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Heinrich und der Papst - Die Deutschen (Staffel 1) - ZDF

Historyin90Seconds43:30 158.339 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

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Transkriptautomatisch erstellt · 233 Zeilen
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  1. Die Mitte Europas im zweiten Jahrtausend. Ein Land, das lange braucht, um eins zu werden. Menschen, die sich erst im Laufe
  2. der Jahrhunderte als Deutsch verstehen. Wer sind wir? Woher kommen wir?
  3. Fragen an ein Jahrtausend deutsche Geschichte für die
  4. [Musik] Demokratie. Im 11. Jahrhundert kommt es zum Streit. Wer ist der Stärkere? Der
  5. König der Deutschen? oder der römische Papst. Papst Gregor und Heinrich VI kämpfen um die
  6. [Musik] Macht. Die Deutschen Fürsten, sie entscheiden mit über Niederlage oder Sieg.
  7. [Musik] dass der Name des Papstes einzigartig ist in der Welt. Was erlaubt sich dieser
  8. Papst? dass alle Fürsten dem Papst Füße küssen dürfen. Ich bin der König der Römer, der künftige Kaiser, Nachfolger Karls des
  9. Großen, dass er selbst von niemandem sonst gerichtet werden kann. Ein Kampf um die Macht im Königreich der Deutschen und im christlichen Abendland, dass er
  10. allein Bischhöfe absetzen und wieder einsetzen kann. Ein anderer besteige den Thron des Heiligen Petrus. dass es dem Papst erlaubt ist, den Kaiser
  11. abzusetzen. In der Burg Kanossa in Oberitalien waren sich die Entscheidungen. Ihr Name wird in die Geschichte
  12. eingehen. Es beginnt mit einer beunruhigenden Nachricht an Papst Gregor den VI, der hier Zuflucht gesucht hat. Der deutsche König Heinrich ist im
  13. Anmarsch. [Musik] So verfügen wir, dass der Landbesitz der
  14. Region übergeht. Er ist gekommen, Heiliger Vater. Regt euch nicht auf. Wer ist
  15. gekommen? Der deutsche König Heinrich. Er steht vor dem Tor. Vater. Vater. Immerhin hat Gorb den deutschen König
  16. abgesetzt. Er wird nicht wagen uns hier anzugreifen. Er ist ganz allein und er trägt ein Büserhemd.
  17. Einen solchen Vorgang hat es in der Geschichte noch nicht gegeben. Was treibt den König als Büßer zum Papst?
  18. [Musik] Vater, Vater, was sollen wir tun, Heiliger Vater? Soll ich das Tor öffnen lassen?
  19. [Musik] Nein, der Machtkampf zwischen dem römischen Papst und dem deutschen König prägt das späte 11. Jahrhundert und
  20. verleih auch dieser Stadt eine ganz besondere Bedeutung, Speier. Es ist die über alles geliebte Stadt der Sali, die hier auch das damals größte
  21. Gotteshaus der Welt errichtet haben, im Speirer Dom. [Musik] Für Heinrich und seiner Vorfahren ein
  22. Ausdruck königlicher Macht und christlichen [Musik]
  23. Kaisertums. Schon als Kind wird Heinrich I deutscher König. Sein Vater Heinrich II leitet an Gicht und muss sich beeilen seine Nachfolge zu sichern. Gewählt wird
  24. der Herrscher nach alter Tradition von den deutschen Fürsten. Sie sind die Säulen des Reiches, wie es heißt. Und erst ihr treue Schwur macht
  25. den Königssohn zum Herrscher. Schwürt eurem zukünftigen König, meinem Sohn, die Treue.
  26. Die selbstbewusste Dynastie der Salie. Sie sieht sich zum Königtum berufen. Sehen die Fürsten das genauso? Deine Feinde sind meine Feinde. Deine
  27. Freunde sind meine Freunde. Ich will dir allzeit treu und gewärtig sein. Doch wie die Quellen berichten, geschieht nun etwas Unerwartetes.
  28. Deine Feinde sind meine Feinde. Deine Freunde sind meine Freunde. Ich will der Alzseit treu und gewärtig sein, wenn du ein gerechter Herrscher
  29. wirst. [Musik] Der mächtige Herzog von Schwaben, Rudolf von Rheinfelden, knüpft seine
  30. Gefolgschaft erstmals an eine Bedingung. Nur einem gerechten König will er die Treue halten und steht damit nicht allein. Die Fürsten waren mit der
  31. Herrschaftsführung Heinriches II sehr unzufrieden. Es gab eine starke Opposition und sie bringen mit diesen Worten eine Warnung an den Vater zum
  32. Ausdruck. Gleichzeitig aber stellen diese Worte auch eine Hypothek für den kleinen Heinrich den I da, von dem sie erwarten, dass er ein König in ihrem
  33. Sinne wird. Wann wird die Hypothek fällig? Der Vater Heinrich II stirbt 3 Jahre nach der Wahl des jungen Königs. Seine Schultern
  34. müssen künftig die Last der Verantwortung [Musik] [Applaus]
  35. tragen. Das Reich über das Heinrich der Vierte eines Tages herrschen, soll bedeckt halbe Europa. Seit dem 10. Jahrhundert ist der deutsche König auch
  36. Kaiser der römischen Christenheit. Zu seinem Machtbereich gehört Oberitalien und seit 1933 auch Burgund.
  37. Auf deutschem Boden leben damals etwa 5 Millionen Menschen. Es ist die Zeit, in der aus manchen Dörfern kleine Städte werden.
  38. Geschützt durch Mauern, mit festeren Wegen und Gebäuden ziehen sie die Menschen an, öffnen ihre Tore für Handel und Wandel.
  39. [Musik] Zwei Steine sind medizinische Versorgung muss man sich
  40. leisten können. Gleich habe ich ihn. Gleich habe ich ihn. Die meisten Menschen leben auf dem Land, haben gerade das Notwendigste, dienen
  41. als Unfreie ihren Herrn. Technischer Fortschritt erleichtert auch damals schon das
  42. [Musik] Leben. Bessere Ernährung lässt die Menschen älter werden. Die durchschnittliche
  43. Lebenserwartung steigt auf immerhin 32 Jahre. Die Fläche, die ein Bauer bewirtschaften kann, wird immer
  44. [Applaus] größer. Macht und Besitz im Reich teilen sich die Fürsten, die Bischöfe, der Adel und der
  45. König. Einen festen Herrschaftssitz gibt es immer noch nicht. Regiert wird dort, wo der Monarch gerade ist. Doch der ist damals noch ein Kind und
  46. unter Vormundschaft der Mutter Königin Agnes. In den Analen des Jahres 1056 steht: "Das war der Anfang der Übel. Der König war ein Knabe. Die Mutter gab
  47. leicht nach, indem jeder ihr Ratschlag erteilte." "Dieser Mann würde das gern übernehmen. Ein päpstlicher Gesandter namens
  48. Hildebrand erscheint am Hof der Königin. Er tritt für die Erneuerung der Kirche ein. und für die Rechte des Papstes gegenüber dem König. Halt,
  49. Heinrich, behandelt man so seine Gäste? Nein. Entschuldigt, man hat seit eurem letzten Besuch schon einiges von euch gehört.
  50. Hildebrand. Ihr wollt die vielen Missstände in der Kirche bekämpfen. Das ist wahr. Die Klöster leben in Saus und Braus. Wir müssen der Weiberwirtschaft
  51. bei den Priestern ein Ende machen und die Bischhöfe. Die Bischhöfe äh die Bischhöfe müssen wieder sie müssen unbedingt wieder mehr dem Papst als dem
  52. König folgen. Kein König. Entschuldige dich bitte bei Herrn Hildebrand. Selbst unser Herr Jesus Christus musste seiner Mutter
  53. gehorchen. Entschuldigung. Es wird nicht bei dieser Begegnung bleiben. Er muss zur Bett. Entschuldigt. [Musik]
  54. Wie lange müssen wir uns noch auf diese Weise demütigen lassen? Ihr habt völlig recht. Wem hat der Herr das höchste Amt auf
  55. Erden übertragen? kommt. Ein päpstlicher Legat, der das deutsche Königtum in die Schranken weisen will und selbst nach höheren Weihen strebt.
  56. Doch es gibt auch andere, die den König gefügig machen wollen. Die Falske Kaisersfährt bei Düsseldorf wird damals Schauplatz einer dramatischen
  57. Entführung. Drahtzieher ist der Erzbischof Anno von Köln. ihn und andere Fürsten hatte die Mutter des jungen Königs zu einem Hoftag eingeladen.
  58. Das ist wirklich ein ganz besonders schönes Schiff. Es ist feilschnell. Von Köln aus haben wir nicht einmal zwei Stunden für die Fahrt benötigt. Steig
  59. ein. Der junge König wird auf ein Schiff gelockt, das am Rheinufer verteubt liegt.
  60. Der Erzbischof ist nur einer von vielen Fürsten, die den Monarchin sicherer Obhut wissen wollen in ihrer
  61. [Musik] eigenen. Zunächst schöpft niemand Verdacht. Was tut ihr denn, Heinrich?
  62. Keiner der Fürsten schreitet ein, um den Raub des Königs zu verhindern. Heinrich soll nach Köln verschleppt werden, um die nächsten
  63. Jahre in Gewahrsam von Erzbischof Anno zu verbringen. Der Junge spürt die Gefahr, versucht zu
  64. entkommen. Um ein Haar hätte es den jungen Salia das Leben gekostet. [Musik]
  65. Trotz Rettungen letzter Sekunde, die Entführung ist das Trauma seiner Kindheit. Der Erzbischof von Köln ist einer der mächtigsten Fürsten seiner
  66. Zeit. Erzbischof Anfon Köln äh war, das kann man wohl sagen in Sorge um das Reich. Äh die Königsherrschaft bis dahin hat die
  67. Interessen der Fürsten zu wenig berücksichtigt. Das führt dazu, dass er den Jungen Heinrich den VI entführen lässt, die der berühmte Staatsstreich
  68. von Kaiserswert, um Heinrich den VI nach nach reinem Sinn im Sinne der Fürsten zu erziehen zu einem gerichten König.
  69. Wer hat nun die Macht im Reich? In Gosla, seinem Geburtsort, ist auch der Thron Heinrichs des Vi erhalten. Doch der steht damals erst
  70. einmal leer. Anstelle des Königs entscheiden nun die mächtigen Fürsten im Reich und das erlebt nicht nur innere Unruhe.
  71. Als die Zeit für Heinrichs Thronbesteigung gekommen ist, stehen Aufstände im Osten
  72. befuhrt. Doch die rebellierenden Slaven werden bezwungen und unterworfen. Künftig ist König Heinrich Kraft seines Amtes, für die Verteidigung
  73. des Reiches nach innen und außen verantwortlich. Als der König volljährig wird, entlassen ihn die Fürsten aus der Obhut. Im März 1065 wird Heinrich. I für
  74. mündig erklärt und erhält sein Königreich zurück. Die Bischöfe hoffen ihn zu einem rechtschaffenden Herrscher erzogen zu
  75. haben. Wie seine Vorgänger ist auch er ein Reisekönig. Sein Leben lang wird er durch sein Reich reiten. Mehr als 120 000 km dreimal um die
  76. Welt. Sein Hofstad reist mit ihm. Es sind bis zu 2000 Ritter, Handwerker, Dienstleute und Hofschreiber. Zwischen den königlichen
  77. Pfalzen liegen lange Wege. Versorgt werden der Monarch und sein Gefolge von den Bauern der Umgebung.
  78. Ein Dutzend Ochsen, tausende von Schäffeln Getreide, hunderte Ziegen und Schweine, zahllose Strohballen und Fässer mit Wein und Bier, tausende Eier
  79. und die Hühner gleich noch mit dazu. Weg der nächste. Was soll das? Wieso nur drei Eier? Ich habe nur die drei. Du hast drei Hühner
  80. und von jedem sollst du drei Eier abgeben. Ein königlicher Aufenthalt war eine große Ehre und enorme
  81. Bürde. Zwar wird der Monarchich auf seinen Wegen gut bewacht, doch auch er ist gegen Krankheiten nicht gefeit. Gegen Infektionen gibt es
  82. keinerlei medizinische Hilfe. Schon eine Erkältung kann zum Tode führen, auch bei einem König. Nur wenige Herrscher im Mittelalter
  83. wurden älter als 40 [Musik] [Applaus] Jahre. Heinrich VI. War laut Quellen in
  84. der Jugend schwer erkrankt. Doch als Erwachsener erfreute er sich bester [Musik]
  85. Gesundheit. Für Menschen des Mittelalters war der König mit 1,80 m ungewöhnlich groß und athletisch gebaut. wie an seinem Skelett gemessen
  86. [Musik] wurde. Gefunden wurde es, als im Jahr 1900 im Speirer Domalischen Kaisergräber
  87. geöffnet und die Gebeine und Grabbeigaben erstmals untersucht werden konnten. Das Skelett Heinrichs des vierten ist verblüffend gut erhalten.
  88. zeugt so Experten von einem Leben im Sattel. Der Schädel deut auf markante Gesichtszüge. Ein Schneidezahn wurde wohl in der Jugend ausgeschlagen. Andere
  89. Zähne sind stark abgerieben. Heinrich VI. Ist der dritte Saal hier auf dem
  90. Thron. Schon sein Großvater begann mit dem Bau des Domes von Speier. Unter der Herrschaft seines Enkels wird er zur größten Kirche der Welt.
  91. Heinrich will der Salier Dynastie ein Denkmal setzen, seinem Verständnis von Gott, der Welt und vom eigenen Königtum Ausdruck
  92. verleihen. Auf Augenhöhe mit dem Papst widerstehen, wie dieser sieht er sich von Gott
  93. berufen. Auch die über alles geliebte Stadt soll von der Macht der Salia zeugen. Seit dem Jahr 1030 wird Speier planmäßig aufgebaut. Der Dom steht im
  94. Zentrum der geometrischen Anlage. Sogenannte Kreisschläge markieren den Straßenverlauf der
  95. Planstadt. Eine Stadt entsteht, in der um die Wende zum 12. Jahrhundert etwa 6000 Menschen leben. Vorbild für andere spätere Gründungsstädte, die auch auf
  96. dem Reisbrett entstehen, wie Freiburg, Leipzig oder Lübeck. Metropolis Germanie, die Hauptstadt Deutschlands, nennt ein englischer Mönch
  97. Stadt. Das ist typisch für das 11. Jahrhunderts, die Steigerung der Effizienz. Nur dann kann man nämlich auch erklären, weshalb es im 11.
  98. Jahrhundert möglich war, diese gewaltige Bauleistung überhaupt an den Tag zu legen, diese vielen, vielen riesigen Kirchen zu bauen, diese Klöster und die
  99. Städte, die jetzt entstehen. Auch die Klöster gewinnen in der Era Heinrichs an Bedeutung, haben großen Zulauf und
  100. wachsen. Sie sollen mehr den Menschen dienen und der römischen Kirche folgen und weniger den weltlichen Herrn. Das fordert ein neuer Papst in Rom, der
  101. selber zuvor Mönch war. Viele PTE und auch Bischöfe werden von den Herrschern ernannt. Andere kaufen sich das Amt. Damit soll nun
  102. Schluss sein. Zurück zu den Regeln des Heiligen Benedikt heißt die Losung aus Rom. Ora et Labora. bete und
  103. arbeite. Auch sollen sich die Novizen künftig strickt an das halten, was sie geloben. Keheit, Gehorsam und [Musik]
  104. Besitzlosigkeit. Von den Klöstern geht im 11. Jahrhundert eine Reform der Kirche aus. [Musik]
  105. Libertas Eccles heißt die Parole Roms. Freiheit der Kirche vom Einfluss der Milichen Machthaber. Die Botschaft der Mönche, sie macht auch
  106. vor den König nicht halt. Am Hofe Heinrichs gehe wüst zu, schreiben die Chronisten. Gibt nicht nur den Papst zu
  107. denken, sondern auch manchen deutschen Fürsten, die den König von Gottes Gnaden an seine heiligen Pflichten erinnern wollen. Rudolf von Rheinfelden hatte
  108. einst beim Treueschwur gesagt, er werde nur einem gerechten König dienen. Ein Mann, der sich als Stellvertreter des himmlischen Königs auf Erden bezeichnet,
  109. soll sich dessen auch würdig erweisen. Wo finde ich den König? Mal sehen. Er, der König über viele Völker war, richtete in sich selbst der
  110. bösen Lust einen Thron auf. Schrieb der sächsische Chronist Brun. Zwei oder drei Konkubinen hatte er zur gleichen Zeit. Aber auch damit war er noch nicht
  111. zufrieden. Rudolf von Rheinfelden, der Herzog von [Applaus] Schwaben. Wir sind immerhin verwandt.
  112. Komm an meine Brust, mein Schwager. Was kann ich für dich tun? Mein König, du wolltest mich sprechen. Dich zu uns. Ich werde ein anderes Mal wiederkommen. Du
  113. verzeihst. [Applaus] [Musik]
  114. Schweid ihr Narren. Der König muss sich in acht nehmen. Den Fürsten misstraut er. Seine Entführung hat er nicht
  115. vergessen. Doch ihm ist auch bewusst, ohne ihre Unterstützung kann er nicht [Applaus]
  116. regieren. Ebenso weiß er, dass in der Ferne einer den Anspruch erhebt, den Königen, die Macht über die Kirche streitig zu machen. Der Papst in
  117. Rom. Auf dem Stuhl der Stellvertreter Christi residiert seit 1073 Papst Gregor VI.
  118. Ehemals der Mönch Hildebrand, der dem jungen Heinrich einst begegnete. Nun will er den König in die Schranken weisen, stellt dessen Recht in
  119. Frage, eigenmächtig Bischöfe zu ernen. Das stehe allein der Kirche zu. Dabei ist es durchaus Tradition, dass der König von Gottes Gnaden im Reich auch
  120. Bischöfe einsetzt. Man nennt es Investitur, Einkleidung mit dem Stab und mit dem Ring als Zeichen der geistlichen
  121. Würde. Die Ernenung der Bischöfe sichert die königliche Macht im Reich. Sie sind ihm treu, verfügen über Reichtümer und Territorien, stellen Truppen. So schafft
  122. sich der Monarch mit der Besetzung der Bistümer Verbündete. Doch die Entscheidung über die Bischofsstühle will der römische
  123. Papst nun allein der Kirche vorbehalten. Die Zeit der selbstherrlichen Verfügung über Ämter war vorbei. So wurde der Streit zum Investiturstreit.
  124. Wer aber hat im Machtpoker die besseren Karten? Steht der Papst über dem König oder umgekehrt? Im bayerischen Kloster
  125. Prüfening sind Gemälde erhalten, die Partei ergreifen. Über allem trohn die himmlische Kirche hier in Gestalt der Eclesia. Die Macht auf Erden aber habe
  126. Gott in Form zweier Schwerter verliehen. Die geistliche Autorität gebührt dem Papst, die Weltliche dem Kaiser und König.
  127. Beide stünden somit auf einer Stufe. Doch die römische Kurie meint, beide Schwerter empfange der Papst von Gott. Und danach handelt der ehemalige
  128. Mönch Hilde Brand, Papstgregor VI. Imatikanischen Geheimarchiv in Rom befindet sich ein Dokument, das Geschichte machte. Der sogenannte
  129. Diktatuspape aus dem März 1075. Keine offizielle Urkunde, eine Notizhe, aber eine Kampfansage. dass der Name des Papstes einzigartig ist in der Welt,
  130. dass alle Fürsten dem Papst Füße küssen dürfen, dass er selbst von niemandem sonst gerichtet werden
  131. kann, dass er allein Bischhöfe absetzen und wieder einsetzen kann. dass es dem Papst erlaubt ist, den Kaiser
  132. abzusetzen, dass ein Papst hingeht und mit einer derartigen Konsequenz die Ansprüche des Beapstums neu formuliert und sie gleich auch noch in politische
  133. Praxis umsetzt. Das ist das Aufregende im 11. Jahrhundert. Und die Uvertüre für einen bislang beispiellosen Machtkampf. Lest, er hat euch sogar deutscher König
  134. genannt. Deutscher König? Ich bin der König der Römer, der künftige Kaiser, Nachfolger Karls des
  135. Großen. Hol den Schreiber. Der Monarch regiert damals nicht nur über deutsche Lande, sondern auch über Burgund und Teile
  136. Italiens. Vor allem aber ist der König der Deutschen auch designier Kaiser der römischen Christenheit und fühlt sich berufen von Gott.
  137. Heinrich, der nicht durch Anmaßung, sondern durch gottesgerechte Anordnung König ist,
  138. an Heldebrand, der nicht mehr der Papst, sondern der falsche Mönch ist. Der Herr Jesus Christus hat uns zum Königtum,
  139. dich aber nicht zur geistlichen Herrschaft [Musik] berufen. Durch List bist du zu Geld
  140. gekommen. Durch Geld zu Gunst. Durch Gunst zum Schwert. Durch das Schwert zum Sitz des Friedens. Und vom Sitz des Friedens aus
  141. hast du diesen Frieden gestört. So steige du herab. Verlasse den apostolischen Stuhl, den du dir angemaß hast. Ein anderer, besteige den
  142. Thron des Heiligen Petrus. Einer, der Gewalttaten nicht mit Frömmigkeit bemänzelt. Ich, Heinrich, durch die Gnade Gottes König, sage dir zusammen
  143. mit allen meinen Bischöfen: Steige herab. Steige herab.
