Geschichte · Klasse 9–11 · aktualisiert
Geschichte der Globalisierung: Wellen und Wendepunkte
Du lernst, warum Globalisierung verschieden datiert wird, wie ihre Wellen entstehen und weshalb ihre Folgen ungleich verteilt sind.
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Kurz gesagt
Globalisierung bedeutet, dass weltweite Beziehungen zunehmen und enger werden. Ihre Geschichte umfasst mehrere Wellen und Brüche. Technik und politische Entscheidungen fördern Verbindungen, doch Kriege und Krisen können sie unterbrechen.
Chinesische Seide war schon im antiken Rom begehrt. Heute können Unternehmen ihre Arbeit über das Internet weltweit abstimmen. Du untersuchst, was solche Verbindungen unterscheidet und warum mehr Austausch nicht für alle Menschen dieselben Vorteile bringt.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Globalisierung bezeichnet die Zunahme und Verdichtung weltweiter Beziehungen in allen Lebensbereichen. Dazu gehören Waren und Geld, aber auch Wissen, Menschen und politische Zusammenarbeit. Fachleute setzen den Beginn unterschiedlich an, weil sie verschiedene Merkmale besonders wichtig finden.
Wer frühe Verbindungen zwischen entfernten Regionen betrachtet, findet schon in der Antike Beispiele. Während der Han-Dynastie, einer chinesischen Herrscherfamilie, wusste man in China vom Römischen Reich. Chinesische Seide war in Rom begehrt. Solche Kontakte zeigen eine lange Vorgeschichte. Sie legen aber keinen allgemein anerkannten Beginn fest.
Die Mehrheit der Historiker sieht den Ausgangspunkt der modernen Globalisierung im frühen 16. Jahrhundert. Sie betont die europäische Ausbreitung und den weltweiten Handel. Andere Ansätze setzen im 19. Jahrhundert an: Märkte wurden enger verbunden, und europäische Mächte führten auf nahezu allen Kontinenten Krieg.
Politik-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler konzentrieren sich dagegen auf die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sie betonen, dass grenzüberschreitende Kräfte die Handlungsmöglichkeiten einzelner Staaten verändern. Die verschiedenen Anfangsdaten beruhen somit auf unterschiedlichen Maßstäben, nicht bloß auf einer falschen Jahreszahl.
Definition
Globalisierung
Weltweite Beziehungen nehmen zu und werden enger. Das betrifft alle Lebensbereiche, etwa Handel, Wissen und Politik.
Merke: Prüfe bei einem Anfangsdatum zuerst den Maßstab: Geht es um frühe Fernkontakte, weltweiten Handel oder veränderte Handlungsmöglichkeiten von Staaten?
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Als grobe Orientierung lassen sich drei große Schübe um 1500, um 1900 und um 2000 unterscheiden. Diese Angaben bezeichnen längere Entwicklungen, keine einzelnen Startjahre. Im 16. Jahrhundert wurden Handelsbeziehungen dichter: Silber aus Amerika war in China gefragt, chinesische Seide und Porzellan in Europa.
Der Wirtschaftshistoriker Knut Borchardt beschreibt eine Welle von den 1840er Jahren bis zum Ersten Weltkrieg. Handel, Nachrichtenverbindungen, Geldanlagen über Grenzen hinweg und Migration nahmen stark zu. Migration bedeutet, dass Menschen ihren Wohnort in eine andere Region oder ein anderes Land verlegen. Mit dem Ersten Weltkrieg endete das Wachstum der Verflechtung. Ab der Weltwirtschaftskrise von 1929 nahm die Verflechtung ab.
Nach dem Zweiten Weltkrieg begann die Dekolonisation: Kolonien, also von auswärtigen Staaten beherrschte Gebiete, wurden unabhängig. Zugleich entwickelten sich neue weltweite Wirtschaftsverbindungen. Der Unternehmensberater Vijay Govindarajan verbindet eine Phase der 1950er und 1960er Jahre mit der Ausbreitung von Unternehmen aus den USA, den Vereinigten Staaten von Amerika. Der Wiederaufbau schuf eine große Nachfrage nach Waren und Maschinen.
Das Ende des Kalten Krieges, des Konflikts zwischen dem westlichen und dem östlichen Machtblock, veränderte die politischen Bedingungen der Globalisierung. Das Internet gewann an Bedeutung. Doch auch diese Entwicklung verlief nicht ungebrochen: Seit der Finanzkrise ab 2007 nahmen Abschottungstendenzen und Gegenbewegungen gegen die Globalisierung zu. Viele Firmen verlagern ihre Produktion näher zu ihren Absatzmärkten, also dorthin, wo sie ihre Waren verkaufen.
| Zeitraum | Entwicklung |
|---|---|
| um 1500 | Großer Schub weltweiter Beziehungen |
| um 1900 | Weiterer großer Globalisierungsschub |
| Erster Weltkrieg | Nach Borchardt endet das Wachstum der Verflechtung. |
| ab 1929 | Nach Borchardt nimmt die Verflechtung mit der Weltwirtschaftskrise ab. |
| um 2000 | Erneuter großer Globalisierungsschub |
| seit der Finanzkrise ab 2007 | Abschottungstendenzen und Gegenbewegungen nehmen zu. |
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Technik kann den Austausch schneller und günstiger machen. Seit Ende der 1860er Jahre beschleunigten unter anderem schnelle Dampfschiffe und Nachrichtenkabel durch den Atlantik den Waren- und Informationsaustausch. Heute erleichtert das Internet die Zusammenarbeit über Grenzen hinweg. Container, große Transportbehälter für Waren, machen Transport, Umladen und Zwischenlagerung effizienter.
Technische Möglichkeiten allein entscheiden aber nicht darüber, wer handeln darf. 1759 wurde Guangzhou zum einzigen offiziellen Umschlagplatz für den europäischen Handel mit China. Ein Umschlagplatz ist ein Ort, an dem Waren für den Weitertransport übergeben werden. Der militärisch erzwungene Vertrag von Nanjing öffnete 1842 fünf chinesische Häfen für britischen Handel. Die Öffnung beruhte hier auf militärischem Zwang, nicht auf gleichberechtigter Zusammenarbeit.
Auch Regeln für Geldbewegungen sind wichtig. Auf Finanzmärkten werden etwa Währungen und Wertpapiere gehandelt oder Kredite vergeben. Bis in die 1970er Jahre waren diese Märkte überwiegend national organisiert. Das Bretton-Woods-System war eine Ordnung mit festen Wechselkursen: Es legte fest, in welchem Verhältnis Währungen getauscht wurden. Nach seinem Ende 1973 schwankten die Kurse nach Angebot und Nachfrage. Beschränkungen des internationalen Kapitalverkehrs, also der Geldbewegungen über Grenzen hinweg, fielen weitgehend weg. Dadurch nahmen diese Geldströme stark zu.
Zölle, also Abgaben auf eingeführte Waren, können den Handel begrenzen. Ihre Wirkung ist jedoch nicht in jeder Lage gleich. Borchardt vertritt die begründete Vermutung, dass gemäßigter Protektionismus ab den Krisen der 1870er Jahre die Verflechtung sogar gefördert habe. Zugeständnisse an Verlierer der Globalisierung hätten soziale Härten und Konflikte gemildert. Das ist eine Erklärung für eine bestimmte historische Lage, keine allgemeine Regel für jeden Zoll.
Beispiel: Container als technische Hilfe
- 1Waren werden in großen Transportbehältern befördert.
- 2Container machen Transport, Umladen und Zwischenlagerung effizienter.
- 3Hier fördert eine technische Neuerung den Austausch.
Merke: Frage getrennt nach technischen Möglichkeiten und politischen Regeln. Eine Marktöffnung kann auch militärisch erzwungen sein.
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Für diesen Vergleich nennen wir die industrielle Welle von den 1840er Jahren bis zum Ersten Weltkrieg „erste Globalisierung“. Die erneute Verdichtung nach dem Zweiten Weltkrieg nennen wir „zweite Globalisierung“. Das sind Arbeitsbegriffe für den Vergleich. Sie bedeuten nicht, dass vorher keine weltweiten Beziehungen bestanden.
In der ersten Welle beschleunigten Dampfschiffe und Nachrichtenkabel den Austausch. Industriell produzierende Kolonialmächte suchten weltweit Absatzmärkte und bezogen Rohstoffe aus beherrschten Ländern. Die Verbindung war damit von ungleicher Macht geprägt. Zugleich organisierten sich nach dem Historiker Jürgen Osterhammel Arbeiter, Frauen, Friedensaktivisten und Kolonialismusgegner international, oft über Europa hinaus. Menschen nutzten Verbindungen also auch für gemeinsame politische Anliegen.
Die zweite Welle entwickelte sich während und nach der Auflösung von Kolonialreichen. Container und später das Internet erleichterten weltweite Produktion und Zusammenarbeit. Viele Unternehmen können Unterschiede bei Arbeitskosten und Steuern zwischen Ländern nutzen. Kleineren Unternehmen, die im eigenen Land arbeiten, fehlen diese Möglichkeiten zunächst. Sie sind durch die Konkurrenz international tätiger Unternehmen vielfach in ihrer Existenz bedroht.
Ungleichheit verschwand nicht. Entwicklungsländer mit politischer Instabilität, unsicherem Recht und mangelhaften Verkehrs- und Versorgungsnetzen können in der Regel selbst bei niedrigsten Löhnen kaum produktive Auslandsinvestitionen anziehen. Damit sind Geldanlagen gemeint, die etwa dem Aufbau von Produktion dienen. Auch Internetzugänge sind weltweit sehr ungleich verteilt.
Wirtschaftliche Befürworter erwarten, dass mehr Handel und Arbeitsteilung Armut verringern können. Globalisierungskritiker bemängeln dagegen, dass Menschenrechte, Arbeitnehmerrechte und Umweltschutz zu wenig zählen. Sie fordern vielfach weltweite soziale und ökologische Mindeststandards. Für dein Urteil brauchst du deshalb einen Maßstab: Ein Vorteil für international tätige Unternehmen ist noch kein Beleg für einen gleich großen Vorteil aller Menschen.
| Vergleichspunkt | Erste Globalisierung | Zweite Globalisierung |
|---|---|---|
| Zeitraum im Vergleich | 1840er Jahre bis Erster Weltkrieg | Erneute Verdichtung nach dem Zweiten Weltkrieg |
| Technische Hilfen | Dampfschiffe und Nachrichtenkabel | Container und später das Internet |
| Politische Bedingungen | Kolonialmächte suchen Märkte und Rohstoffe. | Kolonien werden unabhängig; Handels- und Geldverkehrsregeln ändern sich. |
| Ungleiche Möglichkeiten | Kolonialmächte beziehen Rohstoffe aus beherrschten Ländern. | Unternehmen nutzen Länderunterschiede; Internetzugänge bleiben ungleich verteilt. |
Merke: Vergleiche nach denselben Fragen: Welche Technik hilft? Wer bestimmt die Regeln? Welche Gruppen gewinnen Möglichkeiten, welche geraten unter Druck?
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Alles auf einen Blick
Geschichte der Globalisierung
Beginn
Unterschiedliche Maßstäbe führen zu unterschiedlichen Anfangsdaten.
Wellen
Die Schübe um 1500, um 1900 und um 2000 geben eine grobe Orientierung.
Brüche
Kriege und Krisen können das Wachstum weltweiter Beziehungen stoppen oder Verflechtungen verringern.
Bedingungen
Technik und politische Regeln wirken beim grenzüberschreitenden Austausch zusammen.
Folgen
Mehr Verflechtung schafft Möglichkeiten, verteilt Vorteile und Belastungen aber ungleich.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Die Veränderung des Kapitalverkehrs nach 1973 erklären
- 1Aufgabe: Erkläre, wie veränderte Regeln internationale Geldbewegungen förderten.
- 2Ausgangslage bestimmen: Bis in die 1970er Jahre waren Finanzmärkte überwiegend national organisiert.
- 3Änderung benennen: Nach dem Ende des Bretton-Woods-Systems 1973 schwankten Wechselkurse nach Angebot und Nachfrage. Beschränkungen des Kapitalverkehrs fielen weitgehend weg.
- 4Folge erklären: Der weitgehende Wegfall dieser Beschränkungen ließ internationale Geldströme stark anwachsen. Politische Regeln waren damit ein wichtiger Einfluss auf die Verflechtung.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zur Entwicklung seit der Finanzkrise In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage verwechselt die Richtung der Entwicklung. Richtig: Seit der Finanzkrise ab 2007 nahmen Abschottungstendenzen zu.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Die Mehrheit der Historiker setzt den Ausgangspunkt der modernen Globalisierung im frühen an. Zum einzigen offiziellen Umschlagplatz für den europäischen Handel mit China wurde Guangzhou . Das System fester Wechselkurse von Bretton Woods endete .
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Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback