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Was war die "Soziale Frage"? I musstewissen Geschichte
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 63 Zeilen
- In diesem Video beschäftigen wir uns mit den Schattenseiten der Industrialisierung. Klar, wenn die Welt umgekrempelt wird, dann gibt das ganz schön viele Probleme.
- Und die sozialen Probleme, die durch die Industrielle Revolution auftreten, die bezeichnet man als "Soziale Frage".
- Alles, was du dazu wissen musst, jetzt: Was genau während der Industrialisierung passiert
- und wie sie in Deutschland abläuft, das könnt ihr euch in diesen beiden Videos hier oben noch mal anschauen.
- Industrialisierung bedeutet Massenproduktion mit Maschinen, Fabriken mit massenhaft Arbeitern.
- Und genau bei den Arbeitern fängt die Soziale Frage an. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit arbeiten die Menschen als Handwerker
- oder als Landarbeiter entweder in ihrem Zuhause oder sie zusammen mit ihrer Familie.
- Jetzt ist das anders. Gearbeitet wird in der Fabrik.
- Die Männer und zunehmend auch Frauen und Kinder bedienen dort Maschinen. Und das mit dem Bedienen kann man ganz wörtlich nehmen,
- denn die Maschinen geben den Takt vor. Die Maschinen bestimmen, wie schnell gearbeitet wird und wann Pause ist.
- Zwar übernehmen die Maschinen oft die ganz schwere Arbeit, aber jetzt muss man immer dieselben Handgriffe machen.
- Das ist eintönig und ermüdend. Und wer nicht aufpasst, der kann schnell mal der Maschine in die Quere kommen.
- Und dann ist vielleicht auch eine Hand oder ein Bein ab. Gearbeitet wird zwölf oder mehr Stunden lang.
- Sechs Tage die Woche, ohne Urlaub. In der Fabrik ist es oft wahnsinnig laut und heiß.
- Es stinkt, es ist staubig und irgendwelche schädlichen Dämpfe wabern umher. Keine wirklich gute Arbeitsumgebung.
- Wenn die Arbeiterinnen und Arbeiter nach Hause kommen, dann in eine sehr kleine Wohnung.
- Außerdem wohnt oft mehr als eine Familie in einer Wohnung und die Familien damals, die sind viel größer als heute.
- Denn als die Fabriken Arbeiter anziehen, da kommen die Menschen vom Land in die Stadt und suchen Arbeit.
- Die Menschen müssen irgendwo wohnen und so einen typische Arbeiterwohnung, die hat zwei Zimmer.
- Darin leben dann tatsächlich achtköpfige Familien und zwei Untermieter.
- Mehrere Leute schlafen in einem Bett. Manche Männer ohne Familie teilen sich ihr Bett mit einem anderen Mann.
- Natürlich nicht gleichzeitig, sondern nacheinander. Wenn der eine von der Schicht heimkommt,
- steht der andere auf und geht in die Fabrik. Dann kann sich der erste hinlegen und so weiter.
- Nicht auf die Matratze übrigens, sondern auf den dreckigen Strohsack. Und weil es zu wenige Wohnungen gibt, sind selbst Rattenlöcher teuer.
- Fließend Wasser, ein Bad oder ein Klo gibt's da natürlich nicht. Oft auch keinen Strom, also kein Licht.
- Und nur nebenbei: Kinder ab sechs Jahren schuften genauso hart wie Erwachsene in den Fabriken und in den Bergwerken.
- Oft kommen sie wochenlang nicht mehr an die Oberfläche. Und die Kinder bekommen sehr viel weniger Lohn als die Erwachsenen.
- Gearbeitet wird trotzdem auf Teufel komm raus. Denn wer nicht arbeitet, der verdient auch kein Geld.
- Und wenn man so krank ist, dass man zu Hause bleiben muss, dann verdient man auch nichts.
- Und da sich die meisten Arbeiterfamilien auch nichts ansparen können, haben sie schnell kein Geld mehr und damit nichts zu essen.
- Wer arbeitslos ist, der muss betteln. Denn es gibt kein Amt, zu dem man mal hingehen kann, um Hilfe zu bekommen
- und das heißt, die Arbeiter haben ein elendes Leben. Dass es so nicht weitergehen kann, das wird auch vielen Leuten klar,
- die von der Industrialisierung profitieren, die Bürger, denen es besser geht und die sozial aufsteigen.
- Wie kann man die Lebensverhältnisse der Arbeiter verbessern? Die Kirchen betreiben Sozialführsorge.
- Johann Hinrich Wichern gründet Waisenhäuser, Adolf Kolping die Kolpinghäuser für die Handwerksgesellen.
- Aber das sind alles Aktionen von einzelnen Engagierten. Grundsätzlich rufen die evangelische und die katholische Kirche
- die Unternehmer dazu auf, den Arbeitern etwas von den Gewinnen der Unternehmen abzugeben,
- aber sie wollen auch keinen gesellschaftlichen Wandel. Die Unternehmer erkennen auch, dass sie was für ihre Arbeiter tun müssen.
- Einige Unternehmen betreiben Krankenhäuser, in denen sich die Erkrankten oder verunfallten Arbeiter
- versorgen lassen können. Andere bauen Wohnungen oder errichten Rentenkassen,
- damit die Arbeiter auch was für ihr Alter zurücklegen können. All diese Maßnahmen sind auch immer dafür gedacht,
- die Arbeiter an das Unternehmen zu binden. Die Unternehmer sehen sich als so eine Art strenger Vater.
- Der den Kindern, den Arbeitern, auf den rechten Weg helfen muss. Das bedeutet: Wer aufmuckt, der ist raus und bekommt auch nichts mehr.
- Das sind schöne Bemühungen, aber das reicht natürlich nicht aus, um Millionen Menschen aus der Armut zu führen.
- Es gibt keine rechtliche Absicherung der Arbeiter. Deshalb schließen sie sich zusammen, um ihr Recht zu erkämpfen.
- In Gewerkschaften vertreten Arbeiter ihre Forderungen: Um diese Ziele durchzusetzen, organisieren sie Streiks.
- Das bedeutet, dass alle Arbeiter eines Unternehmens die Arbeit niederlegen. Um die Arbeiter auch politisch zu vertreten
- und ihre Anliegen in die Parlamente zu bringen, gründet Ferdinand Lassalle den allgemeinen deutschen Arbeiterverein.
- Kurz darauf gründen August Bebel und Wilhelm Liebknecht eine weitere Partei. 1875 wird daraus die Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands,
- die heutige Sozialdemokratische Partei, die SPD, so alt ist die schon. Weil die SPD bei den Wahlen immer erfolgreicher wird,
- versucht die Regierung des deutschen Kaiserreichs, der Reichskanzler Otto von Bismarck, etwas für die Arbeiter zu tun.
- Seine Idee ist es: Wenn es den Arbeitern besser geht, dann wählen sie keine Sozialdemokraten mehr.
- Deshalb führt er in Deutschland die Sozialgesetzgebung ein, die Arbeitnehmer und Arbeitgeber gemeinsam bezahlen.
- 1883 die Krankenversicherung, die Versicherung bezahlt Arbeitern ärztliche Behandlung und Krankengeld.
- 1884 die Unfallversicherung, diese Versicherung bezahlt Rente,
- wenn der Arbeiter nach dem Unfall nicht mehr arbeiten kann oder Hinterbliebenenrente, wenn der Arbeiter beim Unfall gestorben ist.
- 1889 dann die Altersversorgung. Die Versicherung bezahlt ab dem 70. Lebensjahr Rente.
- Das ist nicht viel und es ist immer auch wenig Geld, aber es ist ein Anfang.
- Nämlich der Anfang des Sozialstaates, in dem wir heute leben. Gelöst ist die Soziale Frage damit natürlich noch lange nicht.
- Die Arbeiterbewegung kämpft noch jahrzehntelang. Aber das nehme ich mir mal in einem anderen Video vor.
- Bis dahin lege ich euch wärmstens ans Herz, dass ihr euch unsere Videos zur Industrialisierung anschaut.
- Wie gesagt, sie sind verlinkt, wenn ihr auf das i klickt. Und wenn ihr nichts mehr verpassen wollt, abonniert diesen Kanal.
- Bis zum nächsten Mal. Untertitel im Auftrag des ZDF für funk, 2017
Zum Nachlesen
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