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Bodhisattva-Gelübde und -Motivation verstehen | Khentrul Rinpoche
Das Wichtigste aus dem Video
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Transkriptautomatisch erstellt · 193 Zeilen
- Guten Abend euch allen. Also heute werden wir Bodhicitta entwickeln. Und
- wir haben Bodhicitta ja bereits seit einiger Zeit kultiviert. Doch heute legen wir darauf einen stärkeren Schwerpunkt.
- Wir werden die Bodhisattva- Gelübde annehmen. Wenn wir von Bodhisattva-Gelübden sprechen,
- verstehen manche Menschen das nicht. Manche Menschen sind zwar inspiriert, verstehen es aber nicht vollständig,
- und manche Menschen haben Bedenken. Warum? Das ist so, nicht nur bei Bodhisattva-Gelübden, sondern bei jeder Art von
- Gelübden oder Verpflichtungen, bei allen Arten von Regeln, über die wir sprechen. Die Menschen denken, dass sie etwas unterschreiben oder eingehen.
- Dann geraten sie in Schwierigkeiten, wenn sie sich nicht daran halten können. Oder wenn sie es nicht durchhalten.
- Dann entsteht ein Problem. So denken die meisten Menschen. Ihr habt darüber vielleicht
- noch nicht so nachgedacht und euch deshalb keine Sorgen gemacht. Deshalb seid ihr hier. Aber nur für den Fall,
- dass heute Abend jemand zuhört, der diese Sorge für die Zukunft hat, möchte ich dieses Thema kurz ansprechen, weil es wichtig ist.
- Das ist überall ein sehr großes Thema. Ich war an vielen Orten, in vielen Ländern, und deshalb weiß ich, dass dies international ein
- großes Problem ist. Also, es ist meiner Ansicht nach nicht nur ein Problem der Schüler, sondern auch
- derjenigen, die diese Lehren und Ermächtigungen weitergeben. Vielleicht werden sie manchmal
- nicht besonders gut vermittelt. Also aus meiner Sicht
- ist das nichts, worüber wir uns Sorgen machen sollten. Besonders dann, wenn wir inspiriert sind
- von diesem Mahayana-Weg, dem Bodhisattva-Weg und der Idee von Bodhicitta.
- Dann sollten wir uns darüber keine Sorgen machen. Wisst ihr warum? Die Idee des Bodhicitta ist,
- zu erkennen, dass wir uns unzählige Male in Samsara wiedergefunden haben, aufgrund von Selbstbezogenheit.
- Das bedeutet, dass man sich selbst für wichtiger hält als alle anderen. Unzählige Wesen sind erleuchtet worden,
- aufgrund des genauen Gegenteils. Nämlich indem sie andere in den Mittelpunkt gestellt haben.
- Denn die anderen sind unzählbar viele, man selbst ist nur eine/r. Darum ist das so. Auf einer noch tieferen Ebene
- gibt es weder ein Selbst noch ein Anderes. Aber das geht schon sehr tief, es ist erst einmal leichter zu verstehen,
- dass die anderen unzählbar sind, und man selbst nur eine/r ist. Wenn wir unseren Fokus also eng machen,
- nur auf uns richten, dann ist es so, selbst wenn man große Begeisterung und eine starke Entschlossenheit hat,
- das Nirvana zu verwirklichen - selbst wenn man vollständige Entsagung gegenüber der ganzen Welt, dem gesamten Samsara entwickelt hat,
- das bedeutet, dass wir uns normalerweise an Dinge wie Status, Anerkennung,
- Lob, Ruhm und all das andere nicht mehr binden. Wenn die eigene Motivation aber weiterhin ist,
- “Ich werde mich selbst aus Samsara befreien und Nirvana erlangen”, dann liegt der Fokus immer noch
- auf dem Einen. Stattdessen sollte es heißen: “Ich werde vollständige
- Erleuchtung erlangen zum Wohle aller fühlenden Wesen.“
- Wenn wir jedoch von diesem Wohl sprechen, müssen wir sehr klar verstehen - ganz eindeutig -
- dass es dabei nicht um kleine Vorteile geht, sondern um das letztendliche Wohl. Damit ist natürlich die Erleuchtung gemeint. Das ist etwas,
- das wir erkennen, und von dem wir uns inspirieren lassen müssen. Man muss diese Verpflichtung
- nicht sofort eingehen. Sondern wir lassen uns zunächst davon inspirieren. Solange Inspiration da ist,
- gibt es immer einen einen Prozess und Fortschritt. Das ist
- die natürliche Ordnung aller Dinge. Zuerst verstehen wir diese Grundidee. Die Idee kommt zuerst, ganz klar, präzise und eindeutig.
- Das ist nicht einfach nur lieb sein, freundlich sein, oder Mitgefühl haben. Es ist mehr als das. Es geht um etwas,
- das grenzenlos gedacht wird. Unbegrenzte fühlende Wesen. Unbegrenzte Qualitäten der Erleuchtung. Alles ist grenzenlos. Grenzenloses Wohl.
- Das ist die eigentliche Idee. Zuerst musst du die Idee wirklich erfassen. Aus dieser Idee heraus entsteht Inspiration,
- und dadurch verändert sich deine innere Haltung, Das ist die eine Sache. Wenn sich deine Haltung verändert, und du dich immer wieder daran erinnerst,
- dann verändern sich auch deine Gefühle. Dass sich deine Gefühle verändern bedeutet nicht nur Veränderung, sondern Fortschritt.
- Und dann, wenn sich deine Gefühle verändern oder sich täglich verbessern, idealerweise jeden Tag
- oder jeden Monat oder zumindest im Laufe eines Jahres, dann verändern sich sogar deine Emotionen.
- Sie wandeln sich wirklich. Das bedeutet, dass sich sogar dein physischer Körper verändern kann,
- sich verbessern kann. und, dass dein gesamtes Sein in Transformation ist. Aber es beginnt immer mit der Idee.
- Dann folgt die Haltung. Dann die Gefühle. Dann die Emotionen. So ist der Ablauf.
- Alles funktioniert auf diese Weise. In manchen seltenen, außergewöhnlichen Fällen gibt es plötzliche Veränderungen.
- Aber im Allgemeinen läuft alles auf diese Weise ab. Das gilt es zu verstehen. Als Erstes.
- Und dann können Hindernisse. auftauchen. Zum Beispiel denken wir:
- „Unzählige fühlende Wesen – wie soll ich Ihnen allen zur Buddhaschaft verhelfen? Das ist unmöglich. Das ist nicht realistisch.
- Das ist nicht nachvollziehbar.” So denken manche Menschen, nicht alle, aber oft die sehr intellektuellen Menschen.
- Solche Gedanken können aufkommen. Jene, die sich für besonders intelligent halten - diese Art von Menschen denkt so, nicht die gewöhnlichen Menschen.
- Aber damit begehen sie einen Fehler. Ihr Intellekt ist begrenzt. Ihr Denken geht hier in die falsche Richtung.
- Also, es geht hier nicht um eine Berechnung. Das müssen wir verstehen. Es geht nicht um Rechnen oder Messen.
- Wir sprechen über etwas Unermessliches. Erleuchtung ist immer unermesslich. Wenn du also anfängst zu messen,
- Dann hat deine Denkweise ein Problem. Das müssen wir zuerst klar erkennen. Und das zweite Problem ist: „Ja, die Idee ist schön,
- aber vielleicht nehme ich die Gelübde lieber nicht. Denn Gelübde zu nehmen bedeutet, dass ich etwas unterschreibe,
- und wenn ich später Probleme habe, werde ich bestraft.” So denken viele. Auch das bedeutet,
- dass wir samsarische Denkweisen in den Pfad der Erleuchtung hineintragen. Das ist nicht hilfreich. Manchmal gibt es Ähnlichkeiten, warum?
- Weil wir aus dem Samsara heraus beginnen. Aber wir müssen darüber hinausgehen. Also, es geht hier nicht darum,
- an die Zukunft zu denken im Sinne von: Wenn ich etwas falsch mache, dann werde ich bestraft. Das ist wieder genau dasselbe Muster,
- selbst wenn du versuchst, Bodhicitta zu entwickeln, selbst wenn du davon inspiriert bist, hast du immer noch
- die schlechte Gewohnheit, nur an dich selbst zu denken. Deshalb entsteht dann der Gedanke: Oh, ich werde bestraft.
- Bestrafung bedeutet dann so etwas wie: Wenn ich ein Gelübde breche, komme ich in die Hölle. Solche Vorstellungen.
- Das ist eine völlig falsche Denkweise. Stattdessen sollten wir uns fragen: Kann ich diese innere Haltung halten?
- Diese Inspiration? Wenn auch nur für eine Minute? Schon eine einzige Minute hat einen unglaublichen Wert.
- Sie ist unbezahlbar. Das müssen wir wirklich verstehen. Also, wenn ich die die Bodhisattva-Gelübde nehme,
- dann ist das etwas Unglaubliches. Warum? Denk einmal darüber nach: Wie viele fühlenden Wesen gibt es auf dieser Erde? Wie viele Menschen denken so wie du?
- Wie viele sind inspiriert von der Idee, alle fühlenden Wesen zu befreien zum letztendlichen Wohle? Wie viele gibt es davon?
- Und du kannst das jetzt haben. Wenn du die Welt transformieren willst, musst du bei der
- geistigen Aktivität beginnen, nicht bei den äußeren Handlungen. So fängst du damit an. Es ist dasselbe, wie wenn du
- dein inneres Universum transformierst. Du weißt, im Kalachakra spricht man vom äußeren Universum, inneren Universum
- und vom erleuchteten Universum. Was bedeutet, das äußere Universum meint das, was wir wissenschaftlich betrachten,
- die riesige Welt, diese unzähligen Galaxien und all das. Das innere Universum bedeutet
- du selbst, dein ganzes Sein. Wer dieses Universum beurteilt oder unterscheidet,
- das bist du selbst. Du bist dem Universum gleich. Denn ohne dich – wie könntest du das wissen? Das ist unmöglich. Du bist
- also das innere Universum. Aber wo ist dann das erleuchtete Universum? Ohne dich gibt es kein Erkennen,
- gar nichts. Wir könnten denken: Oh, ohne mich können die anderen keine Erleuchtung erlangen. Aber woher weißt du das?
- Was weißt du überhaupt über die anderen? Alles kommt nur aus dir heraus. Das bedeutet: Das wirklich Entscheidende bist du selbst.
- Wir sind Individuen. Wenn wir Erleuchtung verwirklichen wollen
- und zum Nutzen aller fühlenden Wesen – also des ganzen Universums – handeln wollen, dann gibt es nichts Größeres als das.
- Es gibt keine größere Idee als diese. Deshalb: Wenn du diese Idee, dieses Gefühl, diese Inspiration hast,
- für eine Minute, zwei Minuten, drei Minuten, dann ist dies das Allerwichtigste. Nicht dieses Denken: Oh, wenn ich ein Gelübde nehme
- und es später breche, dann komme ich in die Hölle. Das ist etwas, worüber du niemals nachdenken solltest.
- Denn wenn wir das vergleichen mit dem, was du jetzt gerade an Bodhicitta erzeugst, ist dieses Denken völlig nutzlos. Denn wir wissen nicht einmal,
- ob wir nicht sterben, bevor wir überhaupt ein Gelübde brechen. Das ist ein Punkt.
- Wenn du stirbst, bevor du ein Gelübde brichst, dann bleibt das Bodhisattva-Gelübde über viele Leben hinweg bestehen – nicht
- nur in diesem Leben. Pratimoksha-Gelübde gelten nur bis zum Zeitpunkt des Todes. Aber das Bodhisattva-Gelübde
- besteht, bis du Erleuchtung erlangst. Es sei denn, du brichst es. Doch selbst wenn du es brichst, kannst du es wieder erneuern.
- Bodhisattva-Gelübde sind wie ein Gefäß aus Gold. Ein goldenes Gefäß kannst du, selbst wenn es zerbricht,
- immer wieder neu herstellen. Du kannst es erneut machen. Du kannst es wieder neu machen. Im Vergleich dazu sind Pratimoksha-Gelübde
- wie zerbrechliches Porzellan. Wie ein Porzellangefäß. Das ist sehr schwer so zu reparieren, dass es so ist wie vorher.
- Man kann es zwar zusammenkleben oder etwas Ähnliches tun, doch es wird nicht wieder genau wie zuvor sein.
- Ein goldenes Gefäß kannst du jedoch wieder genauso herstellen wie zuvor. Egal wie oft es zerbricht, wie viele Löcher entstehen,
- was auch immer geschieht. Warum ist das so? Weil von Anfang an
- das Pratimoksha-Gelübde auf der Motivation der eigenen Befreiung beruht. Deshalb. Ich weiß ich nicht mehr genau,
- ob ich das letzte Woche erklärt habe, aber man kann die Zuflucht- und Pratimoksha-Gelübde mit Bodhichitta-Motivation nehmen.
- Dann werden sie zu etwas anderem. Aber das Bodhisattva-Gelübde bedeutet, dass es jeder nehmen kann.
- Du brauchst kein Mönch sein. Du musst kein monastisches Leben führen. Du musst nicht einmal ein Mensch sein. Deshalb habe ich zuvor
- alle nicht-menschlichen Wesen eingeladen. Warum? Weil das Bodhisattva- Gelübde von jedem genommen werden kann.
- Bodhi, das Erzeugen von Bodhicitta, kann jedes fühlende Wesen verwirklichen. Deshalb gibt es sogar die Geschichte,
- dass Buddha Shakyamuni erstmals Bodhicitta in seiner Existenz eines Höllenwesens entwickelte.
- In einer Wiedergeburt als Höllenwesen. Solche Geschichten gibt es. Deshalb ist das Wichtigste
- deine Inspiration, deine Motivation. Außerdem kostet sie nichts. Sie ist umsonst.
- Gut, daher, insbesondere wenn wir mit Kalachakra verbunden sind,
- haben wir nicht nur ein langfristiges Ziel. Eines Tages bin ich erleuchtet. Deshalb kann ich eines Tages fühlende Wesen befreien.
- Sondern wir haben im Kalachakra eine besondere Mission. Schon sehr bald können wir
- diese Welt viel besser machen als sie jetzt ist. Unvoreingenommen,
- ohne Diskriminierung. Unvoreingenommene, liebende Güte und Mitgefühl. Das Ergebnis ist dann echter Frieden, Harmonie,
- und eine Verbindung mit Shambhala. Denn Shambhala ist ein Bodhisattva-Reich, nicht nur das eines einzelnen Bodhisattvas, nicht nur das eines einzelnen Bodhisattvas,
- mit unglaublichen Verdiensten, Fähigkeiten und Kraft. Ganz konkret, um dieses Leben,
- diese Erde zu schützen und zu retten. Deshalb verbinden wir uns damit. Darum halte ich die Inspiration für das Wichtigste.
- Habt ihr das verstanden? Gibt es dazu Fragen? Okay. Wenn es keine Fragen gibt, dann wie spät ist es?
- (Aus dem Off) Acht. Halb neun? (Aus dem Off) Zehn nach acht. Zehn nach acht.
- Okay. Ich weiß nicht, wie lange das dauert. Vielleicht machen wir zuerst das hier. Wenn es keine Fragen gibt,
- können wir damit weitermachen. (Aus dem Off) Die Wunschgebete? Hm? Ja. Dann beginnen wir, und wenn ihr noch
- Zeit habt, können wir danach noch etwas sprechen. (Aus dem Off) Wir werden die Zeremonie nicht streamen, also falls es noch mehr
- Unterweisungen gibt, vielleicht zuerst die? Ähm, okay, welche Unterweisungen jetzt? Wir müssen nicht über die Bodhisattva-
- Gelübde sprechen, oder? Das steht ja im Buch. Okay - Worüber sprechen wir noch?
- (Aus dem Off) Okay. Gibt es Fragen? (Aus dem Off) Zur Motivation? Hm?
- Zur Motivation. (Aus dem Off) Niemand stellt Fragen. Ihr habt also die Motivation? Okay. Also, ihr versteht alles? Gut, dann sprechen wir
- noch ein wenig über Motivation. Warum ist Motivation so wichtig? Warum? Sagen wir,
- deine Idee, deine Haltung und deine Motivation, das sind die drei wichtigsten Dinge.
- Aber selbst bei diesen drei: Welches ist das Wichtigste? Die Motivation ist das Allerwichtigste. Warum? Weil
- wenn du die Idee hast, wenn du die Haltung hast, also eine gute Idee und eine gute Haltung,
- und dann motiviert bist, dann geht alles relativ leicht und ganz natürlich.
- Aber selbst wenn du keine gute Idee hast, selbst wenn du keine gute Haltung hast,
- kannst du dich trotzdem motivieren, zumindest vorübergehend. Nicht ganz natürlich, aber du kannst diese Motivation erzeugen.
- Zum Beispiel: Alle fühlenden Wesen zu lieben. Sich um alle fühlenden Wesen zu kümmern. Und
- Es bleibt nicht nur bei dem Wunsch - natürlich beginnt alles mit dem Wunsch, alle fühlenden Wesen zu befreien. Dann entsteht das Gefühl von
- Verpflichtung, fühlende Wesen zu befreien. Sich verantwortlich zu fühlen, fühlende Wesen zu befreien.
- Diese Motivation, wenn sie natürlich entsteht, weil du eine sehr klare, gute Idee davon hast Verändert deine Haltung bereits tief,
- doch auch ohne das kannst du sie vorübergehend erzeugen. Und wenn du sie erzeugst, warum ist Motivation dann so wichtig?
- Erinnere dich: Wir alle leben
- innerhalb eines karmischen Rahmens, in einem karmisch geprägten Leben. Das bedeutet: Alles hat mit Karma zu tun. Du weißt ja.
- In jedem Moment erzeugst du Karma. Jede Erfahrung ist das Ergebnis deines Karmas. So erleben wir unser Karma.
- Das heißt: Es ist wirklich unvorhersehbar. Aber dieses Karma – woher kommt es? Es kommt aus deiner Motivation in der Vergangenheit.
- Aber früher hatten wir begrenzte Motivation. Selbst wenn wir Mitgefühl hatten, selbst wenn wir gute Qualitäten hatten – sie waren begrenzt.
- Jetzt aber sind wir so glücklich, diesem kostbaren Dharma begegnet zu sein, dem Dharma dem Bodhicitta, dieser Idee.
- So beginnst du, grenzenlos zu denken, grenzenlose Motivation zu entwickeln. Dann wirst du wirklich
- transformiert. Auch wenn du es noch nicht siehst, noch nicht fühlst, findet Transformation statt.
- Denn wir fühlen nicht alles, wir sehen nicht alles, was in unserem Leben
- geschieht. Und doch tut es das. Genauso findet Transformation statt, auch wenn wir sie nicht spüren.
- Wenn ich dir ein Beispiel gebe: angenommen, wir könnten Motivation sehen, sagen wir, zuerst Hast du eine schlechte Motivation.
- Oder einfach eine neutrale. Neutral wäre, wenn wir es sehen können, wie Weiß. Schlechte Motivation wäre wie Schwarz. Wir können es uns wie
- auf einem Fernsehbildschirm vorstellen, mit Schwarz und Weiß. Dann könnten verschiedene Motivationen
- als unterschiedliche Farben erscheinen. Jede Motivation hat ihre eigene Farbe. Wenn es wissenschaftlich möglich wäre, eine Art Gerät in deinem
- Kopf und Herzen zu haben, mit dem man das sichtbar machen könnte, und du veränderst dann deine Motivation, dein Denken – dann sehen alle plötzlich
- andere Farben. So in etwa ist das. Die Motivation – wenn wir von Karma sprechen,
- beginnt alles mit deiner Motivation. Deine Absicht, deine Motivation ist der Anfang. Das verändert die Farbe. Und dann wenn sich die Farbe verändert hat,
- denken wir, das wars jetzt – aber das ist es nicht, es ist nur gespeichert. Wie am Computer: du änderst etwas, und es wird automatisch gespeichert.
- Du denkst, es ist weg – aber es ist noch immer da. In der Historie - und dann siehst du: oh da ist ja alles. So ist das.
- Deshalb ist Motivation das Wichtigste. Ob du eine natürliche Bodhicitta-Motivation hast oder nicht.
- Aber selbst wenn sie nicht natürlich da ist – du kannst sie erzeugen.
- Deshalb brauchst du, um die Bodhisattva-Gelübde zu empfangen, nur eines:
- eine vorübergehend starke Motivation. Mehr braucht es nicht. Das Minimum. Dann kannst du sie empfangen.
- Okay, und was sind die Vorteile, wenn man das Gelübde empfängt? Denn viele denken, ein Gelübde zu empfangen
- verändert nichts – alles bleibt gleich. Doch du veränderst dich. Wenn wir von Gelübden sprechen, dann wird alles –
- jede Motivation, jede körperliche tugendhafte Handlung, in ihrem Ergebnis
- millionenfach, milliardenfach, oder trillionenfach verstärkt, im Vergleich zu ohne die
- Gelübde genommen zu haben. Es macht einen riesigen Unterschied. Nehmen wir an, jemand
- sagt wir nehmen nun das Gelübde – Dann denken die Menschen für gewöhnlich: Ich nehme lieber kein Gelübde, dann habe ich auch nichts unterschrieben
- und kann trotzdem täglich praktizieren. So habe ich später keine Probleme. Ich kann es trotzdem jeden Tag versuchen. Ja, du kannst es jeden Tag versuchen.
- Du hast später vielleicht keine Schwierigkeiten, weil du nichts versprochen hast – ja. Das stimmt. Aber
- dein tägliches Bemühen ohne Gelübde ist wie ein kleines Geschäft,
- das jeden Tag etwas Geld verdient, sagen wir, hundert Dollar am Tag. Aber wenn du die
- Gelübde hast und dasselbe tust, ist es, wie jeden Tag Millionen zu erwirtschaften, Milliarden im Monat – so in etwa.
- So groß ist der Unterschied. Also Das ist der entscheidende Unterschied. Der zweite Unterschied ist:
- Ja, du hast vielleicht keine Probleme, weil du keine konkreten Schwierigkeiten hast, weil du nichts unterschrieben hast.
- Du hast nichts versprochen – ja, da stimme ich zu. Aber du hast andere Sorgen. Das ist das eigentliche Problem. Und diejenigen, die sich verpflichtet haben,
- die ein Versprechen gegeben haben, ja, vielleicht bekommen sie Schwierigkeiten, weil sie das Gelübde brechen – ja, aber
- es ist besser, diese Art von Schwierigkeit zu haben, als niemals ein Versprechen gegeben zu haben. Das heißt,
- stell dir vor, du gründest ein Geschäft, bei dem du Geld erwirtschaftest – ich spreche über Geld, weil das jeder sofort versteht.
- Jeder lebt mit Geld, richtig? Also, du lebst, du meldest dein Geschäft an, und du gibst jeden Tag, jede Woche viel aus.
- Aber du erwirtschaftest viel mehr, als du ausgibst – so in etwa. Ja, du bekommst Probleme, wenn du Gelübde ständig brichst,
- hast du negative Konsequenzen – ja. Aber bis dahin, solange du sie hältst, ist der Nutzen des Haltens der Gelübde viel größer
- als deine Schwierigkeiten. Das müssen die Menschen verstehen. Es ist sehr logisch. Sonst
- würden Buddhas und Bodhisattvas solche Lehren nicht geben. Alles andere wäre wie - ich würde das zwar nicht sagen, aber
- wenn dann wäre es so, wie: Gott erschuf uns, und wenn wir etwas falsch machen, bestraft Gott uns
- mit der Hölle – und das für immer. Um so eine Vorstellung geht es hier nicht. Ganz im Gegenteil, das müssen wir verstehen. Also,
- Buddhas und Bodhisattvas haben uns niemals gelehrt, dass es so wäre. Deshalb:
- Selbst die Pratimoksha-Gelübde, die man in diesem Leben nicht wiederherstellen kann - wenn sie einmal gebrochen sind,
- kann man sie nicht vollständig reparieren, aber das bedeutet nicht, dass du nicht die Negativitäten reinigen kannst.
- Du kannst sie vollständig reinigen. Kein Problem. Du kannst weiterhin Verdienste ansammeln, immer mehr.
- Deshalb sind zur Zeit des Buddha so viele Menschen Arhats geworden. Und für Bodhisattvas
- gilt natürlich das gleiche, jederzeit. Für jede Person, jede Existenzform. Deshalb ist Bodhicitta etwas,
- das wir in jedem Moment üben sollten. Zumindest einmal am Tag.
- Am besten sechsmal täglich. Weißt du, denk einmal darüber nach. Es ist nicht wie beim muslimischen Gebet, wo man in einen bestimmten Raum gehen muss.
- So ist es hier nicht. Jeder Moment zählt, egal wo du bist. Bodhi, Bodhicitta ist genau so. Die Bodhisattva-Gelübde
- kannst du jeden Tag empfangen. Und du kannst sie jeden Tag erneuern. Das ist die grundlegende Idee. Okay?
- Deshalb ist die Motivation so wichtig. Alles beginnt in deinem Geist und wird in deinem Geist gespeichert und auch aus deinem Geist heraus erfahren.
- Erfahrung entsteht aus dem Geist. Es ist nicht ganz einfach, aber das erschafft die gesamte Welt. Niemand kann das widerlegen.
- Nicht einmal die Wissenschaft. Unmöglich. Okay.
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