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Episches Theater | EINFACH ERKLÄRT

StudioEinfach - Wissen, das Klick macht! 6:10 1.016 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 55 Zeilen
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  1. Hallo und herzlich willkommen. Heute schauen wir uns eine Idee an, die das Theater wirklich auf den Kopf gestellt
  2. hat, das epische Theater von Bertholdt Brecht. Also lasst uns direkt eintauchen. Stellt euch mal vor, ihr
  3. geht ins Theater. Was wollt ihr eigentlich? Einfach mal wegträumen, in eine andere Welt abtauchen und den
  4. Alltag vergessen? Oder wollt ihr vielleicht herausgefordert werden, über eure eigene Welt nachzudenken? Tja,
  5. Berthold Brecht hatte darauf eine ziemlich klare und man kann sagen, radikale Antwort. Okay, fühlen oder
  6. denken, das ist hier die große Frage. Um zu kapieren, was Brechter eigentlich für eine Revolution angezettelt hat, müssen
  7. wir uns mal anschauen, wogegen er rebelliert hat. Und das war eine Bühne, die seit über zweitausend Jahren von den
  8. Ideen eines einzigen Mannes dominiert wurde, Aristoteles. Und hier prallen wirklich zwei Welten
  9. aufeinander. Auf der einen Seite haben wir das klassische Theater. Da geht's voll ins Gefühl. Wir sollen uns mit den
  10. Helden identifizieren, mit ihnen leiden, mit ihnen Angst haben, bis es am Ende zu dieser berühmten Katas kommt, also einer
  11. Art emotionalen Reinigung. Aber Brecht, der dachte sich: "Nee, Leute, das reicht mir nicht. Wir leben im
  12. wissenschaftlichen Zeitalter. Ich will keinen Zuschauer, der nur mitfühlt. Ich will einen, der mitdenkt. Das seht man
  13. auch sofort am Aufbau. Das klassische Drama ist wie ein guter Film. Eine geschlossene Geschichte, die sich
  14. logisch entwickelt und uns komplett in ihren Band zieht. Brecht macht genau das Gegenteil. Er bricht das alles bewusst
  15. auf. Seine Stücke sind oft eher wie eine Montage. Sprunghaft. Jede Szene steht für sich. Er will eben keine
  16. Identifikation, er will Distanz. Das hier beschreibt ziemlich gut die Haltung, die Brech dem klassischen
  17. Zuschauer vorgeworfen hat. Man sitzt da, ist emotional voll dabei, man fühlt alles mit. Aber wenn der Vorhang fällt,
  18. geht man nach Hause und alles bleibt beim Alten. Man war ein passiver Konsument, aber kein aktiver Mensch. Und
  19. das hier, das ist die Reaktion, die Brecht sich gewünscht hat. kein gemütliches Mitfühlen, sondern ein
  20. aktives Staunen, ein plötzliches Innerhalten, dieser Momentmalgedanke. Man soll da sitzen und sich fragen,
  21. warum ist das eigentlich so? Das ist doch total seltsam, das muss sich ändern. Ja, aber wie schafft man das?
  22. Wie kriegt man die Leute vom Fühlen ins Denken? Brecht hatte dafür eine ganz besondere Waffe in seinem Arsenal, sein
  23. zentrales Werkzeug, den Verfremdungseffekt. Das klingt jetzt vielleicht etwas
  24. akademisch, aber die Idee dahinter ist genial. Brecht sagt, man soll etwas total alltägliches, etwas, das wir für
  25. selbstverständlich halten, so zeigen, dass es uns plötzlich fremd und merkwürdig vorkommt. So weckt man
  26. Staunen und Neugiere und bringt uns dazu, das scheinbar Normale zu hinterfragen. Man kann sich das wirklich
  27. wie eine eiskalte Dusche vorstellen. Du bist total in die Geschichte vertieft, fieberst mit der Hauptfigur mit und bam,
  28. plötzlich geht auf der Bühne das Licht an und ein Schauspieler erklärt, was als nächstes passiert. Dieser Schockmoment
  29. reißt dich raus und ersteckt jede emotionale Einfühlung. Und wozu? Damit dein Verstand wach bleibt. Und dafür
  30. hatte er einen ganzen Werkzeugkasten. Da sprechen die Schauspieler plötzlich direkt zu uns im Publikum oder
  31. mittendrin, wenn es gerade so richtig dramatisch wird, fängt jemand an zu singen. Plakate auf der Bühne verraten
  32. schon das Ende einer Szene oder geben ironische Kommentare ab. Und ganz wichtig, die Schauspieler sind nicht
  33. ihre Rolle. Sie zeigen sie nur. All das sind bewusste Störfaktoren und das ist der springende Punkt. Dieses
  34. Zerstören der Theaterillusion ist kein Fehler, das ist das Programm. Brecht will uns ständig daran erinnern. Hey
  35. Leute, das hier ist nur Theater. Denn nur wenn wir diesen kritischen Abstand waren, können wir das, was wir auf der
  36. Bühne sehen, mit unserer eigenen Realität abgleichen. Das bringt uns natürlich zur wichtigsten Frage, warum
  37. dieser ganze Auffand? Wieso wollte Brecht sein Publikum so gezielt auf Distanz halten? Was war denn das
  38. eigentliche Ziel seiner großen Theaterrevolution? Bevor wir jetzt aber denken, das klingt
  39. alles furchtbar, trocken und nach Schule, hat Brecht selbst klargestellt, sein Theater soll zwar lehren, aber es
  40. muss verdammt noch mal auch Spaß machen. Es soll gutes, unterhaltsames und amüsantes Theater sein. Aber bei all dem
  41. Amüement, all diese Techniken, die Verfremdung, die Distanz, die ganzen Unterbrechungen, die liefen am Ende alle
  42. auf einziges großes politisches Ziel hinaus. Und das hier, das ist die absolute Kernbotschaft. Brecht wollte,
  43. dass die Menschen im Theatersessel sitzen und eine Sache kapieren. Die Zustände in unserer Welt,
  44. Ungerechtigkeit, Armut, Krieg, das alles ist kein gottgegebenes Schicksal. Das ist von Menschen gemacht und alles was
  45. von Menschen gemacht ist, kann auch von Menschen wieder verändert werden. Das Theater sollte uns diese Macht bewusst
  46. machen. Man kann sich das als einen drei Schritte Prozess vorstellen. Zuerst sehen wir die Probleme auf der Bühne.
  47. Dann durch die Verfremdung werden wir gezwungen, darüber nachzudenken, also zu denken. Und der letzte und
  48. allerwichtigste Schritt, der findet dann außerhalb des Theaters statt, das Handeln. Brecht wollte die Leute
  49. motivieren, rauszugehen und die Welt zu verändern. Und genau deshalb gibt es bei Brecht auch so selten ein klares Happy
  50. End. Denk mal an Stücke wie der gute Mensch von Seezuan. Am Ende gibt es keine einfache Lösung. Oft kommt sogar
  51. ein Schauspieler vor und sagt dem Publikum direkt: "So, wir wissen auch nicht weiter, findet ihr mal einen guten
  52. Schluss." Die Arbeit beginnt also erst, wenn der Vorhang gefallen ist. Und damit gibt Brecht den Ball die ganze
  53. Verantwortung direkt an uns zurück. Sein Theater liefert keine fertigen Antworten. Es stellt die richtigen
  54. Fragen. Aber die Lösungen, die müssen wir in unserer eigenen Welt finden. Eine Herausforderung, die, wie ich finde,
  55. heute vielleicht wichtiger ist als hier zuvor.

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