Geschichte · Klasse 9–10 · aktualisiert
Periodisierung der Geschichte prüfen und entwickeln
Du lernst, warum Geschichte in Epochen eingeteilt wird, wie du ihre Grenzen prüfst und wie du ein eigenes begründetes Periodenmodell entwickelst.
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Kurz gesagt
Periodisierung bedeutet, Geschichte in Zeitabschnitte mit gemeinsamen Merkmalen einzuteilen. Das schafft Überblick. Welche Grenzen sinnvoll sind, hängt von der Frage, dem untersuchten Raum und den Belegen für Veränderung und Fortbestand ab.
Beginnt mit einer neuen politischen Ordnung auch ein neues Alltagsleben? Eine Jahreszahl kann einen wichtigen Einschnitt markieren, ohne dass sich alles zugleich verändert. Du prüfst, was Epochengrenzen erklären und wo ihre Grenzen liegen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
3 Abschnitte
Geschichte umfasst viele Ereignisse und Entwicklungen. Mit einer Periodisierung ordnest du sie in Zeitabschnitte, die bestimmte Merkmale gemeinsam haben. So werden Zusammenhänge und Unterschiede erkennbar. Der Historiker Jörn Rüsen hält diese Ordnung für einen notwendigen Schritt, um Geschichte zu verstehen.
Die Einteilung hängt aber von deiner Frage ab. Untersuchst du politische Herrschaft, achtest du auf andere Veränderungen als bei einer Untersuchung von Wirtschaft oder Kunst. Auch der geografische und kulturelle Blickwinkel beeinflusst, welche Merkmale wichtig erscheinen. Periodisierungen sind deshalb perspektivisch: Sie beruhen auf einer bestimmten Sichtweise. Das macht sie nicht beliebig. Ihre Grenzen brauchen Belege.
Eine verbreitete Einteilung der europäischen Geschichte unterscheidet Altertum, Mittelalter und Neuzeit. Diese Dreiteilung lässt sich nicht auf Gesellschaften außerhalb Europas übertragen. Auch innerhalb der europäischen Geschichte sind Grenzen umstritten. Häufig gilt die Renaissance als Beginn der Neuzeit. Sie war eine Bewegung, die sich an antiken Vorbildern orientierte. Der Historiker Le Goff ordnet sie dagegen einem langen Mittelalter zu, das für ihn erst mit Neuerungen des 18. Jahrhunderts endet.
Definition
Periodisierung
Eine begründete Einteilung der Geschichte in Zeitabschnitte. Innerhalb eines Abschnitts stehen gemeinsame Merkmale im Mittelpunkt; zwischen den Abschnitten wichtige Unterschiede.
Beispiel: Zwei Einordnungen der Renaissance
- 1In einer verbreiteten Einteilung eröffnet die Renaissance die Neuzeit.
- 2Le Goff betrachtet sie dagegen als Teil eines langen Mittelalters.
- 3Die unterschiedliche Grenze zeigt: Historiker können Veränderungen unterschiedlich gewichten.
Teste dich
Prüfe eine vorgeschlagene Grenze mit drei Fragen: Was verändert sich? Was besteht fort? Für welchen Raum gilt die Aussage? Wandel bezeichnet Veränderungen. Kontinuität bedeutet, dass etwas über eine Grenze hinweg fortbesteht.
1945 ist für das Ende der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland ein tiefer Einschnitt. Die nationalsozialistische Herrschaft wird auch NS-Herrschaft genannt. Die soziale Schichtung, also die Gliederung der Gesellschaft in unterschiedliche Gruppen, änderte sich aber nicht vollständig mit diesem Datum. Auch Erziehungsstile und Wertvorstellungen bestanden teilweise fort. Ein politischer Einschnitt bedeutet daher keinen vollständigen gesellschaftlichen Neubeginn.
Auch die räumliche Reichweite ist begrenzt. Für die Frage nach dem Ende von Gewalt ist 1945 keine weltweit einheitliche Grenze. In Mittelosteuropa setzte sich Gewalt fort. Koloniale Konflikte in Asien und Afrika dauerten an, also Konflikte im Zusammenhang mit der Herrschaft fremder Mächte. Ebenso braucht die Dreiteilung in Altertum, Mittelalter und Neuzeit eine räumliche Einschränkung: Sie ist eine Einteilung europäischer Geschichte.
Fortbestand kannst du auch an Kommunikationsweisen prüfen. Der Historiker Albert D’Haenens unterscheidet Zeitabschnitte nach vorherrschenden Kommunikationsweisen. In seinem Modell folgt auf die mündliche Weitergabe eine Phase vorherrschender Schriftlichkeit. Danach gewinnt elektronische Kommunikation gegenüber Gedrucktem an Bedeutung. Rüsen betont dazu die Überlappung: Auch im Zeitalter elektronischer Kommunikation gibt es Gespräche und die Lektüre gedruckter Werke. Vorherrschen bedeutet also nicht, andere Formen vollständig zu ersetzen.
Merke: Eine Epochengrenze kann für eine bestimmte Frage gut passen und für eine andere zu grob sein. Prüfe Veränderungen, Fortbestand und räumliche Reichweite gemeinsam.
| Prüfschritt | Leitfrage |
|---|---|
| Wandel | Welche wichtigen Merkmale verändern sich? |
| Kontinuität | Welche Merkmale bestehen über die Grenze hinweg fort? |
| Raum | Für welches Gebiet tragen die Belege die Grenze? |
Teste dich
Beginne mit einer historischen Frage und einem klaren Raum. Lege dann fest, welche Merkmale du untersuchen willst. Sammle Belege dafür, was sich verändert und was fortbesteht. Erst danach entscheidest du, welche Abschnitte deine Frage sinnvoll beantworten.
Für die Frage nach politischer Herrschaft in Deutschland kannst du zum Beispiel zwei Phasen unterscheiden: die NS-Herrschaft und die anschließende alliierte Besatzung. Bei der alliierten Besatzung übten verbündete Besatzungsmächte die Herrschaft aus. Die Grenze zwischen diesen beiden Phasen ist 1945. Dieses Modell erklärt einen politischen Wechsel in Deutschland; es ist keine Einteilung der gesamten Weltgeschichte.
Fragst du stattdessen nach gesellschaftlichen Einstellungen, musst du fortwirkende Traditionen berücksichtigen. Das politische Zweiphasenmodell reicht dafür nicht aus. Ergänze deshalb, was über die Grenze hinweg fortbestand. Wähle ein Datum oder eine Übergangsphase danach, was deine Belege tragen. Eine Übergangsphase ist ein Zeitraum, in dem sich Veränderungen häufen, ohne dass alles an einem Tag wechselt.
Formuliere zum Schluss, warum du deine Grenzen gewählt hast und was dein Modell nicht erklärt. Neue Erkenntnisse können eine Überarbeitung nötig machen. Ein brauchbares Modell ist begründet und überprüfbar; es beansprucht keine Gültigkeit für jede Frage und jeden Raum.
Merke: Frage und Raum festlegen, Merkmale auswählen, Wandel und Fortbestand belegen, Grenzen begründen und die Grenzen des Modells benennen.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Periodisierung
Ordnung
Periodisierungen machen Zusammenhänge und Unterschiede der Vergangenheit sichtbar.
Sichtweise
Frage, Raum und ausgewählte Merkmale beeinflussen die Einteilung.
Prüfung
Untersuche Wandel, Kontinuität und räumliche Reichweite gemeinsam.
Begründung
Wähle ein Datum oder eine Übergangsphase anhand deiner Belege.
Reichweite
Ein Modell kann eine Frage gut beantworten, ohne für andere Fragen zu passen.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Ein Periodenmodell zur politischen Herrschaft entwickeln
- 1Frage festlegen: Wie lässt sich der Wechsel politischer Herrschaft in Deutschland um 1945 gliedern?
- 2Merkmal auswählen: Untersucht wird, wer die politische Herrschaft ausübt.
- 3Phasen unterscheiden: Auf die NS-Herrschaft folgt die alliierte Besatzung. Die Grenze des Modells liegt bei 1945.
- 4Grenze begründen: Das Ende der NS-Herrschaft ist für diese politische Frage ein tiefer Einschnitt.
- 5Reichweite begrenzen: Das Modell belegt keinen vollständigen Wechsel gesellschaftlicher Einstellungen und ist keine allgemeine Weltepochenfolge.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zu Kommunikationsweisen In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Der Fehler ist das behauptete Verschwinden der Gespräche. Richtig: Auch im Zeitalter elektronischer Kommunikation bestehen Gespräche fort.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Die verbreitete Dreiteilung in Altertum, Mittelalter und Neuzeit bezieht sich auf . Für das Ende der NS-Herrschaft in Deutschland ist ein tiefer Einschnitt. Im Modell von D’Haenens folgt auf die vorwiegend mündliche Weitergabe zunächst eine Phase vorherrschender .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback