie „Jungs dürfen hier nicht mitmachen“ oder „Mit Mädchen spiele ich nicht“. In der Pubertät wird das geschlechtsspezifische
  44. Verhalten dann auch dem anderen Geschlecht gegenüber ausprobiert. Das hilft dann dabei, dass sich die sexuelle Orientierung der Kinder stabilisiert. Hier bilden sich dann häufig die
  45. ersten romantischen Paarbeziehungen zwischen den Jugendlichen. Als Plattform dafür dient häufig die Schule. Häufig findet in dieser Phase auch eine Einbindung in andere Organisationsformen neben
  46. der Schule statt. Kinder und Jugendliche treten beispielsweise Vereinen bei oder bilden Cliquen außerhalb der Schule. Der Jugendliche versucht sich in dieser Phase häufig auch emotional und
  47. habituell von seiner Herkunftsfamilie zu lösen. Kommen wir nun zur dritten Sozialisationsphase: Der tertiären Sozialisation. Die tertiäre Sozialisationsphase umfasst die Sozialisation
  48. vom Erwachsenenalter bis zum Tod eines Menschen. Hier können beispielsweise der Beruf und Kollegen, Vereine, Parteien und Massenmedien wichtige Sozialisationsinstanzen sein.
  49. Das geschlechtsspezifische Verhalten und das milieuspezifische Verhalten, sowie Werte und Normen und so weiter sind mittlerweile gefestigt. Mit Milieu ist das soziale Umfeld eines Menschen
  50. gemeint. Grundlegende Verhaltensänderungen sind in dieser Sozialisationsphase nur schwer zu erreichen. Der Habitus hat sich gefestigt und wird in Hinblick auf die Herkunftsfamilie in
  51. großen Teilen reproduziert. Das bedeutet, dass sich der eigene Habitus häufig in großen Teilen an der eigenen Herkunftsfamilie orientiert. Neben diesen drei Sozialisationsphasen
  52. können auch verschiedene Dimensionen der Sozialisation unterschieden werden. Man könnte beispielsweise zwischen emotionaler, kognitiver, sprachlicher, körperlicher,
  53. beruflicher und politischer Sozialisation unterscheiden. Berufliche und politische Sozialisation wirken beispielsweise besonders stark während der tertiären Sozialisationsphase.
  54. Auf jede einzelne dieser Dimensionen einzugehen, würde aber den Rahmen dieses Videos sprengen. Wie hängt das jetzt aber alles mit dem Determinismus zusammen? Kurzgesagt:
  55. Die Sozialisation hat einen großen Einfluss auf das Denken und das Handeln eines Menschen. Sie nimmt also einen großen einen Einfluss auf seine Entscheidungen und seine Willensbildung.
  56. Ich habe an dieser Stelle eine kleine Aufgabe für euch: Überlegt euch bitte ein Verhaltensmuster oder eine soziale Norm in eurem Leben, die ihr eigentlich als selbstverständlich empfunden habt.
  57. Zum Beispiel, dass ihr mit Besteck esst. Macht euch diese soziale Norm bewusst und schreibt gerne mal in die Kommentare, welche euch eingefallen ist. Ich bin gespannt zu lesen, was ihr schreibt.
  58. Zum Nachlesen kann ich euch den Elbe Text in der Beschreibung ab Seite 37 empfehlen. Jetzt könnt ihr euch gerne das nächste Video zu den sozialen Rollen ansehen. Klickt gerne darauf,
  59. wenn ihr mehr darüber erfahren möchtet. Ich wünsche euch viel Spaß dabei, bis gleich!

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