Jenseits von Gut und Böse: Ökumene und ihre Bedeutung für Theologie, Kirche und Gesellschaft Universität Göttingen https://www.youtube.com/watch?v=g8lDshYcoLA Transkript (automatisch erstellt) 0:38 sehr geehrte spektabilitäten liebe Kolleginnen und Kollegen liebe Studierende sehr geehrte Gäste aus nah und fern und schließlich 0:48 natürlich sehr geehrte Frau Kollegin wasmut es ist mir eine große Ehre und ausgesprochene Freude Sie und Euch aus Anlass der Antrittsvorlesung von Frau 0:58 warsmut hier im Adam von trottsaal der alten menser begrüßen zu dürfen für unsere Fakultät ist der heutige Tag zumal so früh im neuen Jahr 1:10 ein kleiner Festtag denn eine Antrittsvorlesung ist ein freudiges Ereignis zem wir als Fakultät außerhalb der üblichen 1:19 lehrveranstaltungs und gremienroutine zusammenkommen um eine neue Kollegin in unserer Mitte offiziell willkommen zu heißen und das in der Weise ihr selbst 1:30 das Wort zu überlassen damit sie uns mit ihrem Vortrag zu denken geben und in neue Gespräche verstricken kann so ist es auch für heute angekündigt unter dem 1:39 vielversprechenden Titel jenseits von Gut und Böse ökomene und ihre Bedeutung für Theologie Kirche und Gesellschaft diesem Vortrag will ich 1:48 auch gar nicht unnötig länger als notwendig im Wege stehen dennoch gehört es zu den schönen Pflichten des Dekans zu Beginn einer Antrittsvorlesung die 1:57 neue Kollegin kurz vorzustellen äh wie Sie sehen können habe ich gerade wieder einmal Anlass dankbar zu sein dafür dass es Krankenhäuser gibt in 2:09 denen man Hilfe bekommt wenn man sie braucht heute aber möchte ich dem Krankenhauswesen noch aus einem ganz anderen Grund heraus meinen Dank 2:18 abstatten denn gäbe es für die dort Beschäftigten nicht auch jene weniger guten Seiten von denen wir nur zu häufig hören ausbeuterische Dienstzeiten 2:28 wirtschaftlicher feste Hierarchien starres System dann wäre Frau wasmut nicht zu uns in die Theologie gekommen denn ihr ausgeprägter Berufswunsch 2:39 während der gesamten Schulzeit war die Medizin nicht die Theologie nicht dass Sie nicht schon immer auch ein Interesse an den großen 2:48 Fragen des Denkens und Lebens gehabt hätte auch haben Elternhaus und Schule die Beschäftigung mit diesen Fragen stets 2:56 gefördert doch beruflich wollte sie eben Ärztin werden nicht fahren er ist ein Schnupperpraktikum im Krankenhaus nach 3:05 dem Abitur brachte sie zum Umdenken der spießige Dogmatiker weiß zuweilen wirkt der Herrgott auf merkwürdigen Umwegen jedenfalls muss es 3:17 jenes Praktikum in sich gehabt haben denn danach schrieb sie sich zum Studium der Theologie in Münster ein und hier geriet sie rasch in die 3:28 Fänge der Kirchengeschichte der Patristik sie würde es wohl anders formulieren es waren vor allem die Vorlesungen wolfdieter hauschilds die 3:38 sie faszinierten und fesselten die ihr die weite Welt des antiken Christentums und der alten Kirche aufschlossen ja mehr noch 3:47 Hauschild öffnete ihr den Sinn und den Blick dafür dass es neben dem westlich lateinischen Christentum noch eine ganz andere Welt gibt den übergroßen 3:58 reichen igen Kosmos des östlich griechischen Christentums der orthodoxen Tradition und Kirchen schon von jeher hatte sie ein 4:08 fableel für die russische Literatur und so kam nun zusammen was offenbar bei ihr zusammeng gehört um in der komplexen vielfältigen weiten Welt der Orthodoxie 4:19 gedanklich Fuß fassen zu können um jedenfalls ansatzweise zu einem tieferen Verständnis dieser für uns so fremdartigen geheimnisvollen 4:27 främlichkeitstradition vordringen zu können entschied sie sich dazu sich exemplarisch dafür aber mit Haut und 4:34 Haaren vor allem der russischen Orthodoxie zuzuwenden ihre Geschichte Tradition und Theologie zu studieren als Frau wassmut daher nach 4:43 einigen Semestern von Münster nach Heidelberg wechselte war es nur folgerichtig dass sie neben dem Studium der Theologie auch ein Studium der 4:50 slaistik aufnah um Russisch zu lernen und die orthodoxen Texte im Original lesen zu können 4:58 theologisch fand sie dann in Heidelberg schnell eine neue Heimat denn zeitgleich wechselte Michael Welker aus Münster nach Heidelberg da gab es eine vertraute 5:09 Stimme doch er vermochte es nicht sie aus der Kirchengeschichte abzuwerben Adolf Martin ritther und vor allem Gottfried sebers hielten hart 5:19 dagegen und taten das ihre um die Leidenschaft für die Patristik und das orthodoxe Christentum nicht erlarmen zu lassen vor allem Gottfried Sebas gelang 5:30 es dabei gerade das Interesse an den kulturellen religiösen und theologischen Differenzen zwischen lutherischer Herkunft und Z Laab formuliert 5:39 orthodoxer Faszination zu fördern und lebendig zu halten hier begann sich der ökumenische Geist herauszubilden der Frau wasmuts theologisches lernen lehren 5:50 und Denken seither prägt erstens ein offener neugieriger Blick für die reiche Vielfalt christlicher Tradition und christlich Lebens 6:00 verbunden zweitens mit einem eigenen lutherischen Standpunkt der sich dadurch als solcher besser durchsichtig wird und doch zugleich erkennt wie sehr er 6:10 eingebunden und angewiesen ist auf das Miteinander mit anderen Traditionen und Perspektiven und beides schließlich drittens mündend in die große Erfahrung 6:20 dass das Geheimnis des Göttlichen und die großen Fragen der Theologie umso unbegreiflicher komplexer unfassbarer werden je mehr man sich mit ihnen 6:31 beschäftigt und je tiefer man meint in sie schon eingedrungen zu sein Gottfried Sebas war es dann auch der schließlich den Anstoß gab dass Frau wasmut sich 6:40 ganz dem Fach der ostkirchenkunde zuwandte indem er sie nachexamen einem Studienaufenthalt in stankt petersburg und hannövers schim Vikariat als 6:52 Assistentin zu Karl Christian felmi nach Erlangen im Pfahl dort wurde sie im Jahre 2005 auch promoviert ihre Dissertation trägt den Titel der 7:03 Protestantismus und die russische Theologie zur Rezeption und Kritik des Protestantismus in den Zeitschriften der geistlichen Akademien in der Wende vom 7:13 19 zum 20 Jahrhundert unschwer lässt sich erkennen wie sich hier die Impulse der Heidelberger Jahre weiterentwickelt haben denn sie hat hier 7:24 ein bis dahin gänzlich übersehenes Quellenkorpus erschlossen dass eine intensive faszinierende und überaus differenzierte 7:32 Auseinandersetzung der orthodoxen Theologie mit den Ansätzen Debatten und Strömungen des zeitgenössischen Liberalen Protestantismus zu Tage treten 7:41 ließ und damit nicht nur für Frau warmut Suche nach einer lebendigen den Herausforderung der Moderne zugebrandnten Gestalt Orthodoxie sondern 7:49 darüber hinaus für das ökomenische Gespräch und das wechselseitige miteinander reichliche Anschlussmöglichkeiten 7:57 bot bereits in in die Schlussphase der Promotionszeit platzte dann das Angebot von Heinz Ohme als Koordinatorin und später mitverantwortliche des von ihm 8:07 geplanten DFG geförderten Projekts eines russisch-deutschen theologischen Wörterbuchs nach Berlin zu kommen dessen abschließende Publikation bei deguter 8:18 für diesen Sommer angekündigt ist während dieser Zeit entstand auch die Habilitationsschrift nun wissen wir alle dass es bei Habilitationen formale 8:31 habilitationsväter und Mütter nicht mehr gibt anders als bei der Dissertation soll man ja gerade zeigen dass man selbständig in der Lage ist eine 8:40 Forschungsfrage zu formulieren und eine entsprechende Arbeit zustande zu bringen und doch ist es überaus wichtig dass Mentoren oder Mentorinnen dabei sind die 8:51 ein Interesse am Fortgang der Arbeit zeigen für Gespräche zur Verfügung stehen gelegentlich auch den Schubs geben oder ein Termin setzen damit das 9:01 nächste Kapitel geschrieben wird und das ganze vorangeht eine solche Mentorin hatte Frau warsmut auch es war Dorothea 9:10 Wendeburg die heute wegen des Bahnstreiks leider nur digital dabei sein kann dennoch möchte ich Sie zumal als ehemalige göttingerkollegin hier 9:20 sehr herzlich begrüßen und bei uns willkommen heißen ih reformationsgeschichtlicher Einfluss wenn ich das mal so sagen darf 9:29 ist deutlich erkennbar führt er doch die bisher skizzierte programmatische Linie getreulich fort wir gläuben all an einen Gott das nizeno konstantinopolitanum in 9:40 seiner Bedeutung für Martin Luther und Philipp Melanchton heißt die veröffentliche Fassung der Habilitationsschrift die im vergangenen 9:47 Jahr bei mosiebeck in tübing erschienen ist sie bringt Frau wasmutz besonderes Anliegen und Interesse die Wurzeln der alten Kirche mit den Prägungen der 9:58 reformations Zeit in ostkirchlich ökumenischer Perspektive und Weite zu verknüpfen zu sichtbarem Ausdruck nach einigen wenigen aber 10:08 kirchlich ökumenisch aufregenden lehrreichen und intensiven Jahren als Direktorin des Instituts für ökumenische Forschung in Straßburg ist Frau wasmut 10:17 nun seit dem Wintersemester 2021 22 in der Nachfolge von Martin Tamke Professorin für ökumenische Theologie unter besonderer berüchsichtigung des 10:26 orthodoxen Christentums und seiner globalen Wirkungen in Geschichte und Gegenwart ganz schön langer Titel an unserer Fakultät in 10:34 Götting ihre Anfänge bei uns fielen nicht nur in die Spätphase der coronazeit und standen insofern unter verschärften Bedingungen mehr noch brach 10:45 am Ende ihres ersten Semesters mit dem Überfall der Kriegsverbrecher aus dem Kremmel der ukrainekrieg aus von jetzt auf gleich war Frau wasmut als 10:56 Professorin und Spezialistin für die russische und ukrainische Orthodoxie gefordert wir alle wissen was das heißt wenn man kaum im neuen Amt sogleich ins 11:08 grelle Licht der Tagesaktualität gezerrt und mit dem Gefühl eines Ritz über den Bodensee zu politisch gewichtigen und folgenreichen Problemen souverän und 11:19 sachkundig Stellung beziehen soll Frau wasmut hat sich diese Herausforderung gestellt so wie es ihre Art ist um ichtig und mit Bedacht kundig 11:31 und klug zugleich klar orientierend und hilfreich sie ist damit gleich für unsere Fakultät in die Bresche gesprungen und wir waren außerordentlich 11:42 dankbar dass wir sie hatten und haben mittlerweile ist sie wie es so schön heißt bei uns in Göttingen angekommen und hat ihren Platz in 11:50 Fakultät und Kollegium gefunden bei den Studierenden ist sie überaus beliebt ihre Lehrveranstaltungen treffen auf lebhaftes Interesse 11:59 auch im professorium freuen wir uns Sie als unsere Kollegin zu haben ihr Urteil wird gehört und geschätzt der gegenwärtige Dekan steht ohnehin schon 12:10 in ihrer Schuld da sie ihm bei einigen Dingen bereits aus der Patsche geholfen hat so betrachtet ist es daher fast schon überfällig dass ich Frau wassmut 12:20 nun auch der universitären und akademischen Öffentlichkeit als Göttinger Professorin vorstellt sie wird es tun mit einem Vortrag der wie ich es 12:29 verstanden habe umreist wie sie ihr Fach zukünftig hier in Göttingen aufstehen und vertreten will welche Fragen Impulse und Anliegen ihr wichtig sind und welche 12:38 Forschungsprojekte sie anstoßen möchte daher wäre jedes weitere Wort von mir in dieser Hinsicht eine unnötige Dopplung gleich wohl möchte ich vorweg im Namen 12:49 der Fakultät und im Namen von Frau warsmut Dank sagen zuerst und vor allem an ihre Sekretärin Frau Daniela Barton sie ist als Leiter des Prüfungsamtes 12:59 ohnehin die gute Seele unserer Fakultät aber sie hat mit Engagement und Umsicht gewohnter Freundlichkeit und herausragendem Organisationstalent die 13:08 Vorbereitungen für den heutigen Tag getragen und dafür sei er vielmals und herzlich gedankt der Dank gilt auch den aktuellen 13:16 und ehemaligen Hilfskräften und Mitarbeiterinnen von Frau wasmut Frau ka Klenke und Herrn Leander knob Frau Maria hinsenkamp die erste Doktorandin zu dem 13:27 was ich vorhin auch erst erfahren habe tut mir leid h ich das vorher gewusst hät ich noch mehr draus gemacht ja Frau hinsenkamp und Herrn Martin Stahlberg 13:37 sie alle haben mitgedacht und mitorganisiert sich um die Vorbereitung des anschließenden Buffets gekümmert um die Technik und die Musik verdient 13:44 gemacht und ein letzter Dank geht schließlich an die beiden bewährten Mitarbeiter unserer IT-Abteilung dafür dass wir trotz des leidigen Bahnstreiks 13:53 einige Gäste zumindest per Zoom zuschalten und begrüßen können lieber Herr Engemann lieber Herr scher haben sie dafür vielen Dank so jetzt hat der 14:02 Dekan seine Aufgabe erledigt und kann Platz machen also liebe Frau wasmut sein Sie herzlich bei uns in Göttingen und an unserer Fakultät willkommen wir freuen 14:11 uns auf die gemeinsame Zusammenarbeit und sind gespannt wie sie jetzt die ökomene jenseits von Gut und Böse aufstellen und verorden werden sie haben 14:19 das Wort 14:39 ja lieber Herr Dekan Laube zunächst ganz herzlichen Dank für diese sehr freundliche Vorstellung und gleich eine Bitte an die Techniker mir zu helfen 14:48 denn es funktioniert nicht wie es funktionieren soll genau 15:00 also ich drücke und es geht nicht weiter 15:18 mhm ja nicht ah jetzt also vielen Dank der liebe 15:31 Gäste lassen Sie mich mein Vortrag mit einer persönlichen Erinnerung beginnen aufgewachsen bin ich in einem lutherischen fahrhaus hier gehörte zu 15:44 den besonders prägenden Erfahrung dass mein Vater alle möglichen Situationen mit allen möglichen Sprüchen kommentierte besonders oft griff er 15:56 dabei auf eine Wendung zurück die bei uns in der Familie im Laufe der Zeit zu einem geflügelten Wort werden sollte jenseits von Gut und 16:08 Böse diese Wendung wurde mir also gewissermaßen in die Wiege gelegt erst sehr viel später habe ich entdeckt dass mein Vater der selbst aus einem fahrhaus 16:18 stammte hier munter einen anderen fahrersohn zitiert hatte der ebenfalls zunächst das Theologiestudium aufgenommen sich jedoch philologischen 16:30 und später philosophischen Studien gewidmet hatte Friedrich Nietsche nietzsche hat die Wendung jenseits von Gut und Böse in diversen 16:42 seiner Schriften verwendet sie dann vor allem jedoch zu dem Titel eines kleinen Büchleins gemacht das 1886 im CG Naumann Verlag in Leipzig 16:52 erschienen ist und dass Nietzsche wie zuvor auch schon andere seiner Werke auf eigene Kosten hatte drucken 17:01 lassen bei der Beschäftigung mit diesem Büchlein konnte ich nun nicht nur feststellen dass mein Vater persönlich an sich ein ausgesprochen frommer 17:12 lutherischer Theologe sein Nietzsche offenbar gut kannte denn ich begegnete dort einer Reihe weiterer Zitate mit denen wir groß 17:22 geworden sind die ich hier aber nicht äh wiedergeben werde in den neuen Hauptstücken in die Nietzsche sein Büchlein gegliedert hat 17:33 entdeckte ich viel mehr mit Nietzsche auch einen radikalen Denker der alles auf den Prüfstand zu stellen gewillt war was in der Philosophiegeschichte Rang 17:42 und Namen hatte gleich in der Vorrede zzt Nietzsche so gegen die Philosophie der Dogmatiker in Sonderheit Platos 17:51 Erfindung vom rein Geiste und vom guten an sich und gleich in der Vorrede machtte er auch deutlich dass der Kampf gegen Plato zugleich ein Kampf gegen den 18:01 christlich kirchlichen Druck von Jahrtausenden ist denn das Christentum ist für ihn nur eine niedere Stufe philosophischen Denkens ein sonitche 18:12 Platonismus fürs Volk manche von ihnen werden sich jetzt vielleicht fragen was mich dazu bewogen haben mag meiner heutigen 18:24 Antrittsvorlesung am Lehrstuhl für ökumenische Theologie an Überschrift zu geben die eine Anleihe bei dem Werk eines derart radikalen Denkers 18:36 macht die Antwort liegt nicht in dem was Nietzsche als Philosophie der Zukunft entwirft eine Umwertung aller Werte der ein kaum mehr steigerbarer 18:49 anthropozentrismus zugrunde liegt eine Vergöttlichung des Menschen die zugleich seine erbärmliche Kreatürlichkeit freilegt herrenbegriffe seiner 19:00 Philosophie der Zukunft wie das Leben oder auch der Wille zur Macht bleiben schwer greifbar was singegen deuttig hervortrist ist ein absolut elitäres 19:12 Gesellschaftskonzept die Propagierung einer Herrenmoral in dieser Philosophie der Zukunft hat ökomene keinen Platz im 19:22 Gegenteil ein heutiger Nietzsche hätte vermutlich lustvoll sein Spott über ökumenische Bemühungen ausgegossen er hätte die Versuche ökumenischer 19:33 Verständigung sarkastisch als faule allzu faule Kompromisse tituliert und mit der ihm eigenen sprachlichen Virtuosität die ökumenische Bewegung als 19:44 das letzte Aufbäumen einer Religion beschrieben die sich abstrampelt durch Überwindung innerer Gegensätze weiterhin ihre Relevanz zu 19:56 behaupten nicht das also so die Philosophie der Zukunft war der Anknüpfungspunkt sondern etwas anderes das aus meiner Sicht ganz ein ein ganz 20:06 wesentliches Moment ökumenischer Theologie ausmacht Nietzsche zielt mit seinem Büchlein darauf jede Form von 20:16 antinomischen Denken zu hinterfragen scheinbar unverrückbare naturgegebene Widersprüche nicht einfach hinzunehmen sondern 20:26 Gegensätze aufzubrechen eben dies ist aber auch das Hauptbestreben in der ökomene konfessionelle Antagonismen 20:36 werden hier dezidiert nicht als quasi Naturgesetze der Kirchengeschichte verstanden harte konfessionelle Grenzen nicht als unüberschreitbar 20:47 Begriffen dabei erweist sich bei Nietzsche das jenseits von Gut und Böse nicht wie in der Philosophie des Deutschen 20:55 alismus als ein höheres drittes indem die Antithesen aufgehoben und gewissermaßen beseitigt 21:09 werden bei Nietzsche dürfen die Gegensätze viel mehr bestehen bleiben und sollen am Ende geduldet werden nach anfänglichen idealistischen 21:20 Ansätzen wenn man so möchte in der ökomene darf auch dieses inzwischen als leitmaxine in der ökomene gelten das Ziel ökumenischer Bestrebung liegt weder 21:31 in der Rückkehr der Konfession zu der einen Kirche die meint für sich allein einen apostolischen Ursprung reklamieren zu können noch in der Verschmelzung der 21:40 Konfession zu einer Art organischen Union das Ziel besteht vielmehr in der Duldung konfessioneller Differenz aufgrund der Einsicht in die eigene 21:51 historische Kontingenz als aufgabenbestimmung für die ökumenische Theologie folgt dann aber daraus 22:01 ökumenische Theologie hat Denkräume zu eröffnen in denen jenseits von Gut und Böse neue Möglichkeiten eines konfessionellen Miteinanders ausgelotet 22:11 werden können die dem theologischen Anliegen der jeweiligen Konfession Rechnung tragen ohne konfessionelle Wahrheitsansprüche zu 22:23 verabsolutieren wie solche Denkräume eröffnet werden könen das hat Nietzsche mit Hilfe eines Bildes beschrieben als die Verwandlung des 22:34 Geistes vom Kamel zum Löwen und schließlich zum Kind das Kamel ist danach der geduldige 22:48 Lastenträger der Tradition der Bewahrer der kulturerrungenschaften deren Schätze sorgsam gehütet werden 22:59 müssen das Kamel trägt die kostbare Last dann in die Wüste und wird dort zum reißenden Löwen der die alhwürdigen Gebote und Werte 23:15 zerstört schließlich wandelt sich der Löwe und wird zum Kind Unschuld ist das Kind und vergess ein Neubeginn ein 23:30 Spiel ein Aussich rollendes Rat ein erstes bewegen ein heiliges ja sagen inwiefern ökumenische Theologie an dieser Wandlung des Geistes teilnimmt 23:44 und alles ist ein Kamel ein Löwe und ein Kind das möchte ich Ihnen nun etwas ausführlicher anhand der ökomene und ihrer Bedeutung für die Theologie 23:55 erläutern in Hinblick auf die Bedeutung die die ökomene für Kirche und Gesellschaft haben kann werde ich mich dann aus Zeitgründen etwas kürzer 24:07 fassen und damit komme ich zum ersten Punkt und als erstes zum Kamel zu den wohl eigentümlichsten Erfahrungen in der ökomene gehört die 24:22 Erfahrung in der Öffnung hin zu einer anderen Konfession auf die eigene zurückgeworfen zu werden zu einer ökumenischen Begegnung 24:33 gehört deshalb als wichtige Voraussetzung ein Wissen darum was die eigene Konfession ausmacht worin ihre Tradition besteht was ihre besonderen 24:42 Schätze sind es scheint mir deshalb eine besondere Gunst zu sein mit dem eigenen Fach jetzt gerade in Göttingen verortet zu sein wo die Erforschung lutherischer 24:56 konfessionskultur nicht nur an der Theologischen Fakultät eine besondere Rolle spielt sondern wo sich an der Universität ein Kreis von Vertretern und 25:06 Vertreterin sehr unterschiedlicher Fächer zusammengefunden hat die sich gezielt dem Thema lutherischer konfessionskultur widmen es 25:16 interdisziplinär und damit sehr viel umfassender und grundlegender als bisher erschließen wollen angesichts globaler Debatten die 25:27 gegenwärtig über lutherische Identität oder lutherische Identitäten geführt werden kann aus ökumenischer Perspektive die Bedeutung eines solchen 25:35 Forschungsprojektes gar nicht genug unterstrichen werden es bedarf unbedingt eines solchen Projekts um diese Debatten historisch zu 25:46 erden wie also ökumenische Begegnung ein Wissen um die eigene Konfession voraussetzen so bedarf es eines entsprechenden Wissens bezüglich anderer 25:56 Konfessionen ein Erkenntnis von deren Traditionen und schätzen wenn es nicht bei einer oberflächlichen Begegnung bleiben 26:04 soll die ökumenische Begegnung lenkt den Blick also auf die konfessionskunde solide wissenschaftliche Kenntnisse speziell 26:16 des orthodoxen Christentums liefert nun ein Fach für das sich bislang keine einheitliche Bezeichnung eingewürgert hat als Oberbegriff vielleicht am ehsten 26:26 noch der Begriff der ostkirchenkunde ein Fach das in den letzten drei Jahrzehnten über die Maßen von rigurosen kürzungs bis hin zu 26:35 kompletten Einsparmaßnahmen betroffen gewesen ist von Fachvertretern wurde die Lage als so bedrohlich 26:45 empfunden dass sogar eine eigene Gesellschaft zum Studium des christlichen Ostens gegründet worden ist die sich seither engagiert für die 26:54 Belange des Faches einsetzt vor diesem Hintergrund ist es alles andere als selbstverständlich dass sich die 27:02 Theologische Fakultät in Göttingen für den Erhalt einer Professur mit Schwerpunkt auf derforschung des orthodoxen Christentums entschieden hat 27:12 sie gehört damit zu den ganz wenigen Fakultäten im deutschsprachigen Bereich die sich dem allgemeinen Sparzwang nicht gebeugt 27:22 haben dabei hat dieses Fach viel zu bieten mein im vergangenen Jahr verstorbener Doktorvater Karl Christian felmi ehemals Professor für Geschichte 27:34 und Theologie des christlichen Ostens in erlang hat in einem Vortrag unter dem etwas altertümlich klingenden Titel warum und zu welch Bufe treiben wir 27:47 ostkirchenkunde die wichtigsten Punkte benannt ich will das an dieser Stelle nicht wiederholen sie finden den Titel ganz leicht im Internet ich möchte hier 27:59 nur hervorheben für diejenigen die sich auf die ostkirchenkunde einlassen für die bietet sich eine weit verzweigte üppige Forschungslandschaft da hier sind 28:11 buchstäblich alle theologischen Disziplinen vertreten exigetische historische systematische praktisch theologische auch eine 28:20 Vielfalt an anderen wissenschaftlichen Disziplinen etwa die Religionswissenschaft diverse Philologien für bedeutende Leistung auf 28:32 dem Gebiet der ostkirchenkunde steht insbesondere auch der Lehrstuhl hier in Göttingen der mit dem Schwerpunkt auf dem orientalischen Christentum mit 28:43 herausragenden ostkirchenkundland besetzt war zu ihnen gehört auch mein unmittelbarer Vorgänger Martin kampke der die Theologische Fakultät Götting 28:56 noch in den entlegen weltwinkeln bekannt gemacht und hier an der Fakultät um nur eines seiner vielen Projekte zu nennen den für die Fakultät 29:07 in seiner Bedeutung kaum zu überschätzenden Masterstudiengang intercultural theology begründet und maßgeblich geprägt 29:17 hat wenn ich mir selbst manches Mal auch wie der sprichwörtliche Zwerg auf den Schultern von Riesen vorkomme ich sennoch als meine vorderste 29:29 Aufgabe an die reiche Tradition dieses Faches vorzuführen und G Götting als Zentrum ostkirchenkundlicher Forschung und Lehre 29:39 weiter auszubauen mein eigener Forschungsschwerpunkt wird dabei auf dem 29:46 liegen was das wurde gerade schon erwähnt unter der Leitung von Heinz ohe an der Humbold Universität zu Berlin vor vielen Jahren begonnen wurde eine 29:57 wissenschaftlich bislang noch ausstehende sehr ergiebige nicht selten jedoch auch aufopferungsvolle philologische 30:08 kernerarbeit deren Ergebnisse werden bei gräuter demnächst in einem ersten Band in einem ersten Band unter dem Titel russisch-deutsches theologisches 30:19 Wörterbuch erscheinen mit der arbeitung des zweiten Bandes der deutsch-russischen Entsprechung haben wir 30:30 begonnen soweit zum Kamel kommen wir zum Löwen auf ihn möchte ich nur kurz gewissermaßen auf dem Sprung eingehen da 30:42 implizit bereits mitverhandelt wurde in der Art wie wir an theologischen Fakultäten historisch Arbeiten steckt im Camelia immer schon 30:51 der Löwe geht es ja nie um eine unkritische Traditionspflege an dieser Stelle sei deshalb 30:59 herausgestellt dass eben dies auch für verschiedene Forschungsstätten orthodoxer Theologie weltweit gilt an denen selbstverständlich historisch 31:10 kritisch gearbeitet wird und die sich als ausgesprochen offen gegenüber modernen Fragestellungen zeigen 31:19 etwa die Wallers Academy in Griechenland oder das orthodox Christian study Center in 31:30 den USA wichtig auch die international orthodox theological 31:39 Association ein internationaler Zusammenschluss akademisch orthodoxer Wissenschaftler und Wissenschaftlerin hier ein Bild eine Aufnahme von dem 31:51 letzten Treffen das von manchen orthodoxen Kreisen selbst kolportierte Bild einer sich gegenüber jeglichen Neuerung 32:01 sperrenden die Tradition unverändert weitergebenden Orthodoxie trifft für die orthodoxe Theologie deshalb in ihrer bite so gewiss nicht 32:13 zu wenn aber nun der ökumenischen Theologie die hier in Götting mit guten Gründen der Kirchengeschichte zugeordnet ist an historischen Differenzierung 32:24 gelegen ist und wenn sie es als ihre Aufgabe versteht Anwälten einer Pluralität von Ansätzen zu sein so will und muss sie und damit komme ich zum 32:35 Kind als ökumenische Theologie zugleich die gesamte Theologie in den Blick nehmen und nach dem gemeinsamen in der Vielfalt ihrer verschiedenen Disziplinen 32:48 Fragen man könnte anders auch sagen das fachspezifische Interesse ökumenischer Theologie besteht gerade darin Fächer übergreifend zu sein 32:59 ökumenische Theologie versteht sich als eine Art theologischer integrationswissenschaft für die Theologie und ihre Disziplinen bedeutet 33:10 das das mit der ökomenischen Theologie ein Fach zur Verfügung steht dem Interdisziplinarität eingeschrieben ist dem der innertheologischer Austausch 33:22 ein eigenes Anliegen ist wie zurzeit hier an der fak im gemeinsamen Nachdenken über kultustheologien in Zeiten des Umbruches 33:32 geschieht oder man könnte anders auch sagen indem die hiesige Fakultät sich dazu entschieden hat die ökumenische Theologie in Gestalt einer eigenen 33:44 Professur vorzuführen hat sie der Überzeugung eine institutionelle Form gegeben dass die Theologie mehr als die Summe ihrer 33:54 einzelnen Fächer ist meine Aufgabe an der Fakultät sehe ich deshalb auch darin mit einer gewissen 34:03 beharlichkeit nachdem zu fragen was uns als theologische Fakultät gewissermaßen im Innersten 34:13 zusammenhält den Blick auf das Ganze noch über die eigene Konfession hinaus zuu Wagen ein solches Spiel ein solches aus sich rollendes Rat erstes bewegen 34:26 und heiliges ja sagen findet nun seit einigen Jahren in Form von ökumenischen Dialogen statt vor dem Hintergrund einer kaum mehr zu 34:37 überblickenden innerchristlichen Zersplitterung wird hier um ein gemeinsames Verständnis des christlichen glaubensgrung um ein die 34:45 unterschiedlichen Konfessionen übergreifendes Verständnis von christlicher Einheit Ausdruck dieses Ringens sind 34:55 eine Vielzahl von Dialog Dokumenten wie wir sie in nun mehr fünf voluminösen Bänden unter dem zuversichtlich klingenden Titel Dokumente wachsender 35:08 Übereinstimmung gedruckt vorliegen [Musik] haben die hier publizierten Dokumente weichen stark voneinander ab in Umfang 35:21 Diktion auch theologischenem Ertrag interessant und lehrreich sind sie jedoch allemal weshalb ein weiteres Projekt am Lehrstuhl darauf zielt diese 35:32 Dokumente digital verfügbar zu machen und sie genauer in der ökomenischen Bewegung zu verordnen auf diese Weise soll mit dem 35:43 Projekt einer ökomene in Geschichte und Gegenwart wie wir dies Projekt jetzt einmal genannt haben und das dank meiner emsigen 35:52 Mitarbeiterschaft mittlerweile zu einem Ganzen ökomenekompus äh herangewachsen ist also über dieses Projekt soll eine Plattform geschaffen werden die 36:02 wissenschaftlich fundierte Information zu ökomä leicht zugänglich macht und das leitet bereits über zum zweiten Punkt 36:16 ökomene und ihre Bedeutung für die Kirche es sind drei Hinsichten unter denen ich die kirchliche Bedeutung des Faches kurz erläutern 36:28 möchte es gehört zunächst zu dem ureigensten Interesse des Faches selbst wichtige Informationen zu einzelnen Konfessionen wie auch der ökumenischen 36:39 Bewegung insgesamt gezielt für kirchliche Funktionsträger bereitzustellen diese kirchliche abzweckung erinnert nicht zufällig an 36:49 Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher und seine Konzeption von theolog als Wissenschaft denn es war 36:59 Schleiermacher der der konfessionskunde in ihrer heutigen Gestalt den Weg bereitet hat im Unterschied zur sogenannten isagogik die die 37:08 bekenntchriften in den Mittelpunkt stellte und zur sogenannten Polemik die ihren Fokus auf die konfessionellen Streitpunkte legte im Unterschied dazu 37:19 forderte er als ein neues Fach die sogenannte Statistik ihr wies er die Aufgabe zu die Entwicklung die kirchliche Verfassung und die äußeren 37:29 Verhältnisse der Kirche im gesamten Gebiet der Christenheit in den Blick zu nehmen Kenntnisse auf diesem Gebiet waren dabei für ihn für Schleiermacher 37:39 eine Zitat unerlässliche Forderung an jeden evangelischen Theologen und so hat er es was vielleicht nicht bekannt ist auch selbst übernommen Vorlesung zur 37:49 Statistik zu halten und sich dabei eingehend auch mit der morgenländischen Kirche befasst was Schleiermacher nun damals gefordert 38:00 hat scheint heute notweniger denn je in einer gesellschaftlichen Situation die stark von Migration geprägt ist und in der das orthodoxe Christentum mit 38:11 geschätzten 2 Millionen Gläubigen die drittgrößte christliche Konfession in Deutschland 38:21 darstellt von den Kirchen werden zweitens nach wie vor Dialoge geführt auf nationaler wie auch auf internationaler 38:34 Ebene und hier ein Bild von der jüngsten beweg Bewegung auch aber auch Begegnung im Rahmen des internationalen Dialoges des lutherischen Weltbundes mit 38:45 Vertretern der orthodoxen Kirchen in diesem Zusammenhang also im Zusammenhang der der Dialoge ist es für die Kirchen nützlich wenn vertret oder 38:57 Vertreterin des Faches zur Verfügung stehen die dann ihre Expertise in die direkte ökumenische Begegnung einbringen können lebendige Eindrücke von 39:07 dialogbegegnung bereichern umgekehrt die Lehre wie auch die Forschung und Vermögen jedenfalls mein Eindruck die Lust zu wecken selbst an solchen 39:18 Begegnungen teilzunehmen und deswegen habe ich hier einige Impressionen von Begegnung die in den letzten Semestern hier in der von Götting stattgefunden 39:29 haben eine Begegnung mit der armenischapostolischen Kirche in Braunschweig eine Begegnung mit der ukrainischorthodoxen Kirche in 39:46 Hannover und jüngst eine Begegnung mit der syrisch-orthodoxen Kirche in wburg 39:59 drittens und schließlich ist in der ökumenischen Theologie das Thema der Ekklesiologie zentral Fragen also die die Kirche selbst betreffen Ihren 40:09 Auftrag in der Welt ihre Gestalt ökumenische Theologie nimmt hier die Aufgabe war unterschiedliche eklesiologische Konzeptionen daraufin zu 40:18 prüfen in wie weit sie Einheit befördern oder aber verhindern wenn nicht unmöglich machen und das betrifft nicht nur ausgearbeitete eklesiologie in 40:29 herkömmlicher Konfession sondern auch das diffuse erst im Ansatz erforschte Feld des neocharismatischen Christentums ökumenische Theologie kann dies als 40:41 ökumenische Theologie in großer Freiheit tun unabhängig von konfessionellen Bindung und kann gerade auf diese Weise jenseits von Gut und Böse Ideen 40:52 entwickeln wie die Kirchen als Kirchen besser zueinander finden und gemeinsam gegenüber aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen 41:03 bestehen und damit ist auch schon das Stichwort für den dritten Punkt genannt komene und ihre Bedeutung für die Gesellschaft 41:17 ökumenische Theologie ist im Kern friedenstheologie und gerade darin besteht ihr gesellschaftlicher Auftrag bereits von ihren Anfängen her 41:28 war die ökumenische Bewegung eine Friedensbewegung Zeugnis geben davon wichtige Stellungnahmen wie etwa die vom ökumenischen Patriarchat 1920 41:38 veröffentlichte Enzyklika unto the churches of Christ everywhere an die Kirchen Christi überall in der vor dem Hintergrund der traumatischen Erfahrung 41:49 des Ersten Weltkrieges nach dem Vorbild des eben gegründeten Völkerbundes zu einem Bund derir aufgerufen wird der die Kirchen befähigt nun ihrerseits ein 42:01 Beitrag zur weltweiten Versöhnung zu leisten Zeugnis davon gibt aber auch das Wirken herausragender ökumenischer Persönlichkeiten zu denen ganz 42:13 eindrucksvolle gestalten gehören wie etwa der zunächst als Religionswissenschaftler hervorgetretene spätere lutherische 42:23 Erzbischof von obsala und Träger des Friedensnobelpreises Nathan süderblum bereits während des Ersten Weltkrieges hatte söderblum 42:38 friedensappelle initiiert for peace and Christian fellowship bald nach dem Kriegsende erschien dann eine Schrift die seit kurzem sie sehen sich hier in 42:50 einer sehr feinen Edition in der Reihe große Texte der Christenheit vorliegt in der söderblum den ökumenischen Einheitsgedanken als 43:00 Friedenspflicht der Kirchen brustabiert wir kennen wir uns nicht alle zu der einen katholischen Kirche so seine rhetorische 43:10 Frage stattdessen jedoch hätten sich während des Krieges Christen und Diener der Kirche in den einzelnen Ländern auf eine Weise an der nationalen 43:20 selbstanbetung beteiligt die wir am liebsten aus den Blättern der Geschichte tilgen würden und deshalb seine Forderung an die 43:29 Kirchen in aller Welt die universale Aufgabe des Christentums anzugehen von der wir so söderblum in jeder christmte lesen bei den Propheten die Aufrichtung 43:41 des Weltfriedens durch Recht und Gerechtigkeit die Bedeutung einer