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Bodhisattva-Gelübde und -Motivation verstehen | Khentrul Rinpoche

Khentrul Rinpoche Deutsch31:52 61 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

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Transkriptautomatisch erstellt · 193 Zeilen
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  1. Guten Abend euch allen. Also heute werden wir Bodhicitta entwickeln. Und
  2. wir haben Bodhicitta ja bereits seit einiger Zeit kultiviert. Doch heute legen wir darauf einen stärkeren Schwerpunkt.
  3. Wir werden die Bodhisattva- Gelübde annehmen. Wenn wir von Bodhisattva-Gelübden sprechen,
  4. verstehen manche Menschen das nicht. Manche Menschen sind zwar inspiriert, verstehen es aber nicht vollständig,
  5. und manche Menschen haben Bedenken. Warum? Das ist so, nicht nur bei Bodhisattva-Gelübden, sondern bei jeder Art von
  6. Gelübden oder Verpflichtungen, bei allen Arten von Regeln, über die wir sprechen. Die Menschen denken, dass sie etwas unterschreiben oder eingehen.
  7. Dann geraten sie in Schwierigkeiten, wenn sie sich nicht daran halten können. Oder wenn sie es nicht durchhalten.
  8. Dann entsteht ein Problem. So denken die meisten Menschen. Ihr habt darüber vielleicht
  9. noch nicht so nachgedacht und euch deshalb keine Sorgen gemacht. Deshalb seid ihr hier. Aber nur für den Fall,
  10. dass heute Abend jemand zuhört, der diese Sorge für die Zukunft hat, möchte ich dieses Thema kurz ansprechen, weil es wichtig ist.
  11. Das ist überall ein sehr großes Thema. Ich war an vielen Orten, in vielen Ländern, und deshalb weiß ich, dass dies international ein
  12. großes Problem ist. Also, es ist meiner Ansicht nach nicht nur ein Problem der Schüler, sondern auch
  13. derjenigen, die diese Lehren und Ermächtigungen weitergeben. Vielleicht werden sie manchmal
  14. nicht besonders gut vermittelt. Also aus meiner Sicht
  15. ist das nichts, worüber wir uns Sorgen machen sollten. Besonders dann, wenn wir inspiriert sind
  16. von diesem Mahayana-Weg, dem Bodhisattva-Weg und der Idee von Bodhicitta.
  17. Dann sollten wir uns darüber keine Sorgen machen. Wisst ihr warum? Die Idee des Bodhicitta ist,
  18. zu erkennen, dass wir uns unzählige Male in Samsara wiedergefunden haben, aufgrund von Selbstbezogenheit.
  19. Das bedeutet, dass man sich selbst für wichtiger hält als alle anderen. Unzählige Wesen sind erleuchtet worden,
  20. aufgrund des genauen Gegenteils. Nämlich indem sie andere in den Mittelpunkt gestellt haben.
  21. Denn die anderen sind unzählbar viele, man selbst ist nur eine/r. Darum ist das so. Auf einer noch tieferen Ebene
  22. gibt es weder ein Selbst noch ein Anderes. Aber das geht schon sehr tief, es ist erst einmal leichter zu verstehen,
  23. dass die anderen unzählbar sind, und man selbst nur eine/r ist. Wenn wir unseren Fokus also eng machen,
  24. nur auf uns richten, dann ist es so, selbst wenn man große Begeisterung und eine starke Entschlossenheit hat,
  25. das Nirvana zu verwirklichen - selbst wenn man vollständige Entsagung gegenüber der ganzen Welt, dem gesamten Samsara entwickelt hat,
  26. das bedeutet, dass wir uns normalerweise an Dinge wie Status, Anerkennung,
  27. Lob, Ruhm und all das andere nicht mehr binden. Wenn die eigene Motivation aber weiterhin ist,
  28. “Ich werde mich selbst aus Samsara befreien und Nirvana erlangen”, dann liegt der Fokus immer noch
  29. auf dem Einen. Stattdessen sollte es heißen: “Ich werde vollständige
  30. Erleuchtung erlangen zum Wohle aller fühlenden Wesen.“
  31. Wenn wir jedoch von diesem Wohl sprechen, müssen wir sehr klar verstehen - ganz eindeutig -
  32. dass es dabei nicht um kleine Vorteile geht, sondern um das letztendliche Wohl. Damit ist natürlich die Erleuchtung gemeint. Das ist etwas,
  33. das wir erkennen, und von dem wir uns inspirieren lassen müssen. Man muss diese Verpflichtung
  34. nicht sofort eingehen. Sondern wir lassen uns zunächst davon inspirieren. Solange Inspiration da ist,
  35. gibt es immer einen einen Prozess und Fortschritt. Das ist
  36. die natürliche Ordnung aller Dinge. Zuerst verstehen wir diese Grundidee. Die Idee kommt zuerst, ganz klar, präzise und eindeutig.
  37. Das ist nicht einfach nur lieb sein, freundlich sein, oder Mitgefühl haben. Es ist mehr als das. Es geht um etwas,
  38. das grenzenlos gedacht wird. Unbegrenzte fühlende Wesen. Unbegrenzte Qualitäten der Erleuchtung. Alles ist grenzenlos. Grenzenloses Wohl.
  39. Das ist die eigentliche Idee. Zuerst musst du die Idee wirklich erfassen. Aus dieser Idee heraus entsteht Inspiration,
  40. und dadurch verändert sich deine innere Haltung, Das ist die eine Sache. Wenn sich deine Haltung verändert, und du dich immer wieder daran erinnerst,
  41. dann verändern sich auch deine Gefühle. Dass sich deine Gefühle verändern bedeutet nicht nur Veränderung, sondern Fortschritt.
  42. Und dann, wenn sich deine Gefühle verändern oder sich täglich verbessern, idealerweise jeden Tag
  43. oder jeden Monat oder zumindest im Laufe eines Jahres, dann verändern sich sogar deine Emotionen.
  44. Sie wandeln sich wirklich. Das bedeutet, dass sich sogar dein physischer Körper verändern kann,
  45. sich verbessern kann. und, dass dein gesamtes Sein in Transformation ist. Aber es beginnt immer mit der Idee.
  46. Dann folgt die Haltung. Dann die Gefühle. Dann die Emotionen. So ist der Ablauf.
  47. Alles funktioniert auf diese Weise. In manchen seltenen, außergewöhnlichen Fällen gibt es plötzliche Veränderungen.
  48. Aber im Allgemeinen läuft alles auf diese Weise ab. Das gilt es zu verstehen. Als Erstes.
  49. Und dann können Hindernisse. auftauchen. Zum Beispiel denken wir:
  50. „Unzählige fühlende Wesen – wie soll ich Ihnen allen zur Buddhaschaft verhelfen? Das ist unmöglich. Das ist nicht realistisch.
  51. Das ist nicht nachvollziehbar.” So denken manche Menschen, nicht alle, aber oft die sehr intellektuellen Menschen.
  52. Solche Gedanken können aufkommen. Jene, die sich für besonders intelligent halten - diese Art von Menschen denkt so, nicht die gewöhnlichen Menschen.
  53. Aber damit begehen sie einen Fehler. Ihr Intellekt ist begrenzt. Ihr Denken geht hier in die falsche Richtung.
  54. Also, es geht hier nicht um eine Berechnung. Das müssen wir verstehen. Es geht nicht um Rechnen oder Messen.
  55. Wir sprechen über etwas Unermessliches. Erleuchtung ist immer unermesslich. Wenn du also anfängst zu messen,
  56. Dann hat deine Denkweise ein Problem. Das müssen wir zuerst klar erkennen. Und das zweite Problem ist: „Ja, die Idee ist schön,
  57. aber vielleicht nehme ich die Gelübde lieber nicht. Denn Gelübde zu nehmen bedeutet, dass ich etwas unterschreibe,
  58. und wenn ich später Probleme habe, werde ich bestraft.” So denken viele. Auch das bedeutet,
  59. dass wir samsarische Denkweisen in den Pfad der Erleuchtung hineintragen. Das ist nicht hilfreich. Manchmal gibt es Ähnlichkeiten, warum?
