Zum Inhalt springen
L

Das Video kommt von YouTube: erst beim Abspielen verbindet sich die Seite mit YouTube (Google).

Jeremy Bentham: Klassischer Utilitarismus einfach erklärt!

Samuel Jalalian8:58 77.469 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 57 Zeilen
Herunterladen
  1. In diesem Video werde ich euch den klassischen Utilitarismus vorstellen, der auf Jeremy Bentham zurückgeht. Falls du neu auf dem Kanal bist und dich für Philosophie interessierst,
  2. lass gerne ein Abo da und aktiviere die Glocke. Auf diese Weise verpasst du kein Video mehr. Jetzt wünsche ich dir viel Spaß mit dem Utilitarismus von Jeremy Bentham. Jeremy
  3. Bentham war ein Philosoph und Jurist des 18. und 19. Jahrhunderts und gilt als der Begründer des klassischen Utilitarismus, um den es in diesem Video gehen soll. Zuerst werde ich euch jetzt den
  4. Utilitarismus nach Bentham erklären und danach werden wir uns einige Beispiele ansehen und ein paar Kritikpunkte besprechen. Legen wir los. Der Utilitarismus von Bentham basiert auf vier
  5. grundlegenden Prinzipien. Erstens: Handlungen sollen aufgrund ihrer Folgen beurteilt werden. Dieses Prinzip heißt „Konsequenzprinzip“. Weil im Utilitarismus die Richtigkeit oder Falschheit
  6. einer Handlung allein von ihren Folgen abhängt, nennt man ihn auch eine „Folgenethik“ oder eine „teleologische Ethik“. „Teleologisch“ kommt vom griechischen Wort „Telos“ und bedeutet
  7. so viel wie „Zweck“ oder „Ziel“. Kommen wir zum zweiten Prinzip. Es heißt „Utilitätsprinzip“. Das „Utilitätsprinzip“ besagt, dass die Richtigkeit oder Falschheit einer Handlung danach bewertet
  8. werden soll, welchen Nutzen Sie erbringt. Direkt im Anschluss daran kommt das dritte Prinzip, und zwar das „universalistische Prinzip“ auch „Sozialprinzip“ genannt. Es besagt,
  9. dass der größte Nutzen für alle Betroffenen erreicht werden soll. Aus diesen drei Prinzipien können wir jetzt folgern, dass eine Handlung dann richtig ist, wenn sie die größtmögliche
  10. Summe an Nutzen für alle Betroffenen erbringt. Hier steckt einmal das Konsequenzprinzip drin, weil die Folgen der Handlungen, also der erbrachte Nutzen, betrachtet wird. Außerdem steckt in dieser
  11. Formel das Utilitätsprinzip, weil gesagt wird, dass die Richtigkeit einer Handlung davon abhängt, welchen Nutzen sie erbringt. Zuletzt steckt hier das universalistische Prinzip drin,
  12. weil der größte Nutzen für alle Betroffenen angestrebt wird. Jetzt kann man sich berechtigterweise wundern und fragen, worin denn eigentlich dieser Nutzen bestehen soll. Und das
  13. beantwortet das letzte Prinzip, das sogenannte „hedonistische Prinzip“. Und zwar gibt es laut Bentham zwei große Konstanten, welche menschliche Handlungen bestimmen. Das sind erstens das Streben
  14. nach Lust und dann zweitens das Vermeiden von Leid. Laut Bentham versucht ein Mensch immer Leid zu vermeiden und Lust und Glück zu maximieren. Das Ziel einer jeden Handlung ist also die Maximierung
  15. von Lust und die Minimierung von Leid. Das ist das so genannte „hedonistische Prinzip“. Wir können jetzt unsere utilitaristische Formel ergänzen: und zwar ist eine Handlung dann richtig, wenn
  16. sich die Summe des Wohlergehens aller Betroffenen maximiert. Oder anders gesagt: mit jeder Handlung soll die größtmögliche Summe von Glück für alle Betroffenen erreicht werden. Machen wir jetzt ein
  17. Gedankenspiel: Stellt euch einmal vor, ihr seid am Bahnhof. Der Bahnhof ist aber nicht in Betrieb und eigentlich sollten keine Züge kommen. Auf dem Hauptgleis befindet sich eine fünfköpfige Familie,