friedenstheologie steht uns gegenwärtig 43:51 aus bekannten Gründen allen vor Augen in der ökumenischen ie sind wir jetzt neu herausgefordert uns dieses in den letzten Jahrzehnten weithin 44:01 vernachlässigten Themas anzunehmen das ist gerade hier zur Überschneidung meiner beiden Forschungsbereiche ökumenische Theologie und 44:11 ostkirchenkunde kommen würde das hätte ich zum Zeitpunkt meiner Berufung im Jahre 2021 nicht für möglich gehalten dass also Russland seine 44:21 Kampfhandlung im Osten der Ukraine zu einem Krieg in der Ukraine insgesamt aus würde das habe ich wie auch so viele andere nicht kommen 44:31 sehen zwar gab es Anzeichen die bereits auf eine solche Entwicklung hindeuteten etwa das verbreitete nationale Patos verbunden mit einer Tendenz zur 44:42 Militarisierung der russischen Gesellschaft auch manche Einlassungen des moskaupatriarchats hätten aufmerken lassen 44:51 sollen aber dass die mit einem starken antiwestlichen rentiment verbundene Rhetorik eines Kampfes der Kulturen in die Realität militärischer 45:03 Kriegshandlung umschlagen würde die das völkerrcht schlicht ignorieren das kam dann doch unerwartet und daraus folgt für mein 45:13 Fach das folgende erstens die Geschichte der Kirchen in Russland und der Ukraine muss neu geschrieben werden zu den immer 45:24 wiederkehrenden Begründung und Legitimierung des Krieges in der Ukraine gehört auf russischer Seite der Verweis darauf dass die Ukraine historisch und 45:33 kulturell keine Eigenständigkeit besitzt dass sie quasi ein Teil Russlands ist diese großrussische Perspektive dominiert bis heute nicht nur aktuelle 45:45 Debatten wie etwa darüber ob die ukrainische Volksrepublik die von 1917 bis 1920 bestand und deren Grenzen sie s hier sehen 45:58 können ob diese Volksrepublik ein souveräner Staat war der russische Präsident bestreitet dies viel mehr sind auch kirchengeschichtliche 46:09 Veröffentlichung nicht frei von dieser großrussischen Perspektive etwa der an sich wichtige Quellenband von mir oft genutzte Quellenband im übrigen die 46:21 orthodoxe Kirche in Russland Dokumente ihrer Geschichte hier ist deshalb ein Perspektivwechsel verlangt das sorgfältige bemühen die historische 46:31 Überlieferung möglichst unverstellt jenseits ideologischer Vereinnahmung in den Blick zu nehmen zweitens die kirchliche Situation 46:43 in beiden Ländern ist aufmerksam zu verfolgen wobei die Solidarität mit den Opfern des Angriffskrieges nicht dazu führen darf dass übersehen wird was es 46:54 an bedenklich Entwicklung möglicherweise auch in der Ukraine gibt so wirft etwa der jüngste Länderbericht von Missio und Renovabis der gemeinsam von der 47:07 katholischen Theologin Regina Elsner aus Münster und der religionswissenschaftlerin Irina fenno aus Kiev verfasst worden ist dieser 47:16 Bericht wenn man ihn liest wirft einmal mehr die Frage auf ob in der Ukraine das Recht auf Religionsfreiheit gegenwärtig gewahrt wird oder ob nicht im Zeichen 47:28 einer stark aufgeheizten nationalen Stimmung Politik auf Kosten jener Kirche gemacht wird die ehemals mit dem Moskauer Patriarchat verbunden 47:39 war sehr dankbar bin ich deshalb dass mein Kollege aus Kiev Professor Dr Sergi bordnik es möglich machen konnte in dieser Woche an der 47:51 Fakultät zu sein er ist auch hier unter uns und uns von den aktuellen kirchlichen Entwicklung zu berichten drittens es sind neue Wege des 48:02 Kontakts mit dem Moskau patrechat zu finden das ist sicherlich der schwierigste Punkt aber er scheint mir unerlässlich und zwar auf folgendem 48:13 Grund das Moskauer Patriarchat darf nicht allein denjenigen überlassen werden die es offiziell repräsentieren und die zurzeit ihre Macht etwa dazu 48:23 nutzen Priester zu S ieren bisin zur Entlassung aus dem Amt weil sie sich für den Frieden einsetzen es gibt mittlerweile wieder 48:35 desidenten der russischorthodoxen Kirche und gerade für diejenigen die wie ich seit vielen Jahren mit dieser Kirche verbunden sind sehe ich es als 48:44 Verpflichtung an ihre Stimmen zu hören und zur Geltung zu bringen deshalb ich auch sehr dankbar bin dass sie lieber Vater andre heute unter uns 48:59 sind ich komme zum Schluss verehrte Liebe gästste nachdem ich Ihnen von der vielschichtigen Bedeutung des Faches einen Eindruck zu Mitteln versucht habe 49:11 zu vermitteln versucht habe möchte ich am Schluss wenigstens noch erwähnen was die omene für mich über die skizzierten 49:20 inhaltlichen Fragen hinaus so faszinierend macht es sind die persönlichen Begegnungen die Freundschaften die 49:28 daraus mit der Zeit entstanden sind und für die ich sehr dankbar bin davon mehr zu erzählen das ist hier sicherlich nicht 49:39 im Rahmen einer akademischen Antrittsrede der rechte Ort meine studentische Hilfskraft herleander Knop hat jedoch etwas vorbereitet das in 49:49 diese Richtung geht ich möchte Ihnen deshalb für Ihre Aufmerksamkeit bis hier her danken und übergebe an Herrn Knop das 50:14 Wort