Physik · Klasse 12–13 · aktualisiert
Induktivität und Selbstinduktion einfach erklärt
Warum bremst eine Spule Stromänderungen? Du deutest Selbstinduktion, Spannungsspitzen und die Energie ihres Magnetfelds.
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Kurz gesagt
Selbstinduktion entsteht durch Änderungen des Stroms und des eigenen Magnetfelds einer Spule. Ihre Spannung bremst den Stromanstieg und stützt beim Ausschalten den Strom in einem geschlossenen Entladeweg. Ihr Betrag ist |U_{\mathrm{ind}}|=L|\Delta I/\Delta t|.
Ändert sich der Strom durch eine Spule, ändert sich ihr eigenes Magnetfeld. Dadurch entsteht in derselben Spule eine Selbstinduktionsspannung. Sie wirkt nach der Lenzschen Regel der Stromänderung entgegen: Beim Einschalten bremst sie den Stromanstieg; beim Ausschalten kann sie den bisherigen Strom in einem geschlossenen Entladeweg stützen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
3 Abschnitte
Ein Strom durch die Spule erzeugt ein eigenes Magnetfeld. Bei konstantem Strom bleibt dieses Feld zeitlich konstant; dann entsteht keine Selbstinduktionsspannung.
Ändert sich der Strom, ändern sich auch Magnetfeld und magnetischer Fluss. Diese Änderung induziert in derselben Spule eine Spannung. Nach der Lenzschen Regel hemmt deren Wirkung die verursachende Stromänderung.
Definition
Selbstinduktion
Selbstinduktion ist die Induktion einer Spannung durch die Änderung des eigenen Magnetfeldes eines Leiters oder einer Spule. Bei einer gewöhnlichen Induktion kann das veränderliche Magnetfeld dagegen von außen stammen.
Merke: Die Selbstinduktionsspannung wirkt nicht grundsätzlich gegen den Strom. Sie wirkt gegen die Änderung des Stroms.
Beispiel
- 1Beim Einschalten soll der Strom zunehmen.
- 2Die Selbstinduktionsspannung wirkt diesem Anstieg entgegen.
- 3Beim Ausschalten soll der Strom abnehmen.
- 4Nun ändert die Spannung ihre Polarität und versucht, den bisherigen Stromfluss aufrechtzuerhalten.
Teste dich
Die Induktivität L beschreibt, wie stark eine Spule bei einer gegebenen Stromänderungsrate reagiert. Für die momentane Selbstinduktionsspannung gilt bei festgelegter positiver Stromrichtung:
U_{\mathrm{ind}}=-L\frac{\mathrm d I}{\mathrm d t}
Für die mittlere Änderungsrate in einem Zeitabschnitt gilt bei gleichmäßiger Stromänderung:
U_{\mathrm{ind}}=-L\frac{\Delta I}{\Delta t}
Ohne Richtungsbetrachtung verwendest du den Betrag |U_{\mathrm{ind}}|=L|\Delta I/\Delta t|. Eine größere Induktivität oder schnellere Stromänderung erhöht ihn. Das Minuszeichen kennzeichnet die Gegenwirkung nach Lenz.
Die Einheit der Induktivität ist Henry. Ein Henry entspricht einem Voltsekunde pro Ampere:
1\,\mathrm H=1\,\mathrm{V\,s/A}
Bei L=1\,\mathrm H und einer Stromänderungsrate von 1\,\mathrm{A/s} beträgt der Spannungsbetrag 1\,\mathrm V.
Magnetische Flussdichte B, magnetischer Fluss \Phi, Induktivität L und Selbstinduktionsspannung U_{\mathrm{ind}} beschreiben verschiedene Dinge; die Tabelle ordnet sie zu. Für eine lange Zylinderspule mit gleichbleibender Bauform gilt näherungsweise:
L=\mu\frac{N^2A}{l}
N ist die Windungszahl, A die Querschnittsfläche, l die Spulenlänge und \mu die Permeabilität des Kernmaterials. Das Modell gilt nicht unverändert für jede Spulenform. Mehr Windungen erhöhen L quadratisch; größere Fläche und Permeabilität erhöhen L, größere Länge verringert sie bei sonst gleichen Größen.
| Größe | Bedeutung | Typisches Zeichen |
|---|---|---|
| Magnetische Flussdichte | Beschreibt Stärke und Richtung des Magnetfeldes an einem Ort | B |
| Magnetischer Fluss | Erfasst, wie das Magnetfeld eine Fläche durchsetzt | Φ |
| Induktivität | Kennzeichnet die Spule und ihre Reaktion auf Stromänderungen | L |
| Selbstinduktionsspannung | Entsteht während der Änderung des eigenen magnetischen Flusses | U_{ind} |
Teste dich
Beim Einschalten wächst der Strom und damit das Magnetfeld. Die Selbstinduktionsspannung bremst den Anstieg. In einer betreuten Lampendemonstration mit höchstens 9 V kann die Lampe im Spulenzweig deshalb verzögert aufleuchten. Bei konstantem Strom verschwindet die Selbstinduktionsspannung.
Beim Ausschalten sinken Strom und Magnetfeld. Die Selbstinduktionsspannung wechselt ihre Polarität und stützt den bisherigen Stromfluss. Dafür muss nach dem Abschalten ein geschlossener Stromweg vorhanden sein. Eine schnelle Unterbrechung kann eine hohe Spannungsspitze und an ungeeigneten Bauteilen einen Durchbruch auslösen; das ist kein Versuch für zu Hause.
Ein Strom-Zeit-Diagramm hat die Zeit t in Sekunden auf der waagerechten Achse und die Stromstärke I in Ampere auf der senkrechten Achse. Die Steigung ist die Änderungsrate \mathrm d I/\mathrm d t. Eine waagerechte Kurve bedeutet \mathrm d I/\mathrm d t=0 und damit U_{\mathrm{ind}}=0. Eine steilere Kurve liefert bei gleichem L einen größeren Spannungsbetrag. Steigende und fallende Kurven haben entgegengesetzte Vorzeichen.
Beim Einschalten wird die Kurve flacher; der Spannungsbetrag sinkt. Beim Ausschalten fällt sie. Ein größerer Widerstand im verbleibenden Entladekreis kann den Abfall beschleunigen und die Spannungsspitze vergrößern, während sie schneller abklingt.
Als Rechenmodell: Bei L=2{,}5\,\mathrm H sinkt I in \Delta t=0{,}010\,\mathrm s von 0{,}625\,\mathrm A auf null. Dann gilt:
\frac{\Delta I}{\Delta t}=\frac{0\,\mathrm A-0{,}625\,\mathrm A}{0{,}010\,\mathrm s}
\frac{\Delta I}{\Delta t}=-62{,}5\,\mathrm{A/s}
U_{\mathrm{ind}}=-2{,}5\,\mathrm H\cdot(-62{,}5\,\mathrm{A/s})
U_{\mathrm{ind}}=156{,}25\,\mathrm V
Auf zwei gültige Ziffern gerundet sind das etwa 160 V. Eine kürzere Ausschaltzeit würde im Modell den Betrag erhöhen.
Beim Einschalten nimmt das Magnetfeld Energie auf; beim Ausschalten gibt es sie ab. Für eine Spule mit näherungsweise konstanter Induktivität gilt:
E_{\mathrm{mag}}=\frac12 L I^2
Bei L=0{,}8\,\mathrm H und I=1{,}5\,\mathrm A folgt:
E_{\mathrm{mag}}=\frac12\cdot0{,}8\,\mathrm H\cdot(1{,}5\,\mathrm A)^2
E_{\mathrm{mag}}=0{,}9\,\mathrm J
Bei gleicher Induktivität vervierfacht eine Verdopplung des Stroms diese Feldenergie.
Beispiel
- 1Eine Spule hat L=0{,}8\,\mathrm H. Ihr Strom steigt in 0{,}05\,\mathrm s gleichmäßig von 0\,\mathrm A auf 0{,}24\,\mathrm A.
- 2Die mittlere Stromänderungsrate beträgt:
- 3\frac{\Delta I}{\Delta t}=\frac{0{,}24\,\mathrm A-0\,\mathrm A}{0{,}05\,\mathrm s}
- 4\frac{\Delta I}{\Delta t}=4{,}8\,\mathrm{A/s}
- 5Mit positiver Stromrichtung entlang des ansteigenden Stroms gilt:
- 6U_{\mathrm{ind}}=-0{,}8\,\mathrm H\cdot4{,}8\,\mathrm{A/s}
- 7U_{\mathrm{ind}}=-3{,}84\,\mathrm V
- 8Der Betrag beträgt 3{,}84\,\mathrm V; das Minuszeichen bezeichnet die Gegenwirkung beim Anstieg.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Induktivität und Selbstinduktion
Ursache
Änderung des eigenen Magnetfeldes
Wirkung
Hemmung der Stromänderung
Kennwert
Induktivität L
Einschalten
verzögerter Stromanstieg
Ausschalten
gestützter Strom bei geschlossenem Entladeweg; sonst mögliche Spannungsspitze
Energie
Speicherung im Magnetfeld
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Spannung beim Stromanstieg
- 1Eine Spule mit L=0{,}4\,\mathrm H erfährt einen gleichmäßigen Stromanstieg von 0\,\mathrm A auf 0{,}3\,\mathrm A in 0{,}06\,\mathrm s.
- 2Die mittlere Stromänderungsrate beträgt:
- 3\frac{\Delta I}{\Delta t}=\frac{0{,}3\,\mathrm A-0\,\mathrm A}{0{,}06\,\mathrm s}
- 4\frac{\Delta I}{\Delta t}=5\,\mathrm{A/s}
- 5Für die gewählte positive Stromrichtung gilt:
- 6U_{\mathrm{ind}}=-0{,}4\,\mathrm H\cdot5\,\mathrm{A/s}
- 7U_{\mathrm{ind}}=-2\,\mathrm V
- 8Der Spannungsbetrag beträgt 2\,\mathrm V; das Minuszeichen bezeichnet die Gegenwirkung beim Anstieg.
Fehler finden
Vorzeichen beim Ausschalten In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 4Beim Einsetzen bleibt das negative Vorzeichen der Änderungsrate erhalten: U_{\mathrm{ind}}=-0{,}6\,\mathrm H\cdot(-20\,\mathrm{A/s})=+12\,\mathrm V. Die Spannung stützt den bisherigen Strom.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Bei konstantem Strom ist das Magnetfeld zeitlich . Eine Selbstinduktionsspannung entsteht erst durch eine . Beim Einschalten sie den Stromanstieg. Beim Ausschalten kann der Strom in einem geschlossenen Entladeweg weiterfließen.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback