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Wer steckt hinter der Goldmaske? | Ganze Folge | Terra X
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Transkriptautomatisch erstellt · 345 Zeilen
- * Titelmusik * (Sprecher) Tutanchamun,
- heute Ägyptens bekanntester Pharao. Den Thron besteigt er als Kind vor rund 3300 Jahren.
- Er stirbt jung und ist schnell vergessen. Weltberühmt macht ihn erst die Entdeckung seiner Totenmaske.
- Es ist sein unermesslicher Grabschatz, der alles überstrahlt. Wer er war, ist nur wenig bekannt.
- Im Land am Nil will ich dem Menschen Tutanchamun näherkommen. Ich möchte seine Familiengeschichte verstehen:
- Wie bedeutend war er als Pharao? Wie sah sein Alltag aus? Und nicht zuletzt:
- Warum ist er so plötzlich gestorben? Meine Reise in Ägypten beginnt dort,
- wo Tutanchamun 1323 vor Christus bestattet wurde. Er war erst 19, als er starb.
- Nirgendwo sonst im Alten Ägypten liegen Leben und Tod so nah beieinander wie an diesem Ort am Rande der Wüste.
- Drüben im Osten, auf der anderen Seite des Nils, liegt Theben, die pulsierende Metropole Oberägyptens.
- Und hier im Westen befand sich im Glauben der Alten Ägypter das Reich der Toten. Dahinten,
- wo hinter dem Felsen abends die Sonne verschwindet, vermuteten sie den Eingang ins Jenseits.
- Deshalb befindet sich hier hinten, in diesen beiden versteckten Tälern,
- ein gigantischer, ein weltberühmter Friedhof: das Tal der Könige. Vor allem die Könige des sogenannten Neuen Reichs
- ließen hier prächtige Grabanlagen in den Fels schlagen. 64 Gräber wurden bisher entdeckt,
- die meisten davon im Laufe der Jahrtausende von Grabräubern geplündert und die Königsmumien zerfleddert.
- Bis auf ein Grab, nämlich das hier: das Grab von Tutanchamun. Das wurde erst vor 100 Jahren entdeckt, im Jahr 1922
- von dem britischen Archäologen Howard Carter. Ein Jahrtausendfund!
- 16 Stufen und ein etwa 8 Meter langer Korridor führen tief in den Fels zur letzten Ruhestätte von Tutanchamun.
- Die Anlage selbst besteht aus einem Vorraum und drei Kammern. In der Hauptkammer steht der Sarg mit der Mumie des Kindkönigs.
- Sie ist der Ort seiner ewigen Wiedergeburt. 5400 kostbarste Grabbeigaben
- sind über die vier Räume verteilt: Streitwagen, Möbel, Gefäße,
- Kleidung, Schmuck und vieles mehr. Alles Dinge aus dem Leben des jungen Pharao,
- damit es ihm im Jenseits an nichts fehlt. Seine Begräbnisstätte liegt inmitten einer unterirdischen Totenstadt
- mit Anlagen aus der 18. bis 20. Dynastie. Die Gräber im Fels zu verbergen,
- sollte eine Schutzmaßnahme gegen Raubgräber sein. Doch nur Tutanchamuns Grab blieb verschont.
- 3200 Jahre später, im November 1922:
- Nach jahrelanger Suche im Tal der Könige entdeckt der Archäologe Howard Carter
- den Eingang zum Grab von Tutanchamun. In Anwesenheit seines Geldgebers Lord Carnarvon und dessen Tochter
- will Carter die versiegelte Mauer am Ende des Korridors öffnen. Er beschreibt es so:
- "Die warme Luft, die aus der Kammer entwich, ließ das Licht der Kerze flackern.
- Als sich meine Augen daran gewöhnt hatten, tauchten nach und nach Details des Raumes auf."
- Carter sieht "wunderbare Dinge". Überall schimmert Gold.
- Der Raum ist bis zur Decke gefüllt mit verzierten Truhen, Statuen, Ritualbetten in Gestalt von Tiergottheiten,
- vergoldeten Streitwagen. Carter ist wie hypnotisiert von seiner Entdeckung
- und mit allen Sinnen gefesselt. Auch den besonderen Geruch nimmt er wahr.
- Was er riecht, sind duftende Hölzer, Salben und Parfüms, die in der trockenen Luft
- die Jahrtausende überdauert haben. Akribisch fotografiert und nummeriert Carter alle Objekte.
- Aber noch ist er nicht sicher, ob er auf ein Versteck für Diebesgut gestoßen ist
- oder auf die erhoffte Grabanlage von Tutanchamun. Besonders angetan ist Carter von dieser Trinkschale aus Alabaster,
- die ist richtig schwer, hat die Form einer Lotusblüte. Und es ist der Name und Titel des Pharaos eingeritzt,
- dem die Grabkammer gehört. Da steht, wenn man's lesen kann, ich kann's nicht,
- aber ich hab's mir sagen lassen: "Tutanchamun, geliebt von Gott Amun Re".
- Und genau diese sogenannte Namenskartusche findet sich auf vielen Objekten hier in dieser Grabkammer.
