Informatik · Klasse 7–10 · aktualisiert
Karnaugh-Veitch-Diagramm einfach erklärt
Du lernst, wie du Einsen aus einer Wahrheitstabelle ins KV-Diagramm einträgst, Blöcke bildest und daraus einen kürzeren Ausdruck abliest.
0 von 9 Aufgaben gelöst
Kurz gesagt
Ein KV-Diagramm ordnet eine Wahrheitstabelle so an, dass Nachbarfelder sich in nur einer Variablen unterscheiden. Du fasst benachbarte Einsen zu rechteckigen Blöcken aus 1, 2, 4, 8 … Feldern zusammen und liest daraus einen kürzeren Ausdruck ab, der meist minimal ist.
Stell dir eine Lampe mit drei Schaltern vor. Du willst für jede Schalterstellung festlegen, ob sie leuchtet. Die erste Lösung ist oft lang und braucht viele Bauteile. Mit dem KV-Diagramm findest du auf einen Blick, was sich kürzen lässt.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Das KV-Diagramm hilft, einen logischen Ausdruck kürzer zu machen. Dabei gilt: Ein Schalter ist offen (0) oder geschlossen (1). ¬A bedeutet „NICHT A“, ∨ bedeutet ODER und ∧ bedeutet UND. Oft lässt man das UND-Zeichen weg: ¬AB heißt ¬A ∧ B.
Das Diagramm besteht aus Feldern. Jedes Feld gehört zu einer Zeile der Wahrheitstabelle. Die Felder sind so beschriftet, dass sich waagerechte und senkrechte Nachbarn in genau einer Variablen unterscheiden.
Warum hilft das? Zwei Nachbarfelder unterscheiden sich nur in einer Variablen, zum Beispiel in A und ¬A. Klammerst du den gemeinsamen Teil aus, bleibt (A ∨ ¬A) übrig. Und A ∨ ¬A ergibt 1. Diese Variable fällt also weg. Darauf beruht das Zusammenfassen.
Ein Diagramm hilft zusätzlich, weil ein Mensch Muster in einem Bild leichter erkennt als in einem abstrakten Ausdruck.
Definition
Nachbarfelder
Nachbarfelder liegen waagerecht oder senkrecht nebeneinander. Sie unterscheiden sich nur in genau einer Variablen.
Beispiel: Die Ausgabe ist gleich der Eingabe B
- 1Die Ausgabe X ist gleich der Eingabe B. Die Tabelle gibt AB ∨ ¬AB.
- 2Die beiden Terme unterscheiden sich nur in A.
- 3B ausklammern: (A ∨ ¬A) ∧ B
- 4A ∨ ¬A ist 1, also bleibt 1 ∧ B
- 51 ∧ B ist B. Ergebnis: AB ∨ ¬AB = B
Merke: Nachbarfelder unterscheiden sich in genau einer Variablen. Diese Variable fällt beim Zusammenfassen weg, denn A ∨ ¬A = 1.
Teste dich
Zuerst schreibst du die Wahrheitstabelle auf. Du liest die Zeilen mit der Ausgabe 1 ab. Zu jeder solchen Zeile gehört ein Minterm. Das ist ein UND-Ausdruck mit allen Variablen. Steht in der Zeile bei einer Variablen eine 0, schreibst du sie negiert. Alle Minterme verbindest du mit ∨. So entsteht die disjunktive Normalform (DNF).
Ein KV-Diagramm für n Eingangsvariablen hat 2ⁿ Felder. Es ist an den Rändern mit den Variablen beschriftet, jede kommt negiert und nicht negiert vor. Die Anordnung darf unterschiedlich sein, aber waagerechte und senkrechte Nachbarn müssen sich in genau einer Variablen unterscheiden.
In ein Feld kommt eine 1, wenn ein Minterm der Funktion vorliegt, sonst eine 0. Meist lässt man die Nullen weg. Leere Felder liest du dann als 0.
Beim Wechselschalter mit den Schaltern A und B gehört ¬AB zu einem Feld und A¬B zu einem anderen. In einer Darstellung steht ¬AB oben rechts und A¬B unten links. Diese beiden Felder liegen nur an einer Ecke zusammen, sie sind also keine Nachbarn.
KV-Diagramme eignen sich für Funktionen mit höchstens etwa 4 bis 6 Eingangsvariablen. Bis 4 Variablen sind sie übersichtlich.
| Schalter A | Schalter B | Lampe L |
|---|---|---|
| 0 | 0 | 0 |
| 0 | 1 | 1 |
| 1 | 0 | 1 |
| 1 | 1 | 0 |
Teste dich
Bei der Minterm-Methode fasst du möglichst viele waagerecht und senkrecht benachbarte Einsen zu rechteckigen Blöcken zusammen. Erlaubt sind Blöcke aus 1, 2, 4, 8, 16 … Feldern, also Zweierpotenzen. Alle Einsen müssen in einem Block stehen. Auch eine einzelne 1 zählt mit.
Die wichtigsten Regeln: Ein Block enthält keine Nullen. Felder, die sich nur an der Ecke berühren, sind keine Nachbarn. Blöcke dürfen sich überlappen und über den Rand hinweggehen. Bei drei Variablen sind das linke und das rechte Randfeld benachbart. Wenn es Alternativen gibt, wählst du die größeren Blöcke, denn sie führen zu kürzeren Termen.
Jeden Block wandelst du in einen UND-Term um. Variablen, die im Block negiert und nicht negiert vorkommen, lässt du weg. Die UND-Terme verbindest du mit ODER. Das ergibt eine Minimalform. Ein Block aus 2ⁿ Feldern spart n Variablen.
Der Term ist meist minimal. Sonst hilft manchmal noch Ausklammern.
Merke: Blöcke sind rechteckig, enthalten nur Einsen und haben 1, 2, 4, 8 … Felder. Im Block fallen Variablen weg, die negiert und nicht negiert vorkommen.
Beispiel: Die Lampe mit drei Schaltern
- 1Die Lampe leuchtet, wenn die Schalter (A, B, C) so stehen: 000, 001, 010, 011, 110, 111.
- 2Block 1: Die vier Felder mit B = 1. A und C kommen negiert und nicht negiert vor und fallen weg. Übrig: B.
- 3Block 2: Die vier Felder mit A = 0. B und C fallen weg. Übrig: ¬A.
- 4Die Blöcke überlappen sich in zwei Feldern. Das ist erlaubt.
- 5Ergebnis: l = ¬A ∨ B
- 6Probe: Bei A = 1 und B = 0 ergibt ¬A ∨ B den Wert 0. Dort bleibt die Lampe dunkel.
Teste dich
Manchmal ist für eine Eingabe gar kein Ergebnis vorgesehen. Dann ist der Wert egal. Man schreibt ein X und nennt es Don’t-Care. Dieser Wert hat keinen Einfluss auf die Schaltung.
Im KV-Diagramm darf ein X für die Gruppenbildung als 1 oder als 0 gelten. Du wählst so, dass wenige und große Blöcke entstehen. Ohne X wäre die Gruppenbildung ungünstiger. Die Schaltung kann dadurch kompakter werden, zum Beispiel mit weniger Bauteilen (Gattern). Sie darf aber nur dort eingesetzt werden, wo die Don’t-Cares gelten.
Normalerweise fasst du Einsen zusammen (Minterm-Methode). Hast du weniger Felder mit 1 als mit 0, wählst du diese Methode. Sonst nimmst du die Maxterm-Methode. Sie unterscheidet sich nur in vier Punkten: Du fasst Nullen zu Blöcken zusammen (andere Bezeichnung: Päckchen). Ein Block ergibt einen ODER-Term. Die ODER-Terme verbindest du mit UND. Die Variablen werden zusätzlich einzeln negiert.
Bei der Lampe von eben gibt es nur zwei Nullen und sechs Einsen. Die beiden Nullen bilden einen Zweierblock. Auch so ergibt sich l = ¬A ∨ B.
Definition
Don’t-Care
Ein Don’t-Care (X) ist ein Ausgabewert, der egal ist. Im KV-Diagramm darf er als 1 oder als 0 gelten.
Beispiel: Ziffern in binärer Codierung
- 1Dezimalzahlen werden mit Nullen und Einsen codiert (BCD heißt: binär codierte Dezimalzahl). Nur die Zahlen 0 bis 9 spielen eine Rolle.
- 2Die übrigen Eingaben (man nennt sie Pseudotetraden) dürfen ein beliebiges Ergebnis liefern.
- 3Sie sind also Don’t-Care-Terme und stehen als X im Diagramm.
- 4Man darf jedes X als 1 oder 0 ansehen, damit Blöcke von Einsen vollständig werden.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Karnaugh-Veitch-Diagramm
Nachbarfelder
Sie unterscheiden sich in genau einer Variablen. Diese fällt weg, denn A ∨ ¬A = 1.
Eintragen
Jede Tabellenzeile mit Ausgabe 1 gibt eine 1 im passenden Feld.
Blöcke
rechteckig, nur Einsen, Größe 1, 2, 4, 8 …, Überlappen und Rand sind erlaubt.
Ablesen
Variablen, die im Block negiert und nicht negiert vorkommen, fallen weg. Die Blöcke verbindet man mit ODER.
Sonderfälle
Ein X darf als 1 oder 0 gelten. Die Maxterm-Methode fasst Nullen zusammen.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Drei Einsen im 2×2-Diagramm (ausgedachtes Beispiel)
- 1Ausgedachte Tabelle für f mit den Variablen A und B: f = 1 bei A=0, B=1 und bei A=1, B=0 und bei A=1, B=1. Bei A=0, B=0 ist f = 0.
- 2Die Einsen gehören zu den Mintermen ¬AB, A¬B und AB.
- 3Gruppe 1: ¬AB und AB unterscheiden sich nur in A. A fällt weg, B bleibt.
- 4Gruppe 2: A¬B und AB unterscheiden sich nur in B. B fällt weg, A bleibt.
- 5Beide Gruppen enthalten das Feld AB. Überlappen ist erlaubt.
- 6Ergebnis: f = A ∨ B
- 7Probe: A=0, B=0 gibt 0 ∨ 0 = 0. Die anderen drei Zeilen geben 1.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zu den Regeln der Gruppenbildung In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Gruppen dürfen nicht „um die Ecke“ gehen, und 3 ist keine Zweierpotenz. Richtig: Drei solche Einsen fasst man nicht zu einer Gruppe zusammen, sondern in kleineren Gruppen mit 1, 2, 4 … Feldern.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Zwei Nachbarfelder unterscheiden sich in Variablen. Bei der Minterm-Methode ist ein Block aus Feldern erlaubt. Bei der Maxterm-Methode fasst man zu Päckchen zusammen.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback