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7 Tage... Leben im Kloster | SWR Doku
Das Wichtigste aus dem Video
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Transkriptautomatisch erstellt · 396 Zeilen
- . Das bin ich, Sara.
- (Türsummer) Hallo. - Guten Morgen, herzlich willkommen.
- Sieben Tage ziehe ich ins Kloster, zu Ordensschwestern. Für mich eine völlig fremde Welt.
- Danke fürs Aufnehmen. - Gerne. Sollen wir einen Rundgang machen, bevor wir ins Noviziat gehen?
- Ja. - Ja, ist vielleicht ganz gut. Das ist Schwester Ursula.
- Sie ist die nächsten Tage meine Ansprechpartnerin für alle Fragen. Davon werde ich bestimmt viele haben.
- Die Tafel ist ganz wichtig, da steht so das Tagesprogramm drauf., was los ist.
- Laudes ist dann... - Das ist das Morgengebet, die Messe, Frühstück, Mittagsgebet, Mittagessen. Damit steigen wir gleich ein. - Aha.
- Mittagessen, dann Rosenkranz, Vesper, Tisch. Auf den Fluren reden wir nicht,
- also, nur in den Fensternischen und am Telefon reden wir. - Ach so. Und generell, wenn es nicht notwendig ist, zu sprechen,
- wird hier nicht gesprochen. Und hier aber ist so ein Raum, wo man reden kann.
- Das Schweigen soll die Grundlage unseres Lebens sein und nicht das Reden.
- Das Reden ist die Ausnahme. Merkt man vielleicht grad nicht. Hm, die Grundlage meines Lebens ist eher das Reden.
- Ich bin jetzt echt gespannt, was das so mit Ihnen macht, die Zeit. Eben nichts Schlechtes. - Nee, also, im Gegenteil wahrscheinlich.
- Sieben Tage werde ich im Kloster Arenberg unter Dominikanerinnen leben.
- Ich bin nicht getauft, christliche Rituale sind mir fremd. Und wie ich es überhaupt mit dem Glauben an einen Gott halte,
- habe ich immer offengelassen. Aber je älter ich werde, desto mehr beschäftigt mich diese Frage.
- (Melancholische Musik) ♪ Oh Gott, komm mir zu Hilfe.
- (alle:) ♪ Herr, eile mir zu helfen. ♪ Ehre sei dem Vater und dem Sohn.
- Ich habe mir vorgenommen, alles mitzumachen. Das bedeutet vor allem: beten.
- Morgens, mittags, abends, zu festen Zeiten. ♪ Die Weisung des Herrn ist vollkommen.
- ♪ Sprich mich frei von Schuld, die mir nicht bewusst ist. (alle:) ♪ Behüte deinen Knecht auch vor vermessenen Menschen.
- ♪ Singet, lobt und preist. Der Tag ist durch die Stundengebete völlig durchgetaktet.
- Schon das würde mich eher nerven. Ich sehe mein erstes Vorurteil bestätigt:
- Das Leben im Kloster ist unfrei. Aber dieser Gedanke ist eigentlich anmaßend,
- ich bin ja gerade eine Stunde hier. (Sie unterhalten sich.)
- Du bist zur Probe? Kloster auf Zeit, so wie du. Oder Sie. - Ach so. Du, oder?
- Sollen wir "du" oder "Sie" sagen? - Sehr gerne "du". Ja? Super! Gerne. - Super. Sehr schön.
- Ich muss dich nach deinem Namen fragen. - Sara. Janina, ne? - Genau.
- (Sie unterhalten sich.) Wir sitzen am sogenannten Noviziatstisch.
- Das ist der Tisch für die Neulinge, also für Frauen, die sich fürs Ordensleben interessieren
- oder sogar planen einzutreten. Viel Besuch bekommen die Dominikanerinnen
- allerdings nicht von jungen Frauen. (Melancholische Musik)
- (Sie unterhalten sich.) Die Schwestern Ursula, Christa, Anna, Monika sind für Neulinge
- oder Interessentinnen wie Janina und mich feste Ansprechpartnerinnen. Ihr trefft euch regelmäßig jeden Tag?
- Montag, Dienstag und Donnerstag. - Okay. Und dann wird was besprochen?
- Nichts. Gequatscht ― über Gott und die Welt. Ist das eigentlich wie so eine Familie hier?
- Ja. Mit Schwiegermüttern. Kann man vergleichen.
- Es sind nicht diese Bande, aber trotzdem haben wir große Fürsorge füreinander.
- Wir suchen uns nicht aus, das ist auch wie Familie. Deshalb sind wir Schwestern und nicht per se Freundinnen.
- Das gibt es auch. Das Nichtaussuchen ist schon eine Herausforderung.
- Wie in jeder Familie. Wann ist man denn passend?
- Also, wann ist man ... Wer Kloster auf Zeit macht wie Janina,
- ist ja schon ein echtes Interesse da. Ich kann mir vorstellen, dass diese Lebensform zu mir passt.
- Und dann ist es ja, wie ein ... gegenseitiges Schauen. Was findest du daran reizvoll?
- Also ... - Schwer zu sagen wahrscheinlich. Hm ... so das Ganze eigentlich.
- Die Kombination aus mehreren Aspekten. Gut, ich finde es immer sinnvoll,
- wenn man als Mensch nicht alleine lebt, sondern mit anderen Menschen. Andere heiraten.
- Könnte man auch machen. Wenn man sich auf eine Person konzentrieren wollte,
- dann könnte man das machen. Das wäre mir aber zu ... Zu eng. - Mhm.
- Also eine Ehe wäre zu ... Ja, gut, das könnte ich auch machen.
- Aber irgendwie ist der Platz schon vergeben. - Ja. Fühlst du das so richtig? - Ja, doch.
- Schon. Cool. - Schauen wir mal.
- Schwester Ursula war übrigens mal Apothekerin, hat sogar promoviert.
- Seit 2006 lebt sie hier im Kloster. Deine Mutter, die fand das nicht so toll?
- Ja, weil wir uns so gut verstanden haben. Ich habe früher in der Apotheke mit meiner Schwester gearbeitet.
- wir verstanden uns super. Was ist das denn, was das Kloster mehr kann als wir?
- So, und ... - Was hast du da geantwortet? Das wusste ich nicht.
- Das wollte ich aber rausfinden. Das war für mich genau der Punkt. Als ich eintrat, war das die offene Frage.
- Da dachte ich: Ist es richtig, hier zu sein? Bringt dein Leben hier am meisten Frucht?
- Am Nachmittag die nächste Gebetszeit: der Rosenkranz. Gegrüßet seist du Maria, voll der Gnade,
- der Herr ist mit dir. Der Rosenkranz ist Beten im Kreis.
- Fünf Vaterunser und 50 Ave Maria. Und damit man nicht durcheinander kommt, hat man diese Perlenkette.
- (Sie beten.) Durch das ständige Wiederholen
- komme ich überraschenderweise in eine Art innere Ruhe. Das ist ja wie eine gesprochene Meditation, eine Art Mantra.
- Still werden, Ruhe finden - damit kann ich etwas anfangen. (betend:) Und gebenedeit die Frucht deines Leibes, Jesus.
- (Sie beten.) (Melancholische Musik)
- Das Durchschnittsalter der Schwestern liegt hier im Mutterhaus bei 81 Jahren.
- Schwester Ursula ist mit ihren 44 die jüngste. Wir sind im gleichen Alter, und unser Leben, so denke ich,
- kann unterschiedlicher nicht sein. Warst du mal verliebt? - Ja, auch.
- (lachend:) Ja, doch. Also, es war jetzt nicht der, wo ich gleich gesagt hätte,
- den heirate ich auf jeden Fall. Ordentlich verliebt war ich schon. Diese Gefühle kenne ich gut.
- Aber es ist mir in meinem jetzigen Leben nicht fremd. Es gibt halt Momente,
- wo ich total hingerissen bin und überwältigt bin und ... Das finde ich, hat sehr ähnliche Qualitäten,
- wie wenn es auf einen Menschen gerichtet ist. Und ich finde auch so Kontrollverlust,
- also, auch das ist irgendwie so schön, dieses ... Du gibst ein Stück von dir ab. - Ja.
- Das finde ich so faszinierend. Das ist für mich auch Liebe.
- Ich mache mich verletzlich, ich gebe ein Stück von mir. Das finde ich was ganz Heiliges.
- Das ist wirklich was, das mich total ... Das ist interessant. Da hätte ich gedacht, dass das gar nicht so ...
- dass man diese Kontrolle gar nicht so verlieren will. Nee, im Gegenteil. - Ja.
- Ich finde, unsere Lebensform ist totaler Kontrollverlust. Also, total! Weil im Grunde geben wir ja alles aus der Hand.
- Also, im Grunde ist einerseits sich ergreifen zu lassen ein Kontrollverlust, du gibst aus der Hand, wo wohne ich,
- du gibst aus der Hand, wie lebe ich, in welcher Gemeinschaft lebe ich? Du gibst aus der Hand, wie sieht es in 20 Jahre aus. So.
- Du kannst im anderen Leben, sage ich mal, viel mehr bewusst gestalten. Du kannst sagen: Okay, ich bin 30, jetzt kriege ich Kinder.
- Das ist bei uns gar nicht. Aber das hat auch mit Verliebtsein zu tun, finde ich,
- aber als ich merkte, ich kann es, wusste ich, ich bin hier richtig. So habe ich das noch nie gesehen.
- Stimmt, eigentlich geben sie alles ab. Sind sie ohne Job, Status, Vermögen
- vielleicht doch die freieren Menschen? Abendessen in der Stille.
- wobei Stille bedeutet, dass wir schweigen, während Ursula etwas vorliest.
- "Zu der ihn sein bisheriges Studium geführt hatte." Ich weiß nicht, worauf ich mich konzentrieren soll,
- auf den Text, das Essen, auf die Menschen um mich herum? Innere Einkehr spüre ich nicht, eher ein Unbehagen,
- mit fremden Menschen zusammen zu sitzen und nicht zu sprechen. Das bin ich nicht gewohnt, sonst stelle ich immer Fragen.
- Damit nerve ich sogar im Freundeskreis. (Sie beten.)
- Vor und nach dem Essen wird auch gebetet. Gott wird ständig angerufen.
- Na ja, ist ja auch ihr Job, die Verbindung nach oben zu halten. (alle:) ♪ Herr, eile mir zur Hilfe.
- Das letzte Stundengebet meines ersten Klostertages. Die Komplet, das Nachtgebet.
- ♪ Herr, du bist ein gnädiger Gott. (Sakraler Gesang)
- Vermutlich habe ich heute netto zweieinhalb Stunden gebetet. So viel wie in meinem ganzen Leben nicht.
- (Im Hintergrund:) Herr, schenke uns eine ruhige Nacht und erholsamen Schlaf.
- 6.00 Uhr morgens. Klöster sind gute Orte ...
- für Frühaufsteher. Auf leeren Magen: die Laudes, das Morgengebet.
- ♪ Herr, wecke meine Lippen. (alle:) Damit mein Mund dein Lob verkünde.
- Und mit Lob wird bei der Laudes nicht gespart. Gott zu loben, ihm zu jubeln, zu jauchzen, ihn richtig anzuhimmeln,
- darum drehen sich die Texte des Morgengebets. Nicht nur wegen der frühen Stunde kommt mir das schwer über die Lippen.
- Warum braucht Gott die Bestätigung, dass er groß ist - und ich klein? (Sakraler Gesang)
- ♪ Ehre dem Vater. ♪ Ehre dem Sohn.
- ♪ Ehre dem Heiligen Geist. Frühstück in kleiner Runde im Noviziat.
- Der Segen des allmächtigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes
- komme auf uns herab und bleibe bei uns alle Zeit. 6.00 Uhr aufstehen find ich ja fies,
- aber die Schwestern sind schon viel länger auf den Beinen. Wir mögen das so früh, wir sind so bekloppt.
- Wann steht ihr denn auf? Um 4.00? Ja, auf jeden Fall. - Spätestens.
- Nee, wirklich! - Ernsthaft. Ich habe auch für euch schon gebetet heute Morgen
- und habe schon Kerzchen angemacht. Also, ich kriege am Tag nicht die Zeit für mich zum Beten.
- Die brauche ich, und die bedeutet mir auch was. Und die Gebete dann ... also, beim Vesper und ...
- Die kommen dazu. - Ach so., Das eine ist privat, Meditation, Schriftlesung.
- Guten Morgen, liebe Christa. - Christa, geh bitte da ... Wie viele Gebete machst du denn am Tag?
- Ach so ... Ganz schön viele, oder?
- Muss keiner wissen, mach ich für mich alleine. Ich stehe um 5.00 auf, weil ich auch morgens meine Kontemplation mache.
- Also auch Meditation? Das ist mir sehr wichtig.
- Schmeckt es? - Sehr gut, danke. Bin auch ganz glücklich gerade mit dem Kaffee und so.
- So 'ne Messe auf leeren Magen finde ich schon ... (Sie unterhalten sich.)
- Ich erhoffe mir in dem Kreis Antworten, wie die Schwestern zu Gott gefunden haben.
- Von Schwester Christa etwa, sie ist 90 Jahre alt und mit 25 in den Orden eingetreten.
- Wie so 'ne Eingebung? Oder ... Ich wusste es. - Mhm.
- War klar. - Ja. Da habe ich gemerkt, nichts was man im Leben tut, ist umsonst. - Ja.
- Meinst du? - Ja. Selbst das Negative nicht. - Mhm.
- Hat alles seinen Sinn, meinst du? - Ja. Das ist ein sehr tröstlicher Gedanke. - Ja.
- Doch. Aus dem Negativen, man hat immer die Erfahrung. Mhm, das stimmt.
- Oder man lernt ja vielleicht. - Man lernt ja. Christa war lange als Missionarin und Entwicklungshelferin in Bolivien.
- Und war das eine schöne Zeit für dich in Bolivien? Es war für mich die beste Zeit. - Ja?
- Ich bin erst mit 50 rübergegangen. - Ja. Das war die beste Zeit.
- Wie lang warst du da? - 28 Jahre. Oh, wow.
- Dann hat mich das verrückt gemacht, dass die Leute keine Hoffnung mehr hatten. - Ja.
- Die waren wie ... tot. Die sind vom Land gekommen wegen ihrer Kinder, weil sie arm waren.
- Was sagst du dann solchen Menschen? - Gar nichts. Mhm. - Gar nichts.
- Wie hat sich denn die Rolle der Kirche verändert? Kirche ist ja nicht mehr so wichtig im Alltag der Menschen.
- Ich finde, die Kirche hat sich ... ist befreiter geworden.
- Ja? - Ja, doch. Also, ich war die erste Generation im Kloster,
- wo unsere Novizinnenmeisterin sagte: "Ihr fragt alle immer nur warum." Ja. - Ja. Ich bin '52 eingetreten.
- Die ältere Generation sind deutlich mehr, da kommen ja nicht so viele nach, ist das nicht traurig?
- Nein, hm ... Ich sehe das auch als einen ...
- Prozess. Also, ich lerne immer viel von der Geschichte. Wenn etwas negativ ist, dann gucke ich in die Geschichte.
- Immer in der Geschichte ... wenn ...
- wenn es so stürmische Zeiten gab, dann ging es zurück.
- Auf wenige. - Mhm. Aber wenn diese wenigen wirklich echt leben,
- dann kommt auch neues Leben. - Mhm. Wann ist man denn eine echte Nonne?
- Gut, das ist 'ne Frage. Also, die kann ich nicht beantworten.
- Echte Nonne ... Du bist echt ...
- Du bist immer ein Suchender - Mhm. Ja. - Und wenn du ein Suchender bleibst,
- bist du echt, dann bist du im Grunde immer verbunden Das ist auch etwas ... auf deine Frage heute Morgen:
- Man ist Suchender. - Mhm. Es gibt meiner Ansicht nach keinen Menschen,
- der nicht nach Gott sucht. Meinst du nicht? - Nein.
- Tja, ich habe ihn ja auch lange nicht gesucht. Von Freunden oder Teilen meiner Familie weiß ich,
- dass sie gar nicht erst suchen, weil sie auch nicht erwarten, etwas zu finden
- (Melancholische Musik) Wer wie ich im Noviziat ist, kann im Kräutergarten mitarbeiten.
- Die Mädels hier sind keine Novizinnen, sie machen ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr im Kloster.
- Also kein Nachwuchs. Anders als Janina.
- Sie ist ein regelmäßiger und gern gesehener Gast bei den Schwestern. Ja, mich fasziniert halt einfach, ja ...
- die Suche nach dem, was das Leben ausmacht, was das Leben schön macht.
- Das habe ich in der Religion gefunden oder in Gott. Wie stellst du dir den vor? Hast du ein Bild? - Nee, hm ...
- Ich habe da mehr ein Gefühl eigentlich. Man merkt manchmal, vielleicht kennst du das,
- wenn du in einem Raum stehst oder du bist alleine, du siehst nichts, und du weißt trotzdem, dass noch jemand da ist.
- Kennst du das? - Ja, kenne ich. Spürst du so eine Präsenz? - Genau.
- Wow. - Ja ... Ist nicht immer so, dass ich sage, okay,
- hier ist der innere Schalter und ich weiß, wenn ich das und das mache, dann fühle ich diese Gegenwart.
- Das ist mehr ein Geschenk eigentlich. - Cool. Diese Suche, dass man schaut, wo kann ich dem begegnen.
- Ja. - Ich glaube ... Wo kann ich dem denn begegnen?
- Ich glaube, am besten in dir selber. Hm. - Ja.
- Das war jetzt wohl nicht die Antwort, die du dir gewünscht hast, Ich glaube, dass Gott einer ist, der begleitet.
- Mhm. - Wenn man zu dem sagt, bitte geh mit, oder gib mir Kraft und unterstütz mich einfach dabei,
- dass das dann schon so ein Mitgehen irgendwie ist. Das ist ... - Macht er das auch mit Ungetauften?
- Definitiv! Genau. Auf jeden Fall. Genauso ein Geschöpf Gottes, genauso geliebt, auf jeden Fall.
- Bin ich fest davon überzeugt. Ich meine ... So weit käm's noch!
- Die Schwestern verkaufen die Kräutertees aus dem eigenen Garten im Klosterladen.
- Wow. Total gut.
- Janina sagt, Gott sei in mir. Diese Vorstellung gefällt mir besser als die,
- dass er mich die ganze Zeit von oben kritisch beurteilt. So! Punktlandung.
- Irgendwie beneide ich Janina, die sich von ihrem Gott geliebt und getragen fühlt.
- (Rascheln) Das finde ich echt abgefahren, dass du da so eine Präsenz spürst.
- Das ist toll, oder? - Auf jeden Fall. Also, ich weiß jetzt nicht, ob ...
- Ich glaube, das ist durchaus für jeden zugänglich. - Ja? Ja, ich weiß nicht. Wo warst du damals mit dem Meditieren?
- Ach so, ja, in Kambodscha. Mhm. Und wie ging's dir da ... - Also, da ...
- Ja, da habe ich auch so abgefahrene Erfahrungen gemacht, dass ich so Energien gefühlt habe.
- Ja, ist doch schon mal schön, oder? Ja, ja. Die Frau hat gesagt ...
- Die macht so ein ... Heilen mit der Energie deines weiß ich nicht. - Ah. Kosmischen Körpers. - Der Körper hat ja Energie.
- Ich habe das natürlich nicht so ganz geglaubt. und dann sagte sie: "Doch, doch, das spürst du."
- Dann machte sie nur so. Dann haben wir beide so gemacht. Und wirklich, ohne Scheiß, ich bin eigentlich nicht so,
- ich habe das gespürt. Ich habe das Ding hin- und hergehen gespürt. Und so Situationen gab's mehrere.
- Dass ich mich durchflutet gefühlt habe von ... Liebe.
- He, da haben wir's doch schon, oder? Sie hatte noch nie eine Gottesbegegnung
- und fühlt sich durchflutet von Liebe. - Ja ... Jetzt weiß ich nicht, da muss man auch ...
- Da muss man ... wie du sagst, da braucht es Raum dafür. Im Alltag finde ich es oft schwierig,
- mich mit solchen Fragen zu beschäftigen. Meistens bin ich abgelenkt vom Außen:
- Job, Hobbys, Freunde, das nervige Handy, plus alle anderen Medien. Ich habe tatsächlich nie den Raum gefunden in meinem Alltag.
- Vielleicht gab es bislang auch nicht den richtigen Moment? Am Nachmittag bin ich mit Schwester Anna verabredet.
- Sie ist seit 1964 im Orden. Was ist das da? - Das ist ein Kinderlätzchen.
- Ach so. - Guck mal, das kommt jetzt hier drauf. Dann habe ich hier noch was gemacht. Guck mal, hier.
- Ein Flamingo! Wieso bist du in den Orden gegangen? - Warum?
- Weil ich das einfach ... das hat mich gezogen. Du hast doch auch gefeiert. - Ja.
- Ja. Tanzen, ich habe Karneval gefeiert bis in die Nacht rein. Aber ich hatte nie eine Beziehung zu einem Mann.
- Nicht? Nie? Nie? Nie? - Nein. Auch nicht mal so geschwärmt?
- Nee. Ich hatte mal einen, da hoffte ich, der geht schnell wieder.
- So ein Nachbarjunge. Ich komme ja vom Land. - Ja. Der war auch hinter mir her.
- Wenn der weg war, war ich glücklich, wenn der kam, sollte er gehen. Ich hatte gar kein Empfinden dafür.
- Also meinst du ... - Das ist eine Gnade. Eine besondere Gnade, würde ich sagen. - Ja.
- Ein Geschenk Gottes. (Lautes Lachen)
- Da bist du einigen Ärger los. Da kommt vielleicht anderer dazu. - Ziemlich sicher.
- (lachend:) Schön. Schwester Anna ist als junge Frau im Kloster schwer erkrankt.
- Sie musste wieder nach Hause, um gesund zu werden. War wohl alles ziemlich knapp, und sie wäre fast daran gestorben.
- Der wollte mich haben, das spüre ich. Also, durch die Krankheit, hast du da noch mal richtig hingefunden?
- Also, er hat mich, wie soll ich das sagen. Er hat mich festgehalten. Meine Mutter sagte: "Was machst du jetzt?"
- Ich gehe wieder, das ist mein Weg. Das habe ich einfach gespürt.
- Und ich möchte für ihn und für die Rettung der Seele ... - Ja. Glaube an die Hölle und das Fegefeuer. Das gibt es.
- Das glaubst du? - Natürlich! Das kann ich nicht glauben.
- Du glaubst doch nicht, dass alles, was da draußen passiert, diese Bosheit ... - Ja, aber dann müssen doch da ...
- Drei Viertel der Deutschen könnten dann ja in die Hölle wandern. Meinst du, die kämen in den Himmel? Noch nicht.
- Die müssen sich erst reinigen lassen. - Ja. Wie geht das? - Das müssen wir ihm überlassen.
- Barmherzigkeit und Liebe, das ist das A und O. Gott ist die Liebe und die Barmherzigkeit.
- Und der hilft uns. Ihr habt ja euer Leben Gott oder Jesus gewidmet.
- Wie ist es denn, wenn man sich verlieben sollte? Das hat es gegeben.
- Die haben einen kennengelernt und sind ausgetreten. Anfangs, wie ich hier war, da waren viele.
- Oder sie sind weggeschickt worden. Dann hatten wir auch Lesben. Die haben sie auch weggeschickt.
- Das ist ja auch so ein Klischee, dass viele Lesben, die das früher nicht ausleben konnten,
- dass die ins Kloster gingen. - Ja. Die wurden weggeschickt, weil das nicht zu ertragen war. - Okay.
- Also ... - Ich habe es erlebt, also, ganz knapp, aber ... Mhm. Ja. - Ja? Was waren ...
- Gibt es ja heute immer mehr. Ja, ich glaube, es wird einfach offener gelebt halt.
- Aber ist man da abtrünnig? Nein! Das hat damit nix zu tun.
- Den Glauben kann ich behalten. Hölle und Fegefeuer, das sind für mich antiquierte Begriffe.
- An so was mag ich nicht glauben. Und das passt für mich auch nicht mit der Liebe zusammen,
- von der sie hier immer sprechen. (Sakraler Gesang)
- Wieder das Abendgebet. (alle:) ♪ Elende hat sie beherbergt.
- ♪ Preiset die gläubige Frau, ♪ die im Vertrauen nicht wankte.
- ♪ Nun ruht sie selig bei ihm. ♪ Amen.
- Mit den Gebeten bin ich eher überfordert, auch die Texte klingen wie aus einer anderen Welt.
- Mit meinem Leben hat das wenig zu tun. Aber trotz all der Dinge, die mich irritieren,
- fühle ich mich überraschend wohl hier und gut aufgehoben in der Gemeinschaft der Schwestern.
- (Regen prasselt.) (Nachdenkliche Musik)
- Hallo, guten Morgen. Sind wir hier richtig? - Ich glaube schon, oder?
- Ich weiß es nicht. - Doch, doch, wir sind hier richtig. Einmal im Jahr pilgern die Dominikanerinnen
- aus Arenberg zum Marien-Wallfahrtsort Bornhofen am Rhein. Ich freue mich, mal rauszukommen.
- (Sie unterhalten sich.) Wie lange bist du hier? - Hier bin ich jetzt erst seit Ende Juni.
- Seit unser Kloster in Redenbach in der Schweiz jetzt ... zugemacht haben, ne.
- Und wie ist das? Ist das wie so ein krasser Umzug dann auch? Ja, ist schon Abschied nehmen.
- Ist schon auch ein kleines Sterben immer. Du hast eher einen kontemplativeren Ansatz, stimmt das?
- Ja, aber das ist dann auch erst in ... sag ich mal, in der Lebensmitte dann so gewachsen. - Ja.
- Ich war auch mal in einer sehr großen Krise, wo vieles zusammenkam, auch mein Traumata durch einen Unfall.
- Es war so dunkel, dass ich nicht mehr wusste, ob es überhaupt noch einen Gott gibt. - Oh ja, okay.
- Und dann war eigentlich mein Gebet da nur so ein ... so ein Schrei nach Licht. Nach Licht, ne?
- Und da habe ich auch Physiotherapie gemacht, und nach ...
- In diesem Prozess bin ich mehr dazu gekommen, zu diesem neuen Gottesbild,
- dass also Gott nicht außen ist. natürlich ist er auch außen, aber auch in mir.
- Meinst du? - Ja, ganz sicher. Man muss nur ... es ist bloß so viel verschüttet. - Ja.
- So was hat ja schon Janina gesagt. Das ist für mich eine schönere Vorstellung
- als ein Gott, der von oben alles richtet. Bist du die Chefin heute? Ah!
- Ich heiße Sie alle herzlich willkommen. In ungefähr einer halben Stunde sind wir da.
- Sobald wir jetzt am Rhein unten sind, dann werden wir gleich eine Gebetseinheit halten.
- Sie müssen kräftig mitsingen! (Sie unterhalten sich.)
- "Gott, du hast deinen Knecht Abraham auf allen Wegen unversehrt behütet."
- "Geleite auch deine hier versammelten Gläubigen auf ihrer Wallfahrt."
- "Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herren." ♪ Maria breite den Mantel aus.
- (alle:) ♪ Patronin voller Güte ♪ uns alle Zeit behüte.
- Gegrüßet seist du Maria, voll der Gnade. Der Herr ist mit dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen.
- (alle:) Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes, Amen.
- Kamp-Bornhofen am Rhein, in der Nähe der Loreley. Schon seit dem 13. Jahrhundert sollen Menschen hierher gepilgert sein.
- Maria, die Mutter Jesu, wird hier verehrt. Für Schwester Anna ist die Wallfahrt ein ganz besonderer Termin im Jahr.
- (Orgelmusik) (Sie beten.)
- Auch der Kaplan von Arenberg ist mitgekommen und hält die Messe. Christus, dein Sohn, unseren Herren und Gott.
- Bei der Verteilung der Kommunion folge ich einem Impuls. Als nicht Getaufte darf ich ja keine Hostie bekommen,
- aber ich darf mich segnen lassen. (Orgelmusik)
- Und irgendwie bin ich ganz berührt. Ich kann nicht sagen warum, aber mir kommen fast die Tränen.
- Vielleicht hat es damit zu tun, dass ich mich für einen Moment als Teil dieser Gemeinschaft fühle?
- Ganz überraschend für mich. (Sakraler Gesang, Orgelmusik)
- Nach der Messe haben wir noch ein bisschen Zeit, bevor es zurück ins Kloster geht.
- Janina, die aus Bayern ist, war noch nie am Rhein. Hat er so gesegnet hier? - Ja.
- Das hat mich irgendwie ... - Überhaupt, ich finde immer, gibt es für manche Segen ...
- Ich finde immer gut, wenn die Priester richtig die Hände auf den Kopf legen, damit man das spürt. - Ja.
- Also, das hat schon was. Ich hätte heulen können danach.
- Mhm. Ist doch schön. Es ist nicht schön, wenn du heulst, aber wenn es dich berührt. - Ja.
- Hast du ernsthaft überlegt, auszutreten? Wir plaudern noch ein bisschen über ...
- tja, Gott und die Welt. Ich habe den Eindruck, die Frauen hier sind erfüllt von einer Liebe,
- sie würden das wohl die Liebe Gottes nennen. Und sie geben die mit ihrer Herzlichkeit auch an andere weiter.
- Jedenfalls fühlt es sich bei mir so an. (Nachdenkliche Musik)
- Es ist so interessant, ich ... Also, ihr seid alle so unterschiedlich.
- Ihr habt alle so unterschiedliche Haltungen dazu. Das hast du ja umgesetzt. - Ja.
- Jetzt kommt die "Tessa". - Guck mal. (Nachdenkliche Musik)
- Zurück im Kloster Arenberg, im Kreis der Schwestern. (Gespräche im Hintergrund.)
- Wenn man diese Einkleidung hat, ich stelle mir so vor, man gibt da seine Individualität, zumindest die optische, ab.
- Klar, man sagt, Kleider machen Leute. merkt man ja, wie individuell wir sind und ganz unterschiedlich.
- Das kommt halt danach anders zum Tragen und weniger durch die Kleidung. Das soll schon so sein.
- Wir sind eine unter einer Gemeinschaft und nicht herausstechend und nicht ganz irgendwie ...
- ähm ... was Besonderes. Und dann kommen wir auf das Elend der Flüchtlinge.
- (Gespräch im Hintergrund.) Ich habe gehört, 160.000 Menschen sind schon im Mittelmeer ertrunken
- in drei Jahren. Eigentlich war es ja klar,
- dass man auch in einem Kloster am Weltgeschehen Anteil nimmt. Trotzdem hatte ich die Vorstellung, dass so etwas hier kein Thema ist.
- Ein Klischee, das mir total peinlich ist. Diese Menschen fühlen sich wohl verlassen von Gott. - Ja. Aber total.
- Tragischer geht's gar nicht. Und da kann man ... was sagt man da?
- Man kann höchstens sagen, dass Gott keiner ist, der draußen ist und zuguckt,
- sondern er ist ja in den Menschen, er leidet das mit mit den Tausenden. Also, das göttliche Leben ist ja in einem.
- Aber so ein Gottesbild haben doch viele. Der liebe Gott, der Mann mit dem weißen Bart, der oben zuguckt.
- Das ist so ein Beispiel, als unsere Generalpriorin an Krebs erkrankte, da sagten viele: "Warum schickt Gott uns das jetzt?"
- Ah, so einen Gedanken, das finde ich absolut pervers. Also so, warum schickt der uns das. - Ja.
- Als säße der da oben am Hebel: "Oh, den Dominikanerinnen, denen geht's ein bisschen gut."
- "Schicken wir mal Krebs zur Generalpriorin." Weißt du, das finde ich absolut pervers.
- Und wenn ich sehe, was in Familien manchmal los ist, wie viel Unheil da oft ist,
- dass die sich komplett gestraft fühlen, finde ich völlig menschlich. Und das Gefühl kann man nicht einfach wegrationalisieren
- und sagen, das ist nicht so. Aber wie gehst du damit um?
- Ich merke, wenn du dann so ein Gottesbild kriegst, nach dem Motto, der muss dich strafen,
- denkst du nur, was du falsch gemacht hast und lebst in der Vergangenheit. Die Frage ist für mich immer,
- wie erkläre ich einem, der gar nichts glaubt? Das ... - Kann man nicht erklären.
- Ja, eben. - Auch einem Gläubigen nicht. Ja. Aber ich kann einem Gläubigen irgendwie ...
- von der Erfahrung her, oder was du so sagst, aber für einen Ungläubigen ist da ja ein Loch.
- Ja! Ja, Leben ist nicht immer leicht.
- (Musik: "Small Things von Ben Howard) Viel zu früh am Morgen.
- Ich helfe beim Frühstücksdienst, alles vorbereiten, bevor die Schwestern kommen.
- (Musik: "Small Things von Ben Howard) (alle:) Kommt, lasst uns jubeln vor dem Herrn.
- Und natürlich die Laudes mit anschließender Messe. Mit diesen Morgenmessen habe ich merkwürdigerweise größere Probleme,
- als mit den Abendgebetsstunden. Als würde ich über den Tag hinweg offener für so was. Komisch.
- (Sakraler Gesang) Ich bin mit Schwester Christa verabredet,
- die ich sehr in mein Herz geschlossen habe. Sie beeindruckt mich, nicht nur, weil sie in Bolivien
- fast 30 lang Entwicklungsarbeit geleistet hat, sondern auch, weil sie einfach für klug halte.
- Bei ihr fühle ich meine Gedanken und Fragen richtig aufgehoben. (Sie unterhalten sich.)
- Wenn der Mensch ein bisschen denkt, die Natur ...
- es blüht, es gibt Frucht, die Blätter fallen ab, sind wieder Dung fürs nächste Jahr, es wächst neues Leben. - Mhm.
- Die ganze Schöpfung ist ... Das Fürchterliche ist,
- dass der Mensch einen freien Willen hat. - Mhm. Das ist fürchterlich und das größte Geschenk. - Ja.
- Denn ohne freien Willen kannst du nicht lieben. - Mhm. Und der Mensch ist für die Liebe geboren.
- Das ist gar nicht so leicht. Wenn man sie nicht findet, was ist dann? Die ganze Natur, ich könnte auch sagen, ist für ...
- Das Obst ist für, die Blätter, die fallen, sind für ... Ja, stimmt.
- Ich bin nicht nur für mich. - Ja. Dann bin ich natürlich abgeschlossen.
- Was würdest du jemandem raten, wenn er sucht, wenn er Gott sucht? "Umsonst fragst du die Schrift und Auskunft, frage die Erfahrung."
- Mhm. Also, wenn ich merke, dass ich immer mit denselben Sachen immer dieselben Fehler mache ...
- dann kann ich mich einfach an Gott wenden? Nö, du kannst dich immer an Gott wenden.
- Ja. Meinst du, dann finde ich ihn? - Hm?
- Meinst du, dann finde ich ihn? Ja? - Ja, aber ...
- Er ist unverfügbar. Du kannst nicht sagen, ich muss ihn morgen finden.
- Kann mich ja mit ihm verabreden. Gott macht das schon. Gott macht sich erfahrbar. - Mhm.
- Genau, wie ich sage, ich wusste plötzlich, dass ich ins Kloster gehen muss.
- Das war einfach da? - Ja. Du musst du selber sein. - Ja.
- Du musst du selber sein. Also, wenn ich mich wirklich auf Gott einlasse,
- dann muss ich so leben, wie er für die Menschen. Das ist kein Egoist.
- Im christlichen Sinn ist es ja so: Eines der Gebote ist, du sollst dich lieben,
- den anderen lieben wie dich selbst. Also, sich selbst auch lieben.
- Wenn du dich selbst nicht liebst ... Wenn du dich als Geschöpf Gottes begreifst ...
- Dann liebst du dich? Ja, also ...
- Ich finde das ganz schön schwer mit dieser Selbstliebe immer, weil das wird einem immer gesagt.
- Wenn du dich liebst, kannst du auch andere lieben und so. Manchmal ist das gar nicht so leicht.
- Aber jede Person hängt auch von der Liebe eines anderen ab. Wenn ...
- Wenn du weißt - oder daran glaubst, dass Gott dich liebt, wie du bist,
- wie du bist ... dann kannst du auch einen anderen lieben.
- Ja. - Wenn du glaubst, dass du nicht geliebt bist , ist es schwierig.
- Ja. (Melancholische Musik)
- Mein letzter Tag im Kloster Arenberg. (Melancholische Musik)
- (Janina:) In der Pfarrei, da waren ältere Damen. Und, hast du dich an den Tagesrhythmus gewöhnt?
- Es geht so. (Sie unterhalten sich.)
- Ich muss immer noch daran denken, was Christa über Gottes Liebe gesagt hat.
- Du spürst auch die Liebe Gottes in dir? - Ja, schon. Mal mehr, mal weniger. Ja, doch.
- Und deswegen fühlst du dich auch geliebt und liebst dich selbst? Ja, genau. - Die Christa hat das auch gesagt.
- Echt? - Ja, dass du dich durch die Liebe Gottes auch selbst liebst.
- Ich habe da auch erst ... - Ich will jetzt auch ... Das ist ein Prozess. Ich dachte anfangs auch ...
- Letztendlich ist das ein total schöner Gedanke. An sich würde ich das auch wollen.
- Es wäre voll schön, wenn ich glauben könnte. Ich glaube, ich würde das gerne tun eigentlich. Ja.
- Also, würde ist "ich will", theoretisch. Aber? Nix aber, ich warte jetzt. - Ah, du wartest.
- Ich dachte, ich warte jetzt drauf. Eigentlich ist das vor allem durch die Begegnung ... hier mit euch.
- Okay. - Weil ich finde, da ist wirklich, so wie du das sagst, oder diese Haltung allein:
- Da ist so viel Liebe in mir, die will ich weitergeben. An mehrere Leute und nicht nur an seine Familie.
- Und man spürt das hier so in den Begegnungen und den Gesprächen mit den Frauen,
- dass da unglaubliche Herzlichkeit und Liebe und Wärme da ist. Und das beeindruckt mich total,
- weniger diese ganzen Gebete und so. Aber das ist das Schöne.
- (Melancholische Musik) Wie kann ich denn zu Gott finden?
- Hehehe. Ich glaube, du bist total auf der falschen Spur, wenn du ihn außerhalb suchst.
- Ich glaube, du kannst zu Gott finden, wenn du zu dir findest.
- Ich bin absolut davon überzeugt, dass er in allem und vor allem in uns gegenwärtig ist.
- Und sich auch in diese Welt hinein mitteilt durch uns Menschen. Das, was uns wirklich alle verbindet,
- bei aller Unterschiedlichkeit, dass wir irgendwann mal alle sehr ergriffen worden sind,
- von dieser Liebe, die ... alles Begreifen übersteigt, die stärker ist und größer ist.
- Und wir versuchen, aus dieser Liebe heraus, auch weiterzugeben
- und das Leben zu gestalten. (Sie unterhalten sich.)
- Also, ich würde gerne glauben, glaube ich. Ja, schon mal eine super Voraussetzung. Haha.
- (Gebetsglocke läutet) (Sie unterhalten sich, melancholische Musik)
- (Sie beten.) Das letzte Tischgebet, bevor es zurück in mein normales Leben geht,
- Mit all dem Trubel des Alltags, seinen Ablenkungen, und ja, auch Oberflächlichkeiten.
- Mir ist echt ein wenig weh ums Herz. Ich habe selten so intensive Gespräche
- über die großen Fragen des Lebens geführt. Hier waren Raum und Zeit dafür.
- Das, so ist mein Eindruck nach der Woche, ist schließlich ihr Beruf, wenn man das so nennen will,
- die Pflege der Gottesbeziehung, also ständiges Fragen und Suchen nach Antworten
- (Sie unterhalten sich.) Zeit, tschüss zu sagen, und ich ahne schon,
- das geht nicht ohne Tränen. Ich habe nämlich noch ein paar.
- Und das leihst du mir? - Ich schenk's dir. Ich wollte sagen, du hast dich in mein Herz gestohlen,
- und ich bete viel für dich. Es war so toll, dich kennenzulernen. - Ja.
- Alles Liebe. Komm gut nach Hause. Lass dich noch mal drücken.
- Oh Mann, ey. Wahnsinn. Ach.
- Schön. Also, Gottes Segen ... der wird sich dir zeigen. Macht er schon. Macht dich schon unruhig.
- Muss gleich heulen. Am Ende fallen mir Christas Worte ein.
- "Du bist immer ein Suchender", hat sie gesagt. "Und wenn du ein Suchender bleibst,
- dann bist du echt, dann bist du immer verbunden." (Melancholische Musik)
- SWR 2020