Textquellenanalyse in Geschichte: So gehst du vor! | STARK erklärt STARK Verlag https://www.youtube.com/watch?v=HxaHzHHMHlE Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Geschichte ist wie eine Reise in die Vergangenheit. Aber woher wissen wir eigentlich, wie es früher gewesen ist? Um das herauszufinden, 0:07 beschäftigen sich Historiker mit vielen unterschiedlichen Quellen. Dazu gehören Briefe, Münzen, Bauwerke, Zeitungen, Lieder, Gemälde oder Fotografien. 0:18 Wie du schriftliche Quellen oder Textquellen zum Sprechen bringst, das erfährst du in diesem Video. Schauen wir uns an einem Auszug aus einer Rede beispielhaft an, wie du formale, 0:39 inhaltliche und sprachliche Aspekte aus einer Textquelle herausarbeiten kannst. Liest dir erst einmal die Überschrift und die einleitenden Hinweise gut durch. Sie erleichtern 0:49 oft das Verständnis. Anschließend liest du dir den Quellentext aufmerksam durch. Jetzt hast du dir bereits einen ersten Überblick verschafft. Nun arbeitest du die formalen Aspekte heraus. Dazu 1:01 gehören die konkrete Quellenart, der Verfasser der Quelle sowie Zeitpunkt und Ort ihrer Entstehung. In diesem Fall handelt es sich um eine politische Rede. In der Einleitung erfährst du, 1:12 dass die Rede vom SPD-Politiker und damaligen Reichsministerpräsidenten Gustav Bauer gehalten wurde und zwar am 23. Juni 1919 in der Weimarer Nationalversammlung. Klären musst du auch, 1:26 an welche Adressaten sich ein Text richtet. Bauer hat die Rede vor den Abgeordneten der Nationalversammlung gehalten. Möglicherweise wurde seine Ansprache aber noch in einer Zeitung 1:35 veröffentlicht, sodass sie sich zusätzlich an die damalige Öffentlichkeit richtete. Besonders wichtig ist der Inhalt des Textes, dessen wesentliche Aussagen du mit eigenen Worten 1:46 zusammenfassen sollst. Es empfiehlt sich, die Quelle in Sinnabschnitte einzuteilen, um die Gliederung und den Aufbau der Argumentation zu verdeutlichen. Beziehe in deine eigene Darstellung 1:57 auch zentrale Begriffe und Formulierungen ein und verwende die indirekte Rede oder direkte Zitate, um die Meinung des Verfassers wiederzugeben. Thematisch geht es in diesem Text um die 2:08 Unterzeichnung des Versailler Vertrags durch Deutschland. Bauers Ausführungen zu diesem Thema kannst du gut in zwei Abschnitte aufteilen. Im ersten Teil verweist Bauer darauf, dass 2:18 die Nationalversammlung gestern mehrheitlich für die bedingte Unterzeichnung des Vertrags gestimmt habe. Auf diese Weise habe man noch versucht, die Zuweisung der Kriegsschuld, ein unwahres 2:30 erpresstes Schuldbekenntnis, zu verhindern und die eigene Ehre zu bewahren. Dieses Vorhaben sei aber an der Entente gescheitert. Im zweiten Teil ruft Bauer dazu auf, heute nicht mehr zu protestieren, 2:44 sondern den Vertrag bedingungslos zu unterzeichnen. Dies sei unvermeidlich, da das Ultimatum der Siegermächte bald ablaufe und Deutschland nicht mehr kämpfen könne. Bauer 2:55 betont jedoch auch, dass Deutschland zwar wehrlos, aber keinesfalls ehrlos sei. Nimm bei diesem Text auch die sprachliche Gestaltung in den Blick, da diese den Inhalt noch verstärkt. So unterstreichen 3:08 hier Formulierungen wie unwahres erpresstes Schuldbekenntnis, Verknechtung, Verachtung an Leib und Seele vergewaltigt oder Folterszene, das Bauer den Umgang der Siegermächte mit dem besiegten 3:22 Deutschland ungerecht findet. Für das Verständnis des Textes ist außerdem der historische Kontext wichtig. Auf welche Ereignisse bezieht sich die Quelle? Vor welchem zeitgeschichtlichen 3:33 Hintergrund ist sie entstanden? Suche hierfür nach Hinweisen in den einleitenden Informationen sowie im Quellentext selbst und greife auf dein Wissen zurück. Nach der Niederlage Deutschlands im Ersten 3:44 Weltkrieg und dem Waffenstillstand im Herbst 1918 handelten die Siegermächte ab Januar 1919 ohne deutsche Beteiligung den Versailler Vertrag aus. Dabei sorgte insbesondere der Kriegsschuld 3:57 Artikel 231 für Empörung in Deutschland. Der Vertrag war jedoch mit einem Ultimatum verbunden. Sollte Deutschland nicht unterzeichnen, werde der Waffenstillstand aufgehoben. In diesem Kontext 4:09 ist Bauers Rede vom 23. Juni 1919 einzuordnen. Schließlich wurde der Versa Vertrag am 28. Juni 1919 von Seiten Deutschlands unterzeichnet und stellte anschließend eine große Belastung für 4:24 die Weimarer Republik dar. Stelle dir nun noch die Frage, welche Intentionen der Verfasser bzw. Redner verfolgt. Zum einen versucht Bauer seine Zuhörer von seiner Position zu überzeugen. 4:36 Seiner Ansicht nach bleibt Deutschland nichts anderes mehr übrig, als den Friedensvertrag zu unterzeichnen. Zum anderen scheint Bauer aber auch sein eigenes Handeln rechtfertigen 4:45 zu wollen. Die Reichsregierung habe noch versucht ein so Bauer unwahres erpresstes Schuldbekenntnis zu verhindern, was aber an den Siegermächten gescheitert sei. So, jetzt die Aspekte der 4:57 Quellenanalyse noch einmal zusammengefasst. Zu den formalen Merkmalen gehören die Quellenart, der Verfasser der Quelle sowie Zeitpunkt und Ort ihrer Entstehung. Außerdem die Adressaten, an die sich 5:09 der Text richtet. Bei der Erschließung des Inhalts sollte man wesentliche Aussagen zusammenfassen, den Aufbau der Argumentation herausarbeiten und die Meinung des Verfassers deutlich machen. Die 5:20 sprachliche Gestaltung kann den Inhalt noch verstärken. Die Einordnung einer Quelle in den historischen Kontext hilft dabei, einzelne Inhalte besser zu verstehen. Außerdem sollte die 5:31 Intention des Verfassers herausgearbeitet werden, also die Absicht, die hinter dem Text steckt.