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Nachhaltiger Küstenschutz

Universität Oldenburg7:26 6.352 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

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  1. Krummhörn, südwestlicher Zipfel der ostfriesischen Halbinsel. Diese Küstenlandschaft zwischen Greetsiel und Emden liegt zu großen Teilen unter dem
  2. Meeresspiegel und wird durch Deiche vor der Flut geschützt. Doch wie wird der Klimawandel die tiefliegende Küstenregion beeinflussen?
  3. Das Marschland wird als Ackerland genutzt und auch zur Weidewirtschaft. Hier werden große Erträge an Weizen, Gerste, Raps und Mais erzielt.
  4. Dieses fruchtbare Land wird nicht nur durch den steigenden Meeresspiegel bedroht. Sturmfluten und Starkregen-Ereignisse, wie sie
  5. durch den Klimawandel immer häufiger auftreten, bedrohen diese Kulturlandschaft. Was geschieht, wenn es im Winter immer mehr und im Sommer immer weniger regnet?
  6. Das Forschungsprojekt COMTESS ist diesen Fragen nachgegangen und hat die nachhaltige Landnutzung von Küstenräumen untersucht. In diesem
  7. Projekt haben Wissenschaftler analysiert, welchen Herausforderungen sich die Menschen des tiefliegenden Küstengebietes heute und zukünftig
  8. stellen müssen. Gemeinsam mit Experten aus dem Wassermanagement, Naturschutz, Tourismus und der Landwirtschaft, aber auch aus der
  9. Regionalpolitik und Planung wurde eine mögliche Anpassungsstrategie entwickelt. Leena Karrasch ist die koordinierende Wissenschaftlerin von COMTESS.
  10. "Wir haben unterschiedliche Landnutzungsoptionen entwickelt. Neben dem "weiter so wie bisher" haben wir untersucht, wie sich Wasserrückhaltebecken, sogenannte Polder,
  11. auf die Landnutzung auswirken werden. Auch wenn es am Anfang für alle Beteiligten nicht so einfach war, sich vorzustellen, Teile der Landschaft unter
  12. Wasser zu setzen, sind wir am Ende doch zu einer von allen akzeptierten Lösung gekommen."
  13. Bereits jetzt fallen durch extreme Wetterereignisse große Regenwassermengen an. Entlastungspolder sind eine Möglichkeit, dieses Wasser aufzunehmen. Der tiefste Punkt Niedersachsens,
  14. das Freepsumer Meer, liegt zweieinhalb Meter unter dem Meeresspiegel. Es wäre als Entlastungspolder bestens geeignet. "Der Vorteil, wenn man hier einen
  15. Entlastungspolder anlegen würde, wäre, dass viel Wasser gespeichert werden kann. Zudem werden die umliegenden Flächen vor Überflutung geschützt und
  16. die entstandene Wasserfläche, die könnte man ganz vielfältig nutzen. Zum Beispiel für den Naturschutz oder für Tourismus. Also da gibt es sehr viele
  17. Nutzungsmöglichkeiten, die sich dann anbieten. Zudem können auch die Gräben, die die ganzen Felder, Wiesen, Weiden, hier umgeben,
  18. die könnten auch vergrößert werden. Dadurch würde noch mehr Wasser aus der Umgebung aufgenommen werden."
  19. Das Schilf der Randgebiete könnte als Baustoff verwendet werden. Wertvolle Feuchtgebiete für unterschiedliche Tier- und Pflanzenarten würden entstehen.
  20. In trockenen Sommermonaten könnte das gespeicherte Wasser zur Bewässerung genutzt werden. Die Überflutung dieser Flächen
  21. schränkt zwar deren landwirtschaftliche Nutzung stark ein. Die umliegenden Flächen könnten jedoch beweidet werden. Um das angrenzende Land vor Überflutung
  22. zu schützen wären nur einige flache Wälle nötig. Das so gespeicherte Wasser wird in die Nordsee geleitet, also gesielt.
  23. "Die Ergebnisse unseres Forschungsprojekts COMTESS zeigen, dass schon ab dem Jahr 2080 kein Sielen mehr möglich sein wird.
  24. Beim Sielen fließt das Regenwasser aus Poldern und Gräben zurück in die Nordsee. Das geht aber nur bei Niedrigwasser, also
  25. bei Ebbe. Bei Flut oder Hochwasser schließen sich die Siel-Tore. Dadurch wird verhindert, dass bei Flut das salzige Meerwasser in das Land
  26. hinter den Deichen fließt. "Es ist nun so, dass wenn der Meeresspiegel steigt um einen Meter, dann ist auch der Wasserstand bei Ebbe etwa einen Meter höher und das bedeutet
  27. dann wiederum, dass das Regenwasser nicht mehr natürlich in die Nordsee abfließen kann und diese Tore müssen immer geschlossen bleiben."
  28. Die COMTESS-Forscher zeigen: Immer höhere Deiche sind keine Lösung. Zum Ende des Jahrhunderts muss fast alles abfließende Regenwasser vom Land
  29. in die Nordsee gepumpt werden. Das benötigt viel Energie und ist teuer. Schon heute erreicht die Pump- Kapazität des Siel- und Schöpfwerks
  30. Emden Knock ihre Grenze. Eine Alternative zum ständigen Abpumpen des Regenwassers ist die Rückhaltung in
  31. besonders tief gelegenen Gebieten. Diese Wasser-Rückhalteflächen, also die Entlastungspolder, werden dadurch von Weiden zu Wasserlandschaften. In ihnen
  32. würde das Regenwasser, das im Winter im Überschuss anfällt, bis über den folgenden Sommer gespeichert. "Diese Art der Landnutzung haben wir gemeinsam mit
  33. der Regionalgruppe Krummhörn entwickelt. Die lokalen und regionalen Entscheidungsträger, die dort mitgewirkt haben, vertreten die gemeinschaftlichen
  34. Interessen der Gemeinde Krummhörn. Dazu zählen Wasser- und Küstenmanagement, die Landwirtschaft, der Naturschutz, die Regionalpolitik und -planung
  35. sowie der Tourismus." In dem fünfjährigen Forschungsprozess haben die Wissenschaftler gemeinsam mit
  36. den Projektbeteiligten aus der Region eine realistische Anpassungsmöglichkeit entwickelt. Die Zusammenarbeit der Regionalgruppe Krummhörn mit dem
  37. Forschungsprojekt COMTESS hat so zu einer akzeptierten Lösung geführt. Die gemeinsam entwickelte Strategie wurde in dem Entwurf des regionalen
  38. Raumordnungsprogramms aus dem Jahr 2015 vom Landkreis Aurich aufgenommen. Dies ist ein großer Erfolg von COMTESS: Forschung in nachhaltige Entwicklung
  39. umzusetzen und mögliche Folgen des Klimawandels abzuschwächen. Für eine sichere Zukunft von Deutschlands Küsten wurde COMTESS mit
  40. 3,3 Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Das Nachfolgeprojekt RELEEZE sowie das Projekt Ruins erforschen ökologische
  41. und ökonomische Folgen an deutschen Küsten durch den Klimawandel.

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