Geschichte · Klasse 7–10 · aktualisiert
Weltwirtschaftskrise 1929: Ursachen und Folgen
Du lernst, wie die Weltwirtschaftskrise entstand, Deutschland erreichte und antidemokratische Parteien stärkte, ohne ihren Erfolg allein zu erklären.
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Kurz gesagt
Die Weltwirtschaftskrise war ein weltweiter wirtschaftlicher Einbruch. Der Börsenkrach im Oktober 1929 war ein Auslöser; Kreditabhängigkeit, Bankenprobleme und politische Entscheidungen verschärften die Krise. In Deutschland nahmen Arbeitslosigkeit und politische Spannungen zu.
Wie kann ein Einbruch an einer Börse Menschen treffen, die gar keine Aktien besitzen? Unternehmen brauchen Kredite und Käufer für ihre Waren. Du verfolgst, wie diese Verbindungen eine Krise verbreiteten und warum wirtschaftliche Not auch die Demokratie belastete.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Die Weltwirtschaftskrise war ein schwerer wirtschaftlicher Einbruch, der viele Länder traf. Er begann nicht überall gleichzeitig und dauerte unterschiedlich lange. In den USA, den Vereinigten Staaten von Amerika, schrumpfte die Wirtschaft bereits seit August 1929. Der Börsenkrach im Oktober 1929 war deshalb nicht der Beginn aller wirtschaftlichen Probleme.
An einer Börse werden unter anderem Aktien gehandelt. Das sind Anteile an Unternehmen. Ihr Preis heißt Kurs. Viele Anleger kauften Aktien mit geliehenem Geld. Sie hofften, die Aktien später teurer zu verkaufen. Diese Spekulation machte sie anfällig: Fielen die Kurse, blieben ihre Schulden trotzdem bestehen.
Du kannst drei Dinge unterscheiden: Tiefere Ursachen sind schon vorher vorhandene Schwächen und Abhängigkeiten. Dazu gehörte der Aktienkauf auf Kredit. Ein Auslöser ist ein Ereignis, an dem sich die Krise zuspitzt, etwa der Börsenkrach. Verstärker treiben die Krise weiter. Als Bankkunden aus Angst ihr Geld abhoben, verlangten Banken verliehenes Geld zurück. Unternehmen mussten daraufhin ihre Tätigkeit einschränken oder schließen.
Auch Deflation, also ein allgemeiner Rückgang der Preise, konnte die Krise verstärken. Sanken zugleich die Einkommen, waren unveränderte Schulden schwerer zu bezahlen. Einige Schuldner konnten nicht mehr zahlen. Sinkende Nachfrage konnte die Preise weiter drücken. In den USA verschärften Bankenpaniken und unzureichende Gegenmaßnahmen diese Probleme. Das bedeutet aber nicht, dass die Notenbank gar nicht handelte. Eine Notenbank ist eine besondere Bank, die die Versorgung der Wirtschaft mit Geld beeinflusst. Die New Yorker Notenbank ergriff nach dem Börsenkrach zunächst stützende Maßnahmen. Diese kurzfristige Hilfe und die später unzureichende Reaktion auf die Bankenkrise musst du unterscheiden.
Definition
Kredit
Ein Kredit ist geliehenes Geld, das zurückgezahlt werden muss.
Beispiel: Beispieltext, ausgedacht: Aktien mit geliehenem Geld
- 1Ein Anleger kauft Aktien auf Kredit und hofft auf steigende Kurse.
- 2Die Kurse fallen. Seine Aktien sind jetzt weniger wert.
- 3Der Kredit muss trotzdem zurückgezahlt werden. Der Kursverlust beseitigt seine Schulden nicht.
Merke: Ein Auslöser erklärt nicht die ganze Krise. Frage auch nach vorherigen Schwächen und späteren Verstärkern.
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Deutschland war stark von ausländischem Kapital, also Geld zur Finanzierung der Wirtschaft, und von Exporten abhängig. Exporte sind Warenverkäufe ins Ausland. Dadurch konnten Probleme außerhalb Deutschlands auch deutsche Banken und Unternehmen treffen. Die Wirtschaft in Deutschland schwächte sich bereits 1928 ab.
Ein Übertragungsweg führte über Kredite. Anleger zogen verliehenes Geld aus Deutschland zurück. Deutsche Banken hatten teilweise kurzfristig geliehenes Geld langfristig an Unternehmen weiterverliehen. Mussten sie es schnell zurückzahlen, war es noch bei den Unternehmen gebunden. Die langfristige Weitergabe verlängerte nicht die eigene Rückzahlungsfrist der Bank. So konnten Banken in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Unternehmen fehlte Geld für ihre Arbeit. Die Bankenkrise in Deutschland verschärfte die Lage 1931 zusätzlich.
Ein zweiter Weg führte über den Handel. Im Ausland wurden weniger Waren nachgefragt. Zugleich erschwerten Handelsschranken den Verkauf über Grenzen hinweg. Deutsche Unternehmen konnten weniger Waren verkaufen. Produktion und Beschäftigung gingen zurück. Der Rückgang der Bestellungen brachte keine Entlastung bei der Rückzahlung von Krediten.
Ein Börsenverlust und ein Verlust von Arbeitsplätzen sind also nicht dasselbe. Kredite und Handel erklären, wie sich die Krise über die Börse hinaus ausbreitete und auch Menschen ohne Aktienbesitz traf.
| Verbindung | Problem | Wirkung |
|---|---|---|
| Ausländische Kredite | Anleger verlangten ihr Geld zurück. | Banken und Unternehmen gerieten unter finanziellen Druck. |
| Verkauf ins Ausland | Nachfrage sank; Handelsschranken erschwerten Verkäufe. | Unternehmen verkauften und produzierten weniger. |
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Wirtschaftliche Folgen betreffen etwa Produktion, Unternehmen und Handel: Betriebe stellten weniger her, Firmen konnten ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen und gingen pleite. Auch der Handel nahm ab. Soziale Folgen betreffen die Lebensbedingungen der Menschen: Arbeitslosigkeit, Armut und Unsicherheit breiteten sich aus. Anfang 1933 waren in Deutschland über sechs Millionen Menschen erwerbslos, also ohne Arbeit.
Politische Folgen betreffen Macht, Parteien und das Vertrauen in die Demokratie. Demokratische Parteien verloren Vertrauen. Die NSDAP, Hitlers Partei und ein Gegner der bestehenden Demokratie, gewann Zulauf. Das galt auch für die KPD, eine weitere Partei gegen die bestehende Demokratie. Das bedeutet nicht, dass alle Arbeitslosen die NSDAP unterstützten.
Die Folgen hingen zusammen. Wenn ein Betrieb schloss, war das ein wirtschaftlicher Vorgang. Der Verlust des Arbeitsplatzes und wachsende Armut waren soziale Folgen. Wenn Menschen deshalb demokratischen Parteien weniger vertrauten, hatte das eine politische Bedeutung.
Auch politische Maßnahmen wirkten auf die Krise zurück. Reichskanzler Heinrich Brüning, der deutsche Regierungschef, wollte den Staatshaushalt stabilisieren, also staatliche Einnahmen und Ausgaben ins Gleichgewicht bringen. Seine Regierung kürzte Sozialausgaben und öffentliche Löhne und erhöhte Steuern. Menschen konnten dadurch weniger kaufen. Die Maßnahmen verschärften die wirtschaftliche und soziale Krise. Das Ziel einer Maßnahme ist also von ihrer tatsächlichen Wirkung zu unterscheiden.
Merke: Wirtschaftlich: Was geschieht mit Betrieben und Handel? Sozial: Wie verändert sich das Leben der Menschen? Politisch: Was geschieht mit Macht und Vertrauen?
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Not und Unsicherheit konnten das Vertrauen in demokratische Parteien schwächen. Damit wurden antidemokratische Parteien begünstigt, also Parteien, die sich gegen die Demokratie richteten. Das ist ein wichtiger Zusammenhang, aber keine vollständige Erklärung dafür, wie Hitler Regierungschef wurde.
Weitere politische Bedingungen und Entscheidungen kamen hinzu. Einflussreiche Akteure wollten eine Herrschaft mit weniger demokratischer Kontrolle. Präsidialkabinette waren Regierungen, die sich auf die Macht des Präsidenten stützten. Auch politische Verhandlungen spielten eine Rolle. Hindenburg, der über die Ernennung des Regierungschefs entschied, ernannte Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler. Wirtschaftliche Not allein erklärt diese Entscheidung nicht.
Außerdem wuchs die Unterstützung für die NSDAP nicht ununterbrochen. Bei der Wahl im November 1932 verlor sie Stimmen, blieb aber stärkste Partei. Ein Stimmenverlust ist etwas anderes als ein Verlust des ersten Platzes. Er widerspricht trotzdem der Vorstellung eines unaufhaltsamen Aufstiegs.
Auch der Blick auf die USA zeigt, dass eine schwere Wirtschaftskrise die Demokratie nicht zwangsläufig zerstört. Dort blieb sie während der Weltwirtschaftskrise erhalten. Präsident Franklin D. Roosevelt gab mit Wirtschafts- und Sozialreformen neue Hoffnung. Diese Maßnahmen hießen New Deal. Für dein Urteil gilt deshalb: Die Krise schuf günstige Bedingungen für Gegner der Demokratie in Deutschland. Politische Ziele, Verhandlungen und Entscheidungen bleiben aber eigene Teile der Erklärung.
Merke: „Begünstigen“ bedeutet: Bedingungen verbessern den möglichen Erfolg. Es bedeutet nicht, dass dieser Erfolg feststeht oder nur eine Ursache hat.
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Alles auf einen Blick
Weltwirtschaftskrise
Entstehung
Der Börsenkrach spitzte bestehende Probleme zu; er erklärt die Weltwirtschaftskrise nicht allein.
Ausbreitung
Kredite und Handel verbanden die deutsche Wirtschaft mit der Krise im Ausland.
Verstärkung
Bankenprobleme, sinkende Preise und politische Maßnahmen konnten die Krise weiter verschärfen.
Folgen
Firmenpleiten, Armut und politischer Vertrauensverlust gehören zu verschiedenen, verbundenen Bereichen.
Urteil
Die Krise begünstigte Gegner der Demokratie. Ihr Erfolg hing auch von politischen Entscheidungen ab.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Warum konnten sinkende Preise Schulden schwerer tragbar machen?
- 1Aufgabe klären: Erkläre, warum Deflation die Krise verstärken konnte.
- 2Veränderung bestimmen: Bei Deflation sanken die Preise; auch die Einkommen konnten zurückgehen.
- 3Schulden vergleichen: Der geschuldete Geldbetrag blieb unverändert. Mit weniger Einkommen war er schwerer zu bezahlen.
- 4Folge erklären: Einige Schuldner konnten nicht mehr zahlen. Weniger Nachfrage konnte die Preise weiter drücken.
- 5Ergebnis formulieren: Sinkende Preise waren deshalb nicht einfach eine Entlastung. Zusammen mit sinkenden Einkommen konnten sie die Schuldenprobleme verschärfen.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zu Brünings Maßnahmen In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Die letzte Aussage verwechselt das angestrebte Ziel mit der Wirkung. Richtig: Diese Maßnahmen verschärften die wirtschaftliche und soziale Krise.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Der Rückgang der US-Wirtschaft begann bereits im 1929. In Deutschland verschärfte die Bankenkrise die Lage. Arbeitslosigkeit und Armut zählen zu den Folgen.
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