Zum Inhalt springen
L

Das Video kommt von YouTube: erst beim Abspielen verbindet sich die Seite mit YouTube (Google).

Die Bibel – Eine Einführung: Entstehung, Kanonisierung, Inspiration

Andreasgemeinde Niederhöchstadt13:08 28.730 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 68 Zeilen
Herunterladen
  1. Das ist eines der bekanntesten Bücher der Welt: Die Bibel. Aber wie ist das jetzt? Ist sie „Gottes Wort“, die Heilige Schrift oder stehen da nur viele erfundene Geschichten drin?
  2. Und…wie ist sie eigentlich entstanden? Wer hat entschieden, was in der Bibel drin steht? Ich möchte mit dir auf Entdeckungsreise gehen.
  3. An der Bibel haben über 40 Autoren geschrieben: Könige, Bauern, Philosophen, Poeten, Fischer, Schriftgelehrte... Und das über einen Zeitraum von ca. 1500 Jahren!
  4. Die Bibel ist also mit der Zeit gewachsen. Und deswegen ist die Bibel nicht nur ein Buch, sondern eine ganze Bibliothek. ta biblia – auf Griechisch – bedeutet nämlich einfach: die Bücher.
  5. Genau 66 an der Zahl. – Naja, ganz so einfach ist es dann doch nicht: Bei den Katholiken sind es 73, bei den Orthodoxen 78. – Der Unterschied liegt bei der Anzahl der Bücher im Alten Testament.
  6. Das Neue Testament ist für alle gleich. Das ist schon eine Menge, nicht? Und das ist nur das Alte Testament. Deswegen muss es uns nicht wirklich überraschen, dass die
  7. gesamte Bibliothek der jüdischen und christlichen Schriften über viele Jahrhunderte nur wenigen Menschen vorlag. Man laß also immer die Teile, die man hatte. Gelehrte reisten an Orte, an denen es
  8. Schriftrollen gab, die sie selbst nicht hatten. Da merkt man erstmal, was für ein Geschenk der Buchdruck und das Internet sind! Die Bibel zu haben, war das eine.
  9. Aber man musste sie auch lesen können. D.h.: für‘s Alte Testament hebräisch und aramäisch. Für’s Neue Testament: griechisch. Damit möglichst viele Menschen die Bibel
  10. lesen konnten, hat man schon früh erste Übersetzungen angefertigt. Die Septuaginta hat das AT ins griechische übertragen und die Vulgata hat später die ganze Bibel ins
  11. Lateinische übersetzt. Wir haben heute in der Regel eine deutsche Bibelübersetzung vorliegen. Und das alles macht das Verstehen ein bisschen kompliziert.
  12. Bei Übersetzungen können zwei Probleme auftreten: Interpretationsfehler und Informationsverlust. Ich gebe mal ein Beispiel. In Englisch kann ich sagen: I am your leader.
  13. Und wenn ich das übersetzen möchte ins Deutsche, habe ich zwei Möglichkeiten. Ich kann sagen: Ich bin dein Leiter. Oder: Ich bin dein Führer. Aufgrund unserer deutschen Geschichte sind wir uns
  14. sicher einig, dass es da einen Unterschied gibt. Als Übersetzer muss ich also eine Annahme treffen und interpretieren, was wohl ursprünglich gemeint war.
  15. Und sagen wir mal, ich wollte bewusst sagen: Ich bin dein Führer. Dann schwingt da etwas vom Dritten Reich mit. Wenn ich das ins Englische übersetze, geht diese Information verloren.
  16. Verstehen ist also schon auf dieser Ebene tricky. Was das alles nicht unbedingt besser macht: Jesus hat vermutlich aramäisch gesprochen. Uns liegt also bereits eine Übersetzung seiner Worte vor…
  17. Wenn du also nicht gerade hebräisch oder griechisch sprichst, macht es Sinn, mal in verschiedene Deutsche Übersetzungen reinzuschauen. Dann erschließt sich der Sinn im Vergleich.
  18. Aber was ist passiert, damit uns die Bibel in der heutigen Form vorliegt? Und wer hat entschieden, welche Bücher in die Bibel kommen und welche nicht?