  18. bestehend aus Mutter, Vater und drei kleinen Kindern. Auf dem Nebengleis steht ein Bauarbeiter, der Reparaturen durchführt. Auf einmal hört ihr einen Zug anrasen. Dieser Zug ist zu schnell,
  19. als das noch jemand vom Gleis wegkommen könnte. Ihr wisst ganz genau, dass der Zug in wenigen Momenten die gesamte Familie überfahren würde, die gerade auf dem Hauptgleis steht. Vor euch
  20. ist jedoch ein Hebel, mit dem ihr die Weichen umstellen könntet, also den Zug auf das Nebengleis lenken könntet, und damit den Bauarbeiter umfahrt. Ihr fragt euch jetzt natürlich,
  21. was ihr tun solltet. Sollt ihr den Hebel umstellen und damit den Bauarbeiter sterben lassen und die Familie retten oder sollt ihr nichts machen, die Familie sterben lassen und dadurch den Bauarbeiter
  22. retten? In der Not der Situation erinnert ihr euch natürlich an die utilitaristische Formel, die ihr im WissensDurst-Video gelernt habt. Eine Handlung ist dann richtig,
  23. wenn sie die größtmögliche Summe an Glück für alle Betroffenen erreicht. Ihr fragt euch also, was in dieser Situation die Handlung ist, die eben das erreicht. Hierfür führt ihr
  24. eine bestimmte Kosten-Nutzen-Rechnung durch. Das so genannte „hedonistische Kalkül“. Mit dem hedonistischen Kalkül überprüft ihr, welche Handlung die beste Lust-Schmerz-Bilanz erbringt,
  25. also bei welcher Handlung langfristig am meisten Lust und am wenigsten Schmerz zu erwarten ist. Ihr denkt euch, wenn wir die fünfköpfige Familie rettet und den Bauarbeiter sterben lasst, so
  26. rettet ihr viel mehr Menschen, die Lust empfinden können. Insgesamt generiert ihr also mehr Lust, wenn ihr den Bauarbeiter opfert. Weil ihr versucht, die größtmögliche Summe von Glück
  27. für alle Betroffenen zu erreichen, entscheidet ihr euch also deshalb, die Familie zu retten. Ob diese Handlung letztendlich richtig oder falsch war, hängt im Utilitarismus
  28. von ihren Folgen ab. Es kann in unserem Fall passieren, dass sich hinterher herausstellt, dass wir falsch gehandelt haben. Es könnte nämlich sein, dass der Bauarbeiter einige Jahre später aus
  29. Zufall eine tolle Entdeckung gemacht hätte, die der Menschheit extrem viel Glück erbracht hätte und dass das hedonistische Kalkül deshalb eigentlich auf der Seite des Bauarbeiters gelegen
  30. wäre. Weil wir Menschen nicht in die Zukunft schauen können, müssen wir immer abschätzen, welche Handlung die größte Summe an Glück für alle Betroffenen erbringt. Diese Schätzung können wir
  31. jedoch nie mit 100 %iger Sicherheit abgeben. Hier besteht also ein praktisches Problem in der Anwendung von Benthams Utilitarismus. Es ist für uns Menschen einfach schwierig zu beurteilen,
  32. wie die Folgen einer Handlung konkret aussehen werden. Das Einzige, was wir tun können, ist zu versuchen, alle Aspekte einer Situation so gut wir können abzuwiegen und dann zu entscheiden.
  33. Dass die Folgen dann letztendlich den Nutzen maximieren, ist nie garantiert. Das ist aber ein praktisches Problem und heißt erstmal überhaupt nicht, dass die Theorie falsch ist. Also nur,
  34. weil wir Menschen zu inkompetent sind, die Folgen richtig abzuschätzen, muss das nicht heißen, dass die richtige Handlung nicht doch die ist, die den Nutzen maximiert. Es gibt jetzt einige
  35. Gedankenbeispiele, die versuchen den Utilitarismus zu widerlegen. Und zwar versuchen diese Beispiele zu zeigen, dass wenn man nur auf die Folgen und den Nutzen von Handlungen schaut, dass man dann
  36. Handlungen auswählen muss, die man eigentlich als unmoralisch empfindet. Betrachten wir dafür einmal folgendes Beispiel: Ein völlig gesunder Patient kommt zu einer Untersuchung. In ein Krankenhaus.
  37. Für diese Untersuchung muss der Patient aber in Narkose gelegt werden. Im Krankenhaus liegen außerdem noch fünf weitere Patienten. Bei jedem dieser fünf Patienten macht ein anderes Organ
  38. Probleme. Beim einen das Herz, beim anderen die Nieren, beim nächsten die Leber und so weiter. Ihr seid der Arzt und ihr wisst genau, dass die fünf Patienten heute noch sterben werden,
  39. wenn sie kein Spenderorgan bekommen. Vor euch liegt jetzt der narkotisierte Patient, der eigentlich nur zur Routineuntersuchung gekommen ist. Ihr habt jetzt zwei Möglichkeiten:
  40. A) Ihr untersucht den Patienten, schickt ihn wieder heim, lasst aber die fünf Patienten sterben. B) Ihr operiert dem narkotisierten Patienten alle Organe raus, die ihr braucht,
  41. um die fünf anderen zu retten. Das hat zur Folge, dass der Patient, der eigentlich zur völlig harmlosen Routineuntersuchung gekommen ist, sterben muss. Dafür könnt ihr aber die fünf
  42. anderen Patienten retten. Utilitarismus-Gegner argumentieren jetzt, dass man ja Handlung B wählen muss, weil das die größte Summe vom Glück für alle Betroffenen bedeuten würde. Man könnte hier wieder
  43. argumentieren, okay, ich rette mehr Menschen, diese Menschen haben insgesamt mehr Lebensjahre in Summe als der eine Mensch und deswegen können sie potentiell mehr Lust empfinden, also die
  44. Schmerz-Lust-Bilanz wäre auf der Seite von B. Und wenn der Utilitarismus also solche Handlungen für richtig befindet, dann ist er einfach keine gute ethische Theorie, weil wir solche
  45. Handlungen als unmoralisch empfinden. Man kann dem Utilitarismus dagegen aber auch verteidigen. Man könnte beispielsweise sagen, dass tatsächlich A die Option ist, die die größere Summe von Glück
  46. für alle Betroffenen bedeuten würde, weil wenn wir einen Patienten einfach so opfern würden, der nur zur Routine Untersuchung gekommen ist, würde sich ja niemand mehr trauen ins Krankenhaus
  47. für solche Untersuchungen zu kommen und dadurch würden letztendlich viel mehr Leute viel mehr Leid empfinden, als wenn wir die fünf Patienten sterben lassen. Das würde also dazu führen,
  48. dass Handlung B tatsächlich nach dem Utilitarismus weniger erstrebenswert wäre als Handlung A. Solche Beispiel sind immer Streitfälle, die sich eben daran aufhängen, dass man nie so konkret sagen
  49. kann, was tatsächlich die Handlung sein wird, die die größte Lust erbringt. Ein anderer Kritikpunkt, den man Bentham entgegenwerfen kann, ist, dass sein Lustbegriff zu eingeschränkt ist. Bentham
  50. geht von einem rein quantitativen Lustbegriff aus. Das heißt, dass in seinem hedonistischen Kalkül nur quantitative Aspekte von Lust berücksichtigt werden, wie zum Beispiel die Dauer der Lust,
  51. die Intensität der Lust und so weiter. Es geht also immer nur um die Frage, wie viel Lust und wie wenig Leid eine Handlung hervorbringt. Qualitative Aspekte von Lust fallen dabei völlig raus. Man
  52. könnte ja dafür argumentieren, dass manche Lüste einfach eine höhere Qualität haben als andere Lüste. Vergleichen wir einmal folgende zwei Lüste miteinander. Einmal A) die Lust, die Liebe seines
  53. Lebens zu finden. Und dann noch B) Ein warmes Bad nehmen. Bentham würde wahrscheinlich sagen, dass B weniger Lust erbringt als A. Wenn man aber von einem reinen quantitativen
  54. Lust Begriff ausgeht wie Bentham, muss man davon ausgehen, dass wenn man nur oft genug warm badet, dass man dann die Lust von A ausgleichen kann. Ob so eine rein quantitativer Lustbegriff wirklich
  55. plausibel ist, bietet Stoff für Diskussionen. Man könnte an Benthams Lust Begriff auch kritisieren, dass gar nicht mal so klar ist, ob die Lustgefühle zwischen verschiedenen Personen vergleichbar sind.
  56. Es könnte ja zum Beispiel sein, dass eine Person Lustgefühle viel stärker empfindet als eine andere Person. Wenn ihr euch für eine alternative Konzeption des Utilitarismus interessiert, kann
  57. ich euch mein Video zu John Stuart Mill empfehlen. Ich wünsche euch viel Spaß damit. Bis gleich.

Zum Nachlesen