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Kuba-Krise: Die Welt vor dem Atomkrieg

MrWissen2go Geschichte | Terra X13:03 1,2 Mio. Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 140 Zeilen
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  1. Mit dem Angriff der russischen Armee auf die Ukraine ist der Krieg zurück in Europa.
  2. Die Folgen treffen längst nicht nur diese beiden Länder, die Spannungen sind auf der ganzen Welt spürbar.
  3. Schnell kommen historische Vergleiche auf. Etwa zur Kuba-Krise.
  4. Sie ereignet sich in einer Hochphase des Kalten Krieges. Damals steht die Welt sozusagen fast vor dem Abgrund.
  5. Immer wieder ist sie ganz knapp vor einem Atomkrieg. Aber dann kommt es zum Glück doch nicht dazu.
  6. Was genau damals passiert ist, und wie die nukleare Katastrophe trotz aller Risiken verhindert wurde,
  7. teils durch taktisches Geschick, teils nur durch Zufall, darum geht's in diesem Video.
  8. (Rattern, Klingeln) Alles beginnt mit diesem Foto.
  9. Ein US-Aufklärungsfoto dokumentiert im Oktober 1962 die Stationierung sowjetischer Mittelstreckenraketen
  10. auf Kuba. Auf der kleinen Insel, direkt vor der Küste der USA
  11. herrscht seit 1959 der Revolutionsführer Fidel Castro. Er bekennt sich als Kommunist und sucht die Nähe zur Sowjetunion.
  12. Und die hat damit sozusagen einen Fuß in der amerikanischen Haustür. Schließlich sind es nur wenige Kilometer Luftlinie zwischen den USA
  13. und Kuba. Und das sorgt für Unruhe.
  14. Denn die USA betrachten Kuba als ihre Einflusszone. Als ihren Hinterhof sozusagen.
  15. Sie wollen nicht hinnehmen, dass dort eine unabhängige US-kritische oder gar kommunistische Regierung im Amt ist.
  16. Die USA verhängen Wirtschaftssanktionen und unterstützen eine militärische Operation.
  17. Mehr als 1.000 Exil-Kubaner landen im April 1961 dabei mit Unterstützung der US-Marine und des US-Geheimdienstes CIA
  18. in der Schweinebucht auf Kuba. Ziel ist es, einen Aufstand aufzulösen.
  19. Aber die kubanische Armee kann die schlecht vorbereitet Invasion schnell zurückschlagen.
  20. Die Sowjetunion unterstütz Kuba von da an bei der Selbstverteidigung. Gleichzeitig misstrauen die Machthaber in Moskau
  21. Fidel Castro aber auch. Er ist ihnen zu sprunghaft.
  22. Und könnte damit jederzeit eine ernsthaft Krise mit den USA provozieren.
  23. Und das wäre eine fatale Wendung in dem schwelenden Konflikt der beiden Supermächte.
  24. Ideologisch verfeindet und bis an die Zähne bewaffnet, so stehen sich die USA und die Sowjetunion
  25. seit Jahren im Kalten Krieg gegenüber. Wie es genau dazu kam, darüber haben wir schon mal ein Video gemacht.
  26. Schaut gerne rein, ist oben auf dem "I". Die Frage ist: Warum will Nikita Chruschtschow,
  27. der Generalsekretär der kommunistischen Partei, jetzt Atomraketen auf Kuba stationieren lassen?
  28. Er sieht darin eine gute Möglichkeit, seinen strategischen Nachteil gegenüber den USA ein Stück weit auszugleichen.
  29. Denn zwar ist die Sowjetunion eine Atom- und eine Supermacht, sie hat zuerst einen Satelliten ins All geschossen,
  30. und damit das sogenannte Space Race erst mal für sich entschieden - dazu auch ein Video auf dem "I".
  31. Aber wenn man sich die Kräfteverhältnisse einmal anschaut, dann haben die USA damals ganz klar die Nase vorn.
  32. Die US-Amerikaner haben fünfmal mehr Raketen, zehnmal mehr Langstreckenbomber, 17 Mal mehr Atomsprengköpfe.
  33. Um es klar zu sagen, ein atomarer Krieg hätte Europa und die USA schwer getroffen,
  34. aber die Sowjetunion wäre ausradiert worden. Mit Atomraketen auf Kuba könnte man immerhin
  35. alle wichtigen US-amerikanischen Städte bedrohen. Ein Stück weit mehr ein Gleichgewicht des Schreckens schaffen.
  36. Ein geflügeltes Wort damals. Denn die US-Amerikaner haben neben vielen anderen Nuklearwaffen
  37. ebenfalls atomare Mittelstreckenrakete in Europa und in der Türkei stationiert.
  38. Damit können sie längst alle wichtigen Punkte und Städte in der Sowjetunion angreifen.
  39. Diese Bedrohung schwebt für die Sowjetunion immer über allem. Der damalige US-Präsident John F. Kennedy
  40. erfährt jetzt also von den Raketenbasen auf Kuba. Übrigens weiß er schon mindestens eine Woche davon,
  41. bevor er das Ganze öffentlich macht. Und er muss jetzt klug entscheiden.
  42. Wie reagiert er auf die sowjetische Provokation. Seine Militärs drängen auf eine Operation.
  43. Aber was passiert, wenn die USA Kuba angreifen? Können sie alle Raketenschussrampen zerstören?
  44. Oder kommt es zu einem atomaren Gegenschlag? Sollte man sich vorsichtshalber auf einen nuklearen Erstschlag
  45. gegen die Sowjetunion einstellen? Kennedy entscheidet sich gegen einen sofortigen Angriff auf Kuba.
  46. Er plant einen stufenweisen Schlagabtausch. Blockaden, und wenn das nicht fruchtet:
  47. dann Luftangriffe, Invasion. Er lässt mobil machen.
  48. Die Interkontinentalraketen sind startbereit. Strategische Bomber fliegen Tag und Nacht an den Grenzen
  49. des sowjetischen Luftraums hin und her. Mitsamt atomarer Bewaffnung und einer Liste möglicher Angriffsziele.
  50. Erst dann informiert Kennedy die Öffentlichkeit. Am 22. Oktober hält der US-Präsident eine Fernsehansprache
  51. und enthüllt die Existenz der Raketen auf Kuba. Er fordert die Sowjets auf, die Raketen abzubauen.
  52. (englisch:) Ich rufe Generalsekretär Chruschtschow auf, die verstohlene und rücksichtslose Gefährdung
  53. des Weltfriedens zu beenden. Er hat jetzt die Chance, die Welt vom Abgrund der Zerstörung zurückzuholen.
  54. Und die Welt? Die hält den Atem an.
  55. Vor allem für die Deutschen ist eine militärische Konfrontation der beiden Supermächte ein Horrorszenario.
  56. Denn die Bundesrepublik und die DDR sind Frontstaaten im Kalten Krieg. Mitten im heutigen Deutschland stehen sich die Machtblöcke,
  57. die westliche NATO und der Warschauer Pakt unter der Vormacht der UdSSR, waffenstarrend gegenüber.
  58. Am 24. Oktober beginnt die angekündigte Seeblockade. Die USA bringen rund um Kuba 200 Kriegsschiffe in Stellung.
  59. Aber Chruschtschow gibt sich unbeeindruckt. Ganz im Gegenteil: mit dem Material, das schon auf der Insel ist,
  60. treibt er den Bau der Startrampen für seine Raketen voran. Die Kuba-Krise entwickelt sich also zu einer wahren Nervenprobe.
  61. Und jetzt passiert das, was eben grade nicht passieren sollte. Es kommt zu Pleiten, Pech und Pannen, um das ganz salopp zu sagen.
  62. Und das erhöht die Risiken, dass es zum Atomkrieg kommt. Risiko Nummer eins:
  63. Ein sowjetischer Frachter steuert auf die Seeblockade von Kuba zu. Als Begleitschutz hat er vier U-Boote.
  64. Die US-Marine zündet kleinere Übungsbomben, um die sowjetischen U-Boote zum Auftauchen zu zwingen.
  65. Was die Amerikaner allerdings nicht wissen, die U-Boote haben Nuklearwaffen an Bord.
  66. Und die Kommandanten sind befugt, die im Notfall auch einzusetzen. Heute wissen wir, dass nur einer der Kommandanten
  67. einen kühlen Kopf bewahrte. Nämlich Wassili Archipow.
  68. Er zögerte, die Nukleartorpedos abzufeuern und verhinderte somit eine Eskalation des Konfliktes.
  69. Risiko Nummer zwei: Nur durch Glück entgeht der sowjetischen Aufklärung
  70. am selben Tag ein routinemäßiger US-Raketenabschuss. Es hätte durchaus als gezielte Aggression gewertet werden können.
  71. Risiko Nummer drei: Ein US-Flugzeug dringt unbeabsichtigt in den sowjetischen Luftraum ein.
  72. Risiko Nummer vier: Auf der Pazifikinsel Okinawa stationierte US-Soldaten
  73. starten beinahe einen atomar bestückten Marschflugkörper. Ihnen wurde irrtümlich ein Angriffscode übermittelt.
  74. Den sie glücklicherweise anzweifeln. Risiko Nummer fünf:
  75. Die USA wussten offenbar tatsächlich nicht, dass schon atomare Gefechtsfeldwaffen der Sowjetarmee
  76. auf Kuba stationiert waren. Also Atomwaffen mit relativ geringer Reichweite.
  77. Würden die zur Abwehr einer US-Invasion zum Einsatz kommen, wäre ein nuklearer Gegenschlag unvermeidbar.
  78. Und so der Atomkrieg entfesselt. Und Risiko Nummer sechs:
  79. Ein US-Spionageflugzeug wird über Kuba von einer russischen Rakete abgeschossen.
  80. Der Pilot Rudolf Anderson stirbt, und das ist ein weiterer Schritt der Eskalation.
  81. Eine Ausweg aus dieser explosiven Stimmung weist ein Brief der Kreml-Chefs, der das Weiße Haus erreicht.
  82. Chruschtschow hat erkannt, dass er Kennedys Entschiedenheit unterschätzt hat.
  83. Aber er will wenigstens einen diplomatischen Sieg erreichen. Er bietet an, die Raketen aus Kuba abzuziehen,
  84. wenn die USA dafür ihre Raketen aus der Türkei zurückziehen. Eigentlich keine große Sache, denn die Raketen in der Türkei
  85. werden sowieso bald taktisch überflüssig. Die USA gehen mehr und mehr dazu über,
  86. ihre U-Boote mit nuklearen Raketen zu bestücken. Und mit ihrem großen Arsenal an Interkontinentalraketen
  87. können sie ohnehin jeden Ort in der Sowjetunion erreichen. Wenn sie denn wollen.
  88. Aber die Hardliner unter Kennedys Beratern, die sogenannten Falken sind gegen den Deal.
  89. Sie fordern einen Militärschlag, drängen auf eine Invasion Kubas.
  90. Das wiederum ruft Fidel Castro auf den Plan. Er fordert notfalls einen atomaren Erstschlag gegen die USA.
  91. In einem Brief an den Kreml-Chef Chruschtschow schreibt er: Wer ist jetzt der Klügere? Wer gibt nach?
  92. Tatsächlich ist es zu angespannt, als dass einer der großen Player, also Kennedy oder Chruschtschow,
  93. vor den Augen des anderen und der Weltöffentlichkeit nachgeben könnte. Also werden die Verhandlungen ausgelagert,
  94. auf die Hinterzimmer der Macht. So was nennt man dann Backchannel-Diplomatie.
  95. Beauftragt wird damit Robert Kennedy, der damalige Justizminister und Bruder des Präsidenten.
  96. Am Abend des 27. Oktober bestellt Robert Kennedy den sowjetischen Botschafter, Anatoli Dobrynin
  97. zu einem streng geheimen Treffen ins Weiße Haus. Er beginnt das Gespräch mit einer Forderung.
  98. Die Raketen auf Kuba müssen weg. So oder so.
  99. Gleichzeitig macht er Dobrynin ein Angebot: Wenn Chruschtschow die Raketen abzieht,
  100. würde Amerika nicht nur die Seeblockade beenden, sondern auch eine Garantie abgeben, Kuba auch künftig nicht anzugreifen.
  101. Und, das ist entscheidend, Kennedy bietet an, wie von Chruschtschow gefordert,
  102. die Raketen aus der Türkei abzuziehen. Dieser Teil des Deals soll aber geheim bleiben.
  103. Die Amerikaner wollen keinesfalls den Eindruck erwecken, sie seien vor den Sowjets eingeknickt.
  104. Wie reagiert Chruschtschow auf das Angebot? Immerhin scheint damit ein Weg gefunden, nachzugeben,
  105. ohne dass er dabei sein Gesicht verlieren würde. Ein Teil seiner Forderungen ist, wenn auch im Geheimen, erfüllt.
  106. Vielleicht - so meine Vermutung - war er klug genug, zu wissen, dass er den USA militärisch unterlegen sein würde.
  107. Also beschließt er, das von Dobrynin übermittelte Angebot anzunehmen. Aber trifft seine Antwort rechtzeitig bei Kennedy ein?
  108. Solche Botschaften werden damals per Telex, also Fernschreiben versendet und brauchen Stunden, um über den Atlantik zu gelangen.
  109. In so einer Situation kann das über Krieg und Frieden entscheiden. Denn auch die US-Militärs waren in der Nacht der Geheimgespräche
  110. nicht untätig geblieben. Der Krisenstab hatte schon die Details
  111. eines Luftangriffs auf Kuba besprochen. Das US-Militär steht bereit zum Angriff.
  112. Chruschtschow reagiert daher überraschend pragmatisch. Er lässt Kennedy seine Antwort via "Radio Moskau",
  113. den staatlichen Auslandsrundfunkdienst der Sowjetunion übermitteln.
  114. Quasi in letzter Minute ist der Atomkrieg damit abgewendet.
  115. Die Welt kann aufatmen. Tatsächlich erreicht der Kalte Krieg mit der Kuba-Krise
  116. seinen Höhepunkt. Im negativen Sinne.
  117. Als Folge der letztlich unkontrollierbaren Zuspitzung wird zwischen den Supermächten
  118. eine telefonische Direktverbindung eingerichtet. Der sogenannte "Heiße Draht".
  119. Das ist eine direkte Verbindung zwischen Washington und Moskau. Genau das gibt es jetzt übrigens wieder,
  120. wegen des Kriegs in der Ukraine. Aber anders als später häufig dargestellt,
  121. handelt es sich dabei nicht um ein rotes Telefon, damals zumindest, welche Farbe es heute hat,
  122. weiß ich nicht, es ist eine Fernschreiberverbindung, die hochkompliziert verschlüsselt ist.
  123. Jede Stunde wird die Funktion getestet, 24/7. Die Machtblöcke kommunizieren schriftlich.
  124. Das hat den Vorteil, dass man sich nicht verhören kann. In der aufgeheizten Stimmung kann jedes Missverständnis
  125. schwerwiegende Folgen haben. Wollt ihr mehr wissen: wir haben dazu einen Post
  126. auf unserem Instagram-Kanal gemacht - in der Infobox. Abonniert uns bei Instagram, lohnt sich immer.
  127. Die Welt steht in diesen Tagen damals tatsächlich vor dem Abgrund. Keiner kann sagen, was passiert wäre,
  128. wenn eine Seite die Nerven verloren hätte oder wenn es Missverständnisse gegeben hätte, die eskaliert wären.
  129. Kann man die Situation heute mit der Kuba-Krise vergleichen? Wer unsere Videos kennt, weiß, dass wir immer betonen,
  130. dass historische Vergleiche falsch sind. Niemals wiederholt sich Geschichte eins zu eins.
  131. Aber mit dieser angespannten Weltlage momentan, bei der Atommächte mitmischen,
  132. haben wir eine Situation, in der es teilweise Parallelen gibt. "Kuba 2.0" - so hab ich das schon mal auf meinem Kanal bezeichnet,
  133. und ich denke, wir alle hoffen, dass die Situation genauso glimpflich ausgeht wie damals.
  134. Es gibt auch den Spruch: "Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich." Was denkt ihr über Atomwaffen?
  135. Sind sie wichtig, um mit einem Gleichgewicht des Schreckens größere Kriege zu verhindern? Oder ein unkalkulierbares Risiko?
  136. Schreibt's gerne in die Kommentare. Und wenn ihr unsere Arbeit unterstützen wollt,
  137. abonniert unseren Kanal gerne, dafür bekommt ihr jede Woche Videos zu Geschichtsthemen, die zeitlos sind
  138. aber - wie man hier merkt - auch immer wieder aktuell. Hier zwei weitere Videos, eins von den Kollegen von "Kurzgesagt",
  139. die zeigen, was bei der Explosion einer Atombombe passiert. Darunter spreche ich über die Zeit des Kalten Krieges insgesamt,
  140. auch hier auf dem Kanal. Danke fürs Zuschauen und bis zum nächsten Mal!

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