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Jenseits von Gut und Böse: Ökumene und ihre Bedeutung für Theologie, Kirche und Gesellschaft

Universität Göttingen50:16 635 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

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  1. sehr geehrte spektabilitäten liebe Kolleginnen und Kollegen liebe Studierende sehr geehrte Gäste aus nah und fern und schließlich
  2. natürlich sehr geehrte Frau Kollegin wasmut es ist mir eine große Ehre und ausgesprochene Freude Sie und Euch aus Anlass der Antrittsvorlesung von Frau
  3. warsmut hier im Adam von trottsaal der alten menser begrüßen zu dürfen für unsere Fakultät ist der heutige Tag zumal so früh im neuen Jahr
  4. ein kleiner Festtag denn eine Antrittsvorlesung ist ein freudiges Ereignis zem wir als Fakultät außerhalb der üblichen
  5. lehrveranstaltungs und gremienroutine zusammenkommen um eine neue Kollegin in unserer Mitte offiziell willkommen zu heißen und das in der Weise ihr selbst
  6. das Wort zu überlassen damit sie uns mit ihrem Vortrag zu denken geben und in neue Gespräche verstricken kann so ist es auch für heute angekündigt unter dem
  7. vielversprechenden Titel jenseits von Gut und Böse ökomene und ihre Bedeutung für Theologie Kirche und Gesellschaft diesem Vortrag will ich
  8. auch gar nicht unnötig länger als notwendig im Wege stehen dennoch gehört es zu den schönen Pflichten des Dekans zu Beginn einer Antrittsvorlesung die
  9. neue Kollegin kurz vorzustellen äh wie Sie sehen können habe ich gerade wieder einmal Anlass dankbar zu sein dafür dass es Krankenhäuser gibt in
  10. denen man Hilfe bekommt wenn man sie braucht heute aber möchte ich dem Krankenhauswesen noch aus einem ganz anderen Grund heraus meinen Dank
  11. abstatten denn gäbe es für die dort Beschäftigten nicht auch jene weniger guten Seiten von denen wir nur zu häufig hören ausbeuterische Dienstzeiten
  12. wirtschaftlicher feste Hierarchien starres System dann wäre Frau wasmut nicht zu uns in die Theologie gekommen denn ihr ausgeprägter Berufswunsch
  13. während der gesamten Schulzeit war die Medizin nicht die Theologie nicht dass Sie nicht schon immer auch ein Interesse an den großen
  14. Fragen des Denkens und Lebens gehabt hätte auch haben Elternhaus und Schule die Beschäftigung mit diesen Fragen stets
  15. gefördert doch beruflich wollte sie eben Ärztin werden nicht fahren er ist ein Schnupperpraktikum im Krankenhaus nach
  16. dem Abitur brachte sie zum Umdenken der spießige Dogmatiker weiß zuweilen wirkt der Herrgott auf merkwürdigen Umwegen jedenfalls muss es
  17. jenes Praktikum in sich gehabt haben denn danach schrieb sie sich zum Studium der Theologie in Münster ein und hier geriet sie rasch in die
  18. Fänge der Kirchengeschichte der Patristik sie würde es wohl anders formulieren es waren vor allem die Vorlesungen wolfdieter hauschilds die
  19. sie faszinierten und fesselten die ihr die weite Welt des antiken Christentums und der alten Kirche aufschlossen ja mehr noch
  20. Hauschild öffnete ihr den Sinn und den Blick dafür dass es neben dem westlich lateinischen Christentum noch eine ganz andere Welt gibt den übergroßen
  21. reichen igen Kosmos des östlich griechischen Christentums der orthodoxen Tradition und Kirchen schon von jeher hatte sie ein
  22. fableel für die russische Literatur und so kam nun zusammen was offenbar bei ihr zusammeng gehört um in der komplexen vielfältigen weiten Welt der Orthodoxie
  23. gedanklich Fuß fassen zu können um jedenfalls ansatzweise zu einem tieferen Verständnis dieser für uns so fremdartigen geheimnisvollen
  24. främlichkeitstradition vordringen zu können entschied sie sich dazu sich exemplarisch dafür aber mit Haut und
  25. Haaren vor allem der russischen Orthodoxie zuzuwenden ihre Geschichte Tradition und Theologie zu studieren als Frau wassmut daher nach
  26. einigen Semestern von Münster nach Heidelberg wechselte war es nur folgerichtig dass sie neben dem Studium der Theologie auch ein Studium der
  27. slaistik aufnah um Russisch zu lernen und die orthodoxen Texte im Original lesen zu können
  28. theologisch fand sie dann in Heidelberg schnell eine neue Heimat denn zeitgleich wechselte Michael Welker aus Münster nach Heidelberg da gab es eine vertraute
  29. Stimme doch er vermochte es nicht sie aus der Kirchengeschichte abzuwerben Adolf Martin ritther und vor allem Gottfried sebers hielten hart
  30. dagegen und taten das ihre um die Leidenschaft für die Patristik und das orthodoxe Christentum nicht erlarmen zu lassen vor allem Gottfried Sebas gelang
  31. es dabei gerade das Interesse an den kulturellen religiösen und theologischen Differenzen zwischen lutherischer Herkunft und Z Laab formuliert
  32. orthodoxer Faszination zu fördern und lebendig zu halten hier begann sich der ökumenische Geist herauszubilden der Frau wasmuts theologisches lernen lehren
  33. und Denken seither prägt erstens ein offener neugieriger Blick für die reiche Vielfalt christlicher Tradition und christlich Lebens
  34. verbunden zweitens mit einem eigenen lutherischen Standpunkt der sich dadurch als solcher besser durchsichtig wird und doch zugleich erkennt wie sehr er
  35. eingebunden und angewiesen ist auf das Miteinander mit anderen Traditionen und Perspektiven und beides schließlich drittens mündend in die große Erfahrung
  36. dass das Geheimnis des Göttlichen und die großen Fragen der Theologie umso unbegreiflicher komplexer unfassbarer werden je mehr man sich mit ihnen
  37. beschäftigt und je tiefer man meint in sie schon eingedrungen zu sein Gottfried Sebas war es dann auch der schließlich den Anstoß gab dass Frau wasmut sich
  38. ganz dem Fach der ostkirchenkunde zuwandte indem er sie nachexamen einem Studienaufenthalt in stankt petersburg und hannövers schim Vikariat als
  39. Assistentin zu Karl Christian felmi nach Erlangen im Pfahl dort wurde sie im Jahre 2005 auch promoviert ihre Dissertation trägt den Titel der
  40. Protestantismus und die russische Theologie zur Rezeption und Kritik des Protestantismus in den Zeitschriften der geistlichen Akademien in der Wende vom
  41. 19 zum 20 Jahrhundert unschwer lässt sich erkennen wie sich hier die Impulse der Heidelberger Jahre weiterentwickelt haben denn sie hat hier
  42. ein bis dahin gänzlich übersehenes Quellenkorpus erschlossen dass eine intensive faszinierende und überaus differenzierte
  43. Auseinandersetzung der orthodoxen Theologie mit den Ansätzen Debatten und Strömungen des zeitgenössischen Liberalen Protestantismus zu Tage treten
  44. ließ und damit nicht nur für Frau warmut Suche nach einer lebendigen den Herausforderung der Moderne zugebrandnten Gestalt Orthodoxie sondern
  45. darüber hinaus für das ökomenische Gespräch und das wechselseitige miteinander reichliche Anschlussmöglichkeiten
  46. bot bereits in in die Schlussphase der Promotionszeit platzte dann das Angebot von Heinz Ohme als Koordinatorin und später mitverantwortliche des von ihm
  47. geplanten DFG geförderten Projekts eines russisch-deutschen theologischen Wörterbuchs nach Berlin zu kommen dessen abschließende Publikation bei deguter
  48. für diesen Sommer angekündigt ist während dieser Zeit entstand auch die Habilitationsschrift nun wissen wir alle dass es bei Habilitationen formale
  49. habilitationsväter und Mütter nicht mehr gibt anders als bei der Dissertation soll man ja gerade zeigen dass man selbständig in der Lage ist eine
  50. Forschungsfrage zu formulieren und eine entsprechende Arbeit zustande zu bringen und doch ist es überaus wichtig dass Mentoren oder Mentorinnen dabei sind die
  51. ein Interesse am Fortgang der Arbeit zeigen für Gespräche zur Verfügung stehen gelegentlich auch den Schubs geben oder ein Termin setzen damit das
  52. nächste Kapitel geschrieben wird und das ganze vorangeht eine solche Mentorin hatte Frau warsmut auch es war Dorothea
  53. Wendeburg die heute wegen des Bahnstreiks leider nur digital dabei sein kann dennoch möchte ich Sie zumal als ehemalige göttingerkollegin hier
  54. sehr herzlich begrüßen und bei uns willkommen heißen ih reformationsgeschichtlicher Einfluss wenn ich das mal so sagen darf
  55. ist deutlich erkennbar führt er doch die bisher skizzierte programmatische Linie getreulich fort wir gläuben all an einen Gott das nizeno konstantinopolitanum in
  56. seiner Bedeutung für Martin Luther und Philipp Melanchton heißt die veröffentliche Fassung der Habilitationsschrift die im vergangenen
  57. Jahr bei mosiebeck in tübing erschienen ist sie bringt Frau wasmutz besonderes Anliegen und Interesse die Wurzeln der alten Kirche mit den Prägungen der
  58. reformations Zeit in ostkirchlich ökumenischer Perspektive und Weite zu verknüpfen zu sichtbarem Ausdruck nach einigen wenigen aber
  59. kirchlich ökumenisch aufregenden lehrreichen und intensiven Jahren als Direktorin des Instituts für ökumenische Forschung in Straßburg ist Frau wasmut
  60. nun seit dem Wintersemester 2021 22 in der Nachfolge von Martin Tamke Professorin für ökumenische Theologie unter besonderer berüchsichtigung des
  61. orthodoxen Christentums und seiner globalen Wirkungen in Geschichte und Gegenwart ganz schön langer Titel an unserer Fakultät in
  62. Götting ihre Anfänge bei uns fielen nicht nur in die Spätphase der coronazeit und standen insofern unter verschärften Bedingungen mehr noch brach
  63. am Ende ihres ersten Semesters mit dem Überfall der Kriegsverbrecher aus dem Kremmel der ukrainekrieg aus von jetzt auf gleich war Frau wasmut als
  64. Professorin und Spezialistin für die russische und ukrainische Orthodoxie gefordert wir alle wissen was das heißt wenn man kaum im neuen Amt sogleich ins
  65. grelle Licht der Tagesaktualität gezerrt und mit dem Gefühl eines Ritz über den Bodensee zu politisch gewichtigen und folgenreichen Problemen souverän und
  66. sachkundig Stellung beziehen soll Frau wasmut hat sich diese Herausforderung gestellt so wie es ihre Art ist um ichtig und mit Bedacht kundig
  67. und klug zugleich klar orientierend und hilfreich sie ist damit gleich für unsere Fakultät in die Bresche gesprungen und wir waren außerordentlich
  68. dankbar dass wir sie hatten und haben mittlerweile ist sie wie es so schön heißt bei uns in Göttingen angekommen und hat ihren Platz in
  69. Fakultät und Kollegium gefunden bei den Studierenden ist sie überaus beliebt ihre Lehrveranstaltungen treffen auf lebhaftes Interesse
  70. auch im professorium freuen wir uns Sie als unsere Kollegin zu haben ihr Urteil wird gehört und geschätzt der gegenwärtige Dekan steht ohnehin schon
  71. in ihrer Schuld da sie ihm bei einigen Dingen bereits aus der Patsche geholfen hat so betrachtet ist es daher fast schon überfällig dass ich Frau wassmut
  72. nun auch der universitären und akademischen Öffentlichkeit als Göttinger Professorin vorstellt sie wird es tun mit einem Vortrag der wie ich es
  73. verstanden habe umreist wie sie ihr Fach zukünftig hier in Göttingen aufstehen und vertreten will welche Fragen Impulse und Anliegen ihr wichtig sind und welche
  74. Forschungsprojekte sie anstoßen möchte daher wäre jedes weitere Wort von mir in dieser Hinsicht eine unnötige Dopplung gleich wohl möchte ich vorweg im Namen
  75. der Fakultät und im Namen von Frau warsmut Dank sagen zuerst und vor allem an ihre Sekretärin Frau Daniela Barton sie ist als Leiter des Prüfungsamtes
  76. ohnehin die gute Seele unserer Fakultät aber sie hat mit Engagement und Umsicht gewohnter Freundlichkeit und herausragendem Organisationstalent die
  77. Vorbereitungen für den heutigen Tag getragen und dafür sei er vielmals und herzlich gedankt der Dank gilt auch den aktuellen
  78. und ehemaligen Hilfskräften und Mitarbeiterinnen von Frau wasmut Frau ka Klenke und Herrn Leander knob Frau Maria hinsenkamp die erste Doktorandin zu dem
  79. was ich vorhin auch erst erfahren habe tut mir leid h ich das vorher gewusst hät ich noch mehr draus gemacht ja Frau hinsenkamp und Herrn Martin Stahlberg
  80. sie alle haben mitgedacht und mitorganisiert sich um die Vorbereitung des anschließenden Buffets gekümmert um die Technik und die Musik verdient
  81. gemacht und ein letzter Dank geht schließlich an die beiden bewährten Mitarbeiter unserer IT-Abteilung dafür dass wir trotz des leidigen Bahnstreiks
  82. einige Gäste zumindest per Zoom zuschalten und begrüßen können lieber Herr Engemann lieber Herr scher haben sie dafür vielen Dank so jetzt hat der
  83. Dekan seine Aufgabe erledigt und kann Platz machen also liebe Frau wasmut sein Sie herzlich bei uns in Göttingen und an unserer Fakultät willkommen wir freuen
  84. uns auf die gemeinsame Zusammenarbeit und sind gespannt wie sie jetzt die ökomene jenseits von Gut und Böse aufstellen und verorden werden sie haben
  85. das Wort
  86. ja lieber Herr Dekan Laube zunächst ganz herzlichen Dank für diese sehr freundliche Vorstellung und gleich eine Bitte an die Techniker mir zu helfen
  87. denn es funktioniert nicht wie es funktionieren soll genau
  88. also ich drücke und es geht nicht weiter
  89. mhm ja nicht ah jetzt also vielen Dank der liebe
  90. Gäste lassen Sie mich mein Vortrag mit einer persönlichen Erinnerung beginnen aufgewachsen bin ich in einem lutherischen fahrhaus hier gehörte zu
  91. den besonders prägenden Erfahrung dass mein Vater alle möglichen Situationen mit allen möglichen Sprüchen kommentierte besonders oft griff er
  92. dabei auf eine Wendung zurück die bei uns in der Familie im Laufe der Zeit zu einem geflügelten Wort werden sollte jenseits von Gut und
  93. Böse diese Wendung wurde mir also gewissermaßen in die Wiege gelegt erst sehr viel später habe ich entdeckt dass mein Vater der selbst aus einem fahrhaus
  94. stammte hier munter einen anderen fahrersohn zitiert hatte der ebenfalls zunächst das Theologiestudium aufgenommen sich jedoch philologischen
  95. und später philosophischen Studien gewidmet hatte Friedrich Nietsche nietzsche hat die Wendung jenseits von Gut und Böse in diversen
  96. seiner Schriften verwendet sie dann vor allem jedoch zu dem Titel eines kleinen Büchleins gemacht das 1886 im CG Naumann Verlag in Leipzig
  97. erschienen ist und dass Nietzsche wie zuvor auch schon andere seiner Werke auf eigene Kosten hatte drucken
  98. lassen bei der Beschäftigung mit diesem Büchlein konnte ich nun nicht nur feststellen dass mein Vater persönlich an sich ein ausgesprochen frommer
  99. lutherischer Theologe sein Nietzsche offenbar gut kannte denn ich begegnete dort einer Reihe weiterer Zitate mit denen wir groß
  100. geworden sind die ich hier aber nicht äh wiedergeben werde in den neuen Hauptstücken in die Nietzsche sein Büchlein gegliedert hat
  101. entdeckte ich viel mehr mit Nietzsche auch einen radikalen Denker der alles auf den Prüfstand zu stellen gewillt war was in der Philosophiegeschichte Rang
  102. und Namen hatte gleich in der Vorrede zzt Nietzsche so gegen die Philosophie der Dogmatiker in Sonderheit Platos
  103. Erfindung vom rein Geiste und vom guten an sich und gleich in der Vorrede machtte er auch deutlich dass der Kampf gegen Plato zugleich ein Kampf gegen den
  104. christlich kirchlichen Druck von Jahrtausenden ist denn das Christentum ist für ihn nur eine niedere Stufe philosophischen Denkens ein sonitche
  105. Platonismus fürs Volk manche von ihnen werden sich jetzt vielleicht fragen was mich dazu bewogen haben mag meiner heutigen
  106. Antrittsvorlesung am Lehrstuhl für ökumenische Theologie an Überschrift zu geben die eine Anleihe bei dem Werk eines derart radikalen Denkers
  107. macht die Antwort liegt nicht in dem was Nietzsche als Philosophie der Zukunft entwirft eine Umwertung aller Werte der ein kaum mehr steigerbarer
  108. anthropozentrismus zugrunde liegt eine Vergöttlichung des Menschen die zugleich seine erbärmliche Kreatürlichkeit freilegt herrenbegriffe seiner
  109. Philosophie der Zukunft wie das Leben oder auch der Wille zur Macht bleiben schwer greifbar was singegen deuttig hervortrist ist ein absolut elitäres
  110. Gesellschaftskonzept die Propagierung einer Herrenmoral in dieser Philosophie der Zukunft hat ökomene keinen Platz im
  111. Gegenteil ein heutiger Nietzsche hätte vermutlich lustvoll sein Spott über ökumenische Bemühungen ausgegossen er hätte die Versuche ökumenischer
  112. Verständigung sarkastisch als faule allzu faule Kompromisse tituliert und mit der ihm eigenen sprachlichen Virtuosität die ökumenische Bewegung als
  113. das letzte Aufbäumen einer Religion beschrieben die sich abstrampelt durch Überwindung innerer Gegensätze weiterhin ihre Relevanz zu
  114. behaupten nicht das also so die Philosophie der Zukunft war der Anknüpfungspunkt sondern etwas anderes das aus meiner Sicht ganz ein ein ganz
  115. wesentliches Moment ökumenischer Theologie ausmacht Nietzsche zielt mit seinem Büchlein darauf jede Form von
  116. antinomischen Denken zu hinterfragen scheinbar unverrückbare naturgegebene Widersprüche nicht einfach hinzunehmen sondern
  117. Gegensätze aufzubrechen eben dies ist aber auch das Hauptbestreben in der ökomene konfessionelle Antagonismen
  118. werden hier dezidiert nicht als quasi Naturgesetze der Kirchengeschichte verstanden harte konfessionelle Grenzen nicht als unüberschreitbar
  119. Begriffen dabei erweist sich bei Nietzsche das jenseits von Gut und Böse nicht wie in der Philosophie des Deutschen
  120. alismus als ein höheres drittes indem die Antithesen aufgehoben und gewissermaßen beseitigt
  121. werden bei Nietzsche dürfen die Gegensätze viel mehr bestehen bleiben und sollen am Ende geduldet werden nach anfänglichen idealistischen
  122. Ansätzen wenn man so möchte in der ökomene darf auch dieses inzwischen als leitmaxine in der ökomene gelten das Ziel ökumenischer Bestrebung liegt weder
  123. in der Rückkehr der Konfession zu der einen Kirche die meint für sich allein einen apostolischen Ursprung reklamieren zu können noch in der Verschmelzung der
  124. Konfession zu einer Art organischen Union das Ziel besteht vielmehr in der Duldung konfessioneller Differenz aufgrund der Einsicht in die eigene
  125. historische Kontingenz als aufgabenbestimmung für die ökumenische Theologie folgt dann aber daraus
  126. ökumenische Theologie hat Denkräume zu eröffnen in denen jenseits von Gut und Böse neue Möglichkeiten eines konfessionellen Miteinanders ausgelotet
  127. werden können die dem theologischen Anliegen der jeweiligen Konfession Rechnung tragen ohne konfessionelle Wahrheitsansprüche zu
  128. verabsolutieren wie solche Denkräume eröffnet werden könen das hat Nietzsche mit Hilfe eines Bildes beschrieben als die Verwandlung des
  129. Geistes vom Kamel zum Löwen und schließlich zum Kind das Kamel ist danach der geduldige
  130. Lastenträger der Tradition der Bewahrer der kulturerrungenschaften deren Schätze sorgsam gehütet werden
  131. müssen das Kamel trägt die kostbare Last dann in die Wüste und wird dort zum reißenden Löwen der die alhwürdigen Gebote und Werte
  132. zerstört schließlich wandelt sich der Löwe und wird zum Kind Unschuld ist das Kind und vergess ein Neubeginn ein
  133. Spiel ein Aussich rollendes Rat ein erstes bewegen ein heiliges ja sagen inwiefern ökumenische Theologie an dieser Wandlung des Geistes teilnimmt
  134. und alles ist ein Kamel ein Löwe und ein Kind das möchte ich Ihnen nun etwas ausführlicher anhand der ökomene und ihrer Bedeutung für die Theologie
  135. erläutern in Hinblick auf die Bedeutung die die ökomene für Kirche und Gesellschaft haben kann werde ich mich dann aus Zeitgründen etwas kürzer
  136. fassen und damit komme ich zum ersten Punkt und als erstes zum Kamel zu den wohl eigentümlichsten Erfahrungen in der ökomene gehört die
  137. Erfahrung in der Öffnung hin zu einer anderen Konfession auf die eigene zurückgeworfen zu werden zu einer ökumenischen Begegnung
  138. gehört deshalb als wichtige Voraussetzung ein Wissen darum was die eigene Konfession ausmacht worin ihre Tradition besteht was ihre besonderen
  139. Schätze sind es scheint mir deshalb eine besondere Gunst zu sein mit dem eigenen Fach jetzt gerade in Göttingen verortet zu sein wo die Erforschung lutherischer
  140. konfessionskultur nicht nur an der Theologischen Fakultät eine besondere Rolle spielt sondern wo sich an der Universität ein Kreis von Vertretern und
  141. Vertreterin sehr unterschiedlicher Fächer zusammengefunden hat die sich gezielt dem Thema lutherischer konfessionskultur widmen es
  142. interdisziplinär und damit sehr viel umfassender und grundlegender als bisher erschließen wollen angesichts globaler Debatten die
  143. gegenwärtig über lutherische Identität oder lutherische Identitäten geführt werden kann aus ökumenischer Perspektive die Bedeutung eines solchen
  144. Forschungsprojektes gar nicht genug unterstrichen werden es bedarf unbedingt eines solchen Projekts um diese Debatten historisch zu
  145. erden wie also ökumenische Begegnung ein Wissen um die eigene Konfession voraussetzen so bedarf es eines entsprechenden Wissens bezüglich anderer
  146. Konfessionen ein Erkenntnis von deren Traditionen und schätzen wenn es nicht bei einer oberflächlichen Begegnung bleiben
  147. soll die ökumenische Begegnung lenkt den Blick also auf die konfessionskunde solide wissenschaftliche Kenntnisse speziell
  148. des orthodoxen Christentums liefert nun ein Fach für das sich bislang keine einheitliche Bezeichnung eingewürgert hat als Oberbegriff vielleicht am ehsten
  149. noch der Begriff der ostkirchenkunde ein Fach das in den letzten drei Jahrzehnten über die Maßen von rigurosen kürzungs bis hin zu
  150. kompletten Einsparmaßnahmen betroffen gewesen ist von Fachvertretern wurde die Lage als so bedrohlich
  151. empfunden dass sogar eine eigene Gesellschaft zum Studium des christlichen Ostens gegründet worden ist die sich seither engagiert für die
  152. Belange des Faches einsetzt vor diesem Hintergrund ist es alles andere als selbstverständlich dass sich die
  153. Theologische Fakultät in Göttingen für den Erhalt einer Professur mit Schwerpunkt auf derforschung des orthodoxen Christentums entschieden hat
  154. sie gehört damit zu den ganz wenigen Fakultäten im deutschsprachigen Bereich die sich dem allgemeinen Sparzwang nicht gebeugt
  155. haben dabei hat dieses Fach viel zu bieten mein im vergangenen Jahr verstorbener Doktorvater Karl Christian felmi ehemals Professor für Geschichte
  156. und Theologie des christlichen Ostens in erlang hat in einem Vortrag unter dem etwas altertümlich klingenden Titel warum und zu welch Bufe treiben wir
  157. ostkirchenkunde die wichtigsten Punkte benannt ich will das an dieser Stelle nicht wiederholen sie finden den Titel ganz leicht im Internet ich möchte hier
  158. nur hervorheben für diejenigen die sich auf die ostkirchenkunde einlassen für die bietet sich eine weit verzweigte üppige Forschungslandschaft da hier sind
  159. buchstäblich alle theologischen Disziplinen vertreten exigetische historische systematische praktisch theologische auch eine
  160. Vielfalt an anderen wissenschaftlichen Disziplinen etwa die Religionswissenschaft diverse Philologien für bedeutende Leistung auf
  161. dem Gebiet der ostkirchenkunde steht insbesondere auch der Lehrstuhl hier in Göttingen der mit dem Schwerpunkt auf dem orientalischen Christentum mit
  162. herausragenden ostkirchenkundland besetzt war zu ihnen gehört auch mein unmittelbarer Vorgänger Martin kampke der die Theologische Fakultät Götting
  163. noch in den entlegen weltwinkeln bekannt gemacht und hier an der Fakultät um nur eines seiner vielen Projekte zu nennen den für die Fakultät
  164. in seiner Bedeutung kaum zu überschätzenden Masterstudiengang intercultural theology begründet und maßgeblich geprägt
  165. hat wenn ich mir selbst manches Mal auch wie der sprichwörtliche Zwerg auf den Schultern von Riesen vorkomme ich sennoch als meine vorderste
  166. Aufgabe an die reiche Tradition dieses Faches vorzuführen und G Götting als Zentrum ostkirchenkundlicher Forschung und Lehre
  167. weiter auszubauen mein eigener Forschungsschwerpunkt wird dabei auf dem
  168. liegen was das wurde gerade schon erwähnt unter der Leitung von Heinz ohe an der Humbold Universität zu Berlin vor vielen Jahren begonnen wurde eine
  169. wissenschaftlich bislang noch ausstehende sehr ergiebige nicht selten jedoch auch aufopferungsvolle philologische
  170. kernerarbeit deren Ergebnisse werden bei gräuter demnächst in einem ersten Band in einem ersten Band unter dem Titel russisch-deutsches theologisches
  171. Wörterbuch erscheinen mit der arbeitung des zweiten Bandes der deutsch-russischen Entsprechung haben wir
  172. begonnen soweit zum Kamel kommen wir zum Löwen auf ihn möchte ich nur kurz gewissermaßen auf dem Sprung eingehen da
  173. implizit bereits mitverhandelt wurde in der Art wie wir an theologischen Fakultäten historisch Arbeiten steckt im Camelia immer schon
