Physik · Klasse 12–13 · aktualisiert
Lenzsche Regel: Richtung des Induktionsstroms
Bestimme die Richtung der Induktionswirkung bei Magneten, Spulen und Wirbelströmen.
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Kurz gesagt
Die Lenzsche Regel besagt: Ein möglicher Induktionsstrom erzeugt ein Magnetfeld, das der verursachenden Änderung des magnetischen Flusses entgegenwirkt. Nähert sich ein Magnet einer geschlossenen Schleife, bremst deren magnetische Wirkung die Annäherung.
Die Lenzsche Regel sagt: Eine induzierte Spannung ist so gerichtet, dass ein möglicher Induktionsstrom mit seinem Magnetfeld der verursachenden Änderung des magnetischen Flusses entgegenwirkt. Entscheidend ist also nicht das Magnetfeld allein, sondern seine Änderung. Auf dieser Seite lernst du, Flussänderungen zu erkennen, die Wirkung des Induktionsstroms vorherzusagen und die Regel auf Magnete, Spulen und Wirbelströme anzuwenden.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Solange der magnetische Fluss durch eine Schleife konstant bleibt, entsteht keine Induktionsspannung. Eine Änderung von Feldstärke, durchsetzter Fläche oder Ausrichtung kann den Fluss ändern.
Die Flussänderung erzeugt zunächst Spannung. Ein merklicher Induktionsstrom braucht einen geschlossenen Stromkreis. Die Lenzsche Regel beschreibt dessen Richtung: Das eigene Feld hemmt die verursachende Flussänderung. Bei wachsendem äußerem Fluss wirkt es der Zunahme entgegen; bei sinkendem Fluss unterstützt es die bisherige Feldrichtung.
Prüfe zuerst, ob der Fluss zu- oder abnimmt. Bestimme dann das Feld, das diese Änderung hemmt. Aus dieser Feldrichtung kannst du mit einer Handregel die Stromrichtung bestimmen.
Für eine Schleife lautet die mittlere Spannung bei gewählter positiver Flächenrichtung:
U_{\mathrm{ind}}=-\frac{\Delta\Phi}{\Delta t}
Das Minuszeichen drückt die Gegenwirkung aus. Feldrichtung, Fläche und Bewegung bestimmen die konkrete Polung.
Definition
Magnetischer Fluss
Der magnetische Fluss \Phi beschreibt, wie stark ein Feld eine Fläche durchsetzt. Für ein gleichmäßiges Feld gilt: \Phi=B\cdot A\cdot\cos(\Theta) B ist die Flussdichte in Tesla (T), A die Fläche in Quadratmetern (\mathrm{m^2}) und \Theta der Winkel zwischen Feld und Flächennormale. Der Fluss hat die Einheit Weber (Wb).
Merke: Ein vorhandenes Magnetfeld genügt nicht. Für Induktion muss sich der magnetische Fluss ändern.
Definition
Lenzsche Regel
Der Induktionsstrom ist so gerichtet, dass sein eigenes Magnetfeld der Änderung entgegenwirkt, die den Strom hervorgerufen hat.
Teste dich
Ein vollständiges Beispiel zeigt den Unterschied zwischen Annäherung und Entfernung. Dasselbe Bewegungsmuster gilt auch beim zugewandten Südpol: Annäherung führt bei einem frei beweglichen Ring zur Abstoßung, Entfernung zur Anziehung. Die Polung des Rings und die Stromrichtung sind dann gegenüber dem Nordpol-Fall vertauscht.
Um die technische Stromrichtung zu bestimmen, blicke von der Magnetseite auf den Ring. Richte den Daumen der rechten Hand in die Richtung des induzierten Feldes durch den Ring. Die gekrümmten Finger zeigen die technische Stromrichtung. Beim Annähern des Nordpols zeigt das induzierte Feld zum Magneten: Von dort gesehen fließt der Strom gegen den Uhrzeigersinn. Beim Entfernen fließt er im Uhrzeigersinn.
Ist der Ring offen, kann weiterhin eine Induktionsspannung entstehen. Ohne geschlossenen Weg fließt aber kein merklicher dauerhafter Induktionsstrom, der eine starke magnetische Gegenwirkung erzeugen könnte.
Beispiel: Nordpol vor einer geschlossenen Schleife
- 1Ein Stabmagnet zeigt mit seinem Nordpol auf eine frei beweglich aufgehängte, geschlossene Leiterschleife.
- 2Beim Annähern nimmt der Fluss zu. Die zugewandte Schleifenseite wird zum Nordpol.
- 3Gleichnamige Pole stoßen sich ab; die Schleife weicht dem Magneten aus.
- 4Beim Entfernen nimmt der Fluss ab. Die zugewandte Seite wird zum Südpol.
- 5Ungleichnamige Pole ziehen sich an; die Schleife folgt dem Magneten.
- 6Die Stromrichtung kehrt sich zwischen Annäherung und Entfernung um.
Teste dich
Beim Hineinschieben eines Magneten in eine geschlossene Spule spürst du eine Gegenwirkung. Um die Bewegung fortzusetzen, musst du mechanische Arbeit verrichten. Diese Arbeit wird in elektrische Energie und schließlich häufig in Wärme umgewandelt. Eine Kraft, die die Bewegung ohne Energiezufuhr verstärken würde, widerspräche der Energieerhaltung.
Bei einem belasteten Generator wirkt der Induktionsstrom der antreibenden Bewegung entgegen. Deshalb muss dem Generator mechanische Energie zugeführt werden. Eine Wirbelstrombremse nutzt induzierte Ströme im Metall, um eine Bewegung zu bremsen. In einem Induktionskochfeld wandeln Wirbelströme im Kochgefäß elektrische Energie in Wärme um. Bei einem Metalldetektor verändern induzierte Wirbelströme das messbare Magnetfeld einer Spule.
Merke: Die Lenzsche Gegenwirkung ist keine Vernichtung von Energie. Sie zeigt, dass für die erzeugte elektrische Energie eine andere Energieform eingesetzt werden muss.
Teste dich
Ein fallender Magnet bewegt sich durch ein Kupferrohr langsamer als ein gleichartig fallender nichtmagnetischer Gegenstand. Kupfer ist leitfähig; in geschlossenen Wegen können Wirbelströme fließen. Deren Feld hemmt die verursachende Bewegung. Ein längs durchgehender Schlitz kann diese Stromwege unterbrechen.
Auch eine Spule kann durch Änderung ihres eigenen Stroms eine Spannung induzieren. Für eine mittlere Stromänderung gilt:
U_{\mathrm{ind}}=-L\cdot\frac{\Delta I}{\Delta t}
L ist die Induktivität, I die Stromstärke. Beim Einschalten verzögert die Selbstinduktionsspannung den Stromanstieg. Beim Ausschalten kann sie den Strom über einen weiter geschlossenen Weg vorübergehend erhalten. Bei konstantem Gleichstrom ändert sich das Feld nicht weiter; dann endet die Selbstinduktionsspannung.
Definition
Wirbelströme
Wirbelströme sind geschlossene Induktionsströme in einem ausgedehnten leitfähigen Material. Sie entstehen, wenn sich der magnetische Fluss im Material ändert.
Definition
Selbstinduktion
Selbstinduktion ist die Induktion einer Spannung in einem Leiter oder einer Spule durch die Änderung des eigenen Stroms und damit des eigenen Magnetfeldes.
Beispiel: Beim fallenden Magneten läuft Folgendes ab
- 1Die Bewegung verändert den magnetischen Fluss in verschiedenen Bereichen des Kupferrohrs.
- 2Im Kupfer entstehen Wirbelströme.
- 3Deren Magnetfelder wirken der jeweiligen Flussänderung entgegen.
- 4Die Wechselwirkung bremst den Magneten.
- 5Beim Fallen wird ein Teil der frei werdenden Lageenergie in Wärme im Rohr umgewandelt.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Lenzsche Regel
Voraussetzung
Änderung des magnetischen Flusses: durch Feldstärke, Fläche oder Ausrichtung; erzeugt Induktionsspannung
Geschlossener Stromkreis
ermöglicht Induktionsstrom; erzeugt magnetische Gegenwirkung
Bewegter Magnet
Annäherung führt zur Abstoßung; Entfernung führt zur Anziehung
Anwendungen
Generator und Energieumwandlung; Wirbelstrombremse und Kupferrohr; Selbstinduktion in der Spule
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Ring am bewegten Magneten
- 1Ein Südpol nähert sich einem frei beweglich aufgehängten, geschlossenen Aluminiumring. Der Fluss durch den Ring nimmt zu.
- 2Der Induktionsstrom erzeugt ein Magnetfeld, das diese Zunahme hemmt.
- 3Die zugewandte Ringseite wirkt wie ein Südpol und der Ring wird abgestoßen.
Fehler finden
Annäherung und Entfernung unterscheiden In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Die dritte Zeile vertauscht die Polung: Die zugewandte Ringseite wird zum Nordpol und zieht den sich entfernenden Südpol an.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Der Induktionsstrom die verursachende Flussänderung. Beim Annähern des Nordpols zeigt die zugewandte Ringseite einen . Beim Entfernen des Nordpols zeigt sie einen .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback