Die Schlacht von Verdun 1916 MrWissen2go Geschichte | Terra X https://www.youtube.com/watch?v=jzT2vtnppZM Transkript (automatisch erstellt) 0:03 In diesem Video geht es um eine Schlacht, die zum Mythos geworden ist? 0:07 Die Schlacht von Verdun. Die erste und eine der blutigsten Schlachten des Ersten Weltkriegs. 0:13 Klar ist, dass hundert Tausende junge deutsche und Franzosen bei Verdun ihr Leben lassen. 0:18 Nicht so ganz klar ist, warum diese Schlacht überhaupt geschlagen wird. Wie es zur "Hölle von Verdun" kam, 0:23 welchen Verlauf die Schlacht genommen hat und welche Folgen sie hatte. 0:28 Alles das erklären wir euch jetzt. (Aufziehen, Bimmeln) 0:32 Die Schlacht um Verdun. Lasst euch nicht von dem Begriff "Schlacht" irreführen. 0:36 Normalerweise versteht man ja unter einer Schlacht ein Ereignis, das in mehreren Stunden erledigt ist. 0:42 Vielleicht nach drei Tagen. Aber die Schlacht dauert mehr als 300 Tage. 0:46 Vom 21. Februar bis zum 19. Dezember 1916. In dieser schier ewigen Schlacht 0:51 werden so viele Menschen getötet und verwundet, werden so viele Granaten und Munitionen verschossen 0:57 wie noch nie zuvor in der Geschichte. 25 Millionen Sprenggranaten und 100.000 Giftgasgranaten 1:02 gehen auf die Soldaten nieder. Jeden Tag sterben mehr als 1.000 Mann. 1:06 Mehr noch werden verwundet, oft verstümmelt - jeden Tag. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt zwei Wochen. 1:12 Kein Wunder, dass die Soldaten von einer Knochenmühle oder von der Hölle sprechen. 1:16 Wie kommt es zu dieser Schlacht? Ende 1915 ist die Lage im Ersten Weltkrieg 1:21 für die Deutschen und ihre Verbündeten schlecht. Zwar haben sie in den vergangenen Monaten einige Siege errungen, 1:27 aber das lag vor allem daran, dass die Alliierten damals, Briten, Franzosen, Italiener und Russen, 1:32 ihre Militäraktionen nicht ausreichend koordinierten. Zahlenmäßig waren die Deutschen klar unterlegen. 1:38 Auch in der Rüstung, in der Waffen- und Munitionsproduktion fallen sie zurück. 1:42 Zum Kriegsverlauf haben wir bereits ein Video, findet ihr oben und in der Infobox. 1:47 Um die Niederlage abzuwenden, entwickelt der deutsche General Erich von Falkenhayn einen Plan. 1:52 Er will den Feind mit einer Offensive so sehr schwächen, dass der den Krieg nicht mehr fortführen kann. 1:57 So erzählt es Falkenhayn zumindest nach dem Krieg. Mit einem gewaltigen Angriff will der General 2:03 eine gut zu verteidigende Stellung erobern und dann die Franzosen dagegen anrennen lassen. 2:08 Bis sie am Ende erschöpft sind. Der Gegner soll regelrecht ausbluten. 2:12 Für diesen Plan wählt er den Ort Verdun, eine der wichtigsten französischen Verteidigungsanlagen. 2:17 Ein Köder, damit die Franzosen sich in eine nicht zu gewinnende Schlacht stürzen. 2:22 Sie sollen so schwere Verluste erleiden, dass sie nicht mehr weiterkämpfen können. 2:26 Es ist wahrscheinlicher, dass die Zivilbevölkerung einen Friedensschluss verlangt, weil die Opfer zu groß sind. 2:32 Das ist die militärische Idee hinter der Schlacht von Verdun. Von Falkenhayn setzt darauf, 2:37 Tausende und Abertausende der eigenen Männer zu opfern, um möglichst viele der Gegner zu töten. 2:42 Wie gesagt, so stellt es der General nach dem Ersten Weltkrieg dar. Zur Zeit des Krieges wird behauptet, 2:48 dass man mit dem Angriff den Stellungskrieg beenden will, um wieder in die Offensive zu kommen. 2:53 Im Ersten Weltkrieg liegen sich die Feinde in Schützengräben gegenüber, 2:57 die Front verschiebt sich nur um ein paar Meter. Der Krieg wird zu einer Materialschlacht. 3:02 Wer mehr Männer und Munition hat, bleibt am Ende übrig und ist Sieger. Das ist die Logik. 