Informatik · Klasse 7–10 · aktualisiert
Digitaltechnik: Bits, Gatter und Speicher verstehen
Du lernst analoge und digitale Signale, Bits und Zustände, Wahrheitstabellen, die DNF-Gleichung und den Unterschied zwischen Schaltnetz und Schaltwerk.
0 von 15 Aufgaben gelöst
Kurz gesagt
Digitaltechnik arbeitet mit Signalen aus diskreten Werten, die als Bits mit zwei Zuständen kodiert sind. Mit n Bits gibt es 2ⁿ Zustände. UND, ODER und NICHT wertest du mit Wahrheitstabellen aus. Ein Schaltnetz hat kein Gedächtnis, ein Schaltwerk schon.
Ein Lichtschalter kennt nur Ein und Aus. Ein Dimmer dagegen kennt viele Zwischenstufen. Genau darin liegt der Unterschied zwischen analog und digital. Hier lernst du, wie aus solchen Ein-Aus-Zuständen Zahlen, Logik und sogar Speicher entstehen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
5 Abschnitte
Ein Analogsignal hat einen stufenlosen und unterbrechungsfreien Verlauf. Ein Beispiel ist der Schalldruck von Musik. Ein Analogsignal kann theoretisch unendlich viele Werte annehmen. Das einfachste Bild dafür ist eine Rampe: Du kannst an jeder beliebigen Höhe stehen.
Ein Digitalsignal besteht dagegen aus diskreten Werten. Das heißt: aus getrennten Stufen, ähnlich wie bei einer Treppe. Digitale Werte sind üblicherweise als Binärzahlen kodiert, also mit 0 und 1. Die kleinstmögliche Unterscheidung ist die zwischen zwei Möglichkeiten, die man Zustände nennt. Ein Beispiel ist die Stellung eines Lichtschalters: Ein oder Aus. In der Schaltungstechnik sind dafür Spannungsbereiche festgelegt. Ein Zwischenzustand ist nicht definiert.
Ein Digitalsignal entsteht aus einem Analogsignal in zwei Schritten. Bei der Abtastung wird zu bestimmten Zeitpunkten gemessen. Bei der Quantisierung wird jeder gemessene Wert wie bei einer Rundung in ein festes Raster von Stufen eingepasst. Bei einer Audio-CD wird jeder Kanal 44.100-mal pro Sekunde abgetastet. Ein Analog-Digital-Umsetzer macht aus der Spannung ein Digitalsignal. Ein Digital-Analog-Umsetzer macht es wieder rückgängig.
Dabei geht zwar Information verloren, weil kleine Nuancen nicht immer beachtet werden. Dafür können digitale Signale leichter verarbeitet und übertragen werden. Sie sind auch weniger anfällig für Störungen, solange die Störungen nicht zu groß sind.
Definition
Digitalsignal
Ein Digitalsignal wird durch diskrete Werte dargestellt, also durch getrennte Stufen. Ein Analogsignal verläuft dagegen stufenlos.
Merke: Rampe = analog: stufenlos, theoretisch unendlich viele Werte. Treppe = digital: getrennte Stufen.
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Das Wort Bit kommt von „binary digit“. Ein Bit ist eine Stelle einer Binärzahl. Es hat zwei Zustände. Meist schreibt man dafür 0 und 1. Bei logischen Aussagen schreibt man wahr und falsch.
Mit mehreren Bits lassen sich mehr Zustände unterscheiden. Mit n Bits können 2ⁿ verschiedene Zustände kodiert werden. Die Zahl n heißt hier Bitbreite. Beispiel mit zwei Bits: 2² = 4 Zustände, nämlich 00, 01, 10 und 11. Mit 3 Bits sind es 2³ = 8 Zustände. Jedes weitere Bit verdoppelt also die Anzahl.
Bei der Audio-CD hat jeder Messwert 16 Bit. Das ergibt 65.536 mögliche Werte. Je mehr Bits, desto feiner das Raster der Quantisierung.
Definition
Bitbreite
Die Bitbreite ist die Anzahl n der Bits, die zusammen einen Wert bilden. Sie legt fest, wie viele Zustände möglich sind: 2ⁿ.
| Anzahl der Bits | Mögliche Zustände |
|---|---|
| 1 | 2 |
| 2 | 4 |
| 3 | 8 |
| 4 | 16 |
| 8 | 256 |
| 16 | 65.536 |
Merke: Mit 2 hoch n rechnest du die Zustände aus: n Bits ergeben 2ⁿ Zustände.
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Ein Logikgatter ist meist eine elektronische Schaltung. Sie verarbeitet binäre Eingangssignale zu einem binären Ausgangssignal. Das UND-Gatter, das ODER-Gatter und das NICHT-Gatter sind drei solche Gatter.
Eine Wahrheitstabelle zeigt, was ein Gatter tut. Sie listet alle möglichen Kombinationen der Eingangssignale auf und gibt die dazugehörigen Ausgangssignale an. Die Anzahl der Zeilen ist 2 hoch die Anzahl der Eingangsvariablen. Zwei Eingänge ergeben also 4 Zeilen.
So baust du die Eingänge auf: Beginne mit allen Eingängen gleich 0. Ende bei allen gleich 1. Dazwischen zählst du binär aufwärts. Die letzte Spalte wechselt in jeder Zeile den Wert, die vorletzte alle zwei Zeilen.
Das UND-Gatter ergibt nur 1, wenn A und B beide 1 sind. Das ODER-Gatter ergibt 0, nur wenn A und B beide 0 sind, sonst 1. Das NICHT-Gatter dreht den einen Eingang um.
Beispiel: Alle vier Zeilen für zwei Eingänge A und B
- 1A=0, B=0: A UND B ergibt 0, A ODER B ergibt 0
- 2A=0, B=1: A UND B ergibt 0, A ODER B ergibt 1
- 3A=1, B=0: A UND B ergibt 0, A ODER B ergibt 1
- 4A=1, B=1: A UND B ergibt 1, A ODER B ergibt 1
| A | NICHT A |
|---|---|
| 0 | 1 |
| 1 | 0 |
Merke: UND ergibt nur dann 1, wenn alle Eingänge 1 sind. ODER ergibt 1, sobald ein Eingang 1 ist. NICHT dreht den Wert um.
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Aus einer Wahrheitstabelle kannst du eine Gleichung für den Ausgang ablesen. Die Methode ist einfach und zuverlässig. Sie liefert aber nicht immer die kürzeste Gleichung. Das Ergebnis heißt disjunktive Normalform, kurz DNF.
So gehst du vor. Erstens beachtest du nur die Zeilen mit Ausgang 1. Zweitens schreibst du für jede dieser Zeilen alle Eingänge mit UND auf. Ist ein Eingang in der Zeile 0, setzt du NICHT davor. Ist er 1, schreibst du ihn ohne NICHT. Drittens verknüpfst du die Teilausdrücke aller Zeilen mit ODER. Der Fachausdruck für ODER lautet Disjunktion, daher der Name.
Im Beispiel unten steht in der Spalte „Dez.“ die Nummer der Zeile. Die Eingänge C, B, A bilden eine Binärzahl, zum Beispiel 101 für Zeile 5. Der Ausgang X ist in den Zeilen 0, 2, 5 und 6 gleich 1. In den Zeilen 1, 3, 4 und 7 ist X gleich 0. Diese vier Zeilen lässt du weg.
Definition
Disjunktive Normalform (DNF)
Eine Gleichung, die aus den Zeilen mit Ausgang 1 entsteht: Eingänge einer Zeile mit UND, die Zeilen untereinander mit ODER. Schreibweise: ∧ steht für UND, ∨ für ODER, ¬ für NICHT.
Beispiel: Gleichung für X mit den Eingängen C, B und A
- 1Zeile 0: C=0, B=0, A=0 → ¬C ∧ ¬B ∧ ¬A
- 2Zeile 2: C=0, B=1, A=0 → ¬C ∧ B ∧ ¬A
- 3Zeile 5: C=1, B=0, A=1 → C ∧ ¬B ∧ A
- 4Zeile 6: C=1, B=1, A=0 → C ∧ B ∧ ¬A
- 5X = (¬C ∧ ¬B ∧ ¬A) ∨ (¬C ∧ B ∧ ¬A) ∨ (C ∧ ¬B ∧ A) ∨ (C ∧ B ∧ ¬A)
Merke: Nur Zeilen mit Ausgang 1 zählen. In der Zeile: UND. Zwischen den Zeilen: ODER. Eine 0 am Eingang bekommt ein NICHT.
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Ein Schaltnetz ist ein Netz aus Gattern. Es enthält keine Speicherglieder (Flipflops). Der Ausgang hängt zu jedem Zeitpunkt nur vom Eingang ab, der gerade anliegt. Das Schaltnetz ist deshalb ein vergessliches Verfahren.
Bei einem Schaltwerk ist mindestens ein Ausgang auf mindestens einen Eingang rückgekoppelt. Rückkopplung heißt: Ein Ausgang führt zu einem Eingang zurück. Dadurch erhält die Schaltung einen speichernden Charakter, ein Gedächtnis. So kann sie Eingangswerte mit früheren Werten verknüpfen. Ein Schaltwerk heißt synchron, wenn Taktsignale Eingänge und Rückkopplungen synchronisieren. Ein Taktsignal pulsiert in einer festgelegten Frequenz. Andernfalls heißt es asynchron.
Aus Logikgattern kann man zum Beispiel ein Flipflop zusammenschalten. Ein Flipflop ist ein Baustein, aus dem sich Speicher bauen lassen. Aus mehreren Flipflops entstehen Datenspeicher und Zähler.
Einsatz: Fast jedes Gerät zur elektronischen Datenverarbeitung (Computer) verwendet in seinen Chips Schaltwerke. Auch jede serielle Schnittstelle basiert auf einem Schaltwerk. Die Empfängerseite sammelt dort alle Bits nacheinander ein, damit nach acht Zyklen ein komplettes Byte (8 Bit) zur Verfügung steht.
Definition
Schaltwerk
Eine Schaltung, bei der mindestens ein Ausgang auf mindestens einen Eingang rückgekoppelt ist. Sie hat dadurch ein Gedächtnis.
| Merkmal | Schaltnetz | Schaltwerk |
|---|---|---|
| Rückkopplung | keine | mindestens ein Ausgang zurück zu einem Eingang |
| Gedächtnis | keins, keine Flipflops | ja, speichernder Charakter |
| Ausgang hängt ab von | dem Eingang zum selben Zeitpunkt | Eingang und früheren Werten |
Merke: Rückkopplung macht aus einem Schaltnetz ein Schaltwerk mit Gedächtnis.
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Alles auf einen Blick
Digitaltechnik
Analog
stufenloser Verlauf, theoretisch unendlich viele Werte
Digital
diskrete Werte, weniger anfällig für Störungen, solange sie nicht zu groß sind
Bits
n Bits ergeben 2ⁿ Zustände
Wahrheitstabelle
Zeilen = 2 hoch Anzahl der Eingänge
DNF
Zeilen mit Ausgang 1, Eingänge mit UND, Zeilen mit ODER
Schaltwerk
durch Rückkopplung mit Gedächtnis, ein Schaltnetz hat keins
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Gleichung aus einer Tabelle ablesen (ausgedachtes Beispiel)
- 1Ausgedachte Tabelle mit den Eingängen A und B: A=0, B=0 → Y=0; A=0, B=1 → Y=1; A=1, B=0 → Y=1; A=1, B=1 → Y=1
- 2Schritt 1: Nur Zeilen mit Y=1 zählen, das sind die letzten drei Zeilen
- 3Schritt 2: Zeile A=0, B=1 → ¬A ∧ B
- 4Schritt 3: Zeile A=1, B=0 → A ∧ ¬B
- 5Schritt 4: Zeile A=1, B=1 → A ∧ B
- 6Schritt 5: Mit ODER verknüpfen: Y = (¬A ∧ B) ∨ (A ∧ ¬B) ∨ (A ∧ B)
- 7Probe: Bei A=0, B=0 sind alle drei Teile 0, also Y=0. Bei A=1, B=1 ist der dritte Teil 1, also Y=1.
Fehler finden
Prüfe die Schritte beim Ablesen einer Gleichung (ausgedachtes Beispiel) In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 4Hier steht NICHT beim falschen Eingang. In der Zeile ist Q gleich 1, also bekommt Q kein NICHT. Richtig: P UND Q.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Ein besteht aus diskreten Werten, also aus getrennten Stufen. Mit 4 Bits gibt es mögliche Zustände. Bei einem ist mindestens ein Ausgang auf einen Eingang rückgekoppelt.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback