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Englands Königsdynastien – Die Gesamtgeschichte der englischen Monarchie
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Transkriptautomatisch erstellt · 273 Zeilen
- Im frühen Morgen des 24. März 1603 erlosch das Leben von Elisabeth I. im Richmond Palace bei London. Sie war 69 Jahre alt, das letzte Kind
- Heinrichs des und sie starb unverheiratet, ganz so, wie sie es selbst inszeniert hatte, als jungfreuliche Königin eines Reiches, das
- sie über vier Jahrzentelang mit ruhiger Hand geführt hatte. Mit ihrem Tod setzte ein stilles, aber entschlossenes Ringen ein. Boten ritten
- nordwärts über Hügel und Grenzlande hinweg bis nach Schottland. Dort überbrachten sie Jakob dem die Nachricht, dass seine Cousine verstorben
- sei und dass Englands Thron zum ersten Mal seit einer Generation leer stand. Elisabeth hatte nie offen ausgesprochen, wen sie als Nachfolger wünschte.
- Jahrzehntelang hing die Frage der Thronfolge wie ein ungelöster Schatten über ihrem Hof. Und doch geschah nun das Erstaunliche. Während Jakob im späten
- Frühling 1603 nach Süden reiste, [musik] wurde immer klarer, dass er ohne Widerstand als Jakob I. I. von England empfangen werden würde. Mit ihm begann
- die Herrschaft des Hauses Stuart, jenes schottischen Königshauses, das England mehr als ein Jahrhundert lang prägen sollte. bis zum Aufstieg des Hauses
- Hannover im Jahr 1714. Auf den ersten Blick mag es verwundern, dass eine schottische Dynastie England regieren sollte.
- Doch in Wahrheit war die englische Krone schon immer von Fremdeinflüssen durchzogen gewesen. Seit die Herrscher des Hauses Wessex im
- 10. Jahrhundert das Land einte, wechselten die Dynastien häufig. Normannische, französische, valisische, später sogar deutsche Ursprunge
- bestimmten das Schicksal der Insel. England war nie ein abgeschlossener Raum, sondern ein Ort, an dem Linien, Sprachen und Kulturen ineinander
- flossen. Um zu verstehen, wie es soweit kommen konnte, muss man zu den Anfängen zurückkehren, zu der Zeit, als England noch gar nicht existierte.
- Der Name England bedeutet das Land der Angeln. Diese germanischen Stämme erreichten im fünften Jahrhundert nach Christus die
- britischen Küsten. Die Römer hatten das Land gerade erst aufgegeben und eine neue unruhige Zeit begann. Mit den Angeln kamen die Sachsen und
- Jüten, Völker aus den heutigen Regionen Norddeutschlands und Dänemarks. Sie ließen sich nieder und über die kommenden Jahrhunderte entstanden in den
- Ruinen der römischen Welt zahlreiche kleine Königreiche Mercia, Northbria, Kent, East Englia und natürlich Wessex. Rom selbst blieb nur noch als ferner
- Erinnerung bestehen und aus diesem Grund empfanden die Bewohner der Insel den Begriff England lange nicht als fest umrissene Identität. Wales etwa bewahrte
- deutlich spürbare vorrömische Traditionen und blieb ein kulturell eigener Raum. Mörsia, das mächtige Reich der Midlands, errichtete im 8.
- Jahrhundert sogar eine lange Grenzbefestigung gegen Wales, Offers Dijk. Ein stiller Hinweis darauf, wie fließend und unsicher die Grenzen dieser
- Welt waren. Trotz aller Bemühungen gelang es keinem angelsächsischen Herrscher, die Insel dauerhaft zu einen, bis eine neue Bedrohung alles
- veränderte. Im neunten Jahrhundert drangen Wikinger aus Skandinavien nach England vor. Was als Raubzüge begann, wurde rasch zu
- einer Welle von Eroberungen. Die sogenannte große heidnische Armee besetzte North Ambria und East Englia, schwächte Mercia und brachte das Land an
- den Rand des Zusammenbruchs. Doch im Süden, im kleinen Königreich Wessex, erhob sich ein junger König, Alfred.
- Im Jahr 878 besiegte er die Dänen bei Eddington und obwohl er das Land nicht vollständig einte, legte er den Grundstein für das
- England, das später entstehen sollte. Alfred der Große gilt heute nicht wegen eines einzigen Sieges als der Große, sondern weil er Ordnung in einem
- erschütterten Land schuf, die Verteidigung organisierte, Bildung förderte und die Voraussetzungen für die spätere Reichseinheit schuf. Nach ihm
- folgten sein Sohn Edward und schließlich Athlston, der 927 als erster unumstrittener König von England auftrat.
- Er war derjenige, der die verstreuten angelsächsischen und dänischen Gebiete tatsächlich unter einer Krone vereinte. Die Dynastie, die Alfred, Edward undstan
- geformt hatten, wurde das Haus Wessex, Englands erste königliche Linie. Doch wie so oft blieb die Herrschaft nicht stabil. Neue dänische Invasionen,
- Machtkämpfe und persönliche Rivalitäten ließen England immer wieder erzittern. Unter König Knut, der sowohl über Dänemark als auch über Norwegen
- herrschte, entstand kurzzeitig ein nordisches Großreich. Erst 104 gelang es, die Linie der Wessex Könige wiederherzustellen.
- Doch diese erneute Blüte dauerte nicht lange. Edward, bekannt als der Bekenner, starb 1066 ohne Erben. Sein Tod löste eine der
- berühmtesten Thronkrisen des Mittelalters aus. Harold, der mächtigste englische Edelmann, ließ sich zum König ausrufen.
- Doch William, Herzog der Normondie, erhob ebenfalls Anspruch auf die Krone und so kam es zu jenem Herbsttag, der die Geschichte Englands für immer
- veränderte. Am 14. Oktober 1066 trafen sich beide Heere bei Hastings. Harold fiel im Kampf und mit ihm endete
- die angelsächsische Welt. Wilhelm der Eroberer begann seine Herrschaft, eine Herrschaft, die Sprache, Recht und Gesellschaft Englands tiefgreifend
- umformen sollte. Aus dem Zusammenstoß zweier Welten entstand das moderne England. weder rein germanisch noch rein romanisch, sondern eine einzigartige
- Mischung aus beidem. Die Normanen prägten das Land so tief, dass noch über 600 Jahre später das Französische die Sprache der englischen Gerichte blieb.
- Adelstitel, Rechtsbegriffe, höfische Etikette und selbst alltägliche Wörter tragen bis heute Spuren dieser Begegnung. Wilhelm starb 1087.
- Seine Söhne folgten ihm und über ganz Europa zog sich die Frage nach Erbe, Nachfolge und Legitimität. Jene stille, unruhige Kraft, die die
- Geschichte der Insel immer wieder neu formte. Als König Heinrich dem Ende seines Lebens näherte, bemühte er sich verzweifelt, seine Adligen davon zu
- überzeugen, daß seine einzige überlebende rechtmäßige Tochter Matilda die Krone erben sollte. Doch in einer Epoche, in der ein König seine Macht
- nicht nur durch Herkunft, sondern durch Führung auf dem Schlachtfeld bestätigte, erschien vielen englischen Adligen die Vorstellung einer weiblichen Herrscherin
- unvereinbar mit der politischen Wirklichkeit. Als Heinrich 1135 starb, brach das aus, wovor er sich gefürchtet hatte, ein
- offener Bürgerkrieg. Die Chronisten jener Zeit nannten diese Jahre schlicht die Anarchie, ein Wort, das die Erfahrung eines ganzen Landes
- treffend wiedergibt. Von 1135 bis 1154 zerfiel England in rivalisierende Herrschaftsgebiete. Matilda hatte treue Anhänger, doch
- ebenso viele Lords stellten sich hinter Stefan von Blois, einen Enkel des Normannenherzogs Wilhelm des Eroberers. Beide Seiten errangen Siege, beide
- nahmen sich gegenseitig gefangen und beide verloren ein Reich, das unter ihren Streitigkeiten verarmte und verwüstet wurde. Die Berichte des 12.
- Jahrhunderts zeichnen ein düsteres Bild. verbrannte Dörfer, verlassene Felder, eine Bevölkerung, die zwischen Fronten zerrieben wurde. Erst als Stefans Sohn
- und designier Thronfolger Eust 1153 unerwartet starb, fand der Konflikt ein Ende. Ein Jahr später folgte Stefan seinem Sohn ins Grab und der Weg war
- frei für Matildas Sohn Heinrich. So bestieg Heinrich II. 1154 den Thron. Er war der erste König des Hauses Plantagen benannt nach dem
- Beinamen seines Vaters Joffrey graf von Anju. Wieder war eine neue Dynastie geboren und wieder war sie französisch geprägt, so wie viele, die zuvor über
- England herrschten. Heinrich II. regierte 35 Jahre lang und setzte tiefe Spuren im Reich. Er strebte nach einer starken
- einheitlichen Krone und legte sich dabei mit der Kirche an. Ein Konflikt, der 1170 in der Ermordung des Erzbischofs Thomas Becket im Dom von Canterbury
- gipfelte. Die Tat erschütterte das christliche Europa und wurde zu einem Symbol königlicher Übermacht und menschlicher Fehlbarkeit.
- Und doch war Heinrich ein Herrscher von außergewöhnlicher Reichweite. Er vereinte England, große Teile Wäs, die Normondie, Anju und durch seine Ehe mit
- Elonore von Aquitanien, riesige Gebiete im Westen Frankreichs. Historiker sprechen heute von einem angewienischen Reich, einem lockeren,
- aber beeindruckendem Geflecht von Territorien, das sich vom irischen Osten bis zu den Weinbergen von Bordeaux erstreckte. Selbst die Könige
- Schottlands und die Herzöge der Britannie rückten unter Henrys Einfluss. Doch große Reiche stehen selten lange. Als Heinrich 1189 starb, übernahm sein
- Sohn Richard, bekannt als Löwenherz, die Krone. Richard jedoch verbrachte kaum Zeit in England. Seine Aufmerksamkeit galt dem dritten Kreuzzug, und seine
- legendären Auseinandersetzungen mit Sultan Saladin prägten das Bild, das von ihm bis heute geblieben ist. In seiner Abwesenheit begann sein Bruder
- Johann Unruhe zu stiften. Sein Versuch, die Kontrolle zu erlangen, schwächte die Krone weiter. Richard kehrte 1194 zurück und bemühte sich, das zersplitterte
- Reich zu stabilisieren. Doch 1199 starb er an einer infizierten Wunde. Nun wurde Johann König, ein Herrscher, dessen Name bis heute ein Symbol für
- politische Fehlentscheidungen ist. Unter seiner Regierung verlor England fast sämtliche französischen Besitzungen der Plantagenetz, darunter auch die
- Normondie. Innenpolitisch zerstritt er sich mit seinen Baronen, belastete sie mit schweren Steuern und legte sich
- zusätzlich mit der Kirche an. Der Konflikt mündete in die Magnakarta, eine Urkunde, die erstmals festschrieb, dass selbst ein
- König Grenzen anerkennen musste. Sie war kein demokratisches Dokument im modernen Sinn, doch sie war der Keim dessen, was späte zu Verfassung, Parlament und
- Rechtsstaat werden sollte. Johann brach die Vereinbarung bald darauf und der Bürgerkrieg flammte erneut auf.
- Als erze an der Ruhe starb, hinterließ er einen neuen Jahre alten Jungen, Heinrich II. Trotz seiner Jugend regierte Heinrich
- bemerkenswert lange, 56 Jahre länger als jeder seiner Vorgänger. Er stabilisierte das Reich und akzeptierte schließlich den Verlust der französischen Gebiete.
- Unter seiner stillen, oftmals unscheinbaren Herrschaft fand England zu einer neuen Ordnung zurück. Als Heinrich 1272
- starb, folgte ihm sein Sohn Edward der I. Ein König. ganz ander Art, entschlossen, militärisch, ehrgeizig. Er unterwarf Wales, drang tief nach
- Schottland vor und festigte Englandseinfluss in Irland. Hätte England seine französischen Besitzungen nie verloren, wäre Edward womöglich der
- Erbauer eines echten angewienischen Imperiums geworden. Doch England blieb ein Reich der Gegensätze. Starke Könige wechselten sich mit Schwachen ab. Nach
- Edwards Tod7 kam sein Sohn Edward I. Thron. Ein Herrscher, dessen Günstlinge, politische Fehlentscheidungen und militärische
- Niederlagen, besonders gegen das erstarkende Schottland unter Robert Bruce, das Land ins Chaos führten. Schließlich wurde Edward II. von seiner
- eigenen Ehefrau Isabella und ihrem Verbündeten Roger Mortimer gestürzt. Ihr Sohn Edward II, gerade einmal 14 Jahre alt, wurde 1327
- König. Als er 1330 die Macht selbst übernahm, begann eine der bedeutendsten Regierungszeiten des Mittelalters. Seine Herrschaft dauerte bis 1377
- und sie leitete Epoche ein, die Europa bis ins 15. Jahrhundert prägen sollte. Im Jahr 137 erhob Edward Anspruch auf den
- französischen Thron, nachdem die Hauptlinie der Kapitäninger erloschen war. Damit begann der hundertjährige Krieg. Ein Konflikt, der nicht nur um
- Land geführt wurde, sondern um Ehre, Identität und die Frage, wem die Geschichte selbst recht geben würde. Als der französische König Karl I.
- männlichen Erben starb, entstand eine Lücke, die ganz Europa beschäftigen sollte. Seine Schwester Isabella war die Mutter des englischen Königs Eduard II.
- Das hieß Eduard war Karls Neffe und konnte für sich beanspruchen, näher mit der alten Kapitingerynastie verwandt zu sein, als der neue französische König
- Philip VI aus dem Haus Valois. Zunächst blieb dieser Anspruch Theorie, doch 1340 entschied sich Eduard ihn offen zu
- erheben. Damit begann, was die Nachwelt den hundertjährigen Krieg nennen würde, eine lange Folge von Feldzügen, Belagerungen
- und Waffenstillständen, in denen englische Könige versuchten, ihre alten Territorien in Frankreich zurückzugewinnen und, wenn möglich,
- sogar die Kronen von England und Frankreich in einer Hand zu vereinen. In den 1340er und 1350er Jahren schien das Ziel zum Greifen nah. Englische
- Heere, verstärkt durch die gefürchteten Langbogenschützen, errangen glanzvolle Siege. Doch je länger der Krieg dauerte, desto zäher wurde er. In der zweiten
- Hälfte des 14. Jahrhunderts verwandelte sich der Konflikt mehr und mehr in einen Abnutzungskrieg. England erhielt zwar bedeutende
- Besitzungen in Nord und Südwestfrankreich rund um die Normandie und Akitanien, doch von einer völligen Vereinigung beider Reiche konnte keine
- Rede sein. Gleichzeitig stand Eduard II. vor einer Gefahr, die keine Ausrüstung und keine Strategie verhindern konnten, der schwarzen Pest. Ab 1346
- breitete sich die Beulenpest über Europa aus und tötete binnen weniger Jahre etwa ein Drittel der Bevölkerung des Kontinents. Auch England blieb nicht
- verschont. Felder lagen brach, Städte lehrten sich, ganze Dörfer verschwanden von der Landkarte. In dieser Zeit der Erschütterung gelang es Eduard dennoch,
- die königliche Verwaltung zu stärken. England entwickelte sich zu einem erstaunlich gut organisierten spätmittelalterlichen Königreich mit
- funktionsfähiger Steuererhebung und Gerichtsorganisation. Wichtiger noch für die weitere Geschichte war Eduards Familie. Mit
- seiner Gemahlin Philippa von Hennegau hatte er 13 Kinder. Einige starben früh oder vielen solchen zum Opfer. Doch mehrere Söhne erreichten das
- Erwachsenenalter und legten damit die Grundlage für spätere Konflikte. Der älteste Eduard, der sogenannte schwarze Prinz, wurde zur Symbolfigur der
- englischen Kriegsführung in Frankreich, starb aber noch vor seinem Vater. Ein anderer Sohn, Johann von G, Herzog von Lenkester, sammelte große Ländereien und
- politische Macht. Aus seiner Linie ging später das Haus Lenkester hervor. Weitere Söhne Leonel von Clarence und Edmund von York begründeten Nebenlinien,
- deren Nachkommen im 15. Jahrhundert eine zentrale Rolle spielen sollten. Als Eduard II 1377 starb, wiederholte sich ein vertrautes
- Muster. Auf einen starken, erfahrenen König folgte ein Schwacher und junger. Sein Nachfolger war nicht ein Sohn, sondern sein Enkel. Richard I. der Sohn
- des schwarzen Prinzen, gerade einmal 10 Jahre alt. Richard wuchs in einer Zeit auf, in der die Wunden der Pest noch frisch waren, die sozialen Spannungen
- zunahmen und die Erinnerung an glanzvoller Siege in Frankreich verblasste. Später neigte er dazu, neue Favoriten an seinen Hof zu ziehen und
- alteingesessene Adelsfamilien zu übergehen. Dieses Verhalten weckte Misstrauen und Widerstand. Bereits in dener Jahren formierte sich eine Gruppe
- mächtiger Adliger, die den König in die Schranken weisen wollte, darunter auch Heinrich Bollingbroke, der Sohn Johanns von Gont. Richard konnte sich eine Zeit
- lang behaupten, doch die Spannungen brachen in den 1390er Jahren erneut auf. Als Johann von Gond9 starb, verweigerte Richard seinem Cousin
- Heinrich das Erbe der gewaltigen lancastrischen Besitzungen. Damit entzog er einem ohnehin mächtigen Mann die rechtliche Grundlage seiner Stellung.
- Heinrich reagierte entschlossen. Während Richard in Irland weilte, landete er mit einem kleinen Heer in England. Der Widerstand gegen ihn blieb gering.
- Richard wurde gefangen genommen, zur Abdankung gezwungen und verschwand wenig später, so gut wie sicher ermordet in Gefangenschaft. Heinrich ließ sich als
- Heinrich den vierten krönen. Damit begann die Herrschaft des Hauses Lenkester, einer Seitenlinie der Plantagenetz.
- Doch es zeigte sich schnell, es ist leichter einen König zu stürzen, als ein zerrissenes Reich zu stabilisieren. Heinrich I. sah sich mit Aufständen in
- Wales unter Owen Glindur, mit Verschwörungen im Adel und mit eigener schwerer Krankheit konfrontiert. Dennoch gelang [musik] es ihm, auf dem Thron zu
- bleiben und die neue Dynastie zu behaupten, wenn auch unter stetigem Druck. 1413 starb er. Körperlich gezeichnet und müde mit noch nicht
- einmal sech Jahren. Sein Sohn Heinrich brachte eine andere Energie mit. Als er mit Mitte 20 König wurde, war er bereits kriegserfahren und politisch versiert.
- Er beendete die valisischen Aufstände und wandte sich bald wieder Frankreich zu. Am 25. Oktober 1415,
- dem Tag des Heiligen Chrispinos, trafen sich englische und französische Heere bei Asenkort. Die stark unterlegenen Engländer, müde,
- krank und numerisch deutlich in der Minderheit, standen einer viel größeren französischen Ritterarmee gegenüber. Doch der Einsatz der englischen
- Langbogen und das schwierige schlammige Gelände brachten den Franzosen eine vernichtende Niederlage. Die Schlacht von Asienkurt wurde zu
- einem der bekanntesten Siege der englischen Geschichte. In den Jahren danach erreichte die englische Position in Frankreich ihren
- Höhepunkt. Mit dem Vertrag von Treuze wurde Heinrich als Thronerbe des geisteskranken französischen Königs Karl VI anerkannt. Er heiratete Karls Tochter
- Katharina von Valois. Die Vorstellung, die Eduard II. einst verfolgte, ein Herrscher über England und Frankreich schien kurz davor Realität zu werden.
- Doch die Geschichte folgt selten geraden Linien. Heinrich starb2 überraschend im Alter von nur 35 Jahren, wahrscheinlich an einer Infektion.
- Sein einziger Sohn Heinrich VI war zu diesem Zeitpunkt noch ein Säugling. Wieder begann eine Regenschaftszeit, in der mächtige Adlige versuchten, im Namen
- eines schwachen oder kindlichen Königs Politik zu machen. Unter Heinrich dem VI wendete sich das Blatt endgültig gegen England. Charismatische Gestalten auf
- französischer Seite, darunter John Dark, stärkten den Widerstand. Schritt für Schritt gingen die englischen Besitzungen auf dem Kontinent verloren.
