Bodhisattva-Gelübde und -Motivation verstehen | Khentrul Rinpoche Khentrul Rinpoche Deutsch https://www.youtube.com/watch?v=T3o1_Ih0reM Transkript (automatisch erstellt) 0:13 Guten Abend euch allen. Also heute werden wir Bodhicitta entwickeln. Und 0:20 wir haben Bodhicitta ja bereits seit einiger Zeit kultiviert. Doch heute legen wir darauf einen stärkeren Schwerpunkt. 0:33 Wir werden die Bodhisattva- Gelübde annehmen. Wenn wir von Bodhisattva-Gelübden sprechen, 0:45 verstehen manche Menschen das nicht. Manche Menschen sind zwar inspiriert, verstehen es aber nicht vollständig, 0:55 und manche Menschen haben Bedenken. Warum? Das ist so, nicht nur bei Bodhisattva-Gelübden, sondern bei jeder Art von 1:08 Gelübden oder Verpflichtungen, bei allen Arten von Regeln, über die wir sprechen. Die Menschen denken, dass sie etwas unterschreiben oder eingehen. 1:21 Dann geraten sie in Schwierigkeiten, wenn sie sich nicht daran halten können. Oder wenn sie es nicht durchhalten. 1:31 Dann entsteht ein Problem. So denken die meisten Menschen. Ihr habt darüber vielleicht 1:39 noch nicht so nachgedacht und euch deshalb keine Sorgen gemacht. Deshalb seid ihr hier. Aber nur für den Fall, 1:48 dass heute Abend jemand zuhört, der diese Sorge für die Zukunft hat, möchte ich dieses Thema kurz ansprechen, weil es wichtig ist. 2:02 Das ist überall ein sehr großes Thema. Ich war an vielen Orten, in vielen Ländern, und deshalb weiß ich, dass dies international ein 2:15 großes Problem ist. Also, es ist meiner Ansicht nach nicht nur ein Problem der Schüler, sondern auch 2:24 derjenigen, die diese Lehren und Ermächtigungen weitergeben. Vielleicht werden sie manchmal 2:31 nicht besonders gut vermittelt. Also aus meiner Sicht 2:36 ist das nichts, worüber wir uns Sorgen machen sollten. Besonders dann, wenn wir inspiriert sind 2:47 von diesem Mahayana-Weg, dem Bodhisattva-Weg und der Idee von Bodhicitta. 2:54 Dann sollten wir uns darüber keine Sorgen machen. Wisst ihr warum? Die Idee des Bodhicitta ist, 3:04 zu erkennen, dass wir uns unzählige Male in Samsara wiedergefunden haben, aufgrund von Selbstbezogenheit. 3:14 Das bedeutet, dass man sich selbst für wichtiger hält als alle anderen. Unzählige Wesen sind erleuchtet worden, 3:26 aufgrund des genauen Gegenteils. Nämlich indem sie andere in den Mittelpunkt gestellt haben. 3:36 Denn die anderen sind unzählbar viele, man selbst ist nur eine/r. Darum ist das so. Auf einer noch tieferen Ebene 3:48 gibt es weder ein Selbst noch ein Anderes. Aber das geht schon sehr tief, es ist erst einmal leichter zu verstehen, 3:59 dass die anderen unzählbar sind, und man selbst nur eine/r ist. Wenn wir unseren Fokus also eng machen, 4:08 nur auf uns richten, dann ist es so, selbst wenn man große Begeisterung und eine starke Entschlossenheit hat, 4:15 das Nirvana zu verwirklichen - selbst wenn man vollständige Entsagung gegenüber der ganzen Welt, dem gesamten Samsara entwickelt hat, 4:23 das bedeutet, dass wir uns normalerweise an Dinge wie Status, Anerkennung, 4:29 Lob, Ruhm und all das andere nicht mehr binden. Wenn die eigene Motivation aber weiterhin ist, 4:38 “Ich werde mich selbst aus Samsara befreien und Nirvana erlangen”, dann liegt der Fokus immer noch 4:45 auf dem Einen. Stattdessen sollte es heißen: “Ich werde vollständige 4:53 Erleuchtung erlangen zum Wohle aller fühlenden Wesen.“ 4:58 Wenn wir jedoch von diesem Wohl sprechen, müssen wir sehr klar verstehen - ganz eindeutig - 5:05 dass es dabei nicht um kleine Vorteile geht, sondern um das letztendliche Wohl. Damit ist natürlich die Erleuchtung gemeint. Das ist etwas, 5:14 das wir erkennen, und von dem wir uns inspirieren lassen müssen. Man muss diese Verpflichtung 5:22 nicht sofort eingehen. Sondern wir lassen uns zunächst davon inspirieren. Solange Inspiration da ist, 5:30 gibt es immer einen einen Prozess und Fortschritt. Das ist 5:34 die natürliche Ordnung aller Dinge. Zuerst verstehen wir diese Grundidee. Die Idee kommt zuerst, ganz klar, präzise und eindeutig. 5:49 Das ist nicht einfach nur lieb sein, freundlich sein, oder Mitgefühl haben. Es ist mehr als das. Es geht um etwas, 5:59 das grenzenlos gedacht wird. Unbegrenzte fühlende Wesen. Unbegrenzte Qualitäten der Erleuchtung. Alles ist grenzenlos. Grenzenloses Wohl. 6:10 Das ist die eigentliche Idee. Zuerst musst du die Idee wirklich erfassen. Aus dieser Idee heraus entsteht Inspiration, 6:18 und dadurch verändert sich deine innere Haltung, Das ist die eine Sache. Wenn sich deine Haltung verändert, und du dich immer wieder daran erinnerst, 6:33 dann verändern sich auch deine Gefühle. Dass sich deine Gefühle verändern bedeutet nicht nur Veränderung, sondern Fortschritt. 6:50 Und dann, wenn sich deine Gefühle verändern oder sich täglich verbessern, idealerweise jeden Tag 6:59 oder jeden Monat oder zumindest im Laufe eines Jahres, dann verändern sich sogar deine Emotionen. 7:10 Sie wandeln sich wirklich. Das bedeutet, dass sich sogar dein physischer Körper verändern kann, 7:17 sich verbessern kann. und, dass dein gesamtes Sein in Transformation ist. Aber es beginnt immer mit der Idee. 7:36 Dann folgt die Haltung. Dann die Gefühle. Dann die Emotionen. So ist der Ablauf. 7:42 Alles funktioniert auf diese Weise. In manchen seltenen, außergewöhnlichen Fällen gibt es plötzliche Veränderungen. 7:56 Aber im Allgemeinen läuft alles auf diese Weise ab. Das gilt es zu verstehen. Als Erstes. 8:07 Und dann können Hindernisse. auftauchen. Zum Beispiel denken wir: 8:15 „Unzählige fühlende Wesen – wie soll ich Ihnen allen zur Buddhaschaft verhelfen? Das ist unmöglich. Das ist nicht realistisch. 8:23 Das ist nicht nachvollziehbar.” So denken manche Menschen, nicht alle, aber oft die sehr intellektuellen Menschen. 8:38 Solche Gedanken können aufkommen. Jene, die sich für besonders intelligent halten - diese Art von Menschen denkt so, nicht die gewöhnlichen Menschen. 8:51 Aber damit begehen sie einen Fehler. Ihr Intellekt ist begrenzt. Ihr Denken geht hier in die falsche Richtung. 9:01 Also, es geht hier nicht um eine Berechnung. Das müssen wir verstehen. Es geht nicht um Rechnen oder Messen. 9:11 Wir sprechen über etwas Unermessliches. Erleuchtung ist immer unermesslich. Wenn du also anfängst zu messen, 9:24 Dann hat deine Denkweise ein Problem. Das müssen wir zuerst klar erkennen. Und das zweite Problem ist: „Ja, die Idee ist schön, 9:36 aber vielleicht nehme ich die Gelübde lieber nicht. Denn Gelübde zu nehmen bedeutet, dass ich etwas unterschreibe, 9:46 und wenn ich später Probleme habe, werde ich bestraft.” So denken viele. Auch das bedeutet, 9:54 dass wir samsarische Denkweisen in den Pfad der Erleuchtung hineintragen. Das ist nicht hilfreich. Manchmal gibt es Ähnlichkeiten, warum? 10:08 Weil wir aus dem Samsara heraus beginnen. Aber wir müssen darüber hinausgehen. Also, es geht hier nicht darum, 10:21 an die Zukunft zu denken im Sinne von: Wenn ich etwas falsch mache, dann werde ich bestraft. Das ist wieder genau dasselbe Muster, 10:29 selbst wenn du versuchst, Bodhicitta zu entwickeln, selbst wenn du davon inspiriert bist, hast du immer noch 10:37 die schlechte Gewohnheit, nur an dich selbst zu denken. Deshalb entsteht dann der Gedanke: Oh, ich werde bestraft. 10:45 Bestrafung bedeutet dann so etwas wie: Wenn ich ein Gelübde breche, komme ich in die Hölle. Solche Vorstellungen. 10:52 Das ist eine völlig falsche Denkweise. Stattdessen sollten wir uns fragen: Kann ich diese innere Haltung halten? 11:03 Diese Inspiration? Wenn auch nur für eine Minute? Schon eine einzige Minute hat einen unglaublichen Wert. 11:12 Sie ist unbezahlbar. Das müssen wir wirklich verstehen. Also, wenn ich die die Bodhisattva-Gelübde nehme, 11:28 dann ist das etwas Unglaubliches. Warum? Denk einmal darüber nach: Wie viele fühlenden Wesen gibt es auf dieser Erde? Wie viele Menschen denken so wie du? 11:42 Wie viele sind inspiriert von der Idee, alle fühlenden Wesen zu befreien zum letztendlichen Wohle? Wie viele gibt es davon? 11:59 Und du kannst das jetzt haben. Wenn du die Welt transformieren willst, musst du bei der 12:05 geistigen Aktivität beginnen, nicht bei den äußeren Handlungen. So fängst du damit an. Es ist dasselbe, wie wenn du 12:23 dein inneres Universum transformierst. Du weißt, im Kalachakra spricht man vom äußeren Universum, inneren Universum 12:32 und vom erleuchteten Universum. Was bedeutet, das äußere Universum meint das, was wir wissenschaftlich betrachten, 12:42 die riesige Welt, diese unzähligen Galaxien und all das. Das innere Universum bedeutet 12:53 du selbst, dein ganzes Sein. Wer dieses Universum beurteilt oder unterscheidet, 13:04 das bist du selbst. Du bist dem Universum gleich. Denn ohne dich – wie könntest du das wissen? Das ist unmöglich. Du bist 13:16 also das innere Universum. Aber wo ist dann das erleuchtete Universum? Ohne dich gibt es kein Erkennen, 13:27 gar nichts. Wir könnten denken: Oh, ohne mich können die anderen keine Erleuchtung erlangen. Aber woher weißt du das? 13:39 Was weißt du überhaupt über die anderen? Alles kommt nur aus dir heraus. Das bedeutet: Das wirklich Entscheidende bist du selbst. 13:48 Wir sind Individuen. Wenn wir Erleuchtung verwirklichen wollen 13:58 und zum Nutzen aller fühlenden Wesen – also des ganzen Universums – handeln wollen, dann gibt es nichts Größeres als das. 14:08 Es gibt keine größere Idee als diese. Deshalb: Wenn du diese Idee, dieses Gefühl, diese Inspiration hast, 14:17 für eine Minute, zwei Minuten, drei Minuten, dann ist dies das Allerwichtigste. Nicht dieses Denken: Oh, wenn ich ein Gelübde nehme 14:27 und es später breche, dann komme ich in die Hölle. Das ist etwas, worüber du niemals nachdenken solltest. 14:41 Denn wenn wir das vergleichen mit dem, was du jetzt gerade an Bodhicitta erzeugst, ist dieses Denken völlig nutzlos. Denn wir wissen nicht einmal, 14:50 ob wir nicht sterben, bevor wir überhaupt ein Gelübde brechen. Das ist ein Punkt. 15:00 Wenn du stirbst, bevor du ein Gelübde brichst, dann bleibt das Bodhisattva-Gelübde über viele Leben hinweg bestehen – nicht 15:09 nur in diesem Leben. Pratimoksha-Gelübde gelten nur bis zum Zeitpunkt des Todes. Aber das Bodhisattva-Gelübde 15:19 besteht, bis du Erleuchtung erlangst. Es sei denn, du brichst es. Doch selbst wenn du es brichst, kannst du es wieder erneuern. 15:31 Bodhisattva-Gelübde sind wie ein Gefäß aus Gold. Ein goldenes Gefäß kannst du, selbst wenn es zerbricht, 15:41 immer wieder neu herstellen. Du kannst es erneut machen. Du kannst es wieder neu machen. Im Vergleich dazu sind Pratimoksha-Gelübde 15:51 wie zerbrechliches Porzellan. Wie ein Porzellangefäß. Das ist sehr schwer so zu reparieren, dass es so ist wie vorher. 16:00 Man kann es zwar zusammenkleben oder etwas Ähnliches tun, doch es wird nicht wieder genau wie zuvor sein. 16:07 Ein goldenes Gefäß kannst du jedoch wieder genauso herstellen wie zuvor. Egal wie oft es zerbricht, wie viele Löcher entstehen, 16:15 was auch immer geschieht. Warum ist das so? Weil von Anfang an 16:24 das Pratimoksha-Gelübde auf der Motivation der eigenen Befreiung beruht. Deshalb. Ich weiß ich nicht mehr genau, 16:31 ob ich das letzte Woche erklärt habe, aber man kann die Zuflucht- und Pratimoksha-Gelübde mit Bodhichitta-Motivation nehmen. 16:38 Dann werden sie zu etwas anderem. Aber das Bodhisattva-Gelübde bedeutet, dass es jeder nehmen kann. 16:48 Du brauchst kein Mönch sein. Du musst kein monastisches Leben führen. Du musst nicht einmal ein Mensch sein. Deshalb habe ich zuvor 17:00 alle nicht-menschlichen Wesen eingeladen. Warum? Weil das Bodhisattva- Gelübde von jedem genommen werden kann. 17:11 Bodhi, das Erzeugen von Bodhicitta, kann jedes fühlende Wesen verwirklichen. Deshalb gibt es sogar die Geschichte, 17:20 dass Buddha Shakyamuni erstmals Bodhicitta in seiner Existenz eines Höllenwesens entwickelte. 17:26 In einer Wiedergeburt als Höllenwesen. Solche Geschichten gibt es. Deshalb ist das Wichtigste 17:34 deine Inspiration, deine Motivation. Außerdem kostet sie nichts. Sie ist umsonst. 17:49 Gut, daher, insbesondere wenn wir mit Kalachakra verbunden sind, 17:56 haben wir nicht nur ein langfristiges Ziel. Eines Tages bin ich erleuchtet. Deshalb kann ich eines Tages fühlende Wesen befreien. 18:06 Sondern wir haben im Kalachakra eine besondere Mission. Schon sehr bald können wir 18:11 diese Welt viel besser machen als sie jetzt ist. Unvoreingenommen, 18:18 ohne Diskriminierung. Unvoreingenommene, liebende Güte und Mitgefühl. Das Ergebnis ist dann echter Frieden, Harmonie, 18:31 und eine Verbindung mit Shambhala. Denn Shambhala ist ein Bodhisattva-Reich, nicht nur das eines einzelnen Bodhisattvas, nicht nur das eines einzelnen Bodhisattvas, 18:41 mit unglaublichen Verdiensten, Fähigkeiten und Kraft. Ganz konkret, um dieses Leben, 18:53 diese Erde zu schützen und zu retten. Deshalb verbinden wir uns damit. Darum halte ich die Inspiration für das Wichtigste. 19:10 Habt ihr das verstanden? Gibt es dazu Fragen? Okay. Wenn es keine Fragen gibt, dann wie spät ist es? 19:21 (Aus dem Off) Acht. Halb neun? (Aus dem Off) Zehn nach acht. Zehn nach acht. 19:25 Okay. Ich weiß nicht, wie lange das dauert. Vielleicht machen wir zuerst das hier. Wenn es keine Fragen gibt, 19:31 können wir damit weitermachen. (Aus dem Off) Die Wunschgebete? Hm? Ja. Dann beginnen wir, und wenn ihr noch 19:39 Zeit habt, können wir danach noch etwas sprechen. (Aus dem Off) Wir werden die Zeremonie nicht streamen, also falls es noch mehr 19:45 Unterweisungen gibt, vielleicht zuerst die? Ähm, okay, welche Unterweisungen jetzt? Wir müssen nicht über die Bodhisattva- 19:56 Gelübde sprechen, oder? Das steht ja im Buch. Okay - Worüber sprechen wir noch? 20:05 (Aus dem Off) Okay. Gibt es Fragen? (Aus dem Off) Zur Motivation? Hm? 20:10 Zur Motivation. (Aus dem Off) Niemand stellt Fragen. Ihr habt also die Motivation? Okay. Also, ihr versteht alles? Gut, dann sprechen wir 20:24 noch ein wenig über Motivation. Warum ist Motivation so wichtig? Warum? Sagen wir, 20:35 deine Idee, deine Haltung und deine Motivation, das sind die drei wichtigsten Dinge. 20:44 Aber selbst bei diesen drei: Welches ist das Wichtigste? Die Motivation ist das Allerwichtigste. Warum? Weil 21:02 wenn du die Idee hast, wenn du die Haltung hast, also eine gute Idee und eine gute Haltung, 21:12 und dann motiviert bist, dann geht alles relativ leicht und ganz natürlich. 21:17 Aber selbst wenn du keine gute Idee hast, selbst wenn du keine gute Haltung hast, 21:25 kannst du dich trotzdem motivieren, zumindest vorübergehend. Nicht ganz natürlich, aber du kannst diese Motivation erzeugen. 21:37 Zum Beispiel: Alle fühlenden Wesen zu lieben. Sich um alle fühlenden Wesen zu kümmern. Und 21:45 Es bleibt nicht nur bei dem Wunsch - natürlich beginnt alles mit dem Wunsch, alle fühlenden Wesen zu befreien. Dann entsteht das Gefühl von 21:56 Verpflichtung, fühlende Wesen zu befreien. Sich verantwortlich zu fühlen, fühlende Wesen zu befreien. 22:06 Diese Motivation, wenn sie natürlich entsteht, weil du eine sehr klare, gute Idee davon hast Verändert deine Haltung bereits tief, 22:19 doch auch ohne das kannst du sie vorübergehend erzeugen. Und wenn du sie erzeugst, warum ist Motivation dann so wichtig? 22:31 Erinnere dich: Wir alle leben 22:34 innerhalb eines karmischen Rahmens, in einem karmisch geprägten Leben. Das bedeutet: Alles hat mit Karma zu tun. Du weißt ja. 22:48 In jedem Moment erzeugst du Karma. Jede Erfahrung ist das Ergebnis deines Karmas. So erleben wir unser Karma. 22:59 Das heißt: Es ist wirklich unvorhersehbar. Aber dieses Karma – woher kommt es? Es kommt aus deiner Motivation in der Vergangenheit. 23:13 Aber früher hatten wir begrenzte Motivation. Selbst wenn wir Mitgefühl hatten, selbst wenn wir gute Qualitäten hatten – sie waren begrenzt. 23:25 Jetzt aber sind wir so glücklich, diesem kostbaren Dharma begegnet zu sein, dem Dharma dem Bodhicitta, dieser Idee. 23:37 So beginnst du, grenzenlos zu denken, grenzenlose Motivation zu entwickeln. Dann wirst du wirklich 23:46 transformiert. Auch wenn du es noch nicht siehst, noch nicht fühlst, findet Transformation statt. 23:56 Denn wir fühlen nicht alles, wir sehen nicht alles, was in unserem Leben 23:59 geschieht. Und doch tut es das. Genauso findet Transformation statt, auch wenn wir sie nicht spüren. 24:09 Wenn ich dir ein Beispiel gebe: angenommen, wir könnten Motivation sehen, sagen wir, zuerst Hast du eine schlechte Motivation. 24:19 Oder einfach eine neutrale. Neutral wäre, wenn wir es sehen können, wie Weiß. Schlechte Motivation wäre wie Schwarz. Wir können es uns wie 24:31 auf einem Fernsehbildschirm vorstellen, mit Schwarz und Weiß. Dann könnten verschiedene Motivationen 24:40 als unterschiedliche Farben erscheinen. Jede Motivation hat ihre eigene Farbe. Wenn es wissenschaftlich möglich wäre, eine Art Gerät in deinem 24:53 Kopf und Herzen zu haben, mit dem man das sichtbar machen könnte, und du veränderst dann deine Motivation, dein Denken – dann sehen alle plötzlich 25:02 andere Farben. So in etwa ist das. Die Motivation – wenn wir von Karma sprechen, 25:14 beginnt alles mit deiner Motivation. Deine Absicht, deine Motivation ist der Anfang. Das verändert die Farbe. Und dann wenn sich die Farbe verändert hat, 25:24 denken wir, das wars jetzt – aber das ist es nicht, es ist nur gespeichert. Wie am Computer: du änderst etwas, und es wird automatisch gespeichert. 25:35 Du denkst, es ist weg – aber es ist noch immer da. In der Historie - und dann siehst du: oh da ist ja alles. So ist das. 25:43 Deshalb ist Motivation das Wichtigste. Ob du eine natürliche Bodhicitta-Motivation hast oder nicht. 25:53 Aber selbst wenn sie nicht natürlich da ist – du kannst sie erzeugen. 26:01 Deshalb brauchst du, um die Bodhisattva-Gelübde zu empfangen, nur eines: 26:08 eine vorübergehend starke Motivation. Mehr braucht es nicht. Das Minimum. Dann kannst du sie empfangen. 26:18 Okay, und was sind die Vorteile, wenn man das Gelübde empfängt? Denn viele denken, ein Gelübde zu empfangen 26:25 verändert nichts – alles bleibt gleich. Doch du veränderst dich. Wenn wir von Gelübden sprechen, dann wird alles – 26:38 jede Motivation, jede körperliche tugendhafte Handlung, in ihrem Ergebnis 26:44 millionenfach, milliardenfach, oder trillionenfach verstärkt, im Vergleich zu ohne die 26:52 Gelübde genommen zu haben. Es macht einen riesigen Unterschied. Nehmen wir an, jemand 26:58 sagt wir nehmen nun das Gelübde – Dann denken die Menschen für gewöhnlich: Ich nehme lieber kein Gelübde, dann habe ich auch nichts unterschrieben 27:06 und kann trotzdem täglich praktizieren. So habe ich später keine Probleme. Ich kann es trotzdem jeden Tag versuchen. Ja, du kannst es jeden Tag versuchen. 27:20 Du hast später vielleicht keine Schwierigkeiten, weil du nichts versprochen hast – ja. Das stimmt. Aber 27:28 dein tägliches Bemühen ohne Gelübde ist wie ein kleines Geschäft, 27:34 das jeden Tag etwas Geld verdient, sagen wir, hundert Dollar am Tag. Aber wenn du die 27:40 Gelübde hast und dasselbe tust, ist es, wie jeden Tag Millionen zu erwirtschaften, Milliarden im Monat – so in etwa. 27:50 So groß ist der Unterschied. Also Das ist der entscheidende Unterschied. Der zweite Unterschied ist: 27:58 Ja, du hast vielleicht keine Probleme, weil du keine konkreten Schwierigkeiten hast, weil du nichts unterschrieben hast. 28:06 Du hast nichts versprochen – ja, da stimme ich zu. Aber du hast andere Sorgen. Das ist das eigentliche Problem. Und diejenigen, die sich verpflichtet haben, 28:15 die ein Versprechen gegeben haben, ja, vielleicht bekommen sie Schwierigkeiten, weil sie das Gelübde brechen – ja, aber 28:23 es ist besser, diese Art von Schwierigkeit zu haben, als niemals ein Versprechen gegeben zu haben. Das heißt, 28:31 stell dir vor, du gründest ein Geschäft, bei dem du Geld erwirtschaftest – ich spreche über Geld, weil das jeder sofort versteht. 28:38 Jeder lebt mit Geld, richtig? Also, du lebst, du meldest dein Geschäft an, und du gibst jeden Tag, jede Woche viel aus. 28:50 Aber du erwirtschaftest viel mehr, als du ausgibst – so in etwa. Ja, du bekommst Probleme, wenn du Gelübde ständig brichst, 28:59 hast du negative Konsequenzen – ja. Aber bis dahin, solange du sie hältst, ist der Nutzen des Haltens der Gelübde viel größer 29:07 als deine Schwierigkeiten. Das müssen die Menschen verstehen. Es ist sehr logisch. Sonst 29:18 würden Buddhas und Bodhisattvas solche Lehren nicht geben. Alles andere wäre wie - ich würde das zwar nicht sagen, aber 29:27 wenn dann wäre es so, wie: Gott erschuf uns, und wenn wir etwas falsch machen, bestraft Gott uns 29:34 mit der Hölle – und das für immer. Um so eine Vorstellung geht es hier nicht. Ganz im Gegenteil, das müssen wir verstehen. Also, 29:47 Buddhas und Bodhisattvas haben uns niemals gelehrt, dass es so wäre. Deshalb: 29:53 Selbst die Pratimoksha-Gelübde, die man in diesem Leben nicht wiederherstellen kann - wenn sie einmal gebrochen sind, 29:59 kann man sie nicht vollständig reparieren, aber das bedeutet nicht, dass du nicht die Negativitäten reinigen kannst. 30:08 Du kannst sie vollständig reinigen. Kein Problem. Du kannst weiterhin Verdienste ansammeln, immer mehr. 30:21 Deshalb sind zur Zeit des Buddha so viele Menschen Arhats geworden. Und für Bodhisattvas 30:28 gilt natürlich das gleiche, jederzeit. Für jede Person, jede Existenzform. Deshalb ist Bodhicitta etwas, 30:36 das wir in jedem Moment üben sollten. Zumindest einmal am Tag. 30:41 Am besten sechsmal täglich. Weißt du, denk einmal darüber nach. Es ist nicht wie beim muslimischen Gebet, wo man in einen bestimmten Raum gehen muss. 30:51 So ist es hier nicht. Jeder Moment zählt, egal wo du bist. Bodhi, Bodhicitta ist genau so. Die Bodhisattva-Gelübde 31:01 kannst du jeden Tag empfangen. Und du kannst sie jeden Tag erneuern. Das ist die grundlegende Idee. Okay? 31:11 Deshalb ist die Motivation so wichtig. Alles beginnt in deinem Geist und wird in deinem Geist gespeichert und auch aus deinem Geist heraus erfahren. 31:24 Erfahrung entsteht aus dem Geist. Es ist nicht ganz einfach, aber das erschafft die gesamte Welt. Niemand kann das widerlegen. 31:39 Nicht einmal die Wissenschaft. Unmöglich. Okay.