Geschichte · Klasse 11–13 · aktualisiert
Globalisierung im Geschichtsabitur analysieren
Du vergleichst Anfänge der Globalisierung, erklärst ihre Antriebe und Folgen und beurteilst Handelsregeln und Abiturmaterial.
0 von 10 Aufgaben gelöst
Kurz gesagt
Globalisierung bedeutet, dass weltweite Beziehungen in allen Lebensbereichen zunehmen und dichter werden. Für ihre historische Analyse vergleichst du Zeiträume, Antriebe und Folgen. Dein Urteil braucht Kriterien und Belege.
Mehr Handel kann neue Möglichkeiten eröffnen und zugleich Abhängigkeiten verstärken. Deshalb reicht es im Geschichtsabitur nicht, Globalisierung als Erfolg oder als Belastung zu bezeichnen. Du untersuchst, wer sich unter welchen Bedingungen miteinander verband und welche Folgen das für unterschiedliche Gruppen hatte.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
5 Abschnitte
Globalisierung bezeichnet die Zunahme und Verdichtung weltweiter Beziehungen in allen Lebensbereichen. Ihr Anfang ist umstritten. Entscheidend ist, welche Beziehungen du untersuchst und was du als ausreichend starke Verflechtung ansiehst.
Für einen frühen Ansatz spricht der etablierte Fernhandel zwischen Asien und Rom: Seide aus China und Gewürze aus Indien gelangten bereits zu Beginn der westlichen Zeitrechnung nach Rom. Dieser Handel wird als frühe Form der Globalisierung betrachtet. Er verlief über mehrere Transporteure und verband verschiedene Räume.
Viele Historiker setzen den Beginn dagegen bei der europäischen Expansion an, also der Ausweitung europäischer Macht und Handelsbeziehungen. Im 16. Jahrhundert intensivierte sich der Austausch: Amerikanisches Silber war in China gefragt, chinesische Seide und chinesisches Porzellan in Europa. Eine weitere Position betont die Integration von Märkten und die weltweite Kriegstätigkeit europäischer Mächte im 19. Jahrhundert. Andere Positionen setzen erst nach dem Zweiten Weltkrieg an oder verstehen Globalisierung als einen so alten Trend wie die Menschheit.
Eine Einteilung in drei große Schübe um 1500, um 1900 und um 2000 hebt Verdichtungen hervor. Der Wirtschaftshistoriker Knut Borchardt arbeitet dagegen mit Wellen zunehmender und abnehmender Verflechtung. Er untersucht eine Welle von den 1840er Jahren bis zum Ersten Weltkrieg. Mit dem Krieg endete das Wachstum der Verflechtung; mit der Weltwirtschaftskrise ab 1929 nahm sie wieder ab.
Begründe eine zeitliche Einteilung deshalb über deine Frage: Für frühe Fernkontakte eignet sich ein anderer Anfang als für eng verbundene Weltmärkte. Ein früher Kontakt belegt noch nicht dieselbe Dichte der Beziehungen wie eine spätere Globalisierungswelle.
Definition
Periodisierung
Eine Periodisierung teilt Geschichte in Zeitabschnitte ein. Die gewählten Grenzen hängen davon ab, welche Veränderungen untersucht werden.
Merke: Ein Anfangsdatum braucht ein Kriterium: Geht es um frühe Kontakte, weltweiten Handel oder besonders dichte Beziehungen?
Teste dich
Technische Möglichkeiten erleichtern Verflechtung. Dampfkraft und Eisenbahn gehörten zu den Grundlagen einer historischen Globalisierungswelle. Moderne Kommunikation über das Internet ermöglicht vernetzte Zusammenarbeit. Beim Warentransport machen Container den Transport, das Umladen und die Zwischenlagerung effizienter.
Wirtschaftliche Interessen geben diesen Möglichkeiten eine Richtung. Industriell produzierende Kolonialmächte suchten im 19. Jahrhundert weltweit Absatzmärkte und bezogen Rohstoffe aus beherrschten Ländern. Raj Kollmorgen erklärt die historische Globalisierungswelle durch das Zusammenwirken technischer Neuerungen und der Bedürfnisse kapitalistischer Weltmärkte. Technischer Fortschritt allein erklärt die Verflechtung also nicht.
