Nachhaltiger Küstenschutz Universität Oldenburg https://www.youtube.com/watch?v=MwP6B8OeagE Transkript (automatisch erstellt) 0:20 Krummhörn, südwestlicher Zipfel der ostfriesischen Halbinsel. Diese Küstenlandschaft zwischen Greetsiel und Emden liegt zu großen Teilen unter dem 0:30 Meeresspiegel und wird durch Deiche vor der Flut geschützt. Doch wie wird der Klimawandel die tiefliegende Küstenregion beeinflussen? 0:43 Das Marschland wird als Ackerland genutzt und auch zur Weidewirtschaft. Hier werden große Erträge an Weizen, Gerste, Raps und Mais erzielt. 0:55 Dieses fruchtbare Land wird nicht nur durch den steigenden Meeresspiegel bedroht. Sturmfluten und Starkregen-Ereignisse, wie sie 1:04 durch den Klimawandel immer häufiger auftreten, bedrohen diese Kulturlandschaft. Was geschieht, wenn es im Winter immer mehr und im Sommer immer weniger regnet? 1:13 Das Forschungsprojekt COMTESS ist diesen Fragen nachgegangen und hat die nachhaltige Landnutzung von Küstenräumen untersucht. In diesem 1:25 Projekt haben Wissenschaftler analysiert, welchen Herausforderungen sich die Menschen des tiefliegenden Küstengebietes heute und zukünftig 1:33 stellen müssen. Gemeinsam mit Experten aus dem Wassermanagement, Naturschutz, Tourismus und der Landwirtschaft, aber auch aus der 1:42 Regionalpolitik und Planung wurde eine mögliche Anpassungsstrategie entwickelt. Leena Karrasch ist die koordinierende Wissenschaftlerin von COMTESS. 1:56 "Wir haben unterschiedliche Landnutzungsoptionen entwickelt. Neben dem "weiter so wie bisher" haben wir untersucht, wie sich Wasserrückhaltebecken, sogenannte Polder, 2:05 auf die Landnutzung auswirken werden. Auch wenn es am Anfang für alle Beteiligten nicht so einfach war, sich vorzustellen, Teile der Landschaft unter 2:14 Wasser zu setzen, sind wir am Ende doch zu einer von allen akzeptierten Lösung gekommen." 2:29 Bereits jetzt fallen durch extreme Wetterereignisse große Regenwassermengen an. Entlastungspolder sind eine Möglichkeit, dieses Wasser aufzunehmen. Der tiefste Punkt Niedersachsens, 2:43 das Freepsumer Meer, liegt zweieinhalb Meter unter dem Meeresspiegel. Es wäre als Entlastungspolder bestens geeignet. "Der Vorteil, wenn man hier einen 2:54 Entlastungspolder anlegen würde, wäre, dass viel Wasser gespeichert werden kann. Zudem werden die umliegenden Flächen vor Überflutung geschützt und 3:04 die entstandene Wasserfläche, die könnte man ganz vielfältig nutzen. Zum Beispiel für den Naturschutz oder für Tourismus. Also da gibt es sehr viele 3:13 Nutzungsmöglichkeiten, die sich dann anbieten. Zudem können auch die Gräben, die die ganzen Felder, Wiesen, Weiden, hier umgeben, 3:19 die könnten auch vergrößert werden. Dadurch würde noch mehr Wasser aus der Umgebung aufgenommen werden." 3:29 Das Schilf der Randgebiete könnte als Baustoff verwendet werden. Wertvolle Feuchtgebiete für unterschiedliche Tier- und Pflanzenarten würden entstehen. 3:38 In trockenen Sommermonaten könnte das gespeicherte Wasser zur Bewässerung genutzt werden. Die Überflutung dieser Flächen 3:45 schränkt zwar deren landwirtschaftliche Nutzung stark ein. Die umliegenden Flächen könnten jedoch beweidet werden. Um das angrenzende Land vor Überflutung 3:55 zu schützen wären nur einige flache Wälle nötig. Das so gespeicherte Wasser wird in die Nordsee geleitet, also gesielt. 4:11 "Die Ergebnisse unseres Forschungsprojekts COMTESS zeigen, dass schon ab dem Jahr 2080 kein Sielen mehr möglich sein wird. 4:18 Beim Sielen fließt das Regenwasser aus Poldern und Gräben zurück in die Nordsee. Das geht aber nur bei Niedrigwasser, also 4:26 bei Ebbe. Bei Flut oder Hochwasser schließen sich die Siel-Tore. Dadurch wird verhindert, dass bei Flut das salzige Meerwasser in das Land 4:36 hinter den Deichen fließt. "Es ist nun so, dass wenn der Meeresspiegel steigt um einen Meter, dann ist auch der Wasserstand bei Ebbe etwa einen Meter höher und das bedeutet 4:48 dann wiederum, dass das Regenwasser nicht mehr natürlich in die Nordsee abfließen kann und diese Tore müssen immer geschlossen bleiben." 4:57 Die COMTESS-Forscher zeigen: Immer höhere Deiche sind keine Lösung. Zum Ende des Jahrhunderts muss fast alles abfließende Regenwasser vom Land 5:06 in die Nordsee gepumpt werden. Das benötigt viel Energie und ist teuer. Schon heute erreicht die Pump- Kapazität des Siel- und Schöpfwerks 5:16 Emden Knock ihre Grenze. Eine Alternative zum ständigen Abpumpen des Regenwassers ist die Rückhaltung in 5:27 besonders tief gelegenen Gebieten. Diese Wasser-Rückhalteflächen, also die Entlastungspolder, werden dadurch von Weiden zu Wasserlandschaften. In ihnen 5:38 würde das Regenwasser, das im Winter im Überschuss anfällt, bis über den folgenden Sommer gespeichert. "Diese Art der Landnutzung haben wir gemeinsam mit 5:48 der Regionalgruppe Krummhörn entwickelt. Die lokalen und regionalen Entscheidungsträger, die dort mitgewirkt haben, vertreten die gemeinschaftlichen 5:55 Interessen der Gemeinde Krummhörn. Dazu zählen Wasser- und Küstenmanagement, die Landwirtschaft, der Naturschutz, die Regionalpolitik und -planung 6:04 sowie der Tourismus." In dem fünfjährigen Forschungsprozess haben die Wissenschaftler gemeinsam mit 6:13 den Projektbeteiligten aus der Region eine realistische Anpassungsmöglichkeit entwickelt. Die Zusammenarbeit der Regionalgruppe Krummhörn mit dem 6:23 Forschungsprojekt COMTESS hat so zu einer akzeptierten Lösung geführt. Die gemeinsam entwickelte Strategie wurde in dem Entwurf des regionalen 6:32 Raumordnungsprogramms aus dem Jahr 2015 vom Landkreis Aurich aufgenommen. Dies ist ein großer Erfolg von COMTESS: Forschung in nachhaltige Entwicklung 6:43 umzusetzen und mögliche Folgen des Klimawandels abzuschwächen. Für eine sichere Zukunft von Deutschlands Küsten wurde COMTESS mit 6:52 3,3 Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Das Nachfolgeprojekt RELEEZE sowie das Projekt Ruins erforschen ökologische 7:05 und ökonomische Folgen an deutschen Küsten durch den Klimawandel.