  60. Weil wir aus dem Samsara heraus beginnen. Aber wir müssen darüber hinausgehen. Also, es geht hier nicht darum,
  61. an die Zukunft zu denken im Sinne von: Wenn ich etwas falsch mache, dann werde ich bestraft. Das ist wieder genau dasselbe Muster,
  62. selbst wenn du versuchst, Bodhicitta zu entwickeln, selbst wenn du davon inspiriert bist, hast du immer noch
  63. die schlechte Gewohnheit, nur an dich selbst zu denken. Deshalb entsteht dann der Gedanke: Oh, ich werde bestraft.
  64. Bestrafung bedeutet dann so etwas wie: Wenn ich ein Gelübde breche, komme ich in die Hölle. Solche Vorstellungen.
  65. Das ist eine völlig falsche Denkweise. Stattdessen sollten wir uns fragen: Kann ich diese innere Haltung halten?
  66. Diese Inspiration? Wenn auch nur für eine Minute? Schon eine einzige Minute hat einen unglaublichen Wert.
  67. Sie ist unbezahlbar. Das müssen wir wirklich verstehen. Also, wenn ich die die Bodhisattva-Gelübde nehme,
  68. dann ist das etwas Unglaubliches. Warum? Denk einmal darüber nach: Wie viele fühlenden Wesen gibt es auf dieser Erde? Wie viele Menschen denken so wie du?
  69. Wie viele sind inspiriert von der Idee, alle fühlenden Wesen zu befreien zum letztendlichen Wohle? Wie viele gibt es davon?
  70. Und du kannst das jetzt haben. Wenn du die Welt transformieren willst, musst du bei der
  71. geistigen Aktivität beginnen, nicht bei den äußeren Handlungen. So fängst du damit an. Es ist dasselbe, wie wenn du
  72. dein inneres Universum transformierst. Du weißt, im Kalachakra spricht man vom äußeren Universum, inneren Universum
  73. und vom erleuchteten Universum. Was bedeutet, das äußere Universum meint das, was wir wissenschaftlich betrachten,
  74. die riesige Welt, diese unzähligen Galaxien und all das. Das innere Universum bedeutet
  75. du selbst, dein ganzes Sein. Wer dieses Universum beurteilt oder unterscheidet,
  76. das bist du selbst. Du bist dem Universum gleich. Denn ohne dich – wie könntest du das wissen? Das ist unmöglich. Du bist
  77. also das innere Universum. Aber wo ist dann das erleuchtete Universum? Ohne dich gibt es kein Erkennen,
  78. gar nichts. Wir könnten denken: Oh, ohne mich können die anderen keine Erleuchtung erlangen. Aber woher weißt du das?
  79. Was weißt du überhaupt über die anderen? Alles kommt nur aus dir heraus. Das bedeutet: Das wirklich Entscheidende bist du selbst.
  80. Wir sind Individuen. Wenn wir Erleuchtung verwirklichen wollen
  81. und zum Nutzen aller fühlenden Wesen – also des ganzen Universums – handeln wollen, dann gibt es nichts Größeres als das.
  82. Es gibt keine größere Idee als diese. Deshalb: Wenn du diese Idee, dieses Gefühl, diese Inspiration hast,
  83. für eine Minute, zwei Minuten, drei Minuten, dann ist dies das Allerwichtigste. Nicht dieses Denken: Oh, wenn ich ein Gelübde nehme
  84. und es später breche, dann komme ich in die Hölle. Das ist etwas, worüber du niemals nachdenken solltest.
  85. Denn wenn wir das vergleichen mit dem, was du jetzt gerade an Bodhicitta erzeugst, ist dieses Denken völlig nutzlos. Denn wir wissen nicht einmal,
  86. ob wir nicht sterben, bevor wir überhaupt ein Gelübde brechen. Das ist ein Punkt.
  87. Wenn du stirbst, bevor du ein Gelübde brichst, dann bleibt das Bodhisattva-Gelübde über viele Leben hinweg bestehen – nicht
  88. nur in diesem Leben. Pratimoksha-Gelübde gelten nur bis zum Zeitpunkt des Todes. Aber das Bodhisattva-Gelübde
  89. besteht, bis du Erleuchtung erlangst. Es sei denn, du brichst es. Doch selbst wenn du es brichst, kannst du es wieder erneuern.
  90. Bodhisattva-Gelübde sind wie ein Gefäß aus Gold. Ein goldenes Gefäß kannst du, selbst wenn es zerbricht,
  91. immer wieder neu herstellen. Du kannst es erneut machen. Du kannst es wieder neu machen. Im Vergleich dazu sind Pratimoksha-Gelübde
  92. wie zerbrechliches Porzellan. Wie ein Porzellangefäß. Das ist sehr schwer so zu reparieren, dass es so ist wie vorher.
  93. Man kann es zwar zusammenkleben oder etwas Ähnliches tun, doch es wird nicht wieder genau wie zuvor sein.
  94. Ein goldenes Gefäß kannst du jedoch wieder genauso herstellen wie zuvor. Egal wie oft es zerbricht, wie viele Löcher entstehen,
  95. was auch immer geschieht. Warum ist das so? Weil von Anfang an
  96. das Pratimoksha-Gelübde auf der Motivation der eigenen Befreiung beruht. Deshalb. Ich weiß ich nicht mehr genau,
  97. ob ich das letzte Woche erklärt habe, aber man kann die Zuflucht- und Pratimoksha-Gelübde mit Bodhichitta-Motivation nehmen.
  98. Dann werden sie zu etwas anderem. Aber das Bodhisattva-Gelübde bedeutet, dass es jeder nehmen kann.
  99. Du brauchst kein Mönch sein. Du musst kein monastisches Leben führen. Du musst nicht einmal ein Mensch sein. Deshalb habe ich zuvor
  100. alle nicht-menschlichen Wesen eingeladen. Warum? Weil das Bodhisattva- Gelübde von jedem genommen werden kann.
  101. Bodhi, das Erzeugen von Bodhicitta, kann jedes fühlende Wesen verwirklichen. Deshalb gibt es sogar die Geschichte,
  102. dass Buddha Shakyamuni erstmals Bodhicitta in seiner Existenz eines Höllenwesens entwickelte.
  103. In einer Wiedergeburt als Höllenwesen. Solche Geschichten gibt es. Deshalb ist das Wichtigste
  104. deine Inspiration, deine Motivation. Außerdem kostet sie nichts. Sie ist umsonst.
  105. Gut, daher, insbesondere wenn wir mit Kalachakra verbunden sind,
  106. haben wir nicht nur ein langfristiges Ziel. Eines Tages bin ich erleuchtet. Deshalb kann ich eines Tages fühlende Wesen befreien.
  107. Sondern wir haben im Kalachakra eine besondere Mission. Schon sehr bald können wir
  108. diese Welt viel besser machen als sie jetzt ist. Unvoreingenommen,
  109. ohne Diskriminierung. Unvoreingenommene, liebende Güte und Mitgefühl. Das Ergebnis ist dann echter Frieden, Harmonie,
  110. und eine Verbindung mit Shambhala. Denn Shambhala ist ein Bodhisattva-Reich, nicht nur das eines einzelnen Bodhisattvas, nicht nur das eines einzelnen Bodhisattvas,
  111. mit unglaublichen Verdiensten, Fähigkeiten und Kraft. Ganz konkret, um dieses Leben,
  112. diese Erde zu schützen und zu retten. Deshalb verbinden wir uns damit. Darum halte ich die Inspiration für das Wichtigste.
  113. Habt ihr das verstanden? Gibt es dazu Fragen? Okay. Wenn es keine Fragen gibt, dann wie spät ist es?
  114. (Aus dem Off) Acht. Halb neun? (Aus dem Off) Zehn nach acht. Zehn nach acht.
  115. Okay. Ich weiß nicht, wie lange das dauert. Vielleicht machen wir zuerst das hier. Wenn es keine Fragen gibt,
  116. können wir damit weitermachen. (Aus dem Off) Die Wunschgebete? Hm? Ja. Dann beginnen wir, und wenn ihr noch
  117. Zeit habt, können wir danach noch etwas sprechen. (Aus dem Off) Wir werden die Zeremonie nicht streamen, also falls es noch mehr
  118. Unterweisungen gibt, vielleicht zuerst die? Ähm, okay, welche Unterweisungen jetzt? Wir müssen nicht über die Bodhisattva-
  119. Gelübde sprechen, oder? Das steht ja im Buch. Okay - Worüber sprechen wir noch?
  120. (Aus dem Off) Okay. Gibt es Fragen? (Aus dem Off) Zur Motivation? Hm?
  121. Zur Motivation. (Aus dem Off) Niemand stellt Fragen. Ihr habt also die Motivation? Okay. Also, ihr versteht alles? Gut, dann sprechen wir
  122. noch ein wenig über Motivation. Warum ist Motivation so wichtig? Warum? Sagen wir,
  123. deine Idee, deine Haltung und deine Motivation, das sind die drei wichtigsten Dinge.
  124. Aber selbst bei diesen drei: Welches ist das Wichtigste? Die Motivation ist das Allerwichtigste. Warum? Weil
  125. wenn du die Idee hast, wenn du die Haltung hast, also eine gute Idee und eine gute Haltung,
  126. und dann motiviert bist, dann geht alles relativ leicht und ganz natürlich.
  127. Aber selbst wenn du keine gute Idee hast, selbst wenn du keine gute Haltung hast,
  128. kannst du dich trotzdem motivieren, zumindest vorübergehend. Nicht ganz natürlich, aber du kannst diese Motivation erzeugen.
  129. Zum Beispiel: Alle fühlenden Wesen zu lieben. Sich um alle fühlenden Wesen zu kümmern. Und
  130. Es bleibt nicht nur bei dem Wunsch - natürlich beginnt alles mit dem Wunsch, alle fühlenden Wesen zu befreien. Dann entsteht das Gefühl von
  131. Verpflichtung, fühlende Wesen zu befreien. Sich verantwortlich zu fühlen, fühlende Wesen zu befreien.
  132. Diese Motivation, wenn sie natürlich entsteht, weil du eine sehr klare, gute Idee davon hast Verändert deine Haltung bereits tief,
  133. doch auch ohne das kannst du sie vorübergehend erzeugen. Und wenn du sie erzeugst, warum ist Motivation dann so wichtig?
  134. Erinnere dich: Wir alle leben
  135. innerhalb eines karmischen Rahmens, in einem karmisch geprägten Leben. Das bedeutet: Alles hat mit Karma zu tun. Du weißt ja.
  136. In jedem Moment erzeugst du Karma. Jede Erfahrung ist das Ergebnis deines Karmas. So erleben wir unser Karma.
  137. Das heißt: Es ist wirklich unvorhersehbar. Aber dieses Karma – woher kommt es? Es kommt aus deiner Motivation in der Vergangenheit.
  138. Aber früher hatten wir begrenzte Motivation. Selbst wenn wir Mitgefühl hatten, selbst wenn wir gute Qualitäten hatten – sie waren begrenzt.
  139. Jetzt aber sind wir so glücklich, diesem kostbaren Dharma begegnet zu sein, dem Dharma dem Bodhicitta, dieser Idee.
  140. So beginnst du, grenzenlos zu denken, grenzenlose Motivation zu entwickeln. Dann wirst du wirklich
  141. transformiert. Auch wenn du es noch nicht siehst, noch nicht fühlst, findet Transformation statt.
  142. Denn wir fühlen nicht alles, wir sehen nicht alles, was in unserem Leben
  143. geschieht. Und doch tut es das. Genauso findet Transformation statt, auch wenn wir sie nicht spüren.
  144. Wenn ich dir ein Beispiel gebe: angenommen, wir könnten Motivation sehen, sagen wir, zuerst Hast du eine schlechte Motivation.
  145. Oder einfach eine neutrale. Neutral wäre, wenn wir es sehen können, wie Weiß. Schlechte Motivation wäre wie Schwarz. Wir können es uns wie
  146. auf einem Fernsehbildschirm vorstellen, mit Schwarz und Weiß. Dann könnten verschiedene Motivationen
  147. als unterschiedliche Farben erscheinen. Jede Motivation hat ihre eigene Farbe. Wenn es wissenschaftlich möglich wäre, eine Art Gerät in deinem
  148. Kopf und Herzen zu haben, mit dem man das sichtbar machen könnte, und du veränderst dann deine Motivation, dein Denken – dann sehen alle plötzlich
  149. andere Farben. So in etwa ist das. Die Motivation – wenn wir von Karma sprechen,
  150. beginnt alles mit deiner Motivation. Deine Absicht, deine Motivation ist der Anfang. Das verändert die Farbe. Und dann wenn sich die Farbe verändert hat,
  151. denken wir, das wars jetzt – aber das ist es nicht, es ist nur gespeichert. Wie am Computer: du änderst etwas, und es wird automatisch gespeichert.
  152. Du denkst, es ist weg – aber es ist noch immer da. In der Historie - und dann siehst du: oh da ist ja alles. So ist das.
  153. Deshalb ist Motivation das Wichtigste. Ob du eine natürliche Bodhicitta-Motivation hast oder nicht.
  154. Aber selbst wenn sie nicht natürlich da ist – du kannst sie erzeugen.
  155. Deshalb brauchst du, um die Bodhisattva-Gelübde zu empfangen, nur eines:
  156. eine vorübergehend starke Motivation. Mehr braucht es nicht. Das Minimum. Dann kannst du sie empfangen.
  157. Okay, und was sind die Vorteile, wenn man das Gelübde empfängt? Denn viele denken, ein Gelübde zu empfangen
  158. verändert nichts – alles bleibt gleich. Doch du veränderst dich. Wenn wir von Gelübden sprechen, dann wird alles –
  159. jede Motivation, jede körperliche tugendhafte Handlung, in ihrem Ergebnis
  160. millionenfach, milliardenfach, oder trillionenfach verstärkt, im Vergleich zu ohne die
  161. Gelübde genommen zu haben. Es macht einen riesigen Unterschied. Nehmen wir an, jemand
  162. sagt wir nehmen nun das Gelübde – Dann denken die Menschen für gewöhnlich: Ich nehme lieber kein Gelübde, dann habe ich auch nichts unterschrieben
  163. und kann trotzdem täglich praktizieren. So habe ich später keine Probleme. Ich kann es trotzdem jeden Tag versuchen. Ja, du kannst es jeden Tag versuchen.
  164. Du hast später vielleicht keine Schwierigkeiten, weil du nichts versprochen hast – ja. Das stimmt. Aber
  165. dein tägliches Bemühen ohne Gelübde ist wie ein kleines Geschäft,
  166. das jeden Tag etwas Geld verdient, sagen wir, hundert Dollar am Tag. Aber wenn du die
  167. Gelübde hast und dasselbe tust, ist es, wie jeden Tag Millionen zu erwirtschaften, Milliarden im Monat – so in etwa.
  168. So groß ist der Unterschied. Also Das ist der entscheidende Unterschied. Der zweite Unterschied ist:
  169. Ja, du hast vielleicht keine Probleme, weil du keine konkreten Schwierigkeiten hast, weil du nichts unterschrieben hast.
  170. Du hast nichts versprochen – ja, da stimme ich zu. Aber du hast andere Sorgen. Das ist das eigentliche Problem. Und diejenigen, die sich verpflichtet haben,
  171. die ein Versprechen gegeben haben, ja, vielleicht bekommen sie Schwierigkeiten, weil sie das Gelübde brechen – ja, aber
  172. es ist besser, diese Art von Schwierigkeit zu haben, als niemals ein Versprechen gegeben zu haben. Das heißt,
  173. stell dir vor, du gründest ein Geschäft, bei dem du Geld erwirtschaftest – ich spreche über Geld, weil das jeder sofort versteht.
  174. Jeder lebt mit Geld, richtig? Also, du lebst, du meldest dein Geschäft an, und du gibst jeden Tag, jede Woche viel aus.
  175. Aber du erwirtschaftest viel mehr, als du ausgibst – so in etwa. Ja, du bekommst Probleme, wenn du Gelübde ständig brichst,
  176. hast du negative Konsequenzen – ja. Aber bis dahin, solange du sie hältst, ist der Nutzen des Haltens der Gelübde viel größer
  177. als deine Schwierigkeiten. Das müssen die Menschen verstehen. Es ist sehr logisch. Sonst
  178. würden Buddhas und Bodhisattvas solche Lehren nicht geben. Alles andere wäre wie - ich würde das zwar nicht sagen, aber
  179. wenn dann wäre es so, wie: Gott erschuf uns, und wenn wir etwas falsch machen, bestraft Gott uns
  180. mit der Hölle – und das für immer. Um so eine Vorstellung geht es hier nicht. Ganz im Gegenteil, das müssen wir verstehen. Also,
  181. Buddhas und Bodhisattvas haben uns niemals gelehrt, dass es so wäre. Deshalb:
  182. Selbst die Pratimoksha-Gelübde, die man in diesem Leben nicht wiederherstellen kann - wenn sie einmal gebrochen sind,
  183. kann man sie nicht vollständig reparieren, aber das bedeutet nicht, dass du nicht die Negativitäten reinigen kannst.
  184. Du kannst sie vollständig reinigen. Kein Problem. Du kannst weiterhin Verdienste ansammeln, immer mehr.
  185. Deshalb sind zur Zeit des Buddha so viele Menschen Arhats geworden. Und für Bodhisattvas
  186. gilt natürlich das gleiche, jederzeit. Für jede Person, jede Existenzform. Deshalb ist Bodhicitta etwas,
  187. das wir in jedem Moment üben sollten. Zumindest einmal am Tag.
  188. Am besten sechsmal täglich. Weißt du, denk einmal darüber nach. Es ist nicht wie beim muslimischen Gebet, wo man in einen bestimmten Raum gehen muss.
  189. So ist es hier nicht. Jeder Moment zählt, egal wo du bist. Bodhi, Bodhicitta ist genau so. Die Bodhisattva-Gelübde
  190. kannst du jeden Tag empfangen. Und du kannst sie jeden Tag erneuern. Das ist die grundlegende Idee. Okay?
  191. Deshalb ist die Motivation so wichtig. Alles beginnt in deinem Geist und wird in deinem Geist gespeichert und auch aus deinem Geist heraus erfahren.
  192. Erfahrung entsteht aus dem Geist. Es ist nicht ganz einfach, aber das erschafft die gesamte Welt. Niemand kann das widerlegen.
  193. Nicht einmal die Wissenschaft. Unmöglich. Okay.

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