- Doch das ist erst der Anfang seiner Entdeckung, Carter ist nur in der Vorkammer.
- Als er 2 Wächterfiguren vor einer versiegelten Wand stehen sieht, vermutet er, dass dahinter die Sargkammer mit der Mumie liegen muss.
- Um sie zu öffnen, hätte er warten müssen, bis die Antikenbehörde vor Ort ist.
- Wir sind hier in einer Wanderausstellung mit den Schätzen aus Tutanchamuns Grab,
- genauer gesagt, mit ganz fantastischen Nachbildungen, die es hier gibt. Herr Wettengel, zu den Funden von Carter
- und zu dem Krimi, der sich abgespielt hat, gibt es eine offizielle und eine inoffizielle Version.
- Welche stimmt Ihrer Meinung nach? Die inoffizielle Version, denn da geht man davon aus,
- dass die Ausgräber, die Entdecker, nämlich Howard Carter, Lord Carnarvon, sein Sponsor, und seine Tochter, Lady Evelyn,
- bereits vor der offiziellen Öffnung der Sargkammer, das war im Februar 1923,
- bereits inoffiziell in diese Sargkammer vorgedrungen sind. Man muss sich das so vorstellen, welche Spannung hier geherrscht hat.
- Die Ausgräber konnten es nicht erwarten und man wollte wissen, was man präsentiert.
- Man wollte keine Blamage ernten, sondern sichergehen, dass man eine Sensation präsentiert.
- Schon die Funde im Vorraum lösen einen weltweiten Medienhype aus. Reporter und Schaulustige strömen ins Tal der Könige,
- um bei der Bergung der Grabschätze dabei zu sein. Es dauert sieben Wochen, bis alle Objekte sichergestellt sind.
- Unter Polizeischutz wird Tutanchamuns Hausstand für das Jenseits zum Nil gebracht
- und von dort nach Kairo ins Ägyptische Museum verschifft. Erst dann wird der offizielle Termin
- für die Öffnung der Sargkammer festgelegt. Als Carter die Sargkammer im Beisein der Behörden
- im Februar 1923 öffnet, steht er vor einer Wand aus Gold.
- Aber diese "Wand" entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Schrein, wie man das aus anderen Grabkammern kennt.
- Jetzt ist Carter sicher, er steht in der Sargkammer des Tutanchamun. Der Schrein ist gewaltig, er füllt fast den gesamten Raum aus.
- Er ist so riesig, dass kaum Platz bleibt zwischen der Mauer und dieser Wand.
- Carter schreibt, dass er schon das Anschauen des Schreins als Entweihung empfindet.
- Erst knapp ein Jahr später öffnet er die schweren Flügeltüren und macht sich an die Bergung der Mumie.
- Im ersten, großen Hauptschrein stößt Carter auf einen zweiten, kleineren Schrein,
- gefolgt von einem dritten und einem vierten Schrein, alle vergoldet und reich verziert.
- Im letzten kommt ein Sarkophag aus hartem Quarzit zum Vorschein. Darin verborgen sind drei Särge,
- zwei davon aus vergoldetem Holz und in gutem Zustand. Der dritte, innerste Sarg aber ist aus purem Gold gefertigt.
- Als Carter ihn öffnet, schaut er auf die Mumie von Tutanchamun
- und seine goldene Totenmaske. Die 11 Kilogramm schwere Goldmaske zeigt das Gesicht eines jungen Mannes
- mit großen schwarzen Augen aus Obsidian. Auch nach 100 Jahren Forschung
- ist nur wenig über das Leben Tutanchamuns bekannt. Er kommt mit 9 Jahren auf den Thron und wird nur 19 Jahre alt.
- Ich will ihm näherkommen, mehr über sein Leben und seine Rolle als Pharao herausfinden.
- Vom Tal der Könige fahre ich den Nil runter bis nach Kairo. 1000 Kilometer konnte man damals
- von der Mündung im Norden bis in den Süden fahren, ohne das Riesenreich zu verlassen.
- Die Dynastie von Tutanchamun herrschte rund 280 Jahre lang und hat nicht nur gigantische Bauwerke errichtet,
- sondern vor allem auch Kriege geführt und das Land immer weiter vergrößert. Auf der Fahrt nach Kairo komme ich am Tempel von Luxor vorbei,
- an sandigen Ufern und fruchtbaren Ackerflächen. Zur Zeit von Tutanchamun
- leben mehr als drei Millionen Menschen im Land am Nil. In Kairo führt mich mein erster Weg ins Ägyptische Museum.
- Dort habe ich eine besondere Verabredung. Das ist sie also, die berühmte Goldmaske.
- Ich sehe sie erstmals im Original und sie ist faszinierender, als ich dachte.
- Wobei man auch sagen muss, dieses Gesicht ist idealisiert dargestellt,
- wie von einem ägyptischen Instagramfilter überzogen. Trotzdem authentisch, und vor allem fasziniert mich der Blick,
- die Augen, man kann da so richtig in die Seele schauen. Und da frag ich mich, was war das für ein Mensch,
- was hatte der für eine Seele. Wenn man mehr über die Seele eines Menschen wissen will,
- lohnt es sich, sich mit seiner Familiengeschichte zu beschäftigen. Der Ägyptologe Tarek Sayed Tawfik erzählt mir,
- dass Forscher den Stammbaum von Tutanchamun rekonstruiert haben. Er möchte mir die Eltern des Kindkönigs vorstellen.
