Was war die "Soziale Frage"? I musstewissen Geschichte MrWissen2go Geschichte | Terra X https://www.youtube.com/watch?v=O875yPaT4WI Transkript (automatisch erstellt) 0:00 In diesem Video beschäftigen wir uns mit den Schattenseiten der Industrialisierung. Klar, wenn die Welt umgekrempelt wird, dann gibt das ganz schön viele Probleme. 0:08 Und die sozialen Probleme, die durch die Industrielle Revolution auftreten, die bezeichnet man als "Soziale Frage". 0:14 Alles, was du dazu wissen musst, jetzt: Was genau während der Industrialisierung passiert 0:24 und wie sie in Deutschland abläuft, das könnt ihr euch in diesen beiden Videos hier oben noch mal anschauen. 0:30 Industrialisierung bedeutet Massenproduktion mit Maschinen, Fabriken mit massenhaft Arbeitern. 0:36 Und genau bei den Arbeitern fängt die Soziale Frage an. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit arbeiten die Menschen als Handwerker 0:43 oder als Landarbeiter entweder in ihrem Zuhause oder sie zusammen mit ihrer Familie. 0:48 Jetzt ist das anders. Gearbeitet wird in der Fabrik. 0:52 Die Männer und zunehmend auch Frauen und Kinder bedienen dort Maschinen. Und das mit dem Bedienen kann man ganz wörtlich nehmen, 0:59 denn die Maschinen geben den Takt vor. Die Maschinen bestimmen, wie schnell gearbeitet wird und wann Pause ist. 1:06 Zwar übernehmen die Maschinen oft die ganz schwere Arbeit, aber jetzt muss man immer dieselben Handgriffe machen. 1:12 Das ist eintönig und ermüdend. Und wer nicht aufpasst, der kann schnell mal der Maschine in die Quere kommen. 1:19 Und dann ist vielleicht auch eine Hand oder ein Bein ab. Gearbeitet wird zwölf oder mehr Stunden lang. 1:26 Sechs Tage die Woche, ohne Urlaub. In der Fabrik ist es oft wahnsinnig laut und heiß. 1:31 Es stinkt, es ist staubig und irgendwelche schädlichen Dämpfe wabern umher. Keine wirklich gute Arbeitsumgebung. 1:39 Wenn die Arbeiterinnen und Arbeiter nach Hause kommen, dann in eine sehr kleine Wohnung. 1:43 Außerdem wohnt oft mehr als eine Familie in einer Wohnung und die Familien damals, die sind viel größer als heute. 1:49 Denn als die Fabriken Arbeiter anziehen, da kommen die Menschen vom Land in die Stadt und suchen Arbeit. 1:54 Die Menschen müssen irgendwo wohnen und so einen typische Arbeiterwohnung, die hat zwei Zimmer. 2:00 Darin leben dann tatsächlich achtköpfige Familien und zwei Untermieter. 2:04 Mehrere Leute schlafen in einem Bett. Manche Männer ohne Familie teilen sich ihr Bett mit einem anderen Mann. 2:10 Natürlich nicht gleichzeitig, sondern nacheinander. Wenn der eine von der Schicht heimkommt, 2:15 steht der andere auf und geht in die Fabrik. Dann kann sich der erste hinlegen und so weiter. 2:20 Nicht auf die Matratze übrigens, sondern auf den dreckigen Strohsack. Und weil es zu wenige Wohnungen gibt, sind selbst Rattenlöcher teuer. 2:28 Fließend Wasser, ein Bad oder ein Klo gibt's da natürlich nicht. Oft auch keinen Strom, also kein Licht. 2:35 Und nur nebenbei: Kinder ab sechs Jahren schuften genauso hart wie Erwachsene in den Fabriken und in den Bergwerken. 2:42 Oft kommen sie wochenlang nicht mehr an die Oberfläche. Und die Kinder bekommen sehr viel weniger Lohn als die Erwachsenen. 2:49 Gearbeitet wird trotzdem auf Teufel komm raus. Denn wer nicht arbeitet, der verdient auch kein Geld. 2:55 Und wenn man so krank ist, dass man zu Hause bleiben muss, dann verdient man auch nichts. 3:00 Und da sich die meisten Arbeiterfamilien auch nichts ansparen können, haben sie schnell kein Geld mehr und damit nichts zu essen. 3:06 Wer arbeitslos ist, der muss betteln. Denn es gibt kein Amt, zu dem man mal hingehen kann, um Hilfe zu bekommen 3:13 und das heißt, die Arbeiter haben ein elendes Leben. Dass es so nicht weitergehen kann, das wird auch vielen Leuten klar, 3:19 die von der Industrialisierung profitieren, die Bürger, denen es besser geht und die sozial aufsteigen. 3:25 Wie kann man die Lebensverhältnisse der Arbeiter verbessern? Die Kirchen betreiben Sozialführsorge. 3:31 Johann Hinrich Wichern gründet Waisenhäuser, Adolf Kolping die Kolpinghäuser für die Handwerksgesellen. 3:37 Aber das sind alles Aktionen von einzelnen Engagierten. Grundsätzlich rufen die evangelische und die katholische Kirche 3:44 die Unternehmer dazu auf, den Arbeitern etwas von den Gewinnen der Unternehmen abzugeben, 3:49 aber sie wollen auch keinen gesellschaftlichen Wandel. Die Unternehmer erkennen auch, dass sie was für ihre Arbeiter tun müssen. 3:56 Einige Unternehmen betreiben Krankenhäuser, in denen sich die Erkrankten oder verunfallten Arbeiter 4:01 versorgen lassen können. Andere bauen Wohnungen oder errichten Rentenkassen, 4:05 damit die Arbeiter auch was für ihr Alter zurücklegen können. All diese Maßnahmen sind auch immer dafür gedacht, 4:11 die Arbeiter an das Unternehmen zu binden. Die Unternehmer sehen sich als so eine Art strenger Vater. 4:17 Der den Kindern, den Arbeitern, auf den rechten Weg helfen muss. Das bedeutet: Wer aufmuckt, der ist raus und bekommt auch nichts mehr. 4:25 Das sind schöne Bemühungen, aber das reicht natürlich nicht aus, um Millionen Menschen aus der Armut zu führen. 4:32 Es gibt keine rechtliche Absicherung der Arbeiter. Deshalb schließen sie sich zusammen, um ihr Recht zu erkämpfen. 4:38 In Gewerkschaften vertreten Arbeiter ihre Forderungen: Um diese Ziele durchzusetzen, organisieren sie Streiks. 4:52 Das bedeutet, dass alle Arbeiter eines Unternehmens die Arbeit niederlegen. Um die Arbeiter auch politisch zu vertreten 4:59 und ihre Anliegen in die Parlamente zu bringen, gründet Ferdinand Lassalle den allgemeinen deutschen Arbeiterverein. 5:04 Kurz darauf gründen August Bebel und Wilhelm Liebknecht eine weitere Partei. 1875 wird daraus die Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands, 5:14 die heutige Sozialdemokratische Partei, die SPD, so alt ist die schon. Weil die SPD bei den Wahlen immer erfolgreicher wird, 5:22 versucht die Regierung des deutschen Kaiserreichs, der Reichskanzler Otto von Bismarck, etwas für die Arbeiter zu tun. 5:28 Seine Idee ist es: Wenn es den Arbeitern besser geht, dann wählen sie keine Sozialdemokraten mehr. 5:34 Deshalb führt er in Deutschland die Sozialgesetzgebung ein, die Arbeitnehmer und Arbeitgeber gemeinsam bezahlen. 5:40 1883 die Krankenversicherung, die Versicherung bezahlt Arbeitern ärztliche Behandlung und Krankengeld. 5:47 1884 die Unfallversicherung, diese Versicherung bezahlt Rente, 5:52 wenn der Arbeiter nach dem Unfall nicht mehr arbeiten kann oder Hinterbliebenenrente, wenn der Arbeiter beim Unfall gestorben ist. 5:59 1889 dann die Altersversorgung. Die Versicherung bezahlt ab dem 70. Lebensjahr Rente. 6:06 Das ist nicht viel und es ist immer auch wenig Geld, aber es ist ein Anfang. 6:11 Nämlich der Anfang des Sozialstaates, in dem wir heute leben. Gelöst ist die Soziale Frage damit natürlich noch lange nicht. 6:17 Die Arbeiterbewegung kämpft noch jahrzehntelang. Aber das nehme ich mir mal in einem anderen Video vor. 6:24 Bis dahin lege ich euch wärmstens ans Herz, dass ihr euch unsere Videos zur Industrialisierung anschaut. 6:29 Wie gesagt, sie sind verlinkt, wenn ihr auf das i klickt. Und wenn ihr nichts mehr verpassen wollt, abonniert diesen Kanal. 6:35 Bis zum nächsten Mal. Untertitel im Auftrag des ZDF für funk, 2017