Geschichte · Klasse 7–10 · aktualisiert
Versailler Vertrag: Inhalt, Folgen und Bewertung
Du lernst, wie der Versailler Vertrag entstand, welche Pflichten er Deutschland auferlegte und warum seine Folgen und seine Bewertung umstritten sind.
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Kurz gesagt
Der Versailler Vertrag regelte den Frieden mit Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg. Deutschland musste Gebiete abgeben, sein Militär verkleinern und Reparationen leisten, also für Kriegsschäden aufkommen. Der Vertrag belastete die junge Demokratie.
Wie kann nach einem Krieg ein Frieden entstehen, den die Beteiligten akzeptieren? Die Sieger wollten Sicherheit, hatten aber unterschiedliche Ziele. Du untersuchst, welche Regeln sie Deutschland auferlegten und warum ein Vertrag zugleich hart und ein Kompromiss sein konnte.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
1919 bestimmten die Siegermächte des Ersten Weltkriegs die Friedensverhandlungen in Paris. Der Versailler Vertrag betraf Deutschland; er war ein Teil der größeren Pariser Friedensordnung. Deutschland durfte an den mündlichen Verhandlungen nicht teilnehmen. Seine Vertreter konnten schriftlich Stellung nehmen.
Die Sieger hatten unterschiedliche Ziele. Frankreich wollte sich vor erneuten deutschen Angriffen schützen und den Nachbarn schwächen. Frankreich und das von Deutschland überfallene Belgien hatten besonders schwere Schäden an Straßen, Gebäuden und anderen Einrichtungen erlitten. Großbritannien wollte Deutschland auf dem europäischen Kontinent nicht zu stark schwächen und eine französische Vormacht verhindern. Der amerikanische Präsident Woodrow Wilson strebte eine friedliche Ordnung und günstige Handelsbedingungen an.
Die Siegermächte drohten mit einem Einmarsch, falls Deutschland nicht unterschrieb. Militärischer Widerstand erschien aussichtslos. Unter diesem Druck nahm die Nationalversammlung, das deutsche Parlament, die Bedingungen an. Der Vertrag wurde am 28. Juni 1919 unterzeichnet und am 10. Januar 1920 wirksam. Unterschrift und Beginn seiner Gültigkeit waren also zwei verschiedene Schritte.
Merke: Deutschland nahm den Vertrag unter dem Druck eines drohenden Einmarsches an. Das bedeutet nicht, dass es gleichberechtigt über die Bedingungen mitentschieden hatte.
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Die Bestimmungen lassen sich vier Bereichen zuordnen: Gebiet, Militär, Reparationen und internationale Ordnung. Reparationen waren Leistungen zum Ausgleich von Kriegsschäden. Deutschland musste dafür Geld und Sachleistungen aufbringen.
Bei den Gebieten ging Elsass-Lothringen an Frankreich. Posen und Teile Westpreußens gingen an Polen. Deutschland verlor seine Kolonien, also abhängige Gebiete unter seiner Herrschaft. In einigen Gebieten waren Abstimmungen über die Zugehörigkeit vorgesehen. Im nördlichen Schleswig fanden im Frühjahr 1920 zwei Abstimmungen in getrennten Zonen statt. Danach legte der Rat der Vier, ein Entscheidungsgremium der Siegermächte, fest: Die nördliche Zone kam zu Dänemark, die südlichere blieb bei Deutschland.
Beim Militär wurde das deutsche Heer auf 100.000 Mann begrenzt. Schwere Waffen und Luftstreitkräfte waren verboten. Das Rheinland wurde entmilitarisiert: Dort durfte Deutschland keine Truppen stationieren. Teile des Rheinlands wurden zeitweise von Truppen der Siegermächte besetzt.
Artikel 231, ein Abschnitt des Vertrags, benannte die Verantwortung Deutschlands und seiner Verbündeten für kriegsbedingte Verluste und Schäden. Er bildete die Grundlage für Reparationsforderungen. Die endgültige Gesamtsumme stand 1919 noch nicht fest. Die Forderung von 132 Milliarden Goldmark folgte erst 1921. Goldmark war die Einheit, in der diese Forderung angegeben wurde.
Zur internationalen Ordnung gehörten die gemeinsamen Regeln des Völkerbunds. Diese Vereinigung von Staaten sollte den Frieden sichern und Streit friedlich beilegen. Deutschland war bis 1926 kein Mitglied. Die USA, die Vereinigten Staaten von Amerika, traten dem Völkerbund nicht bei. Sie schlossen 1921 einen eigenen Frieden mit Deutschland.
Definition
Reparationen
Reparationen sind Leistungen zum Ausgleich von Kriegsschäden. Deutschland wurde zu Geld- und Sachleistungen verpflichtet.
Beispiel: Die Abstimmungen in Schleswig einordnen
- 1Im Frühjahr 1920 wurde in zwei Zonen über die Zugehörigkeit zu Deutschland oder Dänemark abgestimmt.
- 2Die nördliche Zone kam danach zu Dänemark, die südlichere blieb bei Deutschland.
- 3Das gehört zum Bereich Gebiet: Es ging darum, zu welchem Staat ein Gebiet gehörte.
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Gebietsverluste, die Verkleinerung des Militärs und die Reparationspflicht waren wirkliche Belastungen für Deutschland. Die Reparationen belasteten auch die Weimarer Republik, die deutsche Demokratie nach dem Ersten Weltkrieg. Sie waren eine von mehreren Ursachen der Inflation bis 1923. Inflation bedeutet, dass Preise steigen und Geld an Kaufkraft verliert. Die Reparationen erklären diese Entwicklung also nicht allein.
