Heinrich und der Papst - Die Deutschen (Staffel 1) - ZDF Historyin90Seconds https://www.youtube.com/watch?v=qtjn9j-gwbk Transkript (automatisch erstellt) 0:02 Die Mitte Europas im zweiten Jahrtausend. Ein Land, das lange braucht, um eins zu werden. Menschen, die sich erst im Laufe 0:14 der Jahrhunderte als Deutsch verstehen. Wer sind wir? Woher kommen wir? 0:32 Fragen an ein Jahrtausend deutsche Geschichte für die 0:40 [Musik] Demokratie. Im 11. Jahrhundert kommt es zum Streit. Wer ist der Stärkere? Der 0:55 König der Deutschen? oder der römische Papst. Papst Gregor und Heinrich VI kämpfen um die 1:07 [Musik] Macht. Die Deutschen Fürsten, sie entscheiden mit über Niederlage oder Sieg. 1:19 [Musik] dass der Name des Papstes einzigartig ist in der Welt. Was erlaubt sich dieser 1:36 Papst? dass alle Fürsten dem Papst Füße küssen dürfen. Ich bin der König der Römer, der künftige Kaiser, Nachfolger Karls des 1:45 Großen, dass er selbst von niemandem sonst gerichtet werden kann. Ein Kampf um die Macht im Königreich der Deutschen und im christlichen Abendland, dass er 1:58 allein Bischhöfe absetzen und wieder einsetzen kann. Ein anderer besteige den Thron des Heiligen Petrus. dass es dem Papst erlaubt ist, den Kaiser 2:15 abzusetzen. In der Burg Kanossa in Oberitalien waren sich die Entscheidungen. Ihr Name wird in die Geschichte 2:26 eingehen. Es beginnt mit einer beunruhigenden Nachricht an Papst Gregor den VI, der hier Zuflucht gesucht hat. Der deutsche König Heinrich ist im 2:35 Anmarsch. [Musik] So verfügen wir, dass der Landbesitz der 2:43 Region übergeht. Er ist gekommen, Heiliger Vater. Regt euch nicht auf. Wer ist 2:52 gekommen? Der deutsche König Heinrich. Er steht vor dem Tor. Vater. Vater. Immerhin hat Gorb den deutschen König 3:05 abgesetzt. Er wird nicht wagen uns hier anzugreifen. Er ist ganz allein und er trägt ein Büserhemd. 3:16 Einen solchen Vorgang hat es in der Geschichte noch nicht gegeben. Was treibt den König als Büßer zum Papst? 3:24 [Musik] Vater, Vater, was sollen wir tun, Heiliger Vater? Soll ich das Tor öffnen lassen? 3:43 [Musik] Nein, der Machtkampf zwischen dem römischen Papst und dem deutschen König prägt das späte 11. Jahrhundert und 3:58 verleih auch dieser Stadt eine ganz besondere Bedeutung, Speier. Es ist die über alles geliebte Stadt der Sali, die hier auch das damals größte 4:09 Gotteshaus der Welt errichtet haben, im Speirer Dom. [Musik] Für Heinrich und seiner Vorfahren ein 4:19 Ausdruck königlicher Macht und christlichen [Musik] 4:28 Kaisertums. Schon als Kind wird Heinrich I deutscher König. Sein Vater Heinrich II leitet an Gicht und muss sich beeilen seine Nachfolge zu sichern. Gewählt wird 4:40 der Herrscher nach alter Tradition von den deutschen Fürsten. Sie sind die Säulen des Reiches, wie es heißt. Und erst ihr treue Schwur macht 4:51 den Königssohn zum Herrscher. Schwürt eurem zukünftigen König, meinem Sohn, die Treue. 5:05 Die selbstbewusste Dynastie der Salie. Sie sieht sich zum Königtum berufen. Sehen die Fürsten das genauso? Deine Feinde sind meine Feinde. Deine 5:17 Freunde sind meine Freunde. Ich will dir allzeit treu und gewärtig sein. Doch wie die Quellen berichten, geschieht nun etwas Unerwartetes. 5:35 Deine Feinde sind meine Feinde. Deine Freunde sind meine Freunde. Ich will der Alzseit treu und gewärtig sein, wenn du ein gerechter Herrscher 5:47 wirst. [Musik] Der mächtige Herzog von Schwaben, Rudolf von Rheinfelden, knüpft seine 5:57 Gefolgschaft erstmals an eine Bedingung. Nur einem gerechten König will er die Treue halten und steht damit nicht allein. Die Fürsten waren mit der 6:09 Herrschaftsführung Heinriches II sehr unzufrieden. Es gab eine starke Opposition und sie bringen mit diesen Worten eine Warnung an den Vater zum 6:18 Ausdruck. Gleichzeitig aber stellen diese Worte auch eine Hypothek für den kleinen Heinrich den I da, von dem sie erwarten, dass er ein König in ihrem 6:27 Sinne wird. Wann wird die Hypothek fällig? Der Vater Heinrich II stirbt 3 Jahre nach der Wahl des jungen Königs. Seine Schultern 6:38 müssen künftig die Last der Verantwortung [Musik] [Applaus] 6:50 tragen. Das Reich über das Heinrich der Vierte eines Tages herrschen, soll bedeckt halbe Europa. Seit dem 10. Jahrhundert ist der deutsche König auch 6:59 Kaiser der römischen Christenheit. Zu seinem Machtbereich gehört Oberitalien und seit 1933 auch Burgund. 7:10 Auf deutschem Boden leben damals etwa 5 Millionen Menschen. Es ist die Zeit, in der aus manchen Dörfern kleine Städte werden. 7:20 Geschützt durch Mauern, mit festeren Wegen und Gebäuden ziehen sie die Menschen an, öffnen ihre Tore für Handel und Wandel. 7:29 [Musik] Zwei Steine sind medizinische Versorgung muss man sich 7:37 leisten können. Gleich habe ich ihn. Gleich habe ich ihn. Die meisten Menschen leben auf dem Land, haben gerade das Notwendigste, dienen 7:48 als Unfreie ihren Herrn. Technischer Fortschritt erleichtert auch damals schon das 7:57 [Musik] Leben. Bessere Ernährung lässt die Menschen älter werden. Die durchschnittliche 8:08 Lebenserwartung steigt auf immerhin 32 Jahre. Die Fläche, die ein Bauer bewirtschaften kann, wird immer 8:19 [Applaus] größer. Macht und Besitz im Reich teilen sich die Fürsten, die Bischöfe, der Adel und der 8:29 König. Einen festen Herrschaftssitz gibt es immer noch nicht. Regiert wird dort, wo der Monarch gerade ist. Doch der ist damals noch ein Kind und 8:41 unter Vormundschaft der Mutter Königin Agnes. In den Analen des Jahres 1056 steht: "Das war der Anfang der Übel. Der König war ein Knabe. Die Mutter gab 8:54 leicht nach, indem jeder ihr Ratschlag erteilte." "Dieser Mann würde das gern übernehmen. Ein päpstlicher Gesandter namens 9:02 Hildebrand erscheint am Hof der Königin. Er tritt für die Erneuerung der Kirche ein. und für die Rechte des Papstes gegenüber dem König. Halt, 9:13 Heinrich, behandelt man so seine Gäste? Nein. Entschuldigt, man hat seit eurem letzten Besuch schon einiges von euch gehört. 9:22 Hildebrand. Ihr wollt die vielen Missstände in der Kirche bekämpfen. Das ist wahr. Die Klöster leben in Saus und Braus. Wir müssen der Weiberwirtschaft 9:30 bei den Priestern ein Ende machen und die Bischhöfe. Die Bischhöfe äh die Bischhöfe müssen wieder sie müssen unbedingt wieder mehr dem Papst als dem 9:41 König folgen. Kein König. Entschuldige dich bitte bei Herrn Hildebrand. Selbst unser Herr Jesus Christus musste seiner Mutter 9:51 gehorchen. Entschuldigung. Es wird nicht bei dieser Begegnung bleiben. Er muss zur Bett. Entschuldigt. [Musik] 10:07 Wie lange müssen wir uns noch auf diese Weise demütigen lassen? Ihr habt völlig recht. Wem hat der Herr das höchste Amt auf 10:15 Erden übertragen? kommt. Ein päpstlicher Legat, der das deutsche Königtum in die Schranken weisen will und selbst nach höheren Weihen strebt. 10:27 Doch es gibt auch andere, die den König gefügig machen wollen. Die Falske Kaisersfährt bei Düsseldorf wird damals Schauplatz einer dramatischen 10:35 Entführung. Drahtzieher ist der Erzbischof Anno von Köln. ihn und andere Fürsten hatte die Mutter des jungen Königs zu einem Hoftag eingeladen. 10:45 Das ist wirklich ein ganz besonders schönes Schiff. Es ist feilschnell. Von Köln aus haben wir nicht einmal zwei Stunden für die Fahrt benötigt. Steig 10:54 ein. Der junge König wird auf ein Schiff gelockt, das am Rheinufer verteubt liegt. 