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Europas Verteidigung: Das große Aufrüsten | Mit offenen Karten | ARTE
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 74 Zeilen
- [Musik] Herzlich willkommen bei mit offenen Karten. Das Gesicht dieser Frau sollten
- alle Menschen in Europa kennen. Kja Kal ist hohe Vertreterin der Europäischen Union für Außen und Sicherheitspolitik. Sie hat seit Ende 2024 die schwere
- Aufgabe, im Namen der 27 Mitgliedstaaten die Außen und sicherheitspolitische Linie der EU zu vermitteln. Denn jeder Staat möchte seine
- Unabhängigkeit in bestimmten Hoheitsbereichen bewahren und die russische Bedrohung war vor dem Hintergrund der sich aus Europa
- zurückziehenden USA noch nie so groß. Kalas war zuvor Ministerpräsidentin von Estland, einem der baltischen Staaten an der Grenze zu Russland, die bereits 2014
- nach der Annexion der Krim auf die Notwendigkeit für die EU hinwiesen, in jeder Hinsicht aufzurüsten. Deshalb wollen wir versuchen, auf die
- große Frage unserer Zeit ein paar Antworten zu geben. Welche sind die Stärken und die Schwächen von Europas Verteidigung? Ein Blick auf unsere
- Karten. Der von 12 Ländern im April 1949 unterzeichnete Nordatlantikvertrag zur
- Gründung der NATO sollte Europa unter den Schutz der USA damals einzige Atommacht stellen und die UDSSR von einem Angriff auf die westlichen Staaten
- abhalten. Er gründet auf dem Prinzip der gegenseitigen Verteidigung, dem zufolge jeder Angriff auf ein oder mehrere
- Länder als Angriff auf alle Länder betrachtet wird. Als Reaktion darauf entstand der Warschauer Pakt, ein 1955 geschlossenes
- Militärbündnis von acht Staaten unter der Vorherrschaft der UDSSR. Nach dem Fall der Berliner Mauer 1989 und dem Zerfall der UDSSR 1991
- traten die meisten mittel und osteuropäischen Länder der Organisation des Nordatlantikvertrags bei. Sie wollten sich innerhalb des
- Verteidigungsbündnisses vor einer erneuten Bedrohung durch Russland schützen. Auf unserer Karte zeichnen wir nun die
- Infrastruktur und die strategischen Stützpunkte der NATO in Europa und dazu die mehr oder weniger starke militärische Präsenz der USA in den
- verschiedenen Ländern. Ein Europas Verteidigung ist ganz klar von den USA abhängig. Darin kommt zum Ausdruck, wie sehr das
- atlantische Bündnis eine von den USA unabhängige europäische Verteidigung behindert. In Blau erscheinen die Länder, die nur
- der NATO, in gelb die Staaten, die ausschließlich der EU angehören. Die meisten gehören beiden Organisationen an. Der Berlin Plus Vereinbarung von
- 2003 zufolge sollen beide Projekte miteinander vereinbar sein und EU-Ländern ermöglichen, Operationen unter der Führung der NATO
- durchzuführen, ohne die gesamte NATO mit einzubeziehen. Auf dieser Grundlage wurde die Leitung der Stabilisierungsmaßnahmen in Bosnien
- und Herzovinah von der NATO an die EU übergeben. Aber diese Zusammenarbeit ist nicht selbstverständlich. So widersetzte sich aufgrund des Zypernkonflikts
- zwischen der Türkei und Griechenland die Türkei, Mitglied der NATO, aber nicht der EU, dem Austausch vertraulicher Daten.
- 2014 baten nach der Annextion der Krim durch Russland und dem Ausbruch des Krieges in der Ost-Uraine die osteuropäischen Länder, die NATO
- erfolgreich, um die Stationierung von Streitkräften zur Abschreckung. Dazu gehörten die Stationierung von Bataillonen in den baltischen Staaten
- und Polen, die Aufstockung der NATO Response Force auf 40.000 Soldatinnen und Soldaten, neue Hauptquartiere in Stin und in Bukarest,
- 16 Kampfflugzeuge in Polen und Rumänien sowie eine Luftraumüberwachung für die Länder, die über keine eigene Luftwaffe verfügen.
- 3 B2 Tarnkappenbomber wurden ebenfalls von den USA für Übungsflüge über der Ostsee entsandt. Die Sicherheit der baltischen Staaten
- Estland, Lettland und Litauen, die 2004 der EU und der NATO beigetreten waren, ist besonders bedroht, denn sie liegen praktisch eingekeilt zwischen Russland,
- Bellaruss, einem Verbündeten Russlands und der russischen Exklave Kaliningrad. Deshalb wird die NATO von den meisten Nord- und osteuropäischen Ländern als
- einzige Organisation betrachtet, die ihre Sicherheit gewährleisten kann. Russlands Überfall auf die Ukraine im Februar2
- bestätigte dann erneut die große Rolle der NATO bei der Verteidigung Europas. Während die Länder der EU auf die russische Bedrohung nur zögerlich
- reagierten, kam die NATO im Juni 2022 zu einem Gipfeltreffen in Madrid zusammen. Man beschloss die Zahl der schnellen Eingreifkräfte auf 300.000 zu erhöhen
- und mehr Flugzeuge für die Luftraumüberwachung und darüber hinaus mehr Schiffe in die Ostsee und ins Mittelmeer zu entsenden.
- Der Gipfel war geprägt von den Beitrittsgesuchen Finnlands und Schwedens. Ihnen wurde und
- stattgegeben. Doch Donald Trumps Rückkehr ins Weiße Haus im Jahr 2025, seine Nähe zu Wladimir Putin zu Ungunsten der Ukraine
- sowie sein Wunsch einer Annextion Kanadas und Grönlands, das zu Dänemark gehört, führten zur Schwächung der transatlantischen Beziehungen.
- Zwischen Imperialismus und Isolationmus lässt Trumps erische Außenpolitik seinen Natopartner im Ungewissen. Deshalb ziehen die europäischen Länder sogar in
- Erwägung für Ihre Verteidigung auf den Schutzschirm der USA verzichten zu müssen. Doch sind Sie dazu eigentlich in der Lage?
- Die US-Armee ist immer noch die mächtigste der Welt mit 1,3 Millionen aktiven Soldatinnen und Soldaten und über 5000 Atomsprengköpfen. Diese
- schützen alle Mitgliedstaaten der NATO. US-amerikanische Atomwaffen vom Typ B61 sind in Deutschland, Belgien, Italien und den Niederlanden gelagert mit einem
- zweischlüsselsystem für einen etweiligen Einsatz. Zu den Streitkräften der EU gehören vier Armeen mit jeweils über 150.000 Soldaten. Dazu kommen die
- britischen Streitkräfte. Insgesamt sind das 1,5 Millionen. Frankreich und Großbritannien besitzen als Atommächte zudem 290 und 225
- Sprengköpfe. In den Vertrag von Lissabon wurde 2007 erstmals eine Klausel über die gegenseitige Verteidigung der EU-Staaten
- aufgenommen. Aufgrund der von Trump verursachten Ungewissheit baten Deutschland und Polen die Atommacht Frankreich über eine
- Teilhabe an seiner Abschreckung zu diskutieren. Der Einsatz französischer Atomwaffen ist bisher auf einen Angriff auf
- lebenswichtige Interessen Frankreichs beschränkt und soll bei einem Angriff auf egal welches EU-Land möglich sein. Aber eine autonome Verteidigung Europas
- wird auch durch die Produktionskapazitäten seiner Rüstungsindustrie begrenzt. So wird das US-Tarnkappenflugzeug
- F35 an 13 europäische Länder ausgeliefert, weil es solche Flugzeuge in Europa nicht gibt. Doch sein Einsatz ist äußerst abhängig
- von den USA aufgrund eines Computersystems, mit dem die Maschinen zu Wartungszwecken immer wieder verbunden werden müssen.
- Zur industriellen Abhängigkeit kommt die Konkurrenz bei europäischen Rüstungsvorhaben. Bei Kampfpanzern gab es Anfang der
- 2000er Jahre drei Modelle, den deutschen Leopard 2, den britischen Challenger 2 und Frankreichs Leclaire. Deshalb und um die Abhängigkeit von nicht Ländern zu
- verringern, wurden eine europäische Industriestrategie für den Verteidigungsbereich und ein europäisches Programm für die
- Verteidigungsindustrie ins Leben gerufen, beides im Jahr 2024. Hier sieht man Europas umsatzstärkste Rüstungskonzerne. Der britische Konzern
- BAE Systems stellt unter anderem U-Boote her. Das italienische Unternehmen Leonardo Kampfhubschrauber. Airbus produziert Militärflugzeuge und
- Raumfahrtsysteme. In Frankreich stellen Tales und Safran elektronische Systeme sowie das so das Kampfflugzeug Rafal her. In Deutschland
- fertigt Rehe Metall, Panzer und gepanzerte Fahrzeuge. Das Ziel ist ein Anstieg von 22 auf 50% des Anteils von Unternehmen aus der EU beim Einkauf von
- militärischer Ausrüstung. Gefördert werden soll auch die europäische Zusammenarbeit, wie beim Eurofighter Typhoon mit einer
- Herstellung in Großbritannien, Italien, Deutschland und Spanien, von dem bereits über 600 Exemplare ausgeliefert wurden. bei MBDA, dem führenden europäischen
- Raketenhersteller, einer Tochter von BAE Systems, Airbus und Leonardo und beim deutsch-französischen Konzern KNDS mit den künftigen Kampfpanzern, den
- Nachfolgern von Leclaire und Leopard 2. Und zwei Tage nach dem Londoner Gipfel zur Ukraine im März 2025 kündigte EU-Kommissionspräsidentin
- Ursela von der Lein den Plan Rearm Europe über Darlehen in Höhe von 150 Milliarden Euro für den Kauf von Rüstungsprodukten in Europa und Kanada
- an. Nationale Rüstungsprogramme in Höhe von 650 Milliarden Euro werden von der Berechnung der Verschuldung und des
- Defizits ausgenommen. Aber angesichts der Bedrohung durch Putins Russland haben manche europäische Staaten bereits begonnen, massiv
- aufzurüsten. So hat Polen, das eine 206 km lange Grenze zu Russland hat, seine Rüstungsausgaben erheblich gesteigert.
- von einem Anteil am brutto Inlandsprodukt von 2,2 auf fast 5% gegenüber etwa 2% in Frankreich und Deutschland mit über 200.000 aktiven
- Soldatinnen und Soldaten will Polens Armee die größte und eine der am besten ausgerüsteten Armeen der Europäischen Union werden. Doch aufgrund der
- niedrigen Produktionskapazitäten in Europa bezieht es die meisten Rüstungsgüter aus den USA und Südkorea.
- Soweit zu den Stärken und Schwächen von Europas Verteidigung. Jean Monet, einer der Gründerväter der EU, schrieb einst: "Europa wird in Krisen entstehen und die
- Summe der zu ihrer Bewältigung gefundenen Lösungen sein. Die von Putin seit der Jahrhundertwende in Schchenien und Georgien auf der Krim
- und dann in der ganzen Ukraine geführten Kriege sowie der neue Isolationismus der USA zwingen die Europäer dazu, ihrer Verletzlichkeit ins Auge zu schauen,
- aber auch ihrer Stärke, wenn sie geeint sind. Zum heutigen Thema empfehlen wir Macht im Umbruch, Deutschlands Rolle in Europa
- und die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts von Herrfried Münkler. Damit endet unsere heutige Ausgabe. Wir sehen uns nächste Woche wieder am
- gleichen Ort und zur gleichen Zeit. Bis dahin finden Sie alle unsere Videos auf arte.tv. Dort können Sie auch unsere Newsletter abonnieren. Bis bald.
- [Musik]
Zum Nachlesen
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