3:07 Die Schlacht von Verdun wird daran nichts ändern. Einige Historiker meinen, 3:12 von Falkenhayn habe die erste Begründung, die mit dem Ausbluten, nur erfunden, um den militärischen Misserfolg kleinzureden. 3:19 Wie läuft die Schlacht ab? Am 21. Februar 1916 donnern mehr als 1.500 deutsche Kanonen los. 3:24 40 Divisionen stehen zum Angriff bereit, gegen neun französische Divisionen. 3:28 Deutsche Stoßtrupps greifen unter dem Schutz der Artillerie verschiedene Forts an, also Befestigungsanlagen 3:34 rund um die Stadt Verdun an. Vier Tage später ist das Fort Douaumont eingenommen. 3:38 Im Mai erobern die Deutschen die Höhenstellung "Toter Mann" und Höhe 304. 3:44 Der Vormarsch geht dabei viel langsamer voran, als die Befehlshaber erhofft haben. 3:48 Denn die Franzosen schießen natürlich auch mit Artillerie zurück, um ihre Stellungen zu verteidigen. 3:54 Die Eroberungen führen zu erheblichen Verlusten. Genau das ist ja in der Strategie der Deutschen auch einkalkuliert. 4:00 Wenn man die gut zu verteidigenden Höhenzüge erobert hat, will man selbst auf der günstigen Seite sitzen. 4:06 So wird erbittert um jedes Dorf, jedes Fort und jede Anhöhe gekämpft. Die Granaten pflügen den Boden regelrecht um. 4:15 In der Gegend schließt ein Bombenkrater an den nächsten an. Die Tausenden Toten verwesen auf dem Schlachtfeld. 4:21 Ratten laufen in den Schützengräben herum und Krankheiten verbreiten sich. 4:26 Der erbarmungslose Dauerbeschuss, der grausame Nahkampf, die ständige Angst vor dem Tod. 4:31 Was die Soldaten körperlich und psychisch erleben, das können wir uns heute kaum vorstellen. 4:36 Tagebücher und Briefe geben zumindest einen Eindruck. Der französische Soldat Gaston Biron 4:41 schreibt am 18. April 1916 an seine Mutter: Gaston Biron wird die Schlacht nicht überleben. 4:58 Er wird wenige Monate später verwundet und stirbt nach dreitägigem Todeskampf. 5:03 Zitate wie dieses zeigen: Verdun ist wirklich die Hölle. Und es ist erst der Anfang. 5:08 Am 11. Juli bleibt der deutsche Angriff stecken. Die wichtigen Stellungen sind nur zum Teil erobert. 5:14 Jetzt greifen die Franzosen an. Meter für Meter erobern sie das, was sie verloren haben, zurück, 5:19 bis auch sie am 19. Dezember erschöpft sind. Dass die Franzosen überhaupt so lange durchhalten, 5:25 verdanken sie dem französischen General Philippe Pétain. Seine Taktik verhindert, dass das Kalkül der Deutschen aufgeht. 5:31 Pétain nämlich führt ständig neue Truppen heran und tauscht die Soldaten immer wieder aus. 5:36 So stellt sich lange kein Gefühl der übergroßen Erschöpfung ein, es kommt keine Resignation auf. 5:41 Etwa zwei Drittel aller französischen Soldaten kämpft im Verlauf der Schlacht bei Verdun mit. 5:46 Die Deutschen dagegen füllen immer nur ihre Lücken auf. Während der Name Verdun in Frankreich für ein gemeinsames Opferbringen, 5:53 für das Durchhalten gegen alle Höllenqualen steht, bedeutet Verdun in Deutschland ein Loch ohne Boden, 5:59 wo Abertausende junge Männer verschwinden. Ein sinnloses Opfer. 6:02 Zu Pétain haben wir ein Video, das empfehle ich euch sehr. Ist oben auf dem "i" oder in der Infobox. 6:08 Er wird nach dem Ersten Weltkrieg als Held von Verdun verehrt, aber der Mythos bröckelt schnell. 6:13 Er hat im Zweiten Weltkrieg wieder den Oberbefehl über französische Truppen, 6:17 kollaboriert aber nach der Niederlage mit den Nationalsozialisten. Er regiert im von der Wehrmacht unbesetzten Teil Frankreichs 6:24 wie ein Diktator. Nun wieder zurück ins Jahr 1916. 6:27 Welches Ergebnis hat die Schlacht von Verdun? Elend, Leid und Not. 6:31 Ruinen, Krater, verwüstete Landschaft. Deutsche und Franzosen haben am Ende der Schlacht 6:36 700.000 Tote, Vermisste und Verwundete zu beklagen. Aber die Geländegewinne sind lächerlich 6:42 und völlig unbedeutend. Die Schlacht hat praktisch keinen militärischen Nutzen. 6:46 Sie ist keine entscheidende Schlacht des Krieges. Aber bei Verdun wird einiges ausprobiert, das neu ist. 6:52 Die Deutschen setzen hier erstmals neue Waffen und Geräte ein. Zum Beispiel Giftgas. 6:56 Das wird zwar nicht zum allerersten Mal angewendet, aber es wird zum ersten Mal mit Granaten verschossen. 7:02 Das Gas ist gar nicht so wirksam, wie es immer dargestellt wird. An Giftgas zu sterben oder davon verwundet zu werden ist grausam. 7:09 Aber nur relativ wenige Soldaten werden getroffen. Gas ist eben sehr flüchtig. 7:14 Trotzdem eine fürchterliche Waffe, keine Frage. Eine weitere grausame Waffe ist der Flammenwerfer, 7:19 der gegen die Bunker der Franzosen bei Verdun eingesetzt wird. Das brennende Öl, das lässt sich mit den Bunkern nicht abhalten. 7:26 Es dringt durch jede Ritze ein. Eine dritte Neuerung ist der Stahlhelm, 7:30 der die Pickelhaube aus Leder ersetzt, die die Deutschen noch zu Beginn des Krieges tragen. 7:35 Der schützt relativ gut vor Granatsplittern und herumfliegendem Gestein, sodass ihn bald alle Armeen nutzen. 7:41 Gas, Flammenwerfer, Stahlhelm. Drei Waffen und Ausrüstungsgegenstände, 7:45 die zum Symbol der modernen Kriegsführung werden. Auch dafür steht Verdun. 7:49 Die moderne Welt, die Errungenschaften der Technik und die industrielle Produktionsweise wenden sich gegen den Menschen. 7:56 Der einzelne Soldat ist selbst nur noch Material in einer Schlacht. Verdun zeigt, dass es völlig egal ist, 8:02 ob man einen Schuss abgibt oder 100.000, dass es egal ist, ob einer stirbt oder 100.000, 8:07 es ändert nichts an der menschenverachtenden militärischen Logik 8:10 des modernen Krieges. Es ändert offenbar auch nichts daran, wer gewinnt oder verliert. 8:15 Was ist das Erbe von Verdun? In Frankreich sieht man in der Schlacht 8:19 lange den Wendepunkt des Krieges, der zum Sieg führt. Aber schon bald wird Verdun zum Symbol für den Ersten Weltkrieg. 8:26 Anfangs für heldenhafte Aufopferung, später für das sinnlose und lebensverachtende Verheizen von Menschen. 8:33 In den 1980er-Jahren erhält Verdun ein weiteres Sinnbild. Und zwar für die Aussöhnung der ehemaligen angeblichen Erzfeinde 8:40 Frankreich und Deutschland. Das kommt so: 8:43 1984 jährt sich die Landung der Alliierten in der Normandie im Zweiten Weltkrieg zum 40. Mal. 8:48 Dieses Jubiläum wollen die ehemaligen Alliierten noch ohne Deutschland feiern. 8:52 Zum Ausgleich wird aber ein gemeinsames deutsch-französisches Gedenken organisiert. 8:57 Das findet in Verdun statt. Der französische Präsident und der deutsche Bundekanzler Helmut Kohl 9:03 verneigen sich am 22. September 1984 gemeinsam vor den Toten des Krieges. 9:07 Um zu zeigen, dass man aus der Geschichte lernen kann, wie Kohl in seiner Autobiografie schreibt. 9:13 Er schreibt weiter, dass Mitterrand spontan seine Hand ergriff, wobei dieses Foto hier entsteht. 9:18 Im Fragenkatalog zur deutschen Einbürgerung wird das Bild auch gezeigt. 9:22 Es wird gefragt, was es bedeutet. Ich finde, es ist wirklich eine starke Geste. Kann man so sagen. 9:27 Heute ist Verdun ein Mythos. Im Guten wie im Schlechten. 9:31 Es ist wichtig, dass wir begreifen, wie zynisch und menschenverachtend die Logik des Krieges ist. 9:36 Und wie lange es dauert, bis man sie überwindet und zur Versöhnung kommt. 9:40 Deshalb die Frage an euch: Was empfindet ihr denn, wenn ihr den Begriff Verdun hört? 9:45 Welche Lehren müssen wir daraus ziehen? Kommentiert gerne. 9:48 Falls ihr mehr über das Ende und die Folgen des Ersten Weltkrieges wissen wollt, 9:53 findet ihr hier ein Video zum Versailler Vertrag. In dem Video von Terra X erklären wir euch ausführlicher 9:59 den Verlauf des Krieges und was in den 1910er-Jahren noch Wichtiges passiert ist. 10:03 Danke und bis zum nächsten Mal.