11:03 Der Erzbischof ist nur einer von vielen Fürsten, die den Monarchin sicherer Obhut wissen wollen in ihrer 11:13 [Musik] eigenen. Zunächst schöpft niemand Verdacht. Was tut ihr denn, Heinrich? 11:31 Keiner der Fürsten schreitet ein, um den Raub des Königs zu verhindern. Heinrich soll nach Köln verschleppt werden, um die nächsten 11:44 Jahre in Gewahrsam von Erzbischof Anno zu verbringen. Der Junge spürt die Gefahr, versucht zu 11:53 entkommen. Um ein Haar hätte es den jungen Salia das Leben gekostet. [Musik] 12:03 Trotz Rettungen letzter Sekunde, die Entführung ist das Trauma seiner Kindheit. Der Erzbischof von Köln ist einer der mächtigsten Fürsten seiner 12:19 Zeit. Erzbischof Anfon Köln äh war, das kann man wohl sagen in Sorge um das Reich. Äh die Königsherrschaft bis dahin hat die 12:31 Interessen der Fürsten zu wenig berücksichtigt. Das führt dazu, dass er den Jungen Heinrich den VI entführen lässt, die der berühmte Staatsstreich 12:39 von Kaiserswert, um Heinrich den VI nach nach reinem Sinn im Sinne der Fürsten zu erziehen zu einem gerichten König. 12:51 Wer hat nun die Macht im Reich? In Gosla, seinem Geburtsort, ist auch der Thron Heinrichs des Vi erhalten. Doch der steht damals erst 13:00 einmal leer. Anstelle des Königs entscheiden nun die mächtigen Fürsten im Reich und das erlebt nicht nur innere Unruhe. 13:11 Als die Zeit für Heinrichs Thronbesteigung gekommen ist, stehen Aufstände im Osten 13:26 befuhrt. Doch die rebellierenden Slaven werden bezwungen und unterworfen. Künftig ist König Heinrich Kraft seines Amtes, für die Verteidigung 13:38 des Reiches nach innen und außen verantwortlich. Als der König volljährig wird, entlassen ihn die Fürsten aus der Obhut. Im März 1065 wird Heinrich. I für 13:52 mündig erklärt und erhält sein Königreich zurück. Die Bischöfe hoffen ihn zu einem rechtschaffenden Herrscher erzogen zu 14:02 haben. Wie seine Vorgänger ist auch er ein Reisekönig. Sein Leben lang wird er durch sein Reich reiten. Mehr als 120 000 km dreimal um die 14:15 Welt. Sein Hofstad reist mit ihm. Es sind bis zu 2000 Ritter, Handwerker, Dienstleute und Hofschreiber. Zwischen den königlichen 14:25 Pfalzen liegen lange Wege. Versorgt werden der Monarch und sein Gefolge von den Bauern der Umgebung. 14:35 Ein Dutzend Ochsen, tausende von Schäffeln Getreide, hunderte Ziegen und Schweine, zahllose Strohballen und Fässer mit Wein und Bier, tausende Eier 14:47 und die Hühner gleich noch mit dazu. Weg der nächste. Was soll das? Wieso nur drei Eier? Ich habe nur die drei. Du hast drei Hühner 14:55 und von jedem sollst du drei Eier abgeben. Ein königlicher Aufenthalt war eine große Ehre und enorme 15:04 Bürde. Zwar wird der Monarchich auf seinen Wegen gut bewacht, doch auch er ist gegen Krankheiten nicht gefeit. Gegen Infektionen gibt es 15:14 keinerlei medizinische Hilfe. Schon eine Erkältung kann zum Tode führen, auch bei einem König. Nur wenige Herrscher im Mittelalter 15:25 wurden älter als 40 [Musik] [Applaus] Jahre. Heinrich VI. War laut Quellen in 15:33 der Jugend schwer erkrankt. Doch als Erwachsener erfreute er sich bester [Musik] 15:44 Gesundheit. Für Menschen des Mittelalters war der König mit 1,80 m ungewöhnlich groß und athletisch gebaut. wie an seinem Skelett gemessen 15:56 [Musik] wurde. Gefunden wurde es, als im Jahr 1900 im Speirer Domalischen Kaisergräber 16:09 geöffnet und die Gebeine und Grabbeigaben erstmals untersucht werden konnten. Das Skelett Heinrichs des vierten ist verblüffend gut erhalten. 