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Die orthodoxe Kirche

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  1. Die orthodoxe Kirche wurde im Jahr 33 unserer Zeitrechnung von Gott gegründet. Zuerst kam Jesus Christus, der Sohn Gottes in die Welt.
  2. Er erfüllt das Alte Testament, einen Vertrag, den Gott vor langer Zeit mit den Menschen geschlossen hat.
  3. Zeitgleich schloss Er mit den Menschen einen neuen Vertag ab, das Neue Testament. Der Sinn des Vertrags ist einfach: lebt ein Mensch so, wie Christus es uns gelehrt hat,
  4. lässt Gott diesen Menschen nach seinem Tod in den Himmel. Während Seines Lebens wählte Jesus Lehrlinge aus, die Apostel genannt werden.
  5. Es gab zwei Gruppen der Apostel – die 12, welche Christus am nächsten standen - sowie 70 weitere, die später dazukamen.
  6. Die Apostel wurden von Christus persönlich ausgebildet. Er offenbarte ihnen viele Geheimnisse über Sich Selbst, über Gott Vater und über den
  7. Himmel. Jesus hat z.B. den Aposteln gesagt, dass Gott eine Dreiheit ist, also ein Wesen, das aus
  8. drei Personen besteht. Er erklärte den Aposteln, wie ein Mensch leben sollte, um Gott zu gefallen und was
  9. es bedeutet zu sündigen, also was Menschen nicht tun sollten. Aber das Wirken Christi war nicht bloß eine moralische Lehre oder eine Weltanschauung.
  10. Dadurch, dass Christus die göttliche Natur mit der menschlichen vereinte, heilte Er die Menschen von der Sünde, von dem Fluch und vom Tod.
  11. Christus nahm die Sünden der Menschheit auf Sich und brachte Sich Selbst Gott als Opfer dar.
  12. Die Geburtsstunde der Orthodoxen Kirche war Pfingsten. Nachdem Christus in den Himmel aufgefahren war, sandte Er Seinen Aposteln den Heiligen
  13. Geist. Dadurch bekamen diese die Gnade Gottes, also eine mystische Macht, im Namen Gottes Sakramente
  14. zu vollziehen. Dadurch konnten die Apostel in der Taufe die Menschen am Kreuzopfer Christi teilhaben lassen,
  15. in der Beichte Sünden vergeben, in der Eucharistie Brot und Wein zu Leib und Blut Christi verwandeln, Gegenstände weihen und noch anderes mehr.
  16. Die meisten Apostel gingen nach dem Tod Christi aus Jerusalem, der Geburtsstadt der Kirche weg und predigten das Evangelium, also erzählten den Menschen über Christus in der gesamten
  17. damals bekannten Welt. Dabei gründeten sie in verschiedenen Städten Gemeinden und wählten dort Lehrlinge aus,
  18. die zu ihren Nachfolgern wurden. Diese Lehrlinge wurden Bischöfe genannt.
  19. Sie wurden von den Aposteln durch das Auflegen von Händen auf den Kopf und das Sprechen von Gebeten geweiht.
  20. Die Bischöfe bekamen von den Aposteln die Aufgabe übertragen, das Evangelium zu predigen, und die Macht, die Kirche zu verwalten und die Gnade, die heiligen Sakramente zu vollziehen.
  21. Diese Bischöfe wählten sich wiederum Lehrlinge und Nachfolger aus und weihten diese. Beginnend mit Christus und den Aposteln besteht in der Orthodoxen Kirche eine ununterbrochene
  22. Kette von Bischofsweihen. Diese aufeinanderfolgende Übergabe der Weihe, von Christus über die Apostel bis hin zu
  23. den heutigen Bischöfen nennt man die apostolische Sukzession. Wer nicht von einem geweihten Bischof geweiht wurde, kann nicht im Namen Christi handeln
  24. oder wirken. Jeder Bischof stand einer Diözese vor, einem Zusammenschluss von Gemeinden.
  25. Sie erstrecken sich über ein bestimmtes Gebiet, z. B. über eine Stadt oder eine Region. Schon relativ früh hatten sich diese Diözesen zu sogenannten Patriarchaten zusammengeschlossen.
  26. Die Patriarchate werden auch autokephale Kirchen genannt. Im ersten Jahrtausend gab es fünf solcher Patriarchate: Rom, Konstantinopel (dem heutigen
  27. Istanbul), Antiochien, Alexandrien und Jerusalem. Jedem Patriarchat stand ein Bischof vor, der dann Patriarch genannt wurde.
  28. Er hatte keine besondere Gnade und auch keine besonderen Vollmachten. Vielmehr repräsentierte er die Kirche nach außen und administrierte diese.
  29. Die Patriarchen konnten jedoch keine Entscheidungen, welche die gesamte autokephale Kirche betrafen, ohne die Zustimmung der anderen Bischöfe treffen.
  30. Wollte eine autokephale Kirche eine wichtige Entscheidung treffen, so wurden alle Bischöfe dieser Kirche zusammengerufen.
  31. Solche Versammlungen werden Konzilien oder Synoden genannt. Auf einem Konzil hat jeder Bischof (auch der Patriarch) nur eine Stimme.
  32. Wollte man eine Entscheidung treffen, welche die gesamte Kirche betraf, so wurden alle Bischöfe aus allen fünf Patriarchaten zusammengerufen.
  33. Diese Versammlungen nennt man ökumenische Konzile. Dieses synodale Prinzip, bei dem nicht eine Person über das Schicksal der Kirche entscheidet,
  34. sondern alle Bischöfe zusammen, besteht in der orthodoxen Kirche bis heute. Die erwähnten fünf Patriarchate
  35. sahen sich zusammen als eine Kirche Christi, alle hatten denselben Glauben, denselben Gottesdienst. Sie unterschieden sich nur in ihrer Verwaltungsstruktur und Sprache.
  36. Es gab jedoch kein Patriarchat und keinen Patriarchen, der über die anderen vier bestimmen konnte.
  37. Alle Patriarchen und alle Bischöfe waren gleichgestellt. Bis zum 11. Jahrhundert gab es bis auf einige kleine Abspaltungen eine christliche Kirche.
  38. Erst im Jahr 1054 fand das sogenannte Große Schisma statt, bei dem die Katholische Kirche ihren Anfang nahm.
  39. Der Patriarch von Rom, der heute als der Papst bekannt ist, wollte im Laufe der Zeit mehr Macht in der Kirche haben.
  40. Er fing an, darauf zu bestehen, dass er der wichtigste Bischof in der Kirche sei, der von Christus besondere Befugnisse bekommen hätte.
  41. Und dass er sogar der Stellvertreter Christi auf Erden sein sollte. So wären z. B. Entscheidungen eines ökumenischen Konzils, bei dem alle Bischöfe der Kirche
  42. zusammengetroffen wären, erst dann gültig gewesen, wenn der Papst diese ebenfalls abgesegnet hätte.
  43. Mit der Zeit entwickelte sich in der Katholischen Kirche dieser Anspruch des Papstes zum Dogma der Unfehlbarkeit des Papstes.
  44. Die vier anderen Patriarchate, aus denen die Kirche damals bestand, waren mit diesen Anmaßungen des Papstes nicht einverstanden.
  45. Zum einen waren die Ansprüche neu – in den ersten 1000 Jahren wurde die Kirche nicht so verwaltet, wie der Papst es nun wollte.
  46. Zum anderen waren diese Ansprüche weder biblisch noch theologisch haltbar. Man könnte die Situation mit fünf Freunden vergleichen, die sich regelmäßig treffen
  47. und Zeit miteinander verbringen. Doch irgendwann entscheidet einer der Fünf, dass alle anderen nun das tun müssten, was
  48. er ihnen sagt. Das würde den vier anderen bestimmt nicht gefallen.
  49. So war das auch damals, es entstand eine Trennung zwischen dem Patriarchat von Rom und den vier anderen Patriarchaten von Konstantinopel, Antiochien, Alexandrien und Jerusalem.
  50. Das Patriarchat von Rom wird heute die Römisch-Katholische Kirche genannt, die anderen vier sind zusammengeblieben und bilden die Orthodoxe Kirche.
  51. Und deshalb heißt es auch Römisch-Katholisch, Griechisch-Orthodox, Russisch-Orthodox – der erste Teil im Namen der Kirchen bezeichnet das Patriarchat.
  52. Heute besteht die Orthodoxe Kirche jedoch nicht mehr aus vier, sondern aus 15 einzelnen Kirchen.
  53. Dies entstand dadurch, dass mit der Zeit neue Länder den orthodoxen Glauben angenommen haben und dort neue Kirchen etabliert wurden.
  54. So wurde z. B. ganz Russland orthodox und es entstand die Russische Orthodoxe Kirche. In Rumänien die Rumänische usw.
  55. Doch bis heute ist in der orthodoxen Kirche das Synodale Prinzip erhalten geblieben. Alle 15 orthodoxen Kirchen haben denselben Glauben und sehen sich als eine orthodoxe
  56. Kirche an. Alle halten Gottesdienste zusammen ab.
  57. Müsste jedoch für diese gesamte Kirche eine Entscheidung getroffen werden, so müssten alle Bischöfe aller autokephalen Kirchen zusammentreffen und über diese Frage abstimmen.
  58. Die 15 autokephalen Kirchen heute sind: Konstantinopel, Alexandrien, Antiochien, Jerusalem, Russland, Serbien, Rumänien, Bulgarien, Georgien, Zypern, Griechenland, Polen, Albanien, Tschechien
  59. und Amerika. Außerdem gibt es autonome und sich selbst verwaltende Kirchen, die zwar keine eigenständigen
  60. Kirchen sind und zu einer der 15 autokephalen Kirchen gehören, jedoch weitgehende Autonomie in ihren Administrationen besitzen.
  61. Das sind u. A. die Kirchen von Finnland, Japan, der Ukraine, Moldawien, Estland, Lettland u. A. Diözesen und Gemeinden der orthodoxen Kirche,
  62. die zu verschiedenen Patriarchaten gehören, gibt es in fast allen Ländern der Welt. Insgesamt wird die Anzahl orthodoxer Gläubiger auf 300 Millionen geschätzt.

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