Davon musst du die Nutzung des Vertrags für politische Ziele unterscheiden. Gegner der Demokratie verbanden ihn mit der Dolchstoßlegende. Mit dieser falschen Schuldzuweisung machten sie demokratische Politiker für die Niederlage und die als Erniedrigung empfundenen Friedensbedingungen verantwortlich. So nutzten sie die Ablehnung des Vertrags, um die Demokratie anzugreifen. Auch andere politische Gruppen lehnten den Vertrag ab.
Der Vertrag belastete die Republik, machte ihr Scheitern aber nicht unvermeidlich. Um die weitere Entwicklung zu erklären, musst du auch die Reaktionen auf den Vertrag und spätere politische Entscheidungen untersuchen.
Merke: Unterscheide eine tatsächliche Belastung von ihrer politischen Nutzung. Aus einer Belastung folgt noch kein unvermeidliches Scheitern der Demokratie.
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Ein begründetes Urteil braucht einen Maßstab: Du musst sagen, woran du den Vertrag misst. Für Deutschland waren die erzwungene Annahme, die Gebietsverluste und die militärischen sowie wirtschaftlichen Pflichten hart. Zugleich musst du die Sicherheitsinteressen der vom Krieg geschädigten Länder berücksichtigen.
Als Kompromiss erscheint der Vertrag, weil die Siegermächte unterschiedliche Ziele hatten. Frankreich konnte seine weitreichendsten Forderungen nicht durchsetzen. Großbritannien wollte eine zu starke Schwächung Deutschlands auf dem europäischen Kontinent verhindern. Ein Kompromiss zwischen den Siegern bedeutete deshalb nicht, dass Deutschland gleichberechtigt zugestimmt hatte.
Auch über die Friedenswirkung gibt es unterschiedliche Einschätzungen. John Maynard Keynes, ein Vertreter der britischen Finanzbehörde bei den Verhandlungen, warnte vor den wirtschaftlichen Folgen der Zahlungsverpflichtungen. Er erwartete eine Gefährdung der internationalen Wirtschaftsbeziehungen und schwere Konflikte zwischen Menschen und Gruppen in Deutschland. Neuere Historiker betonen dagegen, dass der Vertrag im damals möglichen Rahmen Frieden und eine neue internationale Ordnung geschaffen habe. Die Zukunft sei offen gewesen und habe nicht zwangsläufig zum nächsten Krieg geführt.
Für eine Friedensordnung spricht das Ziel, Streit im Völkerbund friedlich beizulegen. Umstrittene Grenzen, der Ausschluss Deutschlands von den mündlichen Verhandlungen und gegenseitiges Misstrauen erschwerten dagegen die Zustimmung zur neuen Ordnung. Ein begründetes Urteil kann deshalb lauten: Der Vertrag schuf Regeln zur Friedenssicherung, belastete Deutschland aber erheblich und stieß dort auf Ablehnung. Ob du seine Härte oder seine Möglichkeiten stärker gewichtest, musst du mit Argumenten erklären.
Definition
Kompromiss
Bei einem Kompromiss werden unterschiedliche Forderungen miteinander verbunden. Dabei können die Beteiligten nicht alle ihre Ziele durchsetzen.
Merke: „Hart“ beschreibt hier die Belastungen für Deutschland. „Kompromiss“ beschreibt den Ausgleich unterschiedlicher Ziele der Sieger. Beide Urteile können zusammenpassen.
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Alles auf einen Blick
Versailler Vertrag
Entstehung
Die Siegermächte bestimmten die Verhandlungen; Deutschland nahm unter dem Druck eines drohenden Einmarsches an.
Bestimmungen
Gebietsverluste, militärische Beschränkungen und Reparationen belasteten Deutschland.
Friedenssicherung
Der Völkerbund sollte Streit zwischen Staaten friedlich beilegen.
Politische Nutzung
Demokratiegegner nutzten den Vertrag für Schuldzuweisungen gegen demokratische Politiker.
Bewertung
Deutschlands Belastungen und die Sicherheitsinteressen der Kriegsopfer müssen berücksichtigt werden. Das Scheitern der Republik war nicht unvermeidlich.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Großbritanniens Ziel als Grenze französischer Forderungen erklären
- 1Aufgabe: Erkläre, warum die Sieger trotz ihres gemeinsamen Sieges unterschiedliche Bedingungen anstrebten.
- 2Frankreichs Ziel bestimmen: Frankreich wollte Sicherheit vor weiteren deutschen Angriffen und eine Schwächung des Nachbarn.
- 3Großbritanniens Ziel gegenüberstellen: Großbritannien wollte Deutschland auf dem europäischen Kontinent nicht zu stark schwächen und eine französische Vormacht verhindern.
- 4Zusammenhang erklären: Eine besonders starke Schwächung Deutschlands entsprach deshalb nicht gleichermaßen den Zielen beider Sieger.
- 5Ergebnis formulieren: Die widersprüchlichen Interessen begrenzten die Forderungen der einzelnen Sieger. Darin liegt ein Argument für die Bewertung des Vertrags als Kompromiss.
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Prüfe die Aussagen zum Völkerbund In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage verwechselt das Ziel einer gemeinsamen Friedensordnung mit der tatsächlichen Mitgliedschaft. Richtig: Die USA traten dem Völkerbund nicht bei.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Elsass-Lothringen ging durch den Vertrag an . Der Vertrag wurde am 28. Juni unterzeichnet. Die Forderung nach 132 Milliarden Goldmark wurde gestellt.
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