  19. Ganz am Anfang wurden Teile der Bibel mündlich überliefert. Man hat sich gegenseitig die Bibel weitererzählt. Aber nicht im Sinne von „Stille Post“, denn damals hat man viel
  20. mehr auswendig gelernt als heute. Und dann begann man das natürlich auch aufzuschreiben. Und zwar auf Papyrus und Pergament. Und so ist die Bibliothek der Bibel
  21. mit der Zeit gewachsen. Aber Achtung: Unsere Bibeln heute sind nicht chronologisch sortiert. Übrigens: Der erste Kodex (Buch) ist erst ab 100 n. Chr. entstanden. Wir haben es
  22. also lange mit solchen Schriftrollen zu tun. Aber warte mal: Fängt Papyrus und Pergament nicht an zu modern? Schon. Deswegen schrieben Gelehrte die Manuskripte immer wieder ab,
  23. damit der Inhalt nicht verloren geht. Das heißt auch: Der erste Text, der aufgeschrieben wurde, ist nicht der Text, der uns heute vorliegt. Man kann sehen, dass eine Redaktion stattgefunden
  24. hat, während Menschen mit den Texten lebten. Das bedeutet allerdings nicht, dass der Text frei erfunden ist! Was es bedeutet: Alte Texte, die als verlässlich und inspiriert galten,
  25. wurden in eine neue Form gebracht, vielleicht etwas aktualisiert und mit Bemerkungen versehen. Wie kommt der Text also zu uns? Schauen wir uns das doch mal konkret fürs NT an.
  26. Da gab es Jesus. Der hat gewirkt und gelehrt, Menschen haben das gesehen und gehört…und haben davon erzählt. Seine Jünger haben natürlich – wie es für die Zeit üblich war – seine Lehren
  27. auswendig gelernt. Und auch sie haben erzählt. Diese mündlichen Überlieferungen wurden dann aufgeschrieben. Diese Texte werden zunächst in der näheren
  28. Umgebung des Entstehungsortes oder der Adressaten gelesen und verbreiten sich dann allmählig. Und wichtig ist: Die Texte wurden nicht als „Heilige Schrift“ verfasst, sondern um die Worte
  29. Jesu festzuhalten. Paulus hätte seine Briefe nie mit der damaligen Bibel, dem AT, gleichgesetzt. Das ist eine allmählig Entwicklung gewesen. Wie ist das alles hier reingekommen?
  30. Auch das war eine Entwicklung und dieser Prozess heißt Kanonisierung. Kanon ist eine Art Messlatte, eine Richtschnur. Und wer nach dem Umfang
  31. der Bibel fragt, wird auf ihn gestoßen. Der Kanon der Bibel ist sozusagen die Liste der Bücher, die zur Bibel gehören. Er grenzt ab zwischen drinnen und draußen,
  32. wichtig und weniger wichtig, verbindlich und unverbindlich. Der Kanon definiert die Schriften, die für den Glauben richtungsweisend sein sollten – und auch das stand nicht von Anfang an fest.
  33. Am NT lässt sich das wieder klasse zeigen. Es gab im ersten Jhdt. eine Fülle an Texten. Manche waren weit verbreitet, andere weniger. Und nicht alle wurden als authentisch betrachtet.
  34. Zu Erinnerung: Es gab Augenzeugen, die Jesus erlebt hatten. Sie haben davon erzählt. Und diese Menschen waren in der frühen Christenheit Schlüsselfiguren. Als die ersten Texte geschrieben
  35. wurden, haben sie noch gelebt. Und sie waren in der Lage zu beurteilen, ob das, was da geschrieben wurde, stimmte oder nicht. Texte, die sich nicht durch die Augenzeugen haben verifizieren lassen,
  36. wurden schlichtweg nicht gelesen und verbreitet. Und Texte, die später entstanden sind, mussten sich natürlich an diesen ersten Texten messen. Und mit der Zeit hat sich durch den lebendigen
  37. Gebrauch eine bestimmte Auswahl eingebürgert. Eine theoretische Diskussion, was in den Kanon gehört und was nicht, hat es in der
  38. frühen Christenheit nur ansatzweise gegeben. Aber auch da gab es nur relativ wenige Streitfälle. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Es gab tatsächlich kein ökumenisches
  39. Kirchenkonzil, das den Umfang der Bibel ein für alle Mal geklärt hat. Warum? Weil dazu gar keine Notwendigkeit bestand! Im Großen und Ganzen war man sich einig.
  40. Im Rückblick kann man gewisse Kriterien definieren, anhand dessen die Texte ausgewählt wurden: Erstens: die allgemeine Verbreitung
  41. und Akzeptanz der Schriften in den Gemeinden. Zweitens: die Inspiration der Schrift. D. h.: die Überzeugung, dass in dieser Schrift Gottes Worte vernehmbar waren.
  42. Drittens: Übereinstimmung mit dem bereits vorhandenen Glaubensbekenntnis. In der Praxis war man sich damals nicht sofort sicher, ob die Kriterien tatsächlich
  43. auf diese NT-Bücher alle zutrafen. In seinem Osterfestbrief zählt der Bischof Athanasius von Alexandrien im Jahr 367 fast beiläufig alle biblischen Bücher auf, die
  44. zu jener Zeit den unstrittigen christlichen Kanon ausmachen. Und Achtung: es sind alle Texte dabei, die auch heute in unserer Bibel drin sind. In der Reformation im 16. Jhdt. ist dann
  45. etwas entscheidendes passiert. Bis zu diesem Zeitpunkt war zuerst das Wissen über die Lehre Jesu da und dieses vorhandene Wissen wählte die Texte aus. D. h.: die bereits vorherrschende
  46. Lehre hatte Autorität über die Schrift. Und damit man diese Schrift recht verstehen konnte, wurde dieses Wissen, welches nicht Teil der Schrift war, in der Tradition der Kirche bewahrt.
  47. So zumindest die Theorie. In der Reformation wurde genau das auf den Kopf gestellt. Martin Luther sagte, dass die Schrift zwangsläufig die einzige Autorität über
  48. das Wissen und die Lehre der Kirche sein kann und darf. Sola scriptura rief er. Allein die Schrift! Das ist bis heute eines der grundlegenden Unterschiede zwischen Protestanten und Katholiken.
  49. Und hier beantwortet sich die Frage, warum es unterschiedlich viele Bücher im Alten Testament gibt, je nachdem zu welcher Konfession angehört. Denn Luther veränderte den
  50. Kanon. Bis zur Reformation haben Christen die Texte der griechischen Septuaginta als kanonisch erachtet. Luther legt aber ein neues Kriterium an: nur die Texte sollen als Heilige
  51. Schrift anerkannt werden, für die es auch ein hebräisches Manuskript gibt. – Und die waren leider nicht für alle Texte auffindbar. Darauf reagierte wiederum die Katholische Kirche
  52. und wollte sich in einer Gegenreformation von den abtrünnigen Protestanten abgrenzen. Und so kam es zum ersten Mal am 8. April 1546 dazu, dass ein Konzil beschloss,
  53. welche Bücher den christlichen Kanon ausmachen. Und da gehörten natürlich diese sogenannten Apokryphen dazu. Das war das Konzil von Trient. Wie ist das also jetzt mit der Bibel? Märchen oder
  54. Wahrheit? Menschenwort oder Gottes Wort? Viele geschichtliche Zufälle oder ein Geist-geleiteter Entstehungsprozess? Also die große Frage: spricht der Geist Gottes durch die Bibel zu uns?
  55. Es gab in der Kirchengeschichte verschiedene Verständnisse von Inspiration. Ganz am Anfang war man sich einig: Es handelt sich bei den biblischen Texten, vor allem dem NT, um die zuverlässigsten
  56. Zeugnisse apostolischer Verkündigung. Und weil eben die Apostel damals DABEI waren, schenkte man auch den Texten vollstes Vertrauen. Manchen Christen war das mit der Zeit zu wenig
  57. und so entstand kurz nach der Reformation die sogenannte Verbalinspirationslehre. Man lehrte, dass jedes Detail im Text von Gott gelenkt und eingegeben wurde. Wenn dort also steht, dass die
  58. Welt in 7 Tagen geschaffen wurde, dann verstand man es so, dass es 7 x 24 Stunden waren. Punkt! Und wie könnte es anders sein, es gab auch Christen – vor allem nach der Aufklärung –, die
  59. dieses radikale Verständnis ablehnten und sagten: Die Bibel ist gar nicht inspiriert. Es handelt sich nur um Menschenwort. Menschen berichten von ihren religiösen
  60. Erfahrungen und deuten diese bildhaft. Mitte des 20. Jahrhunderts versuchte der evangelische Theologe, Karl Barth, wieder beide Extreme miteinander zu vereinen. Er betonte,
  61. dass es sich bei der Bibel um das menschliche Zeugnis der Offenbarung Gottes handelt. Es ist also Menschenwort und Gottes Wort untrennbar miteinander verwoben.
  62. Und hier sehe ich persönlich eine direkte Verbindung zum Verständnis aus der apostolischen Zeit. Aber: Wie siehst du das? Was ist dein Bibelverständnis? Hinterlasse
  63. uns ein Kommentar und sag‘ deine Meinung. Ich finde es jedenfalls klasse, welche Worte der Katechismus der katholischen Kirche gefunden hat: Die Heilige Schrift wird darum als inspiriert
  64. bezeichnet und lehrt ohne Irrtum jene Wahrheiten, die zu unserem Heil notwendig sind. Der Heilige Geist inspirierte nämlich die menschlichen Verfasser, die das aufgezeichnet haben,
  65. was er uns lehren wollte. Der christliche Glaube ist jedoch nicht eine „Buchreligion“, sondern die Religion des Wortes Gottes, „nicht eines schriftlichen, stummen Wortes,
  66. sondern des Mensch gewordenen, lebendigen Wortes“. In meinen Worten: Wir glauben nicht an die Bibel, sondern wir vertrauen dem, den uns die Bibel bezeugt.
  67. Und in den Worten des bekannten Bibelübersetzers John Wycliffe: Wir glauben der ganzen Heiligen Schrift, aber nicht an die Schrift. Ich hoffe du konntest für dich etwas mitnehmen
  68. und wünsche dir Gottes Segen! Mach‘s gut.

Zum Nachlesen