  174. der Löwe geht es ja nie um eine unkritische Traditionspflege an dieser Stelle sei deshalb
  175. herausgestellt dass eben dies auch für verschiedene Forschungsstätten orthodoxer Theologie weltweit gilt an denen selbstverständlich historisch
  176. kritisch gearbeitet wird und die sich als ausgesprochen offen gegenüber modernen Fragestellungen zeigen
  177. etwa die Wallers Academy in Griechenland oder das orthodox Christian study Center in
  178. den USA wichtig auch die international orthodox theological
  179. Association ein internationaler Zusammenschluss akademisch orthodoxer Wissenschaftler und Wissenschaftlerin hier ein Bild eine Aufnahme von dem
  180. letzten Treffen das von manchen orthodoxen Kreisen selbst kolportierte Bild einer sich gegenüber jeglichen Neuerung
  181. sperrenden die Tradition unverändert weitergebenden Orthodoxie trifft für die orthodoxe Theologie deshalb in ihrer bite so gewiss nicht
  182. zu wenn aber nun der ökumenischen Theologie die hier in Götting mit guten Gründen der Kirchengeschichte zugeordnet ist an historischen Differenzierung
  183. gelegen ist und wenn sie es als ihre Aufgabe versteht Anwälten einer Pluralität von Ansätzen zu sein so will und muss sie und damit komme ich zum
  184. Kind als ökumenische Theologie zugleich die gesamte Theologie in den Blick nehmen und nach dem gemeinsamen in der Vielfalt ihrer verschiedenen Disziplinen
  185. Fragen man könnte anders auch sagen das fachspezifische Interesse ökumenischer Theologie besteht gerade darin Fächer übergreifend zu sein
  186. ökumenische Theologie versteht sich als eine Art theologischer integrationswissenschaft für die Theologie und ihre Disziplinen bedeutet
  187. das das mit der ökomenischen Theologie ein Fach zur Verfügung steht dem Interdisziplinarität eingeschrieben ist dem der innertheologischer Austausch
  188. ein eigenes Anliegen ist wie zurzeit hier an der fak im gemeinsamen Nachdenken über kultustheologien in Zeiten des Umbruches
  189. geschieht oder man könnte anders auch sagen indem die hiesige Fakultät sich dazu entschieden hat die ökumenische Theologie in Gestalt einer eigenen
  190. Professur vorzuführen hat sie der Überzeugung eine institutionelle Form gegeben dass die Theologie mehr als die Summe ihrer
  191. einzelnen Fächer ist meine Aufgabe an der Fakultät sehe ich deshalb auch darin mit einer gewissen
  192. beharlichkeit nachdem zu fragen was uns als theologische Fakultät gewissermaßen im Innersten
  193. zusammenhält den Blick auf das Ganze noch über die eigene Konfession hinaus zuu Wagen ein solches Spiel ein solches aus sich rollendes Rat erstes bewegen
  194. und heiliges ja sagen findet nun seit einigen Jahren in Form von ökumenischen Dialogen statt vor dem Hintergrund einer kaum mehr zu
  195. überblickenden innerchristlichen Zersplitterung wird hier um ein gemeinsames Verständnis des christlichen glaubensgrung um ein die
  196. unterschiedlichen Konfessionen übergreifendes Verständnis von christlicher Einheit Ausdruck dieses Ringens sind
  197. eine Vielzahl von Dialog Dokumenten wie wir sie in nun mehr fünf voluminösen Bänden unter dem zuversichtlich klingenden Titel Dokumente wachsender
  198. Übereinstimmung gedruckt vorliegen [Musik] haben die hier publizierten Dokumente weichen stark voneinander ab in Umfang
  199. Diktion auch theologischenem Ertrag interessant und lehrreich sind sie jedoch allemal weshalb ein weiteres Projekt am Lehrstuhl darauf zielt diese
  200. Dokumente digital verfügbar zu machen und sie genauer in der ökomenischen Bewegung zu verordnen auf diese Weise soll mit dem
  201. Projekt einer ökomene in Geschichte und Gegenwart wie wir dies Projekt jetzt einmal genannt haben und das dank meiner emsigen
  202. Mitarbeiterschaft mittlerweile zu einem Ganzen ökomenekompus äh herangewachsen ist also über dieses Projekt soll eine Plattform geschaffen werden die
  203. wissenschaftlich fundierte Information zu ökomä leicht zugänglich macht und das leitet bereits über zum zweiten Punkt
  204. ökomene und ihre Bedeutung für die Kirche es sind drei Hinsichten unter denen ich die kirchliche Bedeutung des Faches kurz erläutern
  205. möchte es gehört zunächst zu dem ureigensten Interesse des Faches selbst wichtige Informationen zu einzelnen Konfessionen wie auch der ökumenischen
  206. Bewegung insgesamt gezielt für kirchliche Funktionsträger bereitzustellen diese kirchliche abzweckung erinnert nicht zufällig an
  207. Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher und seine Konzeption von theolog als Wissenschaft denn es war
  208. Schleiermacher der der konfessionskunde in ihrer heutigen Gestalt den Weg bereitet hat im Unterschied zur sogenannten isagogik die die
  209. bekenntchriften in den Mittelpunkt stellte und zur sogenannten Polemik die ihren Fokus auf die konfessionellen Streitpunkte legte im Unterschied dazu
  210. forderte er als ein neues Fach die sogenannte Statistik ihr wies er die Aufgabe zu die Entwicklung die kirchliche Verfassung und die äußeren
  211. Verhältnisse der Kirche im gesamten Gebiet der Christenheit in den Blick zu nehmen Kenntnisse auf diesem Gebiet waren dabei für ihn für Schleiermacher
  212. eine Zitat unerlässliche Forderung an jeden evangelischen Theologen und so hat er es was vielleicht nicht bekannt ist auch selbst übernommen Vorlesung zur
  213. Statistik zu halten und sich dabei eingehend auch mit der morgenländischen Kirche befasst was Schleiermacher nun damals gefordert
  214. hat scheint heute notweniger denn je in einer gesellschaftlichen Situation die stark von Migration geprägt ist und in der das orthodoxe Christentum mit
  215. geschätzten 2 Millionen Gläubigen die drittgrößte christliche Konfession in Deutschland
  216. darstellt von den Kirchen werden zweitens nach wie vor Dialoge geführt auf nationaler wie auch auf internationaler
  217. Ebene und hier ein Bild von der jüngsten beweg Bewegung auch aber auch Begegnung im Rahmen des internationalen Dialoges des lutherischen Weltbundes mit
  218. Vertretern der orthodoxen Kirchen in diesem Zusammenhang also im Zusammenhang der der Dialoge ist es für die Kirchen nützlich wenn vertret oder
  219. Vertreterin des Faches zur Verfügung stehen die dann ihre Expertise in die direkte ökumenische Begegnung einbringen können lebendige Eindrücke von
  220. dialogbegegnung bereichern umgekehrt die Lehre wie auch die Forschung und Vermögen jedenfalls mein Eindruck die Lust zu wecken selbst an solchen
  221. Begegnungen teilzunehmen und deswegen habe ich hier einige Impressionen von Begegnung die in den letzten Semestern hier in der von Götting stattgefunden
  222. haben eine Begegnung mit der armenischapostolischen Kirche in Braunschweig eine Begegnung mit der ukrainischorthodoxen Kirche in
  223. Hannover und jüngst eine Begegnung mit der syrisch-orthodoxen Kirche in wburg
  224. drittens und schließlich ist in der ökumenischen Theologie das Thema der Ekklesiologie zentral Fragen also die die Kirche selbst betreffen Ihren
  225. Auftrag in der Welt ihre Gestalt ökumenische Theologie nimmt hier die Aufgabe war unterschiedliche eklesiologische Konzeptionen daraufin zu
  226. prüfen in wie weit sie Einheit befördern oder aber verhindern wenn nicht unmöglich machen und das betrifft nicht nur ausgearbeitete eklesiologie in
  227. herkömmlicher Konfession sondern auch das diffuse erst im Ansatz erforschte Feld des neocharismatischen Christentums ökumenische Theologie kann dies als
  228. ökumenische Theologie in großer Freiheit tun unabhängig von konfessionellen Bindung und kann gerade auf diese Weise jenseits von Gut und Böse Ideen
  229. entwickeln wie die Kirchen als Kirchen besser zueinander finden und gemeinsam gegenüber aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen
  230. bestehen und damit ist auch schon das Stichwort für den dritten Punkt genannt komene und ihre Bedeutung für die Gesellschaft
  231. ökumenische Theologie ist im Kern friedenstheologie und gerade darin besteht ihr gesellschaftlicher Auftrag bereits von ihren Anfängen her
  232. war die ökumenische Bewegung eine Friedensbewegung Zeugnis geben davon wichtige Stellungnahmen wie etwa die vom ökumenischen Patriarchat 1920
  233. veröffentlichte Enzyklika unto the churches of Christ everywhere an die Kirchen Christi überall in der vor dem Hintergrund der traumatischen Erfahrung
  234. des Ersten Weltkrieges nach dem Vorbild des eben gegründeten Völkerbundes zu einem Bund derir aufgerufen wird der die Kirchen befähigt nun ihrerseits ein
  235. Beitrag zur weltweiten Versöhnung zu leisten Zeugnis davon gibt aber auch das Wirken herausragender ökumenischer Persönlichkeiten zu denen ganz
  236. eindrucksvolle gestalten gehören wie etwa der zunächst als Religionswissenschaftler hervorgetretene spätere lutherische
  237. Erzbischof von obsala und Träger des Friedensnobelpreises Nathan süderblum bereits während des Ersten Weltkrieges hatte söderblum
  238. friedensappelle initiiert for peace and Christian fellowship bald nach dem Kriegsende erschien dann eine Schrift die seit kurzem sie sehen sich hier in
  239. einer sehr feinen Edition in der Reihe große Texte der Christenheit vorliegt in der söderblum den ökumenischen Einheitsgedanken als
  240. Friedenspflicht der Kirchen brustabiert wir kennen wir uns nicht alle zu der einen katholischen Kirche so seine rhetorische
  241. Frage stattdessen jedoch hätten sich während des Krieges Christen und Diener der Kirche in den einzelnen Ländern auf eine Weise an der nationalen
  242. selbstanbetung beteiligt die wir am liebsten aus den Blättern der Geschichte tilgen würden und deshalb seine Forderung an die
  243. Kirchen in aller Welt die universale Aufgabe des Christentums anzugehen von der wir so söderblum in jeder christmte lesen bei den Propheten die Aufrichtung
  244. des Weltfriedens durch Recht und Gerechtigkeit die Bedeutung einer friedenstheologie steht uns gegenwärtig
  245. aus bekannten Gründen allen vor Augen in der ökumenischen ie sind wir jetzt neu herausgefordert uns dieses in den letzten Jahrzehnten weithin
  246. vernachlässigten Themas anzunehmen das ist gerade hier zur Überschneidung meiner beiden Forschungsbereiche ökumenische Theologie und
  247. ostkirchenkunde kommen würde das hätte ich zum Zeitpunkt meiner Berufung im Jahre 2021 nicht für möglich gehalten dass also Russland seine
  248. Kampfhandlung im Osten der Ukraine zu einem Krieg in der Ukraine insgesamt aus würde das habe ich wie auch so viele andere nicht kommen
  249. sehen zwar gab es Anzeichen die bereits auf eine solche Entwicklung hindeuteten etwa das verbreitete nationale Patos verbunden mit einer Tendenz zur
  250. Militarisierung der russischen Gesellschaft auch manche Einlassungen des moskaupatriarchats hätten aufmerken lassen
  251. sollen aber dass die mit einem starken antiwestlichen rentiment verbundene Rhetorik eines Kampfes der Kulturen in die Realität militärischer
  252. Kriegshandlung umschlagen würde die das völkerrcht schlicht ignorieren das kam dann doch unerwartet und daraus folgt für mein
  253. Fach das folgende erstens die Geschichte der Kirchen in Russland und der Ukraine muss neu geschrieben werden zu den immer
  254. wiederkehrenden Begründung und Legitimierung des Krieges in der Ukraine gehört auf russischer Seite der Verweis darauf dass die Ukraine historisch und
  255. kulturell keine Eigenständigkeit besitzt dass sie quasi ein Teil Russlands ist diese großrussische Perspektive dominiert bis heute nicht nur aktuelle
  256. Debatten wie etwa darüber ob die ukrainische Volksrepublik die von 1917 bis 1920 bestand und deren Grenzen sie s hier sehen
  257. können ob diese Volksrepublik ein souveräner Staat war der russische Präsident bestreitet dies viel mehr sind auch kirchengeschichtliche
  258. Veröffentlichung nicht frei von dieser großrussischen Perspektive etwa der an sich wichtige Quellenband von mir oft genutzte Quellenband im übrigen die
  259. orthodoxe Kirche in Russland Dokumente ihrer Geschichte hier ist deshalb ein Perspektivwechsel verlangt das sorgfältige bemühen die historische
  260. Überlieferung möglichst unverstellt jenseits ideologischer Vereinnahmung in den Blick zu nehmen zweitens die kirchliche Situation
  261. in beiden Ländern ist aufmerksam zu verfolgen wobei die Solidarität mit den Opfern des Angriffskrieges nicht dazu führen darf dass übersehen wird was es
  262. an bedenklich Entwicklung möglicherweise auch in der Ukraine gibt so wirft etwa der jüngste Länderbericht von Missio und Renovabis der gemeinsam von der
  263. katholischen Theologin Regina Elsner aus Münster und der religionswissenschaftlerin Irina fenno aus Kiev verfasst worden ist dieser
  264. Bericht wenn man ihn liest wirft einmal mehr die Frage auf ob in der Ukraine das Recht auf Religionsfreiheit gegenwärtig gewahrt wird oder ob nicht im Zeichen
  265. einer stark aufgeheizten nationalen Stimmung Politik auf Kosten jener Kirche gemacht wird die ehemals mit dem Moskauer Patriarchat verbunden
  266. war sehr dankbar bin ich deshalb dass mein Kollege aus Kiev Professor Dr Sergi bordnik es möglich machen konnte in dieser Woche an der
  267. Fakultät zu sein er ist auch hier unter uns und uns von den aktuellen kirchlichen Entwicklung zu berichten drittens es sind neue Wege des
  268. Kontakts mit dem Moskau patrechat zu finden das ist sicherlich der schwierigste Punkt aber er scheint mir unerlässlich und zwar auf folgendem
  269. Grund das Moskauer Patriarchat darf nicht allein denjenigen überlassen werden die es offiziell repräsentieren und die zurzeit ihre Macht etwa dazu
  270. nutzen Priester zu S ieren bisin zur Entlassung aus dem Amt weil sie sich für den Frieden einsetzen es gibt mittlerweile wieder
  271. desidenten der russischorthodoxen Kirche und gerade für diejenigen die wie ich seit vielen Jahren mit dieser Kirche verbunden sind sehe ich es als
  272. Verpflichtung an ihre Stimmen zu hören und zur Geltung zu bringen deshalb ich auch sehr dankbar bin dass sie lieber Vater andre heute unter uns
  273. sind ich komme zum Schluss verehrte Liebe gästste nachdem ich Ihnen von der vielschichtigen Bedeutung des Faches einen Eindruck zu Mitteln versucht habe
  274. zu vermitteln versucht habe möchte ich am Schluss wenigstens noch erwähnen was die omene für mich über die skizzierten
  275. inhaltlichen Fragen hinaus so faszinierend macht es sind die persönlichen Begegnungen die Freundschaften die
  276. daraus mit der Zeit entstanden sind und für die ich sehr dankbar bin davon mehr zu erzählen das ist hier sicherlich nicht
  277. im Rahmen einer akademischen Antrittsrede der rechte Ort meine studentische Hilfskraft herleander Knop hat jedoch etwas vorbereitet das in
  278. diese Richtung geht ich möchte Ihnen deshalb für Ihre Aufmerksamkeit bis hier her danken und übergebe an Herrn Knop das
  279. Wort

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