Der Mensch im Zentrum | Anthropozentrismus Ethik-Abi by BOE https://www.youtube.com/watch?v=spNMl4F86PQ Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Der Anthropozentrismus ist eine umweltethische Position, in deren Mittelpunkt der Mensch steht. Tiere, Pflanzen, Ökosysteme und die gesamte 0:09 außermenschliche Natur haben keinen eigenen Wert, sondern dienen allein den Interessen des Menschen. Wie eine solche Position Natur- und Umweltschutz 0:18 begründet, erfährst du in diesem Video. Im Anthropozentrismus (anthropozentrisch) wird nur dem Menschen ein moralischer Eigenwert zugesprochen. „Anthropos“ ist griechisch 0:26 und bedeutet „Mensch“. Nur der Mensch ist intrinsisch wertvoll und dementsprechend bestehen moralische Pflichten auch nur gegenüber Menschen. 0:34 Der Vorrang des Menschen vor anderen Lebewesen wird vor allem damit begründet, dass nur er über Vernunft und Sprache verfügt. Der Anthropozentrismus ist stark durch die 0:45 christlich-jüdische Religion geprägt. Hier wird der Mensch als das Ebenbild Gottes und die Krone der Schöpfung betrachtet. Der Mensch hat von Gott einen Herrschafts- und einen 0:55 Bewahrungsauftrag erhalten. Er soll sich die Erde untertan machen, sie bebauen und bewahren. Kriterien für die moralische Berücksichtigungswürdigkeit des Menschen sind Menschsein, Personalität, 1:07 Sprache, Vernunft bzw. - aus jüdisch-christlicher Sicht - Gottesebenbildlichkeit. Wichtige Vertreter des Anthropozentrismus sind der deutsche Philosoph Immanuel Kant 1:18 (1724-1804) sowie christliche Schöpfungstheologen wie Augustinus (364-430), Thomas von Aquin (1225-1274) und Martin Luther (1483- 1546). Im Anthropozentrismus gibt es keine direkte 1:26 Schutzpflicht gegenüber nicht-menschlichen Lebewesen. Nur der Mensch ist moralisches Objekt, muss also direkt moralisch berücksichtigt werden. Dennoch argumentiert die anthropozentrische 1:38 Umweltethik für den Schutz der außermenschlichen Natur. Umweltschutz ist im Anthropozentrismus notwendig, da die Natur einen instrumentellen Wert für 1:48 den Menschen besitzt. Naturschutz ist also gleichzeitig Schutz des Menschen. Natur und Umwelt haben laut dieser Position zwar keinen Eigenwert, sind aber instrumentell wertvoll, 1:59 nämlich insofern sie für den Menschen nützlich sind. Im Wesentlichen begründet der Anthropozentrismus Natur- und Umweltschutz mit 3 Argumenten: 2:08 1.) Das Basic-Need-Argument besagt, dass die Erfüllung menschlicher Grundbedürfnisse von natürlichen Bedingungen abhängt. Zerstört der Mensch die Natur, zerstört er seine eigenen 2:19 Lebensgrundlagen. Damit wird der Natur ein instrumenteller Wert zugeschrieben. Natur ist kein Eigenwert, sondern ein Wert, den es um etwas anderem willen zu achten gilt. 2:30 Verschmutzt der Mensch beispielsweise Seen und Flüsse, so schadet er sich selbst, weil er dann kein sauberes Trinkwasser mehr hat. 2.) Das Ästhetische Argument betrachtet die 2:41 Natur als Quelle angenehmer körperlicher und seelischer Empfindungen. Der Mensch schätzt die Natur um ihrer Ästhetik, ihrer Schönheit, um ihrer Gegenwart willen. Damit wird der 2:51 Natur zwar ein inhärenter Wert zugesprochen, doch zentral ist nach wie vor der Mensch. Der Mensch braucht die Natur, um gut und glücklich leben zu können. 3:01 Wälder dienen beispielsweise der Erholung und dem ästhetischen Genuss von Menschen. Ein Teil des Schwarzwalds ist seit 2014 Nationalpark und genießt einen besonderen Schutz, auch 3:11 als Rückzugs- und Erholungsort für den Menschen. Naturerlebnisse wie beispielsweise das Waldbaden verhelfen dem Menschen zu innerer Ruhe und Ausgeglichenheit und schaffen einen Ausgleich 3:23 zum stressigen Alltag. 3.) Das Pädagogische Argument oder Verrohungsargument besagt, dass ein grausamer Umgang mit der Natur - vor allem mit Tieren - auch negative 3:34 Auswirkungen auf den Umgang mit Menschen hat. Ein respektvoller und guter Umgang mit der Natur hingegen erzieht den Menschen zu einem friedvolleren und besseren Umgang mit anderen 3:44 Menschen. Immanuel Kant beispielsweise bezeichnete Tiere als bloße Sachen, welche der Mensch als Mittel für seine Zwecke benutzen darf. Dennoch spricht 3:54 er sich aus indirekten Gründen für die Rücksicht auf Tiere aus: Wer Tiere misshandelt und ihnen gegenüber grausam ist, wird moralisch abstumpfen - verrohen - und dann auch im Umgang mit Menschen 4:06 zu Grausamkeit tendieren. Häufig wird die Grundannahme des Anthropozentrismus kritisiert und verneint, dass der Mensch eine Sonderstellung innerhalb der Natur hat. 4:17 Seit Darwins Evolutionstheorie wird angezweifelt, dass sich der Mensch wesentlich vom Tier unterscheidet. Der australische Philosoph Peter Singer kritisiert eine Bevorzugung von Artgenossen (also Menschen) 4:30 explizit als Speziesismus. Dieser sei ebenso abzulehnen wie Sexismus oder Rassismus in der Menschenwelt. Der zweite wichtige Kritikpunkt richtet sich 4:40 gegen die Konsequenzen, die der Mensch aus einer anthropozentrischen Sichtweise ziehen kann. Wenn die Natur nämlich nur einen instrumentellen Wert hat, also nur dem Nutzen des Menschen 4:51 dient, ist jede Ausbeutung von Tieren, Pflanzen und Ökosystemen erlaubt, solange diese Ausbeutung dem Menschen nicht direkt schadet. Artensterben und selbst die gezielte Ausrottung bestimmter 5:03 Tierarten durch den Menschen wären laut dieser umweltethischen Position kein moralisches Problem. Ein solcher Umgang mit der Natur - vor allem mit empfindungsfähigen Lebewesen 5:13 wie Tieren - widerspricht der moralischen Intuition vieler Menschen. Wie ist deine Meinung? Überzeugen dich die Argumente, die der Anthropozentrismus 5:22 für Natur- und Umweltschutz vorbringt? Schreibe deine Gedanken sehr gerne unten in die Kommentare. Mit dem Quizlet-Lernset „Anthropozentrismus“ 5:30 kannst du dein Wissen jetzt überprüfen und vertiefen. Viel Spaß beim Lernen und bis bald!