- 1453 endete der hundertjährige Krieg faktisch mit einer französischen Wiederherstellung fast aller verlorenen
- Gebiete. Als die Nachricht der Niederlage nach England gelangte, erlitt Heinrich VI einen seelischen Zusammenbruch und verfiel für Monate in
- Apathie. In diesem Vakuum gewann eine andere Linie der Plantagennetzanbedeutung, das Haus Jork. Sein führender Vertreter
- Richard Herzog von Jork war ein Urenkel Edwards des II und sah sich selbst als den besser geeigneten Hüter der Krone. Die Spannungen zwischen den Anhängern
- des Hauses Lancester mit dem roten Rosenwappen und denen des Hauses Jork mit der weißen Rose mündeten 1455 in eine Reihe von Bürgerkriegen, die als
- Rosenkriege in die Geschichte eingen. Der Konflikt war komplex, vielschichtig und von wechselnden [musik] Allianzen geprägt. Richard von Jork errang
- zunächst militärische Erfolge und wurde zeitweise als Lord Protektor eingesetzt. Doch 1460 [musik] fiel er in der Schlacht von Wakefield. Sein Erbe trat
- sein Sohn an, Eduard, ein junger entschlossener Feldherr. 1461 gewann Eduard eine Reihe von Siegen und ließ sich als Eduard den vier krönen.
- Das Haus Jork hatte die Oberhand. Der lenkestrische König Heinrich VI wurde abgesetzt, später kurzzeitig zurückgebracht und schließlich endgültig
- gestürzt. 1471 starben sowohl er als auch sein Sohn. Damit war die unmittelbare lenkestrische Thronlinie ausgelöscht.
- Unter anderen Umständen hätte das Haus Jork lange herrschen können, doch das Schicksal intervenierte erneut. Eduard I. starb 1483
- überraschend. Sein Erbe Eduard V war noch ein Kind. Sein Onkel Richard Herzog von Gloster übernahm als Vormund die Macht. Kurz darauf verschwanden Edward.
- Jüngerer Bruder in den Mauern des Tauer auf London und wurden nie wieder gesehen. Richard bestieg als Richard I. selbst den Thron, doch der Verdacht, er
- habe seinen Neffen beseitigen lassen, haftete von Anfang an an seiner Herrschaft. Diese moralische Schwäche öffnete die Tür für einen neuen
- Anwärter. Heinrich Tudor, einen jungen Mann mit einem komplizierten, aber nutzbaren Anspruch auf den Thron. Seine Mutter stammte aus der Borfurtlinie,
- einer legitimierten, aber formal vom Thron ausgeschlossenen Nebenlinie der Plantagenetz. Sein Vater war weitgehend walisischer Herkunft. Dennoch nutzte
- Heinrich den Unmut über Richard den I, landete 1485 in Wales, gewann Unterstützer und stellte sich Richard bei Bossworth Field.
- In der Schlacht von Bossworth fiel Richard II im Kampf. Heinrich Tudor ließ sich als Heinrich dem 7 kröen und begründete das Haus Tudor. Um seine
- Stellung zu festigen, heiratete er Elisabeth von Jork, die Tochter Eduards des Vier. So verschmolzen zumindest symbolisch die beiden verfeindeten
- Häuser Jork und Lenkester. Heinrich VI regierte vorsichtig. beinahe misstrauisch. Er unterdrückte mögliche Rivalen, sanierte die königlichen
- Finanzen und baute eine vergleichsweise disziplinierte Verwaltung auf. Sein Ziel war es vor allem, die neue Dynastie zu sichern. Der Glanz war begrenzt, aber
- die Grundlage stabil. Als er 1509 starb, hinterließ er seinen Sohn ein verhältnismäßig wohlhabendes und ruhiges Königreich. Der neue König
- war jung, gut ausgebildet, sportlich und charismatisch. Heinrich der Ich. In den ersten Jahren genoss er hohe Beliebtheit. Seine Ehe mit Katharina von
- Aragon wirkte harmonisch. Das Hofleben war prachtvoll und der neue Herrscher trat selbstbewusst gegenüber dem Ausland auf. England schien in eine strahlende
- Zukunft zu gehen. Doch im Inneren wuchs eine stille Sorge. Die Ehe brachte keinen männlichen Thronfolger hervor. Nur eine Tochter überlebte. In einer
- Welt, in der die Stabilität vieler Reiche am vorhanden Sein eines Sohnes hing, begann sich ein Schatten über die glanzvolle Fassade dieses Königtums zu
- legen. Ein Schatten, der bald Kirche, Politik und Gesellschaft Englands erschüttern würde. Heinrich VI. Anfang der 1530er Jahre vor einem Problem, das
- in den Augen seiner Zeitgenossen alles andere überstrahlte. Er hatte keinen legitimen Sohn. Seine Ehe mit Katharina von Aragon hatte ihm
- nur eine überlebende Tochter gebracht, Maria. Für ein Reich, das noch immer von der Angst vor Bürgerkriegen und Thronstreitigkeiten geprägt war,
- erschien das als zu großes Risiko. In dieser Situation trat Anne Bin sein Leben. Sie war gebildet, selbstbewusst, ehrgeizig. Und Heinrich wurde von ihr
- fasziniert. Aus dieser Faszination wurde bald eine Obsession. Er wollte Katharina loswerden und Anne
- heiraten, überzeugt davon, dass sie ihm den ersehnten männlichen Erben schenken würde. Doch die Ehees Königs war nicht nur eine private Angelegenheit. Sie war
- ein Bündnis, ein kirchlicher Vertrag, ein politischer Pfeiler. Der Papst verweigerte die Annullierung. Schritt für Schritt trennte sich Heinrich
- daraufhin von Rom. Er erklärte sich selbst zum Oberhaupt der Kirche in seinem Reich. So begann die englische Reformation.
- Nicht aus theologischer Überzeugung, sondern aus dynastischer Not. Ironischerweise blieb Heinrich im Herzen ein konservativer Katholik, aber die
- Türen, die er aufgestoßen hatte, ließen sich nicht so leicht widerschließen. Klöster und Ordenshäuser wurden aufgelöst, ihre Ländereien enteignet.
- Ihr Reichtum floss in die königliche Kasse. Ein Jahrhunderte altes religiöses Gefüge zerbrach innerhalb weniger Jahre. Anne Bin jedoch erfüllte die Hoffnungen
- des Königs nicht. Sie brachte eine Tochter zur Welt, Elisabeth. Ein weiterer Sohn blieb aus. Misstrauen, Intrigen und Anschuldigungen wutzen.
- 1536 wurde Anne hingerichtet. Heinrich wandte sich neuen Ehen zu. Jane Seore, Anna von Klevf, Katharina Howard,
- Katharina Pa. Sechs Frauen insgesamt, ein Spiegel seiner Unruhe und seines wachsenden Despotismus. Nur Jane Seore schenkte ihm schließlich
- den ersehnten Sohn Edward. Als Heinrich VI im Januar 1547 starb, atmeten viele auf. Hinter der Fassade des glanzvollen Hofes lag ein
- Land, das religiös zerrissen und finanziell belastet war. Auf den Thron folgte nun der Knabe Edward VI, noch zu jung, um selbst zu regieren. Für ihn
- führten mächtige Adlige die Regierungsgeschäfte und sie waren entschieden protestantisch gesinnt. Unter Edward nahm die Reformation einen
- deutlich radikaleren Verlauf. Die lateinische Messe wurde durch einen englischsprachigen Gottesdienst ersetzt, festgelegt im ersten Book of Common
- Prayer. Bilder, Altäre, Heiligenverehrung wurden vieler Orts entfernt oder stark eingeschränkt. England bewegte sich weg von der alten
- Kirche und hin zu einer strengeren von Genf inspirierter Fräumigkeit. Edward war persönlich von diesen Ideen überzeugt, doch seine Zeit war kurz.
- Noch als Jugendlicher erkrankte er schwer und starb 1553. Mit ihm starb die Hoffnung auf eine sanfte, allmähliche Festigung des neuen
- Glaubens. Nun trat Maria, seine ältere Halbschwester, aus Heinrichs erster Ehe mit Katharina von Aragon auf den Plan.
- Sie wurde als Maria die I. Englands erste voll anerkannte Königin. In ihr vereinten sich persönlicher Glaube und biographische Wunde. Sie hatte die
- Scheidung ihrer Eltern miterlebt, die Demütigung ihrer Mutter, die Stigmatisierung ihrer eigenen Stellung. Maria sah ihre Aufgabe darin, England
- zur römischen Kirche zurückzuführen. Ihr Eifer war unerbittlich. Hunderte Protestanten wurden als Ketzer verbrannt. Später nannte man sie Bloody
- Mary. Und doch darf man nicht vergessen, ein großer Teil der Bevölkerung hielt noch an katholischen Vorstellungen fest. Wäre Marias Leben länger gewesen, hätte
- sich die religiöse Landschaft Englands vielleicht in eine ganz andere Richtung entwickelt. Aber auch sie starb früh, 1558
- vermutlich an einer schweren gynäkologischen Krankheit. Die Bühne war nun frei für eine andere Frau, deren Geburt ihren Vater so enttäuscht hatte.
- Elisabeth, die Tochter Ann Bolines. Als Elisabeth den Thron bestieg, war England müde von Religionswechseln und Verfolgungen. Sie entschied sich für
- einen Mittelweg. Unter ihr nahm die anglikanische Kirchegestalt an. Protestantisch in Lehre und Bibelverständnis, doch mit vielen
- äußeren Formen, die an die alte Kirche erinnerten. Dieser Via Media, der mittlere Weg, war weniger ein klarer theologischer Plan, als ein
- pragmatischer Versuch, ein gespaltenes Land zur Ruhe [musik] zu bringen. Elisabeth regierte 45 Jahre lang. In dieser Zeit begannen die Konturen einer
- künftigen Großmacht sichtbar zu werden. Irland wurde mit brutaler Härte unterworfen. Englische Seeleute und Unternehmer erkundeten neue Seewege.
- Männer wie Francis Drake umsegelten die Erde. Walter Riley versuchte Siedlungen in der neuen Welt zu gründen. Zugleich trat England in einen langen Konflikt
- mit Spanien ein, das damals die führende globale Macht war. 88 scheiterte die große spanische Armada bei dem Versuch, England zu erobern.
- Viele spätere Historiker zeichneten Elisabeth als überragende Staatsfrau. Die Wahrheit ist komplizierter. Sie war klug, gebildet, sprachgewandt, aber
- zögerlich, misstrauisch, geprägt von einer Kindheit, in der ihr eigener Vater ihre Mutter hatte töten lassen. Sie heiratete nie, hielt Bewerber aus dem
- Inn- und Ausland über Jahre hinweg in Unsicherheit und nutzte ihre unverheiratete Rolle geschickt als politisches Instrument. Doch eines tat
- sie nicht, für eine klare dynastische Lösung sorgen. Als sie 1603 starb, blieb kein leiblicher Nachfolger zurück. Stattdessen wandte sich der Blick nach
- Norden, nach Schottland. Dort regierte Jakob VI ein Urenkel Heinrichs des VI über seine Großmutter Margarete Tior. Diese Verbindung reichte aus, um ihn als
- logischen Erben erscheinen zu lassen. So ritt Jakob nach Süden, überquerte die Grenze und wurde in London als Jakob der I von England begrüßt. Die Kronen von
- England und Schottland wurden in seiner Person vereint, auch wenn beide Länder formal noch getrennte Staaten blieben. Jakobs Herrschaft war in vieler Hinsicht
- erfolgreich. Unter ihm entstanden die ersten dauerhaften englischen Kolonien in Nordamerika, beginnend mit Jamestown in
- Virginia. Später folgten Siedlungen in Neuengland und in der Karibik. In Irland wurden Gebiete des Nordens mit protestantischen Siedlern aus Schottland
- und England neu besiedelt. Die Folgen dieser Pflanzungen prägen die Geschichte Irlands bis heute. Doch Jakob war auch ein verschwenderischer Herrscher, der
- viel Geld für Hofpracht und Gunstbeweise [musik] an Favoriten ausgab. Sein Sohn Karl I. erbte nicht nur einen Thron, sondern
- auch verschuldete Finanzen und ein hohes Anspruchsniveau. Karl versuchte die Macht des Königtums zu stärken, während viele im Parlament
- auf wachsender Mitsprache bestanden. Er regierte über Jahre hinweg ohne Parlament, versuchte neue Steuern ohne Zustimmung zu erheben und wollte
- religiöse Einheit in allen drei Reichen, England, Schottland und Irland durchsetzen. Dieser Drang zur Kontrolle traf auf
- entschiedenen Widerstand. Die Spannungen entluten sich ab 1642 in Bürgerkrieg. Königstruppen und Parlamentarier standen sich gegenüber.
- In Schottland und Irland tobten eigene, aber verbundene Konflikte. Man spricht heute von den Kriegen der drei Königreiche.
- Am Ende triumphi nicht die Anhänger der alten Ordnung, sondern eine radikalere Strömung innerhalb des Parlaments. Karl I. wurde gefangen genommen, vor Gericht
- gestellt und 1649 in London öffentlich hingerichtet. Es war ein unvorstellbarer Bruch mit der Vorstellung, der König sei von Gott
- eingesetzt und stehe über allen anderen. In den folgenden Jahren war England keine Monarchie, sondern eine Republik, geleitet vom Rat des Staates und
- faktisch beherrscht von Oliver Cromwell, der den Titel Lord Protector annahm. Diese Phase dauerte etwas mehr als ein Jahrzehnt und blieb ein Ausnahmezustand
- in der langen Geschichte der englischen Krone. Nach Cromwells Tod bröckelte die Ordnung der Republik. 1660 kehrte Karl II. Der
- Sohn des hingerichteten Königs, aus dem Exil zurück. Die Monarchie wurde restauriert, aber in veränderter Form. Niemand hatte die Ereignisse der 1640er
- Jahre vergessen. Der König regierte nun in einem System, in dem das Parlament deutlich selbstbewusster geworden war. Die Zeit Karls des II. war von
- Lebenslust, Theater, Wissenschaft und Geselligkeit geprägt, insbesondere in London. Doch unter der Oberfläche blieben Spannungen, vor allem in
- religiösen Fragen. Karls Bruder und Thronfolger Jakob, Herzog von Jork, war bekennender Katholik. Als Karl 1685 starb und Jakob II. den Thron bestieg,
- wurde diese Tatsache zu einem politischen Problem. Viele einflussreiche Kreise wollten keinen katholischen König an der Spitze eines
- überwiegend protestantischen Staates akzeptieren. Als Jakob versuchte Katholiken in Ämter zu bringen und religiöse Grenzen zu
- lockern, wuchs die Sorge, er werde eine Art katholische Gegenerformation in England betreiben. 1688 lut eine Gruppe führender englischer
- Politiker Wilhelm von Oranien ein, den Gatten von Jakobs protestantischer Tochter Maria. Wilhelm war Stadthalter der Niederlande, ein erfahrener
- Staatsmann und Militär. Er landete mit Truppen in England. Jakobs Unterstützung brach schnell zusammen. Er floh nach Frankreich und das Ereignis ging unter
- dem Namen glorreiche Revolution in die Geschichte ein. Weil es vergleichsweise wenig Blut vergaß, aber die Machtverhältnisse grundlegend änderte.