Politische Entscheidungen konnten Handel erleichtern, etwa durch den Abbau von Handelsbeschränkungen. Andere Verbindungen wurden mit Gewalt durchgesetzt. Kollmorgen unterscheidet die Annexion und Ausbeutung von Gebieten, die militärische Absicherung von Einflusszonen sowie meist durch Drohungen gestützte Marktöffnungen unter der Parole des Freihandels. Staaten gestalteten die Bedingungen des Austauschs aktiv.
Auch Finanzmärkte verbanden weit entfernte Räume. Nach dem Ersten Weltkrieg löste New York London als Weltfinanzmarkt ab. Verflechtung bedeutet deshalb nicht nur mehr Verbindungen: Auch deren Zentren und Machtverhältnisse können sich verschieben.
Beispiel: Containertransport als technischer Antrieb
- 1Waren werden in Containern transportiert.
- 2Das erleichtert Transport, Umladen und Zwischenlagerung.
- 3Damit ist ein technischer Antrieb erklärt. Wirtschaftliche Interessen und politische Handelsregeln musst du zusätzlich untersuchen.
Merke: Erkläre das Zusammenspiel: Welche Technik steht bereit, welches wirtschaftliche Interesse besteht und welche politischen Bedingungen ermöglichen den Austausch?
Teste dich
Eine Untersuchung der Folgen braucht konkrete Gruppen. Viele weltweit produzierende Unternehmen können Unterschiede bei Arbeitskosten, Steuern und Investitionsbedingungen zu ihrem Vorteil nutzen. Kleinere Unternehmen, die national arbeiten, haben diese Möglichkeiten zunächst nicht. Die Konkurrenz international tätiger Unternehmen bedroht vielfach ihre Existenz.
Marktöffnung kann Schwellenländern, also Ländern auf dem Weg zu stärkerer wirtschaftlicher Entwicklung, Wachstum und verhältnismäßigen Wohlstand ermöglichen. Relativ niedrige Löhne bei relativ niedrigen Lebenskosten können dabei helfen. Zugleich kann die Ausrichtung auf Weltmärkte einen drastischen Strukturwandel auslösen. Nicht wettbewerbsfähige Branchen können niedergehen. Für Arbeiter können Arbeitsplatzverlagerungen negative Folgen haben, wenn am bisherigen Standort keine entsprechend entlohnten neuen Arbeitsplätze entstehen.
Auch Geschlechterverhältnisse gehören zur Analyse. Forschung zu diesem Thema beschreibt einerseits den Einsatz von Frauen in flexiblen und unsicheren Arbeitsverhältnissen, etwa in der Textilverarbeitung Lateinamerikas und Südostasiens. Andererseits eröffnen neue Kommunikationsmedien und internationale Organisationen Frauen zusätzliche Möglichkeiten zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit.
Historische Verflechtung konnte auf Gewalt und Ausbeutung beruhen. Spanien und Portugal errichteten in Mittel- und Südamerika Kolonialreiche. Ihre gewaltsame Landnahme zerstörte altamerikanische Hochkulturen. Ausbeutung und eingeschleppte Krankheiten verursachten einen dramatischen Rückgang der indigenen Bevölkerung, also der ursprünglichen Bewohner. In der Karibik sank die Bevölkerung in den ersten hundert Jahren spanischer Herrschaft um bis zu 90 Prozent. Spanier und Portugiesen führten versklavte Afrikaner auf amerikanische Plantagen ein, um den Arbeitskräftemangel zu schließen.
Im Ersten Weltkrieg rekrutierten Kolonialmächte Arbeitskräfte für die Kriegsproduktion in den Kolonien und brachten andere für Frontdienste, Fabriken und Bergbau nach Europa. Diese Mobilisierung ging mit rassistischen Übergriffen und ausbleibenden politischen oder sozialen Zugeständnissen einher. Zugleich stärkte der Krieg antikoloniales Engagement und politisches Selbstvertrauen. Koloniale Gesellschaften verfolgten eigene Interessen; sie waren nicht bloß Ressourcenräume europäischer Mächte.
| Gruppe | Mögliche Chance | Belastung oder Grenze |
|---|---|---|
| Weltweit produzierende Unternehmen | Unterschiedliche Standortbedingungen nutzen | Die Vorteile stehen kleineren nationalen Unternehmen zunächst nicht ebenso offen. |
| Schwellenländer | Marktöffnung kann Wachstum und verhältnismäßigen Wohlstand ermöglichen. | Die Ausrichtung auf Weltmärkte kann zum Niedergang nicht wettbewerbsfähiger Branchen führen. |
| Frauen | Internationale Zusammenarbeit über neue Medien | Flexible und unsichere Arbeit, etwa in der Textilverarbeitung Lateinamerikas und Südostasiens |
Teste dich
Freihandel zielt auf den Abbau von Handelsbeschränkungen. Protektionismus schützt die heimische Wirtschaft etwa durch Zölle auf eingeführte Waren oder durch begrenzte Einfuhrmengen. Für ein historisches Urteil musst du die konkrete Ausgestaltung, die betroffenen Gruppen und die Machtverhältnisse prüfen.
Der Vertrag von Nanjing öffnete 1842 fünf chinesische Häfen für britischen Handel. Er gehörte zu den militärisch erzwungenen ungleichen Verträgen. Hongkong wurde britische Kolonie; China musste 21 Millionen Silberdollar zahlen. Um 1900 ermöglichten Vertragshäfen freien, aber einseitig an Großmachtinteressen orientierten Handel mit ganz China. Marktöffnung war hier mit eingeschränkter chinesischer Selbstbestimmung verbunden.
Borchardt deutet den gemäßigten Protektionismus seit den Wirtschaftskrisen der 1870er Jahre anders als eine bloße Blockade des Austauschs. Er sieht ihn als Teil sozialer Kompromisse, durch die Gewinner der Globalisierung Verlierern Zugeständnisse machten. Nach seinem Ansatz wurde die Zunahme der Verflechtung dadurch nicht behindert. Er stellt sogar die Hypothese auf, dass die Milderung sozialer Konflikte sie gefördert habe.
Dem steht eine andere historische Überblicksdeutung gegenüber: Sie betont, dass Schutzzölle und die Abschottung kolonialer Einflussgebiete in den späten 1870er und 1880er Jahren den Globalisierungsschub dämpften. Diese Aussagen darfst du nicht zu einer eindeutigen Regel vereinfachen. Prüfe, ob sie dieselben Maßnahmen, Räume und Wirkungen meinen. Die hier verfügbaren Angaben reichen nicht aus, um den Gegensatz abschließend aufzulösen.
Auch Schutzmaßnahmen können unterschiedliche Gruppen treffen. Viele Entwicklungsländer erheben relativ hohe Zölle, um empfindliche Wirtschaftsstrukturen zu schützen und Einnahmen zu erzielen. Zugleich begrenzen hohe Importzölle oder Einfuhrmengen in Industrieländern die Absatzchancen wettbewerbsfähiger landwirtschaftlicher Produkte aus Entwicklungsländern. Ein tragfähiges Urteil fragt deshalb: Schutz für wen, Zugang für wen und unter welchen politischen Bedingungen?
Definition
Protektionismus
Politik zum Schutz der heimischen Wirtschaft vor ausländischer Konkurrenz, etwa durch Einfuhrzölle oder begrenzte Einfuhrmengen.
Merke: Mehr Handel belegt noch keine gleichberechtigten Beziehungen. Schutzmaßnahmen können soziale Belastungen mildern und zugleich den Marktzugang anderer Gruppen begrenzen.
Teste dich
Beginne mit einer Leitfrage. Beim Befund hältst du fest, was das Material tatsächlich aussagt: Welcher Zeitraum, welche Gruppe und welche Form der Verflechtung werden genannt? Prüfe außerdem, wer spricht, aus welcher Perspektive und mit welcher Absicht. Eine Behauptung im Material ist zunächst eine Aussage dieses Autors, nicht schon eine bewiesene historische Tatsache.
In der Deutung erklärst du die Bedeutung des Befunds im historischen Zusammenhang. Dabei muss erkennbar bleiben, wo die Aussage des Materials endet und deine Schlussfolgerung beginnt. Ein Urteil beantwortet schließlich die Leitfrage anhand offengelegter Kriterien. Ein Sachurteil kann etwa prüfen, wie gut eine Periodisierung bestimmte Verflechtungen erklärt. Ein Werturteil bezieht eigene oder gegenwärtige Wertmaßstäbe ein, etwa Selbstbestimmung. Beide brauchen Belege.
Zahlen erfordern besondere Sorgfalt. Der statistisch erfasste weltweite Warenexport stieg zwischen 1960 und 2017 auf mehr als das 19-Fache, die statistisch dokumentierte Güterproduktion auf das 7-Fache. Das spricht für eine stärkere Bedeutung des grenzüberschreitenden Warenverkehrs. Daraus folgt aber weder eine gleichmäßige Verteilung der Vorteile noch eine entsprechend starke Zunahme sämtlicher kultureller oder politischer Beziehungen.
Solche Messgrößen heißen Indikatoren. Bei ihnen ist zu prüfen, was sie tatsächlich erfassen. Es ist nicht eindeutig festgelegt, welche Indikatoren Globalisierung am besten messen oder ab welcher Stärke sie einen bestimmten Entwicklungsstand belegen. Diese Grenzen machen sie nicht unbrauchbar; sie können weitere Untersuchungen anleiten.
Auch eine globale Perspektive ist nicht standortneutral. Der Historiker Jürgen Osterhammel fordert, Sichtweisen bewusst zu wechseln und zu relativieren. Der Historiker Sebastian Conrad warnt davor, dass ein Vergleich zwischen nur zwei Ländern weiter reichende globale Verbindungen übersehen kann. Die Schritte Befund, Deutung und Urteil helfen dir bei der Analyse; sie sind keine bundesweit einheitliche Abiturvorschrift.
| Schritt | Leitfrage | Prüfung |
|---|---|---|
| Befund | Was steht tatsächlich im Material? | Zeitraum, Gruppe, Aussage und Einschränkungen festhalten |
| Deutung | Was bedeutet der Befund im Zusammenhang? | Materialaussage und eigene Schlussfolgerung unterscheiden |
| Urteil | Wie beantworte ich die Leitfrage? | Kriterien nennen, Belege prüfen und Grenzen offenlegen |
Teste dich
Alles auf einen Blick
Globalisierung (Abitur)
Anfänge
Unterschiedliche Kriterien führen zu unterschiedlichen zeitlichen Einteilungen der Globalisierung.
Antriebe
Technik, wirtschaftliche Interessen und politische Macht wirken zusammen.
Folgen
Chancen und Belastungen müssen für konkrete Gruppen untersucht werden.
Handelsregeln
Freihandel und Protektionismus sind nach Ausgestaltung, Machtverhältnissen und Folgen zu beurteilen.
Materialanalyse
Trenne Befund, Deutung und Urteil und benenne die Grenzen deiner Belege.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Die Marktöffnung durch den Vertrag von Nanjing beurteilen
- 1Leitfrage bestimmen: Belegt die Marktöffnung durch den Vertrag von Nanjing gleichberechtigte Handelsbeziehungen?
- 2Befund sichern: Der Vertrag öffnete 1842 fünf chinesische Häfen für britischen Handel. Er gehörte zu den militärisch erzwungenen ungleichen Verträgen.
- 3Befund deuten: Der neue Zugang entstand unter militärischem Druck. Die Öffnung zeigt deshalb nicht von sich aus eine gleichberechtigte Vereinbarung.
- 4Kriterium nennen: Für gleichberechtigte Handelsbeziehungen ist entscheidend, ob beide Seiten ihre Bedingungen ohne militärischen Zwang aushandeln können.
- 5Urteil formulieren: Nach diesem Kriterium belegt der Vertrag keine gleichberechtigte Öffnung. Er zeigt, wie Handelszugang und politische Machtausübung verbunden waren.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zur kolonialen Mobilisierung im Ersten Weltkrieg In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage ersetzt ausbleibende durch gewährte Zugeständnisse. Richtig: Die globale koloniale Mobilisierung ging mit rassistischen Übergriffen und ausbleibenden politischen oder sozialen Zugeständnissen einher.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Die Einteilung in drei große Globalisierungsschübe nennt neben um 1500 und um 2000 auch . Nach dem Ersten Weltkrieg wurde zum Weltfinanzmarkt anstelle des bisherigen Zentrums. Der Vertrag von Nanjing öffnete fünf chinesische Häfen für britischen Handel.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback