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Ist die Wellenfunktion real? Warum ist ihr Betragsquadrat eine Wahrscheinlichkeit? | Stefan Heusler

Urknall, Weltall und das Leben15:27 52.742 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 93 Zeilen
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  1. Herzlich willkommen bei Urknall, Weltall und das Leben. Im Jahr 1926 hat Erwin Schrödinger die Wellenfunktion veröffentlicht in der berühmten
  2. Schrödingergleichung. Er wollte was anschauliches mit der Wellenfunktion, hat aber nicht ganz geklappt. Max Born hat kurze Zeit später
  3. die Interpretation der Wellenfunktion, die bis heute gilt, veröffentlicht. C² ist eine Aufenthalts oder Detektionswahrscheinlichkeit
  4. und ich erkläre euch heute, warum das so ist. Detektionswahrscheinlichkeit, also PS Quadrat
  5. ist eine Wahrscheinlichkeit, also ist PS selber sowas wie die Wurzel aus einer Wahrscheinlichkeit, aber hat noch eine Phase. kann also
  6. positive und negative Werte annehmen und jede beliebige Phase, also hier diesen Winkel und die Frage ist ja, wie kommt man auf
  7. so eine abgefahrene Formel? Experimente zu der Zeit von Max Born waren noch sehr indirekt und es war auch eine lange Debatte, die bis zu dieser
  8. Interpretation geführt hat. Ich möchte quasi in der Zeit springen und moderne Experimente nutzen, um eben diese Wahrscheinlichkeitsinterpretation
  9. deutlich zu machen. Und dafür gehen wir ins Quantenoptik Labor. Seit einigen Jahrzehnten sind wir tatsächlich in der Lage einzelne Photonen zu präparieren.
  10. Ich sage jetzt nicht im Detail, wie es funktioniert. Ich sage nur, dass es funktioniert. Und das einfachste, aber auch eines der wichtigsten Experimente
  11. ist folgendes. Ich schicke einzelne Photonen an einen Strahlteilerwürfel und dort kann das Photon transmittiert oder reflektiert werden und es gibt
  12. Detektoren, die eben dann anspringen, wenn das Photon den transmittierten oder den reflektierten Weg gewählt hat oder zumindest eben dort, dass der Detektor
  13. anspringt. Und ich habe das jetzt in Farben gekennzeichnet. Transmission weiß, Reflexion schwarz und was herauskommt im Experiment ist reiner
  14. Zufall, also Wahrscheinlichkeiten und in jedem einzelnen Experiment eben
  15. dann entweder Transmission oder Reflexion. Also sehen wir immerhin schon einmal, dass wir mit Wahrscheinlichkeiten
  16. arbeiten müssen, was ja schon ein großer Bruch mit der klassischen Physik ist, aber es ist ja noch mehr, was Max Born gesagt hat, die Wahrscheinlichkeit
  17. reicht nicht. Und warum das so ist, warum wir jetzt diese Wellenfunktion brauchen, dafür müssen wir das Experiment jetzt noch erweitern. Dafür
  18. versuchen wir erst mal eine Theorie zu machen für das Experiment, was wir eben schon gesehen haben. Wir haben den Strahlteilerwürfel und der hat die
  19. Eigenschaft, dass Licht transmittiert und reflektiert wird, jeweils im gleichem Anteil.
  20. Und wenn wir jetzt einzelne Photonen haben im Quantenoptiklabor und hier zwei Detektoren hinstellen,
  21. D1 und hier D2,
  22. dann springt in immer nur einer von diesen beiden Detektoren an. Entweder der eine oder der andere. Das heißt, das einzelne Photon wird entweder auf diesem
  23. Transmissions oder auf dem Reflexionskanal detektiert. Und wenn man sehr, sehr, sehr viele Photonen
  24. misst, kann man Wahrscheinlichkeiten ermitteln für Transmission und Wahrscheinlichkeiten für Reflexion. Und der Strahlteiler ist genauso gebaut,
  25. dass diese Wahrscheinlichkeit genau einHb ist und diese auch einHB. Das heißt, der Zufall ist in die Physik wieder hereingekommen,
  26. aber nicht die Wellenfunktion. Wieso reicht es nicht mit Wahrscheinlichkeiten zu arbeiten? Das ist ja auch schon harter Tobak für
  27. klassische Physik. Und dafür müssen wir das Experiment ein bisschen erweitern, um zu verstehen, dass Wahrscheinlichkeiten alleine nicht
  28. ausreichen, um die Natur zu beschreiben. Die Natur von einzelnen Photonen z.B. Dafür machen wir jetzt hier die Erweiterung des Experiments. Wir haben
  29. hier einen Spiegel. So. Und hier auch einen Spiegel. sodass diese beiden Strahlen sich hier
  30. kreuzen. Und hier bauen wir einen weiteren Strahlteilerwürfel ein.
