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7 Tage... Jüdisch leben | SWR-Doku
Das Wichtigste aus dem Video
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Transkriptautomatisch erstellt · 392 Zeilen
- . Das ist eine Kippa, das ist für besondere Anlässe.
- Das ist ein Geschenk für Sie. Vielen Dank.
- Dass Sie immer dran denken wenn Sie einen jüdischen Friedhof, eine Synagoge, unsere Einrichtungen besuchen,
- dann haben Sie eine. Wo kommt das eigentlich her, Kippa tragen?
- Was bedeutet das? Damit wir nicht vergessen, dass Gott über uns ist.
- (Neugierige Musik) Die Kippa wird mein wichtigstes Kleidungsstück für die nächsten Tage.
- Und Avadislav Avadiev mein wichtigster Ansprechpartner - in der jüdischen Gemeinde in Koblenz.
- Sieben Tage bin ich hier zu Gast, bei Gottesdiensten, Ritualen, jüdischen Traditionen und dem Lichterfest Chanukka.
- Wie leben Juden heute in Deutschland? Wie feiern, woran glauben Sie?
- Und welche Geschichten und Schicksale birgt der jüdische Friedhof neben der Synagoge?
- (Neugierige Musik) (Aufgeweckte Musik)
- Freitagmorgen im Gemeindehaus. Vorbereitungen für den Schabbat,
- den wöchentlichen Feier- und Ruhetag der Juden. Essen - viel Essen! - gehört zu jedem Schabbat dazu.
- (Verspielte Musik) Gallina, und wie heißen Sie? - Valentina.
- Valentina, Gallina. - Ja. Kann ich irgendwas helfen in der Küche?
- (Flinke Musik) Kann ich was helfen? - Zwiebel!
- Ja, mach ich, gern! Ich kenne in meinem Umfeld niemanden jüdischen Glaubens.
- Bin gespannt und erwartungsvoll. Valentina und Gallina - die Schwestern kommen aus Osteuropa -
- so viel weiß ich schon. Wie lange machen Sie das schon? Wie lange helfen Sie schon hier mit?
- Oh, vielleicht fünf, sechs Jahre. Wo kommen Sie her? Aus Russland?
- Ukraine. - Ukraine. Zu dritt: ich, meine Schwester und meine Mutter.
- Vermissen Sie die Heimat? Ja.
- In den Neunzigerjahren kamen 200.000 Juden aus der Sowjetunion nach Deutschland.
- Auch er: Abraham Abayev, der Mann für alles hier. Fisch gibt's heute, aber nicht jeder Fisch ist koscher.
- Gläubige Juden essen nur koschere Dinge. Es gibt bestimmte Fischarten in der Tora beschrieben,
- die koscher sind. Er muss Schuppen haben, Flossen haben.
- Man muss auch die Kiemen kontrollieren, dass da nichts drin ist, nichts versteckt ist.
- Aber ein Aal? - Aal ist nicht koscher. Warum? - Ja, weil der hat keine Schuppen.
- Ja, aber warum? Was ist der Unterschied beim Essen? Weiß man, warum das so ist? - Ja, man weiß das.
- Weil die Tora sagt, ohne Schuppen darfst du nicht essen. Dann ist da was Wahres dran.
- "Challa" - so heißt das kleine Stück Teig, das vom Brotteig abgenommen und über das ein Segen gesprochen wird.
- (Sie spricht einen Segen.) Dann wird es im Ofen verbrannt.
- Als eine Art Opfergabe. Hier zum Backen und Brennen.
- (Verspielte Musik) Zu jedem Schabbat werden Brötchen und Brot gebacken, aus einem Hefeteig.
- Abraham muss das Ei genau prüfen. Ein winziger Blutstropfen, und das Ei wäre nicht koscher.
- Nicht ein Bluttropfen soll sein. Denn Blut verzehren ist im Judentum verboten.
- Er, Christoph Simonis, gehört auch zur Gemeinde. Hilft, wo er gebraucht wird,
- obwohl er gar kein Jude ist - noch nicht. Doch dazu später mehr.
- Erst mal Brötchen und Brot fertigmachen für den Abend. So okay? - So okay.
- Steht das so in der Tora, wie man das Brot machen muss? Wenn Sie wollen, wir machen es anders.
- (Er lacht.) (Nachdenkliche Klaviermusik)
- Wir verlassen das Gemeindezentrum, um eine jüdische Familie zu treffen, die auf der anderen Seite der Mosel wohnt.
- Sie bereiten sich daheim auf den Schabbat vor, und wir dürfen sie besuchen.
- Benny Benizri ist Arzt und arbeitet bei der Bundeswehr. Er gehört zu den wenigen Juden in der Koblenzer Gemeinde,
- die nicht aus Osteuropa zugewandert sind. (Leise Gespräche)
- Auch hier wird gerade Brot gebacken. In der koscheren Küche hat man ein Besteck für Fleisch
- und noch ein getrenntes Besteck für Milch. Wir haben hier die Schublade mit dem milchigen Besteck.