- Wilhelm und Maria bestiegen gemeinsam den Thron als Wilhelm II und Maria I. Entscheidender als ihre Personen war jedoch ein Dokument, das 1689
- verabschiedet wurde, die Bill of Rights. Sie legte fest, dass der König nicht mehr allein regieren konnte, dass bestimmte Rechte und Verfahren
- eingehalten werden mussten und dass das Parlament eine zentrale [musik] Rolle im Staatsgefüge spielte. Was mit der Magna Kart als Schutz der Rechte einiger
- weniger begonnen hatte, entwickelte sich nun zu einer dauerhafte Begrenzung der königlichen Macht. Im frühen 18. Jahrhundert veränderte sich die
- politische Landkarte noch einmal grundlegend. 1707 wurden die Parlamente von England und Schottland durch den Act of Union
- vereinigt. Aus zwei Königreichen unter einem Herrscher wurde ein neuer Staat, das Königreich Großbritannien. Kurz darauf starb die letzte
- Stuartmarchin, Königin Anna, ohne überlebende Kinder. Nach den Bestimmungen des Thronfolgegesetzes fiel die Krone an einen entfernten Verwandten
- aus Deutschland, Georg von Hannover. 1714 bestieg er als Georg. Den britischen Thron. Mit ihm begann die Herrschaft des
- Hauses Hannover, einer Dynastie, die über ein zunehmend parlamentarisch geprägtes Königreich regierte. Aus einem zersplitterten Mosaik
- angelsächsischer Kleinkönigreiche war damit über viele Jahrhunderte und unzählige Konflikte hinweg ein verfassungsstaatliches Königreich
- entstanden, das auf dem Weg zu einem Weltreich war. Die Krone war noch da, aber nicht mehr allmächtig, und die Geschichte Englands war längst zur
- Geschichte Großbritanniens geworden. Als Maria I und später Wilhelm II. kinderlos starben, rückte eine andere Frau in den Mittelpunkt. N, eine weitere Tochter des
- Hauses Stuart. 1702 bestieg sie den Thron als Königin Ann und wurde damit die letzte Herrscherin dieser Dynastie. Ihr persönliches Schicksal war von
- tiefer Tragik geprägt. Ann erlitt zahlreiche Fehlgeboten und Kindstode. Aus 17 Schwangerschaften überlebte kein einziges Kind bis ins Erwachsenenalter.
- Hinter der Macht einer Königin stand so eine Frau, die immer wieder Hoffnung und Verlust erlebte. Als sie 1714 starb, erlosch damit die direkte Linie der
- Stuarts. Die Krone ging nun an einen Mann, der viele Meilen entfernt geboren worden war. Georg, Kurfürst von Hannover im Norden des Heiligen Römischen
- Reiches. Über seine Mutter war er ein Urenkel Jakobs des und damit der nächste protestantische Verwandte, der nach den Bestimmungen der englischen Thronfolge
- in Frage kam. Als Georg. Bestieg er den britischen Thron und begründete das Haus Hannover. Mit dieser Dynastie trat Großbritannien
- in eine neue Phase. Die Herrscher aus Hannover waren geographisch und kulturell zunächst fremd, aber sie lenkten ein Reich, das sich rasch zu
- einer globalen Macht entwickelte. Im 18. Jahrhundert entstanden aus den verstreuten Kolonien in Nordamerika, der Karibik, Afrika und Indien, die ersten
- Konturen eines Weltreiches. Gleichzeitig veränderte sich der Charakter der Monarchie selbst. Der König war nicht mehr die unangefochtete
- Quelle aller Entscheidungen. Das Parlament gewann an Gewicht. Kabinette und Minister übernahmen immer mehr die praktische Regierungsarbeit.
- Die Krone blieb wichtig, doch sie war nun eingebunden in ein Gefüge von Gesetzen, Institutionen und Gewohnheitsrechten.
- Wenn man die Geschichte Englands vom 10. Jahrhundert bis zum frühen 18. Jahrhundert betrachtet, sieht man kein gerades übersichtliches Band, sondern
- ein Geflecht aus Linien. Haus Wessex, Dänenkönige, Normannen, Plantagenetz, Lenkaster, Jork, Tudos und schließlich die Hanoaner.
- Einige dieser Dynastien waren nur kurze Episoden, andere prägten Jahrhunderte. Viele hatten ihre Wurzeln außerhalb Englands, in Dänemark, in der Normandie,
- in Enjou, in Wales, in Schottland, in deutschen Fürstentümern. Und doch wurden sie im Laufe der Zeit alle zu Trägern derselben Krone. Jede
- dieser Herrscherfamilien stand vor ihren eigenen Herausforderungen. Invasionen, Bürgerkriege, religiöse Umbrüche, Hungersnöte, Aufstände,
- Kolonialprojekte. Unter ihnen wandelte sich England von einem von Wikingern bedrohten Inselreich zu einem Staat mit entwickelter
- Verwaltung, Rechtssicherheit und einer zunehmend selbstbewussten politischen Öffentlichkeit. Was vielleicht am meisten ins Auge
- fällt, ist dies: England wurde nicht zur Großmacht, weil eine einzige Dynastie außergewöhnlich weise oder tugendhaft gewesen wäre.
- Viel mehr entstand seine Stärke aus der Spannung zwischen Krone und Parlament, aus der allmählichen Begrenzung königlicher Macht und der wachsenden
- Rolle von Händlern, Finanziers, Rädereien und Kolonialunternehmern. Am Ende dieser Entwicklung stand kein allmächtiger König, sondern eine
- Monarchie, die eingebettet war in eine verfassungsmäßige Ordnung. Aus dem mittelalterlichen Königreich England war ein britischer Staat geworden, der sich
- anschickte, im 18. und 19. Jahrhundert zur führenden Weltmacht aufzusteigen mit allen Licht und Schattenseiten, die wir heute mit dem Begriff Empire verbinden.
- Und so kann man kurz bevor man die Augen schließt an all diese Namen denken. Alfred, Atelstein, Wilhelm, Heinrich, Eduard, Elisabeth, Jakob, Anne und
- daran, dass hinter jeder Krone Menschen standen mit Ängsten, Hoffnungen, Fehlern und Träumen. Die Dynasten wechselten, doch das Land,
- das sie regierten, überdauerte sie alle und formte sich mit jeder Generation ein Stück weiter zu dem, was wir heute Großbritannien nennen.
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