16:19 zeugt so Experten von einem Leben im Sattel. Der Schädel deut auf markante Gesichtszüge. Ein Schneidezahn wurde wohl in der Jugend ausgeschlagen. Andere 16:30 Zähne sind stark abgerieben. Heinrich VI. Ist der dritte Saal hier auf dem 16:39 Thron. Schon sein Großvater begann mit dem Bau des Domes von Speier. Unter der Herrschaft seines Enkels wird er zur größten Kirche der Welt. 16:50 Heinrich will der Salier Dynastie ein Denkmal setzen, seinem Verständnis von Gott, der Welt und vom eigenen Königtum Ausdruck 16:59 verleihen. Auf Augenhöhe mit dem Papst widerstehen, wie dieser sieht er sich von Gott 17:07 berufen. Auch die über alles geliebte Stadt soll von der Macht der Salia zeugen. Seit dem Jahr 1030 wird Speier planmäßig aufgebaut. Der Dom steht im 17:19 Zentrum der geometrischen Anlage. Sogenannte Kreisschläge markieren den Straßenverlauf der 17:28 Planstadt. Eine Stadt entsteht, in der um die Wende zum 12. Jahrhundert etwa 6000 Menschen leben. Vorbild für andere spätere Gründungsstädte, die auch auf 17:39 dem Reisbrett entstehen, wie Freiburg, Leipzig oder Lübeck. Metropolis Germanie, die Hauptstadt Deutschlands, nennt ein englischer Mönch 17:52 Stadt. Das ist typisch für das 11. Jahrhunderts, die Steigerung der Effizienz. Nur dann kann man nämlich auch erklären, weshalb es im 11. 18:01 Jahrhundert möglich war, diese gewaltige Bauleistung überhaupt an den Tag zu legen, diese vielen, vielen riesigen Kirchen zu bauen, diese Klöster und die 18:12 Städte, die jetzt entstehen. Auch die Klöster gewinnen in der Era Heinrichs an Bedeutung, haben großen Zulauf und 18:21 wachsen. Sie sollen mehr den Menschen dienen und der römischen Kirche folgen und weniger den weltlichen Herrn. Das fordert ein neuer Papst in Rom, der 18:31 selber zuvor Mönch war. Viele PTE und auch Bischöfe werden von den Herrschern ernannt. Andere kaufen sich das Amt. Damit soll nun 18:41 Schluss sein. Zurück zu den Regeln des Heiligen Benedikt heißt die Losung aus Rom. Ora et Labora. bete und 18:51 arbeite. Auch sollen sich die Novizen künftig strickt an das halten, was sie geloben. Keheit, Gehorsam und [Musik] 19:02 Besitzlosigkeit. Von den Klöstern geht im 11. Jahrhundert eine Reform der Kirche aus. [Musik] 19:15 Libertas Eccles heißt die Parole Roms. Freiheit der Kirche vom Einfluss der Milichen Machthaber. Die Botschaft der Mönche, sie macht auch 19:26 vor den König nicht halt. Am Hofe Heinrichs gehe wüst zu, schreiben die Chronisten. Gibt nicht nur den Papst zu 19:37 denken, sondern auch manchen deutschen Fürsten, die den König von Gottes Gnaden an seine heiligen Pflichten erinnern wollen. Rudolf von Rheinfelden hatte 19:47 einst beim Treueschwur gesagt, er werde nur einem gerechten König dienen. Ein Mann, der sich als Stellvertreter des himmlischen Königs auf Erden bezeichnet, 19:57 soll sich dessen auch würdig erweisen. Wo finde ich den König? Mal sehen. Er, der König über viele Völker war, richtete in sich selbst der 20:07 bösen Lust einen Thron auf. Schrieb der sächsische Chronist Brun. Zwei oder drei Konkubinen hatte er zur gleichen Zeit. Aber auch damit war er noch nicht 20:17 zufrieden. Rudolf von Rheinfelden, der Herzog von [Applaus] Schwaben. Wir sind immerhin verwandt. 20:28 Komm an meine Brust, mein Schwager. Was kann ich für dich tun? Mein König, du wolltest mich sprechen. Dich zu uns. Ich werde ein anderes Mal wiederkommen. Du 20:38 verzeihst. [Applaus] [Musik] 20:45 Schweid ihr Narren. Der König muss sich in acht nehmen. Den Fürsten misstraut er. Seine Entführung hat er nicht 20:55 vergessen. Doch ihm ist auch bewusst, ohne ihre Unterstützung kann er nicht [Applaus] 21:06 regieren. Ebenso weiß er, dass in der Ferne einer den Anspruch erhebt, den Königen, die Macht über die Kirche streitig zu machen. Der Papst in 21:20 Rom. Auf dem Stuhl