Kriege, Krisen, Knappheit: Was ist schuld an der Inflation? | ZDF heute-journal ZDFheute Nachrichten https://www.youtube.com/watch?v=Z5xgFjOAp2g Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Die Spedition Wenekamp im Hässischen Steinbach. Drinnen checkt Firmenchef Christoph Wenekamp gerade, wie die Dieselpreise seit 2025 gestiegen sind. 0:10 Vergleich zum Jahr 46,9% und im Dreimonatsvergleich 18,1%. Das ist ganz schön viel. 0:20 Mit 40 LKW fährt WNEamps Firma vor allem für die großen Discounter und eine Supermarktkette. Zwar erstatten diese Kunden steigende Dieselpreise über 0:29 regelmäßig angepasste Frachtentgelte, aber immer zeitversetzt. Bis ich das Geld habe von den höheren Fracht Raten, da vergeht noch mal 40 bis 0:38 60 Tage. Das heißt also, ich muss mindestens 3 Monate die hohen Dieselkosten vorfinanzieren und das nagt an der Liquidität eines jeden 0:46 Unternehmens. Aus den weltweiten Rohölpreisen lassen sich die hohen Dieselpreise nicht erklären, denn die Rohölpreise zeigten seit Jahresbeginn 0:54 weit weniger starke Anstiege als die Preise bei Dieselkraftstoff. Zuletzt lag in Deutschland der Preis für Diesel sogar über den Preisen für Benzin, 1:02 obwohl das höher besteuert wird. Die Gründe: Die anhaltende Krise am persischen Golf und die ukrainischen Angriffe auf russische Raffinerie. 1:10 Russland äh ist der zweitgrößten Produzent von Diesel weltweit und deswegen ist die Dieselpuktion äh sehr verknarpt worden und die Dieselpreisen 1:23 sie gestiegen. Weltweit ist Diesel also knapper und teurer geworden. Doch in Deutschland droht vorerst keine Dieselknappheit. Die 1:30 Raffinerien laufen auf Hochtouren. Die Dieselproduktion stieg von Januar bis Mai auf über 13 Millionen Tonnen, rund 800.000 Tonnen mehr als im 1:39 Vorjahreszeitraum. Damit könnte der deutsche Bedarf vollständig gedeckt werden. Wäre da nicht der lukrative Export. 1:48 Wir haben es aber mit einem sehr regen Welthandel zu tun. Die Weltmarktpreise schwanken stark. Deswegen exportieren wir auch in Länder, die zeitweise noch 1:57 einen höheren Bedarf haben, als wir. Wir importieren gleichzeitig Diesel so, dass wir den Bedarf im Innland decken können und gleichzeitig noch exportieren 2:04 können. Und weil Diesel von der Landwirtschaft über den Bau bis zur Logistik für den täglichen Einkauf vieles am Laufen hält, 2:11 fließen seine Preissteigerungen in die Inflation mit ein. Die Dieselpreise beeinflussen die Inflation, aber sie sind nur ein Faktor 2:20 von sehr vielen. Insofern würde ich sagen, sie sind kein starker Treiber, aber sie sind ein Faktor, der die Inflation hochhält. 2:27 Gerade für Spediteure wie Christoph Wennekamp bleiben die hohen Dieselpreise eine Herausforderung in einer Branche, deren Gewinnspanne bei nur 0,5 bis 1% 2:37 liegt. Unser Wirtschaftsexperte ist bei uns Florian Neuharn. Florian, hallo. Guten Abend. Die Inflation zieht an in 2:45 Deutschland. Aktuelle Zahl 2,9% im August. Was ist der Preistreiber? Woran liegt das? Es gibt einen ganz klaren Schuldigen, 2:54 wenn man so will. Das sind die Energiepreise. Aktuelle Statistik von heute sagt: "Eergiepreise in Jahresfrist vom August letzten Jahres bis zu heute 3:02 10,5% gestiegen. Das heißt, das ist ganz eindeutig der Treiber für diese diesen Inflationsanstieg. Andere äh Warengruppen sind sogar in der 3:11 Inflationsrate gesunken, z.B. auch die Dienstleistung, da ist die Inflationsrate etwas gesunken. Lebensmittel, wichtiger Punkt, da ist 3:18 die sind die Preise nur in 0,1% gestiegen, also wirklich minimal in einem Jahr. Wir erleben hier also gerade einen Energiepreisschock, 3:26 Auslöser ganz klar, die Schließung der Straße von Hormous und bedingt dadurch eben die Tatsache, dass wir zu wenig haben auf dem Weltmarkt. Mm. 3:34 Das heißt, die gute Nachricht ist, es ist bisher begrenzt auf nur einen kleinen Bereich, aber der ist auch nicht ganz unwichtig für uns. Also, die 3:41 Energie. Jetzt hast du gerade das schöne Wort bisher gesagt. In diesem Zusammenhang nicht so wahnsinnig schön allerdings, denn es hieß ja immer, dass 3:48 die Energiepreise sich früher oder später durch die gesamte Wirtschaft durchfressen werden. Kommt denn das noch? Ist das noch zu befürchten? 3:55 Das ist in der Tat interessant. Mit dieser Kettenreaktion, mit diesen Folgewirkungen hatten die meisten Volkswirte bereits viel früher 4:01 gerechnet, dass ich eben die höheren Benzinpreise durch die ganze Wirtschaft fressen, weil ja für alle Produkte etwas transportiert werden muss und deshalb 4:08 eben auch Benzin gezahlt werden muss. Das ist bisher spannenderweise nicht so wirklich passiert, wenn man sich eben auch die Lebensmittelpreise ansieht. 4:16 es eine Vermutung ist, dass in der Tat großen Konzerne diese Preise nicht mal ebenso weiterreichen können an die Konsumenten, einfach weil wir eine 4:24 Wirtschaftskrise haben, weil deshalb die Fähigkeit und auch die Bereitschaft von Verbraucherinnen und Verbrauchern mehr zu zahlen nicht so groß ist. Das heißt 4:32 aber nicht, dass wir uns ausruhen können, sondern wahrscheinlich wird es zu diesen Kettenreaktionen noch kommen. Also wahrscheinlich ist es da ist davon 4:39 auszugehen, dass auch die Preise auf längere Sicht steigen, vor allem wenn die Straße von Hormus weiterhin geschlossen bleibt. 4:45 Du hast gesagt, Straße von Hormus, also weltstrategische Ereignisse, die betreffen ja alle Länder. Das ist ja nicht nur auf Deutschland bezogen. Jetzt 4:53 ist es aber so, dass in Schweden z.B. der Benzinpreis aktuell bei so rund 1,40 € ist. Ich wiederhole noch mal 1,40 €. Was läuft da in Deutschland schief? 5:06 Ich würde sagen, die Antwort sind zwei Worte, nämlich Steuern und Abgaben. Die sind eben in Deutschland auf Benzin, auf Diesel und Kraftstoffe sehr viel höher 5:14 als in allen anderen, fast allen anderen EU-Ländern. Und das erklärt zum großen Teil diesen Unterschied, den wir da haben. Deutschland hatte ja bereits 5:21 einmal kurz diese Pre diese diese Steuern gesenkt, die Energiesteuer auf Kraftstoffe mit diesem berühmten Tankrabatt. 17 Cent Monate. Die Effekte 5:31 waren eher zweifelhaft, nicht alles kam an, es war sehr teuer und es war auch nicht sehr zielgerichtet. Schweden hat in großem Stil diese Steuern gesenkt und 5:39 auch für einen viel größeren, viel längeren Zeitraum. Eine sehr teure Maßnahme. Ob das wirklich ein Vorbild für uns ist, die meisten Volkswirte 5:46 würden sagen eher nicht. Wenn du sagst, was läuft schief bei uns, würde ich noch ein einen Punkt sagen. Wir haben ja in Deutschland keinen funktionierenden 5:53 Wettbewerb auf dem Markt für Benzin und für Diesel. Wir haben fünf große Konzerne, die alles abdecken. Die Raffinerien, den Großhandel und die 6:00 Tankstellen. Da gibt es keinen echten Wettbewerb und wo es keinen Wettbewerb gibt, da sind die Preise meistens höher als woanders. 6:08 Und da komme ich wieder mit meinem Lieblingssprichwort. Das Geld ist nicht weg. Es hat nur jemand anderes. So sieht's aus. Es gibt die 12 Uhr Regel 6:15 aber nach wie vor bei uns. Also, sprich die Tankstellen dürfen nur einmal am Tag die Preise erhöhen. Damit wollte die Regierung eigentlich die Spritpreise in 6:22 den Griff bekommen. Jetzt scheint aber das gehen Gegenteil zu passieren. Ich glaube, da ist in der Kommunikation auch von der Politik einiges 6:30 schiefgelaufen, denn das Ziel war nicht wirklich damit die Preise zu senken. Das ist vielleicht so verstanden worden, aber das ist falsch. Das Ziel war 6:36 eigentlich nur für mehr Transparenz zu sorgen auf dem Markt, wo es üblich war, dass man am Tag Dutzendfach die Preise mal ebenso geändert hat. Und dieses Ziel 6:45 ist erreicht worden. Was die Preise betrifft, gibt es verschiedene Studien. Einige, die sagt, dass die Preise dadurch erhöht worden sind, weil 6:52 natürlich es ein Anreiz gibt, dass man die Preise etwas höher setzt, um am Ende nicht doof dazustehen, aber es gibt auch andere Studien. Insofern das wird man 6:59 sich noch mal anschauen müssen. Guter Punkt dafür wäre der 1.427. Im Gesetz ist vorgesehen, dass nach einem Jahr diese Tank dieser 12 Uhr 7:07 Regel überprüft werden soll. Das wäre dann im 1. April. Dann wird man sich genau anschauen, was die gebracht hat. Es ist viel transparenter geworden, aber 7:15 wir wissen halt jetzt auch immer ganz genau, dass es dann doch häufig in eine Richtung geht, nämlich nach oben. Wir haben jetzt viel Florian negatives 7:22 besprochen auch was die Zukunft angeht. Gibt's denn eine Idee, wie wir aus allem wieder rauskommen? Nicht nur eine Idee. Wenn man ganz 7:29 konkret auf die Inflation schaut, dafür ist ja eigentlich die Europäische Zentralbank zuständig. Die trifft sich, der Rat trifft sich am nächsten 7:35 Donnerstag außerplanmäßig in Berlin. Die wird wahrscheinlich wird man dort den Leitzins erhöhen und damit die Inflation bekämpfen. Darauf werden die Märkte 7:45 gerade schon vorbereitet. Das wäre eine Maßnahme, die durchaus wirken kann. Wenn du jetzt sagst Schlamassel, ja, das stimmt. Ich will auch die Probleme 7:51 keinesfalls beschönigen. Wir stehen vom riesigen Berg an wirtschaftlichen Herausforderungen, aber es gibt gerade ein paar Indikatoren, paar Anzeichen, 7:59 dass es etwas besser läuft. Also, erstens das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal etwas höher als gedacht, 0,3 % immerhin. Zweitens, der Export ist 8:08 deutlich angestiegen, vor allem in andere europäische Länder. Und drittens, ein wichtiger Index, der IFO Geschäftsklimaindex, Mist, die Stimmung 8:16 in der Wirtschaft ist zum vierten Mal in Folge gestiegen. Also kleiner Hoffnungsstimmer, wir sind nicht über den Berg, aber es könnte vielleicht 8:23 besser werden, sagt unser Wirtschaftsexperte Florian Neuern. Florian, herzlichen Dank. Ah.