  31. So. Und dann haben wir hier ein Detektor, den Detektor D1 und hier den Detektor D2.
  32. Aussicht von Detektor D1 gibt es jetzt zwei verschiedene Möglichkeiten, wie das Photon von da nach da kommt. Transmission,
  33. Reflexion, das nenne ich jetzt mal TR oder Reflexion Transmission RT.
  34. zwei verschiedene Möglichkeiten. Aussicht von Detektor D2 gibt es auch zwei verschiedene Möglichkeiten. Das ist klar, ne? Transmission, Transmission
  35. oder Reflexion, Reflexion. So, das gibt also, wenn man jetzt in Wahrscheinlichkeiten argumentieren
  36. würde, zwei Möglichkeiten in beiden Fällen und die würde ich jetzt in Wahrscheinlichkeiten addieren, um eine Theorie zu machen
  37. für die Wahrscheinlichkeiten, für die Detektion bei diesem Detektor und
  38. bei dem anderen Detektor. Punkt. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit zweimal zu transmittieren? Na ja, ein/b
  39. mal ein/b, weil jedes Mal ist es ja die Wahrscheinlichkeit ein/HB. Das heißt, das wäre hier 1/4. Dasselbe auch für Reflexion. 1/4 1/ + 1/ = 1/
  40. und dasselbe hier auch für den anderen Detektor. Das heißt, wir haben jetzt eine Vorhersage von unserer Theorie mit
  41. Wahrscheinlichkeiten für die Wahrscheinlichkeiten hier und hier genau 5050.
  42. Was sagt das Experiment? Das Experiment, wenn wir das wirklich messen, sagt folgendes hier null
  43. kommt kein Photon da an und das ist erstaunlich. Hier eins, alle Fotonen kommen da an. Das ist doch erstaunlich, weil
  44. wenn jeder Weg eine Wahrscheinlichkeit hat und diese Wahrscheinlichkeiten addiert werden, wie kann es dann weniger werden?
  45. Wie kann etwas kleiner werden dadurch, dass ich mehr Wege habe? Das ist ein Widerspruch,
  46. ein Widerspruch zwischen einer Theorie, die mit Wahrscheinlichkeiten arbeitet und dem Experiment. Was ist die Lösung?
  47. Na, ihr werdet jetzt wahrscheinlich schon vermuten, die Wellenfunktion, die Wellenfunktion
  48. nach Max Born, die ist sozusagen eine Ebene tiefer als die Wahrscheinlichkeit des PS Quadrat ist die Wahrscheinlichkeit. Ja, P
  49. Quadrat ist eine Wahrscheinlichkeit, aber PS ist eine Ebene tiefer. PS ist eine Zahl, die quasi als komplexe Verallgemeinerung der Wellenfunktion
  50. gesehen werden kann. Das ist die Wurzel aus der Wahrscheinlichkeit mal einer Phase. Ja, ich mache das hier mal so ein kleine Abtrennung. Das ist
  51. sozusagen die Idee von Max Born zu sagen, es gibt eine Phase, also das war ja dieser Zeiger, der so zwischen den positiven und negativen Werten wie eine
  52. Welle sich bewegen kann und dann kann aber auch die Wurzel aus dieser Wahrscheinlichkeit die Amplitude positiv und negativ sein. Mit anderen Worten, es
  53. gibt Interferenz. Interferenzfähige Wahrscheinlichkeit. Das ist quasi die Kombination aus Welleneigenschaften,
  54. Interferenz und Teilcheneigenschaften, nämlich einzelne Detektion an einem einzelnen Ort. Und wenn wir jetzt mit so einer Theorie hier reingehen, gucken wir
  55. mal, was wir machen können. Wir müssen das hier jetzt quasi anwenden und verallgemeiner dann unsere Wahrscheinlichkeit auf eine Amplitude,
  56. also eine Wellenfunktion und schreiben hier keine Wahrscheinlichkeiten hin, sondern eben diese Wellenfunktion
  57. und addieren diese beiden Wellenfunktionen. Das nennt man Superposition, Überlagerung dieser Wellenfunktion. Und diese Superposition,
  58. die wird quadriert und das ergibt die Detektionswahrscheinlichkeit hier bei diesem Detektor. Jetzt gucken wir mal, was passiert, wenn wir das hier machen.
  59. Wenn wir also hier die Wurzel aus der Wahrscheinlichkeit nehmen, dann haben wir hier ein halb. Das entspricht der Amplitude, Transmission, Transmission.
  60. hier auch ein halb, aber jetzt mal umgekehrt gedacht, wenn da null rauskommen soll, heißt das ja, dass hier zwischen den beiden wie eine
  61. Welle destruktive Interferenz äh entsteht. Und diese destruktive Interferenz, die ist möglich wegen dieser Phase. Die Phase wäre jetzt pi E
  62. i pi -1. Und dann ist diese Theorie in der Lage, die experimentellen Daten korrekt zu deuten, in denen gesagt wird, es gibt hier
  63. Amplituden für beide Möglichkeiten, die überlagern sich destruktiv. Destruktive Interferenz, wo kommt die her? Jetzt müssen wir mal
  64. physikalisch denken. Transmission, Transmission. Bei Wellen gibt das keinen Phasensprung, aber bei Reflexion gibt's ja einen
  65. Phasensprung. Und tatsächlich kann man, wenn man genauer nachdenken, auch zeigen, zwei Reflexionen an diesen Strahlteile
  66. entspricht hier genau einer Phase Pi 180°, also -1. Das ist genau die destruktive Interferenz, die hier gesehen wird und die dazu führt, dass
  67. kein Photon bei Detektor 2 ankommt, wenn es keine geometrischen Gangunterschiede gibt, ne? Also das ist jetzt eben genau da, wo die Phasensprünge die einzelnen
  68. einzigen Phasen und Differenzen ergeben. Genauso können wir jetzt eben hier auch bei dem zweiten Weg die
  69. Verallgemeinerung machen. Wir haben hier die Verallgemeinerung auf Wellenfunktion für Transmission Reflektion oder Reflexion Transmission
  70. und genauso die Überlagerung hier. Die Wahrscheinlichkeiten werden ersetzt durch Amplituden, also Wurzel aus der Wahrscheinlichkeit hier, Wurzel aus der
  71. Wahrscheinlichkeit da, aber es ist konstruktive Interferenz und was dann dabei herauskommt, bei der konstruktiven Interferenz ist 1/ + 1/ zum Quadrat 1² 1
  72. konstruktive Interferenz. Warum das? Schauen wir wieder auf die Phasensprünge. Transmission Reflektion ist derselbe Phasensprung wie Reflexion
  73. Transmission. Das heißt, die Phasensprünge sind gleich groß. Mit anderen Worten, die Phasendifferenzen sind gleich. Es ist Inphase konstruktive
  74. Interferenz, alle Photonen sind da. Destruktive Interferenz, kein Photon kommt hier an. Und das ist eine einfache, aber wichtige Art zu
  75. verstehen, warum wir Wahrscheinlichkeiten verallgemeinern müssen zu komplexen Zahlen, zu diesen Wellenfunktion. Und das beobachtbare ist
  76. das P. Und was dahinter steckt, dieses PS ist quasi eine neue Welt, eine Welt, die mathematisch dann im Hilbertraum lebt und sehr viel spannende Sachen
  77. machen kann. Aber hier haben wir jetzt einmal gesehen, wo es herkommt. Also, bevor ich jetzt die Tafel wische, eine Sache möchte ich wirklich noch mal
  78. rausstellen, weil das der Kasus Knaktus von der ganzen Quantenphysik ist, dieses Minuszeichen hier, destruktive Interferenz. Woher kann das kommen?
  79. Bei Wahrscheinlichkeiten geht es nicht. Mehr Wege führt immer zu Addition der Wahrscheinlichkeiten, also zu was größerem,
  80. zu mehr, aber hier kann plötzlich mehr zu weniger führen. Mehr Möglichkeiten führt zum Null.
  81. Und das liegt hier daran, dass es diese Phase gibt. Und diese Phase, na ja, wenn ich hier Transmission, Transmission mache, ändert
  82. sich da nichts. Aber bei einer Reflexion erleide ich einen Phasensprung und hier erleide ich da mal unten noch einen Phasensprung,
  83. Reflexion, Reflektion. Und bei Transmission, Transmission passiert nichts da und da nicht. Und das führt hier zu diesem
  84. Minuszeichen. Umgekehrt ist es aber hier bei diesem Fall so,
  85. der eine Weg erleidet zwar einen Phasensprung hier, aber der andere Weg erleidet den Phasensprung da und die Phasensprünge
  86. sind gleich groß. Das heißt, die sind in Phase konstruktive Interferenz pluszeichen. Und das ist wirklich so entscheidend. Man kann es nicht oft
  87. genug sagen, weil in allen anderen Rechnungen, die wir später machen, in dem gesamten Formuler Quantenphysik, diese Überlagerung, das Destruktive und
  88. konstruktive überlagern und dann Betragsquadrat nehmen, das ist die Grundidee. Ich habe jetzt versucht euch am einfachsten möglichen Beispiel zu
  89. motivieren, warum dieses PSG Quadrat was mit einer Wahrscheinlichkeit zu tun hat. Ich hoffe, es hat euch geholfen, denn es wird sich wie ein roter Faden
  90. durchziehen durch alle Videos vom Josef, von mir und durch die ganze Quantenphysik. Und diese Interpretation der Wellenfunktion, ne, diese ominöse
  91. Wellenfunktion, die wird ja an die Spitze getrieben. Da kann man unglaublich viele schöne Sachen mitmachen bis hin zu Schröding als Katze
  92. und die ist ja quasi schon im Hintergrund am warten und lauert auf uns und dazu mehr in den nächsten Videos. Vielen Dank fürs Zuhören. Bis zum
  93. nächsten Mal.

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