- Und auf der anderen Seite die Schub- lade mit dem fleischigen Besteck. Hier ist die Spülmaschine für fleischiges Geschirr,
- und hinter Ihnen ist die Maschine für milchiges Geschirr. Was ist, wenn jetzt so ein Löffel in die falsche Schublade wandert?
- Wenn man einen Löffel oder was auch immer nicht-koscher gemacht hat, dann muss man das wieder koscher machen.
- Das besteht darin, dass man Besteck gut reinigt, abtrocknet, 24 Stunden wartet,
- und dann in sprudelnd kochendem Wasser badet, danach mit kaltem Wasser abspült und abtrocknen.
- Dann ist der Löffel wieder brauchbar. (off:) So viele Rituale, was koscher ist und was nicht.
- Für Außenstehende wie mich wirken sie zunächst befremdlich. Warum sind sie ihm so wichtig,
- dass er sein Leben streng danach ausrichtet? Ich hab's in der Hand, wie viel Gott ich in mein Leben bringe.
- Das Judentum mit seinen 613 Geboten bietet mir durch diese 613 Instrumente viel Möglichkeit,
- Gott in mein Leben zu bringen. Dass ich mein Leben jüdisch lebe, heißt,
- dass ich die Gebote reinbringe und damit Gott respektiere. Ich bin ein Geschöpf auf seiner Erde.
- Ich soll seine Gebote halten, und in dem Moment, wo ich seine Gebote halte, wo ich die Dinge auf die Weise tue,
- wie ich sie tun soll, bin ich mir bewusst, dass es einen Gott gibt, der mich geschaffen hat
- und ich seine Gebote halte. Soll ich weitermachen oder ...
- Nicht so, nein. Weil dann geht es nicht mehr gut.
- Wie wichtig ist es Ihnen, dass Ihr Sohn im Glauben erzogen wird? Das ist sehr wichtig.
- Das ist eines der Kernthemen, die jüdischen Traditionen, die Gebote
- und die Inhalte des Judentums in die nächste Generation weiterzugeben. Und zwar nicht als Folklore, sondern tatsächlich als Lebensinhalt.
- Der Schabbat beginnt freitags bei Sonnenuntergang. Und endet am Samstag bei Sonnenuntergang.
- (Sie unterhalten sich.) In dieser Zeit ist vieles verboten:
- arbeiten, Auto fahren, telefonieren, elektrische Geräte anschalten. Worauf wir viel Wert gelegt haben beim Kauf unseres Kühlschranks ist,
- außer dass er ausreichend groß ist, dass er einen Schabbat-Modus hat. Ach, was ist denn das?
- Das kann man hier sehen, wenn man näher rankommt. Warten Sie kurz, ich mache Platz.
- Ja, alles gut, dann machen wir gleich, oder? - Ja. Das sieht man hier oben: Er ist schon im Schabbat-Modus eingestellt.
- Das ist das Symbol: zwei Schabbat-Kerzen. Und jetzt geht das Licht nicht an, wenn ich ihn öffne.
- Er fängt auch nicht an zu piepen, wenn er zu lange offen ist. Für den Schabbat. - Für den Schabbat.
- Nach Schabbat schalte ich das wieder aus, dann ist er wieder im ganz normalen Modus.
- (Piepsen) So: Schabbat-Modus.
- (Off:) Denn nur das Anschalten eines elektrischen Gerätes wie etwa der Lampe im Kühlschrank ist verboten,
- nicht aber der Dauerbetrieb des Kühlschranks. Nichts Lebendiges, kein Insekt darf im Salat sein.
- Da schaut Andrea Benizri ganz genau hin. Die haben ziemlich viele, wenn man sich anschaut ...
- (Neugierige Musik) Zurück im Gemeindezentrum.
- Das Schabbat-Brot ist fertig. Darf ich?
- Danke. Darf ich schon essen?
- Ja! Mit Ihnen auch?
- Danke schön. Lecker. Lecker.
- Nun werden die Schabbat-Kerzen angezündet - der Beginn des Feiertages.
- Und jetzt darf auch nicht mehr gedreht werden. (Neugierige Musik)
- Tag zwei. Herr Avadiev ist der Vorsitzende der Koblenzer Gemeinde.
- Er führt mich durch die Synagoge. Ich bin zum ersten Mal in einem jüdischen Gotteshaus.
- Über dem Eingang steht: "Jeder ist hier willkommen." Wenn wir reinkommen,
- wir haben in jeder Tür so eine Mesusa. Was das Fundament des Judentums ist.
- Eine Pergamentrolle in einem kleinen Kästchen am Türrahmen. Das ist ja Fundament jüdischer Religion -
- es gibt nur einen Gott. Im Grunde so eine Art Glaubensbekenntnis.
- Genau, und dieser Satz ... Wie heißt der auf hebräisch, der Satz?
- (Er spricht hebräisch.) Und dieser Satz ... - Schma Israel ...
- Ja, "Höre, Israel: Gott ist einzig, Gott ist eins." Den einzigen Gott gibt es, keine anderen Götter.
- (Er spricht leise.) So, das hier heißt Bima.
- Die Bima steht hier ganz vorne. Das ist der Platz, wo die ... - Wo die Tora-Rolle gelesen wird.
- Das ist eine Parochet, der Tora-Vorhang. Und dahinter haben wir ...
- Darf ich das als Nicht-Jude anfassen? Ja ja, dürfen Sie alles, das ist kein Problem.
- Also, das mache ich so. Da sind die drei Tora-Rollen.
- (Sie unterhalten sich.) (off:) Die Tora ist die heilige Schrift der Juden.
- Die mittlere Tora-Rolle ist noch nicht geweiht. Aus den anderen wird im Gottesdienst gelesen.
- Wer hat denn die erste Tora geschrieben? Ja, die erste Tora hat ja der Gott über Moses geschrieben.
- Also hat Moses das aufgeschrieben? Ja, Moses hat aufgenommen, was der Gott ihm diktiert hat.
- Was hat es da hinten mit den Vorhängen auf sich? Das heißt Mechiza.
- Das ist eine Trennung für die Gebetszeiten. Wenn man hier kommt zum Beten,
- kommen Frauen, die setzen sich hier hinter die Mechiza. Damit die Männer nicht von den Frauen abgelenkt werden.
- Damit sie sich nur konzentrieren aufs Gebet. (Ruhige Musik)
- Macht das das Leben leichter, wenn man einen Glauben hat? Tja.
- Ja, ich glaube schon. Wenn einer an ...
- Wenn einer an Gott glaubt, würde ich sagen, ist er nie alleine. Unmittelbar hinter der Synagoge
- liegt hier in Koblenz der jüdische Friedhof. Seit dem 14. Jahrhundert ist er Begräbnisstätte für Juden.
- Ich treffe hier einen Mann, der sich wohl wie kaum sonst jemand auskennt in der Geschichte dieses Friedhofs:
- Ulrich Offerhaus. Der ehemalige evangelische Pfarrer
- ist fasziniert vom Judentum und von diesem Ort. Er will mir besondere Gedenksteine zeigen.
- Von Koblenzer Juden, die in der Nazizeit aus Angst vor der Deportation Suizid begingen.
- Hier ist David Liebert. - Ja. Beide 19.3.1942, Suizid.
- Das ist Günther. Benno Günther und Alice Johanna Günther.
- 17.11.1941. 17.11.'41.
- Benno Günther hatte einen gutgehenden Weinhandel in Koblenz. Und beide fühlten sich gedemütigt, erniedrigt.
- Das letzte war, dass sein Betrieb arisiert wurde. Er wurde aus dem Handelsregister gelöscht.
- Und das ist ein Suizid in den Rheinanlagen am helllichten Tage, fast öffentlich demonstrativ.
- Ins Wasser gegangen? Nein, Gift.
- In der Öffentlichkeit? - Ja. Quasi als Mahnmal oder als ...
- Als Demonstration, dass er keine Lebensmöglichkeiten mehr hatte. Der Gang über den Friedhof ist eine Zeitreise.
- Jeder Grabstein erzählt eine Geschichte. Etwa die der Familie Wolff, die ich gleich erfahren werde.
- Denn wenig später begrüßt Ulrich Offerhaus eine jüdische Familie aus Amerika: die Lichtensteins.
- Er hat sie in New York aufgespürt. Sie sind Nachfahren der Wolffs.
- Erst ein Anruf in Amerika brachte das ans Tageslicht. (englisch:) Ich war in einem Café und bekam einen Anruf.
- Jemand sagte: "Hallo, ist dort Alice Lichtenstein?" "Ich rufe aus Deutschland an. Wir suchen den Kontakt mit Ihnen."
- "Sind sie die Enkeltochter von Irene Wolff aus der Familie Feiner in Koblenz?"
- Und da brach ich in Tränen aus. Denn ich wusste: Das wird eine große Sache.
- (Ruhige Musik) Alice Lichtenstein und ihre Tante Carol sind samt Familie angereist.
- Spurensuche auf dem Friedhof. Die Familie Wolff lebte seit Generationen im Rheinland.
- Viele wurden Opfer des Holocaust. Irene Wolff überlebte.
- (englisch:) Sie hat mir nie von der Zeit erzählt. Sie hat von ihrer Kindheit erzählt,
- dass sie Krankenschwester war in Köln. Und dann, Schnitt, sprang sie ins Jahr 1948,
- als sie nach Amerika kamen. Wie war es bei dir? Genauso?
- Sie war alleine. Ihre Großeltern waren nicht mehr da, ihre Eltern waren nicht mehr da,
- ihre kleinen Brüder waren umgebracht worden. Wir wussten das alles, aber sie wollte nicht,
- dass wir unter einer dunklen Wolke aufwachsen, voller Details. Sie erzählte nie Details aus der Zeit.
- (Ruhige Musik) Drei Konzentrationslager überlebte Irene Wolff.
- Wanderte 1948 in die USA aus. Die Lichtensteins kommen hier zum ersten Mal
- mit den Wurzeln ihrer Familie in Kontakt. Ein bewegender Tag.
- Und sie entdecken noch ein weiteres Grab einer Verwandten. (Sie unterhalten sich.)
- Von ihr habe ich schon so viel gehört. Oma Feiner.
- Und dann erzählt mir Carol noch, dass sie selbst gerade Oma geworden ist.
- Mein jüngster Sohn hat mit seiner Frau gerade eine Tochter bekommen, vor einem Monat.
- Sie gaben ihr den Namen Irene. Sie sagten: Die Oma sei die stärkste Person gewesen, die sie kannten,
- mit einem großen Herzen. Eine kleine Dame mit einem großen Herzen.
- Sie hat immer mit ihren Enkeln gesungen und sich über sie gefreut. Sie beide hoffen,
- dass ihre Tochter jetzt all diese Eigenschaften der Oma fortführt und so wird wie sie.
- Ein schönes Gefühl. Das ist sie: Irene Wolff.
- Und hier zeigt mir Alyse noch ein anderes Foto. Irene mit ihren Brüdern als Kinder.
- Das ist sie. Irene. - Mhm.
- Karl, der ältere Bruder. Fritz und Theo, die kleinen Brüder. Die beiden Kleinen starben im Lager.
- Im Gemeindezentrum finden sich weitere Bilder der Familie. Noch mal Irene als Kind.
- (Sie unterhalten sich.) Irene.
- Und das ist Siegmund. Er hatte das Porzellan.
- Von Siegmunds Porzellan werde ich später noch mehr erfahren. Eine unglaubliche Geschichte.
- Irene Wolff starb im vergangenen Jahr. Sie wurde 98 Jahre alt.
- (Ruhige Klaviermusik) Ein neuer Tag.
- Weiß jemand - was feiern wir heute Abend? Jüdischer Religionsunterricht im Gemeindezentrum.
- Für Kinder zwischen drei und 16 Jahren. Irene Weber ist Lehrerin, selbst Jüdin,
- und sie will den Kindern das gerade beginnende Chanukka-Fest nahebringen: das sogenannte Lichterfest,
- das Juden in aller Welt jedes Jahr im Winter feiern. Das Wissen über jüdische Geschichte und Bräuche
- ist vor allem bei den Zuwanderern aus der Sowjetunion oft gering. Viele wurden diskriminiert, konnten ihren Glauben nicht offen leben.
- Das hat dazu geführt, dass wir sehr viele Menschen haben, die zwar wissen, dass sie jüdisch sind,
- jüdische Mutter, jüdische Familien, aber wirklich über ihre Traditionen, Ausübung der Religion,
- wie man Feiertage feiert oder woher das alles kommt wirklich sehr wenig wissen.
- Die Traditionen, die Art und Weise wie wir beten, wann wir beten, was wir essen, wann wir essen,
- sind sehr, sehr wichtig. Das ist wie eine ständige Erinnerung an wer wir sind
- und was wir eigentlich hier zu tun haben. (Leise Gespräche)
- Ab dem Alter von drei Jahren führen fromme Juden ihre Kinder an die Religion heran.
- Jeden Tag wird zum Chanukka-Fest eine weitere Kerze entzündet. Acht Tage lang.
- Bist du religiös? Lebt ihr zu Hause Schabbat? Ja, geht so. Schon etwas.
- Das heißt, wie oft betest du? Ähm ...
- Ich glaub, eher an größeren Feier- tagen machen wir Gebete und so was, aber wir feiern jetzt nicht jede Woche Schabbat oder so was.
- Wir sind keine so stark religiöse Familie, außer wenn große Feiertage sind.
- Dann gehen wir auch mal in die Synagoge. Wie stellst du dir den lieben Gott vor?
- Ja. Ja?
- Und du, hast du irgendwie ein Bild von deinem Gott? Das ist mein Bruder!
- Ja, also mit einem langen Bart vielleicht. Also schon ein bisschen so älter.
- Ja. Ihr feiert zu Hause auch Schabbat?
- Ähh ... ja. (Sie singen ein Chanukka-Lied: "Sevivon, Sov Sov Sov")
- Irene Weber ist in den 70iger-Jahren aus Rumänien ausgewandert, hat lange in den USA gelebt.
- Wie heißt diese Kerze noch mal? Schamasch.
- Sie erzählt mir, sie habe es nicht bereut, nach Deutschland gekommen zu sein.
- Antisemitismus habe sie hier nie erlebt. Aber viel Positives.
- Ich hab unzählige Beispiele. Vielleicht das schönste ist,
- als meine Mutter leider ins Heim musste wegen Alzheimer, und es gab einen jungen Pfleger dort.
- Und wir wollten sie in die Dusche bringen, damit sie sich umziehen kann und so weiter.
- Und darauf hat er mich gefragt, ob sie jetzt vielleicht Angst bekäme,
- wenn sie sich jetzt duschen würde. Erst hab ich gar nicht verstanden, warum.
- Und dann hat er gesagt, ja, sie ist doch Holocaust-Überlebende. Also diese Empfindsamkeit, diese Sensibilität
- von einem jungen Deutschen empfand ich als beispielhaft.
- Ich hab hier persönlich, weder ich noch meine Tochter noch meine Mutter,
- niemals das Gefühlt gehabt, dass man uns deswegen ausgrenzt oder sonst was.
- Während der Unterricht noch läuft wird nebenan mal wieder gekocht. Denn heute beginnt das Chanukka-Fest.
- (Munteres Brutzeln) Es gibt Plov - ein asiatisches Reisgericht.
- Avadislav Avadiev, studierter Physiker, kocht selbst. Der Vorsitzende der Gemeinde packt mit an, wie alle hier.
- Ja, mein Vater und Großeltern, die sind ja so ... In eine traditionelle jüdische Familie bin ich ja geboren,
- und erzogen und aufgewachsen. Wir sind ja ...
- Dort war es ja nicht so, in Aserbaidschan war ja nie Antisemitismus.
- Ein jüdischer Mann muss viel können. - Was muss er können? Ja, sehr viel. - Was?
- Kochen. Kinder erziehen.
- Reparieren. Tora lernen.
- Sehr viel. Spüren Sie Ihren Gott im Alltag?
- Diese Zugehörigkeit und Bekennung. Das ist ja wichtig. Dass man weiß,
- dass wir morgens aufwachen und Sonnenlicht sehen dürfen, das kostet mehr als eine Million.
- Weil ... - Ist viel wert. Ist viel wert,
- man weiß ja gar nicht, was am nächsten Morgen ist, ob man überhaupt aufwachen kann. Das ist alles in Gottes Hand.
- Gottes Hand. In Glaubensfragen ist Rabbiner David Schwezzow der Experte.
- "Gibt es im Judentum auch ein Paradies?", frage ich mich. Das Paradies der Juden heiße "die kommende Welt", sagt der Rabbi.
- (Sanfte Musik) Das jüdische Leben konzentriert sich mehr auf die nächste, kommende Welt.
- Nach der Erlösung. Und in diesem Verständnis ist es am wichtigsten,
- auf den richtigen Weg zurückzukehren und unsere Sünden zu bedauern ...
- bevor wir sterben. Aber wir wissen nicht, wann wir sterben werden,
- daher ist es immer ein wichtiger Moment - jeder Moment ein wichtiger Moment,
- um uns selbst besser zu machen. (Sanfte Musik)
- Ein Neuanfang ist also immer möglich im Judentum. Ein schöner Gedanke, finde ich.
- Beginn des Chanukka-Festes mit einem Gottesdienst. (Gebetsgesang)
- (Gebetsgesang) Weil kein Schabbat ist, dürfen wir nun drehen.
- (Gebetsgesang) Von den knapp 1.000 Gemeindemitgliedern
- ist ein gutes Dutzend gekommen. Die Frauen - hinter dem Vorhang.
- Am Ende wird ein Kaddisch, ein Gebet für die Toten, gesprochen. (Alle sprechen ein Gebet.)
- Jetzt werden wir in ein paar Minuten die erste Chanukka-Kerze zünden. Chanukka Sameach! - (Männer:) Chanukka Sameach.
- (Gebetsgesang) Tag für Tag werden sie in der Gemeinde und in ihren Familien
- nun eine weitere Kerze anzünden. Bis alle acht Kerzen am Chanukka-Leuchter brennen.
- Das Lichterfest beginnt. (Gebetsgesang)
- (Ruhige Musik) Der nächste Tag.
- Synagogenführung für Schüler eines Koblenzer Gymnasiums. (Er spricht hebräisch.)
- Christoph Simonis gibt eine Einführung ins Judentum, erzählt den 14- bis 16-Jährigen vom Schabbat,
- von jüdischen Ritualen und vom Chanukka-Fest. (Leises Gespräch)
- Das Chanukka-Fest, das geht auf ein Ereignis 165 vor Christus, also noch vor unserer Zeitrechnung, zurück.
- Eine Kirche und eine Moschee haben die Schüler schon in den letzten Wochen besucht.
- Nun die Synagoge. Das ist Lehrerin Julia Schmenk wichtig. Ich finde es sehr wichtig, gerade in einer Zeit,
- wo es mehr Rassismus und auch Antisemitismus gibt, dass die Schülerinnen und Schüler
- Vertreter und Vertreterinnen anderer Religionen kennenlernen, sich damit befassen und sehen,
- dass die Religionen miteinander verwandt sind und ganz viele Gemeinsamkeiten haben.
- Aber vieles ist auch fremd. Zum Beispiel die strengen Regeln fürs Ausruhen am Schabbat.
- Wie fändest du das, wenn es einen Tag in der Woche gäbe, wo man nur feiern darf?
- Ich glaub, für mich selber wäre das eher schwierig, wenn ich quasi nicht mal das Licht anmachen dürfte oder so,
- aber ich denke, es kann auch ganz schön sein. (Sanfte Musik)
- Christoph Simonis erklärt, was es mit den Steinen auf jüdischen Gräbern auf sich hat.
- Nach jüdischer Tradition, wenn ein Grab besucht wird, dann legt man ein kleines Steinchen
- als Ehrenerweisung gegenüber dem Verstorbenen. Und das geht auf die Wüstenwanderung zurück,
- weil während der Wüstenwanderung konnte man natürlich auch nicht richtige Gräber ausheben
- im steinigen Gelände oder in der Wüste. Und dann hat man die Beerdigung so durchgeführt,
- dass man den Leichnam mit Steinen bedeckt hat. Und auch als Erinnerung daran ist diese Tradition erhalten geblieben,
- dass man da ein Steinchen niederlegt. Keiner der Jugendlichen hier ist selbst jüdischen Glaubens.
- (Ruhige Musik) Sie sagen sie würden auch Kinder kennen, oder Jugendliche,
- die jüdischen Glaubens sind, aber die würden sich nicht outen. Warum? Ja, also einen Schüler wusste ich, dass er jüdischen Glaubens war,
- bei anderen vermute ich es. Ich glaube, die haben vielleicht die Befürchtung,
- dass die andern das nicht als ganz normal ansehen und nicht normal damit umgehen würden.
- Eine Befürchtung, die durchaus berechtigt ist, wie ich höre. (Leises Gespräch)
- Er wurde in der Schule als Jude beschimpft. Das ist ja eigentlich keine Beleidigung,
- aber da wurden nicht so nette Adjektive genannt. Und der war dann total erschüttert.
- Und das beruht, denke ich - das war in der zehnten Klasse -, das beruht meistens darauf, dass im Geschichtsunterricht
- das extrem thematisiert wird mit dem Antisemitismus. Und dadurch kamen auch die Anschuldigungen,
- und dann wurde auch mit der Schulleitung gesprochen, weil er gar nicht mehr in die Schule gehen wollte.
- Das war ziemlich heftig. (Lebhafte Klaviermusik)
- Zwei Mandarinen. Im Gemeindezentrum packen Abraham Abayev und Christoph Simonis
- kleine Pakete für die Gemeindemitglieder. (Sie sprechen miteinander.)
- Alles koscher, natürlich. Sieben Teile. Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs ...
- sieben. Richtig. So. Schon fertig. - Sind die Geschenke fertig?
- Fertig gemacht, ja. - Wunderbar. Das sind die letzten. - Tee, Kaffee.
- Früher haben sie nach dem Gottes- dienst hier gemeinsam gegessen. Das geht wegen Corona gerade nicht. - Alles in Ordnung.
- Christoph Simonis hatte eine Zahnarztpraxis in Koblenz. Nun im Ruhestand ist er fast täglich hier, hilft, studiert die Schriften.
- Denn er will konvertieren, ist vom Judentum fasziniert. Weil eben diese Toleranz eben dazu führt,
- dass man andere neben sich leben lässt. Und man nicht dazu gezwungen wird, andere Religionen anzunehmen.
- Während das beim Christentum und beim Islam ja nicht der Fall war, sondern da sind viele ...
- die auch ihr Leben verloren haben, weil sie eben diese Religion nicht als ihre annehmen wollten.
- Das hat's im Judentum nie gegeben. Weil ohne Missionen wird niemand verpflichtet,
- die jüdische Religion anzunehmen. Und das ist natürlich ein großer Vorteil.
- (Lebhafte Klaviermusik) Später.
- Ich bin mit Abraham auf dem Weg zur Mosel. Denn eine Mikwe, das ist ein traditionelles jüdisches Bad,
- in dem rituelle Reinigungen stattfinden, so eine Mikwe hat die Gemeinde in Koblenz nicht.
- Aber die Mosel vor der Tür. Neues Geschirr muss vor dem ersten Gebrauch koscher gemacht werden.
- Und Abraham zeigt mir, wie das geht. Wir können so machen.
- Alle rein, alle müssen von allen Seiten mit Wasser bedeckt sein. Die dürfen nicht ineinander stehen? - Nein.
- Okay, das reicht uns. Ja. Umkippen. Dann ...
- So, mehrere ... sehen Sie, alle hintereinander. (Er spricht einen Gebetsspruch.)
- Und dann kommt der Topf. So. Und jetzt sehen Sie, da halte ich's. - Ja.
- Und jetzt zuerst ... so, ganz. Eins - sagen wir so.
- Zwei. Drei. Und jetzt die Seite auch.
- Eins. Zwei.
- Drei. So. Alle Seiten haben wir schon ... koscheriert.
- Warum muss das Wasser fließen? Normalerweise muss das Wasser neu sein. - Immer in Bewegung.
- Immer in Bewegung, Naturwasser muss es sein. (off:) Und Naturwasser, das ist die Mosel.
- (Leises Gespräch) Nun sind Gläser und Pfanne rituell gereinigt.
- (Sanfte Musik) Am Abend treffe ich Familie Lichtenstein aus Amerika noch einmal.
- Denn dieses edle Porzellan wird ihnen heute übergeben. Ihre Vorfahren gaben es im Jahr 1942,
- am Abend vor ihrer Deportation, ihren deutschen Nachbarn. Aufbewahren mögen sie es bis zu ihrer Rückkehr.
- Ulrike Moritz löst das Versprechen ihrer Großeltern nun ein. Es war natürlich nach dem Krieg klar,
- als überhaupt keine Nachricht von den Feiners kam, dass sie offenkundig dem Holocaust zum Opfer gefallen sind.
- Dennoch blieb das Versprechen. Also, das wurde nie aufgegeben. Meine Mutter war mit der Tochter der Familie befreundet.
- Das waren enge Freundinnen. Und die war ... für sie war das auch selbstverständlich,
- vielleicht auch wichtig, das zu behalten als Andenken an die Familie.
- Ein Trost, dass man noch was hat von ihnen. Und deshalb stand das auch für uns, also meine Schwester und mich,
- außer Frage, obwohl wir keinen von denen noch kannten, dass wir das weiter aufbewahren
- und vielleicht irgendwann einmal jemanden finden, dem es gehören könnte.
- Und sie wurden gefunden: Familie Lichtenstein aus New York. (Sanfte Musik)
- 80 Jahre Geschichte werden hier spürbar. Es ist ein besonderer Abend.
- (Gefühlvolle Musik, Reden werden gehalten.) "Ich habe nicht zu hoffen gewagt, dass ausgerechnet ich
- nach fast 80 Jahren die Gelegenheit bekommen würde, ein altes Versprechen einzulösen." (Applaus)
- (Gefühlvolle Musik) (Gebetsgesang)
- Am nächsten Schabbat will die Familie Lichtenstein dieses Geschirr benutzen -
- im Andenken an ihre Vorfahren und neue Freunde. (Gesang geht weiter.)
- (englisch:) Im Judentum werden die Traditionen von Generation zu Generation weitergegeben,
- und das passiert meist am Esstisch der Familie. Und dieser Tisch repräsentiert auch den heiligen Tempel in Jerusalem
- mit all seinen Gaben. Und deshalb hat der Tisch und das gemeinsame Mahl
- eine besondere Bedeutung in der jüdischen Religion. (Sanfte Musik)
- Irene Wolff, die Mutter der Lichtensteins, wäre an diesem Abend genau 100 Jahre alt geworden.
- (englisch:) Ich hatte gemischte Gefühle dabei, herzukommen, aber das hier sind die Guten, die guten Menschen.
- Von ihnen brauchen wir mehr in der Welt. (Gefühlvolle Musik, Stimmengewirr)
- (Musik endet.) Ein neuer Tag.
- Rabbi David Schwezzow hat einen seiner Schüler aus Ungarn zu Gast. (Sanfte Musik)
- Der betet sein Morgengebet in traditioneller Art. Dazu legt er den Gebetsriemen frommer Juden an.
- Und die Gebetskapsel, in der sich Verse aus der Tora befinden. (Sanfte Musik)
- Die Hand und der Kopf, das Denken und das Handeln, sollen sich ganz auf Gott ausrichten.
- (Sanfte Musik, er spricht leise.) Armin Steinglauber will vielleicht selbst Rabbiner werden.
- Wie sein Lehrer. Er erklärt mir die Bedeutung dieses Rituals.
- (Sanfte Musik) Die Bedeutung ist, dass alles, was wir machen im Leben,
- das kommt aus dem Kopf, und wir machen es mit der Hand. Deshalb müssen wir uns konzentrieren auf den Allmächtigen,
- wenn wir denken und wenn wir etwas tun. (Sanfte Musik)
- Siebenmal ist der Riemen um den Arm geschlungen - symbolisch für jeden Tag der Woche.
- (englisch:) Wir danken Gott dafür, dass wir Menschen sind, und jeden Morgen aufstehen können.
- Dass wir keine Sklaven sind, sondern frei und gesund. (Er spielt eine Melodie.)
- Im Gemeindehaus übt Abraham Posaune. Er hat in Orchestern gespielt und an Musikschulen unterrichtet.
- (Melodie geht weiter.) Die Frauen und wir bereiten Essen vor.
- Es gibt wieder was zu feiern. Wir machen eine Einweihung.
- Und ... ja, ich versuche ... zu begleiten und zu spielen,
- deswegen mache ich eine Probe, was für Stücke ... ich für die Begleitung bringe.
- Eine neue Tora soll an diesem Tag geweiht werden. Doch ich bin vorher mit einer Frau verabredet,
- die zu den letzten Zeitzeuginnen des Holocaust gehört. Sie ist die Frau des ehemaligen Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde
- in Koblenz, und ich habe schon viel von ihr gehört.
- Heute darf ich Inge Kahn besuchen. Das ist mein Sessel. Hier bin ich zu Hause.
- 1942 wurde sie mit ihren Eltern ins Lager Theresienstadt deportiert. Wir sind in ein Zimmer gekommen, da war nicht ein Nagel an der Wand.
- Ein Zimmer. Und wir sind dann mit, ich weiß nicht,
- mit zwölf Leuten oder so viel in einem Zimmer gewesen, da war weder ein Stuhl noch ein Bett noch sonst was da.
- Es war ein blankes Zimmer, und wir haben uns nachts auf den Holzboden gelegt und da geschlafen.
- (off:) Wie hat sie dort gelebt? Was hat sie dort gemacht? Gehungert.
- Gehungert. - Gehungert. Inge Kahn wurde zum Arbeitseinsatz eingeteilt,
- musste außerhalb des Lagers bei der Ernte helfen. Wenn wir geerntet haben,
- dann konnten wir uns auch schon mal was einverleiben, und jeder Bissen war ...
- war ein Weg zum Überleben. Und dann bin ich sehr krank geworden, und da ...
- na ja ... hab ich, obwohl jeder geglaubt hat, ich kann nicht überleben -
- ich hab dann doch überlebt. Als ich befreit wurde, habe ich mit 17 Jahren 48 Pfund gewogen.
- Pfund? - Ja, Pfund. Keine Kilo. Pfund.
- Ich hab ausgesehen wie ein zehnjähriges Kind. (Emotionale Musik)
- Von Theresienstadt sind ständig Transporte gegangen, aber wir wussten nicht, wohin.
- Gab es keine Gerüchte, oder ... Wir haben es erfahren, aber man hat es nicht geglaubt.
- (Emotionale Musik) Hiervon bin ich die einzige Überlebende.
- Da sitze ich hinten allein auf der Bank. Ich hab da hinten gesessen.
- Und hab da zugeguckt. Die sind alle umgekommen, da ist niemand ...
- Und ich hab diese Bilder noch, weil ich überlebt hab. Das waren meine Großeltern.
- Mein Vater, meine Schwester und ich als Kinder. Das waren meine Eltern.
- Mit mir, nach dem Krieg war das. Jaja, das ist alles mal gewesen. Das war einmal.
- Das hier war ... ein Bruder meiner Mutter.
- Auch umgekommen? Auch umgekommen, alle umgekommen, die sind alle umgekommen.
- Von all denen, die deportiert wurden ... habe ich das große Glück gehabt, mit meinen Eltern zurückzukommen,
- sonst niemand. Am 8. Mai 1945 wurde Theresienstadt von der Roten Armee befreit.
- Wir haben gejubelt. Ne.
- War natürlich dann: Wie kommt man nach Hause, und wie sieht es zu Hause aus?
- Ich war 14, als ich hinkam, ich war 17, als ich zurückkam. Ich wusste überhaupt nicht mehr, wie man in der Freiheit lebt.
- Ich habe meine Eltern gefragt: Wie lebt man da? Wo kriegt man da etwas zu Essen her? Wie geht das?
- Da hat meine Mutter gesagt: Wenn wir mal da sind, wirst du das schon lernen.
- Wirst du dann schon sehen. Ne. Konnte ich mir nicht mehr vorstellen.
- (Gefühlvolle Musik) (leise:) Ja, so ist das. Nach dem Krieg kehrte Inge Kahn zurück.
- Lernte ihren Mann kennen, heiratete, blieb hier in Koblenz. (Emotionale Musik)
- Ich bin berührt und sehr dankbar, dass Inge Kahn mich empfangen hat, um mit mir zu sprechen.
- Mit 93 Jahren. (Türe quietscht.)
- (Fröhliche Melodie) Am Nachmittag.
- Die Weihe der Tora. Das Ritual gleicht einem Hochzeitsritual.
- Die neue Tora wird mit der jüdischen Gemeinde verbunden. (Fröhliche Melodie)
- Achtmal wird die Tora um die Bima getragen. (Melodie geht weiter.)
- Das ist mehr als eine Spende für uns. Und deswegen vielen herzlichen Dank an dich, Christoph,
- für deine großzügige Spende. (Applaus)
- Nun wird aus der Tora gelesen, von verschiedenen Gemeindemitgliedern. (Mann singt Gebet.)
- Auf 20 bis 30 Meter Pergamentpapier stehen die fünf Bücher Mose. Niedergeschrieben von besonders ausgebildeten frommen Toraschreibern.
- Von Hand. Jede Tora weltweit ist handgeschrieben.
- Jede Tora, ja. Das ist nicht koscher, wenn sie nicht hangeschrieben ist,
- ist sie nicht koscher. Wie lange dauert das, eine Tora zu schreiben?
- (lacht:) Ja ... viel Zeit. Bis zu einem Jahr dauert das Schreiben einer Tora.
- (Gebetsgesang) Nun ist die neue, von Christoph Simonis gespendete Tora geweiht.
- (Gemeinsamer Gebetsgesang) (Gebetsgesang)
- Es ist der letzte Tag des Chanukka-Festes. Alle acht Kerzen brennen.
- (Gebetsgesang) Wie leben Juden heute in Deutschland?
- Das wollte ich wissen, als ich herkam. So fremd war mir ihr Leben mitten unter uns.
- Ich habe hier tolle, offene und gastfreundliche Menschen kennengelernt.
- und die sieben Tage mit ihnen haben mir einen tiefen Einblick in ihre Welt geschenkt.
- (Gesang) SWR 2021
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