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Deutschlands Schulden wachsen rasant: Was bedeutet das für jeden von uns? | Wirtschaft erklärt
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 56 Zeilen
- Deutschland macht Schulden und zwar richtig viele. [musik] Aktuell rund 2,8 Billionen Euro, das ist eine Zahl mit 13 Stellen. Umgerechnet
- sind das mehr als 33 000 € für jeden von uns. Als wä man nicht schon am Arsch. Da muss man noch die Staatsschulden mit
- abknechten. Bald wird es noch mehr sein. Für nächstes Jahr sind schon rund 204 Milliarden neue Schulden geplant. Bis
- 2030 könnte noch mal knapp 1 Billion Euro dazu kommen, also 1000 Milliarden zusätzlich. Dabei war Deutschland doch mal so stolz
- auf die schwarze Null und einen ausgeglichenen Haushalt. Ich bin Valerie Haller, berichte für das ZF über Wirtschaft und will klären, was
- bedeuten die neuen XXL Schulden für jeden von uns? Gibt es eigentlich gute und schlechte Schulden und bei wem stehen wir überhaupt in der Kreide?
- Aber wie sind wir bloß hier gelandet? [musik] Schauen wir auf die Schuldenentwicklung der Bundesrepublik.
- Hier ist ein [musik] erster starker Anstieg, die Wiedervereinigung. Dann der nächste große Sprung, die Finanzkrise 2008. [musik]
- Doch dann passiert etwas Überraschendes. Die Schulden gehen sogar zurück. [musik] Ein Grund dafür: 2009 wurde in Deutschland eine sogenannte
- Schuldenbremse beschlossen, aber ab 2020 dreht der Trend erneut. Unsere Verschuldung steigt Rapide an. Corona, die Energiekrise und der Ukrainekrieg
- [musik] und kein Ende in Sicht. Im Gegenteil, 2025 [musik] verkündete die Bundesregierung ein Sondervermögen von 500 Milliarden Euro.
- 500 Milliarden 500 Milliarden Euro. [musik] Die Begründung: Deutschland müsse massiv investieren in Infrastruktur,
- Verteidigung und die Modernisierung des Landes. Ich sage es so, großer Wechsel auf unsere Zukunft, ein großer Wechsel auch
- auf die Zukunft der nachfolgenden Generation. Im internationalen Vergleich stehen wir allerdings noch solide da. Entscheidend dabei eine Kennzahl, die
- Schuldenquote. Sie zeigt, wie hoch die Schulden im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung eines Landes sind. Bei den USA liegt die
- Schuldenquote bei über 120%, Italien sogar bei etwas mehr als 135%. Deutschland kommt auf 63,5% des Bruttoinlandsprodukts.
- Also Entwarnung Jain, denn für die neuen Schulden muss Deutschland jede Menge Zinsen zahlen. Geld, das dann an anderer Stelle fehlt, doch dazu gleich mehr.
- Wem schuldet Deutschland eigentlich all dieses Geld? Bei wem stehen wir mit 2,8 Billionen Euro in der Kreide? Um Schulden aufzunehmen, verkauft der Staat
- sogenannte Bundesanleihen. Wer sie kauft, leht Deutschland Geld. Dafür bekommt der Käufer je nach Wertpapier regelmäßige Zinszahlungen und wenn die
- Laufzeit endet, zahlt der Staat das Geld zurück. Im Prinzip nichts anderes als ein Kredit. Aber wer kauft diese Staatsanleihen
- [musik] eigentlich? Gar nicht so leicht herauszufinden. Der Bund der Steuerzahler hat vergangenes Jahr versucht, Licht ins Dunkel zu bringen.
- Das haben ihre Recherchen ergeben. Tatsächlich liegt ein großer Teil der deutschen Schulden gar nicht in Deutschland. 49%
- werden von Investoren im Ausland gehalten, die meisten übrigens in Europa. 37% aller Auslandsschulden sind sogar in der Eurozone [musik] insgesamt
- gut 480 Milliarden. Dabei sind ztausende unterschiedliche Gläubiger im Spiel. Z.B. Zentralbanken wie die schwedische Ricksbank oder Staatsfonds [musik] wie
- der von Norwegen. Darunter sind private Banken wie Goldman Sax aus New York, Pensionsfonds aus Europa und den USA, die das Geld für Millionen Rentner
- verwalten oder ausländische Lebensversicherer wie die Axa. Deutschlands Schulden stehen hoch im Kurs, denn sie gelten als
- vergleichsweise sicher. Aber entscheidend ist, der größere Teil der deutschen Staatsschulden bleibt in Deutschland. Fast 700 Milliarden Euro
- schuldet der Staat deutschen Investoren, deutschen Banken, Versicherungen und Investmentfond, darunter die Allianz, die Deutsche Bank oder die
- Vorgesellschaft Union Investment. Solche Schulden halten Ökonomen für kein allzu großes Problem, denn wenn ein Staat sich vor allem im eigenen Land verschuldet,
- zahlt er Zinsen an innländische Banken, Versicherungen, Pensionskassen oder Privatanleger. Das Geld bleibt also praktisch im Land. in der eigenen
- Volkswirtschaft. Ein Beispiel: [musik] Japan, eine Art Weltmeister der Staatsschulden, hatte zeitweise Schuldenquoten von über 250%
- viel viel mehr als Deutschland. Ist das ökonomisches Harakiri? Nein, trotz dieser immensen Schuldenquote bleibt Japan stabil, weil
- fast alle Gläubiger des japanischen Staates aus dem Inland stammen. Japanerinnen und Japaner selbst und Institutionen wie die japanische
- Zentralbank. Wer ist da eigentlich der größte Gläubiger? Die Bundesbank. Anfang 2025 hielt sie rund 22% der deutschen
- Staatsschulden mehr als 600 Milliarden Euro. Und das ist super spannend, denn das war nicht immer so. Die Menge deutscher
- Staatsanleihen bei der Bundesbank ist in den letzten 12 Jahren geradezu explodiert. Hier seht ihr es. von 9, 10, 11, 12 Milliarden auf zwischenzeitlich
- über 740 Milliarden Euro. [musik] Wie kann das sein? Im Zuge der Euro- und Finanzkrise begann die Europäische
- Zentralbank unter Mario Dragi Staatsanleihen der Euroländer zu kaufen. So viele wie nie zuvor.
- Auch die Bundesbank kaufte massenhaft deutsche Staatsanleih [musik] das Ziel, die Wirtschaft ankurbeln und den Euro retten. Seit 2023 ist für die Bundesbank
- damit Schluss. Die Anleihen laufen nach und nach aus und werden zurückgezahlt. Trotzdem bleibt die Bundesbank Deutschlands größte Einzelgläubigerin
- und das führt zu einer kuriosen Situation. Der Staat bezahlt der Bundesbank Zinsen und die Bundesbank überweist die Zinsen dann im Idealfall
- als Gewinne zurück an den Staat. Vereinfacht gesagt, dieser Teil der Schulden kostet Deutschland fast nichts. Und jetzt geht's ans Eingemachte.
- [musik] Ich sehe in die Welt sehe gute Schulden, schlechte Schulden. Immer wieder hört man den Vorwurf: "Wir verben unseren Kindern Billionen an
- Schulden." Klingt dramatisch, ist es auch. Nämlich dann, wenn die Regierung mit diesen Schulden laufende Ausgaben bezahlt, z.B. Sozialleistungen, Rente
- oder Pensionen. Eigentlich sollte der Staat solche Kosten aus den Einnahmen bezahlen, also aus Steuern und Abgaben. Dafür Schulden aufzunehmen ist ungefähr
- so, als würde man einen Kredit aufnehmen, um die Miete zu bezahlen. Das sind die schlechten Schulden. Aber es gibt auch gute Schulden, nämlich
- dann, wenn das Geld in Dinge fließt, die bleiben, die neue Werte schaffen, also in neue Straßen, moderne Schienen, bessere Schulen oder schnelles Internet.
- Davon profitieren kommende Generationen. Gute Schulden sollen dafür sorgen, dass die Wirtschaft wächst und da liegt Deutschlands aktuelle Schwäche. Mit dem
- Wachstum tut sich das Land schwer, trotz neuer XXL Schulden. Und es gibt noch ein anderes Problem. [musik]
- Aktuell liegen die Zinsen für deutsche Staatsanleihin bei 2,5 bis 3,4%. Bei schuldenen Billionenhöhe summiert sich das schnell auf Milliardenbeträge.
- Die Folgen könnten gewaltig sein. Diese Verschuldung hat ein Tribut und das sind die Zinsen. 2021 musste der Bund 4 Milliarden Euro
- Zinsen aufwenden. Aktuell sind es 30 Milliarden Euro pro Jahr. Ab 2030 könnten es schon 80 Milliarden sein. Es wäre das 20fache von 2021 und mehr als
- 2500 € pro Sekunde nur für Zinsen. Wir halten fest, [musik] Staatsschulden sind nicht automatisch schlecht und sie bedeuten
- auch nicht automatisch, dass ein Staat schlecht wirtschaftet. Im Gegenteil, entscheidend ist, bei wem ist der Staat [musik] verschuldet? Wofür gibt er das
- Geld aus und vor allem bringen die Investitionen am Ende mehr Wohlstand als die Schulden an Zinsen Kosten? Daran entscheidet sich, ob Schulden eine
- Belastung für eine spätere Generation sind oder eine Investition in die Zukunft.
Zum Nachlesen
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