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Textquellenanalyse in Geschichte: So gehst du vor! | STARK erklärt
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 29 Zeilen
- Geschichte ist wie eine Reise in die Vergangenheit. Aber woher wissen wir eigentlich, wie es früher gewesen ist? Um das herauszufinden,
- beschäftigen sich Historiker mit vielen unterschiedlichen Quellen. Dazu gehören Briefe, Münzen, Bauwerke, Zeitungen, Lieder, Gemälde oder Fotografien.
- Wie du schriftliche Quellen oder Textquellen zum Sprechen bringst, das erfährst du in diesem Video. Schauen wir uns an einem Auszug aus einer Rede beispielhaft an, wie du formale,
- inhaltliche und sprachliche Aspekte aus einer Textquelle herausarbeiten kannst. Liest dir erst einmal die Überschrift und die einleitenden Hinweise gut durch. Sie erleichtern
- oft das Verständnis. Anschließend liest du dir den Quellentext aufmerksam durch. Jetzt hast du dir bereits einen ersten Überblick verschafft. Nun arbeitest du die formalen Aspekte heraus. Dazu
- gehören die konkrete Quellenart, der Verfasser der Quelle sowie Zeitpunkt und Ort ihrer Entstehung. In diesem Fall handelt es sich um eine politische Rede. In der Einleitung erfährst du,
- dass die Rede vom SPD-Politiker und damaligen Reichsministerpräsidenten Gustav Bauer gehalten wurde und zwar am 23. Juni 1919 in der Weimarer Nationalversammlung. Klären musst du auch,
- an welche Adressaten sich ein Text richtet. Bauer hat die Rede vor den Abgeordneten der Nationalversammlung gehalten. Möglicherweise wurde seine Ansprache aber noch in einer Zeitung
- veröffentlicht, sodass sie sich zusätzlich an die damalige Öffentlichkeit richtete. Besonders wichtig ist der Inhalt des Textes, dessen wesentliche Aussagen du mit eigenen Worten
- zusammenfassen sollst. Es empfiehlt sich, die Quelle in Sinnabschnitte einzuteilen, um die Gliederung und den Aufbau der Argumentation zu verdeutlichen. Beziehe in deine eigene Darstellung
- auch zentrale Begriffe und Formulierungen ein und verwende die indirekte Rede oder direkte Zitate, um die Meinung des Verfassers wiederzugeben. Thematisch geht es in diesem Text um die
- Unterzeichnung des Versailler Vertrags durch Deutschland. Bauers Ausführungen zu diesem Thema kannst du gut in zwei Abschnitte aufteilen. Im ersten Teil verweist Bauer darauf, dass
- die Nationalversammlung gestern mehrheitlich für die bedingte Unterzeichnung des Vertrags gestimmt habe. Auf diese Weise habe man noch versucht, die Zuweisung der Kriegsschuld, ein unwahres
- erpresstes Schuldbekenntnis, zu verhindern und die eigene Ehre zu bewahren. Dieses Vorhaben sei aber an der Entente gescheitert. Im zweiten Teil ruft Bauer dazu auf, heute nicht mehr zu protestieren,
- sondern den Vertrag bedingungslos zu unterzeichnen. Dies sei unvermeidlich, da das Ultimatum der Siegermächte bald ablaufe und Deutschland nicht mehr kämpfen könne. Bauer
- betont jedoch auch, dass Deutschland zwar wehrlos, aber keinesfalls ehrlos sei. Nimm bei diesem Text auch die sprachliche Gestaltung in den Blick, da diese den Inhalt noch verstärkt. So unterstreichen
- hier Formulierungen wie unwahres erpresstes Schuldbekenntnis, Verknechtung, Verachtung an Leib und Seele vergewaltigt oder Folterszene, das Bauer den Umgang der Siegermächte mit dem besiegten
- Deutschland ungerecht findet. Für das Verständnis des Textes ist außerdem der historische Kontext wichtig. Auf welche Ereignisse bezieht sich die Quelle? Vor welchem zeitgeschichtlichen
- Hintergrund ist sie entstanden? Suche hierfür nach Hinweisen in den einleitenden Informationen sowie im Quellentext selbst und greife auf dein Wissen zurück. Nach der Niederlage Deutschlands im Ersten
- Weltkrieg und dem Waffenstillstand im Herbst 1918 handelten die Siegermächte ab Januar 1919 ohne deutsche Beteiligung den Versailler Vertrag aus. Dabei sorgte insbesondere der Kriegsschuld
- Artikel 231 für Empörung in Deutschland. Der Vertrag war jedoch mit einem Ultimatum verbunden. Sollte Deutschland nicht unterzeichnen, werde der Waffenstillstand aufgehoben. In diesem Kontext
- ist Bauers Rede vom 23. Juni 1919 einzuordnen. Schließlich wurde der Versa Vertrag am 28. Juni 1919 von Seiten Deutschlands unterzeichnet und stellte anschließend eine große Belastung für
- die Weimarer Republik dar. Stelle dir nun noch die Frage, welche Intentionen der Verfasser bzw. Redner verfolgt. Zum einen versucht Bauer seine Zuhörer von seiner Position zu überzeugen.
- Seiner Ansicht nach bleibt Deutschland nichts anderes mehr übrig, als den Friedensvertrag zu unterzeichnen. Zum anderen scheint Bauer aber auch sein eigenes Handeln rechtfertigen
- zu wollen. Die Reichsregierung habe noch versucht ein so Bauer unwahres erpresstes Schuldbekenntnis zu verhindern, was aber an den Siegermächten gescheitert sei. So, jetzt die Aspekte der
- Quellenanalyse noch einmal zusammengefasst. Zu den formalen Merkmalen gehören die Quellenart, der Verfasser der Quelle sowie Zeitpunkt und Ort ihrer Entstehung. Außerdem die Adressaten, an die sich
- der Text richtet. Bei der Erschließung des Inhalts sollte man wesentliche Aussagen zusammenfassen, den Aufbau der Argumentation herausarbeiten und die Meinung des Verfassers deutlich machen. Die
- sprachliche Gestaltung kann den Inhalt noch verstärken. Die Einordnung einer Quelle in den historischen Kontext hilft dabei, einzelne Inhalte besser zu verstehen. Außerdem sollte die
- Intention des Verfassers herausgearbeitet werden, also die Absicht, die hinter dem Text steckt.