  144. Von dem Moment an, als äh die Bischöfe und Heinrich Gregor aufgefordert hatten, den Stuhl Petri zu verlassen, weil er ein Eindringling sei, äh war der
  145. Konflikt nicht mehr zu deeskalieren. Die Antwort aus Rom lässt nicht lange auf sich warten. Gregor der VI handelt getreu seinem Selbstverständnis.
  146. [Musik] Er, der Papst, setzt den König schlichtweg ab und entbindet alle Untertanen vom
  147. [Musik] Treueid. Der Bann über den König erreicht binnen weniger Wochen die Bischöfe, die Fürsten und das Volk.
  148. Zur Ehre und zum Schutz deiner heiligen Kirche, Kraft deiner Gewalt und deiner allesumfassenden Vollmacht, spreche ich, König Heinrich, der sich gegen deine
  149. heilige Kirche mit unerhörtem Hochmut erhoben hat, die Herrschaft ab über Deutschland und Italien und ich löse alle Christen vom Eid, den sie ihm
  150. geleistet haben oder noch leisten werden. Und ich untersage Und ich untersage allen Christen ihm in Zukunft zu
  151. folgen. Als die Nachricht vom Bann über den König zu den Ohren des Volkes gelangte, da erzitterte unser ganzer römischer Erdkreis, notierte Bischof
  152. Bonito von Zutri. Herzog Rudolf von Rheinfelden, weitere Fürsten und Bischöfe beraten, ob sie den König ihre Gefolgschaft aufkündigen
  153. soll. Sie fragen sich, ob Heinrich noch ihr König sein kann, ob er der Würde seines Amtes gerecht wird. Sollen wir ihm wirklich weiter die Treue
  154. halten? Der Papst hat ihn gebannt. Das ist ein eindeutiges Zeichen. Wie sollen wir uns verhalten? Wie sollen wir uns verhalten?
  155. Er hat die Würde des Reiches beschmutzt, sich schlechte Berater gesucht, aber er ist der Sohn Kaiser Heinrichs. Wir haben ihm Gefolgschaft
  156. geschworen. So auch du, Rudolf. Ich leistete meinen Al nur auf einen gerechten Herrscher, aber es war doch Gottes Wille, dass er die Königskrone
  157. trägt. Dann ist es auch Gottes Wille, dass er sie wieder verliert. Genug. [Musik] Wir müssen eine Entscheidung
  158. [Musik] fällen jetzt. Ja, man wollte über den König nicht mit dem König verhandeln. Man
  159. wollte sich selber darüber klar werden, ob man ihn absetzen muss wegen seiner Verbrechen oder aber ob er noch länger König bleiben kann.
  160. Heinrich hat die Initiative verloren. Kann nur abwarten, wie andere über ihn befinden. Endlich. Wir haben die Fürsten entschieden.
  161. Die Entscheidung der Fürsten ist bedrohlich. Binnen eines Jahres muss er sich vom Band des Papstes befreien, sonst
  162. verliert er seine [Musik] Krone. Heinrich muss handeln. Aber wie? Im eisigen Winter
  163. 1077 macht er sich auf den Weg über die Alpen. Die Fürsten haben die Pässe sperren lassen, um zu verhindern, dass der König nach Italien gelangt, zum
  164. Papst. Doch Verwandte Heinrichs erlauben ihm die Passage über Burgund und den Monsen eine Reise unter wenig
  165. königlichen Bedingungen. Bald krochen sie auf Händen und Füßen vorwärts, schreibt der Chronist
  166. Lampert. Bald stützten sie sich auf die Schultern ihrer Führer. Manchmal glitt ihr Fuß auf dem glatten Boden aus. Sie fielen hin und rutschten ein ganzes
  167. Stück den Berg hinunter. [Musik] Doch der König und sein Gefolge, sie haben keine Wahl.
  168. Boten berichten, dass der Papst bereits auf dem Weg nach Norden sei, um sich mit den Fürsten zu verbünden. Heinrich will ja muss ihn
  169. abfangen. Der Papst erfährt, dass Hinrich die Alpen überquert hat und verschanzt sich in der Burg Kanossa, denn er befürchtet einen Angriff des
  170. deutschen Königs. was ich im Winter 107677 abspielt, der Gang nach Kanossa
  171. hat, das kann man sagen, weltgeschichtliche Bedeutung, denn zum ersten Mal unterwirft sich ein König dem geistlichen Oberhaupt, ein Vorgang, der
  172. schon in der Zeit und vor allen Dingen aus dem Rückblick als umstürzend angesehen wird.
  173. Der Papst hatte mit einem Angriff des deutschen Königs gerechnet. Doch dann geschah das Unerwartete. Hier stand der König nach
  174. Ableung seiner Gewänder ohne alle Abzeichen der königlichen Würde. Vater Barfuß und nüchtern vom Morgen bis zum
  175. Abend. Das Urteil des Papstes erwartend. So, der Bericht des Chronisten.
  176. Die Schilderungen des Chronisten Lambert von Herzfeld wollen den König möglichst schwach und den Papst möglichst stark erscheinen
  177. lassen. Vergib mir mein König. Es hat keinen Sinn.
  178. Patosta in kelis santificum fiat voluntast ino terra panem nostrum quotidianum danobis.
  179. Die Quellen machen aus dem Gang nach Kanossa ein historisches Drama. Ein Heinrichter Vit, so berichten die Quellen, stand drei Tage lang vor den
  180. Toren Kanossas. im Büser gewandt, barfüysig, frierend in Eis und Schnee. Ob das alles so stimmt, ist die Frage. Äh, aber Fakt ist, er hat durch seine
  181. Büserhaltung enormen Druck auf dem Papst ausgeübt. Der ist nicht nur Kirchenfürst, er ist auch
  182. Seelsorger. Ein ruiger, bußfertiger Sünder hat Anspruch auf Verzeihung und Barmherzigkeit.
  183. Das weiß auch Heinrich. Und so nennt sein Chronist die ganze Inszenierung einen klugen [Musik]
  184. Schachzug. Hat der Papst noch eine Wahl? Schließlich lenkt er ein. von den Drängen seiner Reue und den
  185. flehendlichen Bitten aller, die zugegen waren überwunden, schreibt Gregor der haben wir schließlich die Fessel des
  186. Kirchenbands gelöst und ihn wieder in die Gnade der Gemeinschaft der Heiligen und in den Schoß der Heiligen Mutterkirche aufgenommen.
  187. [Musik] Der Gang nach Kanossa mutet an wie die Heimkehr des verlorenen Sohnes. [Musik]
  188. Die Nachfeld teilt ein in Sieger und besiegter. [Musik]
  189. Nie zuvor sei ein deutscher König so gedemütigt worden. Nie zuvor habe ein römischer Papst seine Macht drastischer
  190. [Musik] bewiesen. Tatsächlich war beim Gang zum Papst vor allem Berechnung im Spiel. Insofern war der
  191. Kanossergang ein wirklich kluger Schachzug Heinriches vi genauso nämlich
  192. wie es der Autor seiner Vita auch genannt hat ein kluger Schachzug Heinriches der im Grunde das Überleben der saalischen Dynastie des saalischen
  193. Königtums äh gewährleistet hat denn Vom Bann befreit, kehrt Heinrich zurück in sein deutsches Königreich und fordert Gefolgschaft
  194. ein, die vor allem ein mächtiger Fürst nicht mehr leisten möchte. Rudolf von Rheinfeld. Von Kindes Beinen an wurde Heinrich von ihm in
  195. Frage gestellt. Ein gerechter Wst. Wir müssen eine Entscheidung fällen
  196. jetzt. Inzwischen haben ihn die Fürsten und Bischöfe zum Gegenkönig ernannt. Die Entscheidung suchen die Kontrahenten nun auf dem
  197. Schlachtfeld. Die Waffen sollen entscheiden, wer künftig regiert. Nun zeigt sich, wer der wahre König ist. Ich kämpfe nicht um eine Krone, die ich
  198. schon habe. Herr von Rheinfelden. Die hast du verloren, als du ein Kanoss auf den Knien [Musik]
  199. lagst. Am 15. Oktober 1080 treffen die Heere der beiden deutschen Könige an der weißen Elster in Thüringen aufeinander. Und ein schreckliches Morden beginnt,
  200. wie Chronisten schreiben. Rudolf von Rheinfelden gilt als der beste Feldherr seiner Zeit und von Anfang an scheinen seine Truppen
  201. [Musik] überlegen. Heinrich gerät in Bedrängnis. Doch nimmt die Schlacht eine unverhaufte Wende. Der Gegenkönig wird umzingelt und
  202. tödlich verwundet. Sogar die rechte Hand sei ihm abgeschlagen worden, berichten die Quellen. Die
  203. Schwurhand, die gerechte Strafe für den meine, da er sich nicht gescheut hatte, den Treuere Eid zu brechen, den er seinem Herrn und König geschworen hatte.
  204. schreibt der Chronist Heinrichsen. Wie das Skelett Heinrichs hat auch die Hand Rudolfs fast ein
  205. Jahrtausend überstanden. Sie wurde mumifiziert und in einem Reliquienkästchen aufbewahrt. Gibt sie weitere Aufschlüsse
  206. über das Geschehen auf dem Schlachtfeld damals? Für diesen Film führte das anthropologische Institut der
  207. Universität Mainz eine computertographische Untersuchung durch mit einem überraschenden
  208. Befund. Die Schnittspuren, die wir finden, betreffen nicht die ganze Hand. Wenn die Hand im Kampf abgehackt worden wäre, müsste sich der Schnitt entlang
  209. der gesamten Handwurzelknochen zeigen. Wir finden aber nur äh einen Schnitt im äußeren Teil der Hand und glauben deshalb, dass
  210. die Hand nach seinem Tode erst abgetrennt worden ist. Der Verlust der Schwurhand in der Schlacht. Mit solcher Propaganda stilisierte Heinrich seinen
  211. Sieg über Rudolf von Rheinfelden zum Gottesurteil. Der gefallene Gegenkönig ist im Dom von Merseburg
  212. begraben. Seine Macht im Reich der Deutschen hat Heinrich nun gefestigt. Doch er will mehr. die Kaiserkrone wie sein
  213. Vater. Als deutscher König ist er dazu erwählt, doch krönen muss ihn der Papst und dafür muss er einmal mehr nach Italien ziehen. Diesmal nicht als
  214. Büßer. Nachdem er seinen früheren Gegner Gregor den VI vertrieben hat, lässt er sich am Ostersonntag des Jahres 1084 von einem neuen Papst zum
  215. Kaiserkrönen, von einem Gegenpapst, den er selbst ernannte. Keiner soll über ihm im Kaiser,
  216. [Musik] stehen. Der Papst, der die Macht des Monarchen an, verbringt seine letzten Tage im Exil in Salerno. Gregor VI
  217. stirbt dort im Jahr 1085. Ich habe die Gerechtigkeit geliebt und das Unrecht gehasst. Deshalb sterbe ich in der Verbannung. waren den Quellen
  218. zufolge seiner letzten Worte. Er wollte seine Kirche vor weltlichem Einfluss bewahren und hat doch im Kampf um die irdische Machtpartei ergriffen. Die
  219. Person Gregors des 7 ist mit Sicherheit eine Ausnahmeerscheinung. Schon die Zeitgenossen haben ihn mit Bezeichnungen wie Heiliger Satan äh bedacht und es
  220. waren keine Feinde Gregor des. Man hat also die Rigurosität, den Fanatismus schon unter den Zeitgenossen gesehen und die Konsequenz, mit der er bis zum Ende
  221. gehandelt hat, ist mit Sicherheit sehr sehr außergewöhnlich. Unter den Nachfolgern Grigors wird der
  222. Streit zwischen Kaiser und Papst vorerst beigelegt mit dem sogenannten Wormser Konkordat im Jahr 1122. [Musik]
  223. Das kostbare Schriftstück zählt heute zu den wertvollsten Dokumenten im vatikanischen [Musik]
  224. Geheimarchiv. Wie lautet die Einigung, die in Worms so feierlich beschlossen wurde? Das warmster Konkordat brachte einen
  225. Kompromiss. Heinrich verzichtete auf die Einsetzung der Bischöfe in ihr geistliches Amt. Der Papst erlaubte ihm im Gegenzug jedoch diese Bischöfe in
  226. ihre weltlichen Herrschaftsrechte weiterhin einzusetzen. So etablierten sich Bischöfe Epte wie die weltlichen Fürsten
  227. als wichtige Partner des Königtums und schufen so eine föderale Struktur des Reiches, die sich bis heute etwa im Föderalismus der Länder wiederfinden
  228. lässt. Heinrich VI stirbt im Jahre 116. Diese Krone hat ihn auf dem letzten Weg
  229. begleitet. Im Speirer Dom fand er seine letzte Ruhe. Auch den Ring, den er als König trug, nahm er mit ins
  230. [Musik] Grab. Die Chronisten schrieben die Geschichte seines Lebens auf ihre [Musik]
  231. Art. Die einen hießen ihn Verlierer, die anderen nannten ihn Sieger. Im Ringen um die Macht als deutscher König und
  232. Kaiser. Der Gang nach Kanossa. Er steht für einen Wendepunkt der jungen deutschen Geschichte.
  233. [Applaus] โ

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