Geschichte · Klasse 7–10 · aktualisiert
Umweltgeschichte: Mensch und Umwelt verstehen
Du lernst, wie Menschen und Umwelt einander beeinflussen, wie du Berichte prüfst und wie du Folgen der Industrialisierung beurteilst.
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Kurz gesagt
Umweltgeschichte untersucht, wie Gesellschaften ihre Umwelt verändern und wie Umweltbedingungen auf Menschen zurückwirken. Dabei betrachtet sie auch Entscheidungen und Vorstellungen von Natur. Sie fragt nach Nutzen und Belastungen über längere Zeiträume.
Eine Fabrik schafft Möglichkeiten zur Arbeit, kann aber auch Gewässer belasten. Wie hängen solche Veränderungen zusammen? Umweltgeschichte hilft dir, Wirkungen zu erklären und Fortschritt aus mehreren Blickwinkeln zu beurteilen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Umweltgeschichte untersucht Beziehungen in beide Richtungen: Menschen verändern ihre Umwelt, und Umweltbedingungen wirken auf Menschen zurück. Dazu gehören Gewässer, Landschaften und Ressourcen, also nutzbare natürliche Vorräte. Auch die Vorstellungen der Menschen von Natur gehören dazu.
Dabei geht es um längere Zeiträume und um beabsichtigte ebenso wie unbeabsichtigte Folgen. Natur allein erklärt geschichtliche Veränderungen nicht. Interessen, Wissen und Entscheidungen der Menschen gehören ebenfalls zur Erklärung. Umweltgeschichte prüft außerdem Stärken und Schwächen des früheren Umgangs mit Natur. Sie stellt frühere Zeiten nicht einfach als Zeiten vollkommener Harmonie mit der Natur dar.
Seit den 1970er-Jahren gewann Umweltgeschichte als Forschungsfeld an Profil. Das hing mit Umweltdebatten zusammen. Historiker arbeiten dabei mit anderen Wissenschaften zusammen. Sie untersuchen einzelne Orte ebenso wie Beziehungen über Grenzen hinweg.
Definition
Umweltgeschichte
Umweltgeschichte erforscht, wie Gesellschaften und Umwelt einander über längere Zeit beeinflussen.
Beispiel: Beispieltext, ausgedacht: Fragen zu einem Wald
- 1Ein Schüler möchte untersuchen, wie Menschen einen Wald genutzt haben.
- 2Er fragt auch, wie Veränderungen des Waldes auf das Leben der Menschen zurückwirkten.
- 3Zusätzlich untersucht er, welche Vorstellungen von Natur ihre Entscheidungen prägten.
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Eine Wirkungskette verbindet Veränderungen mit ihren Folgen. An der Emscher, einem Fluss in einer Industrieregion, kannst du mehrere Verbindungen erkennen. Kohleabbau und Industrie förderten das Wachstum von Siedlungen. Abwässer belasteten die Gewässer. Hinzu kamen Bergsenkungen: Der Boden sank durch den Bergbau ab. Das erschwerte zusätzlich den Wasserabfluss.
Überflutete Bereiche mit verschmutztem Wasser verschärften hygienische Probleme, also Probleme mit Sauberkeit und gesundem Wohnen. Hier wirkte eine veränderte Umwelt auf das Leben der Menschen zurück. Gemeinden, Industrie und Bergbau gründeten 1899 gemeinsam die Emschergenossenschaft. Dieser Zusammenschluss sollte die Wasserprobleme bearbeiten.
Die damalige Reaktion zielte vor allem darauf, Abwasser rasch Richtung Rhein abzuführen. Reinigung war nur einfach möglich, Naturschutz nachrangig. Die technische Lösung erleichterte die Entwässerung. Sie stellte aber noch keine umfassende ökologische Wiederherstellung dar, also keine umfassende Erholung der geschädigten Umwelt. Eine Reaktion konnte Probleme mindern und zugleich Belastungen weitertragen.
Diese Kette beschreibt die Emscherregion. Du kannst sie nicht unverändert auf alle Industrieregionen übertragen. Auch gilt: Nur weil zwei Ereignisse nacheinander stattfinden, ist das erste noch nicht die Ursache des zweiten.
Merke: Eine Wirkungskette braucht begründete Verbindungen. Beim Emscherbeispiel führten Umweltprobleme zu einer gemeinsamen gesellschaftlichen Reaktion.
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Eine historische Quelle ist ein Zeugnis, mit dem du etwas über Vergangenheit untersuchen kannst. Ein Bericht enthält aber nicht einfach die ganze Wirklichkeit. Ein Autor wählt aus und bewertet. Bei der Quellenbeobachtung hältst du zunächst fest, was im Bericht steht. Bei einer historischen Deutung erklärst du, was dieser Befund für deine Frage bedeutet.
H. Klose, der Autor eines 1919 veröffentlichten Berichts, blickte auf den Wandel seiner Heimat im Industriegebiet zurück. Er beschrieb Veränderungen der Landschaft und Verschmutzung. Dabei deutete er den Wandel als Verlust. Diese Angaben geben den Inhalt seines Berichts sinngemäß wieder; sie sind kein wörtliches Zitat.
Du kannst am Bericht beobachten, dass Klose Veränderungen schildert und bewertet. Seine Sicht auf den Wandel ist aber keine Messung: Aus seinem Bericht allein lassen sich keine messbaren Schadstoffkonzentrationen ableiten, also keine Angaben dazu, wie viel eines Schadstoffs vorhanden war. Ebenso wenig belegt er die Ansichten sämtlicher Bewohner.
Prüfe deshalb zuerst den Inhalt, dann Entstehungszeit und Sichtweise des Autors. Für eine weitergehende Erklärung brauchst du zusätzliche Belege. Auch die Emschergenossenschaft blickt auf ihre eigene Geschichte zurück. Ihre Sicht ist von ihrer Rolle als beteiligter Organisation geprägt. Das musst du berücksichtigen, ohne ihre Angaben deshalb pauschal zu verwerfen.
Merke: Die Beobachtung „Ein Autor bewertet einen Wandel als Verlust“ macht diesen Verlust noch nicht zu einem Urteil aller Bewohner oder zu einer Schadstoffmessung.
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Bei der Industrialisierung gewann die industrielle Produktion an Bedeutung. Sie steigerte die wirtschaftliche Leistung und veränderte Arbeit, Verkehr und städtische Versorgung. Zugleich bestanden scharfe soziale Gegensätze. Industrielle Städte erlebten Verschmutzung von Luft, Wasser und Boden. Technischer Wandel brachte Nutzen und Belastungen hervor.
Für ein begründetes Urteil unterscheidest du drei Bereiche. Ökonomisch bedeutet: die Wirtschaft betreffend. Dazu gehören Produktion und Arbeitsmöglichkeiten. Sozial bedeutet: das Zusammenleben und die Lebensbedingungen betreffend. Dazu gehören Wohnbedingungen und soziale Gegensätze. Ökologisch bedeutet: die Umwelt betreffend. Hier prüfst du etwa Gewässerbelastung und Landschaftsveränderung.
Mehr Produktion allein beweist deshalb keinen Fortschritt in allen Bereichen. Umgekehrt erfasst ein Urteil, das nur Verschmutzung betrachtet, den wirtschaftlichen Nutzen nicht. Lege offen, welche Gruppen und welchen Zeitraum du untersuchst. Erkläre dann, wie du Nutzen und Belastungen gegeneinander abwägst. Die Folgen müssen nicht für alle Gruppen und Orte gleich ausfallen.
| Bereich | Was prüfst du? |
|---|---|
| Wirtschaft | Produktion und Arbeitsmöglichkeiten |
| Zusammenleben | Wohn- und Lebensbedingungen sowie soziale Gegensätze |
| Umwelt | Belastung von Luft, Wasser und Boden sowie Veränderungen der Landschaft |
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Alles auf einen Blick
Umweltgeschichte
Gegenstand
Umweltgeschichte untersucht die gegenseitigen Einflüsse von Gesellschaft und Umwelt.
Wirkungskette
An der Emscher führten Wasserprobleme zu einer gemeinsamen Reaktion von Gemeinden, Industrie und Bergbau.
Grenze der Lösung
Die damalige Entwässerung an der Emscher war noch keine umfassende Erholung der geschädigten Umwelt.
Quellenprüfung
Die Bewertung eines Autors belegt weder Schadstoffmengen noch die Ansichten sämtlicher Bewohner.
Urteil
Wirtschaftliche, soziale und ökologische Folgen müssen gemeinsam betrachtet und begründet gewichtet werden.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Die damalige Entwässerung an der Emscher beurteilen
- 1Aufgabe: Beurteile, ob die damalige technische Reaktion auf die Wasserprobleme an der Emscher die Umwelt umfassend wiederherstellte.
- 2Ziel bestimmen: Das Abwasser sollte vor allem rasch Richtung Rhein abfließen.
- 3Nutzen benennen: Die technische Lösung erleichterte die Entwässerung.
- 4Grenzen prüfen: Reinigung war nur einfach möglich, Naturschutz nachrangig. Belastungen konnten weitergetragen werden.
- 5Urteil formulieren: Für die Entwässerung brachte die Lösung eine Erleichterung. Eine umfassende Erholung der geschädigten Umwelt war damit noch nicht erreicht.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zu Kloses Bericht In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage verwechselt eine Beschreibung mit einer Messung. Richtig: Aus seinem Bericht allein lassen sich keine messbaren Schadstoffkonzentrationen ableiten.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Gemeinden, Industrie und Bergbau gründeten die Emschergenossenschaft , um Wasserprobleme zu bearbeiten. Kloses rückblickender Bericht über seine Heimat im Industriegebiet wurde veröffentlicht. Den Wandel seiner Heimat deutete Klose als .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback