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Nachhaltiger Küstenschutz
Das Wichtigste aus dem Video
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Transkriptautomatisch erstellt · 41 Zeilen
- Krummhörn, südwestlicher Zipfel der ostfriesischen Halbinsel. Diese Küstenlandschaft zwischen Greetsiel und Emden liegt zu großen Teilen unter dem
- Meeresspiegel und wird durch Deiche vor der Flut geschützt. Doch wie wird der Klimawandel die tiefliegende Küstenregion beeinflussen?
- Das Marschland wird als Ackerland genutzt und auch zur Weidewirtschaft. Hier werden große Erträge an Weizen, Gerste, Raps und Mais erzielt.
- Dieses fruchtbare Land wird nicht nur durch den steigenden Meeresspiegel bedroht. Sturmfluten und Starkregen-Ereignisse, wie sie
- durch den Klimawandel immer häufiger auftreten, bedrohen diese Kulturlandschaft. Was geschieht, wenn es im Winter immer mehr und im Sommer immer weniger regnet?
- Das Forschungsprojekt COMTESS ist diesen Fragen nachgegangen und hat die nachhaltige Landnutzung von Küstenräumen untersucht. In diesem
- Projekt haben Wissenschaftler analysiert, welchen Herausforderungen sich die Menschen des tiefliegenden Küstengebietes heute und zukünftig
- stellen müssen. Gemeinsam mit Experten aus dem Wassermanagement, Naturschutz, Tourismus und der Landwirtschaft, aber auch aus der
- Regionalpolitik und Planung wurde eine mögliche Anpassungsstrategie entwickelt. Leena Karrasch ist die koordinierende Wissenschaftlerin von COMTESS.
- "Wir haben unterschiedliche Landnutzungsoptionen entwickelt. Neben dem "weiter so wie bisher" haben wir untersucht, wie sich Wasserrückhaltebecken, sogenannte Polder,
- auf die Landnutzung auswirken werden. Auch wenn es am Anfang für alle Beteiligten nicht so einfach war, sich vorzustellen, Teile der Landschaft unter
- Wasser zu setzen, sind wir am Ende doch zu einer von allen akzeptierten Lösung gekommen."
- Bereits jetzt fallen durch extreme Wetterereignisse große Regenwassermengen an. Entlastungspolder sind eine Möglichkeit, dieses Wasser aufzunehmen. Der tiefste Punkt Niedersachsens,
- das Freepsumer Meer, liegt zweieinhalb Meter unter dem Meeresspiegel. Es wäre als Entlastungspolder bestens geeignet. "Der Vorteil, wenn man hier einen
- Entlastungspolder anlegen würde, wäre, dass viel Wasser gespeichert werden kann. Zudem werden die umliegenden Flächen vor Überflutung geschützt und
- die entstandene Wasserfläche, die könnte man ganz vielfältig nutzen. Zum Beispiel für den Naturschutz oder für Tourismus. Also da gibt es sehr viele
- Nutzungsmöglichkeiten, die sich dann anbieten. Zudem können auch die Gräben, die die ganzen Felder, Wiesen, Weiden, hier umgeben,
- die könnten auch vergrößert werden. Dadurch würde noch mehr Wasser aus der Umgebung aufgenommen werden."
- Das Schilf der Randgebiete könnte als Baustoff verwendet werden. Wertvolle Feuchtgebiete für unterschiedliche Tier- und Pflanzenarten würden entstehen.
- In trockenen Sommermonaten könnte das gespeicherte Wasser zur Bewässerung genutzt werden. Die Überflutung dieser Flächen
- schränkt zwar deren landwirtschaftliche Nutzung stark ein. Die umliegenden Flächen könnten jedoch beweidet werden. Um das angrenzende Land vor Überflutung
- zu schützen wären nur einige flache Wälle nötig. Das so gespeicherte Wasser wird in die Nordsee geleitet, also gesielt.
- "Die Ergebnisse unseres Forschungsprojekts COMTESS zeigen, dass schon ab dem Jahr 2080 kein Sielen mehr möglich sein wird.
- Beim Sielen fließt das Regenwasser aus Poldern und Gräben zurück in die Nordsee. Das geht aber nur bei Niedrigwasser, also
- bei Ebbe. Bei Flut oder Hochwasser schließen sich die Siel-Tore. Dadurch wird verhindert, dass bei Flut das salzige Meerwasser in das Land
- hinter den Deichen fließt. "Es ist nun so, dass wenn der Meeresspiegel steigt um einen Meter, dann ist auch der Wasserstand bei Ebbe etwa einen Meter höher und das bedeutet
- dann wiederum, dass das Regenwasser nicht mehr natürlich in die Nordsee abfließen kann und diese Tore müssen immer geschlossen bleiben."
- Die COMTESS-Forscher zeigen: Immer höhere Deiche sind keine Lösung. Zum Ende des Jahrhunderts muss fast alles abfließende Regenwasser vom Land
- in die Nordsee gepumpt werden. Das benötigt viel Energie und ist teuer. Schon heute erreicht die Pump- Kapazität des Siel- und Schöpfwerks
- Emden Knock ihre Grenze. Eine Alternative zum ständigen Abpumpen des Regenwassers ist die Rückhaltung in
- besonders tief gelegenen Gebieten. Diese Wasser-Rückhalteflächen, also die Entlastungspolder, werden dadurch von Weiden zu Wasserlandschaften. In ihnen
- würde das Regenwasser, das im Winter im Überschuss anfällt, bis über den folgenden Sommer gespeichert. "Diese Art der Landnutzung haben wir gemeinsam mit
- der Regionalgruppe Krummhörn entwickelt. Die lokalen und regionalen Entscheidungsträger, die dort mitgewirkt haben, vertreten die gemeinschaftlichen
- Interessen der Gemeinde Krummhörn. Dazu zählen Wasser- und Küstenmanagement, die Landwirtschaft, der Naturschutz, die Regionalpolitik und -planung
- sowie der Tourismus." In dem fünfjährigen Forschungsprozess haben die Wissenschaftler gemeinsam mit
- den Projektbeteiligten aus der Region eine realistische Anpassungsmöglichkeit entwickelt. Die Zusammenarbeit der Regionalgruppe Krummhörn mit dem
- Forschungsprojekt COMTESS hat so zu einer akzeptierten Lösung geführt. Die gemeinsam entwickelte Strategie wurde in dem Entwurf des regionalen
- Raumordnungsprogramms aus dem Jahr 2015 vom Landkreis Aurich aufgenommen. Dies ist ein großer Erfolg von COMTESS: Forschung in nachhaltige Entwicklung
- umzusetzen und mögliche Folgen des Klimawandels abzuschwächen. Für eine sichere Zukunft von Deutschlands Küsten wurde COMTESS mit
- 3,3 Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Das Nachfolgeprojekt RELEEZE sowie das Projekt Ruins erforschen ökologische
- und ökonomische Folgen an deutschen Küsten durch den Klimawandel.
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