Physik · Klasse 7–10 · aktualisiert
Messfehler erkennen und Messwerte richtig angeben
Erkenne grobe, systematische und zufällige Messfehler und gib Messwerte mit passender Unsicherheit an.
0 von 10 Aufgaben gelöst
Kurz gesagt
Messfehler haben verschiedene Ursachen: Ein grober Irrtum wird behoben, eine systematische Verschiebung geprüft und korrigiert, zufällige Streuung durch Wiederholungen untersucht. Ein Ergebnis nennt Messwert, Unsicherheit und Einheit, etwa t=(7{,}6\pm0{,}2)\,\mathrm{s}.
Keine Messung liefert einen vollkommen exakten Wert. Ein vollständiges Messergebnis nennt deshalb den Messwert und seine Unsicherheit, zum Beispiel t=(7{,}6\pm0{,}2)\,\mathrm{s}. Auf dieser Seite lernst du, Fehlerquellen zu unterscheiden, Unsicherheiten abzuschätzen und Ergebnisse sinnvoll auszuwerten.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
3 Abschnitte
Stell dir vor, ein Grenzwert liegt bei 400, gemessen wird 390. Nimm für dieses Beispiel an, dass \pm eine verlässlich bestimmte Höchstabweichung angibt. Ob der Grenzwert unterschritten ist, hängt dann von dieser Abweichung ab: Bei 390\pm1 liegt das ganze Intervall unter 400. Bei 390\pm20 reicht es von 370 bis 410. Daraus folgt keine sichere Entscheidung.
Die Unsicherheit ist kein Zeichen für eine misslungene Messung. Sie zeigt, wie genau die Aussage unter den gewählten Bedingungen ist.
Definition
Messunsicherheit
Die Messunsicherheit beschreibt den Bereich, in dem der gesuchte Wert aufgrund der bekannten und abgeschätzten Einflüsse erwartet wird. Das Ergebnis x\pm\Delta x steht für das Intervall von x-\Delta x bis x+\Delta x.
Beispiel: Für eine Zeitmessung gilt
- 1t=(7{,}6\pm0{,}2)\,\mathrm{s}.
- 2Das zugehörige Intervall reicht von 7{,}4\,\mathrm{s} bis 7{,}8\,\mathrm{s}. Die absolute Unsicherheit beträgt 0{,}2\,\mathrm{s}.
- 3Die relative Unsicherheit ist
- 4\frac{\Delta t}{t}=\frac{0{,}2\,\mathrm{s}}{7{,}6\,\mathrm{s}}\approx0{,}026.
- 5In Prozent sind das ungefähr 2{,}6\,\%.
Teste dich
Nicht alle Abweichungen werden gleich behandelt. Entscheidend ist ihre Ursache.
Eine Waage zeigt wegen eines falschen Nullpunkts bei jeder Messung 0{,}2\,\mathrm{kg} zu viel an. Das ist systematisch. Schwanken ihre Anzeigen zusätzlich leicht, ist diese Streuung zufällig. Ein erkannter Zahlendreher wäre dagegen ein grober Fehler: Du behebst die Ursache und wiederholst die Messung.
Ein zufälliger Fehler zeigt sich als Streuung wiederholter Werte. Schwankende Umgebungsbedingungen, wechselndes Ablesen oder unterschiedliche Auslösezeitpunkte können ihn verursachen. Wiederholungen helfen, diese Streuung zu untersuchen; eine gleichbleibende Verschiebung beseitigen sie nicht.
Schätze die Unsicherheit schon beim Messen ab. Prüfe Auflösung und Toleranz des Geräts, schwankende Anzeigen, Blickrichtung beim Ablesen, Aufbau und Umgebung sowie Herstellerangaben. Bei einer analogen Skala liegt die Ableseunsicherheit häufig in der Größenordnung eines halben kleinsten Skalenabstands. Bei einer Digitalanzeige ist mindestens die letzte angezeigte Stelle kritisch. Genauere Geräteangaben haben Vorrang.
Die absolute Unsicherheit \Delta x hat die Einheit des Messwerts. Bei einem Bestwert ungleich null hat die relative Unsicherheit \Delta x/|x| keine Einheit; für einen Prozentwert multiplizierst du mit 100\,\%.
Rechne zunächst mit genügend Stellen. Runde dann die Unsicherheit auf eine oder zwei geltende Ziffern und den Messwert auf dieselbe Dezimalstelle. Zu \Delta A=0{,}67\,\mathrm{cm^2} passt A=(5{,}22\pm0{,}67)\,\mathrm{cm^2}; gröber gerundet auch A=(5{,}2\pm0{,}7)\,\mathrm{cm^2}.
Bei vergleichbaren, voneinander unabhängigen Wiederholungen addierst du alle Messwerte und teilst durch ihre Anzahl. Das ergibt den Mittelwert. Die Standardabweichung beschreibt, wie stark die Einzelwerte um ihn streuen. Die statistische Unsicherheit des Mittelwerts, der Standardfehler, beschreibt dagegen die Genauigkeit des geschätzten Mittelwerts. Bei viermal so vielen unabhängigen Messungen ist dieser im Modell etwa halb so groß. Eine kurze Messreihe belegt noch keine Normalverteilung, und ein systematischer Fehler bleibt bestehen.
Definition
Grober Fehler
Ein grober Fehler entsteht durch einen erkannten Irrtum, etwa eine Verwechslung, einen falschen Aufbau oder das Ablesen der falschen Skala. Behebe die Ursache und miss erneut. Ein dauerhaft falsch eingestellter Nullpunkt ist dagegen systematisch.
Definition
Systematischer Fehler
Ein systematischer Fehler verschiebt Messergebnisse unter gleichen Bedingungen gleichartig. Beispiele sind ein falsch eingestellter Nullpunkt oder ein fehlerhaft geteilter Maßstab. Ist die Abweichung bekannt, wird sie möglichst korrigiert.
Merke: Wiederholen hilft gegen zufällige Streuung. Ein gleichbleibender systematischer Fehler verschwindet dadurch nicht.
Teste dich
Wird eine Größe aus Messwerten berechnet, wirken deren Unsicherheiten auf das Ergebnis. Wähle zuerst das passende Unsicherheitsmodell.
Beim konservativen Größtfehler addierst du für z=x+y oder z=x-y die absoluten Beiträge:
\Delta z=\Delta x+\Delta y
Für z=xy oder z=x/y addierst du die relativen Beiträge als Näherung für kleine Unsicherheiten:
\frac{\Delta z}{|z|}\approx\frac{\Delta x}{|x|}+\frac{\Delta y}{|y|}
Für eine Potenz, etwa das Quadrat einer Länge, verdoppelt sich die relative Unsicherheit näherungsweise. Allgemein wird sie mit dem Betrag des Exponenten multipliziert.
Bei kleinen, unabhängigen statistischen Unsicherheiten addierst du statt der Beiträge ihre Quadrate und ziehst anschließend die Wurzel. Dabei zählt, wie empfindlich das Ergebnis auf jeden Eingangswert reagiert. Die lineare Rechnung schätzt eine ungünstige Abweichung näherungsweise ab; für eine strenge Grenze müssen bei Produkten auch höhere Terme betrachtet werden. Die beiden Regeln beantworten unterschiedliche Fragen.
Beispiel: Fläche und Größtfehler eines Rechtecks
- 1Gegeben sind L=(5{,}8\pm0{,}1)\,\mathrm{cm} und B=(0{,}9\pm0{,}1)\,\mathrm{cm}.
- 2Multipliziere die Bestwerte: A=L\cdot B.
- 3Einsetzen ergibt A=5{,}8\,\mathrm{cm}\cdot0{,}9\,\mathrm{cm}.
- 4Das sind A=5{,}22\,\mathrm{cm^2}.
- 5Der relative Beitrag der Länge ist 0{,}1\,\mathrm{cm}/5{,}8\,\mathrm{cm}\approx0{,}017.
- 6Der relative Beitrag der Breite ist 0{,}1\,\mathrm{cm}/0{,}9\,\mathrm{cm}\approx0{,}111.
- 7Für den linearen Größtfehler folgt \Delta A/A\approx0{,}017+0{,}111\approx0{,}128.
- 8Setze in die Flächenunsicherheit ein: \Delta A\approx0{,}128\cdot5{,}22\,\mathrm{cm^2}.
- 9Damit ist \Delta A\approx0{,}67\,\mathrm{cm^2}.
- 10Das linear genäherte Ergebnis ist A\approx(5{,}22\pm0{,}67)\,\mathrm{cm^2}. Die genaue obere Abweichung ist wegen des Produkts beider Längenunsicherheiten etwas größer.
- 11Obwohl beide Längen dieselbe absolute Unsicherheit haben, dominiert die Breite: etwa 11{,}1\,\% statt etwa 1{,}7\,\%.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Messfehler
Messergebnis
Wert, Unsicherheit und Einheit angeben
Grober Fehler
Ursache beheben und neu messen
Systematischer Fehler
gleichartige Verschiebung prüfen und korrigieren
Zufälliger Fehler
Streuung durch Wiederholungen untersuchen
Darstellung
absolute und relative Unsicherheit unterscheiden
Fortpflanzung
Größtfehler oder statistisches Modell wählen
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Längensumme mit konservativem Größtfehler
- 1Zwei Strecken werden als a=(12{,}4\pm0{,}2)\,\mathrm{cm} und b=(7{,}3\pm0{,}1)\,\mathrm{cm} gemessen.
- 2Für die Summe gilt z=a+b. Addiere die Bestwerte: z=12{,}4\,\mathrm{cm}+7{,}3\,\mathrm{cm}=19{,}7\,\mathrm{cm}.
- 3Bei einer Summe addierst du die absoluten Größtfehler: \Delta z=0{,}2\,\mathrm{cm}+0{,}1\,\mathrm{cm}=0{,}3\,\mathrm{cm}.
- 4Das Ergebnis lautet z=(19{,}7\pm0{,}3)\,\mathrm{cm}; Bestwert und Unsicherheit enden auf derselben Dezimalstelle.
Fehler finden
Größtfehler einer Längendifferenz prüfen In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Beim konservativen Größtfehler addierst du auch bei einer Differenz die absoluten Unsicherheiten: \Delta z=0{,}2\,\mathrm{cm}+0{,}1\,\mathrm{cm}=0{,}3\,\mathrm{cm}. Daher z=(5{,}0\pm0{,}3)\,\mathrm{cm}.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Ein erkannter Ableseirrtum ist ein Fehler. Ein falsch eingestellter Nullpunkt wirkt . Streuung wiederholter Werte ist .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback