Der neue Papst: Von Bruder Bob zu Leo XIV. | Glaube & Religion | Doku | BR Bayerischer Rundfunk https://www.youtube.com/watch?v=9qgY6_MTb38 Transkript (automatisch erstellt) 0:00 . Die ganze Welt schaut auf diesen Kamin. 0:04 Auch diese Welt, die zu der Zeit in Passau zu Gast ist. Hey, hey! 0:10 Afrika, Afrika, oh. Philippines, Philippines! - Brazil! 0:14 Hey! We need him! Mitglieder der Christlichen Arbeiterjugend aus der ganzen Welt 0:19 treffen sich zum 100-jährigen Bestehen der Organisation in Passau. Justament während in Rom der Papst gewählt wird. 0:27 Die Spannung steigt: Wer ist es? Habemus Papam. 0:34 Ah, it's the announcer. Aber jetzt. 0:42 Jetzt wird verkündet, wer neuer Papst ist. Pscht. 0:47 (TV) "Dominum Robertum Franciscum, Sanctae Romanae Ecclesiae Cardinalem Prevost." 0:58 Genauso haben wohl die allermeisten geschaut. Robert wer? 1:04 Untertitelung: BR 2025 Wer ist der Mann aus Chicago und Chiclayo, 1:12 der Augustiner, der Kurienkardinal, der US-Amerikaner und der Peruaner? Der jetzt 1,4 Mrd. Katholiken vorsteht 1:21 und der ein Mahner für den Frieden weltweit sein will. Der Friede sei mit euch allen. 1:37 Robert Prevost wird als jüngstes von drei Kindern 1955 in Chicago geboren. Sein ältester Bruder erinnert sich an die Kindheit: 1:47 Ich will nicht sagen, er ist "heilig" oder zu heilig. Es war etwas Spirituelles an ihm. 1:54 Er spielte gerne Priester. Oft. Welches kleine Kind spielt gerne Priester? 2:01 Die Brüder ziehen ihn sogar damit auf, dass er einmal Papst werde. Als er über der Brüstung des Balkons zu sehen war, sah ich seine Stirn, 2:13 dann seine Augen, das war wie ... Da brach ich fast in Tränen aus. Ihn da oben zu sehen. 2:21 Das ist mein Baby-Bruder! Er ist der Papst und winkt zur Menge. 2:29 Zunächst studiert Robert Mathematik und Philosophie in Pennsylvania, dann Theologie in Chicago und Rom. 2:36 1985 geht er als Missionar nach Peru. Nach einer weiteren Zeit in Rom 2:42 wird er 2015 Bischof der Diözese Chiclayo im Norden, wieder von Peru. Und die Leute dort muss er wohl so ins Herz geschlossen haben, 2:51 dass er sie in seiner allerersten Ansprache auf Spanisch begrüßt. A mi querida diócesis de Chiclayo en el Peru. 2:59 Und in Chiclayo ist man stolz auf den großen Sohn der Stadt, der seit 2015 auch peruanischer Staatsbürger ist. 3:07 Man feiert mit Sprechchören ... El Papa es chiclayano! 3:11 El Papa es chiclayano! ... Blaskapelle, ... 3:20 ... Pappaufstellern ... oder benennt gebratenes Zicklein nach ihm in seinem Stammlokal. 3:28 An diesem Tisch hat der jetzige heilige Vater Leo XIV. gegessen. Wir sind stolz, Chiclayanos zu sein. 3:36 Im Restaurant freut man sich nicht nur über, sondern auch mit ihm. Als Bürger von Chiclayo bin ich glücklich, als Peruaner auch. 3:45 Glücklich, dass wir erleben, dass Robert, mehr als ein Priester, mehr als ein Kardinal, mehr als ein Papst, ein Freund, 3:52 dass der jetzt an dem Ort ist, wo er ist. Auch ohne Papstamt hat man in Chiclayo 4:00 Prevost noch gut in Erinnerung, wegen seines Einsatzes für Arme und Flüchtlinge. 4:05 Die Kirche San Juan Maria Vianney heißt im Volksmund "Kirche der Migranten". 4:11 Hier hilft Lisbeth Diaz aus. Vor sieben Jahren floh sie, wie viele andere, 4:15 wegen der Lage unter dem Maduro-Regime aus Venezuela. In Peru musste sie bei Null anfangen. 4:22 Ich hab fast jeden Tag geweint. Ich wollte am liebsten wieder weg, 4:25 weil ich das Gefühl hatte, nutzlos zu sein. Doch als sie hier eine Messe mit Bischof Prevost 4:31 am "Tag der Migranten" besucht, schöpft sie Kraft. Es war sehr schön, weil wir uns wie zu Hause fühlten. 4:39 Und von Anfang an hat uns der Monsignore gesagt, dass wir uns nicht allein fühlen sollen, 4:44 weil wir nicht in unserem eigenen Land sind. Sondern dass wir hier gemeinsam weitergehen 4:49 in einer synodalen Kirche. Das Wort "synodale Kirche" wird später noch wichtig. 4:55 Auch diese Armenspeisung würde ohne Prevost so nicht existieren. Überhaupt scheint er ein Mann der Tat zu sein. 5:04 Wie Papst Franziskus hat Prevost diese große Liebe für die Schwächsten. 5:09 Ich denke, er hat tiefe Spuren bei uns Venezolanern hinterlassen, weil man diese Nähe zu den Menschen erleben konnte, 5:15 nicht nur zu den Migranten, sondern zu allen, die in Not sind. Denn als es in der Diözese zu Starkregen kam, 5:23 hat der Bischof sich Zeit für alle genommen, seine Stiefel angezogen, 5:27 ist in die Flutgebiete und hat persönlich mit angepackt. Bis heute erinnern sich die Leute in den Flutgebieten 5:37 noch an den Bischof in Gummistiefeln, der über die Lage aufklärt und selber Hilfsgüter verteilt. 5:47 Er kam mit dieser Zuneigung und Liebe. Er sagte: 5:53 "Sorge dich nicht, das geht vorbei." 2023 geht's wieder nach Rom. 6:00 Franziskus macht ihn zum Leiter des Dikasteriums für die Bischöfe, also so was wie die Personalabteilung, 6:06 und zum Kardinal. Doch Prevost ist auch Ordensmann, ein Augustiner. 6:11 Er war sogar von 2001 bis 2013 der Generalprior, der weltweite Chef. Nur, was machen die Augustiner? 6:19 Nein, Bier brauen sie nicht mehr. Sie gehören zu den Bettelorden, wie die Franziskaner, 6:24 mit Schwerpunkt auf Bildung in Städten. Auf Neudeutsch würde man sagen: für Citypastoral. 6:31 Wir waren zuständig für die Seelsorge in den Städten, außerhalb der Gemeinde, wo Leute durchs Raster fallen. 6:39 Von manchen werden die Augustiner etwas kritisch beäugt. Den Augustinern wird manchmal vorgeworfen, 6:45 sie hätten keine Spiritualität, weil unsere Ordensregel sehr kurz ist, 6:50 sehr knapp ist, nicht alles regelt, sondern eher Freiheiten lässt, die immer wieder neu durchdekliniert werden müssen 6:59 an dem Ort, wo man lebt und arbeitet. Pater Felix Meckl hat Robert Prevost mehrfach getroffen. 7:06 Wie hat er ihn erlebt? Für uns war er immer der Robert oder der Bob. 7:12 Und Bob war einfach ein Mitbruder auf Augenhöhe, auch wenn er General war, Vorsteher von 2800 Augustinern. 7:21 Aber trotzdem, er war interessiert. Er war witzig. 7:26 Er isst gerne scharf. Das waren alles Momente, 7:31 die mich als Studenten damals sehr beeindruckt haben, dass er auch den Kontakt gesucht hat, meinen Namen kannte 7:39 und er interessiert ist am Gegenüber, an Menschen. Hochintelligent und belesen 7:47 und hat ein gutes Gespür für Situationen und Bedürfnisse. Auch hier in Maria Eich bei Planegg südlich von München war er schon. 7:56 Denn als Ordenschef musste er alle Niederlassungen weltweit besuchen, und mit allen 2800 Brüdern zwischen der Bronx, Tokio und Papua Neuguinea 8:06 Einzelgespräche führen. Da bekommt man einen Einblick in die Weltkirche. 8:11 Und jetzt ist "Bruder Bob" auf einmal "Leo, der Papst". Wie geht's einem dabei? 8:18 Ich saß bei der Buchhaltung. Dann kam der weiße Rauch. Wir haben die Maiandacht ausfallen lassen, 8:24 haben die Leute eingeladen in unser Wohnzimmer zum Fernsehschauen. Und dann kommt das "Habemus Papam Gaudium Magnum". 8:31 Und dann kommt der Name "Robertum" ... Oh Gott, es gibt ja noch andere Roberts. 8:36 "Franciscum" ... oh nein ... ... "Cardinalem Prevost". 8:41 Und dann war uns klar, es ist wirklich Robert. Wir haben gejubelt, 8:45 wir haben gar nicht mitgekriegt, welchen Namen er sich gegeben hat. Die Freude war groß, Erstaunen 8:52 und auch schon so ein Anflug von "Ui, da hat er jetzt was zu tun." Um dem neuen Papst Kraft dafür zu wünschen, 9:03 feiern die Planegger Augustiner eine extra Abendmesse. Die Kirche ist rappelvoll. 9:08 Nur, wie heißt der neue Papst noch gleich? Liebe Schwestern, liebe Brüder, an diesem Abend 9:17 vor der Amtseinführung von Papst Franziskus ... Er heißt "Leo". 9:27 Papst Leo, so heißt er! Deutlicher kann man es nicht machen: 9:33 Sie sehen Leo in der Tradition von Franziskus. Doch in welcher Namenstradition sieht sich Leo XIV.? 9:42 Leo I., der Attila der Legende nach von der Plünderung Roms abgehalten hat? 9:48 Leo III., der Karl den Großen zum Kaiser gekrönt hat? Leo X., der den Augustinermönch Martin Luther exkommunizierte? 9:57 Oder Leo XIII., der für seine Soziallehre bekannt wurde? Papst Leo XIII. hat mit der berühmten Enzyklika "Rerum Novarum" 10:09 die soziale Frage im Zusammenhang mit der ersten großen industriellen Revolution 10:14 angesprochen. Und heute bietet die Kirche allen den Schatz ihrer Soziallehre an, 10:21 um auf eine weitere industrielle Revolution und auf die Entwicklungen 10:26 der künstlichen Intelligenz zu antworten, die neue Herausforderungen 10:30 im Hinblick auf die Verteidigung der Menschenwürde, der Gerechtigkeit und der Arbeit mit sich bringen. 10:40 Die Rechte in der Arbeitswelt, das ist auch Thema der Christlichen Arbeiterjugend in Passau. 10:45 Die geht sogar auf Leo XIII. zurück. Man freut sich, dass der Papst das Thema in den Fokus rückt. 10:52 Doch schnell stellt man fest: Jedes Land hat seine eigenen Probleme. 10:58 Derzeit reden wir auch über illegalen Abbau. Der zerstört unsere Umwelt. 11:06 Als Hauptthema diskutieren wir gerade über mentale Gesundheit bei jungen Arbeitnehmern. 11:11 Aber auch bei Leuten aus der LGBTQ-Gemeinschaft, die am verwundbarsten sind, was diese Dinge angeht. 11:19 Er kann uns helfen, einen Dialog zu führen oder versuchen, Trump dazu zu bringen, 11:24 die Sanktionen gegen Kuba, Nicaragua und Venezuela aufzuheben. Feminismus und Tierrechte sollten wichtig sein, denk ich. 11:33 Wie soll ein Papst all diese Probleme in eine neue Soziallehre einfließen lassen? 11:39 Wenn ich mit jemandem aus dem globalen Süden rede, die haben andere Probleme vor der Brust, so an sich. 11:45 Aber die unterhalten sich auch darüber, wie die Arbeit geht, wie Glauben geht. 11:49 Man muss den gemeinsamen Nenner suchen und finden. Ich bin mir sicher, dass der da ist. 11:54 Bei genauem Hinhören merkt man nämlich, so verschieden sind die Probleme gar nicht. 12:01 Viele Frauen erfahren Geschlechter-Ungleichheit. Es ist normalerweise schwierig für Frauen, 12:07 aufzusteigen und Karriere zu machen. Es wird viel über die Lebenshaltungskosten diskutiert. 12:14 Alles ist so teuer. Die Leute können sich das Leben nicht mehr leisten. 12:19 Wir zerstören die Umwelt, die der Herr uns gab. Klimawandel. 12:23 Wir haben große Probleme mit Migration. Wir haben viel mit Migration zu tun. 12:27 Leute, die hauptsächlich aus Südamerika kommen und Arbeit suchen. Da braucht es klare Regeln. 12:34 Genug zu tun, nicht nur für die Christliche Arbeiterjugend. Gut, dass der Papst in den USA und Peru daheim ist, 12:42 in der Peripherie und in der römischen Zentrale. Und wie will der globale Leo diese Probleme angehen? 12:51 Die Aufmerksamkeit für den "Sensus Fidei", den Glaubensverstand, insbesondere in seinen typischsten und inklusivsten Formen, 12:59 wie der Volksfrömmigkeit. Was meint Leo denn mit Glaubensverstand? 13:06 Früher hatte man immer unterschieden. Es gibt auf der einen Seite die "lehrende Kirche". 13:11 Das waren dann im Zweifel die Bischöfe. Und auf der anderen Seite die "lernende Kirche", 13:16 das waren dann alle anderen. Das Bild hat nie gepasst. 13:19 Und es ist jetzt sehr stark in die Veränderung hineingekommen, der Glaubenssinn des Gottesvolkes. 13:26 Papst Franziskus hat mal gesagt, es ist ein Spürsinn, es ist ein kritischer Sinn. 13:31 Es ist aber auch ein Sinn, der zeigt, was die Kirche tatsächlich zusammenhält. 13:37 Thomas Söding ist Theologieprofessor und einer der obersten Laienvertreter der deutschen Katholiken. 13:42 Wie, denkt er, wird Leo die Kirche leiten? Von oben nach unten oder gemeinsam mit den Gläubigen, also synodal? 13:50 Wir haben drei klare Signale, dass Leo der XIV. ein synodaler Papst sein wird. 13:56 Das eine ist, dass er selber als Bischof in Peru gar nicht von oben herab die Kirche hat regieren können, 14:05 sondern dass er da von Anfang an auf sehr viel Laienbeteiligung, auch auf die Beteiligung von Ordensleuten, 14:11 nicht zuletzt auch von Indigenen gesetzt hat. Zweitens, er hat während der Weltsynode, 14:18 in der es ja um Synodalität, um mehr Partizipation ging, eine sehr aktive, sehr konstruktive Rolle gespielt. 14:26 Und drittens: Er hat klar und deutlich erklärt mit seinen ersten Worten, 14:31 dass er den Kurs von Papst Franziskus fortsetzt. Er wird keine Kopie von Franziskus sein, 14:36 es braucht auch etwas mehr Ruhe und rechtliche Klarheit in diesen synodalen Prozessen, aber die Richtung stimmt. 14:44 Söding hat den damaligen Kardinal Prevost im Februar in Rom persönlich getroffen 14:49 und sich da über die deutsche Reformdebatte, den synodalen Weg ausgetauscht. 14:54 Der war in Rom zeitweise gar nicht gut gelitten. Es gab ein paar Unzulänglichkeiten in der Kommunikation 15:02 zwischen Rom und dem synodalen Weg in Deutschland. Da hat sich nicht zuletzt auch durch die Person von Prevost 15:12 doch einiges zum Guten gewandelt. Für mich ist ein ganz entscheidender Faktor derjenige gewesen, 15:19 dass er sich wirklich mit den Originaltexten beschäftigt hat. Wirklich interessiert war, 15:25 worum es in Deutschland auf dem synodalen Weg geht. Und dann sieht die Welt sofort anders aus. 15:32 Doch was gehört zum Kern des Glaubens? Und was kann, was muss vielleicht sogar, 15:37 geändert werden? Dafür hat Papst Franziskus die Weltsynode ins Leben gerufen. 15:42 Nicht nur von oben herab aus Rom, gemeinsam sollen Bischöfe und Laien aus der ganzen Welt 15:48 über die Zukunft der Kirche beraten. Leo sieht sich in der gleichen Tradition. 15:53 Aber was ist etwa mit der Rolle der Frau? Frauen als Diakoninnen oder Priesterinnen? 15:59 Gibt's vielleicht irgendwann gar eine "Päpstin Leonie"? Helena Jeppesen-Spuhler und Klara Csiszar 16:05 arbeiten auf der Weltsynode mit. Wie steht's um die Frauenordination, also -weihe? 16:11 Manche Bischöfe haben gesagt: Wenn das passiert, wenn Frauen ordiniert werden, 16:15 das ist nicht mehr die katholische Kirche. Andere Bischöfe sagen: 16:19 Wenn das nicht passiert, ist das nicht mehr die katholische Kirche. Da finde ich schon: Wir müssen den Weg gemeinsam gehen. 16:26 Eine Frage also, die die Kirche spalten könnte. Aber was, meinen sie, hält der Papst von der Frauenweihe? 16:33 Ich denke, da hat er selber noch keine Antwort drauf. Doch die beiden haben Hinweise, 16:39 wie er als Kardinal bisher zu Frauen stand. Die Frauen, die bei ihm im Dikasterium arbeiten, 16:46 haben ja auch offen gesagt, dass sie wirklich eine sehr gute Zusammenarbeit mit ihm hatten, 16:51 auf Augenhöhe. Das ist nicht selbstverständlich. Da sind wir sehr gespannt. 16:55 Manchmal denken wir, dass wir schon so weit weg in Europa hinsichtlich Frauen sind. 17:01 Ich denke, da hatte er die beste Schulung in Südamerika, weil die sind wirklich schon weiter, 17:08 was Frauen und die Rolle der Frau anbelangt. Da können wir schon auch was lernen. 17:17 Beide sprechen einerseits von einer Hoffnung für die Kirche. Alleine die Tatsache, dass die Kardinäle, 133 ... 17:25 Obwohl es immer wieder hieß, die kennen sich nicht, die kommen aus aller Welt, 17:29 die gehen mehr auseinander als zueinander: Diese Wahl hat das Gegenteil bestätigt. 17:35 Es war ein Konsens da. Andererseits könnte Leo auch eine Hoffnung für die Welt sein. 17:44 Mich hat es beruhigt, zu sehen, wie er die Chance dieser Stunden nutzt 17:48 rund um seine Amtseinführung, wie er sich gleich 17:51 mit wichtigen Politikerinnen und Politikern getroffen hat und die Chance eben nutzt. 17:56 Man sieht da auch, dass die Kirche den Auftrag in der Welt wahrnimmt. Und tatsächlich: 18:02 Die mächtigsten Männer und Frauen des Planeten machen dem Chef des kleinsten Landes der Welt ihre Aufwartung. 18:08 Nicht alle sind Katholiken, manche nicht mal Christen. Und alle erinnert er bei seiner Amtseinführung 18:15 an sein erstes Wort als Papst: Frieden. Vergessen wir nicht die Brüder und Schwestern, 18:25 die wegen der Kriege leiden. In Gaza sind Kinder, Familien und ältere Überlebende 18:33 dem Hunger ausgeliefert. In Myanmar haben neue Feindseligkeiten 18:46 unschuldige Menschenleben gefordert. Die gepeinigte Ukraine wartet darauf, 18:52 dass es endlich Verhandlungen für einen gerechten und dauerhaften Frieden gibt. 19:00 Aber warum liegt das Thema dem Augustinerpapst am Herzen? Professor Massimo Faggioli 19:06 unterrichtet an der Augustiner-Universität Villanova in Pennsylvania, an der auch Prevost studiert hat. 19:13 Als Augustiner weiß er sehr gut, dass der heilige Augustinus derjenige ist, 19:18 der eine bestimmte Vorstellung von Krieg und Frieden begründet hat. In diesem Bereich konnten wir einige interessante Initiativen sehen, 19:26 in praktischer Hinsicht und auch als intellektuelle Reflexion darüber, 19:31 was gerechter Krieg oder gerechter Frieden bedeutet, im Zeitalter von Drohnen oder künstlicher Intelligenz. 19:39 Einen Tag nach seiner Amtseinführung trifft der Papst sich mit US-Vizepräsident JD Vance. 19:45 Das Geschenk für Vance versieht er mit einem dezenten Hinweis: Der Frieden ist eine fragile Blume. 19:53 Leo spricht aber auch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. 19:58 Und auf einmal ist der Vatikan im Zentrum der Weltpolitik. Auf der anderen Seite hören wir hier aus Washington noch nichts, 20:08 außer dem schriftlichen Statement von Donald Trump, der eben sagt, er gibt quasi den Ball der Verhandlungen ab. 20:14 Er hat jetzt vorgeschlagen, dass der Vatikan die Verhandlungen übernehmen könnte, 20:18 die Friedensgespräche übernehmen könnte. Das ist etwas, 20:22 das der neue Papst schon vor einigen Tagen ins Gespräch brachte. Ehrenwert, doch wie soll jemand mit einer Handvoll Schweizergardisten 20:29 den Konflikt lösen, den nicht mal der "Deal Maker" Donald Trump lösen konnte? 20:37 Wie stehen überhaupt der US-Papst und der US-Präsident zueinander? Ein bisschen überrascht, aber wir sind sehr glücklich. 20:49 Es ist eine große, absolut große Ehre. Doch Trump könnte sich über seinen Landsmann noch ärgern, 20:55 meint Prof. Faggioli. Sicher ist, dass die Trump-Regierung nach dem 8. Mai weiß, 21:02 dass sie den Katholizismus nicht mehr so manipulieren kann wie zuvor, im Sinne einer stärkeren Amerikanisierung 21:10 nach dem Vorbild von Donald Trump. Da ist jetzt Vorsicht geboten. 21:17 Schon als Kardinal hatte sich Prevost mit Vance angelegt. Der hatte sich im Rückgriff auf den heiligen Augustinus 21:23 öffentlich so geäußert: Ich denke, es ist übrigens ein sehr christliches Konzept, 21:29 du liebst deine Familie, dann liebst du deinen Nachbarn, dann liebst du deine Gemeinde, 21:33 dann liebst du deine Mitbürger in deinem eigenen Land, und danach kannst du dich auf den Rest der Welt fokussieren. 21:41 Darauf twitterte der Augustiner Prevost: "JD Vance liegt falsch: 21:47 Jesus verlangt nicht von uns, unsere Liebe zu anderen abzustufen." Vertieft Leo die Spaltung in den USA? 21:57 Liberale Stimmen jubeln: Heiliger Vater, Sie hatten mich bei: "JD Vance liegt falsch." 22:07 Die Republikaner dagegen schießen schon am Tag seiner Wahl gegen den Papst: 22:12 Er sprach spanisch. Er ist Amerikaner. Und er spricht nicht mal englisch. 22:17 Er sprach lateinisch, spanisch und italienisch, aber nicht englisch. Wie kann man behaupten, das ist ein amerikanischer Papst, 22:24 wenn er nicht mal die Muttersprache sprechen will? Ich finde das sehr verstörend. 22:28 Und die Trump-Aktivistin Laura Loomer spricht gar vom "woke marxist pope". Massimo Faggioli sieht den Papst dagegen als Brückenbauer, 22:37 weil er als Augustiner ein Mann der Mitte sei. Er steht Extremen sowohl auf der einen 22:44 als auch auf der anderen Seite skeptisch gegenüber, also hat er theologisch eine Sprache, 22:49 die beide Seelen ansprechen kann. Und die zweite Sache ist, 22:53 dass der Extremismus innerhalb der amerikanischen Kirche darauf zurückzuführen ist, 22:58 dass in den USA frühere Päpste oft als Päpste angesehen wurden, die Amerika nicht kennen, die Amerika nicht verstehen, 23:06 die seine tiefen Instinkte nicht verstehen. Was für Papst Leo XIV. nicht gesagt werden kann, 23:12 weil er in den USA geboren wurde, in den USA aufgewachsen ist. Leo: eine Idealbesetzung? 23:21 Doch kurz vor seiner Wahl holen ihn Vorwürfe von Frauen aus Chiclayo ein: Er habe als Bischof 23:27 Missbrauchsvorwürfe nicht entschieden genug verfolgt. Geht man den Vorwürfen nach, 23:32 stößt man auf einen kirchenpolitischen Machtkampf. Ich denke, die Frauen werden als Waffe eingesetzt, 23:38 dieser Fall als Vergeltung gegen Prevost. Die peruanische Investigativ-Journalistin Paola Ugaz 23:44 recherchierte zur rechtskatholischen Gemeinschaft "Sodalicio". Die wurde in den 70ern gegen die Befreiungstheologie gegründet 23:52 und von Johannes Paul II. unterstützt. Doch sie hat viele dunkle Seiten. 23:59 "Sodalicio" ist eine Mischung aus einer Maschine des Missbrauchs und einer Maschine des Geldmachens. 24:05 Und nie ist ihnen irgendwas in 54 Jahren der Existenz passiert. "Sodalicio" ist extrem gut mit der peruanischen Oberschicht vernetzt. 24:16 Und überzieht die Journalistin und einen Kollegen mit Klagen. Einer der wenigen, der den beiden damals hilft, ist Robert Prevost. 24:25 Robert Prevost war idealistisch, er sagte, ich werde ein Treffen mit den Opfern von "Sodalicio" 24:31 und den Bischöfen vorbereiten. Er lief gegen eine Wand. Er war frustriert. 24:39 Doch dann wird Prevost Chef der Bischofsbehörde. Er ermöglicht Ugaz eine Audienz bei Papst Franziskus. 24:45 Der löst daraufhin "Sodalicio" auf. Einen Monat danach 24:50 werden die Vorwürfe wegen Vertuschung gegen Prevost wieder laut. Doch: Der Anwalt der möglichen Opfer hat Verbindungen zu "Sodalicio". 24:59 Also: Ein Mann aus einer Organisation, die wegen Missbrauchs auf Betreiben von Prevost aufgelöst wurde, sagt: 25:06 Prevost habe in einem anderen Fall Missbrauch vertuscht. Eine Kampagne also? 25:13 Diese Ewiggestrigen sind gar nicht so schnell schlecht vernetzt. Die haben von vornherein 25:19 sehr, sehr kritisch auf die Wahl von Leo XIV. reagiert. Die werden auch genauso gegen Leo XIV. schießen, 25:28 wie sie das gegen Franziskus getan haben. Aber es handelt sich um eine extrem kleine Minderheit. 25:35 Dennoch: Hätte Prevost als Bischof mehr machen müssen? Matthias Katsch engagiert sich 25:41 bei der Betroffenenvereinigung "Eckiger Tisch" und hat sich mit dem Fall beschäftigt. 25:46 Hat der Bischof versucht, da etwas zu vertuschen? Nein, das hat er eindeutig nicht. 25:50 Ist das Verfahren so, wie es gelaufen ist, befriedigend? Nein, ist es auch nicht. 25:55 Es verweist nämlich auf das Problem, dass in Rom eine Handvoll Priester in der Glaubenskongregation 26:02 weltweit alle Missbrauchsfälle untersuchen soll. Und das kann nicht funktionieren. 26:07 Könnte also unter dem neuen Papst der Umgang mit Missbrauch besser werden? Das ist eine Irrsinnsaufgabe, 26:13 eine 1,4 Mrd. Menschen umfassende Organisation, in der die Vertuschung, die Intransparenz, das Leugnen, 26:23 so tief verankert sind, zu verändern. Die Erwartungen sind ... 26:29 Deswegen bin ich da vorsichtig, solche Erwartungen zu formulieren. Das ist fast unmenschlich. 26:34 Aber es ist nicht unwichtig, was er macht. Es hängt sehr viel davon ab, welche Signale er an der Spitze gibt. 26:40 Mitmachen müssen alle anderen. Nicht nur im Kampf gegen Missbrauch, 26:46 auch bei seinen anderen Aufgaben wird er Unterstützung brauchen. Auf seine Augustinerbrüder kann er da sicherlich zählen. 26:56 Ich hab Leo eine Mail geschrieben und hab ihm gewünscht, dass er der bleiben kann, der er immer war, 27:02 ein liebevoller, naher Mitbruder, der interessiert an Welt und am Gegenüber auch Leitung wahrnimmt. 27:13 Das habe ich ihm geschrieben und er hat sich bedankt. Das ist dann verrückt, wenn die Mail kommt vom Papst. 27:20 Er hat sich ganz knapp bedankt und freut sich auf das Wiedersehen. Ich hoffe, dass ihn die Verantwortung nicht erdrückt. 27:27 Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass Menschen mit einem großen Amt dann eng werden, 27:32 klein werden, ängstlich werden, nichts mehr wagen, dass sie sich sozusagen verändern, auch mit ihrer Persönlichkeit. 27:38 Und dass ihm das möglichst wenig passiert, das hoffe ich bei ihm, dass er er bleibt. 27:43 Bob Leo mit seiner Freiheit, mit seiner Spontaneität und dass er sich das bewahrt, 27:47 das wäre wirklich gut für ihn, und auch für die Kirche. Leo XIV.: Ein Papst für alle Fälle. 27:55 US-Amerikaner für eine gespaltene Nation, Peruaner für den globalen Süden, 28:01 weltweit geschult für die Probleme der Kirche, Wegweiser für eine neue Soziallehre 28:08 und Augustiner im Einsatz für den Frieden. Doch all die Vorschusslorbeeren und Verantwortung 28:16 könnten sowohl das Amt als auch die Person überfordern. Schließlich steckt in Leo, dem Stellvertreter Christi, 28:25 auch nur der Bruder Bob. Untertitelung: BR 2025