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Was ist Epigenetik? | EINFACH ERKLÄRT

StudioEinfach - Wissen, das Klick macht! 7:27 1.311 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

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Transkriptautomatisch erstellt · 51 Zeilen
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  1. Stell dir mal vor, deine DNA ist gar nicht dein Schicksal. Was, wenn es dann noch eine geheime Steuerungsebene gäbe, die entscheidet, welche Teile deines
  2. genetischen Codes überhaupt benutzt werden? Und das Beste daran, wir können sie beeinflussen. Und genau das schauen wir uns heute an, die absolut
  3. faszinierende Welt der Epigenetik. Fangen wir doch direkt mal mit einem richtigen Rätsel an. Du hast eineige Zwillinge, die haben, wie du weißt,
  4. exakt den gleichen genetischen Code und trotzdem kann einer von beiden eine schwere Krankheit entwickeln, während der andere kerngesund bleibt. Wie bitte
  5. ist das möglich? Die Antwort, die liegt also nicht in der DNA Sequenz selbst, also nicht in diesen Buchstaben A, T, C und G, die wir alle aus dem
  6. Biounterricht kennen. Die DNA ist ja bei beiden Zwillingen identisch. Es muss also irgendwas, tja, irgendwas darüber geben, das den Unterschied macht. Und
  7. genau hier wird's richtig spannend. Stell dir das mal so vor. Deine DNA ist die Hardware, aber es gibt dann noch eine Art Software, die darüber läuft.
  8. Und diese zweite Informationsebene, die ist der wahre Schlüssel, um das Rätsel der Zwillinge zu lösen. Okay, lüften wir mal das Geheimnis. Diese
  9. Steuerungsebene, die hat natürlich einen Namen und sie ist das Thema unserer heutigen Erklärung, die Epigenetik. Der Name sagt eigentlich schon alles.
  10. Das griechische Wörtchen Epi bedeutet so viel wie über oder auf. Die Epigenetik arbeitet also quasi auf dem Genom. Sie verändert nicht die Buchstaben deines
  11. genetischen Codes. Nein, sie entscheidet nur, welche Teile dieses Codes gelesen werden und welche stummen. Wie ein Dimmer für deine Gene. Um das Ganze ein
  12. bisschen greifbarer zu machen, nehmen wir mal eine einfache Analogie. Stell dir deine gesamte DNA, also dein Genom wie eine gigantische Bibliothek vor.
  13. Jedes Buch darin ist ein Gen, also eine Anleitung für irgendetwas in deinem Körper. Und die Epigenetik, das ist die Bibliothekarin. Sie schreibt die Bücher
  14. nicht um, also sie verändert die Gene nicht, aber sie entscheidet, welche Bücher gelesen werden dürfen. Sie klebt Lesezeichen rein, macht Notizen an den
  15. Rand oder stellt manche Bücher so weit nach hinten ins Regal, dass sie niemand mehr findet. So entscheidet sie, welche Anleitungen gerade wichtig sind und
  16. welche nicht. Aber wie genau macht sie das? Wie setzt diese Bibliothekarin ihre Lesezeichen? Schauen wir uns mal die zwei wichtigsten Mechanismen an, mit
  17. denen sie Gene ganz einfach an und wieder ausschaltet. Also, die zwei wichtigsten Werkzeuge im Kasten der Epigenetik sind die
  18. Methylierung und die Histonmodifikation. Kling kompliziert ist es aber nicht. Die Milllierung, das ist quasi ein chemisches Stoppschild, das direkt an
  19. ein Gen geheftet wird und es blockiert. Simpel. Die Histonmodifikation ist ein bisschen cleverer. Sie verändert nicht das Gen selbst, sondern einfach nur
  20. seine Verpackung. Bleiben wir mal bei der Verpackung, denn die DNA ist ja ein unglaublich langer Faden. Damit er überhaupt in eine winzige Zelle passt,
  21. wird er ganz fest um kleine Proteine gewickelt, die heißen Histone. Stell dir einfach Faden auf einer Spule vor. So. Und wenn jetzt bestimmte chemische
  22. Gruppen, die Acetylgruppen an diese Spulen geheftet werden, dann lockert sich der Faden. Das gehen wird zugänglich und kann abgelesen werden. Es
  23. ist also an. Nimmt man diese Gruppen wieder weg, zack, zieht sich der Faden wieder fest zusammen, das Gen ist versteckt und damit aus. Das klingt
  24. jetzt vielleicht alles sehr theoretisch, ich weiß, aber die Auswirkungen, die sind absolut dramatisch und im echten Leben zu beobachten. Und gerade
  25. Tiermodelle, vor allem mit Mäusen und Ratten, haben uns gezeigt, wie unfassbar mächtig die Epigenetik wirklich ist. Fangen wir mal mit einem wirklich
  26. faszinierenden Experiment an. Forscher haben herausgefunden, dass die Art und Weise, wie eine Rattenmutter sich um ihre Jungen kümmert, die Stressgene
  27. ihrer Kinder für den Rest ihres Lebens epigenetisch programmieren kann, für immer. Und das funktioniert so. Rattenmütter, die ihre Jungen ganz viel
  28. lecken und pflegen, entfernen dadurch diese Methylgruppen, also die Stoppschilder, von einem bestimmten Gen, das die Stressreaktion steuert. Und das
  29. Ergebnis, diese Jungen wachsen zu total entspannten, stressresistenten Erwachsenen heran. Tja, und die Nachkommen von weniger
  30. fürsorglichen Müttern, die behalten diese Stoppschilder und sind ihr Leben lang viel ängstlicher. Ein noch krasseres Beispiel sehen wir hier. Diese
  31. beiden Mäuse sind genetisch absolut identisch. Eineige Zwillinge. Der einzige, wirklich der einzige Unterschied, war die Ernährung ihrer
  32. Mutter während der Schwangerschaft. Das entscheidende Gen hier ist das sogenannte Agutigen. Wenn das an ist, bekommt die Maus ein gelbes Fell, wird
  33. fettleibig und neigt zu Krankheiten. Wenn eine trächtige Maus aber Futter bekommt, das reich an diesen Metylgruppen ist, also den chemischen
  34. Stoppschildern, dann wird das Agutigen Gen bei ihrem Nachwuchs einfach stumm geschaltet. Das Ergebnis siehst du hier, eine schlanke, gesunde braune Maus.
  35. identische DNA, aber ein komplett anderes Schicksal und das alles nur durch die Ernährung. Wahnsinn, oder? Und genau das bringt uns zu der Frage, was
  36. bedeutet das alles für uns Menschen? Die allerwichtigste Botschaft ist, unsere Gene sind eben kein unabänderliches Schicksal. Sie sind eine Chance. Denk
  37. doch mal drüber nach. Jede einzelne Zelle in deinem Körper, egal ob Hautzelle, Gehirnzelle oder Magenzelle, enthält exakt dieselbe DNA Bibliothek.
  38. Wie kann es dann sein, dass sie so komplett unterschiedlich aussehen und total verschiedene Aufgaben haben? Die Antwort ist, du ahnst es schon,
  39. Epigenetik. Sie ist wie der Dirigent eines riesigen Orchesters. In einer Hautzelle sagt der Dirigent den Hauten, dass sie spielen sollen, während die
  40. Nervengene still sein müssen. Und im Gehirn ist es dann genau anders. herum. Die Epigenetik sorgt also für die Spezialisierung und die wunderbare
  41. Ordnung in unserem Körper. Aber was passiert, wenn dieser Dirigent Fehler macht, wenn er den Takt verliert? Viele Krankheiten, allen voran Krebs, hängen
  42. mit einem epigenetischen Chaos zusammen. In Krebszellen werden dann Gene, die eigentlich das Wachstum bremsen sollten, fälschlicherweise stumm geschaltet und
  43. andere Gene, die das Wachstum fördern und aus sollten, sind plötzlich voll aufgedreht. Das ganze geordnete Muster gerät durcheinander. Aber und jetzt
  44. kommt die große Chance, im Gegensatz zu Mutationen im DNACode selbst sind epigenetische Markierungen eben nicht in Stein gemeißelt. Sie sind dynamisch und
  45. potenziell umkehrbar und das eröffnet natürlich völlig neue Wege für die Medizin, z.B. durch epigenetische Therapien, die genau versuchen, diese
  46. falschen Schalter wieder zu korrigieren. Der entscheidende Punkt, den du mitnehmen solltest, ist also dieser: "Stell dir vor, unsere Gene sind der
  47. Stift, aber die Epigenetik und die wird beeinflusst durch unsere Umwelt, unsere Ernährung, unsere Erfahrungen. Sie ist die Hand, die damit schreibt. Wir sind
  48. nicht die Sklaven unserer DNA." Und das führt uns zu einer letzten wirklich tiefgreifenden Frage. Wenn unser Lebensstil unsere eigene
  49. Epigenetik verändern kann und wenn einige dieser Markierungen sogar an die nächste Generation weitergegeben werden können, was bedeutet das dann für unsere
  50. Verantwortung? Könnten wir durch die Art, wie wir leben, aktiv die genetische Geschichte mitschreiben, die wir eines Tages an unsere Kinder vererben? Denk
  51. mal drüber nach.

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