Geschichte · Klasse 7–10 · aktualisiert
Industrielle Revolution: Ursachen und Folgen
Du lernst, warum die Industrielle Revolution in Großbritannien begann, wie Technik und Fabriken zusammenwirkten und wie Menschen auf soziale Not reagierten.
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Kurz gesagt
Die Industrielle Revolution war ein grundlegender Wandel von Technik, Wirtschaft und Gesellschaft. Sie begann in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zunächst in England. Maschinen und Fabriken veränderten die Arbeit; zugleich verschärften sich soziale Probleme.
Wie verändert sich dein Alltag, wenn eine Maschine das Arbeitstempo bestimmt? Die Industrielle Revolution brachte neue Möglichkeiten der Herstellung und des Transports. Für viele Menschen bedeutete sie aber auch harte Arbeit, unsichere Einkommen und schlechte Wohnungen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
5 Abschnitte
Die Industrielle Revolution veränderte weit mehr als einzelne Werkzeuge. Aus einer Gesellschaft, in der die Landwirtschaft besonders wichtig war, entwickelte sich eine Industriegesellschaft. Maschinen und Fabriken gewannen für die Herstellung von Waren an Bedeutung. Zugleich veränderten sich Arbeit, Wohnen und das Zusammenleben.
Dieser Wandel begann in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zunächst in England. Er geschah schrittweise und erfasste verschiedene Länder zu unterschiedlichen Zeiten. Auch innerhalb Englands entwickelten sich die Regionen unterschiedlich: Im südlichen Lancashire, einer englischen Grafschaft, ging die Baumwollverarbeitung am Ende des 18. Jahrhunderts zur industriellen Herstellung über. Die Leinenherstellung im westlichen Lancashire blieb dagegen zurück.
In der englischen Industrie stieg die Herstellung von Waren pro Kopf. Doch mehr Waren bedeuteten nicht sofort bessere Lebensbedingungen für alle. In den wachsenden Städten fehlten ausreichende Wohnungen. Viele Menschen lebten vom Lohn ihrer Fabrikarbeit. Die neuen Arbeits- und Lebensprobleme wurden als soziale Frage bezeichnet.
Definition
Industrialisierung
Industrialisierung ist der technische, wirtschaftliche und soziale Wandel von einer vor allem durch Landwirtschaft geprägten Gesellschaft zur Industriegesellschaft.
Merke: Die Industrielle Revolution war ein tiefgreifender, schrittweiser Wandel. Sie erfasste weder alle Orte gleichzeitig noch verbesserte sie sofort das Leben aller Menschen.
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Für den Beginn in Großbritannien reicht eine einzelne Ursache nicht aus. Mehrere Bedingungen wirkten zusammen. Dazu gehörten eine lange vorausgegangene Friedensperiode und ein gemeinsames Wirtschaftsgebiet ohne Zollschranken. Innerhalb dieses Gebiets behinderten also keine solchen Abgaben den Warenverkehr. Die Lage und Landschaft waren günstig für Transporte. Außerdem gab es ergiebige, leicht zugängliche Kohlevorkommen.
Die Landwirtschaft stellte vergleichsweise viele Lebensmittel mit weniger Arbeit her. Zugleich verloren Kleinbauern durch die Aufteilung gemeinschaftlich genutzter Flächen den Zugang zu Weiden und Wäldern. Ein erheblicher Teil der landwirtschaftlich Beschäftigten konnte seinen Lebensunterhalt dort nicht mehr sichern. Diese Menschen suchten Arbeit in Städten und gehörten mit zu den Arbeitskräften für Fabriken.
Auch Handel, Nachfrage und Erfindungen waren wichtig. Kolonien, also von Großbritannien beherrschte Gebiete, lieferten Rohstoffe und boten Absatzmärkte: Dort konnten Waren verkauft werden. Hinzu kamen der entwickelte Überseehandel und die Nachfrage im eigenen Land. Erfahrene Werkzeugmacher, Erfinder und unternehmerisch tätige Menschen halfen, Neuerungen in der Herstellung einzusetzen. Für Maschinen, Fabriken und Verkehrswege brauchte man außerdem Geld zur Finanzierung.
Manche dieser Bedingungen bestanden auch in anderen Regionen, etwa in den Niederlanden. Deshalb erklärt beispielsweise Kohle allein noch nicht, warum der Wandel gerade in Großbritannien begann.
Definition
Bedingungsgefüge
Ein Bedingungsgefüge besteht aus mehreren Bedingungen, die zusammenwirken. Keine einzelne davon erklärt die gesamte Entwicklung.
Merke: Rohstoffe, Landwirtschaft, Handel, Nachfrage, Finanzierung und technische Kenntnisse gehörten zusammen zur Erklärung des britischen Beginns.
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In der Textilherstellung, also der Herstellung von Garn und Stoffen, wurden wichtige Maschinen entwickelt. Spinnmaschinen stellten Garn her, mechanische Webstühle verarbeiteten es zu Stoff. Solche Erfindungen ermöglichten das Fabriksystem: Maschinen kamen in Betrieben zum Einsatz, und die Arbeit wurde auf verschiedene Tätigkeiten verteilt. Die Textilindustrie gab auch anderen Industriezweigen Anstöße.
Die Dampfmaschine löste diesen Wandel nicht aus. In der ersten Phase war Wasserkraft die wichtigste Kraftquelle bei der Warenherstellung. Dampfkraft setzte sich erst über einen langen Zeitraum durch. Sie machte später auch den wirtschaftlichen Betrieb von Fabriken weit entfernt von Wasserläufen möglich.
Kohle, Eisen und Dampfmaschinen verstärkten ihre Entwicklung gegenseitig. Für die Eisenherstellung wurde zunehmend Kohle eingesetzt. Das erhöhte den Kohlebedarf. Dampfmaschinen trieben Pumpen an, die Wasser aus Bergwerken entfernten. Dadurch ließ sich Kohle aus größeren Tiefen fördern. Verbesserte Verfahren der Eisenherstellung ermöglichten wiederum den Bau von Maschinen, Eisenbahnen und größeren Schiffen in viel größerem Umfang.
Mehr Waren, Kohle und Eisen mussten transportiert werden. Deshalb wurden bessere Verkehrswege wichtiger. Kanäle ergänzten die unzureichenden Straßen und natürlichen Wasserwege. Auch die Eisenbahn entwickelte sich aus dem britischen Kohlenbergbau. So verbanden sich Rohstoffgewinnung, Herstellung und Verkehr zu einem Wirkungsgefüge: Veränderungen in einem Bereich beeinflussten andere Bereiche.
Definition
Fabriksystem
Beim Fabriksystem werden Waren in Betrieben mit Maschinen hergestellt. Die Arbeit wird dabei auf verschiedene Tätigkeiten aufgeteilt.
Beispiel: Warum wurden Kanäle wichtig?
- 1Mit wachsender Baumwollproduktion, Kohleförderung und Eisenherstellung nahm der Transportbedarf zu.
- 2Die vorhandenen Straßen und natürlichen Wasserwege reichten dafür nicht aus.
- 3Der Kanalbau ergänzte die Verkehrswege und erleichterte den Transport großer Warenmengen.
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Unternehmer finanzierten Maschinen und Fabriken und bestimmten die Arbeitsbedingungen. Lohnarbeiter verdienten ihren Lebensunterhalt dagegen durch Arbeit gegen Bezahlung. In den frühen Fabriken gab der Maschinentakt das Tempo vor. Die Fabrikordnung regelte Pausen. Fabrikherren setzten Strafen und Lohnabzüge ein, um Gehorsam durchzusetzen; Kinder wurden auch körperlich bestraft.
Heimarbeiter arbeiteten außerhalb der Fabriken, häufig im Familienverband. Sie gerieten durch billigere Fabrikwaren unter Druck und konnten mit deren Preisen oft nicht mithalten. Auch viele Kleinbauern und Landlose suchten deshalb oder wegen fehlender Verdienstmöglichkeiten auf dem Land Arbeit in Städten. Diese Abwanderung vom Land beschleunigte das Wachstum der Städte. Dort fehlten ausreichende Wohnungen.
Frauen und Kinder hatten schon vor der Industriellen Revolution gearbeitet. Neu war ihre massenhafte Beschäftigung außerhalb des Familienverbands. Frauen übernahmen zumeist schnell erlernbare Hilfstätigkeiten und körperlich schwere Handarbeit, die noch nicht von Maschinen erledigt wurde. Sie erhielten weniger Lohn als männliche Arbeitskräfte. Arbeitgeber begründeten dies unter anderem mit der Behauptung, Frauen müssten keine Familie ernähren. Das war eine Rechtfertigung der ungleichen Bezahlung.
Unternehmer und Käufer konnten von den neuen Produktionsweisen profitieren. Für die arbeitende Bevölkerung bedeutete die Entwicklung dagegen nicht sofort mehr Wohlstand. Die meisten Wirtschaftshistoriker stimmen darin überein, dass die Einkommen zwischen 1790 und 1840 ungleicher verteilt wurden. Wie stark sich der Lebensstandard zeitweilig verschlechterte, wird unterschiedlich eingeschätzt. Wohnungen, Arbeitslosigkeit und Umweltverschmutzung gehören deshalb ebenso zum Vergleich wie der Lohn.
| Gruppe | Arbeit und Einkommen | Besondere Lage |
|---|---|---|
| Unternehmer | Finanzierten Maschinen und Fabriken. | Bestimmten die Arbeitsbedingungen. |
| Fabrikarbeiter | Lebten von bezahlter Arbeit. | Maschinentakt und Fabrikordnung bestimmten den Arbeitstag. |
| Heimarbeiter | Stellten Waren häufig im Familienverband her. | Billigere Fabrikwaren bedrohten ihren Verdienst. |
| Frauen in der Fabrikarbeit | Erhielten weniger Lohn als männliche Arbeitskräfte. | Übernahmen zumeist Hilfstätigkeiten und schwere Handarbeit. |
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Die soziale Frage umfasste die Probleme der stark veränderten Arbeits- und Lebenswelt. Dazu gehörten Not, schlechte Wohnungen und fehlender Schutz bei Krankheit, Unfall, Alter oder Arbeitslosigkeit. Rechte, sich als Arbeiter zusammenzuschließen oder zu streiken, fehlten weitgehend. Bei einem Streik legen Arbeiter gemeinsam die Arbeit nieder, um Forderungen durchzusetzen.
Manche Proteste richteten sich direkt gegen Maschinen. In England zerstörten die Ludditen, eine Protestbewegung von Arbeitern, 1811 und 1812 zahlreiche Spinnereien. Billigere Maschinenwaren bedrohten den Lebensunterhalt der Heimarbeiter. Der Staat setzte Militär gegen die Bewegung ein. Beteiligte wurden hingerichtet oder zwangsweise nach Australien gebracht.
Andere Arbeiter setzten auf gegenseitige Hilfe und gemeinsame Interessenvertretung. Zu Beginn der 1820er-Jahre gründeten Handwerker Kooperativen: Zusammenschlüsse, deren Mitglieder einander etwa bei Krankheit, Arbeitslosigkeit und Wohnungssuche unterstützten. In den 1830er-Jahren nahm die britische Gewerkschaftsbewegung in den Trade Unions Gestalt an. Gewerkschaften vertreten gemeinsame Interessen der Lohnarbeiter.
Politische Mitbestimmung war ebenfalls ein Ziel. Nach der britischen Wahlrechtsreform von 1832 blieben mittellose Arbeiter ohne Stimmrecht. Die Chartisten, eine politische Bewegung, forderten 1838 das allgemeine Wahlrecht für Männer. Sie verlangten außerdem einen Achtstundentag und Änderungen der Armenhilfe. Ihre Eingaben an das Parlament blieben in der Kernfrage des Wahlrechts erfolglos.
Der Staat reagierte auch mit Reformen. Das britische Parlament erließ ab 1802 Fabrikgesetze, die Arbeitszeiten von Kindern, Jugendlichen und Frauen beschränkten. Erst Fabrikinspektoren, die ab 1833 die Einhaltung kontrollieren sollten, verschafften diesen Gesetzen begrenzte Wirksamkeit. Protest, Selbsthilfe, Gewerkschaften und staatliche Regeln waren also unterschiedliche Antworten auf die soziale Frage.
Definition
Soziale Frage
Die soziale Frage bezeichnet die Probleme und Herausforderungen der stark veränderten Arbeits- und Lebenswelt im 19. Jahrhundert.
Merke: Ein beschlossenes Gesetz schützt Menschen noch nicht ausreichend. Auch seine Kontrolle ist wichtig. Die britischen Fabrikgesetze wirkten zunächst nur begrenzt.
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Alles auf einen Blick
Industrielle Revolution
Wandel
Die Industrielle Revolution veränderte Technik, Wirtschaft und Gesellschaft schrittweise und regional unterschiedlich.
Bedingungen
In Großbritannien wirkten Rohstoffe, Landwirtschaft, Handel, Nachfrage, Finanzierung und technische Kenntnisse zusammen.
Verbindungen
Textilmaschinen, Fabriken, Kohle, Eisen, Dampfmaschinen und Verkehr beeinflussten einander.
Lebensbedingungen
Unternehmer, Fabrikarbeiter und Heimarbeiter erlebten unterschiedliche Vorteile und Belastungen.
Reaktionen
Protest, Arbeiterorganisationen und staatliche Reformen antworteten auf die soziale Frage.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Wie halfen Pumpen beim Ausbau der Kohleförderung?
- 1Ausgangspunkt bestimmen: Bei der Eisenherstellung wurde zunehmend Kohle eingesetzt. Dadurch stieg der Kohlebedarf.
- 2Hindernis benennen: In Bergwerke eindringendes Wasser erschwerte den Abbau.
- 3Technische Verbindung erklären: Dampfmaschinen trieben Wasserpumpen an. Dadurch konnte Kohle aus größeren Tiefen gefördert werden.
- 4Zusammenhang formulieren: Der höhere Kohlebedarf und die verbesserte Förderung gehörten zum Wirkungsgefüge von Eisenherstellung, Bergbau und Dampfmaschinen.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zur Arbeit von Frauen und Kindern In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage setzt den Beginn zu spät an. Richtig: Frauen- und Kinderarbeit gab es schon vor der Industriellen Revolution. Neu war ihre massenhafte Beschäftigung außerhalb des Familienverbands.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Am Ende des 18. Jahrhunderts ging im Lancashire die Baumwollverarbeitung zur industriellen Herstellung über. In der ersten Phase der Industriellen Revolution war bei der Warenherstellung die wichtigste Kraftquelle. Die britische Gewerkschaftsbewegung nahm in den in den Trade Unions Gestalt an.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback