Physik · Klasse 7–8 · aktualisiert
Optische Linsen: Bilder konstruieren und berechnen
Lerne Sammel- und Zerstreuungslinsen kennen und konstruiere und berechne Bilder mit Hauptstrahlen und der Linsengleichung.
0 von 13 Aufgaben gelöst
Kurz gesagt
Sammellinsen bündeln Licht, Zerstreuungslinsen fächern es auf. Mit Hauptstrahlen bestimmst du Bildlage und Bildart; für reelle Bilder berechnest du Bildweite und Bildgröße mit der Linsengleichung und dem Abbildungsmaßstab.
Optische Linsen brechen Licht gezielt: Sammellinsen bündeln parallele Strahlen, Zerstreuungslinsen lassen sie auseinanderlaufen. Mit wenigen Hauptstrahlen kannst du vorhersagen, wo ein Bild entsteht, wie es ausgerichtet ist und ob es auf einem Schirm aufgefangen werden kann.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Eine optische Linse ist durchsichtig und hat mindestens eine gekrümmte Oberfläche. Hier betrachten wir Glaslinsen in Luft. Beim Eintritt und Austritt wird Licht gebrochen. Im Dünnlinsenmodell fasst du beide Brechungen an der Linsenebene zusammen. Dieses Modell verwenden wir für Konstruktionen und Rechnungen.
Die optische Achse verläuft durch die Linsenmitte. Auf ihr liegt auf jeder Seite ein Brennpunkt. Die Brennweite f ist der Abstand zwischen Linsenebene und Brennpunkt. Vergleichst du gleichartig geformte Sammellinsen aus demselben Material in derselben Umgebung, dann hat die Linse mit stärker gewölbten Oberflächen eine kleinere Brennweite.
Definition
Sammellinse
Eine Sammellinse ist in der Mitte dicker als am Rand. Sie lässt achsenparallel einfallende Lichtstrahlen hinter der Linse in einem Brennpunkt zusammentreffen. Sie heißt auch Konvexlinse.
Definition
Zerstreuungslinse
Eine Zerstreuungslinse ist in der Mitte dünner als am Rand. Sie lässt achsenparallel einfallende Lichtstrahlen auseinanderlaufen. Ihre rückwärtigen Verlängerungen treffen sich in einem virtuellen Brennpunkt. Sie heißt auch Konkavlinse.
Merke: Form allein und Wirkung gehören zusammen: in der Mitte dicker bedeutet sammelnd, in der Mitte dünner bedeutet zerstreuend.
Teste dich
Von der Spitze eines Gegenstands zeichnest du im Dünnlinsenmodell mindestens zwei Hauptstrahlen. Der Parallelstrahl läuft nach der Sammellinse durch den bildseitigen Brennpunkt. Der Mittelpunktstrahl verläuft durch die Linsenmitte gerade weiter. Steht der Gegenstand außerhalb der Brennweite, kannst du als dritten Strahl den Brennpunktstrahl durch den gegenstandsseitigen Brennpunkt zeichnen; hinter der Linse läuft er parallel zur Achse. Für ein reelles Bild schneiden sich die austretenden Strahlen. Für ein virtuelles Bild schneiden sich nur ihre rückwärtigen Verlängerungen. Dieser Schnittpunkt bestimmt die Bildspitze. Bei einem Gegenstand im Brennpunkt laufen die austretenden Strahlen parallel; dann gibt es keinen endlichen Bildpunkt. Von der Bildspitze zeichnest du das Bild senkrecht bis zur Achse.
Zeichenaufgabe: Zeichne eine senkrechte Sammellinse und die optische Achse. Markiere beide Brennpunkte im Abstand f=4\,\mathrm{cm}. Zeichne einen 3\,\mathrm{cm} hohen Gegenstand im Abstand g=8\,\mathrm{cm} links der Linse. Konstruiere den Parallel- und Mittelpunktstrahl. Bestimme Bildlage, Ausrichtung und Größe, bevor du die Lösung liest.
Musterlösung: Der Parallelstrahl läuft hinter der Linse durch den rechten Brennpunkt. Der Mittelpunktstrahl läuft gerade durch die Linsenmitte. Beide schneiden sich 8\,\mathrm{cm} rechts der Linse und 3\,\mathrm{cm} unterhalb der Achse. Das Bild ist reell, umgekehrt und gleich groß.
Ein Bild entsteht punktweise. Die Linse ordnet jedem Gegenstandspunkt einen Bildpunkt zu; kein fertiges Bild wandert durch sie. Bei einer Zerstreuungslinse laufen die Strahlen von einem realen Gegenstand auseinander. Ihre rückwärtigen Verlängerungen schneiden sich auf der Gegenstandsseite. Das Bild ist virtuell, aufrecht und kleiner.
Beispiel
- 1Ein Gegenstand steht außerhalb der doppelten Brennweite einer Sammellinse.
- 2Parallelstrahl und Mittelpunktstrahl schneiden sich hinter der Linse zwischen f und 2f.
- 3Die Bildspitze liegt unterhalb der optischen Achse.
- 4Das Bild ist reell, umgekehrt und kleiner als der Gegenstand.
Beispiel: So gehst du vor
- 1Zeichne die optische Achse, die Linse und beide Brennpunkte im Abstand f ein.
- 2Zeichne den Parallelstrahl parallel zur Achse bis zur Linse. Hinter der Linse läuft er durch den bildseitigen Brennpunkt.
- 3Zeichne den Mittelpunktstrahl durch die Linsenmitte. Im Dünnlinsenmodell verläuft er geradlinig weiter.
- 4Steht der Gegenstand außerhalb der Brennweite, kannst du als Kontrolle den Brennpunktstrahl durch den gegenstandsseitigen Brennpunkt zeichnen. Hinter der Linse läuft er parallel zur Achse.
- 5Bei einem reellen Bild ist der Schnittpunkt der austretenden Strahlen die Bildspitze. Bei einem virtuellen Bild ist es der Schnittpunkt ihrer rückwärtigen Verlängerungen. Von dort zeichnest du das Bild senkrecht bis zur Achse.
Teste dich
Die Gegenstandsweite g ist der Abstand zwischen Gegenstand und Linse. Vergleiche sie mit der Brennweite f und mit 2f.
Bei einem virtuellen Bild treffen sich am scheinbaren Bildort nur rückwärtige Verlängerungen der Strahlen. Du kannst es dort nicht auf einem Schirm auffangen, beim Blick durch die Linse aber wahrnehmen.
| Lage des Gegenstands | Lage und Größe des Bildes | Bildart |
|---|---|---|
| g>2f | zwischen f und 2f, kleiner, umgekehrt | reell |
| g=2f | bei 2f, gleich groß, umgekehrt | reell |
| f kleiner als g und g kleiner als 2f | weiter als 2f entfernt, größer, umgekehrt | reell |
| g=f | Strahlen verlaufen hinter der Linse parallel | kein endlicher Bildpunkt |
| g kleiner als f | auf der Gegenstandsseite, größer, aufrecht | virtuell |
Definition
Reelles Bild
Bei einem reellen Bild treffen sich am Bildort tatsächlich Lichtstrahlen. Deshalb kannst du es auf einem Schirm, einer Netzhaut oder einem Kamerasensor auffangen.
Merke: Außerhalb der Brennweite erzeugt eine Sammellinse ein reelles, umgekehrtes Bild. Innerhalb der Brennweite wirkt sie als Lupe und erzeugt ein virtuelles, aufrechtes, vergrößertes Bild.
Teste dich
Für ein reelles Bild einer dünnen Sammellinse verwendest du hier positive Abstände. Dabei sind f die Brennweite, g die Gegenstandsweite und b die Bildweite. G ist die Gegenstandsgröße und B der Betrag der Bildgröße. Die Rechnung verwendet die Kehrwerte der Abstände: Zum Abstand f gehört 1/f.
Die Linsengleichung lautet:
\frac{1}{f}=\frac{1}{g}+\frac{1}{b}
Sind g und b bekannt, addierst du ihre Kehrwerte. So erhältst du 1/f und daraus die Brennweite f.
Für den Abbildungsmaßstab gilt:
m=\frac{B}{G}=\frac{b}{g}
Im einfachen Linsenmodell bündeln Hornhaut und Augenlinse Licht zu einem reellen, umgekehrten Bild auf der Netzhaut; das Kameraobjektiv erzeugt ein solches Bild auf dem Sensor. Beim Auge ändert die Akkommodation die Krümmung und Brennweite der Linse. Bei einer einfachen Kamera ändert sich zum Scharfstellen der wirksame Abstand im Linsensystem. Für eine scharfe Aufnahme muss das Bild auf der lichtempfindlichen Fläche scharf sein.
Als Lupe liegt ein Gegenstand innerhalb der Brennweite. Die austretenden Strahlen laufen auseinander; das Auge nimmt ein virtuelles, aufrechtes und vergrößertes Bild wahr. Am scheinbaren Bildort lässt es sich nicht auf einem Schirm auffangen. Gegenstand und Bild sind verschieden: Der Gegenstand sendet oder reflektiert Licht, die Linse formt die Strahlen, und Wahrnehmung entsteht bei der Verarbeitung der Lichtreize.
Beispiel
- 1Ein G=4\,\mathrm{cm} hoher Gegenstand steht g=30\,\mathrm{cm} vor einer Sammellinse mit f=10\,\mathrm{cm}. Gesucht sind Bildweite und Bildgröße.
- 2Für ein reelles Bild sind alle drei Abstände positiv. Setze die Werte mit Einheiten ein.
- 3\frac{1}{10\,\mathrm{cm}}=\frac{1}{30\,\mathrm{cm}}+\frac{1}{b}
- 4Stelle nach dem Kehrwert der Bildweite um.
- 5\frac{1}{b}=\frac{1}{10\,\mathrm{cm}}-\frac{1}{30\,\mathrm{cm}}
- 6\frac{1}{b}=\frac{1}{15\,\mathrm{cm}}
- 7Daher ist b=15\,\mathrm{cm}. Das liegt zwischen f und 2f, wie die Konstruktion für g>2f erwarten lässt.
- 8Berechne nun den Maßstab und die Bildhöhe.
- 9m=\frac{15\,\mathrm{cm}}{30\,\mathrm{cm}}=0{,}5
- 10B=0{,}5\cdot4\,\mathrm{cm}=2\,\mathrm{cm}
- 11Das reelle Bild liegt 15\,\mathrm{cm} hinter der Linse, ist 2\,\mathrm{cm} hoch und umgekehrt.
Merke: Prüfe ein Rechenergebnis immer mit dem passenden Bildfall. Eine positive Zahl allein zeigt noch nicht, ob du richtig gerechnet hast.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Optische Linsen
Sammellinse
Sie bündelt Licht. Außerhalb der Brennweite entsteht ein reelles Bild, innerhalb ein virtuelles Lupenbild.
Zerstreuungslinse
Sie zerstreut Licht und erzeugt bei einem realen Gegenstand ein virtuelles, aufrechtes, verkleinertes Bild.
Bildkonstruktion
Parallelstrahl, Mittelpunktstrahl und Brennpunktstrahl helfen dir, die Bildspitze zu finden.
Berechnung
Die Linsengleichung liefert die Bildweite; der Abbildungsmaßstab liefert die Bildgröße.
Anwendungen
Das Auge bildet auf der Netzhaut ab, die Kamera auf dem Sensor; die Lupe liefert ein virtuelles Bild.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Bildweite und Größe ausrechnen
- 1Eine dünne Sammellinse hat f=12\,\mathrm{cm}. Ein G=4\,\mathrm{cm} hoher Gegenstand steht bei g=20\,\mathrm{cm}.
- 2Für das reelle Bild gilt 1/b=1/f-1/g.
- 3\frac{1}{b}=\frac{1}{12\,\mathrm{cm}}-\frac{1}{20\,\mathrm{cm}}
- 4\frac{1}{b}=\frac{1}{30\,\mathrm{cm}}
- 5Die Bildweite ist b=30\,\mathrm{cm}.
- 6m=\frac{30\,\mathrm{cm}}{20\,\mathrm{cm}}=1{,}5
- 7B=1{,}5\cdot4\,\mathrm{cm}=6\,\mathrm{cm}
- 8Das Bild ist reell, umgekehrt und 6\,\mathrm{cm} hoch.
Fehler finden
Bildweite einer Sammellinse prüfen In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Die dritte Zeile subtrahiert die Abstände direkt. Richtig ist 1/b=1/(6\,\mathrm{cm})-1/(18\,\mathrm{cm}). Daraus folgen 1/b=1/(9\,\mathrm{cm}) und b=9\,\mathrm{cm}.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Bei einer Sammellinse wird ein Parallelstrahl durch den Brennpunkt gelenkt. Für g>f entsteht ein Bild. Den Maßstab findest du aus .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback