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Der Vertag von Maastricht

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  1. Hallo und herzlich willkommen. Heute nehmen wir uns mal ein ganz zentrales Dokument vor. Die EU-Verträge. Man kann sie sich wirklich vorstellen wie den
  2. Bauplan für das Haus Europa. Hier steht alles drin, die Grundidee, das Fundament, die Statik, einfach alles. Also legen wir los. Schon ganz am Anfang
  3. in der Präambel stolpert man über diesen Satz und das ist, finde ich, viel mehr als nur trockenes Juristendeutsch. Das ist eine echte Ansage. Hier geht's
  4. darum, nach all den Konflikten auf dem Kontinent einen Schlussstrich zu ziehen und etwas ganz ganz Neues zu wagen. Eben eine neue Stufe der Zusammenarbeit.
  5. Okay, eine große Vision ist das eine. Aber wie setzt man sowas um? Wie genau sieht denn die Architektur von diesem Hause Europa aus? Genau das schauen wir
  6. uns jetzt mal genauer an, quasi vom Fundament bis zu den Leuten, die darin wohnen. Unsere kleine Tour heute führt uns durch fünf ganz zentrale Bereiche.
  7. Wir starten bei der grundlegenden Idee, schauen uns dann das Wertefundament an, auf dem alles steht, werfen einen Blick auf die Architekten, also die
  8. Institutionen, gehen durch die verschiedenen Politikräume und landen am Ende bei den Rechten der Bewohner dieses Hauses. Also fangen wir mal beim großen
  9. ganzen an. Warum gibt es diese Verträge überhaupt? Was war die eigentliche treibende Kraft, die dahinter steckte? Genau hier liegt der Ursprung von allem.
  10. In der Präambel wird das ganz offen gesagt, es ging darum, die Teilung des Kontinents zu überwinden. Nach den Katastrophen des 20. Jahrhunderts waren
  11. Frieden und Stabilität das absolut oberste Ziel. Darauf sollte alles aufbauen. Damals im Jahr 2002 bestand dieser Bauplan im Grunde aus zwei
  12. Hauptteilen. Man kann sich das so vorstellen. Der EU-Vertrag war sozusagen das politische Dach, das die Zusammenarbeit der Regierungen geregelt
  13. hat. Der EEG Vertrag dagegen war das wirtschaftliche und soziale Herzstück, also all das, was den Alltag von uns Menschen direkt beeinflusst.
  14. Jedes stabile Haus braucht natürlich ein Fundament, das nicht wackelt. Und für die Europäische Union ist dieses Fundament ein Set von gemeinsamen
  15. Werten. Schauen wir uns diese Grundpfeiler doch mal an. Artikel 6 bringt die DNA der Union, wenn man so will, auf den Punkt. Und das ist viel
  16. mehr als nur eine nette Absichtserklärung. Das sind die knallharten Kriterien für jeden, der dazu gehören will und die Basis für die
  17. gesamte Zusammenarbeit. Man könnte sagen, diese Prinzipien sind der Kit, der alles zusammenhält. Diese fünf Pfeiler sind also absolut nicht
  18. verhandelbar. Auf ihnen baut wirklich alles auf. Jedes einzelne Gesetz, jede Institution, jede politische Entscheidung, die in der Union getroffen
  19. wird. Ein Bauplan allein errichtet natürlich noch kein Haus. Dafür braucht es Architekten und ja, Bauarbeiter. Im EU-System sind das die Institutionen und
  20. wir schauen uns jetzt mal die drei wichtigsten an. Fangen wir an mit dem Europäischen Parlament. Seine Rolle ist ziemlich einzigartig, denn es ist die
  21. einzige Institution der EU, die direkt von uns, den Bürgerinnen und Bürgern gewählt wird. Es ist also unsere Stimme in diesem System. Das Parlament ist also
  22. viel mehr als nur irgendein Debattierclub. Als direkt gewählte Vertreter der Völker hat es echte Macht in den Händen. Es gestaltet Gesetze mit
  23. und es kontrolliert die anderen Institutionen. Das ist die entscheidende demokratische Sicherung im ganzen System. Als nächstes haben wir den Rat
  24. der Europäischen Union. Hier kommen nicht wir Bürger direkt zu Wort, sondern die nationalen Regierungen. Sie kommen zusammen, um die Interessen ihrer
  25. jeweiligen Länder zu vertreten. Im Rat sitzen also die jeweiligen Fachminister der Mitgliedstaaten, die Agrarminister treffen sich, die Finanzminister und so
  26. weiter. Sie vertreten ihre nationalen Regierungen und sind zusammen mit dem Parlament die zentralen Gesetzgeber der EU. Und dann gibt's da noch die
  27. Europäische Kommission. Ihre Rolle ist manchmal ein bisschen schwer zu greifen, aber am besten kann man sie wohl als die Exekutive und den Motor der EU
  28. beschreiben. Die Kommission hat im Wesentlichen drei Kernaufgaben. Sie wacht als Hüterin der Verträge darüber, dass das EU-Recht auch eingehalten wird.
  29. Sie ist die einzige, die neue Gesetze vorschlagen darf und sie manag, dass die gemeinsame Politik auch umgesetzt wird. So, jetzt kennen wir das
  30. Fundament und die Architekten. Dann wird es Zeit mal die verschiedenen Räume in diesem Haus Europa zu betreten. Also die Bereiche in denen die EU ganz konkret
  31. handelt. Das absolute Herzstück ist und bleibt der Binnenmarkt. Er ruht auf diesen vier fundamentalen Freiheiten. Die Idee dahinter ist eigentlich genial
  32. einfach. Waren, Menschen, Dienstleistungen und Kapital sollen sich zwischen den Ländern so frei bewegen können, als gäbe es keine Grenzen mehr.
  33. Das ist wirklich der Kern der wirtschaftlichen Integration. Aber die EU ist natürlich viel mehr als nur ein großer Markt. Die Verträge decken eine
  34. riesige Bandbreite ab. Das geht von der gemeinsamen Außenpolitik und dem Euro über die innere Sicherheit bis hin zur ganz klassischen Agrarpolitik.
  35. Und zum Schluss wird's jetzt ganz persönlich. Was bedeutet dieser ganze Bauplan eigentlich für die Menschen, die in diesem Haus leben? Welche Rechte
  36. haben wir als Bürgerinnen und Bürger der Union? Hier wird es für jeden von uns ganz konkret, das Konzept der Unionsbürgerschaft.
  37. Die Logik ist ganz wichtig. Man ist nicht entweder Deutscher oder Unionsbürger. Man ist beides. Die Unionsbürgerschaft kommt oben drauf. Sie
  38. ergänzt die nationale Staatsbürgerschaft um eine europäische Dimension. Sie ersetzt sie aber nicht. Und diese Rechte sind alles andere als abstrakt. Ganz
  39. praktisch bedeuten sie, sie können in jedem anderen EU-Land leben und arbeiten. Sie dürfen an ihrem Wohnort an Kommunal und Europawahlen teilnehmen.
  40. Und wenn Sie mal außerhalb der EU in Not geraten, hilft Ihnen jede EU-Botschaft, egal aus welchem Land. Das sind wirklich greifbare Vorteile, die direkt aus
  41. diesen Verträgen kommen. Und damit schließt sich der Kreis. Wir kommen zurück zum eigentlichen, zum ultimativen Ziel, das direkt im ersten Artikel
  42. genannt wird, eine immer engere Union der Völker. Das Wichtige daran ist, das ist ein Prozess, kein abgeschlossener Zustand. Der Bauplan beschreibt einen
  43. Weg, kein fertiges Ziel. Und das bringt uns zu der entscheidenden Frage, mit der ich Sie heute mal zurücklasse. Ist dieses Hauseuropa, dessen Bauplan, wir
  44. uns gerade angesehen haben, jemals wirklich fertig? oder ist es nicht vielleicht seiner ganzen Natur nach eine ewige Baustelle, die von jeder
  45. Generation wieder neu gestaltet und weiterentwickelt werden muss?

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