der Stellvertreter Christi residiert seit 1073 Papst Gregor VI. 21:32 Ehemals der Mönch Hildebrand, der dem jungen Heinrich einst begegnete. Nun will er den König in die Schranken weisen, stellt dessen Recht in 21:43 Frage, eigenmächtig Bischöfe zu ernen. Das stehe allein der Kirche zu. Dabei ist es durchaus Tradition, dass der König von Gottes Gnaden im Reich auch 21:55 Bischöfe einsetzt. Man nennt es Investitur, Einkleidung mit dem Stab und mit dem Ring als Zeichen der geistlichen 22:08 Würde. Die Ernenung der Bischöfe sichert die königliche Macht im Reich. Sie sind ihm treu, verfügen über Reichtümer und Territorien, stellen Truppen. So schafft 22:19 sich der Monarch mit der Besetzung der Bistümer Verbündete. Doch die Entscheidung über die Bischofsstühle will der römische 22:27 Papst nun allein der Kirche vorbehalten. Die Zeit der selbstherrlichen Verfügung über Ämter war vorbei. So wurde der Streit zum Investiturstreit. 22:41 Wer aber hat im Machtpoker die besseren Karten? Steht der Papst über dem König oder umgekehrt? Im bayerischen Kloster 22:50 Prüfening sind Gemälde erhalten, die Partei ergreifen. Über allem trohn die himmlische Kirche hier in Gestalt der Eclesia. Die Macht auf Erden aber habe 23:02 Gott in Form zweier Schwerter verliehen. Die geistliche Autorität gebührt dem Papst, die Weltliche dem Kaiser und König. 23:10 Beide stünden somit auf einer Stufe. Doch die römische Kurie meint, beide Schwerter empfange der Papst von Gott. Und danach handelt der ehemalige 23:23 Mönch Hilde Brand, Papstgregor VI. Imatikanischen Geheimarchiv in Rom befindet sich ein Dokument, das Geschichte machte. Der sogenannte 23:33 Diktatuspape aus dem März 1075. Keine offizielle Urkunde, eine Notizhe, aber eine Kampfansage. dass der Name des Papstes einzigartig ist in der Welt, 23:47 dass alle Fürsten dem Papst Füße küssen dürfen, dass er selbst von niemandem sonst gerichtet werden 24:02 kann, dass er allein Bischhöfe absetzen und wieder einsetzen kann. dass es dem Papst erlaubt ist, den Kaiser 24:17 abzusetzen, dass ein Papst hingeht und mit einer derartigen Konsequenz die Ansprüche des Beapstums neu formuliert und sie gleich auch noch in politische 24:28 Praxis umsetzt. Das ist das Aufregende im 11. Jahrhundert. Und die Uvertüre für einen bislang beispiellosen Machtkampf. Lest, er hat euch sogar deutscher König 24:41 genannt. Deutscher König? Ich bin der König der Römer, der künftige Kaiser, Nachfolger Karls des 24:49 Großen. Hol den Schreiber. Der Monarch regiert damals nicht nur über deutsche Lande, sondern auch über Burgund und Teile 24:58 Italiens. Vor allem aber ist der König der Deutschen auch designier Kaiser der römischen Christenheit und fühlt sich berufen von Gott. 25:09 Heinrich, der nicht durch Anmaßung, sondern durch gottesgerechte Anordnung König ist, 25:19 an Heldebrand, der nicht mehr der Papst, sondern der falsche Mönch ist. Der Herr Jesus Christus hat uns zum Königtum, 25:29 dich aber nicht zur geistlichen Herrschaft [Musik] berufen. Durch List bist du zu Geld 25:37 gekommen. Durch Geld zu Gunst. Durch Gunst zum Schwert. Durch das Schwert zum Sitz des Friedens. Und vom Sitz des Friedens aus 25:48 hast du diesen Frieden gestört. So steige du herab. Verlasse den apostolischen Stuhl, den du dir angemaß hast. Ein anderer, besteige den 25:59 Thron des Heiligen Petrus. Einer, der Gewalttaten nicht mit Frömmigkeit bemänzelt. Ich, Heinrich, durch die Gnade Gottes König, sage dir zusammen 26:08 mit allen meinen Bischöfen: Steige herab. Steige herab. 26:19 Von dem Moment an, als äh die Bischöfe und Heinrich Gregor aufgefordert hatten, den Stuhl Petri zu verlassen, weil er ein Eindringling sei, äh war der 26:31 Konflikt nicht mehr zu deeskalieren. Die Antwort aus Rom lässt nicht lange auf sich warten. Gregor der VI handelt getreu seinem Selbstverständnis. 26:43 [Musik] Er, der Papst, setzt den König schlichtweg ab und entbindet alle Untertanen vom 26:52 [Musik] Treueid. Der Bann über den König erreicht binnen weniger Wochen die Bischöfe, die Fürsten und das Volk. 27:09 Zur Ehre und zum Schutz deiner heiligen Kirche, Kraft deiner Gewalt und deiner allesumfassenden Vollmacht, spreche ich, König Heinrich, der sich gegen deine 27:20 heilige Kirche mit unerhörtem Hochmut erhoben hat, die Herrschaft ab über Deutschland und Italien und ich löse alle Christen vom Eid, den sie ihm 27:31 geleistet haben oder noch leisten werden. Und ich untersage Und ich untersage allen Christen ihm in Zukunft zu 27:42 folgen. Als die Nachricht vom Bann über den König zu den Ohren des Volkes gelangte, da erzitterte unser ganzer römischer Erdkreis, notierte Bischof 27:52 Bonito von Zutri. Herzog Rudolf von Rheinfelden, weitere Fürsten und Bischöfe beraten, ob sie den König ihre Gefolgschaft aufkündigen 28:02 soll. Sie fragen sich, ob Heinrich noch ihr König sein kann, ob er der Würde seines Amtes gerecht wird. Sollen wir ihm wirklich weiter die Treue 28:12 halten? Der Papst hat ihn gebannt. Das ist ein eindeutiges Zeichen. Wie sollen wir uns verhalten? Wie sollen wir uns verhalten? 28:22 Er hat die Würde des Reiches beschmutzt, sich schlechte Berater gesucht, aber er ist der Sohn Kaiser Heinrichs. Wir haben ihm Gefolgschaft 28:36 geschworen. So auch du, Rudolf. Ich leistete meinen Al nur auf einen gerechten Herrscher, aber es war doch Gottes Wille, dass er die Königskrone 28:48 trägt. Dann ist es auch Gottes Wille, dass er sie wieder verliert. Genug. [Musik] Wir müssen eine Entscheidung 28:59 [Musik] fällen jetzt. Ja, man wollte über den König nicht mit dem König verhandeln. Man 29:08 wollte sich selber darüber klar werden, ob man ihn absetzen muss wegen seiner Verbrechen oder aber ob er noch länger König bleiben kann. 29:20 Heinrich hat die Initiative verloren. Kann nur abwarten, wie andere über ihn befinden. Endlich. Wir haben die Fürsten entschieden. 29:30 Die Entscheidung der Fürsten ist bedrohlich. Binnen eines Jahres muss er sich vom Band des Papstes befreien, sonst 29:38 verliert er seine [Musik] Krone. Heinrich muss handeln. Aber wie? Im eisigen Winter 29:53 1077 macht er sich auf den Weg über die Alpen. Die Fürsten haben die Pässe sperren lassen, um zu verhindern, dass der König nach Italien gelangt, zum 30:03 Papst. Doch Verwandte Heinrichs erlauben ihm die Passage über Burgund und den Monsen eine Reise unter wenig 30:13 königlichen Bedingungen. Bald krochen sie auf Händen und Füßen vorwärts, schreibt der Chronist 30:21 Lampert. Bald stützten sie sich auf die Schultern ihrer Führer. Manchmal glitt ihr Fuß auf dem glatten Boden aus. Sie fielen hin und rutschten ein ganzes 30:31 Stück den Berg hinunter. [Musik] Doch der König und sein Gefolge, sie haben keine Wahl. 30:43 Boten berichten, dass der Papst bereits auf dem Weg nach Norden sei, um sich mit den Fürsten zu verbünden. Heinrich will ja muss ihn 30:55 abfangen. Der Papst erfährt, dass Hinrich die Alpen überquert hat und verschanzt sich in der Burg Kanossa, denn er befürchtet einen Angriff des 31:04 deutschen Königs. was ich im Winter 107677 abspielt, der Gang nach Kanossa 31:16 hat, das kann man sagen, weltgeschichtliche Bedeutung, denn zum ersten Mal unterwirft sich ein König dem geistlichen Oberhaupt, ein Vorgang, der 31:26 schon in der Zeit und vor allen Dingen aus dem Rückblick als umstürzend angesehen wird. 31:38 Der Papst hatte mit einem Angriff des deutschen Königs gerechnet. Doch dann geschah das Unerwartete. Hier stand der König nach 31:55 Ableung seiner Gewänder ohne alle Abzeichen der königlichen Würde. Vater Barfuß und nüchtern vom Morgen bis zum 32:06 Abend. Das Urteil des Papstes erwartend. So, der Bericht des Chronisten. 32:20 Die Schilderungen des Chronisten Lambert von Herzfeld wollen den König möglichst schwach und den Papst möglichst stark erscheinen 32:28 lassen. Vergib mir mein König. Es hat keinen Sinn. 32:41 Patosta in kelis santificum fiat voluntast ino terra panem nostrum quotidianum danobis. 32:52 Die Quellen machen aus dem Gang nach Kanossa ein historisches Drama. Ein Heinrichter Vit, so berichten die Quellen, stand drei Tage lang vor den 33:06 Toren Kanossas. im Büser gewandt, barfüysig, frierend in Eis und Schnee. Ob das alles so stimmt, ist die Frage. Äh, aber Fakt ist, er hat durch seine 33:19 Büserhaltung enormen Druck auf dem Papst ausgeübt. Der ist nicht nur Kirchenfürst, er ist auch 33:29 Seelsorger. Ein ruiger, bußfertiger Sünder hat Anspruch auf Verzeihung und Barmherzigkeit. 33:40 Das weiß auch Heinrich. Und so nennt sein Chronist die ganze Inszenierung einen klugen [Musik] 33:54 Schachzug. Hat der Papst noch eine Wahl? Schließlich lenkt er ein. von den Drängen seiner Reue und den 34:03 flehendlichen Bitten aller, die zugegen waren überwunden, schreibt Gregor der haben wir schließlich die Fessel des 34:12 Kirchenbands gelöst und ihn wieder in die Gnade der Gemeinschaft der Heiligen und in den Schoß der Heiligen Mutterkirche aufgenommen. 34:39 [Musik] Der Gang nach Kanossa mutet an wie die Heimkehr des verlorenen Sohnes. [Musik] 34:50 Die Nachfeld teilt ein in Sieger und besiegter. [Musik] 34:59 Nie zuvor sei ein deutscher König so gedemütigt worden. Nie zuvor habe ein römischer Papst seine Macht drastischer 35:09 [Musik] bewiesen. Tatsächlich war beim Gang zum Papst vor allem Berechnung im Spiel. Insofern war der 35:23 Kanossergang ein wirklich kluger Schachzug Heinriches vi genauso nämlich 35:33 wie es der Autor seiner Vita auch genannt hat ein kluger Schachzug Heinriches der im Grunde das Überleben der saalischen Dynastie des saalischen 35:44 Königtums äh gewährleistet hat denn Vom Bann befreit, kehrt Heinrich zurück in sein deutsches Königreich und fordert Gefolgschaft 35:56 ein, die vor allem ein mächtiger Fürst nicht mehr leisten möchte. Rudolf von Rheinfeld. Von Kindes Beinen an wurde Heinrich von ihm in 36:10 Frage gestellt. Ein gerechter Wst. Wir müssen eine Entscheidung fällen 36:22 jetzt. Inzwischen haben ihn die Fürsten und Bischöfe zum Gegenkönig ernannt. Die Entscheidung suchen die Kontrahenten nun auf dem 36:33 Schlachtfeld. Die Waffen sollen entscheiden, wer künftig regiert. Nun zeigt sich, wer der wahre König ist. Ich kämpfe nicht um eine Krone, die ich 36:43 schon habe. Herr von Rheinfelden. Die hast du verloren, als du ein Kanoss auf den Knien [Musik] 37:01 lagst. Am 15. Oktober 1080 treffen die Heere der beiden deutschen Könige an der weißen Elster in Thüringen aufeinander. Und ein schreckliches Morden beginnt, 37:13 wie Chronisten schreiben. Rudolf von Rheinfelden gilt als der beste Feldherr seiner Zeit und von Anfang an scheinen seine Truppen 37:22 [Musik] überlegen. Heinrich gerät in Bedrängnis. Doch nimmt die Schlacht eine unverhaufte Wende. Der Gegenkönig wird umzingelt und 37:37 tödlich verwundet. Sogar die rechte Hand sei ihm abgeschlagen worden, berichten die Quellen. Die 37:45 Schwurhand, die gerechte Strafe für den meine, da er sich nicht gescheut hatte, den Treuere Eid zu brechen, den er seinem Herrn und König geschworen hatte. 