- Zunächst Tutanchamuns Vater Echnaton: als überlebensgroße Statue, leicht zu erkennen
- am birnenförmigen Bauch und den wulstigen Lippen. Woher weiß man denn, dass Echnaton Tutanchamuns Vater war?
- Vor einigen Jahren hat ein Team von Wissenschaftlern Knochengewebeproben von elf Mumien,
- Verwandten von Tutanchamun, entnommen. Nachdem die genauestens untersucht wurden,
- hat man genetische Übereinstimmungen zwischen Tutanchamun und Echnaton gefunden.
- Es konnte auch die Beziehung zu den Großeltern, König Amenophis III. und Königin Teje festgestellt werden.
- Somit ist das fast so gut wie ein Vaterschaftstest. Echnaton geht als Ketzer in die Geschichte Ägyptens ein.
- Statt der vielen Götter will er nur noch einen Gott verehren. Seine First Lady ist die berühmte Nofretete.
- Vermutlich war sie Tutanchamuns Stiefmutter. Als leibliche Mutter kommt diese Kandidatin infrage:
- Wissenschaftler nennen sie die "Younger Lady". Bei der Younger Lady wurde in dem Schädel
- ein kleiner Knochen gefunden. Interessanterweise, das ist etwas Seltenes,
- finden wir den gleichen kleinen Knochen auch bei der Mumie von Tutanchamun.
- DNA-Vergleiche legen auch nahe, dass die Younger Lady die Mutter von Tutanchamun war.
- Über die Identität der Mumie wird viel spekuliert: DNA-Analysen weisen daraufhin, dass sie eine Schwester von Echnaton war.
- Demnach wäre sie nicht nur Tutanchamuns Mutter, sondern auch seine Tante.
- Heirat innerhalb der Familie ist unter Pharaonen nicht ungewöhnlich, man will das Blut der Dynastie rein halten.
- Schon als Kind wird Tutanchamun mit seiner Halbschwester Anchesenamun verheiratet.
- Sie ist die dritte Tochter von Echnaton und Nofretete. Wo der junge Prinz aufgewachsen ist, bleibt ungewiss.
- Aber vermutlich verbringt er seine Kindheit in Tell el-Amarna, der neuen Hauptstadt von Echnaton,
- die er am Ostufer des Nils errichten lässt. Mehr als 1000 Jahre ist Theben religiöses Zentrum des Amunkults
- und Residenzstadt der Pharaonen. Echnaton aber lässt den Königshof nach Amarna umziehen
- und tauft die Stadt "Achet-Aton", Horizont des Sonnengottes.
- Der Sonnengott Aton soll fortan der höchste, einzige Gott der Ägypter sein.
- Alle anderen Götter dürfen nicht mehr angebetet werden. Auch der kleine Tutanchamun wird im neuen Glauben erzogen.
- Zwei Mal täglich bringen Echnaton und Nofretete ihrem Gott Opfer dar. Für die mächtigen Amun-Priester ist der neue Kult ein Skandal.
- Große Fruchtfelder am Rand der Stadt sichern die Versorgung der etwa 30.000 Bewohner mit frischem Obst,
- Gemüse und Getreide. Auch Fische aus dem nahe gelegenen Nil gehören auf den Speiseplan.
- Archäologen wollten wissen, welche Gerichte zur Zeit von Tutanchamun gekocht wurden.
- Um das herauszufinden, haben wir Nahrungsrückstands-Analysen an 30 Gefäßen aus Tell el-Amarna vorgenommen.
- In 10 dieser 30 Gefäße haben wir als Rückstand einerseits ein Fett entweder von Rind, Schaf oder Ziege,
- da war offensichtlich Fleisch angebraten worden und das hat man dann in Rotwein, wie Boeuf Bourguignon,
- oder Rotweinessig à la Sauerbraten in diesem Topf eingelegt. Wissen wir, was die Leibspeisen waren von Tutanchamun?
- Ich weiß nicht, ob das Tutanchamun selbst gegessen hat. Aber es ist schon so, Rind war natürlich Luxus,
- aber Wein, wissen wir aus den Texten, Wein war der Elite, dem Königshaus, den Priestern sozusagen vorbehalten.
- Dass Fleisch zu Tutanchamuns Leibspeisen gehörte, zeigen seine Grabbeigaben.
- 48 mit Harz verklebte Behälter aus Holz und Gips konservieren sein königliches Festmahl für das Jenseits.
- Im Innern: mumifizierte Enten, Gänse und das Fleisch von Rindern. Fleisch für die Elite, das klingt etwas unspektakulär.
- Aßen die nix anderes? Da ist die Frage: Was können wir mit unsern Analysen nachweisen?
- Wenn man Hammel in einem Tongefäß kocht, haben Sie 20.000 Jahre die Rückstände davon,
- je fettiger und je flüssiger, desto besser geht's in die Gefäßwand.
