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7 Tage... Leben im Kloster | SWR Doku

SWR Doku44:58 1,7 Mio. Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 396 Zeilen
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  1. . Das bin ich, Sara.
  2. (Türsummer) Hallo. - Guten Morgen, herzlich willkommen.
  3. Sieben Tage ziehe ich ins Kloster, zu Ordensschwestern. Für mich eine völlig fremde Welt.
  4. Danke fürs Aufnehmen. - Gerne. Sollen wir einen Rundgang machen, bevor wir ins Noviziat gehen?
  5. Ja. - Ja, ist vielleicht ganz gut. Das ist Schwester Ursula.
  6. Sie ist die nächsten Tage meine Ansprechpartnerin für alle Fragen. Davon werde ich bestimmt viele haben.
  7. Die Tafel ist ganz wichtig, da steht so das Tagesprogramm drauf., was los ist.
  8. Laudes ist dann... - Das ist das Morgengebet, die Messe, Frühstück, Mittagsgebet, Mittagessen. Damit steigen wir gleich ein. - Aha.
  9. Mittagessen, dann Rosenkranz, Vesper, Tisch. Auf den Fluren reden wir nicht,
  10. also, nur in den Fensternischen und am Telefon reden wir. - Ach so. Und generell, wenn es nicht notwendig ist, zu sprechen,
  11. wird hier nicht gesprochen. Und hier aber ist so ein Raum, wo man reden kann.
  12. Das Schweigen soll die Grundlage unseres Lebens sein und nicht das Reden.
  13. Das Reden ist die Ausnahme. Merkt man vielleicht grad nicht. Hm, die Grundlage meines Lebens ist eher das Reden.
  14. Ich bin jetzt echt gespannt, was das so mit Ihnen macht, die Zeit. Eben nichts Schlechtes. - Nee, also, im Gegenteil wahrscheinlich.
  15. Sieben Tage werde ich im Kloster Arenberg unter Dominikanerinnen leben.
  16. Ich bin nicht getauft, christliche Rituale sind mir fremd. Und wie ich es überhaupt mit dem Glauben an einen Gott halte,
  17. habe ich immer offengelassen. Aber je älter ich werde, desto mehr beschäftigt mich diese Frage.
  18. (Melancholische Musik) ♪ Oh Gott, komm mir zu Hilfe.
  19. (alle:) ♪ Herr, eile mir zu helfen. ♪ Ehre sei dem Vater und dem Sohn.
  20. Ich habe mir vorgenommen, alles mitzumachen. Das bedeutet vor allem: beten.
  21. Morgens, mittags, abends, zu festen Zeiten. ♪ Die Weisung des Herrn ist vollkommen.
  22. ♪ Sprich mich frei von Schuld, die mir nicht bewusst ist. (alle:) ♪ Behüte deinen Knecht auch vor vermessenen Menschen.
  23. ♪ Singet, lobt und preist. Der Tag ist durch die Stundengebete völlig durchgetaktet.
  24. Schon das würde mich eher nerven. Ich sehe mein erstes Vorurteil bestätigt:
  25. Das Leben im Kloster ist unfrei. Aber dieser Gedanke ist eigentlich anmaßend,
  26. ich bin ja gerade eine Stunde hier. (Sie unterhalten sich.)
  27. Du bist zur Probe? Kloster auf Zeit, so wie du. Oder Sie. - Ach so. Du, oder?
  28. Sollen wir "du" oder "Sie" sagen? - Sehr gerne "du". Ja? Super! Gerne. - Super. Sehr schön.
  29. Ich muss dich nach deinem Namen fragen. - Sara. Janina, ne? - Genau.
  30. (Sie unterhalten sich.) Wir sitzen am sogenannten Noviziatstisch.
  31. Das ist der Tisch für die Neulinge, also für Frauen, die sich fürs Ordensleben interessieren
  32. oder sogar planen einzutreten. Viel Besuch bekommen die Dominikanerinnen
  33. allerdings nicht von jungen Frauen. (Melancholische Musik)
  34. (Sie unterhalten sich.) Die Schwestern Ursula, Christa, Anna, Monika sind für Neulinge
  35. oder Interessentinnen wie Janina und mich feste Ansprechpartnerinnen. Ihr trefft euch regelmäßig jeden Tag?
  36. Montag, Dienstag und Donnerstag. - Okay. Und dann wird was besprochen?
  37. Nichts. Gequatscht ― über Gott und die Welt. Ist das eigentlich wie so eine Familie hier?
  38. Ja. Mit Schwiegermüttern. Kann man vergleichen.
  39. Es sind nicht diese Bande, aber trotzdem haben wir große Fürsorge füreinander.
  40. Wir suchen uns nicht aus, das ist auch wie Familie. Deshalb sind wir Schwestern und nicht per se Freundinnen.
  41. Das gibt es auch. Das Nichtaussuchen ist schon eine Herausforderung.
  42. Wie in jeder Familie. Wann ist man denn passend?
  43. Also, wann ist man ... Wer Kloster auf Zeit macht wie Janina,
  44. ist ja schon ein echtes Interesse da. Ich kann mir vorstellen, dass diese Lebensform zu mir passt.
  45. Und dann ist es ja, wie ein ... gegenseitiges Schauen. Was findest du daran reizvoll?
  46. Also ... - Schwer zu sagen wahrscheinlich. Hm ... so das Ganze eigentlich.
  47. Die Kombination aus mehreren Aspekten. Gut, ich finde es immer sinnvoll,
  48. wenn man als Mensch nicht alleine lebt, sondern mit anderen Menschen. Andere heiraten.
  49. Könnte man auch machen. Wenn man sich auf eine Person konzentrieren wollte,
  50. dann könnte man das machen. Das wäre mir aber zu ... Zu eng. - Mhm.
  51. Also eine Ehe wäre zu ... Ja, gut, das könnte ich auch machen.
  52. Aber irgendwie ist der Platz schon vergeben. - Ja. Fühlst du das so richtig? - Ja, doch.
  53. Schon. Cool. - Schauen wir mal.
  54. Schwester Ursula war übrigens mal Apothekerin, hat sogar promoviert.
  55. Seit 2006 lebt sie hier im Kloster. Deine Mutter, die fand das nicht so toll?
  56. Ja, weil wir uns so gut verstanden haben. Ich habe früher in der Apotheke mit meiner Schwester gearbeitet.
  57. wir verstanden uns super. Was ist das denn, was das Kloster mehr kann als wir?
  58. So, und ... - Was hast du da geantwortet? Das wusste ich nicht.
  59. Das wollte ich aber rausfinden. Das war für mich genau der Punkt. Als ich eintrat, war das die offene Frage.
  60. Da dachte ich: Ist es richtig, hier zu sein? Bringt dein Leben hier am meisten Frucht?
  61. Am Nachmittag die nächste Gebetszeit: der Rosenkranz. Gegrüßet seist du Maria, voll der Gnade,
  62. der Herr ist mit dir. Der Rosenkranz ist Beten im Kreis.
  63. Fünf Vaterunser und 50 Ave Maria. Und damit man nicht durcheinander kommt, hat man diese Perlenkette.
  64. (Sie beten.) Durch das ständige Wiederholen
  65. komme ich überraschenderweise in eine Art innere Ruhe. Das ist ja wie eine gesprochene Meditation, eine Art Mantra.
  66. Still werden, Ruhe finden - damit kann ich etwas anfangen. (betend:) Und gebenedeit die Frucht deines Leibes, Jesus.
  67. (Sie beten.) (Melancholische Musik)
  68. Das Durchschnittsalter der Schwestern liegt hier im Mutterhaus bei 81 Jahren.
  69. Schwester Ursula ist mit ihren 44 die jüngste. Wir sind im gleichen Alter, und unser Leben, so denke ich,
  70. kann unterschiedlicher nicht sein. Warst du mal verliebt? - Ja, auch.
  71. (lachend:) Ja, doch. Also, es war jetzt nicht der, wo ich gleich gesagt hätte,
  72. den heirate ich auf jeden Fall. Ordentlich verliebt war ich schon. Diese Gefühle kenne ich gut.
  73. Aber es ist mir in meinem jetzigen Leben nicht fremd. Es gibt halt Momente,
  74. wo ich total hingerissen bin und überwältigt bin und ... Das finde ich, hat sehr ähnliche Qualitäten,
  75. wie wenn es auf einen Menschen gerichtet ist. Und ich finde auch so Kontrollverlust,
  76. also, auch das ist irgendwie so schön, dieses ... Du gibst ein Stück von dir ab. - Ja.
  77. Das finde ich so faszinierend. Das ist für mich auch Liebe.
  78. Ich mache mich verletzlich, ich gebe ein Stück von mir. Das finde ich was ganz Heiliges.
  79. Das ist wirklich was, das mich total ... Das ist interessant. Da hätte ich gedacht, dass das gar nicht so ...
  80. dass man diese Kontrolle gar nicht so verlieren will. Nee, im Gegenteil. - Ja.
  81. Ich finde, unsere Lebensform ist totaler Kontrollverlust. Also, total! Weil im Grunde geben wir ja alles aus der Hand.
  82. Also, im Grunde ist einerseits sich ergreifen zu lassen ein Kontrollverlust, du gibst aus der Hand, wo wohne ich,
  83. du gibst aus der Hand, wie lebe ich, in welcher Gemeinschaft lebe ich? Du gibst aus der Hand, wie sieht es in 20 Jahre aus. So.
  84. Du kannst im anderen Leben, sage ich mal, viel mehr bewusst gestalten. Du kannst sagen: Okay, ich bin 30, jetzt kriege ich Kinder.
  85. Das ist bei uns gar nicht. Aber das hat auch mit Verliebtsein zu tun, finde ich,
  86. aber als ich merkte, ich kann es, wusste ich, ich bin hier richtig. So habe ich das noch nie gesehen.
  87. Stimmt, eigentlich geben sie alles ab. Sind sie ohne Job, Status, Vermögen
  88. vielleicht doch die freieren Menschen? Abendessen in der Stille.
  89. wobei Stille bedeutet, dass wir schweigen, während Ursula etwas vorliest.
  90. "Zu der ihn sein bisheriges Studium geführt hatte." Ich weiß nicht, worauf ich mich konzentrieren soll,
  91. auf den Text, das Essen, auf die Menschen um mich herum? Innere Einkehr spüre ich nicht, eher ein Unbehagen,
  92. mit fremden Menschen zusammen zu sitzen und nicht zu sprechen. Das bin ich nicht gewohnt, sonst stelle ich immer Fragen.
  93. Damit nerve ich sogar im Freundeskreis. (Sie beten.)
  94. Vor und nach dem Essen wird auch gebetet. Gott wird ständig angerufen.
  95. Na ja, ist ja auch ihr Job, die Verbindung nach oben zu halten. (alle:) ♪ Herr, eile mir zur Hilfe.
  96. Das letzte Stundengebet meines ersten Klostertages. Die Komplet, das Nachtgebet.
  97. ♪ Herr, du bist ein gnädiger Gott. (Sakraler Gesang)
  98. Vermutlich habe ich heute netto zweieinhalb Stunden gebetet. So viel wie in meinem ganzen Leben nicht.
  99. (Im Hintergrund:) Herr, schenke uns eine ruhige Nacht und erholsamen Schlaf.
  100. 6.00 Uhr morgens. Klöster sind gute Orte ...
  101. für Frühaufsteher. Auf leeren Magen: die Laudes, das Morgengebet.
  102. ♪ Herr, wecke meine Lippen. (alle:) Damit mein Mund dein Lob verkünde.
  103. Und mit Lob wird bei der Laudes nicht gespart. Gott zu loben, ihm zu jubeln, zu jauchzen, ihn richtig anzuhimmeln,
  104. darum drehen sich die Texte des Morgengebets. Nicht nur wegen der frühen Stunde kommt mir das schwer über die Lippen.
  105. Warum braucht Gott die Bestätigung, dass er groß ist - und ich klein? (Sakraler Gesang)
  106. ♪ Ehre dem Vater. ♪ Ehre dem Sohn.
  107. ♪ Ehre dem Heiligen Geist. Frühstück in kleiner Runde im Noviziat.
  108. Der Segen des allmächtigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes
  109. komme auf uns herab und bleibe bei uns alle Zeit. 6.00 Uhr aufstehen find ich ja fies,
  110. aber die Schwestern sind schon viel länger auf den Beinen. Wir mögen das so früh, wir sind so bekloppt.
  111. Wann steht ihr denn auf? Um 4.00? Ja, auf jeden Fall. - Spätestens.
  112. Nee, wirklich! - Ernsthaft. Ich habe auch für euch schon gebetet heute Morgen
  113. und habe schon Kerzchen angemacht. Also, ich kriege am Tag nicht die Zeit für mich zum Beten.
  114. Die brauche ich, und die bedeutet mir auch was. Und die Gebete dann ... also, beim Vesper und ...
  115. Die kommen dazu. - Ach so., Das eine ist privat, Meditation, Schriftlesung.
  116. Guten Morgen, liebe Christa. - Christa, geh bitte da ... Wie viele Gebete machst du denn am Tag?
  117. Ach so ... Ganz schön viele, oder?
  118. Muss keiner wissen, mach ich für mich alleine. Ich stehe um 5.00 auf, weil ich auch morgens meine Kontemplation mache.
  119. Also auch Meditation? Das ist mir sehr wichtig.
  120. Schmeckt es? - Sehr gut, danke. Bin auch ganz glücklich gerade mit dem Kaffee und so.
  121. So 'ne Messe auf leeren Magen finde ich schon ... (Sie unterhalten sich.)
  122. Ich erhoffe mir in dem Kreis Antworten, wie die Schwestern zu Gott gefunden haben.
  123. Von Schwester Christa etwa, sie ist 90 Jahre alt und mit 25 in den Orden eingetreten.
  124. Wie so 'ne Eingebung? Oder ... Ich wusste es. - Mhm.
  125. War klar. - Ja. Da habe ich gemerkt, nichts was man im Leben tut, ist umsonst. - Ja.
  126. Meinst du? - Ja. Selbst das Negative nicht. - Mhm.
  127. Hat alles seinen Sinn, meinst du? - Ja. Das ist ein sehr tröstlicher Gedanke. - Ja.
  128. Doch. Aus dem Negativen, man hat immer die Erfahrung. Mhm, das stimmt.
  129. Oder man lernt ja vielleicht. - Man lernt ja. Christa war lange als Missionarin und Entwicklungshelferin in Bolivien.
  130. Und war das eine schöne Zeit für dich in Bolivien? Es war für mich die beste Zeit. - Ja?
  131. Ich bin erst mit 50 rübergegangen. - Ja. Das war die beste Zeit.
  132. Wie lang warst du da? - 28 Jahre. Oh, wow.
  133. Dann hat mich das verrückt gemacht, dass die Leute keine Hoffnung mehr hatten. - Ja.
  134. Die waren wie ... tot. Die sind vom Land gekommen wegen ihrer Kinder, weil sie arm waren.
  135. Was sagst du dann solchen Menschen? - Gar nichts. Mhm. - Gar nichts.
  136. Wie hat sich denn die Rolle der Kirche verändert? Kirche ist ja nicht mehr so wichtig im Alltag der Menschen.
  137. Ich finde, die Kirche hat sich ... ist befreiter geworden.
  138. Ja? - Ja, doch. Also, ich war die erste Generation im Kloster,
  139. wo unsere Novizinnenmeisterin sagte: "Ihr fragt alle immer nur warum." Ja. - Ja. Ich bin '52 eingetreten.
  140. Die ältere Generation sind deutlich mehr, da kommen ja nicht so viele nach, ist das nicht traurig?
  141. Nein, hm ... Ich sehe das auch als einen ...
  142. Prozess. Also, ich lerne immer viel von der Geschichte. Wenn etwas negativ ist, dann gucke ich in die Geschichte.
  143. Immer in der Geschichte ... wenn ...
  144. wenn es so stürmische Zeiten gab, dann ging es zurück.
  145. Auf wenige. - Mhm. Aber wenn diese wenigen wirklich echt leben,
  146. dann kommt auch neues Leben. - Mhm. Wann ist man denn eine echte Nonne?
  147. Gut, das ist 'ne Frage. Also, die kann ich nicht beantworten.
  148. Echte Nonne ... Du bist echt ...
  149. Du bist immer ein Suchender - Mhm. Ja. - Und wenn du ein Suchender bleibst,
  150. bist du echt, dann bist du im Grunde immer verbunden Das ist auch etwas ... auf deine Frage heute Morgen:
  151. Man ist Suchender. - Mhm. Es gibt meiner Ansicht nach keinen Menschen,
  152. der nicht nach Gott sucht. Meinst du nicht? - Nein.
  153. Tja, ich habe ihn ja auch lange nicht gesucht. Von Freunden oder Teilen meiner Familie weiß ich,
  154. dass sie gar nicht erst suchen, weil sie auch nicht erwarten, etwas zu finden
  155. (Melancholische Musik) Wer wie ich im Noviziat ist, kann im Kräutergarten mitarbeiten.
  156. Die Mädels hier sind keine Novizinnen, sie machen ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr im Kloster.
  157. Also kein Nachwuchs. Anders als Janina.
  158. Sie ist ein regelmäßiger und gern gesehener Gast bei den Schwestern. Ja, mich fasziniert halt einfach, ja ...
  159. die Suche nach dem, was das Leben ausmacht, was das Leben schön macht.
  160. Das habe ich in der Religion gefunden oder in Gott. Wie stellst du dir den vor? Hast du ein Bild? - Nee, hm ...
  161. Ich habe da mehr ein Gefühl eigentlich. Man merkt manchmal, vielleicht kennst du das,
  162. wenn du in einem Raum stehst oder du bist alleine, du siehst nichts, und du weißt trotzdem, dass noch jemand da ist.
  163. Kennst du das? - Ja, kenne ich. Spürst du so eine Präsenz? - Genau.
  164. Wow. - Ja ... Ist nicht immer so, dass ich sage, okay,
  165. hier ist der innere Schalter und ich weiß, wenn ich das und das mache, dann fühle ich diese Gegenwart.
  166. Das ist mehr ein Geschenk eigentlich. - Cool. Diese Suche, dass man schaut, wo kann ich dem begegnen.
  167. Ja. - Ich glaube ... Wo kann ich dem denn begegnen?
  168. Ich glaube, am besten in dir selber. Hm. - Ja.
  169. Das war jetzt wohl nicht die Antwort, die du dir gewünscht hast, Ich glaube, dass Gott einer ist, der begleitet.
  170. Mhm. - Wenn man zu dem sagt, bitte geh mit, oder gib mir Kraft und unterstütz mich einfach dabei,
  171. dass das dann schon so ein Mitgehen irgendwie ist. Das ist ... - Macht er das auch mit Ungetauften?
  172. Definitiv! Genau. Auf jeden Fall. Genauso ein Geschöpf Gottes, genauso geliebt, auf jeden Fall.
  173. Bin ich fest davon überzeugt. Ich meine ... So weit käm's noch!
  174. Die Schwestern verkaufen die Kräutertees aus dem eigenen Garten im Klosterladen.
  175. Wow. Total gut.
  176. Janina sagt, Gott sei in mir. Diese Vorstellung gefällt mir besser als die,
  177. dass er mich die ganze Zeit von oben kritisch beurteilt. So! Punktlandung.
  178. Irgendwie beneide ich Janina, die sich von ihrem Gott geliebt und getragen fühlt.
  179. (Rascheln) Das finde ich echt abgefahren, dass du da so eine Präsenz spürst.
  180. Das ist toll, oder? - Auf jeden Fall. Also, ich weiß jetzt nicht, ob ...
  181. Ich glaube, das ist durchaus für jeden zugänglich. - Ja? Ja, ich weiß nicht. Wo warst du damals mit dem Meditieren?
  182. Ach so, ja, in Kambodscha. Mhm. Und wie ging's dir da ... - Also, da ...
  183. Ja, da habe ich auch so abgefahrene Erfahrungen gemacht, dass ich so Energien gefühlt habe.
  184. Ja, ist doch schon mal schön, oder? Ja, ja. Die Frau hat gesagt ...
  185. Die macht so ein ... Heilen mit der Energie deines weiß ich nicht. - Ah. Kosmischen Körpers. - Der Körper hat ja Energie.
  186. Ich habe das natürlich nicht so ganz geglaubt. und dann sagte sie: "Doch, doch, das spürst du."
  187. Dann machte sie nur so. Dann haben wir beide so gemacht. Und wirklich, ohne Scheiß, ich bin eigentlich nicht so,
  188. ich habe das gespürt. Ich habe das Ding hin- und hergehen gespürt. Und so Situationen gab's mehrere.
  189. Dass ich mich durchflutet gefühlt habe von ... Liebe.
  190. He, da haben wir's doch schon, oder? Sie hatte noch nie eine Gottesbegegnung
  191. und fühlt sich durchflutet von Liebe. - Ja ... Jetzt weiß ich nicht, da muss man auch ...
  192. Da muss man ... wie du sagst, da braucht es Raum dafür. Im Alltag finde ich es oft schwierig,
  193. mich mit solchen Fragen zu beschäftigen. Meistens bin ich abgelenkt vom Außen:
  194. Job, Hobbys, Freunde, das nervige Handy, plus alle anderen Medien. Ich habe tatsächlich nie den Raum gefunden in meinem Alltag.
  195. Vielleicht gab es bislang auch nicht den richtigen Moment? Am Nachmittag bin ich mit Schwester Anna verabredet.
  196. Sie ist seit 1964 im Orden. Was ist das da? - Das ist ein Kinderlätzchen.
  197. Ach so. - Guck mal, das kommt jetzt hier drauf. Dann habe ich hier noch was gemacht. Guck mal, hier.
  198. Ein Flamingo! Wieso bist du in den Orden gegangen? - Warum?
  199. Weil ich das einfach ... das hat mich gezogen. Du hast doch auch gefeiert. - Ja.
  200. Ja. Tanzen, ich habe Karneval gefeiert bis in die Nacht rein. Aber ich hatte nie eine Beziehung zu einem Mann.
  201. Nicht? Nie? Nie? Nie? - Nein. Auch nicht mal so geschwärmt?
  202. Nee. Ich hatte mal einen, da hoffte ich, der geht schnell wieder.
  203. So ein Nachbarjunge. Ich komme ja vom Land. - Ja. Der war auch hinter mir her.
  204. Wenn der weg war, war ich glücklich, wenn der kam, sollte er gehen. Ich hatte gar kein Empfinden dafür.
  205. Also meinst du ... - Das ist eine Gnade. Eine besondere Gnade, würde ich sagen. - Ja.
  206. Ein Geschenk Gottes. (Lautes Lachen)
  207. Da bist du einigen Ärger los. Da kommt vielleicht anderer dazu. - Ziemlich sicher.
  208. (lachend:) Schön. Schwester Anna ist als junge Frau im Kloster schwer erkrankt.
  209. Sie musste wieder nach Hause, um gesund zu werden. War wohl alles ziemlich knapp, und sie wäre fast daran gestorben.
  210. Der wollte mich haben, das spüre ich. Also, durch die Krankheit, hast du da noch mal richtig hingefunden?
  211. Also, er hat mich, wie soll ich das sagen. Er hat mich festgehalten. Meine Mutter sagte: "Was machst du jetzt?"
  212. Ich gehe wieder, das ist mein Weg. Das habe ich einfach gespürt.
  213. Und ich möchte für ihn und für die Rettung der Seele ... - Ja. Glaube an die Hölle und das Fegefeuer. Das gibt es.
  214. Das glaubst du? - Natürlich! Das kann ich nicht glauben.
  215. Du glaubst doch nicht, dass alles, was da draußen passiert, diese Bosheit ... - Ja, aber dann müssen doch da ...
  216. Drei Viertel der Deutschen könnten dann ja in die Hölle wandern. Meinst du, die kämen in den Himmel? Noch nicht.
  217. Die müssen sich erst reinigen lassen. - Ja. Wie geht das? - Das müssen wir ihm überlassen.
  218. Barmherzigkeit und Liebe, das ist das A und O. Gott ist die Liebe und die Barmherzigkeit.
  219. Und der hilft uns. Ihr habt ja euer Leben Gott oder Jesus gewidmet.
  220. Wie ist es denn, wenn man sich verlieben sollte? Das hat es gegeben.
  221. Die haben einen kennengelernt und sind ausgetreten. Anfangs, wie ich hier war, da waren viele.
  222. Oder sie sind weggeschickt worden. Dann hatten wir auch Lesben. Die haben sie auch weggeschickt.
  223. Das ist ja auch so ein Klischee, dass viele Lesben, die das früher nicht ausleben konnten,
  224. dass die ins Kloster gingen. - Ja. Die wurden weggeschickt, weil das nicht zu ertragen war. - Okay.
  225. Also ... - Ich habe es erlebt, also, ganz knapp, aber ... Mhm. Ja. - Ja? Was waren ...
  226. Gibt es ja heute immer mehr. Ja, ich glaube, es wird einfach offener gelebt halt.
  227. Aber ist man da abtrünnig? Nein! Das hat damit nix zu tun.
  228. Den Glauben kann ich behalten. Hölle und Fegefeuer, das sind für mich antiquierte Begriffe.
  229. An so was mag ich nicht glauben. Und das passt für mich auch nicht mit der Liebe zusammen,
  230. von der sie hier immer sprechen. (Sakraler Gesang)
  231. Wieder das Abendgebet. (alle:) ♪ Elende hat sie beherbergt.
  232. ♪ Preiset die gläubige Frau, ♪ die im Vertrauen nicht wankte.
  233. ♪ Nun ruht sie selig bei ihm. ♪ Amen.
  234. Mit den Gebeten bin ich eher überfordert, auch die Texte klingen wie aus einer anderen Welt.
  235. Mit meinem Leben hat das wenig zu tun. Aber trotz all der Dinge, die mich irritieren,
  236. fühle ich mich überraschend wohl hier und gut aufgehoben in der Gemeinschaft der Schwestern.
  237. (Regen prasselt.) (Nachdenkliche Musik)
  238. Hallo, guten Morgen. Sind wir hier richtig? - Ich glaube schon, oder?
  239. Ich weiß es nicht. - Doch, doch, wir sind hier richtig. Einmal im Jahr pilgern die Dominikanerinnen
  240. aus Arenberg zum Marien-Wallfahrtsort Bornhofen am Rhein. Ich freue mich, mal rauszukommen.
  241. (Sie unterhalten sich.) Wie lange bist du hier? - Hier bin ich jetzt erst seit Ende Juni.
  242. Seit unser Kloster in Redenbach in der Schweiz jetzt ... zugemacht haben, ne.
  243. Und wie ist das? Ist das wie so ein krasser Umzug dann auch? Ja, ist schon Abschied nehmen.
  244. Ist schon auch ein kleines Sterben immer. Du hast eher einen kontemplativeren Ansatz, stimmt das?
  245. Ja, aber das ist dann auch erst in ... sag ich mal, in der Lebensmitte dann so gewachsen. - Ja.
  246. Ich war auch mal in einer sehr großen Krise, wo vieles zusammenkam, auch mein Traumata durch einen Unfall.
  247. Es war so dunkel, dass ich nicht mehr wusste, ob es überhaupt noch einen Gott gibt. - Oh ja, okay.
  248. Und dann war eigentlich mein Gebet da nur so ein ... so ein Schrei nach Licht. Nach Licht, ne?
  249. Und da habe ich auch Physiotherapie gemacht, und nach ...
  250. In diesem Prozess bin ich mehr dazu gekommen, zu diesem neuen Gottesbild,
  251. dass also Gott nicht außen ist. natürlich ist er auch außen, aber auch in mir.
  252. Meinst du? - Ja, ganz sicher. Man muss nur ... es ist bloß so viel verschüttet. - Ja.
  253. So was hat ja schon Janina gesagt. Das ist für mich eine schönere Vorstellung
  254. als ein Gott, der von oben alles richtet. Bist du die Chefin heute? Ah!
  255. Ich heiße Sie alle herzlich willkommen. In ungefähr einer halben Stunde sind wir da.
  256. Sobald wir jetzt am Rhein unten sind, dann werden wir gleich eine Gebetseinheit halten.
  257. Sie müssen kräftig mitsingen! (Sie unterhalten sich.)
  258. "Gott, du hast deinen Knecht Abraham auf allen Wegen unversehrt behütet."
  259. "Geleite auch deine hier versammelten Gläubigen auf ihrer Wallfahrt."
  260. "Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herren." ♪ Maria breite den Mantel aus.
  261. (alle:) ♪ Patronin voller Güte ♪ uns alle Zeit behüte.
  262. Gegrüßet seist du Maria, voll der Gnade. Der Herr ist mit dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen.
  263. (alle:) Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes, Amen.
  264. Kamp-Bornhofen am Rhein, in der Nähe der Loreley. Schon seit dem 13. Jahrhundert sollen Menschen hierher gepilgert sein.
  265. Maria, die Mutter Jesu, wird hier verehrt. Für Schwester Anna ist die Wallfahrt ein ganz besonderer Termin im Jahr.
  266. (Orgelmusik) (Sie beten.)
  267. Auch der Kaplan von Arenberg ist mitgekommen und hält die Messe. Christus, dein Sohn, unseren Herren und Gott.
  268. Bei der Verteilung der Kommunion folge ich einem Impuls. Als nicht Getaufte darf ich ja keine Hostie bekommen,
  269. aber ich darf mich segnen lassen. (Orgelmusik)
  270. Und irgendwie bin ich ganz berührt. Ich kann nicht sagen warum, aber mir kommen fast die Tränen.
  271. Vielleicht hat es damit zu tun, dass ich mich für einen Moment als Teil dieser Gemeinschaft fühle?
  272. Ganz überraschend für mich. (Sakraler Gesang, Orgelmusik)
  273. Nach der Messe haben wir noch ein bisschen Zeit, bevor es zurück ins Kloster geht.
  274. Janina, die aus Bayern ist, war noch nie am Rhein. Hat er so gesegnet hier? - Ja.
  275. Das hat mich irgendwie ... - Überhaupt, ich finde immer, gibt es für manche Segen ...
  276. Ich finde immer gut, wenn die Priester richtig die Hände auf den Kopf legen, damit man das spürt. - Ja.
  277. Also, das hat schon was. Ich hätte heulen können danach.
  278. Mhm. Ist doch schön. Es ist nicht schön, wenn du heulst, aber wenn es dich berührt. - Ja.
  279. Hast du ernsthaft überlegt, auszutreten? Wir plaudern noch ein bisschen über ...
  280. tja, Gott und die Welt. Ich habe den Eindruck, die Frauen hier sind erfüllt von einer Liebe,
  281. sie würden das wohl die Liebe Gottes nennen. Und sie geben die mit ihrer Herzlichkeit auch an andere weiter.
  282. Jedenfalls fühlt es sich bei mir so an. (Nachdenkliche Musik)
  283. Es ist so interessant, ich ... Also, ihr seid alle so unterschiedlich.
  284. Ihr habt alle so unterschiedliche Haltungen dazu. Das hast du ja umgesetzt. - Ja.
  285. Jetzt kommt die "Tessa". - Guck mal. (Nachdenkliche Musik)
  286. Zurück im Kloster Arenberg, im Kreis der Schwestern. (Gespräche im Hintergrund.)
  287. Wenn man diese Einkleidung hat, ich stelle mir so vor, man gibt da seine Individualität, zumindest die optische, ab.
  288. Klar, man sagt, Kleider machen Leute. merkt man ja, wie individuell wir sind und ganz unterschiedlich.
  289. Das kommt halt danach anders zum Tragen und weniger durch die Kleidung. Das soll schon so sein.
  290. Wir sind eine unter einer Gemeinschaft und nicht herausstechend und nicht ganz irgendwie ...
  291. ähm ... was Besonderes. Und dann kommen wir auf das Elend der Flüchtlinge.
  292. (Gespräch im Hintergrund.) Ich habe gehört, 160.000 Menschen sind schon im Mittelmeer ertrunken
  293. in drei Jahren. Eigentlich war es ja klar,
  294. dass man auch in einem Kloster am Weltgeschehen Anteil nimmt. Trotzdem hatte ich die Vorstellung, dass so etwas hier kein Thema ist.
  295. Ein Klischee, das mir total peinlich ist. Diese Menschen fühlen sich wohl verlassen von Gott. - Ja. Aber total.
  296. Tragischer geht's gar nicht. Und da kann man ... was sagt man da?
  297. Man kann höchstens sagen, dass Gott keiner ist, der draußen ist und zuguckt,
  298. sondern er ist ja in den Menschen, er leidet das mit mit den Tausenden. Also, das göttliche Leben ist ja in einem.
  299. Aber so ein Gottesbild haben doch viele. Der liebe Gott, der Mann mit dem weißen Bart, der oben zuguckt.
  300. Das ist so ein Beispiel, als unsere Generalpriorin an Krebs erkrankte, da sagten viele: "Warum schickt Gott uns das jetzt?"
  301. Ah, so einen Gedanken, das finde ich absolut pervers. Also so, warum schickt der uns das. - Ja.
  302. Als säße der da oben am Hebel: "Oh, den Dominikanerinnen, denen geht's ein bisschen gut."
  303. "Schicken wir mal Krebs zur Generalpriorin." Weißt du, das finde ich absolut pervers.
  304. Und wenn ich sehe, was in Familien manchmal los ist, wie viel Unheil da oft ist,
  305. dass die sich komplett gestraft fühlen, finde ich völlig menschlich. Und das Gefühl kann man nicht einfach wegrationalisieren
  306. und sagen, das ist nicht so. Aber wie gehst du damit um?
  307. Ich merke, wenn du dann so ein Gottesbild kriegst, nach dem Motto, der muss dich strafen,
  308. denkst du nur, was du falsch gemacht hast und lebst in der Vergangenheit. Die Frage ist für mich immer,
  309. wie erkläre ich einem, der gar nichts glaubt? Das ... - Kann man nicht erklären.
  310. Ja, eben. - Auch einem Gläubigen nicht. Ja. Aber ich kann einem Gläubigen irgendwie ...
  311. von der Erfahrung her, oder was du so sagst, aber für einen Ungläubigen ist da ja ein Loch.
  312. Ja! Ja, Leben ist nicht immer leicht.
  313. (Musik: "Small Things von Ben Howard) Viel zu früh am Morgen.
  314. Ich helfe beim Frühstücksdienst, alles vorbereiten, bevor die Schwestern kommen.
  315. (Musik: "Small Things von Ben Howard) (alle:) Kommt, lasst uns jubeln vor dem Herrn.
  316. Und natürlich die Laudes mit anschließender Messe. Mit diesen Morgenmessen habe ich merkwürdigerweise größere Probleme,
  317. als mit den Abendgebetsstunden. Als würde ich über den Tag hinweg offener für so was. Komisch.
  318. (Sakraler Gesang) Ich bin mit Schwester Christa verabredet,
  319. die ich sehr in mein Herz geschlossen habe. Sie beeindruckt mich, nicht nur, weil sie in Bolivien
  320. fast 30 lang Entwicklungsarbeit geleistet hat, sondern auch, weil sie einfach für klug halte.
  321. Bei ihr fühle ich meine Gedanken und Fragen richtig aufgehoben. (Sie unterhalten sich.)
  322. Wenn der Mensch ein bisschen denkt, die Natur ...
  323. es blüht, es gibt Frucht, die Blätter fallen ab, sind wieder Dung fürs nächste Jahr, es wächst neues Leben. - Mhm.
  324. Die ganze Schöpfung ist ... Das Fürchterliche ist,
  325. dass der Mensch einen freien Willen hat. - Mhm. Das ist fürchterlich und das größte Geschenk. - Ja.
  326. Denn ohne freien Willen kannst du nicht lieben. - Mhm. Und der Mensch ist für die Liebe geboren.
  327. Das ist gar nicht so leicht. Wenn man sie nicht findet, was ist dann? Die ganze Natur, ich könnte auch sagen, ist für ...
  328. Das Obst ist für, die Blätter, die fallen, sind für ... Ja, stimmt.
  329. Ich bin nicht nur für mich. - Ja. Dann bin ich natürlich abgeschlossen.
  330. Was würdest du jemandem raten, wenn er sucht, wenn er Gott sucht? "Umsonst fragst du die Schrift und Auskunft, frage die Erfahrung."
  331. Mhm. Also, wenn ich merke, dass ich immer mit denselben Sachen immer dieselben Fehler mache ...
  332. dann kann ich mich einfach an Gott wenden? Nö, du kannst dich immer an Gott wenden.
  333. Ja. Meinst du, dann finde ich ihn? - Hm?
  334. Meinst du, dann finde ich ihn? Ja? - Ja, aber ...
  335. Er ist unverfügbar. Du kannst nicht sagen, ich muss ihn morgen finden.
  336. Kann mich ja mit ihm verabreden. Gott macht das schon. Gott macht sich erfahrbar. - Mhm.
  337. Genau, wie ich sage, ich wusste plötzlich, dass ich ins Kloster gehen muss.
  338. Das war einfach da? - Ja. Du musst du selber sein. - Ja.
  339. Du musst du selber sein. Also, wenn ich mich wirklich auf Gott einlasse,
  340. dann muss ich so leben, wie er für die Menschen. Das ist kein Egoist.
  341. Im christlichen Sinn ist es ja so: Eines der Gebote ist, du sollst dich lieben,
  342. den anderen lieben wie dich selbst. Also, sich selbst auch lieben.
  343. Wenn du dich selbst nicht liebst ... Wenn du dich als Geschöpf Gottes begreifst ...
  344. Dann liebst du dich? Ja, also ...
  345. Ich finde das ganz schön schwer mit dieser Selbstliebe immer, weil das wird einem immer gesagt.
  346. Wenn du dich liebst, kannst du auch andere lieben und so. Manchmal ist das gar nicht so leicht.
  347. Aber jede Person hängt auch von der Liebe eines anderen ab. Wenn ...
  348. Wenn du weißt - oder daran glaubst, dass Gott dich liebt, wie du bist,
  349. wie du bist ... dann kannst du auch einen anderen lieben.
  350. Ja. - Wenn du glaubst, dass du nicht geliebt bist , ist es schwierig.
  351. Ja. (Melancholische Musik)
  352. Mein letzter Tag im Kloster Arenberg. (Melancholische Musik)
  353. (Janina:) In der Pfarrei, da waren ältere Damen. Und, hast du dich an den Tagesrhythmus gewöhnt?
  354. Es geht so. (Sie unterhalten sich.)
  355. Ich muss immer noch daran denken, was Christa über Gottes Liebe gesagt hat.
  356. Du spürst auch die Liebe Gottes in dir? - Ja, schon. Mal mehr, mal weniger. Ja, doch.
  357. Und deswegen fühlst du dich auch geliebt und liebst dich selbst? Ja, genau. - Die Christa hat das auch gesagt.
  358. Echt? - Ja, dass du dich durch die Liebe Gottes auch selbst liebst.
  359. Ich habe da auch erst ... - Ich will jetzt auch ... Das ist ein Prozess. Ich dachte anfangs auch ...
  360. Letztendlich ist das ein total schöner Gedanke. An sich würde ich das auch wollen.
  361. Es wäre voll schön, wenn ich glauben könnte. Ich glaube, ich würde das gerne tun eigentlich. Ja.
  362. Also, würde ist "ich will", theoretisch. Aber? Nix aber, ich warte jetzt. - Ah, du wartest.
  363. Ich dachte, ich warte jetzt drauf. Eigentlich ist das vor allem durch die Begegnung ... hier mit euch.
  364. Okay. - Weil ich finde, da ist wirklich, so wie du das sagst, oder diese Haltung allein:
  365. Da ist so viel Liebe in mir, die will ich weitergeben. An mehrere Leute und nicht nur an seine Familie.
  366. Und man spürt das hier so in den Begegnungen und den Gesprächen mit den Frauen,
  367. dass da unglaubliche Herzlichkeit und Liebe und Wärme da ist. Und das beeindruckt mich total,
  368. weniger diese ganzen Gebete und so. Aber das ist das Schöne.
  369. (Melancholische Musik) Wie kann ich denn zu Gott finden?
  370. Hehehe. Ich glaube, du bist total auf der falschen Spur, wenn du ihn außerhalb suchst.
  371. Ich glaube, du kannst zu Gott finden, wenn du zu dir findest.
  372. Ich bin absolut davon überzeugt, dass er in allem und vor allem in uns gegenwärtig ist.
  373. Und sich auch in diese Welt hinein mitteilt durch uns Menschen. Das, was uns wirklich alle verbindet,
  374. bei aller Unterschiedlichkeit, dass wir irgendwann mal alle sehr ergriffen worden sind,
  375. von dieser Liebe, die ... alles Begreifen übersteigt, die stärker ist und größer ist.
  376. Und wir versuchen, aus dieser Liebe heraus, auch weiterzugeben
  377. und das Leben zu gestalten. (Sie unterhalten sich.)
  378. Also, ich würde gerne glauben, glaube ich. Ja, schon mal eine super Voraussetzung. Haha.
  379. (Gebetsglocke läutet) (Sie unterhalten sich, melancholische Musik)
  380. (Sie beten.) Das letzte Tischgebet, bevor es zurück in mein normales Leben geht,
  381. Mit all dem Trubel des Alltags, seinen Ablenkungen, und ja, auch Oberflächlichkeiten.
  382. Mir ist echt ein wenig weh ums Herz. Ich habe selten so intensive Gespräche
  383. über die großen Fragen des Lebens geführt. Hier waren Raum und Zeit dafür.
  384. Das, so ist mein Eindruck nach der Woche, ist schließlich ihr Beruf, wenn man das so nennen will,
  385. die Pflege der Gottesbeziehung, also ständiges Fragen und Suchen nach Antworten
  386. (Sie unterhalten sich.) Zeit, tschüss zu sagen, und ich ahne schon,
  387. das geht nicht ohne Tränen. Ich habe nämlich noch ein paar.
  388. Und das leihst du mir? - Ich schenk's dir. Ich wollte sagen, du hast dich in mein Herz gestohlen,
  389. und ich bete viel für dich. Es war so toll, dich kennenzulernen. - Ja.
  390. Alles Liebe. Komm gut nach Hause. Lass dich noch mal drücken.
  391. Oh Mann, ey. Wahnsinn. Ach.
  392. Schön. Also, Gottes Segen ... der wird sich dir zeigen. Macht er schon. Macht dich schon unruhig.
  393. Muss gleich heulen. Am Ende fallen mir Christas Worte ein.
  394. "Du bist immer ein Suchender", hat sie gesagt. "Und wenn du ein Suchender bleibst,
  395. dann bist du echt, dann bist du immer verbunden." (Melancholische Musik)
  396. SWR 2020

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