37:55 schreibt der Chronist Heinrichsen. Wie das Skelett Heinrichs hat auch die Hand Rudolfs fast ein 38:06 Jahrtausend überstanden. Sie wurde mumifiziert und in einem Reliquienkästchen aufbewahrt. Gibt sie weitere Aufschlüsse 38:14 über das Geschehen auf dem Schlachtfeld damals? Für diesen Film führte das anthropologische Institut der 38:21 Universität Mainz eine computertographische Untersuchung durch mit einem überraschenden 38:33 Befund. Die Schnittspuren, die wir finden, betreffen nicht die ganze Hand. Wenn die Hand im Kampf abgehackt worden wäre, müsste sich der Schnitt entlang 38:45 der gesamten Handwurzelknochen zeigen. Wir finden aber nur äh einen Schnitt im äußeren Teil der Hand und glauben deshalb, dass 38:56 die Hand nach seinem Tode erst abgetrennt worden ist. Der Verlust der Schwurhand in der Schlacht. Mit solcher Propaganda stilisierte Heinrich seinen 39:06 Sieg über Rudolf von Rheinfelden zum Gottesurteil. Der gefallene Gegenkönig ist im Dom von Merseburg 39:16 begraben. Seine Macht im Reich der Deutschen hat Heinrich nun gefestigt. Doch er will mehr. die Kaiserkrone wie sein 39:24 Vater. Als deutscher König ist er dazu erwählt, doch krönen muss ihn der Papst und dafür muss er einmal mehr nach Italien ziehen. Diesmal nicht als 39:37 Büßer. Nachdem er seinen früheren Gegner Gregor den VI vertrieben hat, lässt er sich am Ostersonntag des Jahres 1084 von einem neuen Papst zum 39:48 Kaiserkrönen, von einem Gegenpapst, den er selbst ernannte. Keiner soll über ihm im Kaiser, 40:00 [Musik] stehen. Der Papst, der die Macht des Monarchen an, verbringt seine letzten Tage im Exil in Salerno. Gregor VI 40:12 stirbt dort im Jahr 1085. Ich habe die Gerechtigkeit geliebt und das Unrecht gehasst. Deshalb sterbe ich in der Verbannung. waren den Quellen 40:24 zufolge seiner letzten Worte. Er wollte seine Kirche vor weltlichem Einfluss bewahren und hat doch im Kampf um die irdische Machtpartei ergriffen. Die 40:34 Person Gregors des 7 ist mit Sicherheit eine Ausnahmeerscheinung. Schon die Zeitgenossen haben ihn mit Bezeichnungen wie Heiliger Satan äh bedacht und es 40:44 waren keine Feinde Gregor des. Man hat also die Rigurosität, den Fanatismus schon unter den Zeitgenossen gesehen und die Konsequenz, mit der er bis zum Ende 40:55 gehandelt hat, ist mit Sicherheit sehr sehr außergewöhnlich. Unter den Nachfolgern Grigors wird der 41:04 Streit zwischen Kaiser und Papst vorerst beigelegt mit dem sogenannten Wormser Konkordat im Jahr 1122. [Musik] 41:15 Das kostbare Schriftstück zählt heute zu den wertvollsten Dokumenten im vatikanischen [Musik] 41:23 Geheimarchiv. Wie lautet die Einigung, die in Worms so feierlich beschlossen wurde? Das warmster Konkordat brachte einen 41:32 Kompromiss. Heinrich verzichtete auf die Einsetzung der Bischöfe in ihr geistliches Amt. Der Papst erlaubte ihm im Gegenzug jedoch diese Bischöfe in 41:42 ihre weltlichen Herrschaftsrechte weiterhin einzusetzen. So etablierten sich Bischöfe Epte wie die weltlichen Fürsten 41:50 als wichtige Partner des Königtums und schufen so eine föderale Struktur des Reiches, die sich bis heute etwa im Föderalismus der Länder wiederfinden 42:00 lässt. Heinrich VI stirbt im Jahre 116. Diese Krone hat ihn auf dem letzten Weg 42:10 begleitet. Im Speirer Dom fand er seine letzte Ruhe. Auch den Ring, den er als König trug, nahm er mit ins 42:19 [Musik] Grab. Die Chronisten schrieben die Geschichte seines Lebens auf ihre [Musik] 42:30 Art. Die einen hießen ihn Verlierer, die anderen nannten ihn Sieger. Im Ringen um die Macht als deutscher König und 42:47 Kaiser. Der Gang nach Kanossa. Er steht für einen Wendepunkt der jungen deutschen Geschichte. 43:17 [Applaus] โ