- Und Sie können 100 Mal Kichererbsen ins Gefäß schütten und Sie hätten trotzdem keinen Rückstand.
- Also, die Ägypter aßen gern Knoblauch oder Zwiebeln, oder Salz, verschiedene Gewürze, so was hat man da gegessen,
- aber wir würden eben keine Rückstände dafür finden. Waren das nur Sachen, die im Alten Ägypten gewachsen sind?
- Nee, also, zum Beispiel Pistazienharz. Sie können's in 'n Mund nehmen, ist nicht giftig.
- Pistazienharz wird heute noch zum Teil als Kaugummi verwendet, aber das kam eben vermutlich aus der Gegend
- des heutigen Israels, Libanons. Ich greif lieber zur Banane. Die schmeckt mir besser.
- Hatten die Alten Ägypter wirklich schon Bananen? Also, vor drei Jahren hätte ich auch gesagt "nee",
- aber es gibt total spannende neue Analysen, die zeigen, die Menschen haben Banane gegessen.
- Wir können das im menschlichen Zahnstein nachweisen. Unfassbar. Wir sehen eben, wir haben da ganz früh
- 'n globalen Gewürzhandel oder auch mit andern Lebensmitteln. Wenn Tutanchamun unbedingt sein Essen
- gewürzt mit Kurkuma, Nelken und 'ne Banane gewollt hätte, hätte er das auch haben können.
- Bogenschießen war ganz sicher eine große Leidenschaft von Tutanchamun. In seinem Grab wurden 40 Bögen,
- darunter einige so klein wie Kinderspielzeug, und mehr als 400 Pfeile geborgen.
- Vermutlich ist es General Horemheb, der oberste Heerführer des Reiches, der den jungen Thronfolger trainiert.
- Auch auf den Grabbeigaben zeigen viele Motive Tutanchamun in der Kunst des Bogenschießens.
- Ungewöhnlich ist, dass der Pharao immer im Sitzen dargestellt wird. Mit der unbeschwerten Kindheit war es plötzlich vorbei,
- als nach 17 Jahren Regentschaft Tutanchamuns Vater gestorben ist und den Thron frei gemacht hat.
- Tutanchamun wurde zum Pharao gekrönt. Wie sein Thron aussah, das wissen wir, nämlich so.
- Der war jetzt nicht so groß, aber klar, Tutanchamun war damals auch gerade mal 9 Jahre alt.
- Ich kann mir vorstellen, wie viel Spaß er hatte, der kleine Tut, hier zu sitzen, die Füße baumeln zu lassen
- und irgendwelche Würdenträger herumzukommandieren oder Diplomaten zu empfangen.
- Am Anfang regiert der Kindkönig nicht eigenständig. Das steht fest. Er hat hohe Beamte an seiner Seite.
- Eje, der schon seinem Vater Echnaton gedient hat, ist sein wichtigster Berater.
- Tutanchamun erhält die beste Ausbildung, er lernt die Hieroglyphenschrift,
- aber auch Geografie, Mathematik und die Weltsprachen seiner Epoche:
- Akkadisch und Hethitisch. Und über die Jahre lernt er auch,
- seine Rolle als Pharao faktisch auszufüllen. Unterstützt wird er von seiner Frau Anchesenamun.
- Die Halbschwester von Tutanchamun ist fünf Jahre älter als er, selbst noch ein Kind.
- Viele Darstellungen zeigen das Paar in innigen Szenen. Es scheint, dass sich die beiden wirklich geliebt haben.
- Spätestens im 3. Regierungsjahr bringt der Kronrat den jungen Herrscher dazu, Achet-Aton aufzugeben
- und die Residenz nach Memphis zu verlegen. Theben wird wieder zum religiösen Zentrum des Reiches
- und der Amun-Kult wieder eingesetzt. Der Tempel von Karnak
- ist dem wiederbelebten Reichsgott Amun geweiht. Generationen von Pharaonen haben hier gebaut, auch Tutanchamun.
- Der Archäologe Arto Belekdanian zeigt mir die Ruinen seines Gedächtnistempels.
- Hier steht sein Thronname. Sie erkennen ihn an dem Titel: Neb-cheperu-Ra.
- Er wurde eigentlich als Tutanch-Aton geboren, das lebende Abbild von Aton, der Sonnenscheibe:
- der Gott, dem Echnaton gehuldigt hat. Aber um die Rückkehr zur Tradition zu signalisieren,
- änderte er seinen Namen von "Tutanch-Aton" in das lebende Abbild des Amun: Tutanchamun.
- Und der junge Pharao hält, was seine neue Titulatur verspricht. Jeden Tag geht er in den Tempel und huldigt Amun.
- Es ist Tutanchamun, der die Götterstatue reinigt, salbt und füttert.
- Die Kulthandlung soll dem Land Frieden und Reichtum garantieren. Auf einer Stele hat der Pharao seine Ziele öffentlich "gepostet":
- "Die heiligen Stätten waren im Zustand des Untergangs. Ich aber werde die Götter zurückholen
- und ihre Tempel wieder öffnen." Die Rückkehr zum alten Glauben
- ist vor allem eine innenpolitische Maßnahme. Die Priester erhalten ihre Macht zurück und sind zufrieden.
- Und das Volk muss nicht länger heimlich Amun huldigen. Was aber hat der Prozessionsweg in Karnak damit zu tun?
- Es war Tutanchamun, der den Abschnitt des großen Prozessionswegs in Auftrag gab.
- Er beginnt dahinten am 10. Pylon. Und reicht etwa 300 Meter nach Süden zum Tempel der Göttin Mut,
- Amuns Ehefrau. Der gesamte Prozessionsweg ist etwa 2,5 Kilometer lang
- und verbindet die Tempel von Karnak und Luxor. Er ist Schauplatz des wichtigsten religiösen Festes
- im altägyptischen Kalender: das Opet-Fest. Sinn und Zweck der Kultfeier, auch zu Tutanchamuns Zeit, ist es,
- den Pharao in seiner Funktion als lebendes Abbild von Amun jedes Jahr neu zu bestätigen.
- Dafür werden die Statuen von Amun und seiner Frau Mut auf riesigen Barken von Karnak nach Luxor gebracht...
- im Beisein des Königs, von Priestern und tausenden Untertanen.
- Im Tempel von Luxor kommt es zur "heiligen Hochzeit" der beiden Gottheiten, bei der göttliche Kraft entsteht.
- Dem Glauben nach, überträgt Amun sie auf Tutanchamun, der gestärkt vors Volk tritt und bejubelt wird.
- Als König hat Tutanchamun einen vollen Terminkalender. Privatleben kennt er nicht.
- Jeder Morgen beginnt damit, dass sich der Junge in einen Staatsmann verwandeln muss.
- Er wird gewaschen und von Kopf bis Fuß rasiert. Ein Zeichen von Reinheit und ein gängiges Schönheitsritual.
- Auch lässt er sich mit kostbaren, wohlriechenden Ölen parfümieren und ankleiden.
- Zu guter Letzt geht es um die Perücke, ob kurz oder lang, je nach Anlass.
- Geht man nach seinen Grabbeigaben, dann war Tutanchamun ein Fashion Victim.
- Neben Eyelinern gehören auch 50 Truhen mit Kleidung und Sandalen dazu.
- Die meisten davon sind einfache Modelle aus Papyrus und Leder. Manche Sandalen sind auch vergoldet oder reichhaltig verziert, wie diese.
- Diese Schuhe hatte Tutanchamuns Mumie an. Das sind nicht nur schicke Sonntagsschuhe,
- die sehen modern aus, fast so wie Flip-Flops. Da könnte ich reinschlüpfen, mit Betonung auf "könnte",
- sie sind mir zu klein. Aber Tutanchamun war auch nicht groß. Interessant ist, das haben Forscher jetzt rausgefunden,
- dass einige dieser Sandalen mit Riemen verstärkt waren oder in der Mitte der Sohle ausgestopft gewesen sind.
- Fast so wie bei orthopädischen Einlagen. Das wirft die Frage auf, ob der junge Pharao körperlich beeinträchtig war.
- Eine Untersuchung sollte seinen Gesundheitszustand klären. Forscher holten dafür die Mumie aus dem Grab im Tal der Könige
- und durchleuchteten sie im Computertomografen. Der Forscher Frank Rühli war mit der Auswertung der Bilder beauftragt.
- Da ist Tutanchamun und blickt auf uns herab. Was fällt Ihnen an ihm auf?
- Es handelt sich hier um einen jungen Mann, etwa 18 bis 20 Jahre, relativ schlank. Man sieht verschiedene Orte, wo er Brüche hat,
- sehr viel von seinem Brustbereich fehlt. Und die sind vermutlich zum Teil während der Mumifizierung,
- aber auch später bei der Auswicklung von vor rund 100 Jahren durch Howard Carter entstanden.
- Das Gesicht Tutanchamuns, das man durch die Maske kennt, wird wahrscheinlich nicht sein wirkliches Gesicht gewesen sein.
- Was fällt denn auf, wenn man sich sein echtes Gesicht anguckt? Also, wir sehen hier die Rekonstruktion,
- basierend auf den computertomografischen Aufnahmen, wie sie heute aussieht. Und wir sehen einen relativ langen Kopf.
- Wir sehen auch, dass er einen Überbiss hatte, also, die oberen Zähne sind über die unteren ein bisschen geschoben.
- Wenn man sich die Füße anschaut, da gibt es Hinweise darauf, dass er eine Gehbehinderung hatte.
- Bei seinen Grabbeigaben fanden sich sehr viele Gehstöcke. Wie schätzen Sie das denn ein?
- Also, es gibt zwei Hinweise, wo man eine Gehbehinderung daraus ableiten könnte.
- Zum einen hat er einen leichten Klumpfuß. Und das andere ist, dass er eben im Bereich von diesem Mittelvorfuß
- auf der linken Seite eine entsprechende Läsion hat. Die einen sagen, das könnte eine sogenannte Morbus Köhler 2 sein.
- Das ist also eine Art Absterben von Knochen im Laufe des jugendlichen Alters,
- und die anderen sagen: Das ist eine Veränderung, die nach dem Tod passiert ist.
- Die Leute, die sagen, das ist Morbus Köhler 2, die sagen auch, das ist sehr wahrscheinlich und realistisch,
- dass er eine Gehbehinderung hatte. Ob eine Gehbehinderung der Grund dafür ist,
- dass Tutanchamun eine Klappliege fürs Jenseits erhielt? Das lässt sich nicht klären.
- Aber in jedem Fall ist das Möbelstück eine geniale Verbindung aus Design und Technik.
- Die Konstruktion aus einem Holzrahmen und einer gewebten Matte ist extrem leicht. Der Clou:
- An den Scharnieren aus Bronze können Kopf- und Mittelteil schnell zusammengeklappt werden, ähnlich wie eine Campingliege.
- Es scheint so, als ob sich Ägypten unter dem jungen Pharao neuen Ideen geöffnet hat.
- Christian Eckmann ist fasziniert von der Technologie einiger Grabschätze, die nur wenig erforscht sind.
- Er hat nicht die Kunst der Goldverarbeitung im Blick, wie man meinen könnte, sondern ein eher unscheinbares Metall:
- Eisen. Zunächst haben wir das erste Mal die Gelegenheit gehabt,
- überhaupt alle Eisenobjekte aus dem Grab mittels einer naturwissenschaftlichen Analyse,
- einer Röntgenfluoreszenz-Analyse, zu untersuchen, ob es sich hier um verhüttetes Eisen handelt,
- was sehr ungewöhnlich gewesen wäre, oder aber Meteor-Eisen. Die Verhüttung von Eisen ist in Ägypten
- erst ab dem 6. Jahrhundert vor Christus nachgewiesen, also lange nach Tutanchamun.
- Neben einer Miniatur-Kopfstütze hat das Forscherteam noch einen Dolch und ein Amulett untersucht.
- Die Eisenobjekte waren auf der Mumie von Tutanchamun platziert. Könnte es sein, dass die Eisenobjekte aus der Sargkammer
- tatsächlich von einem Meteorit stammen? Unsere Untersuchungen ergaben,
- dass die Eisenobjekte aus dem Grab alle aus Meteor-Eisen bestehen. Der Nachweis dafür ist ein erhöhter Nickelgehalt in den Objekten,
- der in terrestrischem Eisen so in dieser Zeit nicht vorkommt. Und man hat schon damals verstanden,
- dass es sich um besonderes Material handelt. Vielleicht hat man's importiert bekommen aus andern Gegenden,
- aber es war in jedem Fall so rar, dass es den Goldwert überstieg, und zwar um das Zigfache.
- Tutanchamun ist ein Superreicher, seinem Land geht es wirtschaftlich gut,
- die religiöse Krise scheint überwunden. Doch die Nachbarländer begehren, was er besitzt.
- Vor allem in Vorderasien bröckelt der ägyptische Einfluss. Sein Militärberater, General Horemheb,
- will Truppen an die Nordgrenze schicken, drängt auf eine Entscheidung.
- Doch was das Richtige ist, stellt selbst routinierte Staatsmänner auf eine harte Probe.
- Ich will wissen, wie sich der junge Pharao seiner tagtäglichen Verantwortung gestellt hat?
- Es ist nicht sicher, wie viel Einfluss oder Kontrolle Tutanchamun hatte, er war ja noch so jung.
- Inwieweit ihm gesagt wurde, was er zu tun hatte, werden wir wohl nie erfahren. Aber er war intelligent
- und kein Baby mehr, als er auf den Thron kam. Wahrscheinlich hat er sowohl auf seine Berater gehört
- als sich auch seine eigene Meinung gebildet. Ägypten ist von Feinden umgeben, die nur darauf warten,
- dass Tutanchamun Schwäche zeigt. Im Süden bedrängen die Nubier das Reich.
- Im Westen greifen libysche Nomadenkrieger an. Doch die größte Gefahr droht von den sogenannten "Asiaten" im Norden:
- den Hethitern. Die neue Großmacht dehnt ihr Reich immer weiter in Richtung Ägypten aus.
- Die Feinde sind auch hier zu sehen, auf diesem Streitwagen. Er ist die Wunderwaffe der Ägypter.
- Insgesamt sechs solcher Streitwagen finden sich im Grab von Tutanchamun, einige ganz gewöhnliche Streitwagen für die Straße,
- aber auch manche vergoldet, so wie dieser. Luxus-Staatskarossen, mit denen sich Tutanchamun
- bei offiziellen Anlässen oder bei Zeremonien zeigte. Das hier ist das perfekte Beispiel dafür,
- wie genial die ägyptischen Konstrukteure gewesen sind. Die Wagen werden nur durch Lederschnüre
- und Steckverbindungen zusammengehalten. So können sie jederzeit schnell zerlegt
- und überallhin transportiert werden. In der Vorkammer entdeckte Howard Carter
- rund um die Streitwagen verstreut winzige Goldbleche, aberhunderte Einzelstücke.
- Er packte sie sorgfältig in eine Holzkiste und ließ sie nach Kairo ins Ägyptische Museum verfrachten.
- Dort wurde die Kiste mit der Aufschrift "Harness", Zaumzeug, erst vor Kurzem geöffnet.
- Der Erhaltungszustand dieser Gold- und Lederapplikationen war sehr bedauerlich, weil die Objekte
- wahrscheinlich nass oder feucht geworden sind. Das Leder ist aufgequollen, hat das Gold zerrissen,
- in Kleinteile zerlegt sozusagen. Und vielleicht war mit ein Grund,
- warum die Objekte so lange nicht bearbeitet wurden, dieser Zustand. Denn der Arbeitsaufwand,
- die zu restaurieren und wieder lesbar zu machen, war enorm hoch. In jahrelanger Detailarbeit
- haben Restauratoren vom Römisch- Germanischen Zentralmuseum Mainz die winzigen Fragmente wieder zusammengefügt.
- Nach und nach entstanden kleine Meisterwerke aus Goldblech. Eines der schönsten ist der Pharao in Löwengestalt.
- Aber auch die Tierdarstellungen zeugen von höchster Handwerkskunst. Ein immer wiederkehrendes Motiv ist, wie der Pharao den Feind besiegt
- oder auf dem Streitwagen fährt. Ein Beleg, dass sich Tutanchamun als starker Herrscher sah.
- Die Bleche mit den ornamentalen Darstellungen sind in der ägyptischen Kunst eher unüblich.
- Verwendet wurden die Applikationen als Verzierung von Bogenkästen, Pfeilköchern und Zaumzeug.
- Tutanchamun ließ sich gerne auf dem Streitwagen darstellen. Der Streitwagen war nicht nur wichtiges Kriegsgerät,
- sondern diente auch als Freizeitvergnügen. Ist der König auf einer seiner Fahrten verunglückt
- und an den Folgen gestorben? Niemand weiß das.
- Als der Pharao im Alter von nur 19 Jahren stirbt, gibt sein plötzlicher Tod Anlass für viele Spekulationen.
- Die Mordtheorie konnte mittlerweile widerlegt werden. Waren es dann die Folgen eines Unfalls oder einer Krankheit?
- Was sagt der Mumienforscher Frank Rühli dazu? Diese Fraktur, die wir hier im Bereich des linken Knies sehen,
- eine relativ große Läsion, also eine Fraktur, die ins Gelenk reinzieht und interessanterweise
- Material in diesem Spalt drin hat, das die Dichte von Einbalsamierungssubstanz hat.
- Die Vermutung ist sehr groß, dass es bei der Einbalsamierung dort eine Läsion gab.
- Wie könnte er sich denn den Bruch zugezogen haben? Ein Sturz, ein Unfall,
- dass er von einem Streitwagen oder so heruntergefallen ist und dass er dann vielleicht stark geblutet hat,
- vielleicht auch entsprechend eine Infektion hatte, also, dass er dann letztendlich an dieser Fraktur gestorben ist.
- Unverzüglich machen sich die Balsamierer an die Vorbereitung des Leichnams für die letzte Reise des jungen Königs.
- Dem Glauben nach, muss der Körper erhalten bleiben, damit die Seele auch im Jenseits darin leben kann.
- Die Mumifizierung ist ein heiliger Ritus, aber auch ein medizinischer Eingriff, der strengen Regeln folgt.
- Dabei werden alle inneren Organe, bis auf das Herz, entfernt. Was die Alten Ägypter tun mussten, war, die Dinge auszutrocknen.
- Unabhängig davon, ob es sich um einen Menschen, um ein Tier oder um ein Stück Fleisch handelte.
- Dafür verwendeten sie Natron. Die Alten Ägypter entdeckten,
- dass Natron eine außergewöhnliche Eigenschaft hat, sowohl zum Desinfizieren als auch zum Austrocknen.
- In den ersten 40 Tagen wird der Körper getrocknet und entfettet. In den 30 Tagen darauf verwandelt er sich in ein Wesen,
- das ewig leben wird. In dem Zeitraum wird er mit Ölen eingerieben,
- Harze werden aufgetragen, Zaubersprüche gesungen und er wird eingewickelt.
- So weit die Tradition. Forschungen haben ergeben, dass die Mumie von Tutanchamun
- einige Anomalien aufweist. Dazu gehört auch die tiefschwarze Haut,
- die an Darstellungen von Osiris denken lässt. Die meisten Mumien haben einen feinen Schnitt am Bauch.
- Tutanchamun hatte einen großen. Ihm scheint auch sein Herz zu fehlen, was sehr merkwürdig ist,
- denn man braucht sein Herz im Körper, um ewiges Leben zu erlangen. Außerdem war Tutanchamun, laut Howard Carter, als er ihn fand,
- mit aufgerichtetem Penis mumifiziert, sodass er tatsächlich wie der Gott der Erneuerung
- und Wiedergeburt aussah, also wie Osiris. Eine andere These lautet:
- Tutanchamun sollte im Jenseits in der Lage sein, Nachfolger zu zeugen. Denn seine Ehe mit Anchesenamun bleibt kinderlos,
- ihre beiden kleinen Mädchen sterben kurz nach der Geburt. Gemeinsam mit ihrem Vater werden sie im Tal der Könige bestattet.
- Anchesenamun soll Tutanchamuns Nachfolger Eje geheiratet haben. Damit hätte sie seinen Anspruch auf den Thron legitimiert.
- Was aus der Witwe wurde, weiß niemand. Ihr Name findet nie wieder irgendwo eine Erwähnung.
- Nur 70 Tage bleibt den Handwerkern Zeit, um Tutanchamuns Haus für die Ewigkeit auszugestalten.
- Forscher sprechen von einer Notbestattung für den Kindkönig. Carter hat sich immer gefragt,
- in welcher Reihenfolge die Räume mit Objekten gefüllt wurden. Wahrscheinlich zuerst die Schatzkammer,
- dann die Seitenkammer und dann erst die Sargkammer mit den Schreinen und der Mumie.
- Zu guter Letzt richteten die Priester die Vorkammer ein und verließen das Felsengrab über den Haupteingang,
- ohne dabei zu vergessen, es mit Schutt und Geröll gut zu verstecken. 3200 lange Jahre
- liegt der junge Tutanchamun in seinem Goldsarg, unbemerkt und unentdeckt.
- Hier ist damals der Leichnam von Tutanchamun runtergetragen worden, das ist total beeindruckend. Und auch Carter ist 1922
- hier runtergelaufen, als er die Grabkammer entdeckte. Das ist ein Gänsehaut-Moment.
- Aktuell liegt die Mumie des Kindkönigs in der Vorkammer der Anlage, unter klimatisiertem Plexiglas.
- Ohne seine goldene Totenmaske wirkt Tutanchamuns Gesicht so jung und verletzlich.
- Dabei hat der 19-Jährige als Regent Stärke bewiesen, trotz seiner Jugend.
- Die Grabanlage von Tutanchamun ist viel bescheidener als die unterirdischen Paläste anderer Pharaonen.
- Forscher vermuten, dass sein Grab ursprünglich nicht für einen König, sondern für einen hohen Beamten,
- vielleicht sogar für seinen Nachfolger Eje vorgesehen war. Über die Jahrtausende schütten Schlammlawinen
- und der Aushub eines späteren Grabbaus den Eingang der Anlage vollständig zu.
- Und der spätere Pharao Horemheb lässt ihn aus fast allen Königslisten streichen.
- Vielleicht, weil Tutanchamun der Sohn eines Ketzers war? Oder weil Horemheb will, dass man den Kindkönig schnell vergisst.
- Heute bekommt Tutanchamun von den Ägyptern ein einzigartiges Denkmal gesetzt,
- im Grand Egyptian Museum in Kairo. Der Pharao erhält einen eigenen Trakt,
- in dem auch sämtliche Grabbeigaben präsentiert werden sollen. Shirin Frangoul-Brückner
- ist die verantwortliche Architektin der Ausstellung. Trotz starker Konkurrenz konnte ihr Konzept
- die Auftraggeber überzeugen. Die Tutanchamun-Ausstellung ist ein Riesenprojekt.
- Was war für Sie die besondere Herausforderung daran? Ja, das Grand Egyptian Museum ist eines der größten Museen
- gerade weltweit, das entsteht. Hier wird auf 7500 Quadratmeter die "Tutanchamun-Ausstellung", eines der wichtigsten Grabfunde,
- aktuell ausgestellt. Also, sowohl was die Bedeutung des Projektes angeht
- zwischen Louvre und British Museum, eines der Weltmuseen, das gerade entsteht, aber auch inhaltlich,
- die Möglichkeit, Exponate in diesem Stellenwert auszustellen, das war für uns die größte Herausforderung.
- Stellen wir uns vor, wir kommen in die Ausstellung, was sehen wir zuerst? Das prächtige Gold oder eher die Geschichte?
- Ich glaub, es geht letztendlich um beides. Es geht um hochwertige Exponate als Exponat zu zeigen.
- Es geht auch darum, Geschichten hinter den Exponaten zu erzählen. Wir haben 'n Parcours entwickelt, der von zwei Seiten begehbar ist.
- Einmal beginnend mit dem jungen König, der ja als Kind gekrönt wurde, mit seinen Vorfahren,
- dann die Geschichte seines Lebens, auf dem Weg zum Leben nach dem Tod, zum After Life.
- Es gibt den zweiten Parcours, der eher wissenschaftlich ist, der genau andersherum geht, von der Entdeckung startet
- und dann die Grabfunde, die Grabzugaben, die Daily Live-Exponate darstellt
- und dann eben die Mumifizierung zeigt. Noch sind nicht alle Grabbeigaben restauriert.
- Doch 100 Jahre nach der Entdeckung von Tutanchamuns letzter Ruhestätte werden sie erstmals wieder an einem Ort vereint sein.
- Und das ist in Tutanchamuns Totentempel des 21. Jahrhunderts. Ironie der Geschichte ist: Gerade der Versuch,
- Tutanchamun aus der Geschichte zu tilgen, macht den Pharao weltberühmt.
- Im Glauben der Alten Ägypter wird jemand dann unsterblich, wenn man sich erinnert, seinen Namen ausspricht.
- Und vermutlich sprechen wir heute über keinen anderen Pharao mehr als über ihn: Tutanchamun.
- Untertitel im Auftrag des ZDF, 2022
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